Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschmitzt, adj.

geschmitzt, adj.
part. zu schmitzen (s. d.), bildlich, mit allen ruten geschlagen, schlau, versteckt erfinderisch, jetzt durch verschmitzt (s. d.) verdrängt:
(weibsperson, die) nicht geschmiczt wer noch verslagen.
Hans Folz bei Haupt 8, 516, v. 210;
ein verbrent kind, naszer knab, geschmitzter gsel, abgefürter würfel. S. Frank sprichw. 2, 99ᵃ; da wirt dann die armuͦt beredt, thetig, geschmitzt, als die alles erfarn und auszrichten musz. 1, 160ᵃ;
also gar gschmitzt, sinnig und spitzig
war auffs gelt, und so eigennützig.
B. Waldis Es. 4, 100, 15;
die waren geschmitzt und kauften im das (landgebiet) umb ain gering gelt ab. Zimm. chr. 2, 334, 12; der ain geschmitzter kriegsman war. 1, 364, 26; ein geschmitzter hofmann. glück- und liebeskampf Q 4ᵇ; dasz es ein geschmitzter vogel und listiger kopf were. wiszbad. wisenbrünl. 2, 136.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3945, Z. 70.

schmitzen, verb.

schmitzen, verb.
schlagen, streichen, bestreichen, beschmieren, beflecken. intensivbildung zu schmeiszen (s. dieses); mhd. smitzen mhd. wb. 2, 2, 433ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1016; ahd. bismizzen, beschmieren, bestreichen, beflecken Graff 6, 837; in gleicher bedeutung ags. smittian, mnl. smitten, smetten, beflecken (Oudemans 6, 366), neunld. smetten; mnd. smitten, beschmutzen, flecken Schiller-Lübben 4, 264ᵇ; ebenso neund. smetten ten Doornkaat Koolman 3, 229ᵃ, aus dem nd. stammen wol dän. smitte, anstecken, beschmutzen, beflecken, abfärben, schwed. smitta. nahe berührung in bildung und bedeutung zeigen hochd. schmutz, schmutzen. mhd. smutzen bedeutet auch schlagen, vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 1020. Maaler 358ᶜ verzeichnet smützen in der bedeutung perstringere aliquem, die sonst mit schmitzen verbunden wird. ebenso in anderen alemannischen quellen (vgl. auch schmitzer 1): da hat er das betbuͦch vor ungedult wider die erd geschmützt. Franck chron. (1531) 314ᵃ; aber du Sanherib, wän hast du geschmützt oder geschmächt. Züricher bibel Jes. 37;
wann er hat gold und gelt genuͦg,
der wirtz dapffer auszher schmützen.
Gengenbach 21, 355;
gleiche aussprache bezeugt Bühler Davos 1, 126. 141. zweifelhaft ist, ob folgender beleg aus md. gebiete hierher oder zu schmutzen, mit schmutz bewerfen, gehört:
im rücken
schmützen und von fornen schmücken.
Logau 1, 184, 74.
schmitzen ist der neuhd. entwickelten schriftsprache nicht vertraut, wenn es auch gelegentlich in characteristischer wendung gebraucht wird. schon Steinbach 2, 467 bezeichnet es als landschaftlich, ebenso Adelung. dagegen wird das wort, wie aus den unten gegebenen belegen ersichtlich ist, noch in der schriftsprache des 16. jh. auszerordentlich oft gebraucht, unter anderen verwendet es H. Sachs sehr oft. die bedeutung des schlagens, werfens ist dem niederd. gebiete fremd, vereinzelt sind stellen wie die folgende:
dar ik ene moghe besmytten
mit myme vresliken swerde.
Redent. ostersp. 156.
diese anwendung ist mehr auf md. und hochd. gebiete heimisch. umgekehrt tritt hier die bedeutung beschmieren, beflecken zurück. während das verb. schmitzen in der entwickelten nhd. schriftsprache ungebräuchlich wurde, ist das part. verschmitzt in adjectivischem sinne übernommen (s. verschmitzt und das auf gleicher bedeutungsentwicklung beruhende verschlagen). eine ähnliche vorstellung liegt zu grunde, wenn sich schmitzen den sinn von 'sich zur klugheit durch üble erfahrung erziehen' aufweist:
der narr kem doch sonst nicht zur witz,
ehe denn er sich am schaden schmitz.
