Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschafet, adj.

geschafet, adj.
zahm, lenksam wie ein schaf, z. b. von einem mädchen, schweizerisch Stalder 2, 306.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3813, Z. 74.

schaffen

schaffen,
starkes und schwaches verb. creare, formare, fingere.
Formales.
1)
als starkes verbum.
a)
mhd. schaffen, ahd. scafan, scaphan, scaphen, scaffen Graff 6, 442. diese gewöhnliche starke bildung findet sich nur ahd. mhd., während sowol in den übrigen germanischen dialekten, als auch, neben jener angeführten bildung, im ahd. mhd. die präsentialen formen durch das suffix -ja gebildet werden, goth. skapjan in gaskapjan. in den jüngern dialekten zeigen assimilation und umlaut des wurzelvocals die ja-bildung. altn. skepja, altfries. skeppa, ags. sceppan, scyppan. auch für das alts. ist wol der infinitiv skeppian anzusetzen nach den ags. und altfries. formen; ahd. scepfen, skepfen, mhd. schepfen, mnld. skeppen, mnd. scheppen, schippen, ndl. scheppen, norw. schwed. skapa, dän. scabe, engl. shape. urverwandt ist es mit 'schöpfen', mit dem es in den formen ahd. scepfen, mhd. schepfen, ndl. scheppen zusammenfällt (vergl. schöpfen) und zuweilen begegnet noch in der ältern nhd. periode schöpfen für schaffen in der bedeutung 'machen'. Frisch 2, 157ᵇ. in den übrigen indogermanischen sprachen findet sich nichts sicher verwandtes.
b)
die unumgelauteten formen der 2. 3. sing. schaffest, schaffet stehen (durch einflusz des schwachen verbums, vgl. nachher 2) seit dem mhd. fest, während ahd. noch skeffis, skeffit begegnen. das vollere schaffest der 2. sing., schaffet der 3. sing. 2. plur. ist seit dem 18. jahrh. gekürztem schaffst, schafft gewichen. das prät. goth. gaskôp, alts. giskôp, ags. scôp, altfries. giskôp, altn. skóp, ahd. scuof, scuaf Graff 6, 443, mhd. schuof, md. schûf auch mitunter schôf Rother 1629, erscheint in der ältern nhd. periode als schuͦff und oberd. als schuef. später schwankt es in der schreibung zwischen schuf und schuff. Schottel 592 führt schuf und schuff, Stieler 1709 nur schuf, Frisch 2, 157ᵇ und Steinbach 2, 371 nur schuff an. seit dem spätern 18. jahrh. wird schuf allgemein. vereinzelt finden sich präteritale formen, die nach art der reduplicierenden verben gebildet sind, mnld. schiep, wie auch Stieler 1709 neben schuf schiefe anführt:
ob mich ein böser hundt anlieff,
ich yn damit von mir weg schieff.
Schmelzl David 18ᵃ.
noch im 19. jahrh. kommt schief bisweilen dialektisch vor. vgl. Birlinger 389ᵇ. der conj. prät. schüffe, schüfe hatte die nebenform schüfte. Schottel 592. wie im altn. die schwache präteritalform vom schwachen verbum skapa das starke präteritum häufig vertritt und dasselbe sogar zu verdrängen scheint, im ahd. ganz vereinzelt ein von dem starken verbum scepfen infolge falscher analogie schwach gebildetes präteritum scafta vorkommt:
thaʒ sie imo namon scaftîn.
Otfrid 1, 9, 8,
und im mhd. schwache vom schwachen verbum schaffen gebildete formen sich unter die starken formen drängen und dieselben vertreten:
diu grundveste sî geschaffet.
genesis 2, 31 Diemer;
got hât uns alle geschaft.
wälscher gast 3895,
so finden sich auch im nhd. vereinzelt derartige fälle (ebenso wie im nd., wo das participium praeteriti neben der häufigeren form schapen auch scheppet zeigt. brem. wb. 4, 637): gott ... schafte wesen, wovon jedes etwas von seinen vollkommenheiten hat. Lessing 11, 605.
2)
neben dem starken geht, auch durch seine bedeutung sich absondernd, ein schwaches verbum einher, ahd. scafôn, scaffôn Graff 6, 445, mhd. schaffen, altn. skapa in der bedeutung formare, facere, efficere, curare, agere, imperare. durchgehends hat sich die schreibung mit doppel-f erhalten, doch finden sich vereinzelt fälle mit einfachem f im präsens und präteritum. umgekehrt wie bei dem starken verbum treten hier und zwar sehr häufig in der ältern nhd. periode starke formen an die stelle der schwachen: ich habe vil pfründen. ich hab nit mee denn eine, und do ich glych zwo hatt, do hatt ich minder weder iez. schuͦf (bewirkte, machte) der grosz kost, den ich tragen muͦszt. Zwingli 2, 2; und seinem weibe befalh er, das sie wider ein mal zurichtet, und schüffe jnen alle notdurfft auff den weg. Tob. 8, 20; (die bürger) schüffen en genug zcu erer notdurft. script. rer. Pruss. 3, 540; also redende schuͦff er (Aeolus) mich bekummerten und erseüfftzenden ausz dem hoff. Schaidenreiszer Odyss. 41ᵇ;
schuff er die leut ausz seim gemach.
H. Sachs 3, 1, 90ᵇ.
besonders häufig schwankten die schwachen und starken formen in der ältern nhd. periode in der bedeutung 'wegschaffen, bewirken, ausrichten und befehlen' (vgl. die beispiele unten unter II, B). in der letzten bedeutung haben jetzt im oberd., wo das wort noch lebendig ist, die schwachen formen die alleinige berechtigung, und nur als archaismen erscheinen noch starke. Schmeller 2, 378.
Bedeutung und gebrauch.
I.
starkes verbum: etwas ins dasein treten machen, hervorbringen, was vorher nicht da war.
1)
mit object ohne hinzufügung, woraus das werdende hervorgeht.
a)
von gott, dem schöpfer aller dinge, creare, wie schon seit dem gothischen: am anfang schuff gott himel und erden. 1 Mos. 1, 1; ich wil die menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen. 6, 7; so spricht gott der herr, der die himel schaffet. Jes. 42, 5; dat got ein allmechtich wysz gerecht herr sy, de alles geschapen hefft. corp. doctr. christ. 135ᵃ; denn es vil tausendt jar seind, dasz jn (den mond) gott geschaffen hat. Fischart groszm. 3 neudruck;
son und mon hat hie geschaffen
und dar zu wise pfaffen.
Alsf. passionssp. 2942;
so sey nun seele deine
und traue dem alleine,
der dich geschaffen hat.
Fleming 290;
schau den menschen (Christus), der aus nichten
erd und himmel schaffen thät.
Spee trutzn. 182 Balke;
nur mit einem wort alleine
schuf er alle wunder grosz.
ebenda;
doch liebte sie den grafen
vor allem, was auf erd,
was gott durch seine weisheit schuf.
des knaben wunderhorn 1, 300;
der (ein jüngling) die beredsamkeit
dieser augen, und euch fühlet, ihr frühlinge
dieser lächelnden mienen
und den geist, der diesz alles schuf.
Klopstock 1, 46;
mit tiefer ehrfurcht schau ich die schöpfung an,
denn du!
namenloser, du
schufest sie.
139;
ringsum lagen die hügel in lieblicher abenddämmerung
gleich als blühten sie wieder, nach Edens bilde geschaffen.
3, 8;
du bist es, schöpfer, der durch einen wink
zahllose welten schuf.
Hölty 119;
dein schöpfer ist dein feind, gesteh dir's keck,
weil grausam er in diese nacht dich schuf.
Lenau 3, 14;
denn freiheit war das meisterwerk,
als gott die geister schuf.
Schenkendorf ged. (1837) 203.
deshalb heiszt gott auch blosz der schaffende, wie ags. scyppend der schöpfer:
siđđan him scyppend forscrifen häfde.
Beów. 106;
ihr wirbelndes lied tönte durch den erstaunten hain und die rauschende luft laut des schaffenden lob. Geszner 1, 10;
werfet die palmen, vollendete! nieder, und die kronen!
halleluja dem schaffenden,
dem tödtenden halleluja!
halleluja dem schaffenden.
Klopstock 1, 127.
ebenso wie die geschöpfe die geschaffenen heiszen:
Gabriel hörte die namen (der erde): du königin unter den erden,
augenmerk der geschaffnen, vertrauteste freundin des himmels.
Klopstock 3, 35;
doch auf demuthsvollem throne
solltest du der schöpfung krone,
der geschaffnen wonne sein.
J. G. Jacobi 3, 4.
vgl. auch: die erste und allgemeinste betrachtung im kosmos ist .. die der vertheilung der materie, des geschaffenen, wie man gewöhnlich das seiende und werdende zu nennen pflegt. Humboldt kosmos 1, 86.
b)
von der kraft und stimme gottes, auch ohne object: öde stille ruhete da auf der unbewohneten erde, da sprach die schaffende stimme. Geszner 1, 10;
und dies nach seiner (Christi) kraft,
die, was er ausdenkt, schafft.
S. Dach 294 Österley;
die schaffende stimme
wandelte noch mit dem ersten getöse krystallner meere.
Klopstock 3, 20.
c)
von der natur, dem geist derselben und göttlich gedachten wesen oder dingen (vgl. II, A, 1, b): sie zerbrechen sich die köpfe, wie es doch möglich gewesen wäre, dasz die natur hätte können einen Ischariot schaffen. Schiller räuber 2, 3;
mich schuf aus gröberm stoffe die natur
und zu der erde zieht mich die begierde.
Wallenst. tod 2, 2;
Faust. ist es der sinn, der alles wirkt und schafft?
Göthe 12, 66;
Faust. nun gut, wer bist du denn?
Meph. ein theil von jener kraft,
die stets das böse will und stets das gute schafft.
