Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschäft, n., früher auch f., subst. verb.

geschäft, n., früher auch f., subst. verb.
mit lingualer endung (s. gramm. 2, 742 fg.) zu schaffen in dessen verschiedenen bedeutungen, und aus verschiedenen bildungen hervorgegangen.
I.
zu schaffen, erschaffen, erzeugen, gestalten.
1)
schöpfung, geschöpf, werk, goth. gaskafts, ags. gesceaft gescäft, ahd. gascaft; mhd. geschaft, sämtlich fem., daneben neutr. ahd. gascafti (cascafti, essentia Steinmeyer-Sievers 1, 126, 38), mhd. geschefte, gescheft, ferner ahd. gescaffeda gescepheda f., mhd. gescheffede, geschephede, f. und n., letzteres entsprechend einem ahd. vorauszusetzenden gascaffidi gramm. 2, 248 (vgl. geschöpf):
daʒ keiner crêâtiure geschaft
mac wesen ir (der reinen wîp) gelîch.
Kolmarer meisterl. 122, 4;
himel und erd und all geschaft.
Suchenwirt 41, 116;
die gescheffte der hende gottes, das sind die fromen, die er gebirt und schaffet aus gnaden. Luther 1, 44ᵃ; ich rhüme die gescheffte deiner hende. psalm. 92, 5. Jes. 5, 12; dasz die engel ein geschäffte gottes sein, ist beschrieben 1. cap. ad Ebraeos. Ayrer proc. 1, 14;
höchlich damit erzörnen gott
und sein geschefft halten vor spott.
B. Waldis Esopus 2, 33, 32 Kurz;
der glaube ist ein geschäft (werk) des heiligen geistes. Adelung; das resultat (des triebes der nahrung und fortpflanzung bei der pflanze) sind kunstwerke, an welche schwerlich das geschäft irgend eines lebendigen kunstinsekts reicht. Herder 9, 118 Düntzer; vormols war er (thurm) gedecket mit ziegeln und was ein alt gescheffede (machwerk). Königshofen in städtechron. 9, 721, 3. — eine kürzere nebenform ohne lingualen ausgang ist mhd. daʒ geschaf, alts. giskap, ags. gesceap:
dur des tûbelis gescaf.
glaube 811 Maszmann;
daʒ süeʒe minneclîch geschaf (geschöpf).
Wolfram Willeh. 251, 8, vgl. Parz. 319, 15;
bei Luther gescheffe: die ehe ist ein gottlich gescheffe, gabe und ordenung. wider die 32 artikel (1545) B 2ᵃ.
2)
der von jemandem angestellte: es soll auch der phleger oder sein geschäft kainen man nicht vachen (gefangen setzen), der zu einem rechten gesessen ist. östr. weisth. 1, 325, 27 (von 1354), nachher der phleger oder sein richter.
3)
schicksal: ahd. kischeifti, keschefti, fata, gascaftlih, fatalis, genialis Graff 6, 451, alts. giskap, metodi-giscefti n. schicksalsschlusz, bestimmung, ags. gesceaft (auch meotud-gesceaft) f., gesceap n. destinatum, sors, altn. sköp, vgl. geschaffen 3.
4)
gestalt, beschaffenheit, eigenschaft, ahd. gascaft, f. elementum, forma, imago, conditio, habitus, ags. gescap, gesceap, n. indoles, forma, pulchritudo: ahd. er bechennet unsera geskaft (figmentum), er weiʒ taʒ sie ûʒer horewe (aus kot) ist. Notker ps. 102, 14 Wiener handschr.; mhd.
David was vil lutzeler gescaft.
Rolandslied 302, 1;
sô machte si den man
ze vogele oder ze tiere,
dar nâch gap si im schiere
wider sîne geschaft.
Erec 5187;
ir gescheffede was rîche,
uber allen irn lîp
was sie ein wol gemachet wîp.
Herbort von Fritslar 3286;
sîn geschephede diu was hêrlîch.
Tristan 4070.
5)
ahd. alimentum, victum vel cibum, gascaft edo moas Steinmeyer-Sievers gl. 1, 42, 12.
