Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

geschieft

geschieft,
böswillig, höhnisch, vgl. nd. schiftig, stolz verachtend, höhnisch brem. wb. 4, 651:
es ist nun ein geschiefft man, musz fort wogen.
ein lustig gesprech der teufel (1542) 2ᵇ, bei Schade sat. 1, 64, 306.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3885, Z. 40.

schiffen, verb.

schiffen, verb.,
zu schiff befördern, zu schiff fahren, navigare; altnord. skipa, ađa, ags. scipian, scipode (vgl. dän. skibe, engl. to ship), mnd. schepen Schiller - Lübben 4, 74ᵃ, (vgl. unten unter 2, b und c, ferner nld. schepen) zeigen die bedeutung 'ein schiff ausrüsten, befrachten, bemannen, ladung verladen oder löschen, zu schiffe befördern'. das hochd. schiffen (mhd. schiphen, schiffen mhd. wb. 2, 2, 111ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 731) weist schon in alter sprache die intransitive bedeutung (navigare) auf, doch s. unter 3, sich schiffen.
1)
intransitiv, auf dem wasser reisen, zu schiff fahren.
a)
ohne nähere bestimmungen: schiffen, navigare, velificare, dare vela ventis, credere se aquis Dasypodius.
α)
von menschen: wer wides ungestümikait des windes faret und schiffet, der muͦs oft schiffbruchs note lyden. Nic. v. Wyle transl. 62, 25 Keller; die von Zidon und Aruad waren deine ruderknecht, und hattest geschickte leute zu Tyro zuschiffen. Hes. 27, 8; da nu viel zeit vergangen war und nu mehr fehrlich war zu schiffen. ap. gesch. 27, 9; und da sie schiffeten, entschlieff er. Luc. 8, 23; desgleichen thut, der da schiffen wil, und durch wilde fluten zufaren gedenket. weish. Sal. 14, 1; sie (die genossen des Telemach) schifften also die ganze nacht uber, bisz die morgenröte herfür drang. Schaidenreisser Odyssea 8ᵇ; sei diese fahne auch nicht gestickt mit trophäen, vielleicht nur das zerrissene segel der schiffenden Argonauten. Arnim 13, 779;
man sprach auch zu den schiffartgsellen,
das sie sich frölich wolten stellen, ...
wie glückhaft sie zu schiffen weren,
so freundlich soltens sichs erklären.
Fischart 2, 200, 845 Kurz;
die goldreiche Babylon
sendet eilendes volk,
schiffende krieger.
Stolberg 15, 129.
sehr frei: sie begleiteten und belauschten von weitem die schiffenden töne (den gesang der schiffenden). J. Paul uns. loge 3, 154.
β)
auch das fahrzeug selbst schifft: der herr wird mechtig daselbst bey uns sein, und werden weite wassergraben sein, das darüber kein mensch mit rudern faren, noch galehen da hin schiffen werden. Jes. 33, 21.
b)
mit örtlichen angaben: unsere eltern aber sind ausz älte und forcht zu schiffen auff dem meer, daheymen blieben. buch der liebe 184ᵃ;
wenn sich der wind noch mehr erhebt, so will ich mich freuen,
dasz ich mein feuer schüre und nicht mit dem schmied und dem fischer
auf dem ozean schiffe.
Hebbel 8, 238.
an etwas entlang, vorbei, vorüber schiffen: von dannen stieszen wir ab, und schifften unter Cypern hin, darumb das uns die winde entgegen waren, und schifften auff dem meer fur Cilicia und Pamphylia uber. apostelgesch. 27, 4; da wir aber langsam schifften, .. schifften wir unter Creta hin, nach der stad Salmone. 7; da wir aber in ein adramitisch schiff traten, das wir an Asian hin schiffen solten, fuhren wir von lande. 2. mit angabe der herkunft, des ortes, von wo man abfährt: da aber Paulus und die umb jn von Papho schifften, kamen sie gen Pergen im lande Pamphylia. apostelgesch. 13, 13; die andern geferten saszen auf den bencken des schiffs rings umbher, schifften ausz dem port hinweg. Schaidenreisser Odyssea 55ᵇ;
er schiffte goldbeladen
jetzt von Tarents gestaden,
zum schönen Hellas heimgewandt.
