Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschmelzt, part. adj.

geschmelzt, part. adj.
emailliert: geschmeltzte arbeit, eingebrennt werck, encaustum Maaler 173ᵃ; geschmeltzte geschirr, encausta Denzler 130ᵇ; ihre (der schachfiguren) waffenrüstungen waren von geschmeltztem gold. Wieland 24, 119 u. ö.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3944, Z. 78.

schmelzen, verb.

schmelzen, verb.
aus dem festen in den flüssigen aggregatzustand übergehen oder überführen.
A.
herkunft und form.
1)
schmelzen ist ein gemeingermanisches wort, dessen ursprung in die ursprache zurückreicht. doch fehlt den auszergermanischen wörtern sämmtlich das anlautende s. der wechsel zwischen anlautendem sm und m beruht wahrscheinlich auf indogerm. sandhigesetzen, vgl. Noreen urgerm. lautl. s. 201 ff. (anders Grimm gramm. 2, 406. 701). an der identität von *smeldô und *meldô (die Fick⁴ 1, 576 als reimwörter betrachtet) zu zweifeln (mit Skeat 362 f), liegt jedenfalls kein grund vor, da in vielen andern fällen dieser wechsel sich findet und auch sonst das germ. oft das anlautende s am besten erhalten hat, vgl. u. a. taurus : stier; tundere, sanskr. tudáti : stoszen; λήγειν : schlafen; paçyati : spähen. das indogerm. *(s)meldô ist im griech. erhalten als μέλδω (transitiv, intrans. μέλδομαι); dazu gehört ferner ἀμαλδύνω und sanskr. (vi)mrádati erweichen, sowie das adjectiv móldus bez. mldús 'weich, zart', sanskr. mṛdú, kirchensl. mladŭ, lat. mollis. innerhalb des germanischen erscheint meltan ohne anlautendes s im ags. Bosworth-Toller 677ᵇ, daher engl. melt neben (transitivem, abgeleitetem) smelt, vgl. Skeat 362ᵇ f. 566. ferner begegnet anlautendes m in den ableitungen goth. *maltjan in gamalteins 'auflösung'; altn. maltr 'verfault'; ahd. malz 'hinschmelzend, weich' und den substantiven malz (altn. malt, ags. mealt, ahd. malz) und milz (altn. ags. milte, ahd. milzi). dagegen erscheint sm auszer in schmelzen noch in schmalz (s. sp. 926) und vielleicht in schwed. smultron 'erdbeere', woneben in mundarten smulter und multer 'reife moltebeere' vorkommt, s. Noreen urgerm. lautl. 207. vgl. zum ganzen Fick⁴ 1, 109. 517. 576. Grimm gramm. 2, 32. Kluge⁵ 339ᵃ. Weigand 2, 603. Franck 906.
2)
in dem deutschen schmelzen sind verschiedene verba zusammengefallen, die gesondert zu behandeln sind. da nämlich das alte ablautende verb smeltan im germanischen intransitive bedeutung angenommen hat, so ist für die transitive bedeutung, die das wort nach ausweis des griech. und sanskr. ursprünglich hatte, eine schwache causativbildung *smaltjan geschaffen, die im mhd. noch durch den vocal der stammsilbe von dem ersteren schmelzen geschieden war. der unterschied der flexion ist auch im nhd. erhalten und deckt sich im allgemeinen mit dem der bedeutung, doch nicht ohne gelegentliche vertauschungen und übergänge, vgl. unten. ein weiteres schwaches schmelzen ist seiner bedeutung nach als denominativ zu fassen, und zwar theils zu schmelz, theils zu schmalz, s. darüber III.
3)
das alte starke *smeltan findet sich im deutschen und im schwed., fehlt dagegen im goth., engl. und westnord.; doch hat das isl. die ableitungen smelt 'émail' und smeltr 'émailliert'; ebenso ags. smelting, smilting, smyltinc electrum Bosworth - Toller 888ᵃ, über engl. smelt s. unten 4. sonst ags. dafür meltan-mealtmulton-molten, engl. melt-molt-molten. die formen von smeltan sind im einzelnen: schwed. smälta-smalt-smulto-smultit; alts. nur in der glosse smalt liquitur, Prud. 471 (Steinmeyer-Sievers 2, 584, 40, vgl. Heyne kl. altnd. denkm.² 177ᵇ); mnd. smelten Schiller - Lübben 4, 261ᵇ f.; mnl. smelten-smout-smouten-ghesmouten, doch auch smalt-smolten-ghesmolten, s. Franck mnl. gramm. § 53, welch letztere formen sich im heutigen holl. als smolt - gesmolten gehalten haben. ahd. smelzan- 3 s. smilzit- *smalz - smulzen - gismolzan Graff 6, 830 f.; entsprechend mhd. smelzen Lexer handwb. 2, 1006 f. im nhd. zeigt die gestaltung der flexionsformen mannigfache schwankungen, theils infolge der erst allmählich sich vollziehenden ausgleichung des doppelten ablauts im präteritum, theils infolge der vermischung des starken schmelzen mit dem schwachen (s. 2 und 4); doch hat diese erst im 19. jahrh. weitern umfang angenommen, vgl. darüber unten. zur veranschaulichung der einzelnen formen seien hier zuerst die angaben der wichtigsten älteren grammatiken und wörterbücher zusammengestellt, welche übrigens sämmtlich die scheidung des starken intransitivs von dem regelmäszig (schwach) flectierten transitivum strenge durchführen. Clajus s. 113 Weidling: ich schmeltze, liquesco instar cerae vel metalli vel pinguedinis, du schmiltzest. imperf. ich schmaltz, du schmoltzest, perf. ich bin geschmoltzen. Schottel 594: präs. ich schmelze, du schmilzest, er schmilzet, wir schmelzen, prät. ich schmalz, du schmolzest und schmulzest, er schmalz, conj. ich schmülze, part. geschmolzen. Stieler 1877: schmelzen, et schmilzen, ich schmelze, du schmilzest, er schmilzet, wir schmelzen, etc. ich schmalz, et schmolz, du schmolzest, et schmulzest, er schmolze, et schmalze, wir schmolzen, etc. ich schmälze, geschmolzen, et geschmelzet. Steinbach 2, 468: geschmoltzen (neutr. ich bin), präs. ich schmeltze .. du schmiltzst, er schmiltzt, imperf. ich schmoltz vel schmaltz. Frisch 2, 207ᵇ: wann die secunda und tertia persona praesentis gebraucht wird, ist sie, du schmilzest, er schmilzt. das imperf. es schmolze, perf. es ist geschmolzen. Gottsched 345: ich schmelze, liquesco, du schmilzest, er schmilzt, ich schmolz, geschmolzen, schmilz! Adelung: ich schmelze, du schmilzest (schmelzest), er schmilzt (schmelzt); imperf. ich schmolz, conj. schmölze; mittelw. geschmolzen; imperat. schmilz, noch häufiger aber schmelz. im einzelnen:
a)
das e des präsens ist im nd. regelrecht zu i geworden: smilten; dieses i ist auf norddeutschem boden gelegentlich auch ins hd. eingedrungen (s. Steinbach, ja schon im vocabularius rerum von 1466: liquefieri smilczen, vielleicht zum unterschiede von smelczen liquefacere Dief. nov. gloss. 237ᵃ), besonders mundartlich, so in Esthland Sallmann 34 f.; ganz vereinzelt auch in die literatursprache: es regte sich etwas in ihrem tiefsten innersten ... es war, als ob etwas in ihr zu schmilzen anfange. E. v. Wildenbruch nov.² 79. vgl. Grimm gramm. 1², 1020. — in der 1. sing. findet sich i im oberd., auch bei H. Sachs, vergl. Shumway s. 66.