6)
zeugungsglied, mhd. geschaft f. und n., ags. gesceapu n. pl., engl. shape Halliwell 727ᵇ, altn. sköp n. pl. genitalia, schwed. skap, skapt, membrum genitale equi Rietz 579ᵇ, mlat. scapus: daʒ er sich hieʒe besnîdin an sîner geschaft. speculum eccles. 18; vindet man dâ (zwischen den beinen des knaben) kleineʒ hâr ob sîner geschäfte. Schwabensp. 27, 16 Wackernagel, oberhalb seiner geschäpfde Deutschensp. 1, 29ᵇ; sô dem manne sîn geschaft wê tuo, daʒ der zagel heiʒet. arzneib. d. 12. u. 13. jh. 2, 6ᵈ Pfeiffer; ouch geswillet ir diu geschaft. 3ᵈ; geswilt ir daʒ geschäft cod. germ. Mon. 720, f. 85 bei Schm.² 2, 379; sint die lüte do ungesunt und zuͦbrochen, das in das gescheffte usget (exeunt perpendicula de corporibus prope ad genua). Otto von Diemeringen Mandeville f. 51 bei Scherz; schlug jn das wetter oben zum haupte hinein, dasz es unten zum gescheffte wieder herausz gieng. Luther tischr. 262ᵃ; als were es ein hegedrusz, und zu rings weisz umb das geschäfft. Paracelsus (1616) 1, 768 C; geschäfte, virilia Hederich 1092. Steinbach 2, 374; wo ein schel nicht lust zu springen hat, so sol man mit einem schwamb dem mutterpferdt das geschefft oder burdtglied abweschen. Zechendorf von gebrechen der ross (Eger 1571) 1, 39; noch mundartlich das geschäft, die geschlechtstheile, z. b. nordböhm. Knothe 251, schweiz. Seiler 149ᵇ, membrum virile Stalder 2, 306, erzgeb. Göpfert 52, weidmännisch der schaft (s. d.), geburtsglied der hündin und der raubthiere Kehrein 247.
II.
zu schaffen, bestimmen, verordnen, befehlen.
1)
anordnung, befehl, gebot, verordnung, verfügung, anweisung: gescheft, jussus Aventin. 1, 407, 19 Lexer; decretales, gescheft, erkantnus, beschlus 395, 18; gschäfft oder befelch, mandatum Maaler 195ᵃ, ags. gesceapu n. pl. mandata.
a)
von gott: (als der könig) merckt, das es gottes geschäfft wer, ergab er sich gütlich darein. S. Frank weltb. 230ᵇ; den ehestand in ehren halten als ein göttlich edles gescheffte. Luther das 7. cap. Cor. (1523) A 4ᵃ; gieng Noah ausz göttlichem geschäft wider aus dem schiff. Aventin. 4, 51, 22 Lexer; ausz gescheft und befelch gottes. 90, 19; das götlich gesatz und geschaft. 1, 47, 26; ihr zwei (vater und mutter) habt mich ausz gotts geschefft auf diese welt bracht. V. Schumann nachtbüchl. 1, 71ᵇ; das war gotes geschefft (fügung) und nicht von menschen. 143ᵇ; sie verachten göttliche geschefft. 156ᵇ.
b)
von menschen, namentlich von fürsten: mhd.
ein edel grâve dolde
von seinem (des königs) gischäffte den tôt.
ged. d. 12. und 13. jahrh. 60, 54 Hahn;
si het eʒ nimmer getân
ân iwer geschäft und iwern rât.
72, 61;
nach unsers genädigen herren hertzog Ludwigs geschafft und gebot. städtechron. 4, 236, anm. 1 (von 1441); (dasz er) seinen gnaden mercklichen gebott, schrift und geschäft nicht gehorsam gewesen ist. ebenda; darnach wart aber ain tag gemacht auff sant Mathias tag gen Regenspurg von des kaisers geschäfts wegen. 332, 12 (von 1469); die (gulden) sollen euch auff dits unser gescheft und sein quittung in ewr raitung gelegt und abgezogen werden. urk. Max. nr. 3. 7. 9. 15, stete schluszformel der königl. anweisungen; auff heut seind mir vir geschefft von e. k. mt. durch den postpoten geantwurt. item das ain geschefft ist geben zu Worms inehaltent den stathaltarn fürderlichen 10000 gulden zu antwurten, das ander geschafft innehaltent der tausent guldin halben. 44; gnedige schriftliche geschäft ze thun und an jn ausgeen zu lassen. 256; dasz jr dieselben vier schilling unz auf unser verrer geschäft und bevelhen all wochen ausrichtet und gebet. 21; anno 1492 schifft diser Columbus wolgerüst von Hispania ausz geschäfft des künigs daselbs hinweg. S. Frank weltb. 120ᵃ;
aus bevelch und geschefft des herrn.
