Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschlicht, adj.

geschlicht, adj.
wie einfaches schlicht, eben, glatt:
es abschirt an dem rand geschlicht.
Fischart in Birlingers Alemannia 1, 141;
weil er die geschlichte tafel meiner seel gantz leer, ohn einige zuvor hineingedruckte bildnussen gefunden. Simpl. 1, 1, 9, 34. dazu mhd. gesliht, f. gerade richtung Teichner 54, als name einer örtlichkeit die gschlicht, nebst gschlichtgasse und gschlichtmüllner weisth. 3, 636 (Ötting bei Ingolstadt, von 1577), und das verb. ahd. gislihten, mhd. geslihten, schlicht machen, glätten, beruhigen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3920, Z. 12.

schlichten, verb.

schlichten, verb.,
ahd. slihten Graff 6, 789, mhd. slihten mhd. wb. 2, 2, 395ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 979, mnd. slichten Schiller-Lübben 4, 237ᵇ, vgl. oben schlechten, verb. sp. 540.
1)
schlichten, grade machen (s. schlecht 1), so nur in älterer sprache: schlichten, schlächt und grad machen, corrigere Maaler 356ᵇ; schlichten, das krumme strak und gleich machen Schottel 1401; und ist etwaʒ dann zuͦ schlichtenn (am gebrochenen beine), das magstu schlecht machen. Braunschweig chir. (1539) 87ᶜ; die pruck holtzer wider recht ein zogen und geslicht, wenn sie sich verzugen. Tucher baumeisterb. 59, 28; wie man das glas macht, das es sich piegen und wider schlichten liesz wie das plei und nit zerprach. Aventinus chron. 1, 742, 26; das sein (kaiser Karls) krafft und stercke, so grosz gewesen, das er zuͦ einem mal, sechs huffeisen (so gebogen waren) mit seinen henden, ungewermbt im fewr, geschlichtet. Aimon vorrede; krümmen und schlichten, das krumme schlichten häufig in bildlicher anwendung (vergl. schlecht 2):
(das glück) krümbet unde slihtet.
krone 6050;
(an Maria:) dâ an uns ist krump, daʒ slichte.
zeitschr. f. deutsches alterth. 8, 295, 709;
ich wil die krumb an allen orten slihten.
jüng. Tit. 20, 3;
von erst sich krummet dicke
das sich slichtet zu lesten
und frewd bringet.
der minne falkner 44;
(die logik) krumpt, sie slicht, sie genzt, sie trent.
fastn. sp. 740, 12;
die regel und richtscheit deiner angebornen erberkeit und die lieb zu der gerechtikait, soll dich zum ersten schlichten zum bildner deiner kunst. Keisersberg pred. (1510) 148ᶜ; von nichts kan er nichts (ichts?) machen, das krumm schlichten, und das schlecht krümmen. Fischart bienenkorb 123ᵇ; was krumm ist, schlichten. Adelung (als landschaftlich).
2)
glatt, eben machen (s. schlecht 3 und 4): polire, lœvigare Graff 6, 789, exaequare, sli-, schli-, sliechten, schlihten Dief. 216ᵃ; exequari, geslicht werden ebenda; dolare, ebnen, schlichten 189ᵇ; planare, schlichten 440ᵃ; polire slichten 445ᵃ, nov. gl. 297ᵃ; schlichten, glatt und schlecht machen Schottel 1401; etwas mit dem hobel schlichten, dolabra aliquid laevigare Steinbach 2, 440. Frisch 2, 198ᵇ bemerkt, dasz schlichten in diesem sinne veralte; in gewerblicher sprache wird es indessen noch viel gebraucht, s. unten 9, cg. nd. slichten, glatt, eben machen brem. wb. 4, 827. Schütze 4, 117. Woeste 240ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 197ᵇ, nld. slichten, slechten, planare Kilian. mhd. slihten wird riuhen gegenübergestellt:
ir slihtet rûch unt riuhet sleht.
