Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

geschmucht, adv.

geschmucht, adv.,
auch geschmuch, geschmuchtig, nebenform zu geschmacht, geschmachtig, kraftlos, ohnmächtig, schweiz. Stalder 2, 333, vgl. schwäb. schmuchtig, schmächtig Schmid 472: es wurde mir fast gschmuecht. Gotthelf schuldenb. 286. geld u. geist 35. 281. dazu das unpers. zeitwort geschmuchten, ohnmächtig werden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3946, Z. 30.

schmauchen, verb.

schmauchen, verb.
schmauch von sich geben, nd. holländ. smoken, ein unbezeugtes ahd. *smouhhên voraussetzend. vgl. rauchen oben theil 9, 242 und über weitere etymologische bezüge schmauch, fumus. durch vermischung mit dem folgenden auch schmäuchen, nd. smöken (s. unten 3), md. schmôchen (ebenda). gleichen sinn hat die nd. weiterbildung smökern Danneil 198ᵃ.
1)
dichten rauch von sich geben, wie er meist in folge mangelhafter verbrennung entsteht, und allgemeiner fumum emittere Frisch 2, 205ᶜ: die kohlen schmauchen, wenn sie ohne flammenfeuer einen unangenehmen dicken rauch von sich geben. Adelung; nasses holz schmaucht. ebenda; nd. de torf ligt un smoket. brem. wb. 4, 868;
die erhitzte wetterflamme
die dich Gurgistan verzehrt,
die dich mit laub, ast und stamme
in umschwermend aschen kehrt,
wil sich, leider! noch nicht legen
ob gleich alles kracht und schmaucht!
A. Gryphius (1698) 1, 120.
von rauch entwickelnden kerzen, im bilde: Luther that mit seinem herzen die tiefe frage nach der ewigen seligkeit, vor welche sich schmauchende kirchenkerzen gestellt hatten, die von meszgewändern und weihrauchwolken verhüllt war. Immermann 4, 151 Boxberger. freier, von einer trübe, matt brennenden lampe:
du alte rolle, du wirst angeraucht,
so lang an diesem pult die trübe lampe schmauchte.
Göthe 12, 42.
auch von leitungen, durch die das feuer geht, z. b. von einem ofen, nd. smoken Schambach 198ᵇ.
2)
schmauchähnlichen dunst entwickeln:
des starken gauls beschäumter zaum,
das schlagen seines bauchs, sein schnelles athem-ziehn,
sein schmauchender beschwitzter rücken ...
bezeugten, dasz sein reuter ihn
auf der mit schnee bedeckten strassen
nicht lange ruhen lassen.
Brockes bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 125;
sie sah, wie hier ein feld von frischem blute schmaucht.
J. E. Schlegel 4, 46.
3)
auf das tabakrauchen bezogen, zur bezeichnung starken, qualmenden rauchens Campe. Albrecht 203ᵇ (schmauchen, schmôchen), mit dem nebensinn des behaglichen Frischbier 2, 295ᵃ (so meistens heute) und in allgemeiner bedeutung von 'rauchen'. nd. smôken Danneil 198ᵃ, häufiger smöken, hochd. nur in älteren quellen mit umlaut: toback schmauchen, nicotianae aridae fumum per arundinem haurire, vulgo tabacum fumare Stieler 1867. Frisch 2, 205ᶜ. Adelung ('im gemeinen leben einzelner gegenden'), nd. tobak smöken brem. wb. 4, 868: dasz er toback schmäucht, spielet, läuft gerne herum, trägt lügen aus und bringt sie wieder heim. wohlgeplagter priester (1691) 129; den Teutschen aber ist es frey gelassen, toback zu schmeuchen und unter sich zu verkauffen. Olearius pers. reise 137ᵃ; ich habe meinen mann noch einmal so lieb, dasz er keinen taback schmauchet. Ettner med. maulaffe (1694) 68; da wollen wir noch einen recht herrenmäszigen soff thun, und dazu tobak schmauchen, dasz meine kleine hütte, wie nasses stroh von der sonne, rauchen soll. Weisze kom. opern 2 (1768), 157; ich war daher genöthigt aufzustehen, das wirthshaus aufzusuchen, und mich in tabak schmauchender, glühwein schlürfender gesellschaft, so gut als möglich zu trocknen. Göthe 30, 188. eine pfeife: eine pfeife nach der andern schmauchen. Campe; smöken se doch en pîp! Schütze 4, 131; he smôkt sin pîp tobak. ten Doornkaat Koolman 3, 231ᵃ; sein pfeifchen schmauchen, schmöken. Frischbier 2, 295ᵃ;
(Zeus) schmauchte frisch und munter
sein pfeifchen knaster runter.
Bürger 21ᵇ;
mit ethischem dativ: he smökt sik sine pipe tabak. Schütze 4, 131. der verzückte liebhaber wünscht:
schmauchten mich nur ihre lippen
als ein paffchen krolltoback!
Hölty 207, 21 Halm.
mit accusativ der wirkung:
er (Blücher) streichelte sein rosz und sprach französisch
und schmauchte wolken, dicker als der nebel,
so vor sich hin parlirend, in die lüfte.
Immermann 14, 254 Boxberger.
mit partitivem genitiv:
der fuhrmann schmauchte schlechten tabaks.
Lenau 1, 378 Koch.
absolut: den toback lieben sie (die Perser) auch über alle masse, man siehet jegliche standes-persohn hin und wieder, auch allerdings in den kirchen sitzen und schmäuchen. Olearius pers. reise 314ᵃ; er .. ging schmauchend neben dem wagen her. Arnim 1, 288; nd. he hett dat smöken nig leert. Schütze 4, 131;
drum trink und schmauche, wer nur kann.
Weisze kom. opern 2 (1768), 217;
auch kam dazu, dasz viele Musen schmauchten.
Platen 295ᵃ:
mit beiwörtern: als sie nun hinausz sahen, wurden sie etliche kerlen gewahr, welche tabackpfeiffen im munde hatten, und so abscheulich schmauchten, als wenn sie die sonne am firmament verfinstern wolten. Weise erzn. 157 neudruck;
er (Blücher) trabte munter,
vergnüglich schmauchend, nach der Katzbach zu.
Immermann 14, 254 Boxberger.
absolut oder transitiv:
wer dich (tabak) gar nicht brauchet,
und (dich?) nicht stündlich schmauchet,
ist des mauls nicht wehrt.
Günther 918.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 953, Z. 1.