70;
ich zog dich auf mit liebeskraft,
die alles wirkt, die alles schafft.
des knaben wunderhorn 1, 435;
wohl sänge sich ein langes lied
von meines blümchens (bescheidenheit) kraft,
wie es am leib und am gemüt
so hohe wunder schafft.
Bürger 146;
das paradies, das sich die elfenkönigin
in diese felsen schuf, war eben das, worin
Alphonso schon seit dreiszig jahren wohnte.
Wieland 23, 109 (Oberon 8, 66);
siegen heiszt es oder fallen
ist, was alle völker schuf.
Göthe 13, 308;
ja danket ihr's (der muse), dasz sie .. die täuschung, die sie schafft,
aufrichtig selbst zerstört.
Schiller Wallenstein, prolog;
sie (die liebe) ist ein kind und doch ein held mit unbesiegten waffen,
und weil sie noch an wunder glaubt, so kann sie wunder schaffen.
Geibel 1, 196;
und sieh, mich dünkt, dasz liebeskraft
wohl fast noch süszre wunder schafft.
2, 115.
d)
vom menschen, etwas schaffen, hervorbringen vermöge geistiger fähigkeit und technischer geschicklichkeit:
wiszt: er (Ekhof) schuf euch die kunst, und adelte den stand.
Gotter 1, 343;
was er (der mann) schuf, zerstört er wieder,
nimmer ruht der wünsche streit.
Schiller 11, 33;
wohlthätig ist des feuers macht
wenn sie der mensch bezähmt, bewacht
und, was er bildet, was er schafft,
das dankt er dieser himmelskraft.
310;
um den vortheil der herrschaft
stritt ein verderbtes geschlecht, unwürdig das gute zu schaffen.
Göthe 40, 291;
was unsere väter schufen,
zertrümmern ohne scheu ...
das heiszt, ich darf's bekennen
für unser volk kein herz.
Uhland 96;
zeugen sind ehrwürdge trümmer, welche Römergewalt schuf.
Platen 111ᵃ.
besonders künstlerisch etwas hervorbringen.
α)
in der poesie, vgl. die glosse conditor (carminum) scaffo Steinmeyer - Sievers 1, 59, 29: die gestalten, die ich meine, sind nämlich jene selbständigen geschöpfe, die aus dem schaffenden dichtergeiste, wie Pallas Athene aus dem haupte Kronions, vollendet und gerüstet hervortreten. H. Heine 2, 357;
mit einer glorie hat sie (die dichtkunst) dich umgeben,
dich schuf das herz, du wirst unsterblich leben.
Schiller 11, 336;
hältst du natur getreu im augenmerk,
frommt jeder tüchtige meister dir,
doch klammerst du dich blosz an menschenwerk,
wird alles, was du schaffst, manier.
Geibel 2, 122;
kannst du ringend doch gestalten,
was der geist dir reichlich giebt,
kannst im lied die liebe halten,
selig ist, wer schafft und liebt.
1;
o halte (genius) diesen leib zusammen
bis ich ein werk schuf deiner werth.
40.
β)
in der plastik: die unbeschreibliche harmonie der (Laokoon-)gruppe kostet uns auch nicht das leiseste misfallen über vernachlässigte theile in den beiden knaben. so schuf das alterthum. Schiller 3, 578;
drauf nun schuf er die erd' und das wogende meer und den himmel.
Voss Ilias 18, 483;
als er den schild vollendet, den ungeheuren und starken,
schuf er jetzt ihm den harnisch, von hellerem glanz wie des feuers.
610;
und jenen festsaal, gütiger, öffnest du
voll edler formen, wie sie ein meiszel schuf.
Platen 106ᵇ;
wie dich
schuf einst attische kunst, jenes begeisterten
weinstocknährenden gotts prächtige, doch zugleich
schamhaft weiche gestalt, o freund!
112ᵇ;
und hoch aus marmor hebt sich dorten
das bild des donnrers, das ich schuf.
Geibel 3, 103.
γ)
in der malerei:
mit liebe
schuf Rafael seine Galathee.
Wieland 21, 4;
dich drängt es, eine Hermannsschlacht zu schaffen,
ein sinnig denkmal deutschen heldenthumes.
Uhland 128.
δ)
vom tonkünstler:
wie ängstlich zittert mein herz vom winseln der kläglichen saite,
die unter dem schaffenden finger erseufzt.
Zachariä (1761) 434.
2)
mit hinzufügung dessen, woraus das werdende hervorgeht: gleich wie alle menschen aus der erden und Adam aus dem staube geschaffen ist. Sir. 33, 10; gott hat den menschen geschaffen aus der erden. 17, 1; und so schuf die natur in seinem geiste ihren morgen und ihren frühling noch einmal aus dem erdenklosz des ersten frühlings. J. Paul Hesp. 3, 206;
die höhen werden sich bücken!
die tiefen sich bücken,
wenn der allgegenwärtige nun
wieder aus staub unsterbliche schafft.
Klopstock 1, 127;
traute häuser auch,
drin mir deine weichern lieder
aus des nordens dunkelm winter
sommer schufen.
Freiligrath 2, 209;
der aus den kahlen dornenhecken
die rothen rosen blühend schafft,
er kann und will auch dich erwecken
aus tiefem leid zu junger kraft.
Geibel 2, 59.
3)
mit hinzufügung von zu, um zu bezeichnen
a)
worin etwas übergeht, also umschaffen, umwandeln, machen zu: denn sihe, ich wil Jerusalem schaffen zur wonne, und jr volck zur freude. Jes. 65, 18;
todtdrohn'd schuf sie (Alekto) zu stein den senat.
Klopstock 2, 136;
so schuf bald dies, bald das schon manchen zum poeten.
Gotter 1, 259;
frühzeitig schufen hier müh' und gefahr den mann
zum greis.
2, 320;
welche (männer) bald auch die insel zum blühenden lande sich schufen.
Voss Od. 9, 130;
denn es schuf hier jener apostelfürst zum throne den altar.
Platen 107ᵇ.
b)
wozu der schaffende etwas bestimmt und wozu sich das gewordene eignet und gleichsam bestimmt ist, paszt: und gott schuff den menschen jm zum bilde. 1 Mos. 1, 27; gott hat den menschen geschaffen zum ewigen leben. weish. Sal. 2, 23; und bestimpt jnen die zeit jres lebens und schuff sie beide, ein jglichs zu seiner art. Sir. 17, 3; wie ein prediger auszleget, warzuͦ die leusz und flöhe von gott geschaffen wären. Lindener rastbüchlein 7; seit einmal der mensch sonderlich zu eim geselligen, leutseligen, selhafften lebwesen ist geschaffen. Garg. 1, 94 neudr.; das fräulein war schön, und zur empfindung geschaffen. Schiller 2, 388;
weiber-lippen sind geschaffen
mehr zum küssen als zum klaffen.
Logau 2, 6, 14;
denn zum dulden ist das weib geschaffen,
doch der mann, der starke, zu den waffen.
Körner 21;
wen die natur zum dichter schuf, dem lehrt sie auch zu paaren
das schöne mit dem kräftigen.
Platen 260.
deshalb auch wie zu etwas geschaffen sein; er ist gleichsam von natur dazu geschaffen, natura pene ipsa ad hoc creatus. Stieler 1710.
4)
in ähnlicher bedeutung mit hinzufügung der präposition für, des dativs oder eines abhängigen satzes: Luise. er (Miller) wird nicht wissen, dasz Ferdinand mein ist, mir geschaffen zur freude vom vater der liebenden. Schiller kab. u. liebe 1, 3;
aber dein schicksal trennt
die seelen, die du so für einander schufst.
Klopstock 1, 59;
wenn nun der jüngling oft
dir (Fanny) kaum bemerket, zitternd dein auge bat
und schweigend, nicht zu stolz, dir vorhielt,
dasz die natur ihn für dich geschaffen.
53;
ach! da ich es, Cidli, noch wagte,
zitternd zu denken, du seyst mir geschaffen.
3, 206;
dazu leb ich, dasz mein busen
deiner lieb' ein zelt entfalte
und mein auge ward geschaffen,
dasz es dir den spiegel halte.
Platen 156ᵇ;
lasz ab, o mädchen, diese zeiten sind
für lieb' und rosenlauben nicht geschaffen.
Geibel 1, 235.
mit in:
weil jr flöh nit in d höh seit geschaffen,
sonder im staub umb sollen gaffen.
Fischart flöhhatz 50 neudruck.
5)
verbunden mit einem adj., um die beschaffenheit des gewordenen auszudrücken: ich habe genug, sagte Knol, der bisher die eine tabackwolke gerade so grosz und so langsam geschaffen hatte, wie die andere. J. Paul flegelj. 1, 75;
eʒ sîn leigen oder pfaffen
kurz oder lang geschaffen.
Boner 162, 60;
macht (die unkeuschheit) dein antlütz bleich ungestalt,
wirst auch da von geschaffen alt.
Gengenbach 123, 251;
da fings (die schildkröte) an die natur zu straffen,
das sie gantz träg sie hett geschaffen.
Fischart ehezuchtbüchl. 57;
die schattigen lauben, wo ehmals die menschen
überwallend von freuden und süszen empfindungen weinten,
dasz gott ewig sie schuf.
Klopstock 3, 17;
Frankreich schuf sich frey.
2, 111;
jetzt, da dem tod ich
unterliege, da schuf er mich neu.
4, 122;
ihm däucht, es schein eine andere sonne,
die erde sei neu geschaffen ringsum.
Wieland 21, 24;
der mensch ist frei geschaffen, ist frei,
und würd' er in ketten geboren.
Schiller 1, 258;
wenn nicht der barde ...
zur vielseitigen laute sie namhaft schuf (berühmt machte) bei den männern
jüngerer zeit.
Voss Theocrit 16, 45;
doch die zürnenden (die musen) schufen ihn blind.
Ilias 2, 599;
ja, sie (Kalypso) verhiesz auch
mich unsterblich zu schaffen in ewig blühender jugend.