Frauenlob 255, 11.
einen weg schlichten, ihn ebnen, leicht gangbar machen:
thie wega rihtet alle,   the ze herzen iu gigange,
mit werkon filu rehten   so ilet si geslihten.
Otfrid 1, 23, 28 (vgl. 4, 4, 34. 4, 5, 53);
und du (gott) hast gleichsam mir den weg durch deine sterck
uber den höchsten wahl zu springen, leicht geschlichtet.
Weckherlin (1648) 67;
die berge schlichten wollen, montes coaequare velle, die erde schlichten, terram complanare Steinbach 2, 440; das erdreich schlichten oder gleichen. Petrus de Crescentiis vom ackerbaw (1531) xvii. einen graben schlichten, ihn zuwerfen; wälle, mauern u. ä. schlichten, sie der erde gleich machen (s. schlecht 3 am ende): ein merklik tal der closter, stede und slote .. to der erden geslichtet worden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 237ᵇ (vgl. Haltaus 1636);
daʒ bürgetor, die türne grôʒ,
die rincmûre, diu die stat beslôʒ,
slihtens unde brâchen nider.
troj. krieg 48059;
an den enden nu hât
daʒ volc den graben geslichtet zuo.
Ludwigs kreuzfahrt 2926;
warum hastu dann Mülheim eh
der erden gleich geschlichtet?
Opel-Cohn 313, 10;
und ob den graben sie wol hatten voll geschlichtet.
D. v. d. Werder 14, 106, 6.
in gleicher bedeutung engl. to slight. vom meere:
doe dat Ênêas gesach,
dat sich dat mere slichte.
Eneit 225 Behaghel.
3)
durch bearbeitung glätten: daʒ daʒ mittelôde des diskes mit minnon geslihtet sî. Williram 52, 35; etleich (bienen) maurent, die andern zierent und sliehtent daʒ werk. Megenberg 289, 36; als wenn ein zimmerman, der zu erbeiten sucht, etwa einen bawm abhawet, und beschlehet und schlichtet den selbigen wol. weish. Sal. 13, 11; ertz oder kupffer das sich schlichten und ausztenglen laszt, regulare aes Maaler 356ᵇ; ein bret schlichten, planare, asciare asserem Stieler 1848;
meʒʒerhefte von geslihtem horn.
minnes. 3, 304ᵇ Hagen;
schlichtete dann mit dem beil (die stämme) und ordnete scharf nach der richtschnur
(ξέσσε ἐπισταμένως καὶ ἐπὶ στάθμην ἴθυνεν).
Voss Odyss. 5, 245;
dürres holz, vom scharfen beile geschlichtet.
Rückert ges. ged. 1, 121.
nd. pomes (bimstein), dar de scrivere parment mede slichten. quelle bei Schiller-Lübben 4, 237ᵇ; de (die steine) slichteden edder slepen de steinbickers Salomonis. ebenda. auf die kunstvolle fügung der rede übertragen (s. schlecht 5):
(sie konnte) brieve und schanzûne tihten,
ir getichte schône slihten.
Trist. 205, 26 Maszmann.
4)
mhd. geslihtet, glatt, von der haut (s. schlecht 4):
dar zuo was er über al
wol geslihtet als ein zein.
Flore 6853;
falten im gesicht schlichten, sie ausgleichen.
5)
besonders häufig vom glätten des verworrenen haares, übergehend zur bedeutung 'ordnen, zierlich anordnen': die geslihtun (hâr), pexum Graff 6, 791; die hare schlichten, pectere capillos Stieler 1848; (sie) kämmen oder schlichten auch jr haar nimmer. Franck weltb. 231ᵇ;
wie sîn schäitel sî gerichtet,
wie sîn hâr sî geslichtet.
H. v. Melk erinner. an den tod 602;
ouch was mit hovelîchen siten
sîn hâr geslihtet und gesniten.
d. gute Gerhard 4486;
die an sînem ringe lâgen
und hârslichtens phlâgen.