Rollenhagen froschm. (1595) Ji 4ᵇ;
geschmitzt auf etwas, vorbereitet, zur wehr geschult: das du allzeit uff jn geschmitzt und gerüst seiest, daʒ er dich nit übereil und in deinem vortheyl angreiff. Franck kriegbüchl. des friedes 155ᵃ. im tirol. bedeutet geschmitzt schnell, flink, gewandt: a g'schmîtzt's bürschl. Schöpf 632.
1)
schlagen, heftig bewegen, werfen u. ähnl. schmitzen, allidere, cum impetu projicere, torquere verbera et arma, ejaculari, plagis perjicere Stieler 1875.
a)
schlagen, treffen, im eigentlichen sinne: smytzen, cedere, verberare. voc. von 1482 bei Lexer mhd. handwb. 2, 1016; etwas entzwey-, zerschmitzen Stieler a. a. o. in neuerer sprache, soweit es überhaupt üblich ist, mit der beschränkung, dasz ein schlagen mit einem biegsamen, geschmeidigen, zurückschnellenden werkzeuge (vgl. schmitz und schmitze) gemeint ist: einen mit der gerte, das pferd mit der peitsche schmitzen. Campe; mit der peitsche schmitzen. Schm. 2, 561, vergl. cimbr. wb. 233ᵃ. Bühler Davos 1, 126. Bernd 268; thür. schmetzen Regel 262. Hertel Salzung. wb. 41; schles. schmitzen Weinhold 86ᵃ. Liesenberg 197; eine belustigung der knaben ist, sich gegenseitig auf die finger zu schmitzen, wobei einer mit zeige- und mittelfinger auf die flach hingereichten gleichen finger eines andern schlägt Frischbier 2, 299ᵃ; einen schmitzen, ihn schlagen, besonders mit der ruthe, einen züchtigen, vgl. Schm. 2, 561. ohne object:
und schmitzen mit iren geiseln riemen,
das mancher umb ein aug mocht kemen.
fastn. sp. 381, 25;
von einer ausschlagenden kuh:
und als wir straichten pei der kuo,
schmitzt si mit paiden fueszen zuo.
fastn. sp. 335, 4.
mit angabe der stelle, wohin der schlag trifft:
ee ich dich werd in das antlutz smitzen.
fastn. sp. 49, 17;
dennoch wolt ich in in sein prottaschen (maul, th. 2, sp. 406) smitzen.
76, 27;
doch strigelt mancher offt so ruch,
das jnn der hengst schmytzt jn den buch.
Brant 100, 26.
auch von einem schlage, der mit einem schneidenden werkzeuge ausgeführt wird:
du must nicht mit der schneid drein schmiczen,
mit messern hawen oder stechen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 148, 334 neudruck;
daher so viel als ritzen:
und dut ir ein loch in den wolffspelz schmitzen.
meisterl. fol. 23, nr. 249,
oder verwunden (von einem streifschusse):
durch sein rechten hüff ging der ain (pfeil),
mit dem andern wart er geschmiczt,
doch nür sein rechter arm verriczt.
Beheim buch von den Wienern 177, 25.
b)
werfen im eigentlichen sinne: zu boden schmitzen Schöpf 632, vgl. cimbr. wb. 233ᵃ. übergang von der bedeutung schlagen her zeigen stellen wie die folgende:
das geschach nahet bei der kue,
die schmitzt mit baiden füszen zuo,
schmitzet uns den kubel an den kopf.
fastn. sp. 274, 12.
etwas auf die erde schmitzen Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 612ᵇ, vgl. Schm. 2, 561; hinschmitzen für hinschmeiszen, projicere Frisch 2, 209ᶜ; weil das rosz .. sie sonst uff den ars setzt und boden schmitzt (ein wider den, zu o. ähnl. ist wol aus versehen ausgelassen). Franck sprichw. 1, 159ᵇ; schmitzt allhand ein goltgülden oder fünff auff den tisch. Kirchhof wendunm. 1, 234 Österley; wolt er in die milch ins angesicht schmitzen. 241; erwüschete jener ein zimlich weinglasz, schmitzt es diesem ins visier. 265; schmitzet er sie dorthin, unnd gab jhr einen backenstreich. buch der liebe 208ᵈ; indem so schmitzet der windt das dach vom hause. Rivander exempelb. 2, 147ᵇ;
sam der ain frosch het auf geschlizt
und in wider den poden schmitzt.
H. Sachs fastn. sp. 2, 83, 38 neudruck;
wil gleych die kesz in korb nein schmitzen.
3, 90, 125;
er schmiczt den haffen an die went.
fab. u. schwänke 1, 509, 46 neudruck;
in eil
thut er mit seinem donnerpfeil
sie all zu boden schmitzen.