b)
die 2. 3. sing. haben das lautgesetzliche i bewahrt; nur wird der vocal der endsilbe seit dem 18. jahrh. meist ausgestoszen, besonders in der 3. person. wenn daneben auch schmelzest, schmelzt aufkommen, so ist darin vielleicht schon vermischung mit dem schwachen verb anzunehmen. diese formen finden sich besonders im schlesischen, das auch schwaches schmelzte in intransitivem sinne kennt, und zwar schon im 17. jh.; die belege s. unten I, 7, b. die heutige schriftsprache meidet diese formen. der in lebendiger rede kaum angewandte imperativ wird von Gottsched als schmilz angegeben, während Adelung schmelz vorzieht.
c)
im prät. wird in der 1. sing. das alte regelrechte schmalz erst allmählich von der analogiebildung schmolz verdrängt. erstere herrscht im 16. und 17. jahrh. (Clajus, Schottel); Stieler und Steinbach kennen beide formen; seit Frisch ist nur die form mit o üblich. bei H. Sachs durchgehends schmaltz, doch einmal steht in der handschr. zerschmolz, vgl. darüber Shumway s. 66. die 3. sing. lautet ebenso, nur hängt sie zuweilen noch ein unorganisches e an: schmolze (und schmalze) Stieler. Frisch.
d)
die 2. sing., der sich der plur. anschlieszt, hat bereits bei Clajus schmolzest statt des älteren schmulzest; doch kennen Schottel und Stieler noch beide formen neben einander.
e)
der conj. prät. lautet bei Schottel noch schmülze, bei Stieler schmälze (nach dem sing.), bei Adelung schmölze und so heute ausschlieszlich. von neueren mundarten hat das schweiz. die flexion in sehr alterthümlicher form gewahrt: schmelze; i schmilze, de schmilzist, er schmilzt, mr schmelze; schmilz; i schmulz; i bi (ha) g'schmulze Hunziker 225; auch bair. schmulz neben gewöhnlicherem schmelzet, part. geschmolzen Schm. 2, 552. rheinfränk. mit nachschlagendem vocal: schmeilten-schmault-geschmaulten Frommann 5, 140, I, 2, 20. nd. gewöhnlich smelten, bez. schmelten Stürenburg 226ᵃ. Klein 2, 128 (Duderstadt), daneben smilten (im hannoverschen), smulten brem. wb. 4, 873, smölten Dähnert 435ᵃ. das prät. und part. lauten entweder smult, smulten ten Doornkaat Koolman 3, 226ᵃ. Stürenburg 226ᵃ. Schambach 197ᵇ; oder smolt, smolten Woeste 243ᵃ; Danneil 197ᵇ gibt smolt'n und smult'n an. Schambach gibt die vollständige flexion folgendermaszen: präs. smelte, smeltest, smeltet; prät. smult; conj. smülte; part. esmulten; imp. smelt, smeltet.
4)
die schwache causativbildung *smaltjan 'liquefacere' liegt vor in dän. smelte, schwed. smälta; ebenso engl. smelt, welches nach Skeat 566 erst seit etwa 1700 bezeugt und wahrscheinlich aus dem skandinavischen (schwedischen) entlehnt ist. mnd. smelten, smilten (belegt im part. gesmeltet, gesmiltet, gesmelt, aber auch gesmolten in demselben sinne). Schiller - Lübben 4, 261ᵇ f.; im holl. hat smelten nur starke formen. ahd. smelzen Graff 6, 831, mhd. smelzen Lexer handwb. 2, 1007. in der älteren sprache fehlt im prät. der umlaut; so lautet das part. ahd. gesmalzit, flectiert gesmalzteʒ, -iu Graff a. a. o.; mhd. dagegen: gesmelzet, gesmelzt-; aber im ind. prät. smelzete und smalzte neben einander. über nd. smalte vgl. I, 7, b.
B.
die bedeutung gliedert sich nach A, 2 in 3 hauptgruppen.
I.
intransitives schmelzen: liquere smeltzen .. smelczin Dief. gl. 332ᶜ; liquescere .. smelczen ebenda; liquefieri smeltzen ebenda; smilczen nov. gloss. 237ᵃ; anheben zu schmeltzen, liquescere Dasyp.; smelten .. liquere, liquescere, colliquescere: deliquere, deliquescere, liquefieri, fundi, eliquescere, liquidum fieri Kilian. in diesem sinne ist durchaus die starke flexion regel, die schwachen formen, wozu auch du schmelzest, er schmelzt, imper. schmelz gerechnet sind, werden am schlusse zusammengestellt.
1)
eigentlich aus dem festen in den flüssigen aggregatzustand übergehen, so vom eise: sô der uuarmo uuint chumet, sô smilzet daʒ îs. Notker ps. 125, 4;
daʒ îs wolde smelzen niht.
Reinhart 770;
alsô dicke daʒ îs,
sô eʒ smelzen beginnet
und von der sunnen zerrinnet.
Flore u. Blanschefl. 7211;
vom schnee:
und von den hohen bergen schossen ströme
herab, schnell vom geschmolznen schnee gebohren.
Heinse Enkolp 2, 173;
so wie der schnee hinschmilzt auf hochgescheitelten bergen.
Voss Odyssee 19, 205.
von reif:
der reif war in der mittags-stunde geschmolzen.
Brockes 7, 493.
von wachs: mîn herza ist uuorden alsô smelzendeʒ uuahs (tamquam cera liquescens) Notker ps. 21, 15; alsô uuahs smilzet fore demo fiûre. 67, 3; wachs schmiltzet baldt an der sonnen und am feuwr, auch als baldt es in den henden erwarmet. Egenolff sprichw. 36ᵇ; in der theosophie war ferner anbefohlen, geschmolzenes wachs in wasser zu gieszen. Keller 1, 102;
als der gott stund im fewer blosz
vor hitz das wachs schmaltz und zerflosz.
H. Sachs 4, 1, 116ᵇ.
daher vom gefieder des Icarus:
sun, envlûc nicht zû hô:
des smulze dîn gevidere.
Albrecht v. Halberstadt 19, 29 Bartsch;
von fett, so sprichwörtlich: schmeltzen als dz schmaltz an der sunnen, als ain erbeisz auff ainem ay. Nasus nasenesel 75ᵃ; die butter schmiltzt in der sonne, butyrum sole liquescit Steinbach 2, 468. von metallen: das bley schmilzt in einem mäszigen grade des feuers, das kupfer erfordert einen stärkern. Adelung;
alse daʒ blî tût,
daʒ smilzet in einer glût.
Albrecht v. Halberstadt 6, 44 Bartsch;
da ritt in seines zornes wut
der graf ins nahe holz,
wo ihm in hoher öfen glut
die eisenstufe schmolz.
Schiller 11, 250;
so auch:
gold und silber schmilzt aus den alten heiligen formen.
Göthe 40, 335 (alte goldene gefäsze werden eingeschmolzen).
2)
freier gebraucht.
a)
in biblischer rede von bergen, elementen, der erde u. s. w.: der herr wird .. treten auff die höhen im lande, das die berge unter jm schmeltzen .. werden. Micha 1, 4; de element aber werden fur hitze schmeltzen. 2 Petr. 3, 10; wenn gott umbgehen lesset und bleset selber in sein feuer, so schmilzt himmel und erden. Mathesius Sar. (1587) 33ᵇ.
b)
von speisen, die im munde zergehen: der kuchen ist sehr gut aufgegangen .. er schmilzt auf der zunge. Iffland jäger 4, 1.
c)
vom fleische:
von angsten schmiltzet in (ihm) sein flaisch, als in ainer gluͦte.
Clara Hätzlerin 1, 35, 36;
o dasz diesz zu zu feste fleisch doch schmölze,
zerging', und löste sich in tropfen thau's!
Shakesp. Hamlet 1, 2;
vgl. nu schmeltz' ich fast für hitz', und musz für frost erfrieren.