Schmelzl Saul 19ᵇ;
sein pildnus sol gen Tirol aus geschäft und haiszen kaiser Maximilians gefuert sein worden. Aventin. 4, 44, 2 Lexer; dr. Hans Eck, fürstlicher durchleuchtigkeit leibarzt, deszwegen ein keiserlich geschefft lassen auszgehen. chron. 1, 52, kaiserlich mandat 4, 187, 23 Lexer;
jedoch ich euch nicht wehren will,
dasz ir des königs gschefft kummt nach.
Jac. Ayrer tr. von stadt Rom 2ᵃ;
darin wirdt er umb den verdacht
heimlich durch mein geschefft umbbracht.
H. Sachs 13, 505, 26 Keller;
(die Römer) lieszen ein offenlich geschäft ausgên, das man nach allen den greifen solt, so gelt, miet und gab vom Jugurtha genummen. Aventin. 4, 499, 16 Lexer; die von Trier gaben nichts umb das geschäft Julii, kamen auf kainen landnoch reichstag. 544, 21; damit ditz gescheft durch niemants in ewig bekrenkt und stet gehalten werd, haben wir dasselb mit unser hant hie unden bevestent. 1, 58, 11; ôn geschaft der öbrikait. 42, 17; wann die bezahlung auf des richters geschäft inner vierzehen tägen nicht geschicht. summar. procesz 11, 5 bei Schm.² 2, 380; nach geschäfft des rentmeisters. Krenner bair. landtagshandl. 3, 279; tirol. das geschaft, das unberufene befehlen Schöpf 586.
2)
auftrag: geschäfft, befelch, das man einem ietlichen zu thun gibt, onus, commercium Maaler 171ᶜ; (Marinelli zum grafen Appiani) ich hab ein dringendes geschäft an sie. Lessing 2, 142;
härte
gab ich dir schuld, weil du mir ein geschäft
verweigertest, wo deine Alba glänzen?
Schiller V, 2, 219 (don Carlos 2, 5).
3)
absicht, plan: ich antworden in half mit loegen reden ind nae ieren wal bevallen, want ich doch eigentlich des koenincks van Franckrijch geschefften niet enwiste. Harff pilgerf. 86, 40.
4)
urkunde, vertrag: anderre herren insigel hânt niht kraft wan über ir selber geschefte unde über ir liute geschefte. Schwabensp. 140, 7 Wackernagel (var. geschäfede, gescheffede, geschopfde). kulm. recht 5, 64; dises gescheffedes sint geziuge. monum. Zollerana 2, 414 (von 1297); ditz vor und hernach geschriben gescheft. 3, 87 (von 1341); von des wegen wir ditz gescheft aufgericht zu werden pefolen haben, damit die vorgesetzten güeter ôn jeder anfechten zu ewigen zeiten bei der itzgemelten capellen .. beleiben sollen. Aventin. 1, 58, 36 Lexer.
5)
letztwillige verfügung, letzter wille, vermächtnis, zu schaffen, durch ein testament vermachen Schwabensp. 145, 2 Wackernagel. Lexer 2, 631, legare, schaffen etwas im gescheft Aventin. 1, 432, 20 Lexer, vgl. gemächt II, 1, a: ist der vater ân geschäfede verfarn. Schwabensp. 8, 5 Wack. (var. geschäft, gescheffte, geschafede, geschepfde, geschöpfde); ist daʒ ein man verscheidet ân geschefte. 144, 1 (var. gescheffede, geschopfde); ab der sone den vatir an syme geschefte (var. gescheffede) geirret adir gehindirt hat. kulm. recht 5, 49, 8; gescheffede an klôster. Berthold v. Regensb. 2, 195, 30; ich Ernprecht von Gumpolteschirichen vergihe .., daʒ ich geschaft hân mein geschefte. fontes rer. austr. 2, 16 nr. 78 (von 1322); daʒ mein hausvrowe durch ir seel willen ir letztes geschaffte offent und schaffet an disen brief. Haltaus 682 (von 1302); eine werntliche (weltliche) sache in geschaffts weise (durch testament) geistlich machen. ebenda (von 1409); ich vergihe mit disem brief, das ich mit wolbetrachten sinnen ditz mein gescheffte schicke (anordne). städtechron. 1, 206, 18 (von 1406); es sollen hinfüro einichs abgestorben freunde keinen seelwein, prot oder gelt darfür nyndert hin senden, dann allain an die ende, die in des abgangen oder siechen geschefft und letzter mainung bestimbt were. Nürnb. pol.-ordn. 112 Baader; geschafft der toten, testamentum, negociamen. voc. inc. teut. i 2ᵇ, gestorben ân geschafft, abintestatus. 5ᵃ; ein totgeschäft. mon. boica 9, 197 (von 1363); geschefft oder selgereth, legatum. voc. 1482 m 1ᵇ; gescheffte tun oder den letzten willen besetzen, testamentare, geschefftes stat, testamentorium, locus ejus. 3ᵃ; die fünfft beraitung ist das der mensch ain ordenlichs geschäfft seiner seel und guͦts halben machen sol. A. v. Eyb spiegel d. sitten 71ᵇ; wer eeliche kinder oder erben hinder jm verlaszt, setzt nit unbillich die selben in seinem geschäfft vor andern zuͦ erben. Tengler laiensp. 32ᵃ u. ö.; wo ain person mit todt abgeet und ain geschäfft irs leszten willens hinder jr verlaszt. reform. d. bair. landr. von 1518 tit. 52, art. 2; die Römer machten und verordneten überal ir lest willen und geschäft. Aventin. 4, 541, 20 L.; Augustus, der brach wol auf das geschäft Herodis, las es. 734, 12; der geschäfft machet, und dem das geschäfft vermachet ist, mögen beide theil betrogen werden. Petr. 97ᵇ;
der (h. Martin) riet, dasz ich (gans) ein gescheft solt ton.