Opel - Cohn 163, 50.
mit etwas schmitzen, unter angabe des zieles:
wan sie würft oft mit heffen nach mir,
so schmiz ich den mit dellern zu ir.
H. Sachs fastn. sp. 1, 156, 278 neudruck;
so wüerff ich den mit delern zu ir,
so schmitzt sie den mit heffn zu mir.
fab. u. schwänke 1, 550, 134 neudruck.
c)
freiere anwendung, übertragung, besonderheiten.
α)
niederwerfen, schlagen, züchtigen in weiterem sinne (vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 1016):
ein könig der gerechtickeyt
von nu ann bisz in ewigkeyt,
die gottloszen wirdt er schmitzen.
M. Vehe 102.
sich schmitzen, sich strafen, sich in ungelegenheit bringen:
denn gschichts, das er sich selber schmitzt,
und bey dem stul darnider sitzt.
B. Waldis Esop. 3, 93, 233 Kurz.
anders, sich peinigen, quälen: darumb hat sich S. Augustin wunder sehr bemühet und geschmitzt. Luther tischr. 376ᵃ; mit drücken verbunden: das jr euch nütze machen wollet, und uns damit so schmitzen, und drücken. schriften 5, 90ᵃ.
β)
zusammen schmitzen, zusammen schlagen, so dasz es haftet, endgültig zusammenfügen:
den pfarrer aber hol der Fritz,
dasz ers vollend zusammen schmitz.
H. Sachs fastn. sp. 3, 118, 146 neudruck.
γ)
in besonderer anwendung, ein schnelles zückendes bewegen bezeichnend:
das zünglin gan sy im spitzen,
in den mund schmitzen.
O. v. Wolkenstein 29, 2, 32.
heimliches bewegen:
vorab wann sie im zechen sitzen,
thuͦ ich mich haimlich zu in schmitzen.
Montanus Fulvius u. Gisippus E 2.
δ)
die bedeutung werfen geht in die von schieszen über:
ich wurd mit pöltzen zu im schmitzen
in schiszen fur ein aglaster.
fastn. sp. 1275;
(ich) schmicz in in (in ihn) ein fiderling (pfeil, bolzen)
das sein sel muͤs im gras umb hüepfn.
H. Sachs fastn. sp. 7, 9, 238 neudruck.
ε)
intransitiv, in heftiger bewegung niederfahren, hinfallen:
da ward ein donner und ein plitzen,
das fewer thet auff erden schmitzen.
H. Sachs 2 (1591), 1, 2ᵈ;
da sich der himel umb und umb
umbzug mit wolcken ungestümb,
darausz mit donner und mit plitzen
ein ungewitter thet her schmitzen.
5, 383ᵃ.
hinschmitzen, hinschlagen, hinfallen als oberd. bei Adelung. schmitzen, intrans. im sinne von schnellen: ein lautenschläger zersprenget eine quint saite, die schmitzte Clausen in das angesicht. Claus narr (1602) 308.
ζ)
ganz besonders häufig ist schmitzen in älterer sprache in dem sinne von: verletzend treffen, schmähen, verleumden u. ähnl.; liegt hier der begriff des schlagens zu grunde, so kann von der bedeutung beflecken aus (s. unten 2, f) sich eine ähnliche anwendung entwickeln; daher ist nicht überall zu entscheiden, welche sinnliche anschauung zu grunde liegt: schmitzen, iacere dicta in aliquem, mordere, cavillari Dasyp.; schmützen, einem sein hertz verseeren unnd verwunden, perstringere aliquem; du schmützest yedermann, dicteria dicis in omnes; einen schmützen, verspotten; einen an der gemeind schmützen, unnd mit nammen härfür ziehen und beschreyen, compellare in concione Maaler 358ᶜ; schmitzen, schänden Ulneri phrases (1589) 362; schmitzen ... falsum crimen, quasi venenatum aliquod telum, in aliquem jacere Stieler 1875;
so swyget alle! ich sal en smytzen
mit worden.
Karlmeinet 211, 26;
dasz er den frommen biderleut
gefallen möcht zu jederzeit,
und gar nit viel leut zu verletzen
oder zu schmitzen ihm fürsetzen.