Scheffler cherub. wandersm. s. 147, 5 neudr.;
sonst auch für 'faulen'.
d)
abgeschwächt, sich schmiegen, formen:
der marmor (soll) schmelzen unter hammers schlägen.
Schiller 15¹, 13.
e)
von einem scheinbaren schmelzen:
schon schmilzt im ocean
der sonnenrand zu gold.
Wieland 23, 33 (Ober. 7, 47).
3)
die übertragung auf unsinnliches zeigt sich am deutlichsten in vergleichen: fone diu smulzen keuualtige und ubermuote alsô uuahs, fone gotes anasiûne. Notker ps. 96, 5;
vrou Welt, ich muoʒ an iuch verzagen,
ir smelzet sam der snê.
minnes. 3, 72ᵃ Hagen;
mîn fröude smalz alsam der snê.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 21272;
er smalz alsam ein griebe
obe der minne vuwer hie.
pass. 517, 82 Köpke;
paͤsz (böse) zeytlich eer, schmiltzt wi der schne,
darnach volgt ewig angst und we.
Schwartzenberg 158ᵃ.
oft wird das bild und der eigentliche begriff in einem ausdruck zusammengezogen: und als sie an einen pfahl festgebunden war und das feuer rings umher zu brennen anfieng, da schmolz das harte eis des stolzes und ihr herz ward von reue bewegt. Grimm märchen s. 11;
an solchen bildern schmilzt der priesterliche frost.
Wieland 9, 125;
bis ihr in rosenglut der wange lilienschnee schmolz.
Sonnenberg bei Campe s. v. lilienschnee.
4)
in freier übertragung mit verschiedenen nuancen; zunächst so, dasz der begriff des sich erweichens, in flusz kommens, vorherrscht.
a)
von menschen, weich werden, sich einer empfindung hingeben, darin auflösen:
sie fanden sich, und fanden friede,
und schlangen schmelzend arm in arm.
Gotter 1, 222;
mir schmilzt das herz von euern thränen gleich.
Wieland 10, 240;
vgl.:
schmelzend weich
ward ihm das herz.
Götting. musenalm. auf 1771, s. 92, 22 neudr.
worin schmelzen, sich auflösen, s. b; anders gewendet in eine form schmelzen, vermöge seiner weichheit und geschmeidigkeit eine form annehmen: die stille ruhe eines immer gleichen gesichts verbarg (bei Wilhelm von Oranien) .. einen vielfachen .. geist, weich und bildsam genug, augenblicklich in alle formen zu schmelzen. Schiller 11, 82.
b)
sinnlicher mit bezug auf thränen: wo in warme thränen felsenharte mörder schmelzen. Schiller Fiesko 5, 13;
vergebens schmolz ihr aug' in tröpfelnde krystallen.
Wieland 17, 199 (Idris 3, 125);
bald aber schmolzen fast in thränen
die jungen herrn.
Gotter 1, 157;
wild ist der blick, der nie in thränen schmolz.
24;
also schmolz in thränen der gattin liebliches antlitz.
Voss Odyssee 19, 208;
vgl. auch: aber Odysseus
schmolz in gram, und die wangen benetzte die thrän' aus den wimpern.
8, 522;
auf die thräne übertragen:
aber der hörenden flosz die schmelzende thrän' auf die wang' hin.
19, 204.
c)
aber auch von einem weichen, zärtlichen blicke oder von einem auge, das so blickt:
wie sanft ihr auge schmilzt!
Wieland 21, 311 (Klelia 5, 181);
in schmelzenden blicken.
Gotter 3, 556;
diese sanfte schmelzende augen weg! Schiller kab. u. liebe 5, 7; in thränen sterbend die freundschaft, die auf das weiche herz den schmelzenden blick voll bitten wirft. J. Paul Hesp. 3, 149.
d)
von weichen tönen, die eine zärtliche oder aufgelöste empfindung ausdrücken, so vom gesange der vögel: thäler und hügel von .. dem schmelzenden gesange der vögel, dem girren der turteltauben belebt! Klinger 10, 27;
schmelzend flötet Philomele
tief im dunkeln pappelhain.
Bürger 3ᵇ;
nachtigallen flöten schmelzend in dem dunkel der platane.
Gaudy 7, 42;
mit kühner übertragung vom vogel selbst:
ihre herzen
tanzen nach den fugen,
die der schmelzende vogel tönt.
Hölty 137 Halm;
von menschlichem gesange und musik: ach, da bitt' ich zum voraus um ein recht schmelzendes adagio. Gotter 3, 361; mit einem stillen blick nach dem spiegel lockte sie bald schmelzende töne aus den saiten. Göthe 15, 240; wenn noch so groszer lerm in einem concertsaal ist, so wird plötzlich alles ohr, wenn eine schmelzende passage vorgetragen wird. Schiller 10, 154; warum frägt uns denn .. jedes schmelzende lied ..: wo hast du die geliebte seele, der du deine wonne sagst und gibst? J. Paul Hesp. 2, 109;
dasz das klatschen ihrer hände
den basz zum schweigen zwang, und sie, noch vor dem ende
der schmelzenden kadenz, ihm in die arme lief.
Gotter 1, 201;
eine wolke von gold, wo ein bepalmeter
bote gottes, im klang schmelzender lieder, stand.
Hölty 76 Halm;
wohl silbern und schmelzend erklang's aus dem flusz.
Kind 1, 169.
von zärtlichen, ausdrucksvollen worten:
und immer dünkt es mir, ich hörte
noch ihren (der schauspielerin) ton, ihr schmelzend ach!
Gotter 1, 122;
einst abends bot sie mir die hand
und sprach gar schmelzend: 'Ferdinand!'
Joh. Fr. Kind;
es war nicht mehr das weib, das die schmelzenden friedensworte gesprochen hatte. Ludwig 1, 272.
e)
wenn sich diese letztern wendungen schon oft der transitiven bedeutung nähern, so ist dies noch mehr der fall, wenn schmelzen von der (weichen, aufgelösten) empfindung selbst gesagt wird; doch ist auch hier eine scheidung nicht durchzuführen: eine menge stellen sind von einer recht schmelzenden zärtlichkeit. Lessing 4, 327; wenngleich die schwärmerei der letzteren (stoiker) mehr heroisch, der ersteren (der 'romanschreiber oder empfindelnden erzieher') von schaler und schmelzender beschaffenheit war. Kant 4, 200; weinen begleitet die schmelzende empfindung eines ohnmächtigen zürnens mit dem schicksal. 10, 281 (wol zu II); hänge diesen schmelzenden empfindungen über die unglückliche liebe deiner Klementina nicht länger nach! Wieland suppl. 3, 167; die schmelzenden affekte, die blosz zärtlichen rührungen, gehören zum gebiet des angenehmen. Schiller 10, 154;
das schmelzende gefühl, das meine brust durchwallt.
Gotter 2, 362;
mir wird, in schmelzendem gefühl,
zum feenmährchen dieses leben.
Göckingk 3, 153.
vgl. auch:
um feige zu entflammen, und mit muth
des weibes schmelzendes gemüth zu stählen.
Shakesp. Julius Cäsar 2, 1.
5)
in etwas schmelzen, sich darin auflösen, darin verschwinden. die zu grunde liegende sinnliche bedeutung bietet Steinbach 2, 468: im peche schmeltzen, in pice colliquescere; im weine schmeltzen, in vino colliquefieri; sonst ist in diesem sinne schmelzen nicht üblich (dafür sich auflösen), da dieses auf das flüssigwerden infolge von erwärmung geht. dagegen bildlich: der êrste ûʒbruch unde daʒ êrste ûʒsmelzen, daʒ got ûʒ smilzet, dâ smilzet er in sînen sun unde dâ smilzet er wider in den vater. d. myst. 2, 117, 12; von empfindungen, sich in eine andere auflösen: Klopstoks Adramelech wekt in uns eine empfindung, worinn bewunderung in abscheu schmilzt. Schiller 2, 11 (räub. schausp. 2. vorr.);
mit augen, wo die traurigkeit
in süsze wollust schmilzt.
