Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschmiert, part. adj.

geschmiert, part. adj.
zu schmieren (s. d.).
1)
gesalbt, spöttisch von katholischen geistlichen: seine (des papstes) geschmierten. Luther 6, 482ᵇ; euch gschmirte junkern. Schade sat. 3, 131, 16.
2)
geschminkt, falsch: geschmirte wort, blandicie Melber c 1ᵇ. Aventin. 4, 382, 4 Lexer. Krämer 545;
fürchte nicht bekante feinde,
liebe nicht geschmierte freunde,
offne feindschaft hat kein noht,
falsche freundschaft ist der tod.
Rist Parnass. C 3ᵇ;
verfälscht: geschmierter taler, thalerus improbus, adulterinus Stieler 2254; geschmierter wein Krämer 545ᵃ. Rädlein 366ᵃ.
3)
listig, schlau, gschmirt Hügel Wiener dial. 72ᵇ.
4)
bestochen: ein geschmierter richter Krämer, Rädlein, wie bair. geschmirbig, gschmirbet, bestechlich Schm.² 2, 556.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3945, Z. 44.

schmieren, verb.

schmieren, verb.
mit schmer, salbe versehen.
1)
das denominativ zu ahd. smero, gen. smerwes, lautet mit bewahrung des innern w ahd. smirwan, smirwen (pismiruit uncti Graff 6, 833), mhd. smirwen; der verlust dieses w beginnt schon ahd.: incrassatus. inpinguatus. dilatatus. daʒ teta er gemaster. gesmireter. gebreitter. Notker 2, 627, 14 Piper, hat sich im ags. smyrian durchaus ergeben (linivit smyrede Wright-Wülker 434, 11), und dringt auch im mhd. vor, wo später smirn überwiegt. in engerer anlehnung an das subst. kommt hier auch smern auf (vgl. schmeren oben sp. 1033), was sich mnd. mnl. als smeren durchaus festsetzt und in nd. md. mundarten bis auf heute erhält, wo ein smiren nicht gekannt ist. im fries., sowie im ostgerman. (goth. altnord.) fehlt das wort. oberdeutsche quelle noch des 15./16. jahrh. erhalten sich das innere w: fieng an sine schuͦ zuͦ schmirwen. Keisersberg bilg. 96ᶜ; schmirwen, bestreychen, linire, unguere, linere, perlinere, allinere, collinere, illinere, oblinere Maaler 358ᵇ; andere frühere und spätere setzen es in b um: dâ mit schmirben die wagenläut ir wägen. Megenberg 331, 24; dasz es (das schmalz) kain mensch nit me hat künden prauchen noch niessen und es den schustern und sailern zuͦ wagen smirben zuͦ kaufen miessen geben. d. städtechron. 23, 329; (wenn) man mit demselbigen öl ... die hend schmirbet. Heuszlin vogelb. 205ᵃ; die thüren waren in den gelaichen und sonst also geschmirbt und zugerüst. Zimm. chron.² 3, 170, 24; mit verdunkeltem stammvocal: salben und schmürben, damit im die geschwulst vergieng. 2, 321, 34; selbst in p:
sunst schmirpt der siegrist mit (damit) sin suppen.
U. Eckstein concil 712;
mundartlich hat sich schmirben neben schmieren im bairischen sprachgebiete erhalten, vgl. Schm.² 2, 554. Schöpf 631. Lexer 222; auch schwäb. Schmid 471, schweiz. Stalder 2, 336.
2)
schmieren im eigentlichen sinne gebraucht.
a)
vom aufstreichen des fettes zur nahrung: fett, butter aufs brot, das brot mit fett, butter schmiern; butter auf das brod schmieren, pani butyrum illinere Frisch 2, 208ᶜ; dem kinde eine geschmierte semmel geben, mit fett oder butter bestrichen; in einer redensart: die (lumpig gekleideten leute) haben mehr aufs brot zu schmieren, als eure federhänse in der stadt. Arnim kronenwächt. 1, 398; mit acc. des ergebnisses: einem ein butterbrod schmieren; wie oft hab ich ihm als butterbrod und käsfladen geschmiert. Fr. Müller 1, 317; butterbrot mit einem alten, wiewohl sehr reinen, schermesser geschmiert, wem würde das wohl behagen? Lichtenberg 2, 183; ich wollte mir auch sogleich ein paar butterschnitten schmieren, aber da war wieder kein messer da. Eichendorff taugen. 94; mit unterdrücktem object:
beständigkeit beist trocknes brodt,
denn die zu fett, zu dicke schmieren,
die brennet insgemein der sod.
