Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschmeidigkeit, f.

geschmeidigkeit, f.,
subst. zu geschmeidig, nnl. gesmijdigheid.
1)
hämmerbarkeit, zieh- und streckbarkeit der metalle, ductabilitas, tractabilitas Aler 916ᵃ. Eger techn. wb. 2, 332ᵇ: die geschmeidigkeit eines erzes Ludwig 754. Paracelsus 6, 381, s. unter geschmeidig 1; geschmeidig machende masse: wann man das silber noch einst schmeltzet, und ein geschmeidigkeit (so von eim theil salpeter etc. gemacht wirt) darauff wirfft, wirdt es gut zech silber. Thurneisser von wassern (1612) 129.
2)
biegsamkeit.
a)
von stoffen: die geschmeidigkeit des thones, des leders Ludwig 754, des wollhaares Körte wb. d. schafzucht 29; des holzes: bequeme geschmeidigkeit der linden, commoda tiliae Hederich 1098.
b)
vom körper des menschen: die geschmeidigkeit des leibes Ludwig 754; hier (im tanze) entfaltete Fanno alle weichheit, geschmeidigkeit und reinheit der bewegungen. Klinger 10, 27; geschmeidigkeit der zunge 2, 8, der stimme Heinse Ardingh. 2, 324.
c)
geistig.
α)
gelenkigkeit, spannkraft, gewandtheit: die geschmeidigkeit des geistes, vermöge welcher er sich in alles zu finden, alles zu überwinden weisz Adelung; die geschmeidigkeit des verstandes, welche ein theil der klugheit ist. Garve anm. z. Cic. de off. 1, 215; diejenigen, welche zum schullehrerstande ausgewählt wurden, muszten beweise einer groszen geschmeidigkeit der seele gegeben haben. Wieland 7, 311; geschmeidigkeit des gemühts. Ludwig 754; mein herz hatte alle jugendliche geschmeidigkeit verloren. Klinger theater 4, 155; die geschmeidigkeit unserer sprache, sich allen begriffen anzuschmiegen. Fr. Nicolai in dessen leben von Göckingk 132; die ungekünstelte geschmeidigkeit der diction. Gotter 1, vii.
β)
milde, liebenswürdigkeit: diese härte der seele bei äuszerlicher geschmeidigkeit und sanftmuth. Gotter 3, 9; sein hageres gesicht hatte einen ausdruck von geschmeidigkeit ohne falschheit. Forster ansichten 1, 410.
3)
zu geschmeidig 3.
a)
schlankheit: geschmeidigkeit, gracilitas Aler 916ᵃ.
b)
geringheit, spärlichkeit: ich bedauerte die geschmeidigkeit meiner mittel. Fallmerayer fragm. a. d. orient Stuttgart 1845) 117.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3941, Z. 31.

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Zitationshilfe
„geschmeidigkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschmeidigkeit>, abgerufen am 07.12.2021.

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