Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschminkt, adj.

geschminkt, adj.
part. zu schminken (s. d.), in bildlicher anwendung, falsch, geheuchelt, auf täuschung berechnet:
dasz sie das geschminkte loben
der verliebten lust veracht.
A. Gryphius (1698) 1, 148;
geschminkte rede, worte Kirsch corn. 146ᵃ; mir ist es nicht gegeben, geschminkt und gleisznerisch zu sprechen. Reiske bei Lessing 13, 207; geschminkte verse. Pfeffel poet. vers. 3, 76. dazu geschminktheit, f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3945, Z. 62.

schminken, verb.

schminken, verb.
schminke auftragen, mit schminke färben; wie das entsprechende subst. erst späte, vor der letzten mhd. zeit nicht nachgewiesene bildung, die auch ohne nasal auftritt: fucare smycken, schmynken Dief. 249ᶜ; selbst, in anlehnung an andere deutsche worte, mit erscheinungen des ablauts, so (mit hinblick auf schmacken beflecken, verunreinigen, s. d. nr. 7, oben sp. 899) als smacken Dief. a. a. o., und (mit bezug auf schmücken) als smocken nov. gl. 184ᵃ; auch die form schmingen erscheint: will hernach auch von dem schmingen und angestrichener farbe sagen. Barth weiberspiegel B 8ᵇ; seit dem 17. jh. allein die heutige form: schminken, colorem mentiri, mangonisare, farder Schottel 1404.
1)
in eigentlicher bedeutung, transitiv: und da Jehu gen Jesreel kam, und Jesebel das erfur, schmincket sie jr angesicht und schmücket jr heubt. 2 kön. 9, 30; wenn du dich schon mit purpur kleiden, und mit gülden kleinoten schmücken, und dein angesicht schmincken würdest. Jer. 4, 30; die backen schminken. Stieler 1880; das gesichte schmincken, faciem lenociniis et coloribus polluere, sie schmincken sich das gesichte, faciem arte adulterant Steinbach 2, 466; geschminkte wangen, eine geschminkte stirn haben; cerussata cutis, weisz geschminkte haut Frisch 2, 209ᵇ; reflexiv: da sie kamen, badetestu dich und schmincktest dich, und schmücktest dich mit geschmeide, jnen zu ehren. Hes. 23, 40; die jungfer hat sich schön geschminkt, buccas belle purpurissatas habet virgo isthaec Stieler 1880; ich glaube zwar nicht, dasz es etwas unerlaubtes für ein frauenzimmer sey, sich zu schminken. Lessing 1, 378; bei schauspielern sich rot, weisz, alt, jung schminken.
2)
in freierem sinne, nach dem subst. schminke 2: das rote gewölke schminkte den säugling. J. Paul Hesp. 1, 115;
versorge dich nur wohl, und lasz den frühlingsschein
der jugend, die dich schminckt, kein faules brachfeld sein.
Günther 392;
weil seine Doris, die nur liebreiz schminket,
ihm freundlich winket.
Chr. E. v. Kleist (1765) 56;
wie manche frische dirne
schminkt sich aus jenem bach!
Hagedorn 3, 70;
auch mit vorwerfendem oder miszbilligendem beisinne, theilweise zur folgenden bedeutung (3) überleitend: abends wurden fünf körbe gefärbtes wasser ins zimmer getragen; jeder rückte hinter sein schenktischchen und schraubte den korkstöpsel vom quasiwein ab .. der zimmerfrotteur mazerierte und laugte sich im grunde durch das geschminkte wasser aus. J. Paul uns. loge 1, 116;
der mond schminkt sich und stiehlt der sonne strahlen,
thut auf gestohlen brod sich wunderviel zu gut.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 244.
3)
übertragen, nach schminke 3, verstellen und beschönigen: schminken, simulare, simulationum involucris tegere, vultu aliquid ferre, decipere et frustrari Stieler 1880; eine böse sache schmincken, rem malam fuco obducere Steinbach 2, 466; seine laster mit dem nahmen und scheine der tugend zu schminken. Wieland 15, 176; sie glauben durch fehler groszer köpfe ihre eignen fehler zu schminken. J. Paul grönl. proz. 1, 40; er hatte ohne schwärzen und schminken viel gutes ... gesagt. Titan 2, 43;
was jeder günstling musz,
mit lächeln heuchlerisch des herzens kummer schminken.
Wieland 10, 264;
ich habe in das edle mich verliebt,
und nicht mit worten blosz, mit thaten auch
kann man sich schminken.
Hebbel 1, 189;
wir wollen, dasz kein zögern uns verklage,
noch thatlos zusehn, schmachvoll, wie sichs auch
mit vorwand schminke.
Ludwig 4, 248;
in participialen festen verbindungen: geschminkte worte, verba infucata, geschminkte treu, fucata fides Stieler 1880; eine geschminkte freundschaft (verstellte). Adelung;
wann deine macht uns drückt, so lernen wir erkennen,
wer freund ist, oder nur sich also pflegt zu nennen,
und trägt geschminkte gunst.
Opitz 1, 107;
wer geschmünckte worte gibt, ist nur freund von angesicht,
denn das herze liegt verdeckt, darff also der schmüncke nicht.
Logau 3, 150, 74 (überschrift hofe-worte);
glaubt man nicht geschminckten lügen,
heist es einfalt oder stoltz.
Günther 83;
betrieg dich ja nicht selbst mit ärgernis und groll
an leuten, welche stets dem glück im schoosse sitzen,
und halt nicht irgend die vor fried- und seegensvoll,
die unter gold und wein und weichen kleidern schwitzen;
es ist geschminckte lust und übertünchte last.
584;
vgl. ungeschminkt und beschminkt unter beschminken (theil 1, 1584).
4)
bienenstöcke schminken, bei bienenzüchtern Adelung, vgl. dazu schminke 4. in molkereien schminkt man butter, wenn man sie mit einem schön gelb färbenden stoffe versieht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1091, Z. 21.

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Zitationshilfe
„geschminkt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschminkt>, abgerufen am 30.11.2021.

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