Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschick, n.

geschick, n.
unverkürzt geschicke, subst. verb. zu schicken 'machen dasz etwas geschieht' in dessen verschiedenen bedeutungen. nebenform geschickt Dief. Aventin. unter I, 1, dazu vgl. das mhd. femin. geschickede unter III, 2. im bair. ist geschick 'geschicklichkeit, schicklichkeit' masc mit anlehnung an das masc. schick (s. d.) Schm.² 2, 368, ebenso schweiz. in der bedeutung 'schlachtordnung' bei Lenz Schwabenkr. 117ᵃ, s. u.
I.
zu schicken, verfügen, verhängen, von der gottheit, vergl. geschehen II, 1.
1)
schickung höherer mächte, fügung gottes, vgl. geschichte 1, b: forsan, von geschickt. Dief. nov. gl. 180ᵃ (von 1429); von ungeschicken, ab importunis cod. germ. monac. 689, f. 191 bei Schm.; von ungeschick gieng er fürüber. Kirchhof wendunm. 288; die weil durch gottis geschick und boszer menschen gesuch on unszer schult das reich uns geben ist. Luther an den christl. adel M 2ᵃ; weis nicht wie, durch gottes geschick, ich ins spiel komme. werke 1, 67ᵃ; der Varus ist desselben mals durch gottes geschick und gewalt des Arminii umbkommen. Micyllus Tacitus (1535) 23ᵃ; Eporus hat Epyrum durch geschick gottes entpfangen. Aventin. 1, 336, 5 Lexer; das alt römisch reich hat zwên ewig abgesagt totfeind (aus besunderm geschick got des almechtigen) gehabt. 4, 583, 15, geschigkt var.; die historienschreiber haiszen solche seltsam ding, wider den gemainen lauf der welt geschên, 'kunter', haltens für ein besunder geschickt (var. geschick) und warnus von got, die dick und oft geschehen vor der straf gottes. 167, 30; (thoren,) die menschlichen preuchen die ewigkait ie wöllen geben, darob wider die ganz natur und geschick gottes halten. 661, 28;
Kalaf. wie bist du hier?
Barak. durch ein geschick der götter, musz ich glauben.
Schiller XIII, 342 (Turandot 1, 1);
was des himmels geschicke
mir drauszen hat versagt.
Rückert ges. ged. 3, 153.
2)
was über den menschen durch höhere mächte verhängt oder ihm verliehen ist, gutes oder böses schicksal: geschikk, fatum, quod a deo mittitur cuique Schottel 1398;
arme, wie hat dir solch ein geschick doch Kypris verhänget!
Voss Hesiod 341;
nun du mich liebst, ist gut und schlimm geschicke
mir gänzlich gleich.
E. v. Kleist 1, 44;
der krieg ist schrecklich, wie des himmels plagen,
doch er ist gut, ist ein geschick, wie sie.
Schiller XII, 240 (Wallenst. tod 2, 2);
ja, sir! gott legt ein wichtig grosz geschick
in eure schwachen hände.
542 (M. Stuart 4, 11);
die sieben herrscher des geschicks (die sieben planeten in der astrologie).
235 (Wallenst. tod 1, 7);
so kann michs nicht gereun, und wäre selbst
auf ewig das geschick des lebens hin.
Göthe 9, 194 (Tasso 4, 1);
stirb freund! warum so zaghaft zittern vor dem tod,
dem unentfliehbaren geschick?
Schiller XIII, 243 (jungfr. v. Orl. 2, 7);
aber endlich werd
ich selbst umkommen und erfüllen mein geschick.
ebd.;
da ruhet unsrer todten
frühzeitiges geschick.
Göthe 1, 128;
gut! so weiszt du dein geschick (d. h. du weiszt, was dir bevorsteht)!
Gotter 1, 53;
und schön, wie dieser tag, erhellt von Hymens kerzen,
steht dein geschick vor meinem blick enthüllt!
255;
ergieb dich nur in dein geschicke,
dem nur die liebe noch gefehlt.
Haller ged. 116;
ein verlogener groszhans, der .. uns allen mit seinem geschick und seinen heldenthaten die ohren vollquälte. arm. mann im Tockenburg 276 Bülow;
gleich ist des haars und mein geschicke.
Göthe 1, 48;
hier klag ich verborgen
dem thauenden morgen
mein einsam geschick.
