Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschütte, n.

geschütte, n.
1)
das schütten Campe.
2)
oberd. ein haufen zusammengeschütteter dinge Adelung; geschütt, rudera Denzler 131ᵃ.
3)
aufgeschütteter damm, wall, wie die schütte (s. d.): zuͦm andren werden dich dine figend (feinde) umbgebend mit eim geschüt, ein geschüt macht man zwüschen pfölen und stecken. Keisersberg bilg. 175ᵃ; das geschütte um die stadt. cod. dipl. Siles. 9, 200 (Brieg, von 1538); bildlich: dasselb creütz hat dem reichen mann also ain scharpf gesicht gemacht, das er den armen Lazarum durch das grosz geschüt oder chaos ersahe in der schosz Abrahe. Keisersberg schiff d. p. 34ᵈ, vgl. ist zwischen uns und euch eine grosze klufft befestiget Lucas 16, 26; aufgeworfener erdhügel als sieges- oder gedächtnismal: darnach haben sie (die römischen krieger) ein grosz geschütte oder ein wall aufgeworffen und darauff wie man an den sigmalen und walstatten pflegt, etliche waffen auffgehenckt, die selben mit den namen der überwundenen völcker underschrieben. Micyllus Tacitus (1535) 40ᵇ; sie (die Deutschen) hatten aber das geschütte, welches er (Germanicus) den legionibus, so mit dem Varo erschlagen worden waren, zur gedechtnusz hatt lassen auffrichten, .. zerbrochen und umbgerissen. 37ᵃ.
4)
das geschütt, kleines fluszgeschiebe, grober sand. Haltrich plan zu vorarb. f. ein idiotikon d. siebenb. volksspr. 79.
5)
im bergbau geschütte, 'eine zusammenschaarung verschiedener gänge und darunter gemischten gesteins, wo vieles erz befindlich, nichts ganzes, sondern als ob berge und erz unter einander gestürzt wären, auch alles leicht zu gewinnen ist, dergleichen bisweilen in stockwerken angetroffen wird' bergm. wb. (1778) 218ᵇ, 'wenn immer ein zwitter oder ander fletz über dem andern in der teufe liegt und darzwischen sich taub gestein befindet' Hertwig bergbuch (1710) 173ᵃ, vena cumulata, ein geschute oder stöck, Agricola de re metall. (1556) index 37ᵇ, zu schütten 'reichen ertrag gewähren' oder 'auf und übereinander werfen' Veith 231: ein anderer (gang) aber, der sich in die länge und breite gezogen hat, nimmet ein groszen teil des ortes ein, welchen ich pfleg ein geschütte oder stock zu nennen, dann es ist nichts anders, dann ein ort, das mit etwas deren dingen, die aus der erden gehauen, überschüttet wird. Bechius Agr. 34; welche (zinnarten) im geschütt gefunden werden. Thurneiszer magna alchym. (1583) 1, 140; das geschütt, venarum ruptura Duez 191ᵇ, geschüt Rädlein 367ᵃ.
6)
weidmännisch geschütte, die (vorgeschüttete) fütterung der wildschweine im winter Kehrein weidm. 140.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3974, Z. 74.

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Zitationshilfe
„geschütte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesch%C3%BCtte>, abgerufen am 07.12.2021.

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