Ludwigs kreuzf. 2621
(vgl. die stelle aus dem Willehalm unter schlichter);
lasz schlichten häupt und haar durch die geschickte hand.
Opitz 1, 239;
aber Amalia stand, und schlichtete sanft ihr die locken
mit weitzahnigem kamm.
Voss 1, 135;
nun schlichtet nimmer meine mutter mir der locken zier.
Uhland 199.
hierher gehört eigentlich der schön umgedeutete eigenname Schlichtegroll, s. kroll th. 5, sp. 2351. Andresen volksetym.⁴ 153. ebenso von thieren, die sich glatt streichen: die tauben habent grôʒen vleiʒ, wie si ir federn geslihten und gezieren und mit irm snabel stræln. Megenberg 182, 1; damit (der habicht) sich erschwinge, unnd also seine fäderen schlichte und zuͦ rächt lege. Geszner vogelbuch übersetzt von Heuszlin (1582) 127ᵃ;
sein (der katze) euglein glentzten hell und klar,
es leckt und schlichtet seine hahr.
Rollenhagen froschm. H 4ᵃ.
6)
von der bedeutung 'glättend etwas bestreichen' aus entwickelt schlichten in älterer sprache den sinn von streicheln, durch streicheln besänftigen (schon ahd. slihten glossiert mulcere, palpare Graff 6, 789); den bart schlichten, mulcere barbam; einen auf dem backen schlichten, demulcere genas Stieler 1848; dem manne fiel sie mit beyden händen umb den halsz, schlichte ihm das antlitz mit derenjenigen hand, in welcher sie kurtz zuvor den schmierichten schäfferstock vielleicht gehabt hatte. Weise maulaffe (1679) 308; sie runge die hände und schlichtete Eurialum mit der hand. colica 22. ein pferd schlichten und stillen, es durch streicheln beruhigen: don Kichote schlichtete und stillte ihn. harnisch (1669) 299. freier: denn er kondte mit seinem geschwetz das volck fein schlichten und streichen. Luther tischr. 376ᵃ. mhd. slihten erscheint auch in dem sinne von 'schärfen': die bickel slichten. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 979; der übergang erklärt sich nach 3.
7)
in gleicher weise wie richten entwickelt auch schlichten die bedeutung 'etwas in zweckentsprechender weise vorbereiten, rüsten, gestalten, zuwege bringen, ordnen' u. ähnl. in folgender stelle tritt die vorstellung des hergestellten ebenen weges hervor:
darûf (auf die pfeiler) mit meisterschefte
ein brücke was geslihtet.
Wigalois 118, 16 Pfeiffer;
richten, in die dem zweck entsprechende lage bringen:
swer diu zwei ensamen hât,
der hât sîn flügele geslihtet
und in den himel ûf gerihtet.
L. v. Regensburg St. Franc. leben 4154;
rüsten, ins werk setzen:
hie mit slihte man die vart
und verrihte die reise.
Ottokar österr. reimchr. 84680;
mit abhängigem satze:
ob er eʒ möhte balde slihten,
daʒ er an dem Lutringer daʒ heimlîch wolt versuochen.
Lohengrin 3486 (vgl. unten 8 gegen ende).
sich schlichten, sich ordnen:
auch heten sich ze strîte gar
die Kriechen dô geslihtet,
ir volc daʒ was gerihtet
in rehter ordenunge teil.
troj. krieg 30509;
vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 980. freier:
doch muͦosz ich dich vor underrichten
wie du solt all dein sitten schlichten.
Grobian. 196 neudruck.
lettern schlichten, sie zum druck aneinander reihen:
(er hat) weiter nachgedacht,
wie eynzle zaichen nur buchstabenweisz zurichten,
dasz sie sich förtiger versätzlich liesen schlichten.