Stoppe Parnasz im Sättler 211;
auch: honig, syrup aufs brot schmieren; einem kinde brei ins maul, in den mund schmieren; bildlich: es schmeckt woll, wan man uber den wermuth also zucker uberher schmiret. Luther 9, 589, 24 Weim.; er ist gleich wie ein guetter artzt, der dem krancken, was bietter ist, mitt honig schmirt. 590, 7; und dennoch sollen und müssen sich des herrn hauptpastors liebe kinder in Christo diesen beschnuffelten, beleckten brey wieder in den mund schmieren lassen. Lessing 10, 176;
der gröszte matz kocht oft den besten brei,
weisz er den gut zu präsentiren
und jedem lind ins maul zu schmieren,
fährt er ganz sicher wohl dabei.
Göthe 57, 262.
b)
in gewerblicher und häuslicher sprache: öl auf die räder schmieren; achsen, spindeln, räder, wagen, thüren, schlösser u. s. w. schmieren; der kelner (des Mainzer hofes in Erfurt) sal .. zusehen, das die fischer und kelterknecht die kelter, die spindel und die bruck darunder zeitlich schmieren. Michelsen Mainzer hof 35; es got nit in deinen dicken feyszten kopf, als wenig, als das schmaltz in ambosz god, wenn man in schmirwt. Keisersberg post. 3, 11ᵃ; bei webern, den aufzug schmieren, mit einer art kleister überstreichen, vgl. dazu unter schmierer 1; ein gefäsz schmieren, den ofen schmieren, die ritzen mit lehm oder einem andern weichen körper ausstreichen Adelung;
hinter meines vatern hoff da steht ein thor (lies thür),
da ist widder schlos noch riegel dafür,
sie ist geschmirt   das sie nicht kirt.
bergreihen 7, 21 (s. 17 neudruck);
ich wil gen mein fidelpogn schmirn,
und wil der preckin heint hofirn,
und wil irs paurnmaidlein drein singen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 141, 135;
bei fischern köder schmieren, mit fett zur lockung bestreichen; bildlich: Lucifer schmiret sein altes kerder und warfs .. vor. Dulichius vom alten und newen got, glauben und ler (Wittenberg 1522) C 3ᵇ; (er) schmirt das kerder und angel, dasz es troeff. C 4ᵃ; in der haushaltung leder schmieren, zur erhaltung seiner linden beschaffenheit, stiefel, schuhe schmieren; alt stifel bedörffend vil schmirbens. S. Franck sprichw. 2, 3ᵇ; zur zierde:
(ich kann) zu der pulerey mich schicken.
hab schon mein hossn drauff haisen flicken,
auch nechten mein stiffel geschmirt,
mein huet mit einr hannfedern zirt.
H. Sachs fastn. sp. 5, 142, 155.
c)
zu heilzwecken: einen kranken, krätzigen schmieren, vgl. schmierkur; volksmäszig einen schaden, eine wunde schmieren; schmirbe in mit dyaltea und mit gamillen öl. Ortolf von Bayerlant 28ᵃ; du solt in (den nierenkranken) auch schmirben mit weiszem honige umb die lende. 33ᵇ; darnach schmirt er Reynharten mit eyner salben. Aimon K 2; (Jesus) machet einen kot aus dem speichel, und schmiret den kot auf des blinden augen. Joh. 9, 6; der mensch, der Jhesus heisset, machet einen kot, und schmieret meine augen. 11; etlich stossend jnen (den hennen) für dise sucht knoblauchzeehen mit öl geschmirbt in den halsz. Heuszlin vogelb. 91ᵇ; brachte sie eine salbe, welche alle leüse vertreiben wurde, wann ich nur .. mich wolte schmiren lassen. Simpl. 3, 179 Kurz; er (der krämer) schmirt den pawern mit ainem schwemlein und spricht: ..
ye lenger ich schmir, ye krenker er wirt.
