Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

geschall, m.

geschall, m.
der schall, lärm, mhd. mnd. geschal Lexer 1, 896. Schiller-Lübben 2, 75ᵇ, mnl. gheschal Kilian, clangor, sonus tubae, gheschal off clanck gemma gemm. (Köln 1495) E 3ᶜ, geschall oder clang (Hagenau 1510) e 3ᶜ;
so wellen wir farn mit geschalle,
springen, raien und tanzen.
fastn. sp. 494, 8;
der schall des ruhmes:
vielmehr dasz Deutschland hat verdoppelten geschall,
des lobes ewigkeit.
E. Hanmann anm. zur poeterei 232.
mhd. der geschal, der wütende, schellige:
wenn der ber wirt ain geschal,
daʒ er ain mensch hat verderbt.
Laszberg liedersaal 1, 479, 173.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3831, Z. 61.

geschalle, geschälle, n.

geschalle, geschälle, n.,
coll. zu schall oder subst. verb. zu schallen, schällen (schellen), mhd. und älter nhd. geschelle, geschölle, gescholle. vgl. geschall.
1)
anhaltendes lautes schallen, das geschälle, clangor Stieler 1724, ostfries. geschalle ten Doornkaat-Koolman 1, 614ᵇ; bloszer schall: euszerliche wort, das mer ein gschell und zeugnüs vom wort ist, dann das lebendig wort gott selbs. S. Frank weltb. 123ᵃ; lauter schall von musikinstrumenten: eins hornes geschelle. mon. boica 39, 278 (von 1326); ich geschweig hie des groszen geschell der instrument, orgeln, pfeiffen. S. Frank chronica 227ᵃ;
da war ein grosz gschell mit trommeten.
H. Sachs 15, 274, 4 Keller;
von glocken und schellen: geschall, tinnitus Henisch 1530; auf dem stulp hiengen vil glocken herumb an ketten. wenn der wind drein fiel, so gab es ein gar grosz gschäl und bummen. Aventin. 4, 278, 5 Lexer;
mach mit dein glocken ein gros geschel.
Ambraser liederb. 144, 14;
die deuflische mesz uffrichten mitsampt vil geschell und lautens und ander alt bäbstlich kirchengepreng. Baumann quellen 2, 410. vgl. geschelle.
2)
lauter, weithin schallender ruf, geschrei, lärm, getöse.
a)
das geschälle, clamor, tumultus Stieler 1724:
dâ was grôʒ geschelle,
beidiu luden unde braht.
Lanzelet 1898;
(sie) macht mit schreien ain geschell,
als ob ich sy ermörden well.
Keller erzähl. aus altd. hdschr. 190, 13;
und fürten Esopum als ain kirchenrouber ungestümiglich mit groszem geschell in den kerker. Steinhöwel Äsop 25 (73 Öst.); miszfelt dem volck der sentenz, so verachten sie den (fürsten) mit groszem geschell. S. Frank Germaniae chron. 6ᵃ; erhub sich ein solch geschell und unruh durch die gantze statt. Amadis 6, 670;
ich fragt, was wirt das wesen teiten
von sovil rossen, wagen, leiten,
oder was ist disz fur ein geschell,
mich dunckt wir sient vor der hell.
Thurneisser archidoxa 18.
b)
schlachtgeschrei und waffenlärm:
aller tegelîche
sî (die belagerten christen) machten ein geschelle (angriff).
Reinfr. v. Braunschw. 15671.
c)
jagdlärm mit hörnerschall und hundegebell:
nu wâren ouch die jegere komen
mit michelme geschelle
hürnende.
Tristan 71, 11. 361, 17;
und erhöret ein geschel der hund und auch der jeger. Steinhöwel Äsop 90;
damit ranndt eilunds der kuͤn man
den nechsten dem geschelle nach.
Theuerdank cap. 61, 39;
der selben hunde geschelle
daʒ wilt gên hecke trîbet.
Hadamar v. Laber 215;
auch sonst vom lärmenden geschrei der thiere: geschälle der schreienden füllen. Hohberg 2, 424ᵃ.
d)
