Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschmeisz, n.

geschmeisz, n.
schmuck, s. geschmeide sp. 3936.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3942, Z. 14.

geschmeisz, n.

geschmeisz, n.,
unverkürzt geschmeisze, mhd. gesmeiʒe, verbalsubst. zu schmeiszen (s. d.), mhd. smeiʒen und smîʒen, cacare, goth. smeitan, schmieren, dazu im mhd. das intens. smitzen, beschmieren. mundartlich gesmeitze Schambach 63ᵃ, geschmisz, insecten Dief.-Wülcker 615 (Frankfurt, von 1710), schweiz. gschmöuss, faex populi Schmidt id. bern. bei Frommann 3, 85ᵃ.
1)
kot, mist, unrat von thieren:
daʒ tier (tigris) .. nâch gelwer bluemen bleter schowet,
wann eʒ sîn gesmeiʒʒe von im rêret (fallen läszt).
j. Titurel 1647, 3;
insbesondere von vögeln und insecten: würm, die von im (dem falken) mit dem geschmaisz giengen. Mynsinger 25;
euch am eichbaum den mistel weist,
wie er vom krammet-vogel kem
wenn ihr geschmeisz die rind einnem.
froschmeus. 2, 2, 8 B b 2ᵇ;
geschmeisz von schwalben, storchen. Krämer 544ᵇ; indem die schnepffen samt ihrem gescheide, ohne auswerffung ihres geschmeiszes, gantz gebraten werden. Döbel jäger-pract. 1, 49ᵇ; weidmännisch, der kot des raubgeflügs Heppe wolr. jäger 481ᵃ, auch die raubvögel selbst Kehrein weidm. 139; unrat von insecten: die borne dackten die lewte obin zu, umb das sie (die zahllosen maikäfer) die icht mit irem geschmeisze vorgiften. Rothe dür. chron. c. 665;
(Astachs aus den augen) das kefer-geschmeisz auszputzt.
froschmeus. 3, 3, 12 C c c 6ᵃ;
kein flig must auch jhr gschmeisz ankleben.
2, 2, 7 A a 8ᵇ;
geschmeisz von mücken, cacherelli di mosche Krämer 544ᵇ. 785ᵇ; mit dickem staube und spinneweben und allerlei unzifers geschmeis behengt. Luther 7, 195ᵃ.
2)
daher unrat überhaupt.
a)
geschmeisz, zusammen geflossener unflat, colluvies Aler 916ᵃ. Rädlein 366ᵃ;
nun alles dis geschmeis und gifft
hat nur der teuffel selbst gestifft.
Fischart v. S. Dominici leben C 4ᵃ.
b)
insbesondere das gift einer ansteckenden krankheit, die ansteckung und die pest selbst: der feind hat uns durch gottes verhengnis gifft und tödliche geschmeis herein geschickt. Luther 3, 396ᵇ; hat nu got selbs befohlen, die aussetzigen aus der gemeine zu thun und auszen für der stad zu wonen, das geschmeis zu vermeiden, so sollen wir ja viel mehr also thun in diesem fehrlichen geschmeis. 397ᵃ; wohl ists wahr, dasz ein haus oder zwei ein geschmeisz gehabt, aber die luft ist noch nicht vergift. briefe 4, 611.
c)
bildlich von irrlehren, die die seele vergiften: wie in den lendern hin und wider die Jüden mit jrem geschmeis und lere einreiszen. Luther 7, 31ᵃ; heist das die schafe Christi geweidet, wenn wir selbs nicht wissen, obs gras oder gifft, hew oder geschmeis sei? 232ᵃ.
d)
der schmutzige überzug des metalls, der rost: kupfergeschmeisz, rubigo Henisch 1543, vgl. unter nr. 4 getreiderost.
3)
eier, brut der insecten und amphibien, insectorum ovula Frisch 2, 206ᶜ: daʒ edel taw verunrainent si (schmetterlinge) mit irm gesmaiʒ, wan dâ wahsent würmel auʒ. Megenberg 291, 31; vortrefflichkeit hat falkenauge und adlerflug, und ist mit nichten ein schmetterling, der nur so eben ein wenig überm geschmeisz umherflattert. Klopstock 12, 43; Plinius spricht, daʒ diu egdehs niht prüet ob irn airn oder ob irm gesmaiʒ. Megenberg 274, 16; der schlangen gericke und geschmeisz. Mathesius Luther 163ᵇ; kroten-geschmeisz oder laich. Hohberg 2, 236ᵇ; bildlich: uber das alles hat dieser drachenschwantz, die messe, viel unzifers und geschmeis mancherlei abgötterei gezeuget. Luther 6, 512ᵇ.
4)
die insecten selbst: ungezyfer, geschmeis, insecta Chyträus 344; unzifer, das die Griechen heiszen kynomyia, ist alle böse würm, so da schaden thun im felde, raupen, fliegen, zwifalter, emmeisze, kefer, brenner und dergleichen geschmeis, das beume und gewechse verderbet. Luther gl. zu 2 Mos. 8, 21; was die kefer lassen (auf dem getreidefeld), das frisset das geschmeis Joel 1, 4. 2, 25, in der vulgata rubigo, der getreiderost, der als thierischen ursprungs galt;
es liegt sich über das im busche nicht bequem,
da kriecht so viel geschmeis, das ist nicht angenehm:
vornehmlich spinnen.
Dusch verm. werke 527;
mit vielen runden tröpflein oder mackeln besprengt, wie das geschmeisz der raupen. Tabernaemont. 1181; die raupe ist ein geschmeis von würmlein, so aus kleinen eierlein kriechet. Gueintz deutsche rechtschreib. 112; sonst werden balde geschmeisz und maden unten in den (bienen)stöcken. Colerus hausb. 415;
