Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschmeide, n.

geschmeide, n.,
mhd. gesmîde, ahd. gasmîde metallum, coll. zum gleichbedeutenden ahd. smîda f., mhd. smîde (auch Dief. 359ᵇ), mit langem stammvocal wie ahd. smîdâri malleator, smeidar, smaidar artifex neben smid faber, smidôn schmieden. mnl. ghesmyde, instrumentum, phalerae, monilia Kilian, nnl. gesmijde, ags. gesmiđodum, fabrefactum, ornamentum, altn. smiđi n. opus fabrile (gladius), schwed. norweg. smide. eine seltene nebenform ist oberdeutsch geschmeisz, wie das adj. geschmeiszig (s. d.) neben geschmeidig:
umb sein halsz stund ein seltzam kreisz (krause),
von mancher zier und lustig gschmeisz (schmuck).
Frischlin hohenz. hochz. 103 Birlinger.
die ursprüngliche bedeutung von geschmeide ist das schmiedbare und das geschmiedete, auf das metall wie auf schmiedearbeiten aller art sich erstreckend, vom grobschmied bis zum goldschmied.
1)
das metall: ahd. alsô daʒ gold praecellit allerslahte gesmîde. Williram 88, 5. 52, 19. 69, 21; mhd.
(Vulkânus,) des gewalt in sîn gebot
betwungen daʒ gesmîde hât,
daʒ sich nâch sînem willen lât
smiden unde gieʒen.
Barlaam 244, 23;
von dem gesmeid. daʒ ist sibenlai: golt, silber, gunderfai, kupfer, zin, plei und eisen. Megenberg 474, 4; eʒ klingelt daʒ kupfer lauter dann ander gesmeid. 478, 30; daʒ waʒʒer nimt seinen gesmack von dem gesmeid und von dem swebel, der in dem ertreich ist. 103, 12 u. ö.; alle die abgöt, die von geschmîde wærint, hieʒ er zersmelzen. pred. 35, 65 Wackernagel; ein keiser an adel, an tugent und an gerehtikeit sol übertreffen also golt die andern gesmyde übertriffet. Königshofen in städtechr. 8, 407, 3; gesmeide oder metall oder ertz, metallum voc. 1482 m 4ᵃ, gesmide, gesmid, geschmid, geschmit Dief. nov. gl. 252ᵇ; silber und gold von dem andern geschmeid schaiden. Vegetius (1529), anhang.
2)
metallarbeit.
a)
waffen, rüstung: mhd.
ouch ist dehein gesmîde
daʒ den wurm snîde
wan diu glävîe eine.
Wigalois 4772;
si sluogen, daʒ die gneisten (funken)
des wilden fiures dicke ...
ûʒ dem gesmîde sprungen.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 3961. 30791;
nu langt mir ein gesmîde,
ein vrömdeʒ sturmgewant.
Alpharts tod 121, 3;
sie wolt jm sein geschmeide
da haben abgezogen.
heldenbuch 421, 5. 33 K., vgl. 479, 22. 498, 16;
vor augen halt dein got,
dein losung und dein kreiden (feldgeschrei),
dein waffen und dein gschmeide,
so hats mit dir kein not.
Alsatia 1862 s. 100 (lied von 1592);
damit das mich vermeide
alles beschlagenes geschmeide,
das ie geschmidet ward, ...
ân das meine alleine:
das solle schneiden fleisch, stein und bein.
Müllenhoff denkm.¹ 417 (ende des 16. oder anf. des 17. jh.);
und noch bei neueren dichtern:
doch wenn ihr noch einen gang zu wagen
lust habt, so hängt zu euerm befehl
hier ein geschmeid (degen) an meiner linken.
Wieland 21, 110 (Gandatin 6, 392), vgl. Oberon 3, 4;
vervielfacht glänzt der mond auf stählernen geschmeiden (panzern).
Alxinger Doolin 4, 78. 5, 42;
wenn mich jener erlegt mit ragender spitze des erzes,
trag er den raub des geschmeides hinab zu den räumigen schiffen.