42;
der augenblick nur entscheidet
über das leben des menschen und über sein ganzes geschicke.
40, 279;
viel unseliges geschick der männer.
9, 19 (Iphig. 1, 3);
der länder und der könige geschick
liegt sonnenhell vor meinem kindesblick.
Schiller XIII, 249 (jungfr. v. Orl. 2, 10);
(mutter natur) führt sie ihrem glänzenden geschick
und meiner hoffnung schön geschmückt entgegen.
XII, 101 (Piccol. 2, 3);
in gottes gnädge hände leg ich mein geschick.
XIII, 244 (jungfr. v. Orl. 2, 7);
du nimmst dein geschick nur aus den händen der götter. Bettine tageb. 115; sein geschick war entschieden. Arnim kronenw. 1, 213;
schlafe du, nicht deine wahlen,
sondern dein geschicke hat
durch des lebens lust und qualen
dir bezeichnet deinen pfad.
Rückert 54;
plural:
durch seltsame
verkettung der geschicke.
Schiller XIII, 440 (Turandot 4, 5);
weil das glück aus seiner tonnen
die geschicke blind verstreut.
XI, 393 (siegesfest 83);
wie sich der sonne scheinbild in dem dunstkreis
mahlt, eh sie kommt, so schreiten auch den groszen
geschicken ihre geister schon voran.
XII, 377 (Wallenst. tod 5, 3), vgl. 208.
mehr oder weniger persönlich aufgefaszt: gehen sie vielmehr, und danken ihrem guten geschicke. Lessing 1, 582 (Minna v. B. 4, 7);
es lohnet mich heute
mit doppelter beute
ein gutes geschick.
Göthe 1, 42;
brächt' ein gütig geschick mich ihr entgegen.
Hölty 68 Halm;
sanft wiegte dich bis heute dein geschick.
Schiller XII, 239 (Wallenst. tod 2, 2);
wohnet dort in jenen sonnenhallen
ein versöhnendes geschick?
Tiedge 1, 10;
o sähest du wie meine seele kämpft,
ein bös geschick, das sie ergreifen will,
im ersten anfall muthig abzutreiben!
Göthe 9, 85 (Iphig. 5, 3);
hier ereilte ihn sein geschick durch seine gefangennahme, durch frühzeitigen tod; im plural:
habt ewig dank, ihr himmlischen geschicke!
Platen (1847) 4, 102.
3)
nach heidnischen anschauungen das schicksal als gottheit von dunkler vorstellung, das fatum, mit blind waltender macht: (Spartaner) welche mit ihme, so lange es das geschicke ihnen gönnen wollen, im felde gewesen. Kunowitz Cornelius Nepos (1665) 365; alles dem geschick anheimstellen. Krämer 542ᵇ;
am lebenseingang steht das treibende geschick.
Tiedge 1, 134;
bis mir zuletzt das günstige geschicke
noch einen tag, den ich nicht hoffte, gab.
Göthe 56, 60;
auf winden dem ehrnen geschick sie
aus den armen ... zu tragen.
9, 25 (Iphig. 1, 4);
schwer geneckt vom eisernen geschicke.
Schiller I, 106 (leichenphant. 17);
o lebe noch lang hier,
unbiegsam dem geschick.
Voss Luise, widmung;
und jetzo führt mich das verderbliche geschick
in diese blutge mordschlacht.
Schiller XIII, 240 (jungf. v. Orl. 2, 7);
jetzt aber
ruft das geschick mich fort, das auf dem schlachtfeld
noch richtend sitzt und seine loose schüttelt.
272 (3, 7);
das wilde geschick des allverderblichen krieges,
das die welt zerstört und manches feste gebäude
schon aus dem grunde gehoben.
Göthe 40, 281;
doch mit des geschickes mächten
ist kein ewger bund zu flechten.
Schiller XI, 310 (lied v. d. glocke 146);
als des geschickes dunkle hand,
was sie vor eurem auge schnürte,
vor eurem aug' nicht auseinander band.
VI, 272 (künstler 239);
ewig wanket des geschickes wage.
XII, 380 (Wallenst. tod 5, 4);
nicht ohne schauder greift des menschen hand
in des geschicks geheimniszvolle urne.
216 (1, 4);
den einen trägt, den andern ersäuft die woge des geschicks. Grabbe Napoleon 1, 1; die launen des geschickes. Freytag werke 12, 226; die weberschiffchen des geschickes. Keller Seldwyla 1, 83; der entschlusz, auch die härteste, vom geschick ihm vorgelegte nusz zu knacken. Immermann Münchh. 1, 59.