ich volget dem heiligen man (sie stiftet sich selbst als Martinsgans).
Uhland volksl. 567.
als fem.:
und ob wol jhre majestat (der verstorbene kaiser)
in der gschefft mich begabet hat ...,
so wer sein leben lieber mir.
Jac. Ayrer 127ᵇ (1, 642 Keller);
aus der deutschen sprache übernommen böhm. kšaft, testament.
6)
gescheffte oder zeugschaft, testamen, gescheffte machen oder bezeugen, testari. voc. 1482 m 3ᵃ.
7)
testament im biblischen sinne: der das neu geschäft ins latein bracht (übersetzt) hat, das noch die lateinisch kirch braucht. Aventin. 4, 745, 21 L.
8)
ordnung, stand: ahd. engilo giscefti, die ordnungen der engel Otfrid 2, 1, 1.
III.
zu schaffen, thun, ins werk setzen, bewirken, verrichten, besorgen.
1)
das geschäft, das was man macht oder wirkt, zu thun oder zu besorgen hat, unverkürzt geschäfte (z. b. noch bei Gellert, Wieland, Göthe, s. u.), mhd. geschefte, geschaft, gescheffede, geschäfede, geschepfede Lexer 1, 896 fg., negocium, geschefft, geschafft, gescheffde, geschepff, geschepft, nd. geschechte Dief. 378, nov. gl. 262ᵇ, mnd. geschefte, ohne linguale endbildung mnrhein. geschaff Karlmeinet 29, 33, mnl. gheschaf Kil., nd. geschäff Berghaus 1, 559ᵇ. Groth quickborn 177. im plural bisweilen geschäften Maaler 171ᵈ. Aler 911ᵇ fg. Schuppius 10. 215, in der bedeutung 1, f, η geschäfter Albrecht leipz. mundart 121ᵇ.
a)
verrichtung, beschäftigung, arbeit, thätigkeit im allgemeinen: gescheffte oder werck, negocium voc. 1482 m 1ᵇ; crisolit, der ist guot zuo allerlai geschäft. Megenberg 470, 6;
sie reifin mich obir die muren an,
waʒ myn gescheffte were dar.
Cersne minne regel 152;
was ist eur geschäft hie.
fastn. sp. 433, 23;
cleine gescheft und grosze narn.
742, 19;
die ersten (die Christum im sacrament des abendmahls anbeten) sind, die alle ir geschefft an den 'worten' dis sacraments haben. Luther 2, 228ᵃ; du hast gschäfft ghan wie ein buͦb und läker. Th. Platter 84 Boos; er erniedriget andre durch wahre und erdichtete fehler, um alsdann über sie hinwegzuragen. ein niederträchtiges geschäffte! Gellert (1839) 7, 210; ertödte den alten menschen mit seinen geschäfften und alles was deine göttliche regierung in uns verhindern wil. Schuppius 433; in meiner vaterstadt, wo mein erstes geschäfte war, den rettenden göttern ein opfer und weihgeschenke darzubringen. Wieland Lucian 4, 294; das liebste geschäfte des vaters war, sein herz zu bilden. werke 33, 17; dieser zufall unterbrach das innere geschäfte meiner seele. 27, 101; es war das ernsthafteste geschäft meines herzens. Haller tageb. 2, 129; sind sie's, herr hauptmann, der abreist — sie haben kurze geschäfte hier gemacht — heute abend kommen sie an und in der nacht gehts wieder fort. Schiller XI V, 173 (neffe als onkel 3, 3); man sagt sich oft im leben, dasz man .. je älter man wird, sich desto weniger in ein neues geschäft (unternehmen) einlassen solle. älter werden heiszt selbst ein neues geschäft antreten. Göthe 49, 88; das geschäft der abreise erleichtern. 21, 202;
und mit den wichtigsten geschäften
verherrlicht heut den groszen tag.