Wieland 9, 335.
so auch in einander schmelzen, in einander übergehen, sich vermischen, in eins zusammenflieszen: die bilder, die seine einbildungskraft aus diesem chaos zog, schmolzen so schnell mit seiner erfahrung aus der welt in einander. Klinger 5, 16; den geübtesten zeichner wird es ermüden, die herrlichen formen, die durch kontrastierende schlangenlinien ineinander schmelzen, nur für das aug nachzuahmen. Schiller 3, 579; ebenso zusammen schmelzen (gewöhnlich als ein wort, vgl. das.): das zu frühe und dadurch .. schädliche zusammenschmelzen der staaten wird .. vornehmlich durch .. verschiedenheiten der sprachen und verschiedenheit der religionen verhindert. Kant 6, 298; indessen dasz anderer religionsgenossen ihr glaube mit dem glauben des volks .. gewöhnlich zusammenschmolz. 313; aber ein volk, das eine geschriebene religion .. hat, schmilzt mit einem solchen, was .. keine dergleichen .. hat, niemals in einen glauben zusammen. ebenda; das zusammenschmelzen der charaktere ihrer (der rassen) unterscheidung. 10, 75. in ähnlichem sinne schmelzen allein: der theosophen und mystiker schmelzende vereinigung mit der gottheit. 4, 242.
6)
in anderen wendungen überwiegt der begriff des (allmählichen) schwindens und vergehens, ausgehend vom schmelzen des eises und schnees, die eben durch das schmelzen als solche verschwinden, vgl.:
(so) beschlosz ich ...
in nicht so bald (wie das eis) geschmolznen wörtern hier einen abdruck herzusetzen.
Brockes 7, 544.
a)
von materiellen dingen, besonders geld: mein geld fing bei dieser gelegenheit an zu schmelzen, und verlor sich eines abends völlig aus meinem beutel. Göthe 23, 76; meine baarschaft war sehr zusammengeschmolzen, hatte sehr abgenommen, u. ähnl.; von anderen dingen: man kann eine sehr hübsche aber kleine zusammengeschmolzene erde zusammenbringen, wenn man die reize der alten exzerpiert und ordnet. J. Paul Kampanerthal 3. so übertragen: man nehme die Orsina heraus und sehe, wie die masse des stückes (Emilia Galotti) zusammenschmilzt. Ludwig 5, 328.
b)
von einer menschenmenge: wiszt ihr dasz wir schon um hundert geschmolzen sind? Göthe 8, 96 (Götz 3); ich ziehe sie ab, und die summe ist um die hälfte geschmolzen. Schiller 2, 352; durch desertion, krankheiten und das schwert des feindes war seine armee sehr geschmolzen. 9, 347; ähnlich: durch den krieg ist die gantze stadt bis auf etliche wenige häuser geschmoltzen, recidit attenuata bellis civitas ad paucas familias Steinbach 2, 468.
c)
vom einzelnen menschen, zunächst sinnlich, so schweiz. er het g'schmulze, hat von seinem fett verloren Hunziker 225; kraftlos werden:
die übel, die sich gern zu grauer liebe gesellen,
begannen bald bey ihm sich reichlich einzustellen;
je wärmer Röschen ward, je mehr ihr alter (ehemann) schmolz.
Wieland 22, 271 (Ober. 6, 43).
dafür jemandes kraft schmilzt: sie hob plötzlich das gesicht und hielt es ihm mit einem so schmerzlich seligen ausdruck entgegen, dasz alle seine kraft schmolz. Heyse kinder der welt¹³ 2, 219. ähnlich:
als wie das reine wachs musz rinnen,
soll ihm auch schmeltzen muth und sinnen.
Opitz 2, 281.
d)
sonst von abstracten:
sô sich entzündt der mynne râch
gaistlîch, dâ smiltzet laid und ungemach.
Oswald v. Wolkenstein 111, 2, 18;
nur dem ist arm das leben,
der es mit armen augen sieht.
ihm schmilzt der dinge frühling
unter der gierigen hand.
Ludwig 1, 15.
andere verbindungen nähern sich der bedeutung 'sich erweichen': im tode schmilzt auch der sakramente eisernes band. Schiller kab. u. liebe 5, 1;
was ist ein vorsatz? was beständigkeit,
was männertreue, wenn in einer lauen
minute eine sechzigjähr'ge regel
wie eines weibes laune schmilzt?
don Carlos 5, 10.
der orkan schmilzt in gesäusel, geht darin über, indem er abnimmt:
schon schmilzt der wütende orkan ...
in lispelndes gesäusel.
Schiller 1, 237.
7)
schwach gebildete formen.
a)
weniger beweisend sind die präsensformen du schmelzest, er schmelzt, die besonders im schlesischen und zwar schon im 17. jahrh. begegnen; vereinzelt sogar schon bei Luther: gleich, wie wachs fur dem fewr verschmeltzt. Micha 1, 4; das eis schmelzet, glacies calore liquefacta et dilapsa diffunditur Stieler 1877;
die steine müssen schwitzen,
das ertzt entfärbet sich, und schmeltzt für euren hitzen.
Fleming 85;
zumahl der bruder selbst, von welchem trost zu hoffen, ..
in heisser wehmuth schmeltzt.
Gryphius 2, 51;
der auffgetaute schnee
schmeltzt in dem strahl der sonnen.
289;
der seraphin zerschmeltzt für lauter lieb' in ihn.
Scheffler cherubin. wandersm. s. 100, 108 neudr.;
man ist für kält' erfrohrn,
und schmeltzt für grosser glutt.
148, 7;
doch ist kein hertze so eys-kalt,
das nicht von liebe schmeltzt und rauchet.
Lohenstein Armin. 2, 1434ᵃ;
wie, wann das eis auf hohen bergen schmelzet,
ein frühlingsstrom sich schwehr herunter wälzet.
Creuz 1, 88.
b)
seltener sind schwache formen des prät.: wann er nun trancke, schmeltzte das wax auff der gluet. Laz. de Tormes 23; ich verliesz meiner eltern haus im november 1752, unterdessen meine selige mutter vor wehmuth schmelzte. Hamann 1, 174; in älterer sprache mit dem sogenannten rückumlaut:
die pforten waren wol behut,
von erz gegossen also gut,
die schmalzten im zu steüre
von feür ...
Dietrichs erste ausfahrt 20.
als schwache unumgelautete form scheint auch niederrheinisch smalte aufzufassen, wenn man nicht auch hier, wie im hd. so häufig, unorganisch angehängtes e annehmen will: ind it veilen me dan 36 sne, ind de bleven alle up ein ligen, dat it neit insmalte noch indoede. d. städtechron. 13, 124, 7 (Cölner jahrb. zu 1435).
II.
transitives schmelzen. liquare hd. smeltzen, nd. smelten Dief. gloss. 332ᵇ; liquefacere .. smelczen nov. gloss. 237ᵃ; liquefieri werden geschmeltz(t) o. erweicht gloss. 332ᵇ; schmältzen liquefacere, geschmeltzt werden, liquari, liquere, liquefieri Dasyp.; schmeltzen, zerlassen, lind oder weich machen, liquefacere, liquare, eliquare, fundere Maaler 358ᵃ.