Rompler 58;
zusammenpacken:
also wil ich all sach verrichten,
sie in drey säck zusammen schlichten.
Ayrer 2765, 19 Keller;
einpacken: schlichte es (das gesalzene wildpret) in ein höltzern eichen wohl verpichtes väszlein. Hohberg landleben 3, 3, 41ᵃ. schlichten, aufschlichten, geordnet aufschichten oder zusammensetzen, in oberd. gegenden noch gebräuchlich. holzschlicht, f. platz, wo holz aufgeschichtet wird Schmeller 2, 504. Schöpf 622. Hügel 139ᵃ. Frommanns zeitschr. 1, 288, 9; holz schlichten, die leichen in die groszen gruben zur pestzeit schlichten. Frisch 2, 198ᵇ; gehacktes holz, mauersteine auf einander schlichten. Adelung; wie man in ihren canceleyen derselben viel (rollen) auffeinander geschlichtet liegen sihet. Olearius pers. reisebeschr. 137ᵇ; er schlichtete seine schreibbücher so lange, bis ihre rücken so bleirecht auf einander lagen wie eine preuszische fronte. J. Paul uns. loge 3, 132;
kanst du holtzhauen und schlichten
und ander arbeit than.
Ayrer 3140, 17 Keller;
lern das kleine holtz der höflichkeit fein schlichten.
Simpl. 1, 158 Keller;
mild're diese kälte, schlichte
holz auf holz zur flamme reichlich.
Platen 154ᵃ.
freier: er schlichtete die hand (des todten), die den letzten brief so traurig geschlossen, sanft wieder über die unberührte. J. Paul unsichtb. loge 2, 149. vereinzelt im sinne von reinigen: nimb cinober erz und schlichts also: seuds in regenwasser in einem steinin geschirr auf drei stund, darnach schlembs schön aus. Paracelsus (1590) 6, 397. bemerkenswert ist die folgende stelle, in der schlichten intransitiv in der bedeutung von 'geraten, gelingen' erscheint:
dasz dem sein sach muͦsz nimmer schlichten,
der nach dem auszgang alls will richten.
Fischart 3, 327, 24 Kurz.
8)
in neuerer sprache zeigt schlichten fast ausschlieszlich die bedeutung 'ausgleichen, vermitteln, zur sühne, zu einem übereinkommen, zur entscheidung bringen' u. ähnl., die aus dem sinnlichen gebrauche von schlichten in gleicher weise wie bei richten entwickelt ist (vgl. auch schlecht 12). dieser bedeutungsübergang ist alt. mit sächlichem object: eine sache schlichten, conciliare pacem inter litigantes, causam componere; streit schlichten, litem dirimere; der krieg ist geschlichtet, bellum sopitum est Stieler 1848; in gleichem sinne die composition entschlichten (s. die stelle aus Zinkgref weiter unten), verschlichten Schm. 2, 503. Schöpf 621; etwas unter einigen in der güte schlichten; eine streitsache schlichten Steinbach 2, 440; daʒ sult ir alleʒ slihten und ouch süenen. Berth. v. Regensb. 1, 56, 17; und wurd die handlung gericht und geschlicht. Götz von Berlichingen 63; da trat zu Pinehas, und schlichtet die sache. ps. 106, 30; darumb müeste man gedencken, wie die sache zuschlichten, und in freundlichkeit hinzulegen were. Hennenberger preusz. landtafel 450; im ersten jahr können sie strack alle rechtshändel entschlichten. Zinkgref apophth. 1, 270; ihn (den rangstreit) zu schlichten, sprach das pferd, lasset uns den menschen zu rathe ziehen. Lessing 1, 157; einen rechtshandel will ich schlichten, den kein reiner schlichtet. Schiller räuber 5, 6 trauerspiel; böke schlichteten heurathsprozesse. Fiesko 2, 8; euer streit ist der schönste, den Zeus je geschlichtet hat. schriften 4, 15; es hiesz ja, alles wäre vertragen und geschlichtet. Göthe 8, 6; dasz er alle streitigkeiten .. zu stillen und zu schlichten wuszte. 17, 23;
urliuge und haʒ er slihte.
