Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschütz, n.

geschütz, n.,

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mhd. geschutze, geschütze, geschüz, daneben geschutzde Augsb. stadtb. 151, 17 Meyer, md. geschutze, auch nhd. noch bei Stieler 1773 das geschütze, mnd. geschutte, zu schieszen (s.ge II, 5, c, γ sp. 1615) und schusz, mhd. schuʒ, schutz, noch schwäb. schutz.
1)
geräte zum schieszen, schieszzeug, schieszwaffen, in älterer zeit wurfspiesze, bogen und pfeile, armbrust und bolzen, sowie die bogen- und schleudermaschinen.
a)
collectiv:
sumelîche heten genomen   manegen guoten hornbogen,
daʒ edile geschuzze   daʒ warde in sît nuzze.
exodus 158, 34 Diemer;
swaʒ ze jagen ist nütze,
netze und guot geschütze.
Erec 7185;
die Plathuove vergebene
fuorten ir scharph geschütze.
herz. Ernst 4717 Bartsch;
Centaurî wâren si genant
und kunden mit geschütze wol.
Konr. v. Würzburg troj. kr. 6275;
alleʒ harnasch und vederwât und geschüze, daʒ wênent die liute, daʒ eʒ erbe gût sî. Schwabenspiegel c. 144 Gengler;
des sint gar wenigk nutze ..
die swert und ouch geschutze
den zagen und den kinden.
Rothe dür. chr. 2 Liliencron;
mit philin und ouch mit zeinen
und köchern mag her umme gehin
und sin geschutze stellin an,
buchsin giʒin, bolzin drehin.
ritterspiegel 2214;
ein jäger, der gieng nach sinem weidwerck mit sinem geschütz .. und spien sin armbrost und leit daruff ein stral. buch d. beisp. d. alten weisen 91, 13 Holland; die da trotzen auff jre macht, wagen, spiesz und geschütze. Judith 9, 8; die krafft des geschützes (der röm. wurfmaschinen). Josephus jüd. kr. (Frankf. 1569) 73ᵃ; und belagert das heiligthum eine lange zeit und richtet da gegen auff allerlei geschütz. 1 Macc. 6, 51.
b)
allgemeiner, die fliegenden geschosse, das schieszen:
dâ muosen beidiu liute unt ors
von geschütze lîden pine.
Parz. 386, 5, geschoʒe var.;
die stat zu Sant Pült (Hippolyt) wart zum zweiesten mol gestürmet .. und alle mol vast kümberlich erwert mit geschütz, mit kleiber (kot) schütten und mit ander notwer. Königshofen 917; die schützen ... soltent nüwent ahten, wie sü mit geschütze des bischofes lüte letzetent. derselbe in städtechron. 9, 83, 1; sü woltent ouch Wasenecke verbrant hon, do geturstent sü vor geschütze nüt dar kumen. 687, 26; sich unter das geschütz begäben, in sich schieszen lassen, tela subire Maaler 173ᶜ; sprichwörtlich: weit vom geschütz macht alte leut oder gibt alte soldaten. Henisch 1547. Aler 917ᵃ; bei allem geschütz vornen dran sein, audacem, temerarium esse Henisch a. a. o.
c)
das einzelne geschosz: geschutz, jaculum, missile Dief. 282ᶜ. 363ᶜ, sparus, gebûrn geschücze (bauernspiesz) nov. gl. 344ᵃ, geschütz, pfeil, sagitta Henisch 1547; darumb haͮt gesprochen der prophete, nement war, die sünder haben gespannen und ufgezogen iren bogen und zuͦgericht ire pfyl und geschütze in jrem kocher. Nicl. v. Wyle transl. 195, 29 Keller; etwan wirt der magen gantz durchstochen, und das geschicht in zweierlei weg, einer, das einer gehauwen wirt mit einem schwert oder messer oder ander schneident waffen, der ander weg das geschicht mit einem pfeil oder geschütze. Braunschweig chirurg. (1497) 77ᵃ;
wann wen verwundt eurs pogen geschutz.
fastnachtsp. 258, 24;
vom blitz und vom liebespfeil:
o dasz dich (fichte) nicht verletze
des Jupiters geschütz.
Logau 1, 193;
gott Amors sein geschütz.
P. Fleming 504.
d)
scherzhaft übertragen vom trinkgefäsz:
so nem ein jeder sein geschütz.
Weckherlin 531.
