Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschirmt

geschirmt,
mit einem schirm versehen: die geschirmte lampe, die ihn nur erleuchtete und seinen tisch, brannte matt. L. Tieck ges. nov. 3, 111.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3886, Z. 68.

schirmen, verb.

schirmen, verb.,
von schirm abgeleitet, decken gegen angriff und schädigung, beschützen. mhd. schirmen, schermen, ahd. scirmen Graff 6, 546 (aus älterem scirmian), altfries. skirma, zu erschlieszen aus biskirma Richthofen 646ᵃ, mnd. schermen Schiller-Lübben 4, 78ᵇ, mnl. schermen Kilian; holl. schermen, dän. skjerme, schwed. beskärma, aus dem german. entlehnen romanische sprachen, zum theil mit metathese des r (zu vergleichen ist bair. schremen Schm. 2, 602 und ahd. scriman Graff 6, 565) ihr ital. schermare, schermire, span. port. esgrimar, esgrimir, franz. escrimer fechten Diez etym. wb.⁴ 285. gebrauch.
1)
ursprünglich als altes kriegswort, deckung gegen den feind bezeichnend durch schirm, mhd. noch in der ritterlichen übung des kampfspiels; absolut: mhd.
er schirmde manege wîle:
dar nâch sluog er mit île.
Wigalois 7155,;
ein schilt er ze schirmen truoc.
7358;
si wolden kurzewîle   mit dem gesinde hân,
schirmen mit den schilden   und schieʒen manegen schaft.
Nibel. 307, 3;
mnd. dar sach men schermen unde vechten.
Reinke de vos 3301;
nhd. da sprach der kühne held Roland:
ich kann wohl fechten und schirmen,
doch hält mir diese kunst nicht stand
vor wellen und vor stürmen.
Uhland ged. (1842) 418.
auch schirmen vür ein dinc:
ir ietweder schermen   für starke wunden began.
Nibel. 2155, 4.
nhd. nur in nachahmung mhd. sprache:
Wolfram von Eschenbach, der ward zum buckler angenommen;
der schirmt sie wohl vor schwertesschnitt.
Simrock übers. d. Wartburgkr. 79, 8.
mit reflexivem dativ der person:
schermen im began
der hêrre von Berne   vor angestlichen slegen.
Nibel. 2286, 2;
dô schermten in (sich) die recken
mit ten schilden, die sî truogen.
Eraclius 4822.
mit reflexivem accusativ:
nû schirment iuch! daʒ tuot iu nôt.
K. v. Würzburg troj. krieg 34876;
schermet iuch vor mînen swinden slegen.
Alphart 156, 3.
auch in die bedeutung des 'sich übens im parieren, fechtens' überhaupt verlaufend: dimicare schirmen, schermen, scharmen Dief. gloss. 182ᶜ; schirmen, gladiari Dief.-Wülcker 838; darnach hat man gar maysterlich mit einander geschirmet. da hat marggraf F. kein nit hingelauszen, er ist ihn angangen und hat mit ihm geschirmt. quelle bei Birlinger 395; man sol die burc bûwen unde berüsten die wîle eʒ noch vride ist, und sol vor dem kamphe schirmen lernen und sol sich vor wâfenen, ê daʒ die vînde zuo sprengen. deutsche mystiker 1, 316, 10;
aller hande rîter spil
lêrten in die rîter vil
schirmen unde schieʒen.
Wigalois 1258;
schirmen, ringen, tanzen und springen.
fastn. sp. 266, 16.
in neckischer übertragung:
ir vil mit kandeln und schwerten schirmen.
385, 24.
2)
schon früh in die allgemeine bedeutung 'schützen' übergegangen; in der alten sprache sowol mit dem dativ:
scirmi, druhtin, mir ouh so.
Otfrid 3, 1, 44;
des schirmet im (den brunnen) ein linde,
daʒ nie man schœner gesach:
diu ist sîn schate und sîn dach.
Iwein 572,
als mit dem accusativ: sîd er mih hiêr scirmda. Notker ps. 26, 5;
eʒ ist dar zuo komen hiute,
wir schermen unser eigenliute,
daʒ si ân kristenlîch dinc lebent.
wälscher gast 7920;
diu (salbe) schirmet vor dem fiure
mit ir kreften iuwer leben.
troj. krieg 9234;
vor dem wil ich mit listen
dich schirmen unde vristen.
14294.