Odyssee 7, 257;
sieh her, noch braun sind diese haare,
und nicht das alter schuf mich blasz.
Geibel 3, 104;
verbunden mit subst.:
gott schuf dich hirt, o mensch! er schuf dich um zum jäger.
Baggesen 2, 266.
6)
das part. prät. in verbindung mit einer adverbialen bestimmung bedeutet häufig 'beschaffen', ist jedoch jetzt veraltet: aber die sach ist geschaffen, wie ich's ietzo kurtz anzaigt hab. Aventin. chron. 1, 153; wie ihre bärt geschaffen. Dief.-Wülcker 832 (von 1569); der vater wuste wol, wie es mit seiner tochter geschaffen war. Lindener Katzipori 69; derhalben mit disen weibern ... eben geschaffen ist, wie mit diesen, die lieber blinde leut auff der strassen führen, als sehenden .. menschen folgen und nachgehen wöllen. Fischart ehezuchtbüchl. 10; doch dasz du mir den ganzen handel erzehlest, wie es zwischen dir unnd dem jüngling geschaffen ist. buch d. liebe 228, 1;
den was wol ze wunsche   geschaffen der lîp.
Nibel. 1603, 2;
hie sol man erkennen bî
wie ir lêre geschaffen sî.
Freidank bescheid. 25, 18;
all menschen so geschaffen sind,
das jhre vernünftiges kind,
sonst alle thier in dieser welt
alber und unvernünfftig helt.
Rollenhagen froschm. Mm 4ᵃ;
ein hofman sol
rathen wie die sach ist geschaffen
und unschuldig leut nicht verklaffen.
Jac. Ayrer 1359, 19 Keller.
7)
veraltet ist auch geschaffen für wol gebildet, wol gemacht Adelung: vor juwelken wagen dar gingen acht schöne appelgrawe pferde, de waren geschapen. quelle bei Frisch 2, 157ᵇ; wie überhaupt die bedeutung von 'bilden, formen, eine gestalt geben' nur noch reste zeigt in nieders. schippen brem. wb. 4, 638. ebenso erschien das part. prät. häufig in compositen: alt-, jung-, wol-, un-, übelgeschaffen Stieler 1710, oder auch ohne die silbe ge-, wovon noch einige reste geblieben sind, z. b. rechtschaffen, wahnschaffen u. a. Stieler 1712. Schm. 2, 378, wanschapen u. a. brem. wb. 4, 637 f.
II.
schwaches verbum (doch in mischung mit starken formen, vgl. unter formalem 2 und unten unter B. C).
A.
thätig sein, wirken, machen, thun.
1)
ohne object.
a)
von menschen, menschlich gedachtem: und seine brüder, die im hause schafften (das amt verrichteten), der waren acht hundert und zwey und zwenzig. Neh. 11, 12; alle gerete, da mit sie schaffen im heiligthum, sollen sie nemen. 4 Mos. 4, 12; Ottilie steht ihm in allem bei, sie schafft, sie bringt, sie sorgt. Göthe 17, 363;
der mann musz hinaus
ins feindliche leben,
musz wirken und streben
und pflanzen und schaffen.
Schiller 11, 308;
immer widerstrebend, immer
schaffend, kennt des mannes herz
des empfangens wonne nimmer.
34;
drum geb ich gern ihm (Faust) den gesellen zu,
der reizt und wirkt, und musz als teufel schaffen.
Göthe 12, 25;
es schafft die welt an allen enden
für unser fest mit tausend händen.
Geibel 2, 82;
da hoben sich die stangen,
da schaffte fusz und hand.
Freiligrath 2, 148.
b)
von der natur, ihren kräften u. dgl., mit dem nebenbegriff des 'hervorbringens', schöpferisch thätig sein (vgl. I, 1, c): ich sah sie wirken und schaffen in einander in den tiefen der erde, alle die unergründlichen kräfte. Göthe 16, 74;
aber im stillen gemach entwirft bedeutende zirkel
sinnend der weise, beschleicht forschend den schaffenden geist (der natur).
Schiller 11, 88;
und noch niemand hats erkundet
wie die grosze mutter (die natur) schafft.
387;
leben gab ihr die fabel, die schule hat sie entseelet,
schaffendes leben aufs neu giebt die vernunft ihr (der natur) zurück.
303;
beschäftigung, die nie ermattet,
die langsam schafft, doch nie zerstört
26;
so setzest du der einzig regen,
der heilsam schaffenden gewalt
die kalte teufelsfaust entgegen,
die sich vergebens tückisch ballt.
Göthe 12, 72;
ich mehr als cherub, dessen freie kraft
schon durch die ader der natur zu flieszen
und schaffend götterleben zu genieszen
sich ahnungsvoll vermasz, wie musz ichs büszen.
12, 40;
im moosigen kleid mit lämplein hell
bewegt sichs durcheinander schnell,
wo jedes für sich selber schafft
wie leuchtameisen wimmelhaft.
305;
ich lobe mir den geist,
der mählich wirkt und schafft.
90;
die linden lüfte sind erwacht,
sie säuseln und weben tag und nacht,
sie schaffen an allen enden.
Uhland 35;
Mephist. euch grämt, dasz kräfte rüstig in euch schaffen
und euch nicht lassen in die werkstatt gaffen.
Lenau 3, 12;
mir ist, als könnt' ich spüren
im wind, im dufte der flur,
wie sich die kräfte rühren
der schaffenden natur.
Geibel 2, 37.
2)
mit hinzufügung dessen, wobei man thätig ist, an etwas schaffen u. ähnl.: denn die priester, die kinder Aaron schaffeten an dem brandopffer. 2 chron. 35, 14; wenn er brav auf dem handwerck geschaft hat ... dann lasz ihn eine stunde lesen. Stilling leben (1806) 1, 11, 9;
so schaff ich am sausenden webstuhl der zeit
und wirke der gottheit lebendiges kleid.
Göthe 12, 35;
so schaffe du inwendig
thatkräftig und lebendig
gesamtes volk an ihr (der sprache).
Uhland 75;
schaffet fort am guten werke
mit besonnenheit und stärke.
90;
und (sie) schafften fort an ihrem groszen werke.
Freiligrath 2, 182.
3)
mit einem object,
a)
eines substantivs: das sol aber des geschlechts der Gersoniter ampt sein, das sie schaffen und tragen. 4 Mos. 4, 24; aller die eingiengen zu schaffen, ein jglicher sein ampt, zu tragen die last in der hütten des stiffts. 47.
b)
mit dem acc. des neutr. eines fürworts, in der allgemeinsten bedeutung 'machen, thun': und alles gerete, da mit man etwas schaffet, sol man ins wasser thun. 3 Mos. 11, 32; das sey das ampt der geschlechte der kinder Merari, alles das sie schaffen sollen in der hütten des stiffts. 4 Mos. 4, 33; was schafft Verrina? Schiller Fiesko 5, 6; was schafft ihr? Göthe 42, 57;
dar umb losz nu sin din klaffen
und losz uns das unser schaffen.
Alsfeld. passionssp. 4848;
ir judden, was mer schaffen,
sie (die ecclesia) wel uns ie machen zu affen.
4791;
und ob sich jemandt merken liesz,
dich etwas thon und schaffen hiesz.
Scheit Grobian. 1673 neudruck;
ihr mügt da schaffen, was jhr wolt
und was jhr sonst ausrichten solt.
G. Thym Thedel von Wallmoden 389;
weisz niemand, was sie schaffen hat.
des knaben wunderhorn 1, 367;
sie (die hand) ist so garstig, ist so rauh,
was hab ich nicht schon alles schaffen müssen?
Göthe 12, 160;
weisz nicht, was sie kochen und schaffen.
236;
laszt uns sehen, laszt uns warten,
was wir schaffen, was wir thun.
10, 228;
Gertrud. denn wie der Geszler hier, so schafft (treibt) es frech
der Landenberger drüben überm see.
Schiller Tell 1, 2;
'was schaffst du?' redet der graf ihn an.
11, 384;
vater. nun weint sie gar! dasz doch! was schaffst du, bruder?
Grillparzer 6, 14;
priester. genug ward nun geklagt ob jenem fremden!
was schaffst du dort?
103.
4)
etwas mit jemand schaffen, machen, thun, vorhaben: und darnach du sehen wirst, darnach schaffe mit deinen knechten. Dan. 1, 13; das weib sol .. warten, was gott mit jr schaffe. Luther 4, 30ᵇ; darnach schaffet mit mir, was euch gelustet. Lindener rastbüchl. 48; doch sol sie dir gehorsam seyn und das jenige thun, was du sie heiszest. schaff mit jhr das du meynest, das gut sey. buch der liebe 213ᵃ;
schafft es denn gott also mit mir,
dasz ich werd angefochten sehr
und viel unglück musz leiden,
wil ich doch gern gedültig sein.
Wackernagel kirchenl. 5, 460.
5)
in der verbindung zu schaffen, abhängig von verben, mit dem begriff der mühe und thätigkeit; sich mehrfach berührend mit 'arbeiten' (vgl. nachher 6).
a)
zu schaffen haben.
α)
absolut: ich hab ze schaffen oder zethun, est mihi negotium. Maaler 346ᵃ; man drücke die leute mit arbeit, das sie zuschaffen haben, und sich nicht keren an falsche rede. 2 Mos. 5, 9; das ist die summa der geschlecht der Kahathiter, die alle zuschaffen hatten in der hütten des stiffts. 4 Mos. 4, 37; er (Baal) tichtet oder hat zu schaffen, oder ist uber feld, oder schlefft vielleicht. 1 kön. 18, 27; was haben meine freunde in meinem hause zu schaffen? Jer. 11, 15; ich musz das sprichwort erfullenn was die welt zuschaffenn hat, da musz ein munch bey sein. Luther an d. christl. adel deutscher nation 3 neudr.; es stuͤnd also an bisz umb den herpst, dasz der mann aber zuͦschaffen hat. rollwagenbüchlein 31, 6 Kurz;
jetz aber ichs nit schicken mag,
ich hab zu schaffen etlich tag.