2)
in engerer bedeutung, und zwar ausgegangen von den wurfmaschinen, die in der ersten hälfte des 14. jahrhunderts aufgekommenen feuergeschütze.
a)
collectiv: es geschach do (im j. 1371) in der vastin, das die von Erfforte usz zogen mit groszem volke .. unde kouften geschutze unde gezuge .. unde logirten sich vor Hanstein. Rothe dür. chron. c. 714, schon 1356 haben die Nürnberger geschütze verkauft Jacobsson 5, 655; wir schussen mit stainbüchsen zuo inen, dasz war der zyt dasz best geschütz. Ehingen 22; so ein ding erfunden am ersten, sein gmainlich nit die geschicktesten und pesten in der sach, die si erdacht haben, dan die nachkommen pesserns täglichen mit der zeit, bringens erst auf das höchst, wie bei unsern zeiten mit der druckerei, mit dem gschüz und in andern dingen mer geschiecht und die natur ist. Aventin. 4, 266, 21 Lexer; allerlei schwär und arbeitsam geschütz, als karthonen und notschlangen, himmelbüchsen, darausz in die weite stein, kuglen, feüwer und kettinen ze schieszen. Maaler 173ᶜ; grob, grosz geschütz, tormentum murale Henisch 1547; zogen still ausz dem läger, verlieszen alles grosz geschütz. Reiszner Frundsberg 174ᵃ; obwol dieselbigen (bauern) mit aichinen, mit eisenen rüngen wol beschlagnen teicheln (brunnenröhren) anstatt groszes geschützes, darein sie hilzin bengl geladen, under die stöttische geschossen. Baumann quellen 1, 511; gleich darauf (kämpften die heere) um das schwere geschütz, dessen die unserige stracks verlustigt wurden. Simpl. 1, 2, 27, 214; schiff mit gutem geschütz hinden und vornen versehen. Fronsperger kriegsb. 1, 130ᵇ;
darnach hört man das grosz geschütz und kleine.
Uhland volksl. 518;
klein geschütz, tormenta castrensia sive campestria, vulgo falcones Stieler 1773; as deser nu drij dage vur deme sloss gelegen hatte mit cleinem geschutz, as sij mit allem ghein geschütz in den landen (in Palästina) enhaven. Harff pilgerfahrt 87, 27; die pauren hetten im farweg vil alter wägen uberzwerch gelegt, darzwüschen heten sie etwo vil hagken und ander klain geschütz zuͦwegen bracht und auf böck gelegt. Baumann quellen 1, 757; mit den falchennettlin und minderem geschutz. Mone zeitschr. 18, 43 (um 1539); das handgeschütz, die vorgänger der heutigen feuergewehre, s. Müller-Mothes arch. wb. 1, 407 und th. 4², 391; eisern, metallin, ledern geschütz Stieler 1773; dasz man die geschütze als belebte wesen vorstellte, zeigen sowol die gattungsnamen, mit denen man die arten unterschied, wie schlange, falke, falkonet, singerin, nachtigall, und die taufnamen der einzelnen stücke, als auch wendungen wie das geschütz pfeift, spielt, d. h. zum tanze (s. tanz 4, b, kriegstanz 2):
das geschütz pfieff ja ohn unterlasz.
Adrian mittheil. 377 (von 1601);
drauf spielte das geschütz, und blumensträusze,
wolriechend köstliche essenzen wurden
aus niedlichen feldstücken abgefeuert.
Schiller XII, 446 (M. Stuart 2, 1);
da höret man das geschütz von fernen durcheinander grummen, brummen und donnern. Bünting braunschw. chron. (1584) 1, 144ᵃ;
aus dem geheul der winde und des sturms
heraus hört ihr das knallen des geschützes.
Schiller XIII, 310 (jungfr. v. Orl. 5, 1);
geschütz gieszen, laden, lösen, losbrennen Stieler 1773; also wurde das geschütze mit entsetzlichem donnern gegen die mauern gelöset. Ziegler tägl. schaupl. (1695) 625ᵇ; das geschütz aufführen, tormenta per aggeres et valla distribuere Aler 917ᵃ, geschütz pflanzen, post cratitias gerras locare Stieler 1773; dasz er sein geschütz hinter der armee auf den hügeln pflanzte. Schiller VIII, 193; das aufgepflanzte geschütz scheucht alle bürger in ihre wohnungen. 174.
b)
das einzelne stück, die kanone: geschütz, büchs, stück geschützes, bombarda Henisch 1547; graf von Nassa (Nassau) gibt fünff tausent knechte und zehen stück geschütz. missive o. sandtbrief vom 11. nov. 1541 A 3ᵃ; die seele eines stücken geschütz, tormenti concavitas Duez (1664) 191ᵇ; dem feinde ein stück geschütz vernageln. Ludwig 755;
von Lindow liesz er füren
des keisers grosz geschütz,
ein büchsen thut man nennen
weck auff von Östereich.
Soltau volksl. 2, 66 (von 1512);
haben also dasselbig geschutz (an dessen gestell ein hinterrad zerbrochen war) auch hinein gen Rötingen pracht und verordnet, beim wagner und schmiden zu pessern. Baumann quellen 2, 394 (von 1525); geschütz, un canon Duez 191ᵇ; jetzt allgemein gebräuchlich, z. b. die stärke der truppenmassen, welche in der völkerschlacht bei Leipzig gegen einander gekämpft haben, ist wenig unter 500 000 mann mit 2000 geschützen anzunehmen.
c)
als bezeichnung der truppengattung: er war beim geschütz oder artillerie angestellt. Simrock 4, 91; Serbellon, general des geschützes. Schiller VII, 308; das fliegende geschütz, die reitende artillerie Campe.
d)
bildlich vom energischen vorgehen: mein vater wird alle geschütze gegen uns richten. Schiller III, 434; die fürstinnen ... hatten daher alles geschütz der gesichter umgewandt und ihm entgegengerichtet. J. Paul komet 1, 77; das war grobes geschütz. er kommt mit vollem geschütz. Wander spr. 1, 1602.