das geschälle, stomachus, fremitus irâ perciti Stieler 1724; ostfries. geschalle, angst- und notruf, schmerzensschrei ten Doornkaat-Koolman 1, 614ᵃ; das geschäll, ein lautes getöse von lachen, zanken Höfer 1, 287; ein geschälle woraus machen, rumorem disseminare, jurgia suscitare Stieler 1724; lärm aus lustigkeit: als nun die hochzeit und kirchgang mit wenig geschölls vollbracht ward. Galmy 353;
er sasz bei guͦten gsellen,
er traib ain frei geschelle
wol an ainem abent spat.
Uhland volksl. 1, 305;
weil du warst ein lediger gsel,
war laut raissig, frölich dein gschel.
H. Sachs 3, 3, 66ᵈ;
geräuschvolles leben, saus und braus:
swer alle zeit lebt in hohem geschelle,
der gedenket selten an die helle.
Renner 9845.
3)
tumult, auflauf:
den hunden wart unmâʒen gâch,
die liute ranten vaste nâch ...
'sag an, mîn trût geselle,
waʒ diutet diz geschelle?'
Reinhart fuchs 324, 908;
obe ein für (feuer) usz ginge oder ander geschelle geschee. Mone zeitschr. 16, 186, 10 (Mainz, von 1385); were es, das das geschelle (bei der verfolgung eines übelthäters) so grosz würde, das man die mortglock anzüge. Straszburger verordn. 26 Brucker (15. jahrh.); so man füres oder anderer geschölle halben stürmen wurde. 159 (von 1495); geschelle, seditio Dief. nov. gl. 334 (anf. d. 15. jahrh.); geschelle oder aufflauff oder kriege, tumultus, geschell machen, aufflauffen, auffplausen, tumultuari. voc. 1482 m 3ᵃ; wann ein geschöll in der stat Costenz uferstüend. urk. von 1511 bei Mone anz. 6, 245.
4)
streit, blutiger zwist: wer es, das ein missehelle oder geschelle zwuschent den burgern uffstände. Mone zeitschr. 4, 404, 9 (Landau, von 1433); do man zalt 1308 jor, in der ernen, do geschach ein gescholle zwischent den edeln und dem gedigenen (volk) zu Strosburg. Closener in städtechron. 8, 121, 32; daʒ gescholle zwischen den Mulnheimern und den Zornen. 122, 4; noch nachtimbesse do erhuͦp sich ein krieg und ein geschölle uf der dringstuben by sant Thoman zwüschent den zweigen geslechten zuͦ Strosburg, genant die Rebestöcke und die von Rosheim, und wurdent der von Rosheim dringe erslagen. Königshofen ebenda 9, 786, 3; geschach ein geschölle in der stat, das dem keiser sinre lieben rittere einre wart erslagen. 8, 372, 9. in dieser bedeutung trifft das wort mit dem mnd. geschelle, geschille, geschele 'streit, zwist' (Schiller-Lübben 2, 76ᵃ. Haltaus 682), mnl. gheschil, gheschelte, differentia, dissidium, controversia Kil. zusammen, dem subst. verb. zu mnd. schelen, schellen, mnl. schelen, schillen 'unterschieden, uneinig sein', von demselben stamme, dem auch angehören nd. schel, schele, verschêl, verschill, schelung uneinigkeit, streit, schêlhaftig, schêlachtig uneinig, zwistig brem. wb. 4, 628, ags. scile unterschied, sciljan trennen, altn. skil unterscheidung, skilja unterscheiden, norweg. schwed. skilja, dän. skille.
5)
öffentliches gerede:
es scholt pas verschwigen sein.
nu thuts sisz offenlichen schein
und machen ain geschelle.
fastn. sp. 778, 24;
so du almuͦsen gibst, so solt du nit ein geschell vor dir machen, das du darumb geeret werdest. Keisersberg bilg. 181ᵈ; sprichwörtlich: das geschell ist nicht gar fehl. Agricola 231. S. Frank spr. 2, 114ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3831, Z. 74.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
gernhaber geschlagen
Zitationshilfe
„geschall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschall>, abgerufen am 06.12.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)