Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschlossen, adj.

geschlossen, adj.
part. zu schlieszen.
1)
ohne lücke zusammengefügt, fest verbunden, dicht anschlieszend: in enggeschloszner kette. Schiller XII, 309; geschlossen gehen oder stehen, in reihe und glied dicht an einander Jacobsson 2, 68ᵃ;
stehn wir nicht gegen den feind geschlossen
recht wie zusammengeleimt und gegossen?
Schiller XII, 47 (Wallenst. lager 11. auftr.);
geschlossen reiten, mit fest anliegenden schenkeln; weidm. der hirsch geht geschlossen, die schalen zusammenhaltend, langsam Heppe wolr. jäg. 180ᵇ; geschlossen holz, dichter, ununterbrochener wald ebenda; leibrock, der ihm geschlossen an den gliedern sitzt. Fr. Müller 2, 213; in der wollmanufactur geschlossenes tuch, dicht und derb gewebtes. Krünitz 17, 481; geschlossene arbeit, bei den korbmachern dicht gefügtes, nicht durchbrochenes flechtwerk. 482; (der dramatische dichter) ist berufen, ein vollendetes, geschlossenes, abgerundetes ganzes in éinem sinne zu bilden. Platen (1847) 5, 7;
ist die form auch fest geschlossen,
immer noch ists kein gedicht.
Lenau neue ged. 328;
substantivisch, etwas festes: in seinem ganzen behaben war etwas strammes, geschlossenes. Auerbach edelweisz 26.
2)
abgeschlossen nach auszen: geschlossene armenpflege, innerhalb der armenhäuser und ähnlicher anstalten; der geschlossene handelsstaat, durch schutzzölle gegen das ausland abgeschlossen, titel eines buches von J. G. Fichte 1800; weidmännisch, geschlossene jagd, bei welcher das wild mit tüchern und netzen umstellt ist Heppe 180ᵃ, anders unten nr. 3.
3)
gegen fremde abgeschlossen, ihnen verwehrt, wie beschlossen th. 1, 1578: seine kenntnisse und sein betragen öffneten ihm den weg in eine geschlossene gesellschaft der würdigsten männer. Göthe 19, 276; nächtliche geschloszne versammlungen (der christen in römischer kaiserzeit). Wieland 32, 361; wo prinz August ... eine im engen geschlossene tafel hielt. Göthe 31, 115; meinen geburtstag wollte man in einem solchen geschlossenen mahle feiern. 116; ein geschlossenes handwerk, geschlossene oder beschlossene zünfte, in welchen die zahl der meister, auch der gesellen und lehrlinge festgesetzt ist Frisch 2, 199ᵇ. Adelung 1, 901; weidmännisch, geschlossene jagd, ein jagdgebiet, in dem nur der jagdbesitzer jagen darf Heppe 180ᵃ.
4)
geschlossene oder beschlossene zeit, in der gewisse handlungen und thätigkeiten nicht stattfinden dürfen: kirchlich, die fastenzeit und die adventszeit, in welcher keine trauungen statthaben; in der land- und forstwirtschaft hegezeit, in welcher auf die wiesen, äcker und in die holzungen kein vieh getrieben werden darf Frisch 2, 199ᵇ, sowie die schonzeit des wildes und der fische Heppe 180ᵇ; im rechtsleben, geschlossene rechtstage, da man nicht zu gericht sitzet, dies nefasti. Duez dict. (1664) 191ᵃ.
5)
geschloszne gerichte, judicia clausa, nennt man das recht, die gerichtsbarkeit, ohne concurrenz eines landesherrlichen beamten, unmittelbar nur unter den höchsten landesjustizbehörden auf dem territorium eines groszen adlichen gutes auszuüben Weber öcon. lex. 192ᵇ.
6)
weidmännisch, geschlossener bau, bewohnter dachs- oder fuchsbau Train niederjagd 2, 142.
7)
in der reitkunst: das pferd ist geschlossen, hat runde, gutgewölbte rippen.
8)
schweiz. geschlossen, demütig, niedergeschlagen, sich geschlossen halten, sich nicht viel herausnehmen Stalder 2, 330.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3921, Z. 73.

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Zitationshilfe
„geschlossen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschlossen>, abgerufen am 03.08.2021.

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