13, 310;
er trug uns auf, als eiligstes geschäfte,
bei dir zu stehn.
41, 269 (Faust 10451 Weim.);
und treibt die dichtrischen geschäfte.
12, 14 (Faust 159);
sie alle ziehen ihres weges fort
an ihr geschäft — und meines ist der mord!
Schiller XIV, 391 (Tell 4, 3);
Carlos zum könig. mein geschäft ist aus.
V, 2, 207 (don Carlos 2, 2);
ein guter tag fängt an mit gottes preisz,
's ist kein geschäft so eilig als das beten.
XIII, 51 (Macb. 2, 5);
steh auf Johanna. lasz die herde.
dich ruft der herr zu einem anderen geschäft!
217 (jungfr. v. Orl. 1, 10);
ist frieden stiften, hasz
versöhnen, ein geschäft der hölle?
248 (2, 10);
wo vernunft ihr geschäft durch blose begriffe treibt. Kant 2, 590;
und weisz ich, ob nicht eine schnelle hand
des kummers langsames geschäft beschleunigt?
Schiller XII, 408 (M. Stuart 1, 2).
b)
aufgabe: wenn ich rühmen thürst, so wolt ich schier sagen, wir weren ewer schutzherrn gewest, und sei unser geschefft, das jr bisher seid blieben was jr noch seid. Luther 5, 78ᵃ;
genug vor itzo gescherzt; genug der liebe geschmeichelt!
nun sind mir gröszre geschäffte bestimmt.
Uz 1, 19 Sauer;
ein fleisziger, dem geschäft gewachsener übersetzer. Göthe 6, 240;
nachzubilden den kranz wär ein geschäfte des tags!
1, 306;
die ursachen, warum die ersten bewohner sich an solchen plätzen angesiedelt, auszumitteln, würde ein angenehmes geschäft sein. 43, 249; die geschichte, so oft nur auf das freudenlose geschäft eingeschränkt, das einförmige spiel der menschlichen leidenschaft aus einander zu legen. Schiller VIII, 298;
dein süszestes geschäfte
sei, alle deine kräfte
dem glück der welt zu weihn!
Wieland 26, 186.
c)
in der naturwissenschaft, function: eine geringe verletzung der geschäfte der phantasei. Uffenbach rossb. 2, 44; ernährung, wachsthum, zeugung sind die einzigen geschäfte, die ihr (der pflanze) intensives leben ausmachen. der höchste grad ihrer innern consumtion, das höchste ziel ihres intensiven lebens ist das geschäft der generation oder blüte. Hufeland makrobiotik 1, 71; jeder theil, jedes eingeweide, jeder punct unsers körpers musz den antheil von lebenskraft erhalten, der ihm zur gehörigen vollziehung seines geschäfts nöthig ist. 240; das geschäft der unmerklichen hautausdünstung wird durch nichts so schön unterhalten als durch heiterkeit, frohsinn des gemüths. 253.
d)
angelegenheit: gescheft, res Aventin. 1, 406, 26 L.; geschäfte des reichs. Zorn Worms. chron. 24, s. unter f, α;
geht kinder, und wenn's feierabend ist,
dann reden wir auch von des lands geschäften.
Schiller XIV, 308 (Tell 2, 1);
die weltlichen geschefft. Luther christl. adel F 4ᵇ (39 neudr.); irdisches geschäft. Schiller XII, 451 anm.;
das ist ein heiliges geschäft, worüber
du mit den priestern dich berathen muszt.
VI, 184;
wo ein stat oder ein dorf eim manne bevilhet ir gescheffid zu bewarn. keiserrecht von 1372 4, 18 Endemann; ain ieclich purger, der in ainer laistunge ist, wil der varn in sein selbes geschefte oder in der stat geschefte. Nürnb. pol.-ordn. 16 B.; ist er danne gegangen in seines herren geschefte. 39; (ausgenommen) es wurde ainer durch gottes gwalt oder der in seines herrn geschäft ausz wär, verhindert. östr. weisth. 6, 338, 12 (von 1599); nahm er sich übrigens ihrer geschäfte an, so that er das nicht für die gebühr. Siegfr. v. Lindenb. 3, 37; major, der in geschäften des regiments vom stabsquartier zugereist war. Freytag werke 12, 208;
nur um zwei augenblicke bittet er,
er hab ein dringendes geschäft.