II.
zu schicken, anordnen, schaffen, bereiten.
1)
anordnung im allgemeinen, dispositio: und alle unsere geschicke, das wir vollbringen in deme corpere, esz sy bose adder gud, musz uffenbar werden vor deme gestrengen gerichte gotes. Haltaus 683 (Nordhausen, von 1475).
2)
anordnung, verfügung der behörde: fewerpüchel. ein ordnung und geschick, ob fewer hie in der stat auszköme, wer darzu lauffen oder mit was zeug ein ieder, der darzu geordnet wird, kumen sol. Tucher baumeisterb. 327, 2 (von 1449); van ordineringe unde gheschick der hogesten overicheit. Hamburger stadtr. von 1497 bei Walch beitr. 6, 57; wann ein rath eine gemeine zusammen ladet im geschicke (auftrag) ihrer landesherren oder die stadt betreffendte. Schleizer statuten von 1492 und 1590.
3)
letztwillige anordnung, vermächtnis, stiftung: das geschik sol ewiclichen also besten. mon. zollerana 4, 380 (von 1377); ob auch das testierend kind ainem oder mer geschwistergiten oder frembden in erbs oder geschicks weis etwas verordnet hete. Nürnb. reform. 182ᵇ bei Haltaus 683; nachdem die testierende personen in iren testamenten und letzten willen gemaingklich etliche und biszweiln vil geschick und legata, nit allain zu gottesgaben, stiftungen und zu andern milden sachen auszuteilen verordnen. 187ᵇ.
4)
schlachtordnung, aufstellung zum kampfe: da machten die unsern ir geschick und schuszen mit karnpüchsen gegen seinem zeug. städtechron. 2, 217, 24 (Nürnberg, von 1450); trat unser fuszvolk ausz seiner ordnung und geschick und tranten sich. 182 anm. (von 1449); (die soldaten) samten sich pei dem Lichtenhoff und machten do ein geschick: und die gereisigen zugen vor und daʒ fusvolk mit den wagen dornoch. und die gereisigen ordinirten ir geschick. 203, 19; es wer auch not, dasz man bei 20 meilen wegs von hinnen umb und umb auf all seiten bei mercklichen stetten hette gut freunt und leuftig leut, die da lieszen wieszen von samnung und geschicken. 332, 10; do rant her Reusz von Plauen mit dem ganzen hauffen in einen geschick gegen den feinten. 204, 8; die unsern hetten keine rechte ordenung und geschick, wann jede stat für sich selbs da was. 214, 20; die Sweizer gingen sunder in irm geschick unter der stat venlein. 258, 24; wie man in kriegen ordnung und ain geschick in ainem veld sol machen ains klaines zugs (reisiger), daʒ gar gut ist. anz. d. germ. mus. 1870 s. 7 (mitte des 15. jahrh.); graf Hans von Hönstein was obrister velthaubtman, machet sein ordnung und geschick zum streit, zoch also den veinden nach. Wilw. v. Schaumb. 38; wurden alda zu rat, si wolten in der ordnung verharren und im geschik vor der stat halten die ganzen nacht. Aventinus 4, 321, 9 Lexer; das die stat öd stuend, zogens mit der ordnung durch offnes tor hinein, kamen also mit dem geschik an den markt. 322, 3; masc.:
der minder huff hin zoch,
uber die flu und felsen kroch,
bis er hinder die fygend kam,
iren gschick gantz wol vernam.
Lenz Schwabenkr. 117ᵃ.
5)
rangordnung: alte grawe leüt hat der soldan stets umb sich zuͦ rhäten in irem geschick eerlich (ehrbar) und schweigend in umstandende. S. Frank weltb. 16ᵃ.