Scheit Grobian. 3835;
so steh nicht lang vorm disch zu gaffen,
du hast besseres darbey zu schaffen.
662;
auch haben sie zu schaffen nicht
in schweren sachen, rhat und gricht.
2048;
wer will haben zu schaffen,
der nimb ein weib
und kauf eine uhr,
und schlag einen pfaffen (sprichwörtlich).
Elis. Charl. v. Orleans briefe 416.
β)
unter hinzufügung eines objects, viel, etwas, nichts u. s. w. zu schaffen, zu thun, zu besorgen haben: das volck hat sunst nicht ze schaffen. Terentius (1499) 14; ich hab ietz anders zu schaffen. Pauli 209; es was ein reicher her, der het ein grose sach vor dem babst zuschaffen. 216; in der bettler molestien sachen, schlag daz glück was es woll, hat es schier nichts zu schaffen. Schuppius 697; er (Oranien) hat zuerst den fremden lehrern nachgesehen .. und vielleicht sich heimlich gefreut, dasz wir etwas zu schaffen hatten. Göthe 8, 38; ich musz die augen selbst aufthun und sehen, was ich zu schaffen hab! 42, 111;
wil mich gen wider legen schlaffen,
die weil ich sunst nichts hab zu schaffen.
H. Sachs hürn. Seufr. 510 neudruck;
ich hab wol ander ding zu schaffen,
das mir verstört dein unnütz klaffen.
M. Hayneccius meister Pfriem 1426 neudr.;
hie auf dieser liebes matt
Cupido vor dreien tagen,
weil er nichts zu schaffen hat,
wollt sein zelt und lager schlagen.
des knaben wunderhorn 2, 222;
Marthe. es ist als hätte niemand nichts zu treiben
und nichts zu schaffen,
als auf des nachbarn schritt und tritt zu gaffen.
Göthe 12, 167.
γ)
mit einem abhängigen satz: und die mutter hatte genug zu schaffen die flammen zu dämpfen, welche immer wieder von neuem zwischen uns aufschlagen wollten. W. Raabe nach dem groszen kriege 66;
ich hab' zu schaffen,
dasz ich nicht auch den kopf so häng' und singe
wie's arme Bärbel.
Shakesp. Othello 4, 3.
b)
zu schaffen haben, in verbindung, zusammenhang stehen.
α)
mit object und persönlichem oder sächlichem dativ: ich wil nichts mit dir weder zeschaffen noch zethuͦn haben, nihil te utor. Maaler 346ᵃ; der könig sprach, ir kinder Zeruja, was hab ich mit euch zu schaffen? 2 Sam. 16, 10; ich habe euch geschrieben in dem brieve, das jr nichts solt zuschaffen haben mit den hurern. 1 Cor. 5, 9; was haben wir mit dir zu schaffen, Jhesu von Nazareth? Luc. 4, 34; Jhesus spricht zu jr, weib was habe ich mit dir zu schaffen? Joh. 2, 4; den zeichent an durch einen brieff, und habt nichts mit jm zuschaffen. 2 Thessal. 3, 14; habe du nichts zu schaffen mit diesen gerechten. Matth. 27, 19; am morgen fraget sie Theagenem wessen er sich bedacht hette? Theagenes sprach öffentlich: er wolte mit jhr gar nichts zu schaffen haben. buch d. liebe 212ᶜ; er, als damaliger herbstschreiber von pfälzischer seite, hatte viel mit dem dortigen weinzehnten zu schaffen. Fr. Müller 1, 298; also packt euch, ihr grillen, wohin ihr wollt, ich will nicht länger mit euch zu schaffen haben. 3, 164; alles, was nur irgend mit puder und mehl im schlosse zu schaffen haben konnte. Göthe 18, 297; woher nimmst du diese albernheiten, aschenbrödel, und was haben sie mit dem balle zu schaffen? Platen 174ᵇ; was aber eure gebieterin betrifft, so will ich nichts mit ihr zu schaffen haben. 346ᵇ;
hat (der zigeuner) meinr gfatern etwas eingrabn,
das wir all mit ir zschaffen haben.
H. Sachs fastn. sp. 2, 13, 314 neudruck;
und sol (er) nicht nach eim andern gaffen,
was gott mit jenem hab zu schaffen.
B. Waldis Esop 1, 66, 32 Kurz;
will nit mehr dmit zuschaffen haben.
2, 100, 30;
der hochgeehrte Cres hat viel mit dir zu schaffen;
warum? ein groszer mann ergetzt sich oft mit affen.
A. Gryphius (1698) 2, 466;
aber ihr (prinz Eugen) habt nichts zu schaffen
jezo mit den türkschen affen.
des knaben wunderh. 1, 541;
dazu mönche und auch pfaffen
haben mit mir (dem Bacchus) viel zu schaffen.
483;
was hat mit diesem allen Rechas bruder
zu schaffen?
Lessing Nathan 5, 3;
wie? welch ein zwang?
schrie sie im jüngferlichen grimme,
was hab ich denn zu schaffen mit dir?
Wieland 21, 19;
sprich doch — was haben
entweihungen des königlichen bettes
mit deiner — deiner liebe denn zu schaffen?
Schiller don Carlos 2, 15;
wiederum der herzog?
was will der hier? was hat der tapfre mann
mit meiner stillen seligkeit zu schaffen?
8;
der (schwed. kanzler) aber sagt, er sey es müd' und wolle
nichts weiter mehr mit dir zu schaffen haben.
Picc. 2, 5;
nun ja! ich lieb ihn, halt ihn werth, was aber
hat das mit meiner tochter hand zu schaffen?
Wallenst. tod 3, 4.
β)
ohne object: vor gericht mit einem zu schaffen haben, litem habere cum aliquo Scherz - Oberlin 1371, dann in geschlechtlichem verkehr mit jemand stehen; im übergang von der vorigen bedeutung (α):
man weisz wol, wie ehrmals die pfaffen,
mehr denn sichs zimpt, hatten zu schaffen
mit der bürger und bawren weiben.
B. Waldis Esop 4, 66, 238 Kurz.
in scharf ausgesprochenem sinne: mit eines andern weyb zu schaffen haben, usuram corporis alterius uxoris capere Maaler 346ᵃ, rem habere cum aliqua Frisch 2, 157ᶜ; und kein weib sol mit eim thier zuschaffen haben. 3 Mos. 18, 23; meine satzung solt jhr halten, das du dein vieh nicht lassest mit anderley thier zu schaffen haben. 19, 19; wenn ein weib sich jrgent zu einem vieh thut, das sie mit jm zu schaffen hat, die soltu tödten. 20, 16; sie schämeten sich auch Susanna jhren bösen lust zu öffnen, dasz sie gern mit jr zuschaffen gehabt hetten. buch der liebe 309ᵃ;
du (der hahn) schonst nicht deiner mutter zwar,
hasts mit deiner schwester offenbar
zu schaffen da vor jederman.
B. Waldis Esop 1, 61, 17.
c)
jemandem etwas zu schaffen machen, geben u. s. w.: er hat mir viel ze schaffen gäben, plurimum in eo negotii habui. Maaler 346ᵃ; würft man inen (den jagdhunden) ain stück flaysch oder ain stück brottes für, es gibet in nichts zu schaffen (sie kümmern sich nicht darum). Keisersberg predigten (1510) 5ᵃ; und seind die leusz darzuͦ guͦt, das sie manchem bettler zuͦsuͦchen und zuͦschaffen machen. Lindener rastbüchlein 8; so sol man als dann nicht mit jme eylen und suchen, dann von dem suchen, so dörffte einem oder dem krancken zuschaffen werden. Würtz wundartzn. 24; unter anderm gab ihm eines tages ein junger rechtsgelehrter viel zu schaffen. Göthe 17, 200; ein anschlag gegen die Doria musz den grafen in athen halten, und mir im palaste zu schaffen geben. Schiller Fiesko 1, 3; Fiesko. darum fand ich für nöthig, den ungebetenen blicken ihres hauses etwas zu schaffen zu geben. 4, 13;
im graben schwam er (der student) auff und ab,
kein schieszen jm nichts zu schaffen gab.
Ambr. liederb. 226, 126;
wann ich nur bleiben könt, das mir
doch allzubschwerlich fellet für
und macht mir leider viel zu schaffen.
Hayneccius meister Pfriem 24, 475 neudr.;
dem Argo solchs zu schaffen thet,
welcher doch hundert augen het.
B. Waldis Esop 2, 88, 23;
dann jeder sehen wolt den affen (den floh),
der weibern gibt so viel zuͦschaffen.
Fischart flöhh. 1254 neudruck;
die lieb ohn wehr und waffen
mich hat genommen ein,
gibt immer mir zu schaffen,
mag nie zufrieden sein.
Spee trutzn. 18 Balke;
niemand ist so grosz von krafft,
der mir was zu schaffen schafft.
Fleming 520;
wenn ich den ganzen tag
geführt hab meine klag,
so giebts mir noch zu schaffen
bey nacht, wann ich soll schlafen.
des knaben wunderhorn 2, 306;
kein wunder also, dasz unserm ritter,
der noch den kopf voll urgroszmütter
hatte, die deutung des traumgesichts
zu schaffen machte.
Wieland 21, 64.
gitt im fill z' schaffe, macht ihm viel mühe, bekümmert ihn. Seiler 249ᵇ.
d)
sich etwas zu schaffen machen, sich schon mit dem begriff des arbeitens berührend (vgl. nachher 6): dann beliebte es ihm auch, gelegentlich aufzustehen und sich in hof und garten etwas zu schaffen zu machen. Göthe 25, 363; indem der alte sich unter dem schuppen noch zu schaffen machte. Immermann Münchh. 1, 124;
die mädchen sind gut und machen sich gerne
was zu schaffen.