Schiller XII, 229 (Wallenst. tod 1, 7).
e)
sache, vorgang, ereignis, geschichte: mnd. als dit gheschefte (dasz ein ins feuer geworfener ketzer unversehrt blieb) de bischop sag. Schiller-Lübben 2, 76ᵃ; der Denen koning wuste vele oldes gescheftes (alte vorgänge, geschichten). Magdeb. schöffenchron. 50, 10; mhd.
die gescheffede alsô krum
Benedictus wol weste.
pass. 227, 2 Köpke;
zucht schemde was sines libes reinekeit vol, daʒ machstu an einem geschefde merkin wol. Ködiz h. Ludw. 18, 16; got wolde, daʒ man ganzin glouben zu sinen zeichen solde habe, unde bewiste daʒ in eime wundirlichen geschefte. 78, 12; (der zöllner soll die bürger) manen aldo zuͦ bliben im zuͦ helfen bitz das das geschefde (auflauf bei der verfolgung eines übelthäters) zerget, dann solich geschefde kan nit vil weren über ein halbe stunde. Straszb. verordn. 29 Brucker (15. jahrh.); soll nun also die frembde römische antichristliche liga dermaleins durch unser faulkeit und sicherheit uberhand nehmen, so wird sie uns Teutschen ein anders stücklein zeigen, dessen gibt das elsassische geschäfft (der bischöfliche krieg 1592) jetzunder gute nachrichtung. Alsatia 7, 6; beide aszen mit dem rühmlichen entschlusz, das spiel (vielliebchen) zu verlieren. die folge war, dasz das geschäft nicht vorwärts gehen wollte. Freytag handschr. 2, 181.
f)
insbesondere verrichtung und obliegenheit in amt und beruf, im erwerb:
dâ er (ritter) Magdalena nam
umme helfe stete an rief,
swaʒ in gescheffede uber lief.
pass. 389, 80 Hahn;
sind wir, gleich den pflanzen hier,
thatenlos zu blühen,
oder soll in uns begier
nach geschäften glühen?
Langbein ged. 181.
α)
staats-, reichs-, regierungs-, religions-, kriegsgeschäffte Ludwig 750: daʒ si (königin) uʒ richte unde regierte alle geschefte des konigriches. Ködiz h. Ludw. 14, 3, geschefde 41, 13; unter so viel königlichen geschefften. Luther vorrede auf die spr. Sal. bei Bindseil 7, 333; er (der kranke kaiser) solte sich der geschäfft entschlagen. Zinkgref apophth. (1639) 1, 109; das marggrave Frederich umbe notlich gescheffte muste in Myssen lant zihn. Rothe dür. chron. c. 670; auf den tag als die tafeln (privilegien) ausz gemacht wurden, was der selbig keiser wider auf dem weg oder gar nahen gen Rome mit groszer eil gezogen. was aber das geschefft was, was noch verporgen. städtechr. 11, 750, 23 (Nürnberg, von 1468); der amptleute, die uber Salomos gescheffte waren, der war fünff hundert und funffzig, die uber das volck herrscheten, und die geschefft ausrichten. 1 kön. 9, 23; des koninges kenzeler underwant sik grotes gescheftes van des koninges wegen. Magdeb. schöffenchron. 294, 2; der fürsten und könige rähte und alle andere, die allgemeinen geschäfften vorgesetzt worden. Schuppius 742; sich gemeiner geschäfften annemmen, forum attingere Maaler 171ᵈ; einen zu geschäfften (diplomatischen, staatsgeschäften) durch geburt bestimmten oder durch talente fähigen jungen mann sollte man reisen lassen, wie einen jungen mahler. Moser nationalgeist 94; er (Göthe) liebt in allen dingen helle und klarheit, selbst im kleinen seiner politischen geschäfte. Schiller an Körner 1, 137; ein geschäft kann ich ihnen wenigstens noch auftragen, das zugleich fähigkeit und muth erfordert .. es wäre ein memoire aufzusetzen, worinn man alle gebrechen aufdeckte. werke XIV, 218;
und glaubst du, dasz wir das geschäfte bald
vollenden können?
Göthe 9, 129 (Tasso 1, 4).
β)
amptsgeschäfft Henisch 1530:
ich wil des geschäftes   hie heime mit iu pflegen (der besorgung, verwaltung des königl. hauses).