6)
bergmännisch, hervorgegangen aus der anschauung, dasz die erzmutter die erze schafft und wachsen läszt, s. gang II, 3, b, γ am ende.
a)
geschicke, 'die materia, die zu generirung der erz geschickt' Berward bergphrases (1673) 4, terra ad generandum metallum apta Frisch 2, 176ᶜ.
b)
'die aptitudo der natürlichen gefäsze, darinnen das erz gezeuget wird' Berward a. a. o.; die schicklichkeit der mutter, worin das erz erzeuget wird Jacobsson 2, 65ᵇ.
c)
erzführende ader, bisweilen eins mit gang (II, 3, b): es werden auch gänge insgemein geschicke genennet. Berward a. a. o., meist aber von ihm unterschieden als kleinere ader mit edlen erzen: geschick, venula Agricola, venula vel fibra, klufft oder geschicke Golii onomast. (1582) 74; gang fasset viel geschicke an sich, wann ihm viel edle klüffte zufallen. Schönberg berginformation (1693) 2, 33; geschicke heiszen edle klüffte, die dem haubtgang zufallen und schaarweise übersetzen, daher wir auch beten: herr gott, himmlischer vater, der du gänge und klüffte schaffest und sie mit schönen geschicken veredlest. Berward a. a. o.; und veredelst genge mit reichen geschicken. Mathesius Sarepta 27ᵇ; (quarze, die) gold, silber, kupffer und blei geben, nach dem sie in jren gengen und fletzen durch zufallende geschick und den segen gottes veredelt werden. leichpr. 69ᵃ; in stickelichen gebirgen hat es vest gestein und die geschick fallen gern aus solchen gebirge oder eilen gar zu sehr zum gang. Sarepta 34ᵃ; sie fuhren ein in die gäng, schecht, stollen und geschick. Garg. 187ᵃ;
die gepirge zu befaren
mit irem gefert und geschick.
Uhland volksl. 2, 893;
dort drückt ihn (den gang) der felsen in eine armselige, unbedeutende kluft zusammen, und gerade hier brechen die edelsten geschicke ein. Novalis 1, 92;
und so mit fleisz, genauigkeit und glück
erbohre dir ein reichliches geschick.
Göthe 47, 126;
redensarten: geschicke in die frische gräntz wieder bringen, klüfte, die dem gang zufallen, aber durch eine fäule oder tauben gang abgeschnitten und verdruckt sind, hinter der fäule wieder ausrichten, d. h. auffinden. Hübner 570. Jacobsson 2, 65ᵇ; geschicke unter augen brechen, auf denen zufallenden klüften auslängen, d. h. einen ort von dem hauptgange dahin treiben. Hübner a. a. o. Minerophilus 278. vgl. geschicklein.
d)
erz: geschicke sind überhaupt erzarten, weshalb man auch die benennung 'arme und reiche geschicke', nicht aber 'taube geschicke' brauchen kann. Gätzschmann auf- und untersuchung von lagerstätten nutzb. min. (1856) 95 fg.; edle geschicke, gold- und silberhaltige erze, im gegensatz zu groben geschicken, allen übrigen erzen, z. b. galmei, eisenerzen Veith 230.
e)
östr. s. v. a. gruben- und pochwerksgefälle, alle mineralien, die in der grube abgebaut und auf den pochwerken aufbereitet werden Scheuchenstuel 99.
f)
im Oberharz, milde lettenartige thonschieferschichten von geringer mächtigkeit. Gätzschmann a. a. o. 126.
III.
zu schicken, etwas so einrichten, wie es für den zweck paszt oder sein musz, sich zu etwas schicken, dazu passen, damit übereinstimmen, sich in etwas schicken, sich darein fügen oder finden, es schickt sich, es geziemt sich, ist dem wolanstand gemäsz.
1)
die rechte art, wie sich eins zum andern ordnet, das richtige, passende verhältnis: das geschicke, due proportion, symmetry, kurtz und dick, hat kein geschick. Ludwig 751ᵃ; geschick oder geschicke, aptitudo rei ad rem Frisch 2, 176ᶜ; disz hat weder geschicke noch gelencke, es reimt sich wie ein faust auf ein aug Rädlein 364ᵃ; die red hat ein geschick, os inest illi orationi Aler 913ᵇ; das kleid hat kein geschick, sitzt oder paszt nicht gut Campe;
zwelf knöpfgen hatten sich mit künstlichem geschicke
in einen knopf gedrängt (von der ausbrechenden hyacinthenblüte).