H. Sachs fastn. sp. 7, 71, 279;
ein heilsam artzt, der solche salb ertheilt,
die alle wunden schmiert (nie aber keine heilt).
Logau 3, 217;
die räudigen schafe schmieren Adelung; zugleich bildlich: den grind schmieren, caput unguento perfricare, metaphor. autem caput comminuere Stieler 1881; ausschlieszlich im bilde: also müsse er sich .. mit geduld schmieren. Felsenb. 2, 125;
schmiert die wünsche mit gedult!
Günther 195;
läszt sich die krankheit nicht kuriren,
musz man sie eben mit hoffnung schmieren.
Göthe 13, 9.
d)
zur pflege und schönheit des körpers, in älterer sprache: auch jr (der frauen) ein teil salben und schmirn sich mit farwe (schminke). altd. blätter 1, 59; man findet der dienstmägde nicht wenig, welche mehr auf den äusserlichen schein, schmüncken, schmirben und haarfärben als auf ihre arme seel acht haben. Hohberg 3, 1, 133ᵇ;
wie man sich muttz, schmyer, nestel, brisz.
Brant narrensch. 89, 7;
sie mutzen sich und schmieren sich,
und thuͦnt sich an so seuberlich.
Murner geuchmatt C 3;
spottend: sich mit affenschmalz, eselsschmalz schmieren, sich als affe oder esel aufspielen, zeigen: das affenschmalz schmirbt sie. Keisersberg brösaml. 2, 54ᵃ;
jetzt hand die wibschen mann gelert (gelernt)
und schmyeren sich mit affenschmaltz,
und duͦnt entblöszen jren halsz,
vil ring und grosze ketten dran.
Brant narrenschiff 4, 5;
der schmyert sich wol mit esels schmaltz,
und hat die büchsen an dem halsz,
der sprechen gtar, das gott der herr
so bärmyg sy, und zürn nit ser
ob man joch ettwann sund volbring.
14, 1;
auch etwas schmieren, aufputzen, schminken:
was gond mich sine (des pfaffen) fablen an,
die er findt im Esopo stan?
die schmirbt er denn mit heidenmist,
so er an siner kanzlen ist,
von legenden, märlin und dem ban.
N. Manuel 168, 956 Bächtold;
mann mischet aber gern lügen under die warheyt, wann eyner gar lüge, so glaubet mann es nicht, es muͦsz sich ein wenig mit der warheyt schmieren lassen. Petr. 99ᵃ.
e)
verächtlich, besonders in quellen der reformationszeit, vom salben der priester und geweihter gegenstände: wiewol ich den brauch auch gehen lasse, der jtzt regirt, das allein der geschmirte und beschorne hauff priester heiszt. Luther 1, 396ᵃ; und do hatt man die gewissen so eng gespant, das man die kirchen umb eins geringen dings willen entweyhet, haben die wend geschmiert, ein stein, den andern, und soll sund sein, wann man ein wenig in ein stein hawet. 12, 697 Weim.; wenn si nur die formata und ander schinderei uszrichten und zalen und die finger mit öl laszen schmirben, so sind si dannocht priester und mögen umb gelt mess lesen. Schade sat. 3, 172, 31;
blettlig (plattenträger) und die gschmirpte rott.
U. Eckstein concil 752.
3)
schmieren, in weiterer sinnlicher bedeutung, mit dem nebenbegriff des sudelns oder besudelns (vgl. dazu anschmieren theil 1, 446, aufschmieren 727, beschmieren 1584, einschmieren 3, theil 3, 281): dreck an die kleider schmieren, das kind hat sich voll geschmiert;
du ruesig gschmirter küchenracz (schimpfend zu einer magd).