Nibel. 224, 6, 2 Zarncke;
wie si (priester) in deme templo
berichten ire gescheffede also.
pass. 267, 83 Hahn;
swenne er (der schepfe) get in des gerihtes geschefte. Nürnberger pol.-ordn. 8 Baader, vgl. gerichtsgeschäft; swer den frager, der burger pfenter missehandelt durch (wegen) ir gesetzte oder geschefte, der gibt ze pûʒe fünf pfunt haller. ebenda; wer sich ausz geschefft des gemeinen essens versaumet (in Sparta). S. Frank weltb. 84ᵇ; aber wenn sie die menge von geschäften wüszten, die mir der minister diesen morgen über den hals geschickt hat. Gotter 3, 19; die commission musz ihr geschäfte damit anfangen. preusz. gerichtsordn. von 1793 tit. 34, § 7; ein geschäft, welches mir so lange jahre obgelegen (die theaterleitung). Göthe 60, 281;
Max. laszt's ruhn bis morgen.   es ist ein geschäft,
hab heut keine fassung.
Schiller XII, 176.
γ)
das rechtsgeschäft, die gerichtliche oder rechtsgiltige abmachung; geschäfft oder gerichtshändel, causae et judicia Maaler 171ᵈ.
δ)
das berufsgeschäfte Ludwig 750: sô solin wir hûʒe vor der ture (der kirche) lâʒen belîben alleʒ unser gesheffede unde alle unser sunde. Adrian mittheil. 442, 106; mit geschäfften überladen, seines geschäffts geflissen. Maaler 171ᵈ; schwere verworrene, grosze, wichtige, kleine geschäfft. Lehman flor. 1, 302 fg.; gleichwol hat ihn kein geschäffte, kein unlust, kein haussorg also eingenommen. Schuppius 155;
und sinne tag und nacht auch unter dem geschäffte.
Günther 629;
die seele fehlt dem nichtigen geschäft (kriegshandwerk).
Schiller XII, 88 (Picc. 1, 4);
menschen, die ihre geschäfte zwingen, sich auf den straszen sehen zu lassen. Forster ansichten (1800) 1, 447; ich lebe zwar meistens unter wasser und treibe meine geschäfte in der tiefe. Wieland Luc. 2, 386; hatte er seine geschäfte in der engen schreibstube am uralten pulte vollendet. Göthe 18, 57; dasz sie den handel für das edelste geschäft hielten. 56; das einmal übernommene geschäft, denn zum geschäft war diese beschäftigung geworden. 54, 306; ein geschäft aus etwas machen. Wander 1, 1583.
ε)
hauszgeschäfft Henisch 1530, s. th. 4², 667:
die edele vrowe Marte
der gescheffede warte.
pass. 373, 65 Hahn;
welicher (arbeiter) dann auszen blieben oder von der arbeit gewest ist seiner nottorft oder gescheft halben. Tucher baumeisterb. 67, 13;
leer des töchterchens stelle bei tisch; leer, wo sie gesellt mir
sasz am stillen geschäft (häuslicher arbeit).
Voss Luise 3, 1, 349.
haus- und berufsgeschäft zugleich:
sie sprach: owê, herre wirt,
wie nütz ir dem hûse birt (seid)!
als ein verfuorteʒ pfluocrat,
sô eben iur geschefte stât.
'frou, ich schaffe wol und eben.'
Seifr. Helbling 1, 1220;
es begab sich, das Joseph in das haus gieng sein geschefft zu thun. 1 Mos. 39, 11;
so gen mit mir alda zu hausz,
da jr das gschefft (holz spalten) solt richten ausz.
Tob. Stimmer comedia 582;
liebende eltern,
denen ich treulich das haus und die güter helfe verwalten,
als der einzige sohn, und unsre geschäfte sind vielfach.
Göthe 40, 308;
der gröszte schaden ist, dasz man durch frohnen das arbeiten verlernt; wenns dann ans eigene rechte geschäft geht, .. hat man verlernt sich anzustrengen. Auerbach schatzk. 1, 75.
ζ)
handel, unternehmen handels- oder gewerbtreibender, wie kauf, verkauf, vertragsabschlusz u. s. w.: darzu nemen wir die burger von Colmer allesament in unseri und des riches schirm und geleite, das si fridelich und sicherlich varen mögen umbe ir gescheffede ane aller slahte zol, als verre so des riches gewalt reichet. Schöpflin Alsatia dipl. nr. 785 (von 1293); ein geschäfft bringt das andere. Aler 912ᵃ;
bauer. ich hatt' in Belgrad ein geschäft und handel,
und als der kauf geschlossen war, ...