nhd. ist der accusativ nur noch allein gebräuchlich: einen, etwas schirmen, zunächst ausdruck des rechts und der verwaltung; einen schirmen, eins sach und klag vor gericht auff sich nemmen, und treüwlich darinn handlen, patrocinari Maaler 353ᵇ; einen aufs recht schirmen, defendere aliquem in jure suo vel ad jus recuperandum. Scherz-Oberlin 1411; von schirmvögten der städte und klöster: das er (der herzog) sie und di stat czu Auspurk .. von unsern und des reichs wegen schuczen schirmen und hanthaben sulle. d. städtechron. 4, 28; daʒ ir sie und alle die iren .. schuret und schirmet. Frankf. reichscorr. 1, 161, 205; sie schirmen und aufnehmen, als ander unser und des reichs lieben getreuen. Arnold deutsche freistädte 2, 329. von da aus erweitert: sein vatterland schirmen, luͦgen unnd schaffen das seines heimat gschützt und gschirmpt werde, defensioni patriae servire. Maaler 353ᵇ; sich ze schirmen verwilligen, eim erlauben dasz er sich möge schirmen, dare defensionem, ze schirmen, das man sol schirmen, erhalten und handhaben, tuendus. ebenda; auch in neuerer gewählter sprache noch bisweilen mit einem leisen nachklang der alten rechtsbedeutung:
sitzt der richter dann zur stelle,
tritt, was je sich barg, ins helle,
nichts schirmt vor des zornes schnelle.
Fr. Kind ged. 5, 288.
allgemein schirmen, schützen: der dichter ruft alle geister, welche liebe schirmen, an. Immermann 13, 286 Boxberger;
der ritter hält den schild,
die dame zu schirmen, umsonst dem tollen sturm entgegen.
Wieland Amadis 8, 25;
er (der tempelherr) sey
hier frey; könn' überall sich hier besehn;
versteh', wie eine stadt zu stürmen und
zu schirmen.
Lessing Nathan 1, 5;
nicht zu gedenken der besatzungen,
die an der grenz' die festen plätze schirmen.
Schiller Piccol. 1, 2;
denn dieses ist des freien einz'ge pflicht,
das reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt.
Tell 2, 2;
er, den des ew'gen hand
zu Sachsens heil gesandt,
schirmte das vaterland
nun funfzig jahr!
Kind ged. 5, 29;
du schirmtest ihn mit starker hand,
den du zum herrscher uns gesandt.
37;
unsichtbare schwestern schirmen
freundlich aus verfallnen thürmen
des geliebten jägers haupt.
Müllner schuld 1, 2;
der teufel ist's, dort schirmen ihn die truppen.
Chamisso 4, 175;
schlaf unbesorgt, dich schirmt mein dach.
6, 236;
der wird als bürger sich bewähren,
der seine burg zu schirmen weisz.
Uhland ged. (1842) 129;
die Schlegler möchten schirmen das städtlein und das schlosz.
435;
so will denn ich hier diese fürstin schirmen.
Grillparzer 5, 40.
als wunsch: gott schirme dich, gott möge dich schirmen; als gebet:
urquell der güte!
schirm und behüte
segne könig, stadt und land!
Fr. Kind ged. 5, 33.
in der jägersprache, das wild schirmen, schonen: wo man es (das wild) schirmete als in andern landen, wurde das land voll. Stumpf Schweytzer chron. 608ᵇ; das wild schirmen und den leuten schaden, davon hat der teuffel freud. Schuppius Salomo 4. schirmen vor oder gegen einen, vor oder gegen etwas, auch reflexiv: sich vor unbill und schmaach hüten unnd schirmen, defensare se injuria. Maaler 353ᵇ; einen vor feinden, ein besitzthum vor verfall, das land gegen überfall schirmen u. dergl.: sô sîn in iegere erloubet, den sî doch unde ouch anderen durch hûte willen unde schirmen vor bôsen lûten mugen mitvolgen. statuten des deutschen ordens 47, 30 Perlbach;
so schirmt vor wuth und ränken
des wolfes und des fuchses
zur nachtszeit seine lämmer
der unentschlafne hirt.
Kretschmann 2, 107;
königin der engelschaaren,
die einst unterm kreuze stand!
schirm' den jüngling vor gefahren,
du, die mutterschmerz empfand.
Fr. Kind ged. 4, 25;
nimm auf den adler, der verloren fleugt,
