Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschleck

geschleck,
als m. verstärkung von schleck, m. (Keisersberg post. 88), mhd. slec, als n. verbalsubstantiv zu schlecken lecken, unverkürzt geschlecke, mit der seltenen nebenform geschleckt J. Ayrer stift Bamberg 138ᵇ.
1)
leckerei, leckerbissen, naschwerk.
a)
im allgemeinen:
so bistu selbs einem geschleck nach gangen.
Keller erz. aus altd. hdss. 117, 31;
der saget mir von dem pesten geschleck,
das allen unmut trieb hinwek.
fastn. sp. 250, 14;
wer einen pfenning hart wigt, wirt nimmer keinen guten geschleck essen. Agricola spr. 92ᵇ, kein gut geschlecke Henisch 1541; ausz anderen landen ir profand, geschlecke, gewand und gwürtz erbetlen. S. Frank Germ. chr. (1538) vorr.; ôn allen bracht und geschleck vertriben si den hunger. Aventin. 1, 348, 5 Lexer, als übersetzung von sine apparatu, sine blandimentis expellunt famen Tac. Germ. 23; so man jhm (dem magen) sein wolgefallen nit gibt, so euszert er sich, dann er ist auff dem geschleck gebaut. Paracelsus op. 1, 776 A;
da fundens (die mäuse) mancherlei geschleck,
butter, kees, wurst, fleisch, brot und speck.
Eyring 2, 329;
noch oberdeutsch das geschleck Schm.² 2, 505. Stalder 2, 325, das geschlecke Spiess henneb. id. 77.
b)
von gebratenem und gesottenem:
gar gut geschleck, vögel und fisch.
H. Sachs 4, 3, 83ᵈ;
dasz wir desselben (des wassers) entohnigt, auch des niedlichen geschleckes der fische entbären müszten. v. Birken ostländ. lorbeerhain 52; so ist auch die leber der fischen frisch gefangen ein sonderbarer köstlicher geschleck. Forer fischb. 40ᵃ; sobald sie morgens erwachete, muszt sie ein suppen oder etwas anders geschlecks haben. buch d. liebe 285, 4; grobe speisen geben gute nahrung und besser alsz viel bouillongeschlegs. Elis. Charl. 1, 405.
c)
von süszem wein und confect: die allerbesten wein, als Veltelin, Reynfall und andre guten geschleck. Wickram rollw. 110, 10 Kurz; sandte allweg aus nach wein und andern guͦten geschlecken. Fortunatus A 7ᵇ;
welschwein, auch gut confect,
und sonst von köstlichem geschleckt.
J. Ayrer stift Bamberg 138ᵇ;
(auftragen) den gesten ein collation
von zucker und gutem confeck
und ander seltzamen geschleck.
H. Sachs 3, 3, 70ᵇ. 3, 2, 212ᵃ;
vil geschlex das man einmacht.
fastn. sp. 1208;
wissen, was in Indien steck
und all jr specerei geschleck.
Sebiz feldb. vorr. 5ᵃ;
einen ochsen asz Thor, acht lächse dazu,
alles süsze geschleck, den frauen bestimmt.
Simrock lesebuch 36.
d)
bildlich: sie darff (die kirche bedarf) allerlei frembder geschleck und trachten. Fischart bienk. (1581) 35ᵇ; im sprichwort: ehestand ist kein geschleck. Simrock heldenb. 5, 82; es würt dir des geschlecks werden, haud impune vindemiam facies. S. Frank spr. 1, 14ᵇ.
2)
das schlecken, naschen: geschleck wil streich haben. Agricola spr. 322ᵇ; weder wein noch ander ding, so zum geschleck dienet. Aventin. 1, 348, 9 Lexer.
3)
übertragen aufs küssen:
war ein gekos' und ein geschleck'.
Göthe 12, 187 (Faust 3560 Weim.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3917, Z. 48.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
geschlag gesellschaftsblick
Zitationshilfe
„geschleck“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschleck>, abgerufen am 03.12.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)