Körner Zriny 1, 10;
es sind zu gewinnen viertausend thaler bei dem geschäft. Freytag werke 4, 78; wir wollen kein geschäft mit euch machen. 60; ein geschäft, geschäfte machen auch im gleichen sinne wie ein gutes geschäft, reichen gewinn, guten erfolg haben.
η)
die handlung, waarenhandlung eines kaufmanns oder gewerbtreibenden: der prinzipal, die reisenden commis des geschäftes. Freytag werke 4, 40. 89; das geschäft war ein waarengeschäft, wie sie jetzt immer seltener werden. 58; das geschäft (weinhandlung) gilt allgemein als sehr respectabel. 3, 55; sein geschäft geht gut. Wander 1, 1583; das geschäft verkaufen.
θ)
die sache, um die gehandelt wird, wie kauf 2 th. 5, 318: jetzt ist das geschäft mein (das erstandene bauerngut). Gotthelf Uli d. pächter 344.
ι)
ein mann von geschäften, von geschäftlicher erfahrung, vgl. geschäftsmann: die schönste vermählung unserer geisteskräfte ist die der hohen dichterischen einbildungskraft mit der vernunft des mannes von geschäften. Klinger 11, 86.
κ)
sprichwörtlich: das ist kein geschäft, das ist keine ordnung. Wander 1, 1583; das metzger-geschäft, lästige geschäftigkeit oder gefälligkeit Schm.² 2, 379; wenig metzen - geschäfft hat man gern, mit wenig gesatz regiert man wohl. S. Frank ebenda 380; mäczigschaft, -gschäft Wittenweiler ring 11ᶜ, 8. 31ᵇ, 31.
λ)
verhüllend: ein natürliches geschäft verrichten, den körper durch stuhlgang u. s. w. erleichtern Campe, grosze, kleine geschäfte besorgen, machen;
es giebt geschäfte, die auch der groszsultan,
und gält es sein leben, nicht anders als selbst verrichten kann.
Wieland 4, 162 (Amadis 8, 31).
g)
ohne geschäft, ohne erfolg, unverrichteter sache: da kam kunig Ruprecht wider von wellischen landen ân gescheft. städtechr. 1, 366, 18 (15. jahrh.); also zugen sie haim on geschäfft. Schiltberger reisen 79 Neumann.
h)
unruhevolle thätigkeit, unruhe, sorge und mühe: ausz der ruh ins geschäfft (in unruh) gerathen. Aler 912ᵃ; wiewol ich nichts nütze da (auf dem reichstag zu Augsburg) sein künde, als an dem, in solcher pracht und gescheffte, nichts gelegen sein würde. Luther 5, 76ᵃ;
vil gschefft sy (die reichen) aber in selb machen,
darin disze leut ton brangen
gleich wie ein sitich auff der stangen.
Tob. Stimmer comedia 562 Oeri;
o bitre lieb, durch dein geschefft
hast du verzehret sinn und krefft.
H. Sachs 4, 2, 20ᵇ.
2)
betrieb: es hat der hochgeborne fürst durch boser leute geschäft einen evangelischen prediger setzen lassen (ins gefängnis). Luther br. 3, 108; der papst zögerte ihn zu verdammen, bis er endlich den geschäften der gegenparthei und den wiederholten forderungen des königs nachgeben muszte. Claudius 8, 49; begierde: wo jr aber durch den geist des fleisches gescheffte (πράξεις) tödtet, so werdet jr leben. Römer 8, 13.
3)
tirol. das gschäft, gschäffet, das ergebnis der almwirtschaft, bestehend in butter, käse u. dgl. Schöpf 586, gschafet, gschaffet, gschäfet tirol. weisth. 3, 273, 39 fg.; geschäfetgeld, gras-, weidegeld 3, 274, 38.
4)
sachen, kleider, schweizerisch: zuͦsamengebunden geschäfft und püntel, relictae sine haerede sarcinae. Cholinus-Frisius 776ᵇ; das gschäft, die weibliche kleidung Hunziker 114.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3814, Z. 77.

geschäft, n.

geschäft, n.,
coll. zu schaft, schweizerisch. 1) geschäft, schaft an einer flinte Stalder 2, 306. Tobler 241ᵃ. 2) stiefelschaft: der schuhmacher (habe) stiefelgeschäfte gekauft. Gotthelf Uli d. knecht 83.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3821, Z. 53.

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Zitationshilfe
„geschäft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesch%C3%A4ft>, abgerufen am 09.12.2021.

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