Drollinger 68;
wo einzelne stellen aus ihrem geschick zu dem übrigen vortrage beurtheilet werden müssen. Heilman Thucydides vorr. 16; es scheint als wenn ich mit der welt und sie mit mir in ein geschicke kommen wollte. Göthe an Jacobi 65; einige der stärksten und heftigsten schläge gaben dem eingefügten (rad-) stücke das letzte geschick. Immermann Münchh. (1841) 1, 135; glauben sie denn, dasz wir der sache auch ein solches geschick zu geben wüszten? Göthe 18, 30; gleichgewicht: ich hab weiden wollen haun und mich zu weit übergebogen, da hab ich das geschick verloren und bin gestürzt. Ludwig Heitherethei 197; ordnung: wer weiset mir die braut zu? die gäste stehn im geschicke, und da sie schon marchiren wollen, so fehlt noch der beste zierrath. Chr. Weise neue prob. 246; etwas ins geschick bringen, aliquid quadrare, einen ins geschick bringen, aliquem in ordinem redigere Aler 913ᵇ; alle mögliche mittel habe ich gebraucht, um die sache wieder in das geschick zu bringen. Immermann Münchh. 1, 124; nun hab ich meine gesellschaft brav ins geschicke gebracht. Chr. Weise freim. redner 836;
das ist ein mann, der alles thut,
der euch und eurer eltern gut
in das geschicke bringt.
862;
er ist inquisitenmäszig behandelt zu werden gewohnt, und musz artikelweise gefragt werden, wenn er ins geschicke soll gebracht werden. C. F. Weisze lustsp. 1, 139;
alles bracht ich ins geschicke
und sie sind ein glücklich paar.
Göthe 1, 154;
nun lasz ich mich wieder in einen handel ein, der mich ganz aus dem geschicke bringt. 57, 3; die nahe ankunft des königs bringt uns auch aus unserm geschicke. an Knebel 207.
2)
gute beschaffenheit, gestalt des körpers:
der junge stolze âne gran (bart)
was noch und hete doch ein menlîch geschicke.
Lohengrin 873. 6237;
die von natur und leibs geschick tüchtig sind zur ehe. Luther 2, 164ᵃ; er hat ein gutes geschick, gefälligen wuchs, gute körperhaltung Frischbier preusz. wb. 1, 229ᵇ. Hupel liefl. idiot. 76. daneben mhd. das fem. geschickede, schöne gestalt (var. geschichede, geschichet, geschickt):
avoy wie stuonden sîniu bein!
reht geschickede ab in schein.
Parz. 168, 8. 170, 11. 361, 26;
sîn lîp entwarf sich undern schilt,
swaʒ mâlær nu lebendic sint,
ir ougen, pensel und ir hant
ist sölch geschickede unbekant.
Willeh. 241, 30. 188, 19. 249, 3;
im gfiel gar wol ir roter mund
und gschickt an irem leibe.
Liliencron volksl. 1, 538, 43.
3)
die art, sich in etwas zu schicken, das benehmen, das thun und lassen:
dar umbe ist er doch ein man und hât wol solch geschicke,
daʒ dem unadel verret sich.
Lohengrin 6937;
dasz man in städten aufmerken habe, ob jemand argwöniger darein käme, den zu handhaben, bis man erfährt, wie sein geschick stehe, oder bis man sich seines wesens erkundet. Krenner bair. landtagshandl. von 1429 —1513 17, 142 fg.;
man verreiset groszes geld; was man bringt zurücke,
braucht man, das man schimpffen kan redlich deutsch geschicke.
Logau zweite zugabe 230.
4)
gute manier, feiner anstrich, wolanstand:
erweg ich seine blicke,
sein höfliches geschicke,
sein reden und sein lachen.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 18;
gute reden sind wie jungfern, die man nach der grösze nicht,
die nach schönheit, nach geschicke, nach verstand man gerne richt.
Logau zugabe 16;
Olivien war es ganz unerträglich, so mägdehaft ausgezeichnet (durch ihre ländliche kleidung) in dieser vornehm erscheinenden gesellschaft einherzugehn .. diesz zu dem übrigen geschicke städtischer frauenzimmer ... wühlte einige tage so in dem leidenschaftlichen busen, dasz .. Göthe 26, 38; sie läszt sich von bauersmädchen aufwarten bis sie ein geschick haben, hernach sucht sie eine gute condition für sie. 10, 133; seinen briefen ein geschicke geben, scrivere con bella grazia, das geschicke der worte, la garbatezza dell' espressioni Rädlein 364ᵃ;
denn das hat freilich kein geschicke,
dasz man die liebste selber fragt (nach der mitgift).
Picander 2, 364.