Frischlin Susanna 228;
wenn man dich schmitzet mit eynem schmochwort, oder dich stroffet umb din gebresten. Keisersberg bilgersch. 59ᵃ; da wolten sie den herren damit verteidigen und schmitzen, und unwert machen gegen dem volck. evang. (1522) 57ᶜ; den Deutschen übel nachzureden oder sie zu schmitzen. Zimm. chron.² 3, 350, 7; das sie ein wenig danckbar sich erzeigt, und uns in solchem artikel gelobet hetten, und nicht also mit blinden worten geschmitzt. Luther 5, 294ᵇ; ich will schweigen, wie e. k. f. g. damit geschmitzt und gepreckelt werden. briefe 4, 240; fluchte und donnerte, schmitzte und schmähete. ehe eines mannes 251. an anderen stellen ist es zweifelhaft, ob die vorstellung des treffens, verletzens oder die des befleckens zu grunde liegt: so wolten si darumb an irem eide und eren nit gesmitzet sin. Grimm weisth. 5, 617; vgl. Lexer mhd. handwörterb. 2, 1016; also schmitzest du uns an unser eer. Keisersberg post. 2, 22ᵇ.
η)
das mit dem schlage verbundene geräusch wird in den bereich der bedeutung gezogen, so heiszt es: thüren oder fenster zuschmitzen. Spiesz 220. Hertel Salzunger wb. 41. bei H. Sachs begegnet anschmitzen im sinne von an die thür klopfen:
schaw wer thut an der thür an schmitzen.
3 (1561), 3, 39ᶜ.
mit der peitsche knallen Frischbier 2, 299ᵃ, s. schmitze 4.
θ)
schlagen in verengter bedeutung: in Kärnten werden die bereits ausgeschlagenen getreidegarben noch mit dem schmitzer, einem keulenartigen werkzeuge geschmitzt Lexer 222.
ι)
wie schmeiszen (s. dieses 5, c sp. 1008) von schnellem, eiligem gange: do saumet er sich nit und schmitzet darvon und redet mit ihm selbst. A. v. Eyb d. schriften 2, 101 Herrmann;
ich dörfft wol einmals darvon schmitzen,
mein weib und kinder lassen sitzen.
H. Sachs fastn. sp. 3, 22, 215 neudruck;
so nimb dein gwentlich! schmitz darvon.
132, 232;
wil eilendt auff den grama sitzen
und in das paradeisz nein schmitzen.
14, 80, 27 Keller - Götze.
weitere belege bei Schm. 2, 561; landschaftlich noch gebräuchlich in oberd. gebieten: i pin gesmitzet ka Felie, bin nach Velo geeilt. cimbr. wb. 233ᵇ; g'schmitzt, adv., schnell, im nu Schöpf 632. vgl. auch schmitz 3.
2)
beschmieren, bestreichen, beflecken u. ähnl.; diese bedeutung tritt besonders im nd. hervor, während die anwendung im sinne von schlagen mehr hochd. ist. doch vgl. ahd. pismizzit, delibutus, pismizzida, maculae Graff 6, 837; vgl. oben beschmitzen theil 1, sp. 1585.
a)
in allgemeiner anwendung: maculare, besölen vel smyczen Dief. 342ᵃ; sich an etwas schmitzen, sich schmitzen im gesicht, sich die hände schmitzen; ich hab mich an die nase geschmitzt; ruszige kessel und pfannen schmitzen, machen ruszig, schmierig; redensart: die huren seynd wie kohlen; brennen sie nicht, so schmitzen sie doch. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 612ᶜ; sich die hände schmitzen (mit tinte, rusz) Adelung; vgl. Kehrein 357; sich am rocke schmitzen; jemanden einen bart schmitzen (mit rusz) Schmidt 197; nld. smetten, besmetten, maculare, inquinare Kilian; ebenso mnd. smitten: de by dem peke gheid, de werd dar af ghesmyttet. Schiller-Lübben 4, 265ᵃ; he hett sick smittet int gesicht. Richey 268; wer nich by de panne kumt, de smitt sick nich. Strodtmann 218; vgl. brem. wb. 4, 867. Schütze 4, 130. Frommanns zeitschr. 6, 480 (Lippe).
b)
sich absichtlich beschmieren, sich schminken:
mynschen, de syk sulven vorschapen,
de ere antlat maken unde smytten.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 265ᵃ.
c)
übertragen auf krankheiten: de krankheit smetd, eigentlich: sie befleckt, d. h. sie steckt an ten Doornkaat Koolman 3, 229ᵃ. vgl. smettelicke sieckte, morbus contagiosus Kilian; neunld. smetstof, ansteckungsstoff, dän. smitte, schwed. smitta anstecken; engl. smittle in gleicher bedeutung.