und schirm ihn stark gen alle seine feinde.
Grillparzer 5, 38.
in formelhaften verbindungen, besonders schützen und schirmen, halten und schirmen: dasz er die hausgenossen halten und schirmen wolle in allen freiheiten und rechten. Arnold deutsche freistädte 2, 111; die sechzehn und die gemeinde sollen recht und freiheit des stifts halten und schirmen. 304; soviel an uns ist dabei behalten, handhaben, schützen und schirmen sollen und wollen. 462; die städte wollen der bauern vormünder sein und sie schützen und schirmen. 73; sie schlossen eine eidgenossenschaft, einander schützen und schirmen zu wollen. 350; die geistlichen ... schlossen eine einung, einander bei ihren alten privilegien schützen und schirmen zu wollen. 371;
wie seyd ihr geschäftig
euren oheim zum tode zu bringen! ihr solltet ihn eher
schützen und schirmen, und wär' er in noth, euch seiner erbarmen.
Göthe 40, 65;
mit sächlichem subject:
es schützt ihn fortan und schirmt ihn mein friede.
91.
auch in mancherlei andern verbindungen: der harnisch schirmt die brust, der panzer schirmt den oberkörper;
ein schuppicht panzerhemd umfaszt
den rücken, den es furchtbar schirmet.
Schiller kampf mit dem drachen 110;
mein dach schirmt dich:
wer gläubig zu ihm (gott) flieht, den schirmet sein panier.
Gotter 2, 468;
ein baldachin soll diese scheitel schirmen.
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 5, 12;
er hat den baum gepflanzt, der jetzt mit seinen
weitausgespannten ästen schirmt das grab
der mutter.
Chamisso 4, 113;
es ragen die vier wände (des klosters),
als ob sie nur bestimmt,
den kühnen wuchs (der ulmen) zu schirmen,
der zu den wolken klimmt.
Uhland ged. (1842) 362.
3)
landschaftliches schirmen, schermen, an schirm 2, b, β angeschlossen: sich schermen, im schauer stehen. Stalder 2, 314. scherma, die hinter- oder seitenwand eines hauses machen, besonders mit schindeln bedecken. Tobler 385.
4)
der substantivisch gebrauchte infinitiv, in älterer sprache das parieren mit dem schilde, dann das fechten überhaupt bezeichnend:
mit schirmen muoste er sich fristen
vor Walberânes kluogen listen.
Walberan 1129;
sîn herze was versunnen
ûf schirmen ouch sô rehte wol.
K. v. Würzburg troj. krieg 4739;
Pârîs und Hector wâren frô
getreten beide in einen rinc ...
daʒ sî dâ schirmens pflâgen.
5015;
ich haisz ritter Fridereich
und hab im lant zu Markandeich
mit schirmen gewunnen ritterschaft.
fastnsp. 363, 13.
5)
das part. präs. schirmend, in alter sprache fechtend:
dô vant er Pârîsen dâ
schirmende mit Hector iesâ,
der sich dô des mit zorne wac,
daʒ er im einen grimmen slac
wolte geben dô zehant.
K. v. Würzburg troj. krieg 41854.
in neuerer sprache von dem, was schirm, schutz gegen die unbilden der witterung, gegen gefahren u. dergl. gewährt, auch was andern etwas verbirgt: eine schirmende wand;
hierhin und dorthin zerscheucht, sucht jeder ein schirmendes obdach.
Bürger 246ᵇ;
die gardine herunter
zur schirmenden decke,
dasz nicht der blitze widerschein
mir weib und kindlein schrecke.
Fr. Kind ged. 1, 45;
dann raunt' er leise ihm in's ohr,
hält schirmend seine rechte vor.
3, 107;
im schiffe wird es still — jetzt tritt es aus der schleuse
hervor — ein hussaruf! und seine planken leise
bespült das schirmende bassin.
Freiligrath ged. (1841) 143.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 215, Z. 7.

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Zitationshilfe
„geschirmt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschirmt>, abgerufen am 04.12.2021.

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