Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschleppe, n.

geschleppe, n.,
verbalsubst. zu schleppen.
1)
das schleppen, tractus, raptus Steinbach 2, 442; übertragen, von einer liebschaft: obersächs. lasz das geschleppe sein; was nützt das lange geschleppe. vgl. geschleipf unter geschleife 1.
2)
gefolge.
a)
eigentlich: ein geschleppe, sequela, comitatus, der fürst hat ein groszes geschleppe bei sich. Stieler 1807; des kaisers geschleppe, caterva imperatoris. ebenda; es müszten aber nicht alle bischove, epte, mönche, doctores und des unnützen huddelmans gesindlin und das gros geschleppe dahin (zum concilium) komen. Luther 7, 263ᵃ. vgl. geschleife 1.
b)
verächtlich: ein groszes geschleppe bei sich haben. Adelung; ohne den zwanzigsten theil des geschleppes, welches die groszen gewöhnlich nach sich zu ziehen pflegen. Wieland 7, 138; im spott geschleppe, turba foeminarum quae nobiliorem comitatur Frisch 2, 197ᵇ.
c)
langhin schleppender zug: es sind so viele weiber bei dem haufen, dasz, wenn wir ausziehen, es keinem soldatenmarsch, sondern einem zigeuner-geschleppe ähnlich sehen wird. Göthe 8, 210; wunderliche fratzen, die in langem geschleppe den betrognen sinnen vorgaukeln. Kant 3, 74.
d)
gesindel, pack: drum dächt ich, wir lieszen dieses gemeine geschlepp fahren, das in seinem bettel ein privilegium zur grobheit zu haben glaubt. Tieck 3, 186.
3)
die schleppe am kleid: geschleppe, syrma, der rock und der schweiff. Aler 915ᵃ. Hederich 1097; ein netter und hübscher rock schien den feinsten fusz zu verrathen, den ein weiszer strumpf und ein schwarzer schuh weit gelenker zeigte als vorhin, da er an ein groszes geschleppe gefesselt war. Möser werke 1, 92; am ärmel: die ermel waren frei von dem dreifachen geschleppe, wodurch sie vordem gehindert wurde. ebenda.
4)
der schleppende fuchsschwanz, den Reineke im stiche lassen musz:
wozu dient das geschlep? was bringt der weidel ein?
Rachel 8, 35.
5)
gepäck, das man mit sich schleppt: viel geschleppe oder zeug auf der reise bei sich führen. Ludwig 753; des gepäckes und geschleppes war kein ende. Göthe 17, 228.
6)
hindernis, das man mit sich herumschleppt: wie will einer (soldat) redlich fechten können, wann er ein solch geschläpp (eine angetraute frau) umb sich hat hencken? Philander Lugd. 4, 205.
7)
überflüssiges, hinderndes beiwerk: vorurtheil, nach welchem diese redetheile (artikel, hülfs- und personenwörter) zu sehr, blosz als sinnleeres sylbengeschleppe, herabgewürdiget und verachtet werden. Rüdiger zuwachs 5, 30.
8)
etwas schleppend eintöniges, langweiliges: meine meinung, dasz eine deutsche Ilias in hexametern das fatalste geschleppe, die unangenehmste ohrenfolter sein würde. Bürger 180ᵇ.
9)
im bergbau geschlepp, ein einfaches feldgestänge Veith 230, ein kunstgestäng über tage, so an die ander kunst befestiget und von derselben mit regieret (geschleppt) wird Berward (1673) 17. Krünitz 17, 481, ein geschleppe Hertwig 177.
10)
weidmännisch
a)
lockspeise, die an einer schnur geschleppt wird Heppe wolr. jäg. 180, s. geschleife 2, a.
b)
geschleife in der fährte: im schnee und tiefen sande macht der hirsch ein breiteres und tieferes geschleppe denn das thier. Döbel jägerpract. 1, 11, 67.
11)
s. geschlappe 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3919, Z. 26.

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Zitationshilfe
„geschleppe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschleppe>, abgerufen am 07.12.2021.

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