d)
in eigenthümlicher wendung: alle ampte smytten (bringen nebengewinn), quodlibet officium lucri pinguedine crassum. quelle bei Schiller-Lübben 4, 261ᵇ; ob die in der lateinischen erklärung hervortretende wendung auch der deutschen wendung ursprünglich zu grunde liegt, ist zweifelhaft; hochd. flecken, von statten gehen, ist jedenfalls nicht zu vergleichen (theil 3, sp. 1744); s. auch klecken theil 5, sp. 1056.
e)
färben, besonders schwarz färben: schmitzen, noicir, annegrire Hulsius dict. (1616) 286ᵃ; schuhe schmitzen, felle schmitzen, ein par schwarz lederne hosen von neuen schmitzen lassen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 612ᶜ; vgl. Steinbach 2, 467; schmitzen, schwarz machen, mit schwarzer und anderer farbe bestreichen; leder-, fellschmitzer. Frisch 2, 209ᶜ; schmitzen heiszt bei den handschuhmachern das leder so färben, dasz es wie sammet aussieht Jacobsson 7, 255ᵃ; felle, hosen schmitzen; der fellschmitzer, schwarzfärber Schm. 2, 561; doch auch von anderer färbung: von einem kalbfell licht zu schmitzen; von einer bockshaut grün zu schmitzen. quelle von 1644 a. a. o. vgl. auch Schöpf 632. Colerus öcon. (1680) 684. nach Weinhold 86ᵃ nennt man buntgeflammtes gewebe in Schlesien geschmitztes zeug; die bunten stellen sind hier strichartig angeordnet (s. unten h und schmitze 5, b).
f)
schwärzen, färben in übertragenem sinne: das heiszet nicht rein und lauter den glauben gelert, sondern den glauben geferbet, geschmitzt, und gefälschet. Luther 6, 41ᵃ; anschmitzen, propr. allidere, deinde denigrare, et imputare; beschmitzen, contaminare, culpam in aliquem conferre Stieler 1875; eines seinen guten namen schmitzen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 612ᶜ. vielleicht gehört hierher die zu anfang aus Logau angeführte stelle; sowol in anschmitzen (s. theil 1, sp. 446) wie beschmitzen (sp. 1585) ist die bedeutung des werfens, schleuderns (s. oben 1, b) wirksam. vgl. Pfister 259 unter schmitzlich.
g)
wie schmeiszen 4, a (sp. 1006) mit beziehung auf den kotauswurf:
ich wil euch hie der muecken weren,
das die fliegen nit auf euch sizen,
eur zart angsicht euch zw schmizen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 74, 128 neudruck.
h)
striche machen mit tinte, kreide u. s. w. (s. oben schmitz 7, schmitze 5, b): cretatus, creta infectus, mit kreiden gezeichnet oder geschmitzt. Alberus; kein wirth ist, er schieret die gäst, oder schmitzet mit doppeler kreyden. Lehmann 2, 179 (anschmitzer, caupo iniquus, qui nimia mansionis pretia postulat Stieler 1876); vgl. Kehrein 1, 357. Schmidt 197; an letzterer stelle wird ein eigenthümlicher gebrauch beschrieben: 'insbesondere bey der gemeinde schmitzen, um dadurch den thäter eines frevels zu erfahren. es wird, im gemeinen leben, höher wie ein handgelöbnisz, und fast so hoch wie ein eidschwur gehalten. wer nicht schmitzt, oder schmitzen will, der gibt sich dadurch für schuldig an'. vläm. smetten, eine linie ziehen; anstreicher benutzen eine mit kreide oder ähnl. bestrichene leine, sie wird an den beiden enden gespannt, in der mitte zurückgezogen und gegen die fläche geschnellt, auf der der strich gezogen werden soll. Schuermans vlaamsch idiot. 631ᵇ; vgl. engl. smitt, röthel.
i)
wie schmieren in verächtlichem sinne auf das schreiben übertragen: die, welch eitel hümpelwerck auff dʒ papir schmitzen, schmiren und besudlen. Franck morie encomion 42ᵇ.
k)
nd. smitten wird in gleichem sinne gebraucht wie schlichten (s. dieses 9, a sp. 672); die weber smitten die kettenfäden mit einer kleisterartigen masse, ehe sie weben (s. schmitze 5, a). Schiller - Lübben 4, 265ᵃ. Strodtmann 217. brem. wb. 4, 866; in hochd. form bei Adelung (unter schmitzen II, 1).
l)
bei den buchdruckern: einen unreinen, schmutzigen abdruck liefern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1100, Z. 16.

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„geschmitzt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschmitzt>, abgerufen am 06.12.2021.

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