A. W. v. Schlegel gedichte 95.
unter hinzufügung der richtung, die man einschlägt, oder des zieles, nach dem man schifft, auch wol beides verbunden. mit bezeichnung der richtung: wer ist uber meer geschiffet, und hat sie funden, und umb köstlich gold hergebracht? Baruch 3, 30; nach zerstörung Troie, schiffete Ulysses mitt dreyzehen nauen haimwerts. Schaidenreisser Odyssea, vorr. 6ᵃ; am folgenden morgen führte unser weg uns ohngefähr so weit als wir den abend geschifft waren, den Rhein entlang. Stolberg 6, 31;
so soll dein ewigs lob an diesem meere stehn:
das erste, das war ich (das schiff), das hier nach osten schiffte.
P. Fleming 579;
o wär ich nimmer über meer hieher geschifft,
ich unglücksel'ger.
Schiller jungfrau von Orleans 2, 6;
in den ozean schifft mit tausend masten der jüngling,
still, auf gerettetem boot, treibt in den hafen der greis.
11, 189;
ein bäuerlein schiffet über den Rhein.
wunderhorn 1, 163 Boxberger;
muthig selbst auf todeswegen
schiffen wir dem licht entgegen.
Schenkendorf gedichte 11;
und jetzt den strom hinunter,
wer schifft im stahlgewand?
Geibel 4, 176;
berauscht von glanz und düften,
das herz in tiefer ruh',
bedünkt mich fast, wir schifften
den sel'gen inseln zu.
3, 176.
mit bezeichnung des zieles; in älterer sprache gewöhnlich mit in und dem accusativ verbunden: und sie schifften fort, in die gegend der Gadarener, welche ist gegen Galilean uber. Luc. 8, 26; da es aber beschlossen war, das wir in Welschland schiffen solten. ap. gesch. 27, 1; und da selbs fand der unterheubtman ein schiff von Alexandria, das schiffet in Welschland. 27, 6; der ritter .. mit einem schiffmann ubereyn kam, der jhm und seinem knecht ein jagschiff zurichten solt und jhn in Portugal führen, desz jm der schiffmann versprach, aber nicht gar in Portugal zu schiffen. buch d. liebe 257ᵃ; in einem verfänglichen bilde und wortspiele: da ich nunmehr vermeynete, mit gutem wind in Engeland zu schiffen, kam ich wider alle zuversicht in Holland (ein junger ehemann spricht). Simpl. 2, 35 Kurz. auch mit gegen und accusativ: und wie sie ausgesand waren vom heiligen geist, kamen sie gen Seleucia, und von dannen schifften sie gen Cypern. ap. gesch. 13, 4. mit auf: in Flüelen setzten wir uns abermals ein und fuhren bis Beckenrieth, .. von da schifften wir über auf Küsznacht, giengen auf Immisee, schifften auf Zug, wanderten auf Horgen und schifften wieder nach Stäfa hinüber. Göthe an Schiller, briefwechsel⁴ 1, 366;
folgends auff Seckingen sie schifften.
Fischart 2, 190, 421 Kurz.
jetzt wird bei schiffen wie bei den andern verben des reisens das ziel gewöhnlich durch nach mit dativ bei bestimmten ortsangaben, auch mit zu bezeichnet: dein bruder, der vor jahren in die frembde ging, sey in der Venediger dienst, nach Indien geschifft und daselbst gestorben. Musäus volksm. 2, 76; indem sich die spanische silberflotte bey der insel Cuba versammlet, und fast im begriff war nach Europa zu schiffen. Felsenburg 1, 66; er schiffte nach Messina. Stolberg 9, 78;
immer würd' er gesehn, wohin er sich wendete. schifft' er
durch die salzige fluth des breiten Hellespontos
nach des Kroniden wieg' und nach den strömen Ägyptos.
Göthe 40, 362;
schiff nach Lucern hinunter, frage dort,
wie Östreichs herrschaft lastet auf den ländern!
Schiller Tell 2, 1;
(Toggenburg) sieht ein schiff an Joppe's strande,
das die segel bläht,
schiffet heim zum theuren lande,
wo ihr athem weht.
Schiller 11, 237;
kein dorf Siciliens ist mehr dein;
schon schiffen nach Calabrien aufwiegler.
