Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gescheide, f.

gescheide, f.
gescheidheit, klugheit: sin geschide und bestendikait. Nicl. v. Wyle transl. 229, 6 Keller; schlauheit: durch neuen funt, practisch (pfiffige) gescheid, listig betrieglichait. Schade sat. 2, 87, 15.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3849, Z. 52.

gescheide, gescheid, n.

gescheide, gescheid, n.
verbalsubst. zu scheiden, ahd. keskeite, n. neben dem mutmaszlich masc. gascait, gisceid, distinctio, divisio, distantia, divortium, bescheid (Otfr. 1, 28, 3), einer verstärkung des masc. sceit, das auch in untarsceid vorliegt, mhd. gescheide und gescheit, mnd. gescheid, gescheit.
1)
das scheiden, die trennung:
alsus wart da ein gescheit
van Karle ind van Galyen.
Karlmeinet 60, 3. 99, 20. 335, 21;
it geit zû deme gescheide.
Marienlieder in Haupts ztschr. 10, 24, 18 u. ö.
2)
das scheiden eines zwistes, die versöhnung: mnd. as dan ein gutlich gescheit tuschen .. bededingt ist. Schiller-Lübben 2, 76ᵃ; das richterliche recht der entscheidung oder schlichtung: man sol ouch dem meiger verbürgen das gescheid. weisth. 4, 23 (Elsasz, von 1354).
3)
scheidelinie, grenze, confinium Hayme 241, vgl. geschid: mit soliche gedinge, daʒ die selben entlehentiu swin für das gescheide (des kirchspels) nüt enkomen. Mone zeitschr. 7, 217 (von 1288); nüt löfen (laufen) über kein gescheit. Straszburger verordn. 175 Brucker (14. jahrh.); wo ein furster durch den walt ridet, oder an sinem gescheide, hort he dan einen hauwen in eins andern ampte .. weisth. 3, 430 (Wetterau, von 1380); ein meiger zu Tungen sol da richten umb gescheid mit den hubern daselbst, oder umb undergang oder misbuwen, es si in acker, reben, veld oder matten. 1, 367; were is sache, dasz sich zween schlugen off dem gescheide der gemarck, wo dann der mann hine fiele, do fyle auch die busze hine. 491 (von 1455); 'gschaid, ein kleines verhäck oder landes gewöhnlicher zaun zur absönderung zweier mit ihren gründen zusammengränzender nachbarn' östr. weisth. 6, 601ᵇ: das geschaid der wald und die pigmerk (grenzzäune), so dan sein zwischen der abbtesin zu Göss und der burger zu Leoben. 303, 15 (15. jahrh.); die pimerkung und alle geschaid, so zu den güetern und grunten gehorent. 164, 26 u. ö., als flurname 106, 37 u. ö.: daʒ geschait ze Pfæter ist 5 tagwerh. mon. boica 36, 2, 240 (von 1364).
4)
scheidepunkt.
a)
trennung des bachs in zwei rinnsale: von des gescheids und ychunge (bemessung des wasserstands durch eingesetzte aichpfähle) wegen der bache, die durch Spier fluszet, ist von alter herkommen, wann die von Spier ire anzale (wassermenge) der bach, das ist nemlich ein dritteile, nit haben durch die stat fliszende, so haben sie zween ycher, und myn herre von Spier zween, die daruber gesworn haben, die bach an dem gescheide obwendig Heyenhoffen also zu ychen, das zweiteile in die altbach durch Heyenhoven flieszen sol, und das dritteil uszwendig Heyenhoven fur in die bach, die durch Spyer flüszet. Mone zeitschr. 3, 183 (von 1446).
b)
bildlich: ahd. presens keskeite dero temporum ist unde aber praeteritum ioh futurum selbin die tempora sint. Notker aristotel. abhh. 82, 145.
5)
basl. das gschaid, die markcommission, früher (bis 1831) das markgericht Seiler 149ᵇ. vgl. gescheidherr.
6)
ende am hirschgeweih: es sol für einen jagbarn hirsch gehalten werden, der an dem gewicht acht geschaiden hat. gejaidsordn. von 1616 bei Schm.² 2, 372.
7)
das gescheid, ein hohlmasz für getreide und früchte in Frankfurt a. M., in der Pfalz und in Schwaben, gleich 1⁄8 metze Adelung. Jacobsson 2, 65ᵃ. Weber öcon. lex. 192ᵃ, im Ruckgau Schm.² 2, 374: zu korn oder getreide brauchet man malter, mesten, sechter und gescheid. Garzoni schauplatz 226ᵃ; am unteren Main sind vier gescheidte ein kumpf, vier kümpfe ein simmer, vier simmer ein malter Pfister 246. 314; in früherer zeit von gröszerem inhalt: so soll er (müller) von einem malter nit mer dann ein geschaide, das ist 1⁄2 mezen oder 2 mühlmetzen, nehmen. weisth. 6, 44 (Rotenfels am Main, von 1494).
8)
weidmännisch das gescheide, magen und gedärme des wildes Zinck öcon. lex. 927, z. b. des hirsches Döbel jägerpract. 18ᵇ, des wildschweins 25ᵇ, des auerhahns 45ᵇ, der schnepfe 49ᵇ, dann auch des hundes Kehrein weidm. 138, nach des letzteren meinung 'das aus dem erlegten wild auszuscheidende': werft das gescheite (das eingeweide) in den busch für die füchse! Gutzkow zauberer 6, 22.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3849, Z. 56.

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Zitationshilfe
„gescheide“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gescheide>, abgerufen am 08.12.2021.

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