1)
die flexion ist in der älteren sprache durchaus regelmäszig. schmelzen, liquefacio v. a. ich mache, dasz etwas schmelzet oder zergehet, zerflieset, liquare, liquidum et fluidum reddere, ist ganz regular. imperf. ich schmelzte. perf. ich habe geschmelzet Frisch 2, 207ᵃ. doch wird in der neuern sprache (19. jahrh.) dieser unterschied vielfach verwischt; namentlich sind die schwachen formen des perf. und part. jetzt etwas auszer gebrauch gekommen (s. z. b. die belege aus Ludwig).
a)
am wenigsten sind starke formen ins präsens eingedrungen, wo umgekehrt vielfach die schwachen du schmelzest, er schmelzt die starken verdrängt haben, wie überhaupt der vocalwechsel im präs. der starken verba vielfach schwindet. so steht er schmelzet noch z. b. bei Immermann 12, 26 (s. u.), transitives er schmilzt nur ganz vereinzelt, so Schiller 6, 411 (Dido 97; s. 3, c, ε), sonst bei Schiller stets schmelzt:
noch schmilzt den schnee des alters des herzens innre glut.
Chamisso 1, 272 Koch;
von seinem heere
genährt kann diese flamme Falieri,
bläst freiheit in die stolze glut, zum brand
anschwellen, der des staates säulen schmilzt.
Ludwig 4, 285.
b)
im perf. ist schmelzte im 18. jh. noch allein herrschend, z. b. Lessing 7, 391. 9, 44. Schiller an Göthe 179. Hölty 54 (s. u.). erst im 19. jh. wird dafür schmolz üblich: sie schmolzen schnee und eis. Ludwig 1, 366, so ganz vereinzelt schon mnd.:
want al (obgleich) is he (der falsche pfennig) valsch gesmeit (geschmiedet),
des en is in em ghene archeit,
mer in em, diene (der ihn) munte und smalt.
speg. d. sonden 129ᵈ bei Schiller-Lübben 6, 264ᵇ.
c)
am häufigsten ist starke flexion im part. perf.; schon Stieler 1877 gibt an: ich schmälze, geschmolzen, et geschmelzet, liquare, liquefacere, et liquere u. s. w.; ähnlich Adelung: es wird heute nicht geschmolzen, besser geschmelzt. im einzelnen herrscht geschmelzt noch bei Wieland. Herder. W. v. Humboldt (1, 345); dagegen das heute allein übliche geschmolzen schon bei Scheffler (cherub. wandersm. s. 10, 122 neudr.). Klopstock (Mess. 9, 520). Schiller (Fiesko 2, 19 u. 5, 13. werke 1, 163). Forster (ansichten 1, 51). J. Paul (Hesp. 4, 179. holzschn. 10, 147). Ludwig (5, 328), s. die belege unten.
2)
schmelzen in eigentlichem sinne, einen festen körper in den flüssigen aggregatzustand überführen.
a)
ohne object:
(ich) lasz machen ein camin darein,
darinn ich schmeltz und distilir.
H. Sachs 4, 2, 101ᵃ;
dasz fewer schmeltzt und eint.
Scheffler cherub. wandersm. 2, 163 (s. 54 neudr.);
dasz man in berg-kristallen,
wenn gleich der hundstern schmeltzt, gefrornen schnee läst fallen.
Lohenstein Agripp. 1, 56.
b)
schnee, eis schmelzen: im winter schmelzten sie eis und schnee. Joh. v. Müller werke 10, 89;
dort, wo von unten gespaltet, noch fest die ragende fluh droht,
schmelze den schnee.
Baggesen poet. werke 1, 160.
c)
butter schmelzen Adelung; geschmältzt, oder zerlassen feyszte, liquamen, et liquatum Dasyp.; gesmelzete buder fränk. urk. von 1329 bei Lexer handwb. 2, 1007;
als ein pfanne,
dô man spec inne smelzet.
troj. krieg 38435;
wachs schmeltzen, ceram liquidam reddere Steinbach 2, 468: der immicher ... wartet der bienen-(immen-)stöcke, ... und schmeltzet das wachs, und lauterts. Comenius sprachenthür 384; so welic man was smeltet mit s. Peters ketele. quelle bei Schiller-Lübben 4, 261ᵇ;
er schmelzte wachs erst.
Voss Aristoph. 1, 208 (wolken 150);
siegellack:
eine federmesserklinge ...
hält er in den händen, schmelzet
siegellack und macht den griff dran
von dem siegellack in kreuzform.
Immermann 12, 26 Hempel (Tulif. 5).
d)
besonders aber von metallen: metall schmeltzen, flare, liquare Dasyp.; bley schmelzen, fundere plumbum Stieler 1877; ertzt schmeltzen, aes liquefacere Steinbach 2, 468; daʒ chalbis hoûbet (des goldenen kalbes) ze êrest in fiûre gesmalzteʒ daranâh gemaleneʒ. Notker ps. 73, 14; alse gesmeltet wert dat sulver. Ezech. 22, 22 bei Schiller - Lübben 4, 262ᵃ; he wart gevangen unde wart in sinen munt gesmelt golt gegoten. d. chron. 2, 85, 26;
blî lieʒ er smelzen dâ beneben.
pass. 173, 50 Köpke;
und das gold (hat) seinen ort da mans schmeltzt. Hiob 28, 1; er wird sitzen und schmeltzen, und das silber reinigen. Mal. 3, 3;
war ist es, feuer brennt: doch gibt es liecht und schein,
wärmt, kocht und schmeltzt metall.
Opitz 1, 104;
oft fleugt geschmelztes bley, oft roth geglühtes eisen.
Alxinger Doolin 8, 12;
wie, geschmelzt an hohenofens hitze
erz sich wälzet, langsam, gelb und schwer.
W. v. Humboldt werke 1, 345;
mit fürstenglanz er eisen schmolz.
Rückert Firdusi 1, 17.
so besonders in der sprache der hüttenwerke, die erze in schmelzöfen stark erhitzen, sodasz die darin enthaltenen metalle flüssig werden und sich durch ihre schwere von den leichteren schlacken sondern. Scheuchenstuel 214 f., vergl. Jacobsson 4, 3—5. 7, 246—250. Karmarsch-Heeren³ 7, 720—22. die verschiedenen verfahrungsweisen haben ihre besondern bezeichnungen: schmelzen, über den stich in den schmelzhütten, metallum liquefactum e fornace omne simul effluere facere, faciendo foramen. schmelzen über den gang, facere ut subinde tantum aliquid metalli in vas fusorium effluat vel destillet Frisch 2, 207ᵃ; ferner schmelzen auf der stange oder im wind, wismutherz schmelzen in einer durch 2 stangen gebildeten und gegen den wind gerichteten rinne, sodasz der wind hindurchziehen kann. Jacobsson 4, 3ᵇ; schmelzen auf schwerem oder auf leichtem gestübe, je nachdem bei der herrichtung des schmelzofens leim unter das kohlengestübe genommen wird, oder nicht. ebenda; andere arten sind schmelzen im windofen, durch das auge oder über das hölzel, über das halbe auge, über das offene auge, über das verstopfte auge, über den krummofen, über den stich, über den tiegel, über die spur. 4, 3ᵇ f.; über das hölzchen, über den halben sumpf. 7, 250ᵇ; der blasbalck ist verbrand, das bley verschwindet, das schmeltzen ist umb sonst, denn das böse ist nicht davon gescheiden. Jerem. 6, 29; Sarepta. — ist ein stadt gewesen darinnen man geschmeltzt. denn sie hat den namen bey den Hebreern vom schmeltzen oder fewer, das man allda erstlich glasz gemacht, und darnach ertz geschmeltzet. Mathesius Sar. 1ᵇ. — metallene gefäsze schmelzen, wofür gewöhnlicher einschmelzen: er schmeltzt güldene gefäsze, aurea vasa conflat Steinbach 2, 468; zuletzt schlug der kayser zu einem lösegelde den vergüldeten tiegel für, welchen die Cimbern aus denen geschmeltzten römischen waffen .. gegossen .. hatten. Lohenstein Arm. 1, 1333ᵇ;
die gschrifft habt jr gefelschet ...
monstrantz und kelch geschmeltzet.
lied von 1547 bei Soltau 2, s. 226, 16.
reflexiv, schmelzen, flüssig werden:
gefäsze goldne schmelzen sich.
