Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesandte, m.

gesandte, m.
legatus, missus, mnl. ghesandte Kilian 171ᵇ, in Deutschland im 16. jahrh. geläufig, dafür in älterer zeit der bote (s. d., apostel das ist gesandte oder auff recht alt deudsch boten Luther der 110. psalm 1539 M 2ᵇ), gesanter pote oder gesanter knecht voc. 1482 m 1ᵇ, gesanter pot vom pabst, legatus, nunctius voc. inc. teut. i 1ᵇ, gesandter bot Maaler 171ᵇ, gesandtbott Junius 49ᵇ, daraus gekürzt gesandter und daneben ohne jede flexion: der frantzösische gesant Janinus. Zinkgref apophth. 3, 108 Weidner, venedischer gesandt. 444; mein herr der gesandt. Albertinus landstörzer 144; der gesandt griffe in seinen beutel. 139 u. ö.;
so glaubt uns, herr gesandt, dasz nicht die lange klag ..
uns hinder' an der lust.
A. Gryphius 135;
was richtet ihr gesandt
mit diesem vorschlag aus?
140.
auch sonst zeigt sich, namentlich im 17. jahrh., ein schwanken in den endungen, z. b. der gesandter neben der gesante Albertinus landst. 139, die mehrzahl ohne artikel lautet bis ins 18. jh. gesandten neben gesandte: jr drei, des rats gesandten. 2 Macc. 4, 44; die russische ceremonien und arth, gesandten zu empfangen. Olearius pers. reis. 1, 4; dieses jungfräuliche heer wuchs dargestalt, dasz der könig aus furcht einer schimpflichen neurigkeit diese völcker durch gesandten zu ruh ermahnen liesz. Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 344;
man schickt gesandten und wünscht glück ..
man schickt gesandten, lobt und klagt.
Hagedorn 2, 225.
in gleicher bedeutung findet sich geschickter: die geschickten von meins lieben herrn von Hessen wegen. weisth. 3, 337 (Hessen, von 1462); sechsischen geschickten. 894 (Römhild, von 1527).
1)
der mit einem auftrage, zu einem bestimmten zwecke abgesendete, im weitesten sinne: da er (der heubtman zu Capernaum) aber von Jhesu höret, sandte er die eltesten der jüden zu jm ... und da die gesandten widerumb zu hause kamen, funden sie den krancken knecht gesund. Luc. 7, 10; als er kam an den oleberg, sandte er (Jesus) seiner jünger zween und sprach, gehet hin in den marckt ... und die gesandten giengen hin. 19, 32; seid unterthan ... dem könige als dem obersten, den heubtleuten als den gesandten von jm. 1 Petr. 2, 14; noch in gehobener rede:
ich bin gefangen, ich bin in banden,
ach, ich hab keinen andern gesandten (als euch, ihr wolken)!
Schiller XII, 488 (M. Stuart 3, 1);
ich komme als gesandter des gerichts.
428 (1, 7);
brautwerber: so hat Abraham .. auch seine ehrkleinoten und geschmeide, die er seinem gesandten mit gibt, der seinem son werben und freien solle. Mathesius Sar. 48ᵇ; ich, spricht der gesandte (Elieser), bin Abrahams diener. hochzeitpred. 27ᵃ;
hatten die eltern die braut für ihren sohn sich ersehen,
ward zuvörderst ein freund vom hause vertraulich gerufen;
diesen sandte man dann als freiersmann zu den eltern
der erkohrenen braut ... der kluge gesandte
merkte den willen gar bald, und konnte sich weiter erklären.
Göthe 40, 302.
2)
im engeren und gewöhnlichen sinne, eine mit einer sendung in öffentlichen oder staatsangelegenheiten von einem landesherrn oder einer republik feierlich und förmlich betraute person, mit dem charakter der unverletzlichkeit: der gesandte ist unverletzlich. Eiselein sprichw. 228.
a)