Göthe 1, 341.
6)
schaffen, arbeiten, jetzt nur noch gebräuchlich im oberd. sowol von körperlicher (Schöpf 586. Hunziker 217. Tobler 383ᵃ. Seiler 249ᵇ), wie von geistiger arbeit (Schmid 451): dann dasz sie eim meyster die gantz wochen schafften. Franck sprichw. 2, 75ᵇ; bei einem meister als gesell schaffen. Adelung; an einem baue schaffen. ebenda;
am samstag
da wollen wir schaffen.
spricht der meister:
könnts bleiben lassen.
des knaben wunderh. 2, 246.
in Basel wird schaffen auch gebraucht geradezu für etwas verdienen infolge einer geleisteten arbeit: bis auf 20 franken könnte einer sich schaffen (soviel verdienen). Seiler 249ᵇ.
B.
schaffen, machen, dasz etwas vorhanden ist, gegenwärtig wird, in mannigfacher anwendung; die schwache form schwankt dabei in älterer sprache, geht in die starke über (vergl. unter formalem 2).
1)
herbeischaffen: geld, wein u. s. w. Stieler 1710; auch zeugen schaffen, comparare Schottel 1393; und die bürger besserten sich seer an jrer narung, und schaffeten waffen und vorrat zum krieg. 1 Macc. 14, 9; und machten mauren umb jre flecken, und schafften vorrat zum kriege. Jud. 4, 4; es würd gut sein, das man meh vorrhat schaff von gelt dan von hew. Fischart groszm. 25 neudr.; Laertes wuszte noch in selbiger nacht einen tüchtigen mann zu schaffen, dem man den auftrag geben konnte. Göthe 19, 236; 'schafft wein!' rief er. H. v. Kleist 4, 11 Hempel;
Petrian will ich schaffen kommen (herbeiholen).
Jac. Ayrer 904, 17 Keller;
geld viel tausend musz er (einer der geister) schaffen,
viel pasteten und confect,
gold und silber, was er (Faust) wollt.
des knaben wunderhorn 1, 244;
schafft einen stuhl, ich sinke nieder.
Göthe 12, 118;
nur nicht so stolz! es ist schon gut,
und was ihr wünscht, das wüszt' ich wohl zu schaffen.
51;
kaiser. es fehlt an geld, nun gut, so schaff' es denn.
Mephist. ich schaffe, was ihr wollt und schaffe mehr.
264;
freilich bliebe noch vieles zurück, das so leicht nicht geschafft wird.
40, 248.
auf das unsinnliche übertragen: ich wil eine hülffe schaffen, das man getrost leren sol. ps. 12, 6; mancher ist weise durch eigen erfahrung, der schafft mit seinem rat nutz und triffts. Syr. 37, 25.
darumb schweyg still! du (frau Armut) schaffst kain nutz.
H. Sachs fastn. sp. 1, 29, 235 neudruck;
wohlan, herr ritter,
ich schaffe rath.
Wieland 21, 82;
gut, wenn Adelma mehr versteht als ich
und euch so zugethan ist, wie sie sagt,
so helfe sie und schaffe rath.
Schiller Turand. 3, 2;
jetzt schaffe rath, wie ich
sie sprechen kann.
don Carlos 2, 15;
aber wem der götter bringen
wir der lieder ernsten zoll?
ihn vor allen laszt uns singen,
der die freude schaffen soll.
schriften 4, 359;
doch weisz ich eins, das schafft mehr wonne
als jeder glanz der morgensonne,
als rosenblüt' und lilienreis.
Geibel 1, 185.
2)
im niederd. ist schaffen a) eine mahlzeit in einer brüderschaft oder gilde auf gemeine kosten anschaffen und ausrichten; mitunter auch auf eigene kosten, wie bei der Bremer schiffergilde der sog. schaffer. b) die speisen auftragen, zu tische bringen. brem. wb. 4, 595. Schütze 4, 19.
3)
mit dem persönlichen dativ, jemandem etwas schaffen, verschaffen, besorgen, bereiten, parare, procurare.
a)
in sinnlicher bedeutung, jemandem geld, brot, wohnung schaffen; ein weib schaffen, nuptias alicui efficere. Maaler 346ᵃ; eine stelle, einen gehülfen schaffen. Stieler 1710; dor under sy dy siechen mit groszer andacht brachten und schuͤffen en genug zcu erer notdorft. script. rer. Pruss. 3, 540; wenn das auff ist (die speise), das du mit dir bracht hast, wo her sollen wir dir anders schaffen. Jud. 12, 3; der sun sprach, ich wil dir brotz genuͦg schaffen uff acht tag. Pauli schimpf 539; schweig, liebe dochter, es sein noch vil hübscher studenten hie, ich wil dir wol ein andern schaffen 21; auch hatte das feuer die kleine garderobe Mignons verzehrt und als man ihr wieder etwas neues schaffen wollte, that Aurelie den vorschlag .. Göthe 19, 230; lieber gott, schaff mir den apfel dort vom tisch her! ich mag nicht aufstehn! schafft er ihn nicht, nun so ist ein glück, dasz wir keinen hunger haben. 42, 89; ich hab dir diese sachen geschafft, folglich kann ich s' auch wieder an mich reiszen. Raimund 1, 129;
herr könig, das wil ich willig thon,
doch ich kainen thurnier zeug hon,
schaft mir ros, harnisch, schilt und glennen
zum thurnieren, stechen und rennen.
H. Sachs hürn. Seufrid 273 neudruck;
es ist genung,
schaff uns einen guten trunck.
Fleming 471;
sie sprach: hört auf, ich schaff euch tuch.
des knaben wunderhorn 2, 392;
ich darf ihn ja nicht schlagen,
es ist ein jung frisch blut,
ein weib musz ich ihm schaffen,
sonst thut er mir kein gut.
258;
ich schaff' euch einen delk.
Lessing Nathan 2, 8;
Illo. ich schaffe dir das wort der generale
so wie du's wünschest.
Wall. schaff mir ihre handschrift.
Schiller Piccol. 2, 6;
hör, du muszt mir die dirne schaffen!
Göthe 12, 134;
schaff' du ihr gleich ein neu gewand.
146;
schaff' mir etwas vom engelschatz!
führ' mich an ihren ruheplatz!
schaff' mir ein halstuch von ihrer brust,
ein strumpfband meiner liebeslust!
136;
was? ein geist, anstatt des geldes? schafft mir solche schätze weiter.
Platen 277;
ich bin ein fisch auf trocknem sand,
ich bin ein dürres ackerland,
o, schafft mir, schafft mir wein.
Uhland 66.
b)
in unsinnlicher bedeutung, jemandem friede, gerechtigkeit, freude, gute tage schaffen. Frisch 2, 157ᶜ; hülfe, beistand, rath, schmerzen, schaden schaffen. ebenda. Stieler 1711; auch jemandes bestes schaffen: er schaffet deinen grentzen friede, und settiget dich mit dem besten weizen. ps. 147, 14; der herr schaffet gerechtigkeit und gericht allen, die unrecht leiden. 103, 6; helfft den verdruckten, schaffet den waisen recht und helfft der widwen sachen. Jes. 1, 17; er wird mich erhalten bey meiner krafft, und wird mir friede schaffen. 27, 5; darumb bin ich hie her komen .. das ich auch meinem volck gern wolt rat schaffen. 2 Macc. 14, 8; so wil ich auch hinfurt mich bevleissigen, das ich eur bestes schaffe. 11, 19; und wil jnen ein trawren schaffen, wie man uber einem einigen son hat. Amos 8, 10; das ... (sie) ym und dem gantzen land groszen nutz schaffen und thuͦnd. Fortunatus 54ᵃ; es was ein wucherer, der ward an dem letsten da er sterben solt, ermant von seinen fründen, er solt widerkeren und seiner selen heil schaffen. Pauli schimpf 133; mitgefühl des unrechts schafft dem unterdrückten unverhofte freunde. Schiller 9, 382;
ju, ju, frisch auff, wach hertze wach,
wer schafft mir nun mehr ungemach?
Hayneccius Hans Pfriem 2169 neudruck;
o du grober eisen hammer,
solltest du mich heften an,
du mir schaffen solches jammer?
Spee trutzn. 187, 75 Balke;
solcher art wird euch die eh'
schaffen ein geringes weh.
S. Dach 176, 44 Österley;
laszt uns meiden
was nur leiden
einem schaffen kann.
166, 3;
Amor schafft dir tausend schmerzen,
hüpft und tanzt in deinem herzen.
222, 79;
o heil'ger Urban, schaff uns trost,
gieb heuer uns viel edlen most,
dasz wir dich benedein!
Uhland 67;
o glaubet, fürsten, minder noch zu zwingen,
ist der gedanke je mit euren waffen,
wenn er der menschheit will die freiheit schaffen.
Lenau 4, 179;
gern entsagt er (der dichter) jenen liedern, doch das eine schafft ihm gram,
dasz man ihm als arg verdächtigt, was aus treuer seele kam.
Geibel 1, 216;
mir schafft es volle gnüge,
vom himmelsthau getränkt,
in meines liebsten züge
zu schauen still versenkt.
2, 10.
in besonderer wendung:
wir richten uns nach uns, was schaffen uns die alten (was gehen sie uns an)?
Fleming 155.
4)
mit reflexivem dativ, sich etwas schaffen, durch kauf oder auf irgend eine andere art, sich etwas an den leib schaffen, comparare sibi vestes Frisch 2, 157ᶜ; sich kleider, bücher, geräthe u. dergl. schaffen: damit ich mir ein gut kleid an leib schaffe. Schuppius 168;
nun ich wär es zufrieden, mir auch was neues zu schaffen.
Göthe 40, 263.