Voss Il. 7, 78;
krachendes panzergeschmeid an feindlicher brust zu durchbohren.
2, 544. 3, 358.
b)
metallenes gerät: lossen zwene man gesmyde machen, welchirleie das sy, in eime stempil adir forme glych eines alse das andir. kulm. recht 3, 134; das geschmide usz den kerchen und alle glocken das furten alle dorffer in dy stad Erfforte. Konr. Stolle thür. chron. 118ᵇ (zum j. 1446); geräte der land- und hauswirtschaft: wenn min herren erbent von todes wegen, das da der keller sol nemen das geschmid, es sig höwen, axen, biel, negber und ander geschmid, so der gotzhusman oder frow lat (hinterläszt). weisth. 4, 341 (Schweiz). 1, 240; in Wien heiszen eiserne und stählerne werkzeuge eisen- und stahlgeschmeide Adelung. Campe; küchen-geschmeid, am rande küchengeschirr. esels adel 171; die Franzosen haben uns 1813 alles geschmeide mitgenommen, sagte 1862 eine bauerfrau bei Leipzig, sie meinte kessel, pfannen u. dgl.; silbergeschirr: silbergeschmeide, vasa argentea Stieler 1880. Aler 915ᵇ; da der apt von Irnsee 200 bauren zum schanzen zu schicken .. gewidert und nicht gethan, habe ich ihme .. ettlich silbergeschmeid lassen nehmen. Schärtlin 92.
c)
die geschmiedeten bänder, welche dem hause halt geben: loramentum, gesmeid, pintung, gruntfest Dief. nov. gl. 239ᵃ, gesmide, gesmeide, gesmitle gloss. 336ᵇ; gesmeid, loramentum vel ligamentum, pandt, vel fundamentum voc. 1482 m 4ᵃ, mnl. ghesmyde, ligamenta infima aedificii Kilian.
d)
die hand- und fuszschellen oder fesseln der missethäter werden an einigen orten das geschmeide genannt Adelung, noch im eisenhandel Schedel waarenlexicon (1850) 1, 297ᵃ: der versuch gelang, der entfesselte stund da frank und frei, das geschmeide fiel ab von händen und füszen. Musäus volksm. (1826) 2, 45.
e)
metallener beschlag und zierat am reitzeug und daher das reitzeug selbst: mhd.
ir gereite guot alsam: ...
daʒ daʒ gesmîde solde sîn,
daʒ was von silber durchslagen,
mit golde übertragen.
Erec 2025;
si heten noch gesmîde   daʒ man dâ vor reit
bî Sîfrides zîten.
Nibel. 1208, 1;
von ir gesmîd was grôʒer klanc.
Ulr. v. Lichtenstein 248, 9;
geschmeide uff ein pfert, falera. voc. inc. teut. i 3ᵃ; wie das pferd ein zaum, halffter, steigref, sattel, geschmiede hab gehabt. S. Frank chron. Germ. (1539) aa 3ᵇ.
f)
von anderer feiner schmiedearbeit: ein geballirtes schlosz oder geschmeidt an ein thüren mit geflampten geballirten banden. Frönsperger bauordn. (1564) 86ᵃ; der gürtler hat nägel und geschmeide (beschläge) auf halsbänder für englische doggen und frauenzimmer-hündlein. Comenius orb. pict. 2, 125;
nicht mancher lebt, der's also kann
wie er (der grobschmied) mit stahlgeschmeid im feinen.
Kinkel ged. 501.
g)
geschmeide, kleine metallwaaren der Nürnberger geschmeidmacher, wie uhrgehäuse aus messing, lichtputzen, schreibzeuge, kästlein, schreib-, reisz- und zeichenfedern, rastrale, haar-, strick- und spicknadeln, vogelpfeifen, barbierzeug etc. Frisch 2, 208ᵇ. Schedel waarenl. (1850) 1, 296ᵇ. vgl. geschmeidewaaren.
h)
goldschmiedearbeit: mhd.
goldîn wâren die ringe (am helme),
von gûteme gesmîde.