Göthe 41, 51 (Faust II, 1).
e)
freier, im sinne von 'auflösen':
(dort) rinnt der gebürge gruft mit unterird'schen quellen,
wovon der scharfe schweisz das salz der felsen schmelzt.
Haller ged.¹⁰ 42.
3)
daran schlieszen sich mannigfache bildliche verwendungen.
a)
von körperlichen dingen, eine verstopfung schmelzen, lösen, heben: aber auch die dysenterie hat verstopfungen der pfortader geschmolzen. Schiller 1, 163;
ein reis'chen nach Elisium
wird die infarktus schmelzen.
254.
b)
auf geistiges übertragen: wenn aber die gute natur die getrennten kunstseelen in eine hülle vereinigt, wenn das gefühl des hörenden noch glühender im herzen des tief gelehrten kunstmeisters brannte und er die tiefsinnige wissenschaft in diesen flammen schmelzt, dann geht ein unnennbarköstliches werk hervor, worin gefühl und wissenschaft so fest und unzertrennlich in einander hangen, wie in einem schmelzgemälde stein und farben verkörpert sind. Wacken roder phant. über d. kunst 2, 5 (s. 69 Minor).
c)
meist seelisch gewendet, erweichen, milde, nachgiebig, zärtlich, schwach machen, in ein gefühl auflösen u. s. w., vgl. I, 4.
α)
in ausgeführterem bilde:
so bald durch gottes feur ich mag geschmeltzet sein,
so drukt mir gott alszbald sein eigen wesen ein.
Scheffler cherub. wandersm. 1, 104 (s. 23 neudr.);
dasz brodt der herr (? gemeint ist das heil. abendmahl) in uns wirkt wie der weisen stein;
es machet uns zu gold, wo wir geschmoltzen sein.
5, 119 (s. 122);
kein hammer schwerer angst hat dieses hertz gebrochen,
und keine gluth geschmeltzt.
Chr. Gryphius poet. wäld. 1, 282;
wenn er (der dichter) gewitter wälzt,
und eine feuersbrunst des herzens marmor schmelzt.
Rabener sat.² 2, 4;
der fürst wurde trotz des fremden eises geschmolzen. J. Paul Hesp. 4, 179; die zeit hat dich in ihrem spiritus-stundenglas geschmolzen. holzschnitte 10, 197.
β)
in der älteren sprache häufig mit anderem stärkerem sinne, (durch feuer) verzehren, vernichten: uuanda die uuârin gotes anesêhin (veri Israhelite) diabolum smelzen suln, unde mulen, unde fertîligon. Notker ps. 73, 14; wie man silber, ertz, eisen, bley und zihn zusamen thut im ofen, das man ein fewr drunder auffblase und zerschmeltz es, also wil ich euch auch in meinem zorn und grim zusamen thun, einlegen und schmeltzen. Hes. 22, 20; (durch feuer) prüfen, läutern: sihe, ich wil sie schmeltzen und prüfen. Jerem. 9, 7, vgl. auch:
du (die liebe) bist's, die diese kalte spröde welt
durchflammen, schmelzen und verzehren soll!
Hebbel 1, 86 (Genoveva 1, 2).
γ)
einen schmelzen, im gewöhnlichen sinne:
aber dasz meine kinder den allerheiligsten tödten,
keine reue sie schmelzt.
Klopstock Mess. 9, 226;
nicht was löw' und tiger schmelzen (var. zu: milden) kann?
Schiller 1, 228 (kindsmörderin);
wohl ist es keiner von den weichen thoren,
die eine falsche weiberthräne schmelzt.
M. Stuart 1, 3;
schaut diese schönheit, ihr männer — schmelzt sie banditen nicht? räub. 5, 7 trauersp.; wer bist du ... den weder die heiszeste liebe zu schmelzen, noch die hölle selbst zu schrecken vermag? Wieland 32, 109 (Agathod. 2, 8). passivisch geschmolzen sein, vql. α:
geschmolzen von dieser gebeugten daurenden reue!
Klopstock Mess. 9, 520.
vgl.: Fiesko .. sei frei Genua, und ich (sanftgeschmolzen) dein glüklichster bürger! Schiller Fiesko 2, 19.
δ)
das herz schmelzen: o wie schmelzt mir das mein herz! so hülflos bin ich noch niemals gewesen. Gesner (1789) 2, 218; in augenblicken, wo die gegenwärtige empfindung .. ihr eigenes herz schmelzte. Wieland 3, 286 (Agathon 13, 7);
die liebe schmeltzt das hertz, und machts wie wachs zerfliessen.
Scheffler cherub. wandersm. 4, 171 (s. 107 neudr.);
das weib, mit jedem reitz das herz zu schmelzen.
Wieland suppl. 4, 10;
(Anakreon,) dessen innerstes herz von Smerdias liebe geschmelzt war.
Herder 26, 51 Suphan (blumen aus der griech. anthol. 5, 20);
könnt' ich
durch meiner stimme zauber felsen mir
zu folgen zwingen, und durch meine rede
der menschen herzen, wie ich wollte, schmelzen.
Schiller 6, 229 (Iphig. in Aulis 5, 3, 1512).
den sinn, das gemüth u. s. w.:
geh, loser dieb (Amor)! mit deinen flammen,
und schmeltze Florens harten sinn.
Günther 238.
ε)
andere verbindungen, zorn, kummer schmelzen, lindern, mildern, heben:
wer wird den zorn des kleinen halbgotts schmelzen?
Wieland 22, 5 (Ober. 1, 4);
nur deines busens immer wachen kummer,
unglückliche Elisa! schmilzt (var. schmelzt) kein schlummer.
Schiller 6, 411 (Dido 97).
ζ)
mit angabe der wirkung (vgl. 4), in thränen schmelzen: der erste theil des briefs setzte sie in wuth und bitterkeit und Julchens abschied von Thalheim zerschmelzte ihre weichen seelen in thränen. Plaut akad. liebe 143. jemand, das herz in eine empfindung schmelzen, auflösen: eine stille harmonie ... umschlich eben so unsichtbar das bezauberte ohr, und schmelzte das herz in zärtliche sehnsucht. Wieland 12, 186 (d. Sylvio 6, 1); diese weichheit des gefühls, die ihn bey jedem leiden in weinende sympathie dahinschmelzt. Schiller räub. 1, 1 schausp.;
da, wenn der kalte leib sich schwer und einsam weltzet,
der leergemachte raum den leib in jammer schmeltzet.
Günther bei Steinbach 2, 468;
da ihrer (Polyhymnias) goldnen leier
die harmonie bald zaubrisch süsz entflosz ...
die seelen bald in liebeswehmuth schmelzte.
Wieland 9, 168 (an Olympia 2);
in süsze gefühle und unbekanntes entzücken
die holden seelen zu schmelzen.
5, 63 (Amad. 14, 4);
der den busen oft durch seine laute
in entzückung schmelzte.
Hölty 54 Halm;
er schmelzt mit trauerlauten
in süszes leid das herz.
Kosegarten rhapsod. 3, 8.
so auch passivisch: in stillen schmerz geschmolzen. Schiller Fiesko 5, 13 (bühnenanw.) dafür zu etwas schmelzen: besonders schmelzte das letzte lied das herz zu der tiefsten rührung. Schiller an Göthe 179 (2. juli 96), vgl. auch:
nicht der bequemste platz, die stärkste lockung ...
soll meine ehre je in wollust schmelzen.
Shakesp. sturm 4, 1.