H. Sachs fastn. sp. 6, 50, 281;
als technischer ausdruck für eine verfälschung geistiger getränke: den wein, das bier schmieren, vgl. dazu schmiere 2; (vinum) pigmentatum gesmert Trochus Q 3ᵃ; schmieren den wein, vinum aqua miscere, vel alio modo corrumpere Frisch 2, 209ᵃ; besonders von unreinlichem flüchtigem schreiben, zeichnen, malen gesagt (vgl. dazu schmierer): das ist nicht geschrieben, das ist geschmiert; farben auf leinwand schmieren heiszt noch nicht malen; das gemälde ist neuerdings überschmiert worden; schmieren, sudelhafft schreiben, conscribillare Frisch 2, 208ᶜ; in einem spöttisch gemeinten lobliede auf die schreiber:
dann wann man so tut schmieren
papir mit dinten schon,
daran tuns nichts verlieren
und gibt in guten lon.
Uhland volksl. 687;
von schriftstellerischen leistungen: es wird heut zu tage in die welt hineingeschmiert. Lenz 1, 220; es wird eine oper unter dem frisieren (die ich mache) und ich thue es mit absicht um — schmieren zu lernen. Schiller 4, 21;
(du hast) wenn du was gesetzt, eh zehnmal ausgestrichen,
als auf der schnellen post, wie mancher, hingeschmiert.
Günther 384;
drum lebt auch hier ein kiel, der minder schreibt als schmiert
und geile boszheit hegt.
514;
ein leeres buch zu schmieren.
739;
(er) schmiert' ein trauerspiel im katzenjammer.
Platen 294ᵇ;
und mit beziehung auf schmieren 2, b:
er (Kotzebue) schmierte, wie man stiefel schmiert.
259.
4)
übertragene bedeutung des verbums in mancherlei weise.
a)
wie durch schmieren lind, geschmeidig, zum gebrauche geschickt machen: machet euch auf jr fürsten, schmirt den schilt (ἑτοιμάσετε θυρεούς septuag., arripite clypeum vulg.). Jes. 21, 5; hierzu schmieren wir wehr und waffen, führen mauren auf. Opitz 2, 297; sich die kehle schmieren, zum singen:
trett auff höher, singet hel.
ir vogelîn, smirbt eur rauhe kel.
O. v. Wolkenstein 30, 1, 15;
mit trinken (vgl. dazu niederl. smeeren, curare cuticulum, popinari, helluari Kilian):
Hanns iszt und schneidet doppelt vor,
und schmiert sich dann und wann die kehle.
Günther 129;
sich die sohlen schmieren, zum forteilen:
nu, herr Chrysapius! nu schmieret euch die sohlen,
sonst wird euch auch der herr im rothen mantel holen.
1034;
so haben wir halt unsern lohn,
und schmieren unsre sohlen.
Schiller räub. 4, 5;
mundartlich de föte smeren, zum tanze gehen wollen Dähnert 434ᵃ; de hacken smêren, reiszaus nehmen Woeste 243ᵇ; vgl. dänisch smøre haser, reiszaus nehmen, fersengeld geben, das hasenpanier ergreifen Helms 1, 302ᵇ; die zunge schmieren, gelenkig zum sprechen machen; ironisch:
ich wolt in ire zungen schmirn,
sie sollns in dreien tagn nicht rürn.
P. Rebhun Susanne 5, 5, v. 454;
die haut schmieren, geschmeidig machen für das henken, sich dazu vorbereiten:
nu, herr Polylogus! nu schmiere dir die haut,
des seilers tochter wird in kurtzem deine braut,
wie meine liebste sein, wir müssen beyde henken.
Günther 1034;
fleisch in die haut schmieren, gleiten lassen, fressen:
ein kalt stück fleisch oder zwey
und ein hafen mit sawrem kraut
das wil ich schmieren in mein hawt.
H. Sachs fastn. sp. 4, 29, 223;
daher auch schmieren für sich, wie verzehren:
solt wachteln gnug zu fahen haben,
will dirs mit hauffen einher führen,
das du solt haben gnug zu schmieren.