Mai u. Beaflor 96, 21;
so das unfryde werd geslicht.
Wackernagel leseb.² 963, 16;
so kann ich denn darnach richten
und wie ich den hader schol schlichten.
fastn. sp. 591, 22;
solch krum händel die stund kan schlichten.
Wickram irr. reit. bilger 8ᵃ;
das wolt ich nun ferner berichten,
sagt er, und euern zweiffel schlichten.
Rollenhagen froschm. X 5ᵇ;
ruffet ihn an in wahrer rew,
dasz er die sache schlichte.
Soltau hist. volksl. 1, 497 (1632);
auff diese weise wurd' es zwischen uns geschlichtet.
D. v. d. Werder Ariost 25, 136, 1;
(ein herz, das) allen zanck mit sanftmuth schlichtet.
Günther 172;
so oft dein mund den zwist der unterthanen schlichtet.
727;
(wo) edle frauen zu gerichte saszen,
mit zartem sinne alles feine schlichtend.
Schiller jungfr. v. Orl. 1, 2;
den edlen wettstreit laszt mich freundlich schlichten.
Tell 2, 2;
denn wer den sinn aufs ganze hält gerichtet,
dem ist der streit in seiner brust geschlichtet.
schriften 15, 1, 12;
was mit wenig vernunft sich liesze gemächlicher schlichten.
Göthe 40, 331;
lasz uns zum grafen Richard wandern!
von ihm sei unser span geschlichtet.
Uhland ged. (1864) 418;
der in dem kampfe den preis gewann,
den höchsten, dasz er ihn schlichten kann.
Rückert poet. werke (1882) 4, 74;
die zwietracht des innern zu schlichten.
Grillparzer⁵ 2, 51;
schlicht diesen streit von kämpfenden gefühlen.
3, 11;
holde fei, der fall ist schwer zu schlichten.
Geibel 2, 186.
schlichten in diesem sinne dem richten gegenüber gestellt: es ist schweerer, schlichten, als richten. Stieler 1848. indessen bezeichnet schlichten in alter zeit auch das gerechte behandeln einer streitsache in richterlichem spruche:
wil der (der richter) niht rehte rihten,
noch râten ûf den rehten scheit,
noch sprechen ûf ein slihten,
erteilet der durch argen list
ze lützel und ze vil.
minnes. 2, 389ᵇ Hagen.
rechnerisch ausgleichen: scholen de broder rekenschop doen den olderluden van allen, dat der broderschap tokumpt .. und ok van wes he vorlecht hefft, dat men dat ene jeghen dat ander slichte. quelle bei Schiller-Lübben 4, 237ᵇ. mhd. slihten in freierer anwendung von besänftigen, beruhigen, mildern, stillen:
diu milte gotes zürnen stæte slihtet.
minnes. 2, 378ᵃ Hagen;
slicht
den kummer jô.
O. v. Wolkenstein 42, 2, 4;
ähnlich auch noch in späterer sprache:
wan reiszest ein,
all meine pein?
wan schlichtest mein verlangen?
Spee trutznacht. (1649) 19;
jetzt hat er (gott) seinen zorn mit dir geschlichtet.
Rückert poet. werke (1882) 1, 24;
eine freundliche rede schlichtet den zorn. Stieler 1848 (Luther: stillet den zorn. spr. Sal. 15, 1); noch mehr wollte Gottwalt lindern und schlichten. J. Paul flegelj. 1, 146; in besonderer wendung (die bedeutung 'mildern' geht in die von 'beschönigen, entschuldigen' über):
andrer leute mängel richten,
seine schlichten, ...
taug mit nichten.
Logau 3, 210.
eine sache schlichten bedeutet in älterer sprache auch 'eine sache ausrichten, ausführen' (s. oben 7):
sie sal mer disse sach schlichten.