3)
im mühlenbau geschütz s. v. a. grieswerk Ehrenberg baulex. 262, coll. zum fem. schütze, schutzbret.
4)
riemen am fusze des falken, s. geschühe 2: ihre gefäsze nennet man geschütze. geöffn. jägerhaus (Hamb. 1715) 42. forst-, fisch- u. jagdlex. (1772) 1, 1038.
5)
zusammensetzungen zu nr. 2:
geschützbank f.
erdanschüttung auf der innern seite einer brustwehr zur aufnahme eines geschützes: der Gaisberg, der durch geschützbänke zur vertheidigung hergerichtet war. Freytag kronprinz 12. —
geschützbedienung f.
mannschaft, die das geschütz zu bedienen hat Röhrig techn. wb. 284ᵇ. —
geschützbettung f.
eine höhe, worauf man das geschütz, den feind zu beschieszen, pflanzet, batterie Stieler 440, feste unterlage aus holz für das geschütz Rüstow mil. hwb. 345, der geebnete fuszboden im kanonendeck eines schiffes Röhrig a. a. o.
geschützbrok f.
das haltseil einer abgeschossenen schiffskanone Röhrig a. a. o.
geschützdonner m.:
(der held) stand im geschüzdonner, im säbelgeklirr.
Schubart ged. 2, 327.
geschützfeuer n.
geschützführer m.
unteroffizier, der die mannschaft eines geschützes befehligt.
geschützgieszer m.
wie stückgieszer. Jacobsson 5, 655ᵇ. —
geschützgieszerei f.
werkstatt zum gieszen der kanonenrohre.
geschützgut n.
stückgut, kanonenmetall Eger techn. wb. 2, 333ᵃ. —
geschützkampf m.
Röhrig a. a. o.
geschützkappe f.
lederner überzug des geschützrohres.
geschützkugel f.
kanonenkugel.
geschützkunde f.
kunde des geschützwesens.
geschützkunst f.
die kunst, mit dem geschütze gehörig umzugehen, die artillerie, im weiteren verstande die feuerwerkskunst Adelung: die im fünfzehnten jahrhundert in Italien entstandene kriegswissenschaft und geschützkunst. Schlosser weltgesch. 9, 87. —
geschützkünstler m.
artillerist, artillerieoffizier: unter mancherlei vorschlägen fand der des ritters d'Arçon, eines französischen geschützkünstlers, den meisten beifall: es sollten schwimmende batterien (gegen Gibraltar) gebaut werden. Becker weltg. 11, 381. —
geschützlage f.
series tormentorum bellicorum Stieler 1111. —
geschützlänge f.
kanonenseil Röhrig a. a. o.
geschützmantel m.
am geschütz mantel von schmiedeeisen, welcher das guszstahlrohr umgiebt.
geschützpark m.
artilleriepark, s. park 3 th. 7, 1462. —
geschützpforte f.
oder stückpforte, gewöhnlich im plur., die schieszscharten in der seite des schiffes, durch welche man das geschütz richtet, dann auch die klappen oder luken, mit welchen sie geschlossen werden Jacobsson 5, 655ᵇ. —
geschützprobe f.
probe der kanonen, wenn man sie vom stückgieszer übernimmt Eggers kriegslex. (1757) 1, 1042. —
geschützrohr n.
kanonenrohr.
geschützsalve f.
oder volle lage, das gleichzeitige feuer der geschütze einer schiffseite Röhrig a. a. o.
geschützschanze f.
oder britsche, batterey, suggestus, agger tormentarius Stieler 1734. —
geschützscharte f.
schieszscharte für kanonen Rüstow mil. handwb. 343. —
geschützstand m.
zur aufstellung von geschützen vorbereiteter ort Rüstow 342. —
geschützwagen m.
munitionswagen für die kanonen Eger techn. wb. 2, 333ᵃ; früher das wagengestell, worauf das geschütz ruhte: wiewol wir under wegen ains hindern rads am geschutzwagen schaden empfangen, also das ainig geschutz bei anderthalben stunden ungeverlich zu land still steen bliben. Baumann quellen 2, 393 (von 1525). —
geschützweite f.
durchmesser im innern des geschützlaufes, kaliber Campe; tragweite des geschützes Heynatz antib. 2, 42. —
geschützwerk n.
res tormentariae Stieler 2556. —
geschützwesen n.
alles was zum geschütz und dessen bedienung gehört Campe.
geschützwirkung f.
geschützzeug m.
wurfmaschine: geschüzzeuge waren noch gar nicht im gebrauch (im jahre 352 v. Chr.), erst um diese zeit sind die katapulten zu Syrakus erfunden worden. Niebuhr 2, 531. —
geschützzug m.
geschütz und munitionswagen, artillerietrain eines heeres Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3975, Z. 46.

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Zitationshilfe
„geschützscharte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesch%C3%BCtzscharte>, abgerufen am 30.11.2021.

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