Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschleiert, part. adj.

geschleiert, part. adj.
mit einem schleier umhüllt: ein geschleierts weibesbild. fastn. sp. 1, 286; die bäurin, das hinterlistig geschleiert thier. Agricola spr. 43ᵃ; dergleichen hengste, die einem jedwedern geschleierten thier (frauensperson) nachsetzen. Simpl. 3, 123, 25 Kurz; geschleiert gänsz auff pantoffeln. Garg. 18ᵇ; wer ein biszgen gesoffen hat, der siehet eine geschleierte ziege vor eine göttin an. Chr. Weise Jac. heirath 96; bildlich:
die ganze gegend feiert,
in dämmerlicht geschleiert.
Voss 5, 153.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3918, Z. 47.

schlieren, verb.

schlieren, verb.
in dieser form fallen mehrere wörter verschiedenen ursprungs und verschiedener bedeutung zusammen.
1)
zu schlier I, schwären: suarandare swerin, schlieren Dief. gloss. 558ᵇ.
2)
zu schlier II, etwas mit lehm überziehen Campe; so schwäb.-fränk., s. Lexer handwb. 2, 976: nieman sol in der vorstat decken mit rôhen schauben, er sliere si denne. Nürnb. polizeiordn. 287 Baader; mit lehm, worunter stroh gemengt, ein dach oder eine wand belegen oder ein fachwerk ausfüllen. Schm. 2, 533; verblendete geschlierte oder gar hölzerne schlöte sollen abgebrochen und mit backsteinen abgemauert werden. Augsb. verordn. von 1760, s. ebenda; vgl. schlierdach. tirol. schlieren, beschlieren, mit schlamm überziehen, verunreinigen Schm. a. a. o. Schöpf 622; österr. ein feld schlieren, mit mergel düngen Schm. a. a. o. Höfer 3, 95; schwäb. schlieren, hölzerne zimmerdecken oder das inwendige der dächer gegen kälte und feuersgefahr mit kalk bewerfen Schmid 468: die decken in den küchen sollen statt der gewöhnlichen schlaiszböden geschliert werden. quelle s. ebenda.
3)
schlingen Campe, schlieren voracem esse, voraciter ingurgitare Schottel 1401; quin quod schlürfen id sit in potu, quod schlieren in edacitate est Stieler 1851; ligurire, suavia et delicata appetere, dazu schlierig (s. das.) und verschlieren, liguriendo consumere Wachter 1431 als schwäb.; schliren naschen, lecken auch bei Schm. 2, 532 (Augsburg), zu schleer, mund, s. daselbst. dazu g'schlier naschwerk, naschhaftigkeit, und g'schlierig Schmid 467. nd. sliren 'schlecken, naschen, süsze feuchtigkeiten einschlürfen' brem. wb. 4, 834. auch Campe führt 'lecken' als nd. an. isz mit masz, und nit mit frasz, dz du wie ein saw ymmer zettest, und habest auff zuͦ schlieren. S. Franck chron. (1531) 27ᵇ (?).
4)
als bezeichnung einer bewegung, gleiten, schlüpfen, tirol. schlieren, auf dem eise gleiten Schöpf 622. in der schriftsprache meist reflexiv: ich schliere (mich) elabor Steinbach 2, 447: als ich maulaffen feil hatte, hat er sich davon geschliert (ille se subduxit mihi). ebenda; sie fürchten sich vor was, sie wollen nicht recht antworten, sie schlieren sich bald davon. Chr. Weise kön. Wentzel 107;
ist denn ein winkel auch in breiter welt zu finden,
in den zu schlieren sich wol nicht sollt unterwinden
der Jesuiter zunft und ihn zu nehmen ein?
Opel - Cohn 286, 2;
die liebe schlieret sich zu erst den augen ein,
alsdann so kreucht sie fort gar in das hertz hinein.
E. C. Homberg Clio (1642) 2, 12.
so auch nd. sliren gleiten, schlüpfen, schleichen, schleifen, schleppen ten Doornkaat Koolman 3, 204ᵇ; ebenso holl. slieren schleppen, schleifen, entwenden, vgl. Franck 891, der auch 'gleiten, schleppend gehen' angibt. die bedeutung 'stehlen' kennt auch Campe als nd. Schiller-Lübben 4, 244 führt zwei stellen an, in denen sliren die bedeutung 'schmeicheln' zu haben scheint, s. daselbst.
5)
sich schlieren, sich verschlingen, zu einem knoten werden Campe, so zuschlieren als seeausdruck, wenn sich ein knoten fest zusammenzieht, s. Bobrik 750ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 690, Z. 33.

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Zitationshilfe
„geschleiert“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschleiert>, abgerufen am 07.12.2021.

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