5)
sich vorrat, recht, glück, sorgen, unruh u. s. w. schaffen, verschaffen, bereiten: gebietet dem volck und sprecht, schaffet euch vorrat. Josua 1, 11; vil sagten, sie inen die klaine zeyt ires lebens gutten muͦth schaffen wölten. Lindener rastbüchlein 19; hatte nicht einer .. zu sagen gewagt, dasz man sich selbst recht zu schaffen wissen werde, wenn es dem könig an kraft oder am willen dazu mangeln sollte. Schiller 9, 370;
schaffst dir selb kranckheyt und unrhu.
H. Sachs 5, 223ᵈ (1558);
den ruhm zwar schafft sie (Penelope) sich selber
viel umher, dir aber verlust sehr groszes vermögens.
Voss Odyss. 2, 126;
die eitlen sorgen, leeren schrecken,
die sich der kleinmuth unterm monde schafft.
Gotter 1, 107;
doch dein glück dir selbst zu schaffen,
tochter, steht in deiner hand.
86;
zu solchen kleinen listen wär ich endlich
gebracht, der kleinigkeiten kleinste mir
zu schaffen?
Lessing Nathan 3, 4;
die seele wirkt den aufgedunsenen stoff
bald in einander, schafft sich raum, und licht
und ordnung kommen wieder.
3, 10.
mitunter tritt an stelle des reflexiv- das possessivpronomen: sein heil schaffen, saluti consulere suae Maaler 346ᵃ; seinen nutz schaffen, zuͦ seinem nutz bringen, abducere rem aliquam ad utilitatem. 346ᵇ;
lasz andre der planeten krafft
erzeln, du hast dein nutz geschafft.
Scheit Grobian. 739 neudruck;
oder es fällt mitunter aus:
und also han (die Züricher) geschafft ein nam,
der bleibt, so lang der Limmatstram
zuͦ jrem vater laufft inn Rein.
Fischart 2, 181, 63 Kurz.
6)
etwas an einen ort, von einem orte schaffen, es an einen bestimmten ort bringen; häufig für die composita herbei-, hin-, weg-, fortschaffen; in wendungen wie etwas zur stelle schaffen, zur post, auf den wagen, über den flusz, aus dem hause u. s. w. schaffen; und raubeten waffen und speise aus der stad Jerusalem und schafftens auff die burg. 1 Macc. 1, 39; aber Simon bawet und befestiget viele stedte im lande Juda .. und schaffet speise in die feste stedte. 13, 33; da er sie (die jünger) von sich geschaffet hatte. Mare. 6, 46; also redende schuͦff er (Aeolus) mich bekümmerten und erseüfftzenden ausz dem hoff. Schaidenreiszer Od. 41ᵇ; und mit der hylf gottes wil ich sy (die jungfrau) schaffen in kurtzer zeit wider in ires vatters palast. Fortunatus 94ᵃ; nach dem schuef got den menschen ausz dem tiergarten. Aventin. chron. 1, 47, 30; die herren schuefen in ausz dem land. 1, 117, 21; als er (der ochse) .. siehet, dasz der löwe so viel holtz zusammen getragen und gar grosze töpffe zur hand geschaffet, läufft er davon. Lokman fab. 5; sieh doch nur erst die prächtigen bücher an, die der herr major ins haus geschaft haben. Schiller kab. u. liebe 1, 1; beide grafen wurden einige wochen nach ihrer verhaftung .. nach Gent geschaft. schriften 9, 18; mein erstes bemühen darauf war, den unglücklichen ring vom finger zu schaffen. Göthe 23, 101; er liesz hierauf Bayart nebst den andern pferden heimlich aus der stadt schaffen. Tieck 13, 20;
schuff er die leut ausz seim gemach.
H. Sachs 3, 1, 90ᵇ;
der richter sprach: wenn ihr mir nun den vater
nicht bald zur stelle schafft, so weis' ich euch
von meinem stuhle.
Lessing Nathan 3, 7;
den juden mir nicht nennen? mir ihn nicht
zur stelle schaffen?
4, 2;
den vater läszt der Landenberger fodern.
zur stelle schaffen soll er ihm den sohn.
Schiller Tell 1, 4;
und fragt ihr mich, wer es (das geld) zu tage schafft,
begabten manns natur- und geisteskraft.
Göthe 12, 263.
in feststehenden wendungen: etwas aus der welt schaffen; sich etwas vom halse (z. b. sorgen, einen nebenbuhler u. s. w.) schaffen u. ä.; einen aus dem mittel schaffen, aliquem e medio tollere. Steinbach 2, 372; Spiegelberg. was heist du ehrlich? reichen filzen ein drittheil ihrer sorgen vom halse schaffen, die ihnen nur den goldnen schlaf verscheuchen. Schiller räuber 1, 2; Moor. schafft mir diesen (Spiegelbergs leiche) aus den augen. 4, 5; Moor. schafft ihn (den pater) aus meinen augen. 2, 3; dasz er (Wurm) sich seinen nebenbuhler gern vom hals geschafft hätte, glaub ich ihm herzlich gern. kab. und liebe 1, 5; das sind ein paar feine durchgetriebene schufte, die musz ich mir vom halse schaffen. Raimund 3, 155;
gieb mir seinen (Posa's) geist
heraus, ewigkeit! ich hab' ihn zu übereilt
aus dieser welt geschafft.
don Carlos 5, 10;
und schafft die sudelköcherey
wohl dreiszig jahre mir vom leibe?
Göthe 12, 119.
7)
in technischer beziehung heiszt schaffen, die schlacken mit dem schaffhaken aus dem heerde hervorholen. Jacobsson 7, 181ᵃ.
8)
etwas schaffen, etwas verlangtes, gewünschtes bewirken, efficere, perficere.
a)
mit einem object, selten eines substantivs, gewöhnlich eines adjectivs im acc. des neutr.
α)
ausrichten, zu wege bringen u. s. w., besonders häufig in der wendung nichts schaffen, nichts ausrichten. jetzt noch in resten, mundartlich: es guet schaffa, eine gute heirat treffen. Tobler 383ᵃ; sein geschäft, den verkauf gut treiben. Schm. 2, 378; schaf's wol, schaft's wohl, lebe wohl, lebt wohl. ebenda; g'schafft's wol Schöpf 586; in älterer sprache dagegen allgemein und verbreitet: der dritte saite, wie her zehen tage in einer stat bie einer brutlouf manslacht schuf. veter buoch 50, 10; dar nach quam sin vater und wolde sehen, was er hette geschaffet. 64, 19; den hieʒ der alde teufel ouch slahen, das er nicht mer hette geschaffet. 50, 7; da aber Pilatus sahe, dasz er nichts schaffet, sondern das vill ein gröszer getümel ward, nam er wasser. Matth. 27, 24; haben sie sich aber nicht versündiget an jrem gott, so schaffen wir nichts wider sie. Jud. 5, 23; es ist nicht möglich, das wir etwas schaffen. 1 Macc. 9, 9; aber dieser anschlag ward Jonatha verkundschafft, darumb schafften sie nichts. 60; aber der weihbischoff .. hat nichts mögen schaffen. Luther 3, 31ᵃ; dise alle sage ich kondten auch nichts schaffen (ausrichten) oder erhalten, wider das kleine heufflein Jesu Christi. Mathesius Luther (1576) 55ᵇ; der aber will mit gewalt 'nein, wie er aber niht schaffen mochte, schreiet er. Schweinichen 1, 189; heute musz ich viel schaffen (vor mich bringen). Göthe an frau v. Stein 3, 16;
sî bat sî, daʒ sî bîhte
von sunden sich entlîhte
hî schûf dî hêre frouwe niht.
Elisabeth 8233;
die weil schaffen wir unsern rat,
wir nemen im gaisz, schaf und rinder.
fastn. sp. 491, 5;
das schafft Cupido, der sich flyszt,
des nachtes redlich zu yn schüszt
mit hachlen, häfen, alten schärben.
Gengenbach 124, 260;
da der teufel nichts schaffen kund,
gab er dem Thedel auff der stund
daselbst zum gschenk das schwartze pferd.
G. Thym Thedel von Wallmoden 667 neudr.;
alsz der feind nicht kund schaffen,
wurd er thöricht und doll.
Wackernagel kirchenl. 5, 21ᵇ;
ei schweigt, got wird es schaffen wol (wol zu ende führen).
Rebhun Susanna 72, 180 Tittmann;
wenn wir nur etwas schaffen künden.
35, 140;
ach was soll ein mensch doch schaffen,
ja ein mensch, ein schwaches thier.
Opitz poeterei (1690) 265;
und dasz auch wir dein volck vom himmel gunst erlangen,
das schaffet niemand sonst als frommer hertzog du.
Fleming 596;
und wann auch gleich der fürst der welt
selbst wider uns sich legt ins feld,
so kann er doch nichts schaffen.
P. Gerhardt 174, 36;
als sie (Venus) mehr nicht kunte schaffen,
gieng sie, liesz zusammen raffen
aller dieser küsse summen.
Logau 3, 100, 10;
der zunge kraft
nichts thut und schafft,
wenn ohr und augen weichen.
S. Dach 8, 3 Österley.
selten in neueren schriftquellen:
schwerlich aber vermag vor mehreren etwas zu schaffen
auch ein tapferer mann.
Voss Odyss. 16, 89;
nichts doch schaffte mein thun; denn weit gewaltiger bist du.
Ilias 4, 56;
was wollt ihr schaffen ohne diesen arm?
Schiller jungfr. v. Orl. 2, 2.
β)
seinen willen schaffen, ausführen: sondern er wird, wenn er an jn kompt, seinen willen schaffen und niemand wird ihm widerstehen mügen. Dan. 11, 16; fährlich haben sie (die wiedertäufer) alles gemacht, aber ihren willen nicht geschafft. Luther briefe 5, 155.
γ)
schaffen an jemandem, bei jemandem etwas durchsetzen, ausrichten: da nun hiemit nichts an mir geschaffen ward, hat mein g. h. von Trier mich neben D. Hieronymus und licentiaten Amsdorff sonderlich zu sich genomen. Luther 1, 455ᵇ;
und das sahen die andern pfaffen,
das sie an jm nit mochten schaffen.