da ward darausz das flöhgeschmaisz.
Fischart flöhh. 858 Scheible;
die geflügelten insecten: was für schaden thuͤen die raupen den kreutern, das geschmeisze den gewächsen. Petrarcha 108ᵇ; schmetterling, molckendieb, zweefedder, zwifelder, buttervögelgen, töferersken, wie wohl sie mit solchen worten sonderlich dasselbe geschmeisze nennet. Prätorius glückstopf 258; da wich das geschmeisz (die bremsen und käfer). Garg. 147ᵇ;
sie (die bremse) leckte von dem weiszen schaume,
der hefigt am gebisse flosz.
geschmeisze! sprach das wilde rosz.
Gellert fabeln 1, 50;
geschmeisz, fliegen Rädlein 365ᵇ; die neuen erfindungen erlauben den bienengenusz in einem tabakskasten .. sie sagen, dasz dieses geschmeisz ihre hausleute und nachbarn stechen wird. Freytag handschr. 2, 33;
die insekten
warum schiltst du die einen so hundertfach? weil das geschmeisze,
rührt sich der wedel nicht stets, immer dich leckt und dich sticht.
Göthe xenien 240.
darnach von anderen unheimlichen thieren: rattengeschmeis Luther 6, 491ᵇ; eulen und fledermäuse, die schaarenweise hervorstürzten, zum groszen schrecken der beschauenden, die dergleichen geschmeisz nicht vermuthet hatten. Brentano 5, 361.
5)
von dingen, die als nichts wert erscheinen, wie dreck, zeug, plunder: pfannenkuchen, nonnenfürtzlen, krapfen, gebraten maroni ... und deszgleichen unseglichens geschmeisz mehr. Garg. 56ᵇ; der frauen gantze verlassenschaft, auszgenommen etliche pater noster, edelgesteine und so geschmeisz. Simpl. 1, 482; mit gürtlen, ringen, perlen und dergleichen geschmaisz. 2, 290; ein zaanbrecher mit wurmsamen, pillulen und anderm viel geschmeisz. Frey garteng. 24ᵇ; darumb dieselbigen wassersehungen (urinschau) ein betrug ist, pulss-greiffen und ander solch geschmeisz. Paracelsus wundarzn. (1618) 292; in eim solchen geschmeisz des rhums und ehrgeitz verderben wir das werck. Luther tischr. 299ᵃ;
wolln derselben arbeit nicht singen,
ihr eigen geschmeisz thut besser klingen.
Herlicius musicomastix E 6.
6)
verächtlich von unnützen oder schädlichen personen, noch verächtlicher als gesindel, pack: bisz er weit von diesem unnützen geschmeisz (den zwergen) kommen. Amadis 1, 134 Keller;
wir wollen fur dem geschmeisz (den teufelsköpfen) nicht so hart zagen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 64, 309;
trauen sie ihrem kobolte also nicht immer so ganz! sie sehen es: was solch geschmeisz des bösen feindes (satansbrut) von der zukunft noch etwa weisz, das weisz es nur halb. Lessing 7, 456;
bannt disz geschmeisz (die satyrn) hinweg aus heilig-reinen wäldern!
A. Gryphius (1698) 1, 686;
wir hie in unsers fürsten landen haben noch nichts von dem geschmeis solcher prediger. Luther 4, 319ᵃ; damit wir wider sein (des papstthums) geschmeis und unzifer uns wehren und verteidingen. 6, 103ᵇ; ob denn die münche und nonnen im pabsthume wie auch die einsiedler und anderes geschmeisze desselben diese heroische keuschheit würklich haben? exemplarischer priester (1690) 82; warsager, zäuberer, segner und deszgleichen geschmeisz. Weyer arzneibuch (1583) vorr. A 6ᵇ; die unseligen gaukler, seiltänzer, taschenspieler, comœdianten, feuerfresser, klopffechter und wie das geschmeisz alles mag genennet werden. Chr. Gerber sünden der welt (1699) c. 51, § 1; theoreiklauber, bänkelsänger, schemelrichter, und wer sonst noch dieses gelichters, geschmeiszes und gezüchts sein mag. Klopstock 12, 59; du zürnest, liebling der musen, über die laute menge des parnassischen geschmeiszes? Lessing 1, 165; das geschmeisz das (die schönen geister, zephirs, belletristen). Lenz 1, 157; visiten und gesellschaft ... all das geschmeisz nähert sich ihr. 193; ich werde zu niemanden von dem groszen (vornehmen) geschmeisze kommen. Lessing 12, 436; lumpen-, diebs-, hurengeschmeis Frisch 2, 206ᶜ;
von riffienern (kupplern, lotterbuben),
der hie ist ein groszmechtigs geschmaisz.
Mart. Montanus Titus u. Gisippus D 4;
das verruchte raub-geschmeisze (die räuberischen soldaten).
Logau 2, zugabe 201, v. 63;
gegen die nachzügler, denn schon spukte das geschmeisz hin und wieder. Göthe 30, 119;
vom füszeleckenden verräthrischen geschmeisz
raubgier'ger masken stets belagert und umgeben.
Wieland 10, 315.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3942, Z. 15.

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Zitationshilfe
„geschmeisz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschmeisz>, abgerufen am 06.12.2021.

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