Grabbe 2, 355;
zu dem schönen Griechenvolke
übers blaue mittelmeer
schifft in dichter schwalbenwolke
wonnevoll der märz daher.
Geibel 3, 173.
mit angabe des ausgangsortes, sowie des zieles der seereise:
ich war von Afrika, dem land der sonne,
gen Asien geschifft.
Grabbe 1, 64.
c)
bildlich und übertragen, von menschen, wie von abstracten begriffen: ein solches ziel kann man als einen stern ansehen, nach dem man schifft, wenn man auch nicht weisz, was man unterwegs antreffen, unterwegs begegnen werde. Göthe 21, 219; wo aber stieg denn das gröszte kriegerische, das römische volk, welches jahrhunderte lang weniger im blute der völker watete, als auf dem blute schiffte, endlich aus? J. Paul dämmer. 58; welche schwankungen von dem endlich gescheiterten strandrechte an — und von der noch schiffenden seekaperei — bis zum ausgelebten ritterleben von sattel und stegreif. herbstblumine 3, 136;
des schiffet gar
zer tugende schar
diu reine zunge sî der sêle ruoder.
minnes. 3, 92ᵃ Hagen;
mit bergstroms eile fliehet die stund' hinweg,
stürzt jähling sich in's meer der vergangenheit,
dort schifft in stiller mondnacht oft, und
oft die erinnrung im klippenstrudel.
Stolberg 1, 341;
wir müssen uns einander nehmen,
so wie wir in dem kreise sind,
und uns ein wenig links und rechts bequemen,
man schifft umsonst stracks gegen fluth und wind.
Seume 7, 43;
fröhlich auf des lebens welle
schifft' ich stets von land zu land.
Fr. Kind ged. 5, 209.
in poetischer sprache vom gleiten des vogels durch die lüfte, vom zug der wolken u. ä., dann auch in freierer übertragung: das auf genüssen schwimmende auge Gustavs schifft leicht hinüber und herüber zwischen dem lamme, dem hellen blumengrund mit der schattenlandspitze und zwischen dem zaubergesichte Reginens und braucht nirgend wegzublicken. J. Paul uns. loge 1, 63; in norden wehten die purpurwimpel der Aurora, die gen morgen schiffte. Tit. 2, 137; ich schiffte in dem über die nachterde hingedeckten wolkenhimmel, in dessen flut der aufgegangne mond wie ein schwan mit seinem glanzgefieder alle wogen durchstralend stand, eh' er herausflog ins blaue. kom. anh. zum Titan 2, 55; dieses hängende blaue meer, worüber die sonne wie ein Bucentauro schiffte. Hesp. 3, 183;
schon schiffen von neuem
beladne wolken vom abend, und hemmen wieder das licht.
E. v. Kleist (1760) 2, 42;
eilende wolken! segler der lüfte!
wer mit euch wanderte, mit euch schiffte!
Schiller M. Stuart 3, 1;
selbst verständlich war ihm, was in lüften
die leicht beschwingten vögel sangen fern,
indesz sie lustig durch die wolken schifften.
J. Mosen 2, 34;
nun wird es licht, nun will der frühling nahn,
durch blaue lüfte schifft der wilde schwan.
Geibel 3, 160.
d)
der infinitiv als subst.: schiffen, it. schifffart, navigatio, .. cursus, iter navalis. Stieler 1792; das schiffen, navigatio Frisch 2, 180ᶜ; im schiffen musz man sich nach dem wetter richten. Stieler a. a. o.; die fahrt ist bekannt, und ging schlecht genug, was das schiffen anlangt, und lustig genug, was die gesellschaft betrifft. Seume (1853) 3, 387.
e)
part. der schiffende: wer wird mir den weg gen hell zeigen, oder mein fürer sein, dann ye kainer vormals dahin schiffende kumen ist. Schaidenreisser Odyssea 43ᵇ; als jhm gesagt ward, dasz ein schiff nur 4 finger dick were, antwortet er: so ein geringes seyn die schiffenden vom todt unterscheiden. Zincgref (1639) 1, 424; als daher der landmann mit rufen und winken die schiffenden aufmerksam machte, ... wandte sich das schiff nach dem ufer. Göthe 17, 334;
so wird den schiffenden das uffer gantz benommen.