B. Waldis Esop 4, 39, 34;
mit worten wird an mir nicht geschafft,
straff mich mit kreutern: die haben krafft.
3, 17, 11;
auff! eifersucht, zerbrich des abgrunds klufft,
weil neid nichts mehr an lieb und schönheit schafft.
Lohenstein Sophon. 52, 442.
δ)
etwas schaffen, das aufgetragene ausführen, verrichten, thun, mandata alicuius exequi, conficere. Stieler 1710, efficere Frisch 2, 157ᶜ; denn er gebeut, so wirds geschaffen. ps. 148, 5; er keret die wolcken, wo er hin wil, das sie schaffen alles, was er jnen gebeut. Hiob 37, 12; do schuͦffen sy (die kaufleute) als ir ding in drey wochen, wann sy gehört hetten ires herren willen. Fortunatus 57ᵇ;
sölchs wollt jhr nun tragen für,
so werd ich nicht lang vor der thür
dürffen warten und schaff mein sach.
G. Thym Thedel von Wallmoden 873 neudr.;
wann schöne weiber bitten, so heiszt es schaffen doch.
da bitten schöne weiber, in dem sie schweigen noch.
Logau 2, 57, 19;
zween schaften annoch die geschäfte des vaters.
Voss Odyss. 2, 22.
b)
schaffen, mit einem abhängigen satze:
α)
bewirken, verursachen, dafür sorgen, dasz etwas geschieht: darnach geschuf der tufel, das er bî ir gelac. veter buoch 49, 12; und wo es würde auskomen bey dem landpfleger, wöllen wir jn stillen, und schaffen, das jr sicher seid. Matth. 28, 14; so wellest du .. gnedig sein und schaffen, das du gebest einem jglichen, wie er gewandelt hat. 1 kön. 8, 39; und schafft (er) das alle, die in Israel funden wurden, dem herrn irem gott dieneten. 2 chron. 34, 33; also schaffet, das jr auch in dieser wolthat reich seid. 2 Cor. 8, 1; und (gott) schafft, das jr blut gerochen wird. Luther 3, 29ᵇ; und (müssen wir) schaffen, das die eitel ehre auch den reichen landleuffer und den unberuffenen prediger Carlstad nicht betriege. 50ᵃ; setze einen prediger hin, der die leute abweise oder schaffe, das mit ordentlicher weise werde abgethan, nicht mit schwermen und stürmen. 40ᵇ; da er spricht, er der könig solle schaffen das sein reich eitel recht und frömmigkeit habe. 188ᵇ; er wölte bey dem bapst schaffen, das er kein ablas mehr in deudsche land schicken solle. wider Hans Worst 40 neudr.; darumb das sy schuͦffen, das nach ym gesandt wurd. Fortunatus 79ᵃ; o herr schaffe, dasz dieser brieff niemandt anders denn diesen zweyen rittern zu handen komm. buch d. liebe 240ᵇ; schaffe, das di vernunft, wo du anders frey und ungehindert aus disem irgange herauszer kommen wilst, der fade deiner begleitung seyn müge. Butschky kanzellei 890; leben sie indessen recht wohl, grüszen sie ihre liebe frau und schaffen, dasz das artige gartenhäuschen bis zu meiner ankunft wohnbar sei. Göthe an Schiller 480;
ir munt rôsenrôt,
der schaffet ze wâre
daʒ ich ir vergeʒʒen niht mac.
minnes. 1, 95ᵇ Hagen;
das schafft (kommt daher), der wyndfad ist geschmyert.
Brant narrensch. 75, 17;
das schafft, das ich zu lieb hab dir
die nacht nit gton dan huͦlen, bällen.
Gengenbach 124, 274;
das schafft Venus thut mich so geüchen,
das ich vergess gar dick der zeichen.
138, 810;
schaff', hertze (geliebte), schaffe dich einmahl,
dasz ich mich freue nach der quaal.
Fleming 519;
schaff herr, dasz ich mit zähren heisz
den grimmen dein vergüte.
Spee trutzn. 62, 61 Balke;
schaff', damit er sei umgeben
stets von deinen engelein.
S. Dach 193, 33 Österley;
schaff', dasz ihre sachen
wie im tanze gehn,
dasz nur lieb und lachen
allzeit um sie stehn.
177, 33;
Curvus ist den lastern gram, nicht ausz tugend, nur ausz neid,
dasz er jhnen nicht mehr dient, schafft nicht wille sondern zeit.
Logau 2, 209, 68;
schaff, das tagwerk meiner hände,
hohes glück, dasz ichs vollende.
Göthe 1, 113.
β)
zuweilen mit einem abhängigen infinitiv, dafür sorgen, danach streben: das sie (die christen) on unterlas schaffen, mit furcht und zittern selig zu werden. Luther 1, 6ᵇ; den studenten eylendts schaffet sie darein zu legen. Lindener rastbüchl. 12.
c)
schaffen, nützen, fördern, vorwärtskommen, gelingen; meistens unpersönlich. das schafft, fördert, hilft; so in wendungen wie: ihm sind auf einem brette tausend reichsthaler ausgezahlt worden, das schafft; ebenso de arbeit schafft äm recht (gelingt). Danneil 181ᵇ; die maschine schafft was. Frischbier 2, 253; es schaft nicht, dasz der mensch mit niedergeschlagenen augen sitze und sich räuspere und seufze. Claudius 7, 174; mundartlich dann noch: mit einem gulden schaff (reich) ich schon. Schm. 2, 378; da gschafft man mit kain gmen (mit zugvieh richtet man da nichts aus). ebenda.
C.
schaffen, anordnen, bestimmen, in weitester ausdehnung in den germanischen dialekten; im altn. vom schicksal u. ä. (Vigfusson 538ᵃ), im altfries. von rechtsbestimmungen (Richthofen 999); ebenso im ahd. für nomen imponere und in andern wendungen Graff 6, 442; im mhd. ist der gebrauch noch ziemlich mannigfaltig, im ältern nhd. jedoch verengert sich die bedeutung zu befehlen und testamentarisch vermachen, wovon sich oberdeutsch zahlreiche reste erhalten haben.
1)
auftragen, befehlen, mandare aliquid, praecipere, imponere Stieler 1710, jubere Frisch 2, 157ᶜ; lebendig ist es noch in Baiern Schm. 2, 370, Tirol Schöpf 586, Kärnten Lexer kärnt. wb. 213, im Lusernischen Zingerle 49ᵃ, Östreich Castelli 227.
a)
ohne object, theils mit, theils ohne den dativ der person: was die übirkeyt schafft, darynn seyt gehorsam. denn schaffen heysst gebieten. Luther 12, 328, 16 weimarische ausgabe; liesz er .. newn junge ochsen an dem gestat aufopffern, welchs sie ordentlich, wie jhne geschafft, theten. Schaidenreiszer Od. 9ᵃ; wann die herren etwas dahin oder nach Gerana zu berichten hätten, solten sie schaffen, er wolte schon einen gewissen boten und uberbringer abgeben. unwürd. doctor 765; ja! ja! schaffen s'nur, gnädiger herr. Raimund 1, 141; ich kann mich nichts anders erklären, als dasz ich, wie eure gnaden g'schafft haben, einen cichorie hab' ausstechen wollen. 2, 269;
jener (der landmann) dient und dieser (der landsknecht) schafft.
Logau 1, 19, 58;
sein haupt bewegte der meerfürst
dasz vom schaffenden wink aufschauerten alle gewässer.
Voss Ovid metam. (1829) 2, 84;
selten mit dem acc. der person: darumb sollen sie nicht uber dasselbige, das jr einsetzer und stiffter ist, faren, sondern jm underthan sein und sich durch dasselbige (gottes wort) richten, straffen, schaffen und meistern lassen. Luther 5, 150ᵇ; einen meister, der sie schaffet und treibt. 6, 141ᵇ. von oberen für gebieten, von fürsten geradezu für herrschen gebraucht:
esel sinds, es sind auch affen,
diener, denen fürsten schaffen.
Logau 2, 76, 95;
ist disz Papinian, der an der seit uns gehet?
der unserm läger schafft? der durch uns ward erhöhet?
A. Gryphius 1, 429;
wie thöricht aber ist,
der über tausend schafft und einen auserkist,
dem er sein gantzes herz und alle wündsch entdecket.
37;
der darff so hoch nicht traben,
der solchen freunden dient, die ihm zu schaffen haben.
Opitz 1, 178;
hat jemand mehr als ich zu schaffen hier îm lande?
185.
b)
mit dem acc. der sache, auftragen, befehlen: was schaffst du? quid jubes Steinbach 2, 372; Lüpoldus sprach, so folgent mir und thunt, was ich euch schaft. Fortunatus 30ᵇ; alles das unverdrossen tun, was er peut und schaft. Aventin. chron. 1, 433, 27; nicht wider ihn (gott) zu handeln, ob es der könig schon selbst schaffete. Butschky kanzellei 662; printzessin wolt ihr euer divertissement unterdessen im frauenzimmer suchen? 'was sie schaffen, gnädigste frau mutter'. Chr. Weise freim. redner 104; was schafft ihr, edler herr? Göthe 42, 300;
also hats der pfleger geschafft.
H. Sachs 2, 4, 13;
was ich in schaff, das werd vollbracht.
schausp. aus dem 16. jh. 1, 273, 488;
hauptmann. der käyser wil. ich musz was er mir schafft verrichten.
Laetus. der mir zu dancken hat dasz er noch schaffen kann?
A. Gryphius 1, 415;
Bogudas. herr es ist nicht zugelassen mir.
Laelius. wer hindert, was man schafft? Bogudas. die himmlischen
gesetze.
Lohenstein Sophonisbe 48, 295;
was mir der käyser schafft, soll augenblicks geschehen.
