Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschämig, adj. und adv.

geschämig, adj. und adv.
wie das einfache schämig, daneben geschämigt Mathesius hochzeitpr. L 11ᵃ, s. unten.
1)
scham empfindend.
a)
schamhaft, sittsam, zurückhaltend, züchtig, keusch: geschemig, pudicus, pudibundus, verecundus, castigus voc. inc. teut. i 2ᵇ; die weisheit, so von oben herkumbt, ist anfangs geschämig und keusch. Berthold teutsch theol. 44, 9; des schämeten sich die burger von Athen, das die frömbden gest bescheidner und geschämiger waren gewesen denn sy. Muglein 61ᵇ; so ist doch der teüfel dazuͦmal ein wenig geschemiger gewesen, und sich nit also frevel und grob mercken lassen. S. Frank chronica (1531) 356ᵇ; sy (einwohner) seind fast geschämig und güttig. weltb. 226ᵃ, schamhafftig ausg. von 1542; welcher gott (Jupiter hospitalis) den gesten und geschämmigen genädig ist. Schaidenreiszer 27ᵇ, vgl. Odyssee 7, 165; keusch, züchtig und geschemig sein, heist mit gedancken, worten, geberden und wercken sich eingezogen halten. Mathesius diluv. 421ᵃ; alles was recht adelich und tugentreich ist, das ist auch geschemigt. hochzeitpred. L 11ᵃ;
so haltet euch (ihr klosterleut) wie sichs geziemt,
geschämig, wohl mortificirt,
mit ernst bezwingt die bösz begierd.
P. F. Procopius patrociniale (Salzb. 1674) 862;
weiter mainten unser altväter, die Teutschen, das weiblich pild wär etwas als sunder begabt von got und der natur, züchtiger, geschämiger, demnach heiliger dan der man. Aventin. 4, 112, 21 L. Fronsperger kriegsb. 3, 203ᵃ; geschemige junckfrau. voc. inc. teut. i 2ᵇ; die geschemige und verhülte braut. Mathesius hochzeitpred. M 4ᵃ; wer seind jene kothkefer gewest, welche Susannae, als einer geschämigen rosen, wolten schaden? Abr. a S. Clara Judas 1, 251; Susanna war von natur geschämig. reim dich (1708) 387; wie hätte sie (schamtheile) die natur an eine bequemere, geschemigere, züchtigere und allen gliedern füglichere statt ordnen mögen? Wirsung 327.
b)
verschämt: nu von anfang ist mer wol gschamig wie ein bettbruntzer und will nit auszer damit (mit der liebeserklärung). Schwabe tintenf. 55; das blöde, geschämige wesen einer jungfrau. Tieck 4, 38; östr. gschamig, verschämt, leutscheu Schöpf 589. Seidl flinserln 322.
2)
dessen man sich schämen musz, noch schweiz. gschämig Hunziker 114: dieser name (apostel) ist ein geschemig name und doch gleich wol hoch und ehrlich. Luther kirchpost. 3, 2ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3833, Z. 35.

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Zitationshilfe
„geschämig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesch%C3%A4mig>, abgerufen am 06.12.2021.

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