in einmaliger sendung: Johannes und Absolom, ewre gesandten, haben einen brieff gebracht und gebeten umb die sach, derhalben sie gesandt waren. 2 Macc. 11, 17; ewre und meine gesandten haben befelh, euch weiter zu unterrichten. 20; ein keck gemüt eins gesandten. Eppendorf Plutarchi sprüch (1534) 362; sampt den manungsbriefen, dern abschrift berurter unser gesandter beihendig hat. Lanz Karl V s. 436 (von 1550); beschreibung der von den hollsteinischen gesandten nach Muszcau und Persien gethanen reise. Olearius pers. reis. vorrede; dasz in Westphalen in der statt Münster viel vornehmer königen, potentaten, fürsten und herren gesandten beisammen wären, einen allgemeinen frieden im römischen reich zu erlangen. Phil. Lugd. 6, 296; herkommen und höflichkeit oder rücksichten der achtung erfordern bei den wichtigeren ereignissen in den regierenden familien seine theilnahme zuweilen durch besondere ceremonial- oder ehrengesandte zu erkennen zu geben, welche z. b. einer vermählung, einer krönung beizuwohnen haben. Meyer conv.-lex.² 7, 704; es giebt auch geheime gesandte, die nur privataudienzen bei dem könige oder andern regierenden herren, mit denen sie unterhandlungen treiben, haben und welche eben dieselbe sicherheit genieszen wie die öffentlichen gesandten. Krünitz 17, 461; schweizerisch gsandta, der von einem kanton an die schweizerische tagsatzung abgeordnete Tobler appenzell. spr. 240ᵃ.
b)
als ordentlicher, ständiger gesandter, der sich als ständiger vertreter seines fürsten oder staates bei einer auswärtigen regierung aufhält, eine einrichtung, die sich in den europäischen staaten im 15. jahrh. zu entwickeln beginnt: man theilet sie in gesandte vom ersten und andern range, indem jene des principalen person repräsentiren, diese aber solchen characterem repraesentativum nicht haben. Hayme 240; grosgesanter, legatus principalis, supremus, vulgo ambasciator, kleingesanter, rerum privatarum nuntius, appellant etiam vulgo agentes et residentes. Stieler 2010; fürstlicher, päbstlicher gesanter. ebenda; Gusman erzehlt, was gestalt er in des frantzösischen gesandten (zu Rom) dienst angenommen worden. Albertinus landstörzer 135; das gouvernement ernennt sie zum gesandten. Schiller XI V, 265; graf Aubespine, französischer gesandter (am hofe der königin Elisabeth) XII, 398; das recht gesandte zu schicken wird hauptsächlich der majestät, jedoch auch der hohen landesherrschaft beigeleget. Hayme 241; im deutschen wird ein unterschied gehalten, also, dasz der fürsten und andrer stände des reichs (darunter auch die reichs- und hanseestädte zu verstehen) legaten nicht gesandte, sondern abgesandte genannt werden. und diesen unterschied observirt auch der reichsfurier bei den reichstagen. Zeiler sendschreiben 65 bei Lessing 11, 293; nach übereinkommen der groszmächte unterscheidet man in neuerer zeit drei classen von gesandten, zur ersten gehören die groszbotschafter (ambassadeurs) und die päpstlichen legaten und nuntien, zur zweiten die gesandten, gegenwärtig durchgängig auszerordentliche gesandte genannt, die bevollmächtigten minister und die internuntien, zur dritten die geschäftsträger; zwischen die beiden letzten classen schob der Aachener congresz von 1818 noch die residenten, einfachen minister und minister-geschäftsträger ein.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3792, Z. 57.

gesandtin, f.

gesandtin, f.
1)
eine weibliche person als gesandter (1), eine botin: weil sie ja eine gesandtin des grafen sein konnte. J. Paul Titan 3, 84.
2)
die frau des gesandten (2): gesantin, conciliatrix, legati uxor Stieler 2010: frau von Severin, russische gesandtin zu München. Varnhagen tageb. 1, 189.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3794, Z. 46.

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Zitationshilfe
„gesandtin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesandtin>, abgerufen am 30.11.2021.

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