Ibrah. 42, 240;
wenn aber dieses dir dein herr, dein vater schafft,
so wird dein antwort nicht, wie vormals haben krafft.
Scherffer Grob. 63;
nun sagt, ihr herrn, was ihr schafft.
Göthe 12, 128.
mundartlich im gebrauch ist noch was schaffen's, was befehlen sie? Schm. 2, 380; besonders als anrede gebraucht beim eintritte in wirtsstuben und krämerladen. beim weggehen heiszt es schaffen' s bald wieder. Schöpf tirol. idiot. 586; schaffen sie wein oder bier? Campe. anstatt des einfachen einem schaffen erscheint mitunter auch seinen willen mit einem schaffen: schaff mit mir deinen willen, gebiete mir. buch d. weisheit 1485 bei Schm. a. a. o.; oder elliptisch mit einem schaffen: er ergab sich an die Römer, tet was sie mit im schuefen. Aventin. chron. 1, 459, 31; ob du tuen wölst, was das römisch volk mit dir schaft. 1, 488, 32; er het von jugent auf gewont und gelernt mit andern leuten zu schaffen, nit under andern leuten zu sein. 2, 261; so hab ich mich gantz gehalten gemess wie es die löblichen rehte mit mir geschafft haben. Luther 1, 161ᵃ.
c)
mit einem abhängigen satz, schaffen, absolut oder mit dem dativ (vereinzelt auch dem acc.) der person, dasz .. oder mit folgendem infinitiv. Birlinger 389: auch schaffet er, das man eilend die mauren zu Jerusalem aus bauen must. 1 Macc. 13, 10; und schaffet, das man die jungen kindlin hin werffen muszte. apostelgesch. 1, 19; der herr hat geschaffet, dir und sus niemand das ze geben. Steinhöwel Äsop 51; ward der künig zornig und schuff, das man sy alle hencken soldt. Fortunatus 18ᵃ; und schafft das die cardinäle mit weitten fliegenden röcken und verdeckten rossen reitten. Franck weltb. 45ᵇ; schuf daneben, das in iederman in solchen êren halten, in nöten anrüefen ... solt. Aventin. chron. 1, 70, 26; und den jüngling schaffet (er) hinziehen. Lindener rastbüchl. 16; doch also bald etlich geharnischt mann .. schuffe (der schultheisz) zu dem grab zugehn. 20; der knecht seinen allerliebsten herrn mit groszem leyd klagen thet, darnach schuff, dasz man ihn aufschneid. buch d. liebe 258ᵇ; alle Gabriotten den preisz gaben, desz jm Philomena wol günnet, jn bald zu ihr kommen schuff. 237ᵇ; da schuff er jm, dasz er jm an ehren und wirden gleich gehalten wurd. 239ᵃ; der ritter dem diener seines erbieten freundlich dancket, jm darnach schuff, tinten und federn zu langen. 257ᶜ; wenn du mir schaffetest ein kleines städtlein zu einer groszen stadt zu machen. Schuppius 742; schaffte solcher (Christus) alsobald den auffwartern, implete hydrias aqua, sie sollen die krüg mit wasser anfüllen. Abr. a S. Clara in Wackernagels leseb. 3, 1, 895;
si schuof, daʒ ir her Gâwein
würde brâht ûf den sal.
Wigal. 343;
seyt gott will kumb jr erbarn gest,
mein herr hat euch geschafft das best
auffzutragen von speisz und tranck.
H. Sachs 1, 473ᵇ;
darumb ich dir iez schaffen thu,
all deine schif wölst richten zu.
Schade sat. u. pasqu. 1, 153, 280;
derhalben dir, wolfjäger guet,
mit ernst der bischoff schaffen thut,
dasz du und der hunt Geselman
sich dises gjeits solt understan.
147, 64;
sie lies jm binden füsz und hend
und schuff alda, das man jn solt ertrencken.
Ambr. liederb. 226, 110;
sie flogen vor den richter bald.
wie ihm die sache ward erzählt,
schuf er, sie sollten singen.
d. knaben wunderh. 1, 477;
der kaiser wolt darum auch ihm ein denckmal schäncken,
er schaffte, dasz ihm wurd der ritter-helm geziehrt.
Rompler 106;
den lastern ist geschafft zu halten feyertag,
der tugend ist vergunt zu würcken, wann sie mag.
Logau 1, 207, 59;
gott bleibt gott! wann ihm gefället ruffet er dem würgeschwerdt,
schafft ihm auch nach seinem willen dasz es in die scheide kehrt.
2, 142, 7.
d)
weniger häufig findet sich die verbindung mit einem schaffen und einem abhängigen satz, vgl. Schm. 2, 379: (der könig) ward in zorn über Esopum beweget und schuff mit Hermippo, das er in bald solt töten lassen on alles verziehen. Steinhöwel Äsop 67; der könig von Lidia Cresus entbüt dem senat und der gemain hail. ich schaff mit üch, das ir mir gült und rent gebent. 64; und yn bitten, das er mit Fortunato schyeff das er ym sein klaynat .. wider sendett. Fortunatus 61ᵃ; und batt die, das sy so wol thun wolten und mitt der künigin schaffen (sie überreden), das sy nach jm sant in irn palast. 78ᵇ; die schuefen kurz mit kaiser Antiocho, das er aus dem kaisertum der Aegyptien züg. Aventin. chron. 1, 488, 24; es soll sich kein fendrich oder webel wideren, ob es sich begebe, dasz ein hauptman mit denen anderen hauptleiten, fendrichen, veltwebeln und kneehten etwas zu thun schuff. Reuter v. Speir kriegsordn. 12;
dawider kan siu (die liebe) schaffen (überreden)
ouch ze manchen stunden
mit vil manigen affen,
der wænet al sîn nôt hân überwunden.
Hadamar von Laber jagd 193.
als dankbarkeits- und höflichkeitsformel noch in Baiern: ich dank dir gar schön. schaff mit mir a en mal; schaffen's mit meiner wenikeit. Schm. 2, 380; wenn wir ihnen helfen können und können ihnen ein' dienst erweisen, so schaffen s' mit uns. Raimund 1, 141.
e)
etwas zu schaffen, zu befehlen haben; auch im nd.: du hest hier niks to schippen. brem. wb. 4, 638; mit dem dativ der person: du hast den bettelleuten zu schaffen. Schm. 2, 380; ich habe ihm nichts zu schaffen. Campe;
weil recht ein knecht jetzt ist, dem frevel hab zu schaffen.
Logau 1, 97.
f)
einen schaffen, vor gericht citieren, fordern. bairisch Schm. 2, 381.
2)
schaffen, testamentarisch verfügen, vermachen, legare, disponere per testamentum. Scherz-Oberlin 1371; seinen letzten willen schaffen. Adelung; absolut und mit dem dativ der person Schm. 2, 381; eʒ sol nieman weder aigen noch erbe durch seiner sêle willen schaffen. Nürnb. polizeiordn. 23; wir schaffen auch den minnebruidern zu Wienne vierzze march. quelle bei Scherz-Oberlin 1371; nennen's auch das künigreich Ptolemaei, der in's am todpet geschaft hat. Aventin. chron. 1, 667, 33; künig Nicomedes hat's (das königreich) dem römischen reich vermacht und geschaft. 672, 14;
sol ich dir schaffen den kaufmannshandel
oder wilt du heuser rendt und zinst.
H. Sachs 5, 223ᵃ;
und schaffest dem Merten ein wenig,
weil er sein erb doch wirdt verthon.
5, 223ᵇ;
zu machen mir mein testament
und wills als schaffen meiner frauen.
Jac. Ayrer 2262, 6 Keller.
bildlich:
al mîn ungelücke wil ich schaffen jenen,
die sich haʒʒes unde nîdes gerne wenen, ...
mîn unsinnen
schaff ich den die mit velsche minnen.
Walther 60, 38.
3)
in der schiffersprache heiszt schaffen essen: nu wöl wi schaffen, nun wollen wir essen. Schütze 4, 19.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2016, Z. 57.

schaffen, n.

schaffen, n.
1)
creatio Steinbach 2, 375.
2)
das thätig sein, arbeiten; sowol in körperlicher wie geistiger beziehung. in letzterer besonders von der dichterischen und überhaupt künstlerischen thätigkeit: der herr dieser besitzung, im höhern sinne wohlthätig, dasz er alles um sich her zum thun und schaffen aufregte. Göthe 21, 68; das schaffen macht ihm keine freude mehr; es soll schon alles fertig sein, und für wen? 17, 142; hatte er schon früher diesen gegenstand der erforschung mit besonderer liebe behandelt, so wurde jetzt in ihm mut und lust des schaffens durch jene ehrende anerkennung aufs höchste gesteigert. Savigny verm. schr. 4, 213;
und ihr (des weibes) leben ist immer ein ewiges gehen und kommen
oder ein heben und tragen, bereiten und schaffen für andre.
Göthe 40, 311;
glücklich, wem die tage flieszen
wechselnd zwischen freud' und leid,
zwischen schaffen und genieszen,
zwischen welt und einsamkeit.
Geibel 2, 129;
das ist die kraft, poet, dadurch der geist
der wahrhaft schöpferische sich erweis't,
dasz kaum von seinem flügelschlag berührt
dein eigner geist den drang des schaffens spürt.
125;
da uns der himmel ward entrissen,
schwand auch des schaffens himmlisch glück.
3, 104.
3)
speise, gericht: das erste schaffen und das erste gericht, so die herzogin geschafft .. haben wollen, sein hart gesottene eier mit salat gewesen. Schweinichen 2, 303.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2032, Z. 40.

schaffen, m. und f.

schaffen, m. und f.
schöpfgefäsz, in oberd. mundarten Schm. 2, 377, mhd. schaffe, schapfe Lexer mhd. handwb. 2, 630. s. oben schaff, n. sp. 2013.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2032, Z. 67.

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„geschafet“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschafet>, abgerufen am 07.12.2021.

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