Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschleife, geschleif, n.

geschleife, geschleif, n.
verbalsubstantiv zu schleifen und zu schliefen, mhd. sliefen, schlüpfen.
1)
gefolge, das hinterdrein schleift: die alten Römer haben herrlich geacht wenig geschleiffs .. M. Anthonius hat nur acht knecht, Curius allein zwen. S. Frank spr. 2, 56ᵇ, noch bair. (im Ries) das geschlaiff, geschlepp von personen, begleitung, gesellschaft Schm.² 2, 508. eine oberd. nebenform ist das geschlaipf, geschleppe, zu schlaipfen, schleppen: scherzhaft einem das geschlaipf geben, das geleite Schm.² 2, 531; liebschaft: als sie jung gewesen, hat sie ein geschleipf nach dem andern gehabt. J. Gotthelf schuldenb. 66, basl. geschlaipf, anstösziger liebeshandel Seiler 150ᵃ. vgl. geschleppe 1.
2)
weidmännisch
a)
geschleife oder geschleppe, lockspeise, wie die gebratene katze, das hasengeschneide, der gebratene hering, welche durch wälder an einer schnur auf der erde fortgeschleift und auf einem gewissen platz liegen gelassen wird, um die raubthiere der niedern jagd dahin zu kirren. Train 2, 210.
b)
die röhrenförmigen gänge eines baues kleiner raubthiere: geschleiffe oder röhren heiszen die eingänge oder löcher in einem dachs- oder fuchsbau. Heppe wolr. jäg. 302ᵇ; die dachse haben tieffe und weit hin und wieder gehende geschleiff. Hohberg 2, 602ᵃ u. ö.; der stinkratz, iltis hat sein lager in seinem geschleif oder röhre. Heppe leithund 107; geschleif auch der bau des bibers Zinck öcon. lex. 928, und des fischotters Hohberg 2, 551ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3918, Z. 66.

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Zitationshilfe
„geschleife“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschleife>, abgerufen am 03.12.2021.

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