η)
ohne object: wenn dieses trauerspiel schmelzen soll, so musz es .. durch .. den karakter könig Philipps geschehen. Schiller 5¹, 3 (vorr. zu dom Karlos). so besonders in dem part. präs. schmelzend. doch ist hier die transitive von der intransitiven bedeutung meist nicht mit sicherheit zu trennen. vgl. I, 4, besonders d und e, wo manche beispiele gegeben sind, die sich gerade so gut hierher ziehen lieszen. im bilde: es ging über Ingenuins empfindungen ein schmelzender thauwind. J. Paul jubels. 16. besonders von empfindungen, vgl. I, 4, e: der affect von der schmelzenden art aber (welcher die bestrebung zu widerstehen selbst zum gegenstande der unlust .. macht), hat nichts edles an sich. Kant 7, 126; daher sind .. alle blosz erschlaffende (schmelzende) affekte .. unter der würde tragischer kunst. Schiller 10, 153; schmelzende schönheit: ich habe in einem der vorhergehenden briefe bemerkt, .. dasz von dem schönen zugleich eine auflösende und eine anspannende wirkung zu erwarten sey: .. das idealschöne .. zeigt in verschiedener beziehung sowohl eine schmelzende als energische eigenschaft; in der erfahrung giebt es eine schmelzende und energische schönheit. 329 f.; weil die wirkung der schmelzenden schönheit ist, das gemüth im moralischen wie im physischen aufzulösen. 330. andere verbindungen: ihr liebesgötter! leiht mir eure sprache, den schmelzenden auftritt zu erzählen, und empfindungen durch begeisterte worte nachzuahmen! Plaut akad. liebe 325;
liebevoll werd' ich im mondenlichte,
wie in dunkler nächte graun,
dir entgegen schlummern, und gesichte
schmelzender umarmung schaun.
Fr. Nicolai in dessen leben von Göckingk s. 161;
so schmelzend
der augenblik!
Schiller dom Karlos 2, 10;
und selbst die schmelzende wollust — darinn
ist Agnes keine schülerin.
Schmidt kom. dicht. 180.
4)
mit angabe der wirkung.
a)
der diu uuolchen smelzet ze regene, mulciber Graff 6, 831; in eine form schmelzen, bildlich: sunder es musz ein rechte verenderung werden und gar in ein ander wesen geschmeltzt werden. Luther 12, 591, 13 Weim. ausgabe.
b)
so besonders hinweg schmelzen u. ähnl., auch als ein wort, s. das., eigentlich:
denn endlich kommt die mächtige sonne, schmelzt
hinweg den schnee.
Herder 27, 404 Suphan;
bildlich: sie war bürgerlicher geburt, ... aber ihr anblick schmelzte die vorurtheile des adels hinweg. Schiller räuber 3, 2 schausp. ähnlich auch:
(die freiheit) wird seinen thron zermalmen,
schmelzt deine fesseln los.
Körner 1, 134 Hempel.
c)
zusammen, in eins schmelzen u. ähnl., da geschmolzene substanzen sich im allgemeinen vermischen; eigentlich metalle zusammen schmeltzen, metalla conflare Steinbach 2, 468; bley und zien, ja auch das silber selbst, verunehret und vergeringert das gold, wenn es untereinander geschmeltzet wird. Lohenstein Armin. 1, 281ᵃ; gleich wie gold und ertzt in einen metallischen klumpen zusammen geschmoltzen werden. Scheffler cherubin. wandersm. s. 10 neudr.; mannigfach übertragen: denn er thut solchs nach seinem reichen geist, das er viel sprüch auff einen hauffen schmeltzet, und geust einen solchen text daraus, den die gantze schrifft gibt. Luther 6, 268ᵇ; S. Augustinum, der mehr gethan hat bey der kirchen, denn alle bepste und bischove zu Rom auff einen hauffen geschmeltzt. 8, 230ᵃ; er (Terenz) schmelzte nehmlich öfters zwey stücke in eines, und machte aus zwey griechischen komödien eine einige lateinische. Lessing 7, 391; von einem .. abschreiber, der .. vier bücher in eines schmelzte. 9, 44; Cicero hat die gränzen beyder tugenden (des muts und der mäszigung) so genau weder gezeichnet noch beobachtet .. dadurch hat er aber nicht nur .. theile in einander geschmolzen, welche er selbst von einander abgesondert hatte. Garve anm. zu Cic. de off. 1, s. 156; wie künstlich und geschickt hat er (Lessing) sie (die Orsina) mit dem ganzen zusammengenietet und geschmolzen! Ludwig 5, 328;
das fewer schmeltzt und eint: sinckstu in ursprung ein,
so musz dein geist mit gott in eins geschmeltzet sein.
Scheffler cherub. wandersm. 2, 163 (s. 54 neudr.);
heiszer liebes-brand,
der mehrmahls steine schmeltzt zusammen.
Lohenstein Armin. 2, 1404ᵇ;
hier, schmelze mir diese zwey in eine göttin zusammen.
Wieland 4, 69 (Amad. 3, 18).
d)
so auch farben in einander schmelzen bei den malern: er rühmte den mahler, der den Zeuxis selbst in einem theil, worin dieser am gröszten sey, in der kunst die farben in einander zu schmelzen, noch zu übertreffen scheine. Wieland 35, 50 (Aristipp 3, 5). so als kunstausdruck bei den malern die farben schmelzen oder verschmelzen, sie, nachdem sie aufgetragen sind, unter einander vertreiben. Adelung.
5)
zuweilen hat schmelzen auch den sinn 'verschwinden machen, aufzehren', vgl. I, 6; zunächst von schnee oder eis, vgl. 2, b. so auch im bilde: der himmel schneiet ein paar flocken zu unserm innern schneemann zusammen, den wir unsre bildung nennen, die erde schmelzt oder besudelt ein viertel davon. J. Paul uns. loge 2, 56; vom gelde:
die steuren einer welt, den zins von funfzig reichen
schmelzt, wenn Ruffinus will, ein einzger abendschmausz.
Lichtwer 211.
andere wendungen:
so traut' ich doch gewisz vor deiner klugheit nicht,
vor der sich wohl kein mensch so schön zu schmincken wüste,
dasz nicht ihr scharffer blick den anstrich schmeltzen müste.
Günther 732.
auch mit zusatz herab, zusammen schmelzen: dieser zusammenflusz von übeln hatte das reich binnen einem jahrhundert unvermerkt auf die hälfte seiner ehemahligen einwohner herab geschmelzt. Wieland 7, 258 (gold. spieg. 2, 11).
6)
das resultat des schmelzprozesses tritt als object zu schmelzen, so dasz dieses bedeutet 'durch schmelzen erzeugen'.
a)
von wasser selten:
dasz, von geschmolzener nässe gedrängt, abflieszen die bäche.
Voss Odyssee 19, 207 (vgl. I, 1).
anders gewendet (von der intransitiven grundbedeutung ausgehend):
da drüben auf den höhen
ist noch der schnee zu sehen;
er schmelzet perlen in das thal.
Overbeck ged. 98.
b)
von fett (vgl.ausschmelzen): dasz die einwohner des eylands Thule ihren fischthran, oder die von den wallfischen geschmeltzte fettigkeit allen weinen der welt weit fürziehen. Lohenstein Armin. 1, 582ᵃ.
c)
meist vom gewinnen der metalle in schmelzöfen: aus den steinen schmeltzt man ertz. Hiob 28, 2; umgekehrt steine zu erz schmelzen (nach dieser stelle):
(der mensch) hat eisen aus dem staub gewonnen
und stein zu erz geschmelzt.
Herder 11, 402 Suphan;
ähnlich: dasz diese gefäsze von ihnen selbst nur aus deutscher erde gemacht, und mit einer aus bley geschmeltzten gläte gefertigt .. wären. Lohenstein Armin. 2, 763ᵇ. so auch einen stoff aus seinen elementen zusammenschmelzen: mehr wissen wir nicht .. von der materia .. metallorum zu reden, denn das sie gott ausz erd und wasser durchs fewer zusammen schmeltzet. Mathesius Sar. 33ᵃ;
du hast der berge stoff aus thon und staub gedrehet,
der schachten erzt aus sand geschmelzt.