Alsf. pass. 680;
wolan, so sei geschlicht der kauf.
Heros ird. pilg. (1562) 23ᵃ.
dieser anwendung sich nähernd: wo nichts zu schlichten und nichts zu helfen wäre. Göthe 17, 24;
es liesze sich alles trefflich schlichten,
könnte man die sachen zwey mal verrichten.
2, 239.
mit persönlichem object, versöhnen, mit einander ins reine bringen, häufig mit richten verbunden: schlichten, conciliare partes pacare vertragen. Schottel 1401; daʒ die vorgemelten parteien darauf geslicht und gericht und solch vorgemelt krieg und vehde gancz hin gelegt und ab sein süllen. d. städtechron. 2, 235, 16; vgl. mhd. wb. 2, 2, 396ᵃ; daʒ wir mit ime gerihtet und geslihtet warent. quelle bei Haltaus 1636; guete geainte gerichte und geschlichte freunde. quelle bei Schm. 2, 503; ein feind, wann er mit wohlthaten begabet und geschlichtet wird, kan dein freund werden. Olearius pers. rosenth. 7, 19;
wil mich auch so lassen schlichten
und das übrig geld entrichten.
Rebhun Sus. 2, 2 (schausp. aus dem 16. jh. 1, 48 Tittmann);
mehr der bedeutung von richten sich nähernd:
richt und schlicht mich in allem handel.
Weckherlin (1648) 121.
9)
ausdrücke der gewerblichen sprache, die von der sinnlichen bedeutung des verbums ausgehen, besonderes.
a)
die weber schlichten die kettenfäden, bestreichen sie mit einer masse (s. schlichte 3, b), durch die sie glatt und haltbar werden Jacobsson 3, 627ᵃ, vgl. Vilmar 355. Frischbier 2, 286ᵃ. Woeste 240ᵃ. Lexer 220: (es wird) die letzte vorbereitung zum weben gemacht, nämlich geschlichtet. Göthe 23, 63;
können recht die werffte schlichten.
A. Gryphius 2, 73.
übertragen auf das glätten des fadens beim spinnen:
dasz er (der lebensfaden) euch gelenk und weich sey
wuszt' ich feinsten flachs zu sichten;
dasz er glatt und schlank und gleich sey
wird der kluge finger schlichten.
Göthe 41, 34.
b)
bei gieszarbeiten wird die form vor dem gusse geschlichtet, mit einer geeigneten masse bestrichen, die ein ansetzen des metalls verhüten soll (s. schlichte 3, c).
c)
bei den zinngieszern das völlige abdrehen und polieren eines gegossenen stückes Jacobsson 3, 627ᵃ; bei den schlossern das abschlieszende glattfeilen. ebenda (s. schlichtfeile); bei den tischlern das feine glatthobeln Jacobsson 3, 627ᵇ; vgl. schlichthobel.
d)
schlichten, das glätten der glasscheiben Jacobsson 3, 627ᵃ.
e)
die gold- und silberdrahtzieher schlichten die zu verarbeitenden stücke, indem sie sie auf der ziehbank völlig rund und glatt machen Jacobsson a. a. o.
f)
schlichten des leders, das glätten des gegerbten leders. Jacobsson a. a. o.; vgl. schlichtmond, -rahm, -zange.
g)
beim deichbau das glattschlagen der erde.
h)
als jägerausdruck: wie man den wolff ludern oder wie etlich jäger aus Beyern davon reden, schliechten, anayszen soll. quelle bei Schm. 2, 503. also im sinne von 'durch eine scharf riechende lockspeise anziehen'. bezieht sich der ausdruck vielleicht auf ein bestreichen des lockemittels mit scharf riechendem? dann könnte man eine übertragung von a her annehmen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 668, Z. 12.

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„geschlicht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschlicht>, abgerufen am 27.11.2021.

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