Eneit 160, 15;
diu frouwe truoc ein fürspan:
da enwas niht mêr gesmîdes an
niwan ein dorn guldîn.
Wigalois 10564;
was sulchs gemechts adir gesmeides noch erkentenisz der meister zu geringe were, sullen die meister zuslaene. Freiberger stadtr. 291, 7 Ermisch (innungsartikel der goldschmiede, um 1466).
3)
schmuck aus edelmetallen, auch edelsteinen und perlen, vgl. ahd. gesmîdeziereda, monilia Williram 17, 1 var.; wi sente Elyʒabeth in Doringenlant bracht wart met mit groʒim schatze, koniglichem gesmide. Ködiz h. Ludw. 3, 9;
man sach dâ gût gesmîde (an den frauen)
unde manegen edelen stein.
Eneit 341, 10;
ir arme er hienc gesmîdes vol.
Albr. v. Halberstadt 22, 53;
on wart vele gesmides genomen an sulver und an golde und an cleideren. städtechron. 7, 297, 17 (Magdeb. schöppenchr.); geschmeide vel clinat, clenodium voc. inc. teut. i 3ᵃ, geschmyd Hüpfuff voc. 1515 J 2ᵃ, gesmide Trochus (1517) M 3ᵃ, nd. smyde Dief. nov. gl. 274ᵃ; auch bei Luther bisweilen noch die ältere form geschmide: achsa heist auff deutsch schmuck odder geschmide der schuch. ausleg. d. ep. u. evang. vom christag (1522) C c 2ᵃ; schmuck heist das mit geschmide gezieret ist. der 111. ps. (1530) D 4ᵃ, dafür geschmeide werke 5, 209ᵇ; das armgeschmid. 2 Sam. 1, 10, vergl.arm-, halsgeschmeide; (Judith) schmücket sich mit spangen und geschmeide. Jud. 10, 4; wie eine braut in jrem geschmeide berdet. Jes. 61, 10, vgl. brautgeschmeide; der herr wird jre geschmeide wegnemen. 3, 17; königlich, fürstlich geschmeide Stieler 1880;
was nützt dein falsch geschmeid, und wozu dient die pracht?
Wernikens poet. vers. 13 Bodmer;
dann entdeckt ihr sogleich die allerreichsten geschmeide,
golden, künstlich und schön.
Göthe 40, 85;
trotz dem funkelndsten geschmeide.
Wieland 9, 152;
in den staub mit dir, du prangendes geschmeide! (sie reiszt sich die perlen vom hals.) Schiller II, 56 (räuber 1, 3). XII, 400;
mein schönes geschmeid,
die rothen korallen.
Lingg ged. 2, 190;
von einer glänzenden taschenuhr:
des knaben rechte hob nach dem geschmeide
sich langsam zitternd.
Chamisso 4, 127.
4)
bildlich, schmuck, zierde: ein universitet (sagte Grynäus) hette fünff geschmeid: gute ordnung, das liecht reiner lehr, gute disciplin oder zucht, einigkeit der lehrer und jünger, freundlich- und gutthätigkeit der obrigkeit. Zinkgref apophth. (1639) 1, 280;
da strahlte sitzend die Bima-maid,
geschmückt mit geschmeide, selbst ein geschmeid.
Rückert werke 12, 8;
die abendluft warf das nasse geschmeide (die glitzernden regentropfen) aus den blüten. J. Paul Titan 2, 183;
und im wogenden geschmeide (im sonnenglanz der wellen)
zieht das schiff die grünen furchen.
H. Heine buch d. lieder 233.
5)
weidmännisch das geschmeide, das gedärm des wildes Kehrein weidm. 139.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3936, Z. 69.

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Zitationshilfe
„geschmeide“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschmeide>, abgerufen am 01.12.2021.

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