Haller ged. 3.
d)
so auch weiter gegenstände aus metall schmelzen; doch nur ganz selten, da dafür gieszen der übliche ausdruck ist: schmelzen für gieszen, antecedens pro consequente, fundere, arte fusoria exprimere. Frisch 2, 207ᵇ; auff der einen seul ein kaiserliche, der andern künigliche cron, vast alles künstlich und hübsch geschmelzt. d. städtechron. 15, 117, 11 (vgl. d. glossar; oder zu III, 1?).
e)
von da aus bildlich, besonders in der älteren sprache: denn der goldschmide fewer ist wasser gegen diesem fewer, sintemal jr fewr schmeltzt wenig silber und gold, aber das fegfewr schmeltzt eitel zwelff tausent drachmas. ja alle stifft, klöster, kirchen, capellen, altar mit alle jrem gut und ehre ist aus dem fegfewr geschmeltzt. Luther 5, 166ᵃ;
ei künd ich wol enmitten
in mînes herzen smitten
getihte ûʒ golde smelzen.
Konr. v. Würzburg gold. schmiede 3;
sêt, dem wil ich smelzen
ein lop ûʒ mîner künste golt.
Frauenlob 305, 17;
ihr hingegen, die ihr ...
ruhm in fremder schande sucht, und aus unrecht silber schmeltzet.
Günther 865.
7)
sprichwörtliche redensarten.
a)
schweiz. etwas zu schmelzen haben, in guten verhältnissen sein, s. Tobler s. v. brûtspîne.
b)
studentisch miseriam schmelzen, elend leben Kluge studentenspr. 30 (belegt 1702), vgl. das makaronische distichon:
nos miseri sumus nec brod nec butter habemus,
schmelzimus armuthium, leidimus omne malum.
ebenda s. 32.
III.
ferner kann schmelzen denominativ sein und flectiert auch in diesem sinne regelmäszig schwach (vereinzelt stark, s. 1, c).
1)
schmelzen als ableitung zu schmelz, mit email versehen, oder in email arbeiten: schmelzen etiam in specie notat encaustum auro illinere. aurifabri quoque appellant smaltiren, pigmenta metallica inurere Stieler 1877, schmelzen, pingere ad ignem, das vom französischen gebräuchliche emailliren, hat dieses teutsche fast unbekannt gemacht. Frisch 2, 207ᵇ.
a)
etwas schmelzen, mit schmelz schmücken, verzieren: einen ring schmelzen, emaillieren, mit schmelz überziehen Adelung; gefäsze schmelzen, glasieren: 1 ku(p)ffere geschmelczte schaln. Tucher haushaltb. s. 61 Loose; darein (in den ofen) 3 new czeil von geschmelczten kacheln. 113; ein hefenlen mit plob und schün varben geschmelczt. 119; von waffen: ihre waffenrüstungen waren von geschmelztem gold. Wieland 24, 124;
schon brach der morgen an, als auf dem schmalsten stege
in blau geschmelzten waffen ein ritter auf sie stiesz.
4, 106 (Amadis 5, 4);
der neugekommene schien
ein feiner mann, und prangte in grün geschmelzten waffen.
171 (8, 1).
b)
in schmelz malen, darstellen: aber ausz eigenem kopff .. unnd nach seinem gefasten bilde, das er im sinn hat, etwas reiszen, stechen, schneiden, treiben, etzen, schmeltzen, amelieren können, das ist was sonders ... und gehöret gottes wunderbarer geist, gab und fürbildung darzu. Mathesius hochzeitpred. 93ᵃ; alda oben in der künigin (ietzo) capellen oben in den alten fenstern das Bairnland geschmelzt stêt, mitten darin ein lew. Aventin chron. 2, 453, 4; auf stahl schmelzen Adelung; daher geschmeltzet, eingebrennt, encaustica, encaustica pictura. geschmeltzte arbeit, eingebrennt werck, encaustum Henisch 1543, 15. 18. Steinbach 2, 468; geschmelzte arbeit, pictura ad ignem, pictura encaustica Frisch 2, 207ᵇ.
c)
so bildlich: jene in bunten farben geschmolzenen wiesen. Pfeffel pros. vers. 10, 145 (vgl. schmelz 3, a, sp. 1011).
d)
andere verbindungen, vgl.: email. in gold und silber wurden flach erhabene figuren und zierrathen gearbeitet, diese alsdann mit wohl geriebenen emailfarben gemahlt und mit groszer vorsicht ins feuer gebracht, da denn die farben wieder als durchsichtiges glas zusammenschmolzen und der unterliegende metallische grund zum vorschein kam. man verband auch diese art zu arbeiten mit dem filigran und schmelzte die zwischen den fäden bleibenden öffnungen mit verschieden gefärbten gläsern zu. Göthe 35, 322.
e)
in der älteren sprache sagt man schmelzen auch von eingelegter arbeit mit gold und edelsteinen, was jetzt tauschieren heiszt:
einin roch harte zirlich
vone guͦtem cyclade,
mit golde vile wahe
gesmelzet dar under
diu tier al besunder.
Rolandslied 57, 15;
die (haarbänder) wâren mit jochanden
spæhe gesmelzet.
Servatius 127;
gesmelzet und gemâlet drîn
was beidiu lâsûr unde golt.
troj. krieg 17466;
mit guldînen buochstaben
gesmelzet ûf den jâchant
ein epitafium man vant.
Wigalois 8255;
en mitten ouf dem schilde
dâ deu Sirêne was gesmelzet.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 494;
deu Sirêne was ouch dar
von golde wol gesmelzet.
18152;
ein rôte bark gesmelzt mit golde und mit rubîn.
Lohengrin 5315;
it. 3 guld. und 4 [[undefined:poundsign]] D für vier lott silbers und von lon darein (in den becher ein wappen) ze schmeltzen. d. städtechr. 5, 384, 20; seine rüstung .., die denn fast schön und gut war, dann forne auff der brust war sie mit feinem arabischen gold geschmältzt. buch d. liebe 30ᶜ. so auch bildlich (?):
du bist geschmeltz in mein prust
mit glüenden zangen!
Clara Hätzlerin 2, 11, 48.
2)
schmelzen als ableitung zu schmalz. in diesem sinne gewöhnlich und besser schmälzen geschrieben, s. daselbst sp. 930 f. nachträge zu den belegen:
a)
mhd. smelzen, fettig machen:
und (sie) smalzten ouch deheinen wîn
mit ir munde, sô si trunken.
Parz. 184, 10.
b)
speisen mit schmalz zubereiten: frixare .. smeltzen Dief. gloss. 248ᵃ; fatuae betae, magerer kohl, der nicht gnug geschmältzt oder nicht gemacht ist. Corvinus fons latin. 1, 249ᵃ.
c)
so auch bildlich: mein frau mutter hat ein sprichwörtl ghabt weliches des jungen herr Veitis sein buggel nit einmal von einer gschmaltzeten prüegel-suppen gsalviert hat. Schwabe tintenfäszl B 2ᵇ; mich schmerzt es nur, dasz man glaubt, er (Bürger) lege sich jetzt erst auf die philosophie. nein, ein gewisser grübelgeist, der sich nichts weisz machen läszt, ruht schon auf ihm, so lange ich ihn kenne, und er war von jeher ein feind der geschmelzten wassersuppenphilosophie. Lichtenberg in Forsters briefwechsel 1, 665.
3)
bei den weiszgerbern das leder schmelzen, 'den in das weiszgare leder eingewalkten thran durch die afterlauge wieder auswaschen'. Campe (wol zu schmalz, aber im entgegengesetzten sinne wie 2, von schmalz, d. h. fett, befreien).
IV.
auf das niederländische beschränkt zu sein scheint die bedeutung von smelten, stercus liquidum egerere, dicitur de avibus Kilian. vgl. schmelz 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1013, Z. 22.

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Zitationshilfe
„geschmelzt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschmelzt>, abgerufen am 27.11.2021.

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