B. Waldis Esop 3, 75, 7.
b)
zum gehen, weiterkommen geschickt machen, besonders in einem vielfach variierten sprichworte, das an das schmieren der räder eines wagens anknüpft: da fienge er an mit schenk den karch zu schmieren, da gieng er. Fischart bienk. 212ᵇ; wen (wenn) man schmiert, so gehts. Schottel 1119ᵇ; dasz ich nemlich, wann ich wol fahren wolte, tapffer schmieren .. müste. Simplic. 1, 320; wohl geschmiert, wohl geführt. H. Müller erquickst. 451; schmiere wohl, so fährst du wohl. ebenda;
es ist ein sprüchwort heur als fern.
wo man schmiert, do fart man gern.
Murner schelmenzunft e 3 (v. 1073);
es ist jetzt in der welt ein sitt,
wer nit wol schmiert, der fehrt auch nit.
Kirchhof wendunm. 128ᵇ;
wenn man schmirbt, so gehts,
schmirbt man nit, so stehts.
Sutor latinum chaos (1716) 445;
speis und trank erhalten mich
in dem rechten gleise;
wer gut schmiert, der fährt auch gut
auf der lebensreise.
Bürger 120ᵇ;
etwas geht, wie geschmiert, glatt von statten; die sache wird gehn, als ob sie geschmiert wäre. Lessing 3, 44; vgl. mhd.
mîn ouge an sach
daʒ si (die tanzenden burschen) giengen alle tage als ein gesmirter wagen,
eben und lîse, niht bedrungen.
Neidhart 55, 28;
anders mit verwendung eines bildes vom schmieren der thür:
man musz mit schmieren,
wie dürren thüren,
so advocaten
zum meisten rathen,
solln schweigen thüren,
sie, reden führen.
Logau 3, 47, 45 (überschrift sachen-walter);
oder des leders und der haut: dan es ist gar ein alt sprichwort und nit neu: die wârhait macht neit und schmirn lind heut. Aventin 1, 16, 23; geschmirt leder wirdt gern weich. Kirchhof wendunm. 128ᵇ; alte häute dürfen viel schmierens. Lehmann 13; schmieren macht linde hände. Dentzler 2, 253ᵃ; mit verwendung beider bilder: also muͦsz mann der welt nicht allein die hände, sonder auch die kelen schmieren, so gehets dann, sprich ich, so mann bede räder schmieret. Agr. sprichw. 384ᵇ.
c)
daher schmieren geradezu für bestechen; einen schmieren: den pfarher muͦst ain e. ratt mit 15 fl. schmirben, das ers geschehen liesz. d. städtechron. 2, 127 anm. 2; und dorft es an dem ort kains salbens oder schmirbens. Zimm. chr.² 2, 608, 40; was nur stechen, schenken oder schmierben kan, das komt hinfür. Fronsperger kriegsb. 1, 177ᵃ; ich glaube, du seyst von Jesu geschmirt. Ayrer proc. 1, 9; die richter lieszen sich nicht so greulich schmiren und bestechen. Schuppius 539; schelme musz man schmieren. Rabener sat. 3, 57;
dann ich itz zuvor wil kumen
und mit einem gschenk sie (die richter) schmiren.
P. Rebhun Susanne 2, 1, v. 39;
was man thut also ihrethalben
sie mit zu schmirben und zu salben,
das schelten sie als gar unrecht.
Frischlin Rebecca 139;
einem die hand, die hände schmieren: ir solten einmal dem richter die hend schmieren oder salben. Pauli schimpf (1546) 20;
daraus (aus dem beutel) im wol sin hand smirwt.
teufels netz 3203;
und dann geradezu auch einem geld schmieren: dessentwegen schmirte er mir 6. reichsthaler. Simpl. 3, 284 Kurz.
d)
schmieren, gute oder schöne worte geben, angeknüpft an das bestreichen des mundes mit süszem: wiltu von einem kein saur wort haben, so schmiere seinen mund mit süszigkeit. pers. rosenth. 18 (1, 27); daher in derber formel einem das maul schmieren, mit listigen, glatten, süszen worten: sie schmiren uns das maul, als wolten sie die evangelia nach der schrift auslegung leren. Luther 5, 299ᵇ; damit die papisten nicht denken, wir brüsten uns also mit einem oder zween sprüchen, den leuten das maul zu schmieren. 8, 2ᵃ; sie thuens allein darumb, das sie den leuthen das maul schmiren. 9, 595, 28 Weim.; ohne die geringste veranlassung von meiner seite, läszt man mich ausdrücklich kommen, thut, wer weisz wie schön mit mir, schmiert mir das maul voll. Lessing 12, 393; es war der erbprinz selbst, der mir von freyen stücken vorschläge deswegen that. aber ich sehe wohl, dasz man mir nur das maul schmieren wollen. 395; ich musz ihr doch das maul ein wenig schmieren. Lenz soldaten 3, 7; in anlehnung an das salben des hauptes die stirn schmieren, mit wesentlich gleichem sinne:
wer tuͦn will das eym yeden gfalt
der muͦsz han ottem warm und kalt ..
