Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschiebe, n.

geschiebe, n.

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1)
das schieben.
2)
gesteintrümmer, die durch das wasser fortgeschoben und abgerundet sind, älter mit erhaltung des ursprünglichen, im goth. skiuban, ahd. sciuban vorliegenden stammvocals geschübe Mathesius Sar. 90ᵇ. Löhneisz 23, gescheub, venarum fragmenta (im bergbau) Frischlin nom. cap. 114, geschube Bechius Agricola ind. 29ᵃ, in der bergmannssprache des 14. jahrh. schubestein, fortgeflözter stein, dessen vorkommen die nähe eines ganges anzeigt, Germania 1, 355.
a)
gerölle in flieszenden gewässern, am strande des meeres: das leise rauschen der über einander gewälzten kiesel-geschiebe. F. X. Bronners leben 2, 108; steingeschiebe, die jahrhunderte lang die ströme wälzen. Görres Europa 145; hier (in Gaeta) fand ich am ufer ... merkwürdige geschiebe: am häufigsten die gewöhnlichen kalksteine, sodann aber auch serpentin, jaspis, quarze, kieselbreccien, granite, porphyre, marmorarten, glas von grüner und blauer farbe. die zuletzt genannten steinarten sind ... wahrscheinlich trümmern alter gebäude, und so sehen wir denn, wie die welle vor unsern augen mit den herrlichkeiten der vorwelt spielen darf. Göthe 28, 13; bildlich: so wurden die rauhen, scharfkantigen, vieleckichten charaktere des trotzigen mittelalters zuerst in den derben, groszen geschieben ausgeschliffen und polirt. Görres a. a. o.; auch sonst wäre dort wol mancher allzu eckiger kiesel unserer granitenen sprache, wie die Engländer sie genannt haben, zu einem platteren geschiebe abgeschliffen worden. Du Bois-Reymond üb. eine akad. d. deutschen spr. 14.
b)
festlagerndes gerölle: das oberhalb Arth in der ganzen thalbreite hochaufgethürmte geschiebe. Hirzel Eugenias briefe (1819) 1, 275; schon oben bei dem städtchen (Engen) hatte ich die ersten geschiebe des gesteins von quarz und hornblende gefunden. Göthe 43, 148. 5, 156;
am eingang (des steinbruchs) steht ein felsenblock,
wo das geschiebe überhängt.
A. v. Droste-Hülshoff dicht. 321.
namentlich im bergbau: geschiebe heiszen die wände, so das wasser von denen zu tag ausstreichenden gängen wegwäschet und mit fort führet. Schönberg berginform. (1693) 2, 41; je schärffer ein geschieb ist, je näher ist der gang, je glätter und runder, je weiter musz der gang gesucht werden. Uttmann bergbericht 29 (von 1601); seifenwerk und geschübe geben oft anleitung, wo zwittergenge auszurichten sein. Mathesius Sar. 90ᵇ; geschiebe sind auch fletze, die sich in die länge und breite ziehen. Minerophilus 279; im Harz, ein mit mildem thonschiefer ausgefüllter und mit einem lettenbestege versehener gang, welcher erzgänge durchsetzt und verwirft Wenckenbach bergm. wb. 43; im ungr. berglande das geschiebe, steinhaufe Schröer 54ᵇ.
c)
zusammensetzungen.
geschiebebank f.:
werden die (felsen-)stücke von der fluth fortgerissen und gegen flache küsten getrieben, so werden an denselben geschiebe- und sandbänke abgelagert. Oken 1, 604, geschiebbänke Eger techn. wb. 2, 332ᵃ, s. bank 7, theil 1, 1110. —
geschiebeblock m.
erratischer block Eger a. a. o.
geschiebeformation f.
erdschicht, die aus geschieben besteht Eger a. a. o.
geschiebelehm m.
mit geschieben durchsetzter lehm Röhrig techn. wb. 283ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3884, Z. 38.

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Zitationshilfe
„geschiebeblock“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschiebeblock>, abgerufen am 07.12.2021.

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