Rompler 71;
es ward ein ungemeiner brieff mir jüngst von unbekannter hand,
ohn unterschrifft, ohn ort und namen, und sonder datum, zugesandt,
worinn ein sonderlich geheimnisz, zum nutz dem menschlichen geschlechte,
mir edelmüthig mitgetheilet, dabey verlangt ward, dasz ich es,
zu gottes ehr, in meinen schrifften, als etwas recht besonderes
der welt, zumal den schiffenden, zum besten offenbaren möchte.
Brockes 6, 313;
vorwärts dringt der schiffenden geist, wie flaggen und wimpel.
Göthe 1, 295;
sie rufen nicht der schiffenden erretter,
die söhne Zeus, sie lästern frech die götter.
Fr. Kind ged. 1, 70;
all den schiffenden hier umzog das blässere antlitz
todesfurcht.
Pyrker Tunisias 4, 239;
des leuchtthurms flammen,
sie rufen all die schiffenden zusammen.
Houwald das bild 5, 1.
2)
transitiv.
a)
beschiffen, mit schiffen befahren: ein flusz, den man schiffen kan, amnis, qua naves ambulant Stieler 1791; das geschiffet mag werden, navigabilis Dasypodius; zu dem kommen jetzund die guten winde, welche den schiffenden weg glücklich machen. buch d. liebe 204ᵈ; ein flus, der zwischen engen ufern eingefangen, so gefärlich nicht zu schiffen ist, als eine offenbahre, weit und breite see. Butschky Pathm. 601;
ihr aber schifft ein meer,
das keinen hafen hat.
Opitz 2, 63.
b)
zu schiff bringen, einschiffen, mit beziehung auf personen und ladung (vgl. einschiffen theil 3, 270, ausschiffen theil 1, 949), niederd. schepen, einschiffen, zu schiffe bringen, laden brem. wb. 4, 658: weiter läszt er sich in die mahlerey des schiffes nicht ein. aber wohl das schiffen, das abfahren, das anlanden des schiffes macht er zu einem ausführlichen gemählde. Lessing 6, 465;
ir kiele waren nu gereit,
ir schif unde ir galine,
die selegen pilgerine,
die werde samenunge
in ganzer hoffenunge
nahe bi der stunde
schiffen hi begunde.
Elisabeth 4576 Rieger.
vergl. mnd. schepen Schiller-Lübben 4, 74ᵃ, niederl. schepen, t' schepe doen, onerare navem, corbitare, in navem inferre, sive immittere Kilian. diese verwendung hat sich hochdeutsch nicht fortgesetzt. in Ostpreuszen heiszt das getreidefahren schiffen, sei es zur einschiffung in den kahn oder zur ablagerung in die speicher. Frischbier 2, 271ᵃ.
c)
zu schiff befördern, verschiffen, mnd. schepen Schiller-Lübben 4, 74ᵇ: twe last bers, de ik em schepede na Bergen. nd. quelle daselbst;
sibenzech tûsent was sînes hers,
daʒ schiphet er uber ain ende des mers.
Lamprecht Alexander 614;
noch in neuerer sprache:
erbarmst du dich, so schiffe mich von hier.
Stolberg 14, 133.
wahren nach Frankreich schiffen Adelung, der aber diese bedeutung bereits als ungewöhnlich bezeichnet.
3)
reflexiv.
a)
sich zu schiffe befördern, reisen:
gegen Baljâne schifte sich Hagene der herre.
Gudrun 559, 4;
der kaiser unt sine helde
schiftin sich uber die Saibere.
Ruolantes liet 293, 29;
dô schift er sich über mer,
und vant den bâruc mit wer.
Parz. 102, 19.
b)
sich einschiffen:
Hartmuot sich dô schifte   snelle in drîen tagen
wider ûf die kiele.
Gudrun 808, 1.
beide bedeutungen des reflexiven schiffen sind heute veraltet.
4)
seit den 30er jahren dieses jahrh., zuerst anscheinend in der studentensprache Mitteldeutschlands, dann allgemein, ganz gewöhnlich für sein wasser abschlagen, urinieren, mingere. Albrecht 200ᵃ. Schöpf 609. Seiler 252ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 68, Z. 57.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
gernhaber geschlagen
Zitationshilfe
„geschieft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschieft>, abgerufen am 04.12.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)