5)
die art, sich leicht worein zu finden, anstelligkeit, fähigkeit und gewandtheit, geschicklichkeit: man findet in so schwämmichten menschen weder geschicke noch beregligkeit. Lohenstein Armin. 1, 202ᵇ;
ein andrer hat zwar viel geschicke.
Gellert 1, 6;
ein mensch, der kein geschicke hat, ineptus Frisch 2, 176ᶜ;
und dennoch hat er kein geschick, das alles
sich anzuschaffen, wenn er es besitzt,
sich zu erhalten.
Göthe 9, 187 (Tasso 3, 4);
sein geschick, alles was er selbst nach der natur zeichnete, sogleich zum tableau einzuleiten und einzurichten. 48, 170; diesem ungestümen treiben begegnete Ottilie mit gleichmüthiger thätigkeit, ja ihr heiteres geschick erschien im schönsten glanze: denn sie hatte in kurzer zeit alles untergebracht und angeordnet. 17, 228; sogar besitzen sie ein besonderes geschick, solche guckscharten durch die mauern zu bohren. 43, 158; die weiber haben zuweilen ein eigen geschick zu treffen aufs gerathewohl. J. Gotthelf Uli d. pächter 352.
IV.
zu schicken, senden, rücken.
1)
das hin- und herschicken von boten oder abgesandten: der durch geschick und bottschafften ein bundt und friden von den Römern begert und angenommen hett. Micyllus Tacitus (1535) 52ᵃ; ist das nicht ein geschicke! eheu quoties mittunt. Frisch 2, 176ᵇ; nur zwei exemplare, davon ... um das andre ein solches geschicke ist, dasz es keiner länger behalten kann. madame König bei Lessing 13, 422;
das gemunkel und das geschicke.
Schiller XII, 16 (Wallenst. lager 2. auftr.).
2)
ostfries. geschicke, das rücken von einer stelle zur andern. ten Doornkaat-Koolman 1, 614ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3870, Z. 74.

geschicken

geschicken,
verstärktes schicken, s. d.
1)
bilden, gestalten:
mochte ich in (den todten gemahl) wol geschiken
zû menslîcher munste (liebe, freude).
h. Elisabeth 5826.
2)
anordnen, einrichten: wie wir die (zunft) hinnafur mit gottes hilffe aller best und sicherst geschicken, ordenen und crefticlichst besteten mugen. städtechron. 4, 135, 28 (von 1368).
3)
in schlachtordnung stellen:
dô er die schar geschihte.
Biterolf 7801;
intr. ein geschicke (II, 4) machen, sich in kampfordnung aufstellen: darumb sie (truppen) daselbist so geheling nicht geschicken mochten. städtechron. 2, 180 anm. (von 1449).
4)
thun, ins werk setzen, einrichten:
wol ûf! geschicke diniu dinc!
Partonopier 1460;
daʒ ich nimmer niht getuo oder geschicke .. weder mit reten oder mit geteten denne mit rote, willen und worten mines herren. mon. boica 39, 176 (von 1321); was er zu thun hat, das thut er nach dem, als er das allerfridlichest kan und mag geschicken. Keisersberg seelenp. 98ᵃ;
er hört gottes wort teglich alle tag,
wo er das kond geschicken.
Ambr. liederb. 225, 29. Körner volksl. 69;
kam der edel Peter zu der schönen Magelonen, denn sie mochten nicht lang von einander sein, so sie es geschicken kundten. buch d. liebe 37, 3. 201, 3;
(gift) darmit wirt im der tod gestifft,
so bald und ichs geschicken kan.
H. Sachs 13, 150, 17 Keller;
wir wollen unser hochzeit han,
so balts eur lieb geschicken kan.
Jac. Ayrer schöne Melus. 328ᵃ.
5)
sich bereiten: zuhant begerten si zu wiszen die zit unde thag der wertschaft unde hochzit, das si sich möchten geschigken werdiclich zu entphande das gebot ires hern zu der hochzit. Griseldis 5, 34 Schröder.
6)
sich gut anstellen:
(er hat) lang und starg huffe und bein,
und kan sich zu pherde geschicke.
ritterspiegel 1060;
ein ritter sich geschihte baʒ,
swenne er ûffem rosse gesaʒ.
Lanzelet 9178.
7)
sich entfernen:
obe sich elneʒ von den anderen geschieche.
spec. eccles. 148, 168.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3875, Z. 58.

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„geschicken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschicken>, abgerufen am 06.12.2021.

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