und künnen pfulwen understrowen
eym yeden underm ellenbogen,
und schmyeren yedem wol sy styrn,
und luͦgen das er keynen erzürn.
Brant narrenschiff 18, 23;
die worte schmieren:
gibt er glatte wörter dir,
so luͦg, du ouch din worter schmier.
Murner narrenbeschwörung 63, 22;
geschmierte worte, heuchlerisch freundliche: durch süsse geschmierte wort. Luther 3, 97ᵃ; mit geschmierten und listigen worten. Kirchhof wendunm. 327ᵃ; ehre sie (die prediger) nit eben mit hut abziehen, mit hand trücken, mit falschen glatten geschmierten worten ... sondern ehre sie mit gehorsamb. Schuppius 196; wann er noch so wol reden, und noch eins so geschmierte wort geben könte. 652; unter dem geschmiereten liebkosen. Opitz Argenis 2, 456;
dein wort mit süszem sen geschmirt.
Schwarzenberg 137ᵇ;
mit ewr geschmirten heuchlerey.
H. Sachs 3, 1, 224ᶜ;
schlechthin einen schmieren, in selbstsüchtiger absicht liebkosen, schmeicheln:
derselb (narr) den gouch wol stricht und schmyert.
Brant narrensch. 44, eingang;
hewchler und schmaichler, die in (den fürsten) schmirn,
feder klauben und im hoffirn, ..
suechen darmit den iren nucz.
H. Sachs fastn. sp. 4, ⅩⅤⅠⅠ, 285;
wer schmaichlen kan und schmieren.
Weckherlin 797;
o laszt die miszgunst doch uns itzt beyseite setzen,
räumt ja der heucheley so grossen platz nicht ein,
und traut dem schmieren nicht!
Opitz 3, 316;
reflexiv, mit angabe des erfolges:
ich schmierte beim regenten
mich gar zum präsidenten.
Pfeffel 6, 50;
noch jetzt weithin über die mundarten verbreitet: bair. schmiren, schmirben mit einer, auf eine etwas zudringliche weise den verliebten gegen sie spielen, sich mit jemanden schmieren, z. b. mit einem kinde, es verzärteln Schm.² 2, 555 (wobei vielleicht der begriff von schmieren lächeln, s. d., einspielt); im salzburgischen:
wie ma buszt (küszt), wie ma druckt,
wie man schmiröbt und lacht,
han i glernt von an dierndl
in a ̃ manscheinögn nacht.
Frommann 4, 373, 18;
in Kärnthen schmieren und schmirben, liebkosen, tändeln Lexer 222; nassauisch schmieren, schmeicheln Kehrein 357; ebenso hessisch Vilmar 359; auch niederd. smeren, schmeicheln, glatte worte geben, den honig ums maul schmieren, he kan god smeren, er hat die gabe, sich mit glatten worten einzuschmeicheln. brem. wb. 4, 861; vgl. mnl. smeren schmeicheln Franck mittelniederl. gramm. 266ᵃ.
e)
schmieren, vom leichten deutlichmachen, mit bezug auf das schmieren des breies in den mund des kindes (oben 2, a), in derber rede: einem etwas ins maul schmieren; einem etwas in den mund schmieren, ihm etwas sehr leicht, sehr begreiflich machen, ohne dasz er sich selbst dabei anzustrengen braucht Campe.
f)
von anderer vorstellung aus schmieren prügeln, gefaszt als ein lindmachen der haut wie durch schmiere (vgl. ähnlich salben 7, th. 8, 1692): einen redlich über die achszlen einhin schmirwen, das er ein wunden darvon bringe, indere cicatrices in scapulas alicujus Maaler 358ᵇ; mit der geiszlen schmirwen, flagellare. ebenda; (die bauern) schmierten einander. Götz v. Berl. 83; so wolt ich ihne als übel schmieren, sein leib must ihn reuen. 85; darnach schmiert er jn wol mit einem guten brigel, das jm sein lenden gar wol allenthalben erbeert und geschmiert wurden. Wickram rollw. 146, 10 Kurz; einem den buckel schmieren, dedolare aliquem fustibus, corium alicujus concidere Stieler 1881; schnalleten die dragoner ihre steigriemen ab und schmiereten damit die unchristlichen jesuitencörper dermaszen, dasz sie endlich ... halb tod zur erden sincken muszten. Felsenb. 2, 32; schmieren, vulg. für prügeln, schlagen, fustibus percutere Frisch 2, 209ᵃ; vgl. auch abschmieren oben theil 1, 106;
so wil ich sy thun reformieren,
mit geiszlen dapffer in sy schmieren,
so lang, bisz jn der gammel (übermut) glyt.
V. Bolz Pauli bekehrung B 6;
auch vom schlagen mit der waffe:
so könt ich nicht
beschreiben das greszlich gesicht
des todts, und wie er sich da thiert
mit seiner sensen umb sich schmiert.
Fuchs mückenkrieg 107, 216;
sein scharff geschliffne wehr auszzog,
rennt grimmig auf den schwartzen floh,
und schmiert jn in wütender hitz
seins zorns, als schlüge jn der blitz
auf die sturmhauben, dasz die kling
durch sein hirnschädeln eingieng.
113, 445;
in den mundarten erhalten: tirolisch schmieren, züchtigen, mit der ruthe (auf den bloszen leib) schlagen Schöpf 631; in Kärnthen schmieren, schmirben, schlagen, mit ruthen streichen Lexer 222; in Leipzig schmieren, prügeln Albrecht 203ᵇ; niederd. den rugge smeren brem. wb. 4, 861; den pukkel smeren Dähnert 434ᵃ; in der grafschaft Mark smeæren Frommann 3, 368.
g)
schmieren, in einem bilde für eigennützig sein:
wer nur seinen kuchen schmieret
und wanns bienlein nicht mehr führet
alsdann geht er nach der thür —
ei, der bleibe fern von mir.
P. Gerhardt 265, 77;
für schaden haben: etwas ans bein schmieren (wie sonst ans bein streichen, wischen, vgl. unter bein theil 1, 1384, nr. 11): haben (die Braunschweiger) ihre kriegskosten .. an ihr bein schmieren müssen. Lersner chronik v. Frankfurt 2, 442.
h)
schmieren als ausdruck im kartenspiele: bair. schmirben im kartenspiel, bei den stichen seines parteigenossen zweckdienliche blätter zuwerfen, ein spiel wobei die wenigsten zehner gewinnen Schm.² 2, 555; in Kärnthen schmieren, schmirben, auch laschieren, beim kartenspiel seinem mithelfer gute farben geben Lexer 222; ähnlich in Tirol schmirben Schöpf 632; in Leipzig schmieren, in einen stich beim spielen augen einwerfen, wie brocken. Albrecht 203ᵇ.
5)
intransitives schmieren, erst in neuerer sprache, die eigenschaft einer schmiere haben: die farbe schmiert, tinte schmiert, ist nicht leichtflüssig, läuft als dicke masse.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1081, Z. 1.

schmieren, verb.

schmieren, verb.
lächeln, fortsetzung des mhd. smieren, nebenform zu dem nur mhd., später ausgestorbenen smielen gleicher bedeutung, das in beziehung zu schmollen (s. d.) steht; nur selten über das mhd. hinausreichend:
der alt der schmiert und griff an bart.
Mörin 2;
schmieren, smieren, im älteren bairisch Schm.² 2, 556; erhalten im kölnischen smeren, lächeln Woeste 243ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1086, Z. 39.

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Zitationshilfe
„geschmiert“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschmiert>, abgerufen am 29.11.2021.

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