schmauchen, schmäuchen, verb.

schmauchen, schmäuchen, verb.
schmauch machen, dem schmauch aussetzen, damit behandeln, nd. smoken, smöken, eine von der vorigen verschiedene bildung mit -ja, vgl. rauchen, räuchen oben theil 8, 245. schmeuchen, fumo suffocare, perdere, igne ad palum leviter torrere Stieler 1253, schmäuchen Adelung, in älteren quellen auch schmeichen, schmaichen geschrieben (vgl. 2, b). md. schmöchen (vgl. 2, b), mischform von hd. und nd. schmöken (vgl. 1).
1)
intransitiv, als zauberisches heilmittel: dasz die Petersche dahin gekommen und mit kraut geschmöcket, da sey es (das viehsterben) stracks aufgehöret. quelle von 1623 bei Frischbier 2, 295ᵃ.
2)
transitiv, besonders in folgenden gebrauchsarten:
a)
fleisch, schmäuchen, räuchern Frisch 2, 205ᶜ. Adelung (landschaftlich). auch freier oberd. fleisch (in einem topfe) schmäuchen, es dämpfen. ebenda, schmoren Campe. ähnlich: wenn unter den cannibalen ein grosser herr stirbt, legen sie den cörper auff einen wagen und schüren ein lindes feuer darunter, und schmäuchen ihn so lange, bisz der safft heraus getröpffelt, und nichts als verschrumpffene haut und knochen mehr übrig. Wiedemann gefangensch. jan. 44.
b)
einen zu tode schmäuchen Adelung, tot schmäuchen, auch blosz schmäuchen, schmöken, fumo necare Schottel 1403, schmöchen, nd. smoken: de vifte knecht wart doet gesmoeket. quelle von 1480 bei Schiller - Lübben 4, 265ᵇ; die ehebrecher haben sie (die Sachsen) uber das fewr gehenckt, gebraten und geschmeucht. Menius chronica Carionis (1562) 270ᵃ; und kan sich rösten, schmeichen, sengen und braten, poltern und foltern, schenden und lestern lassen. Mathesius histor. Christi (1579) 2, 38ᵃ; aber weil man solche betrieger und herumrücker nicht an der sonnen schmeicht, so wird sie der teufel im hellischen feuer braten. Syrach (1586) 2, 27ᵇ; denn muthwillige gottlose bettler geben gerne cupler, verrehter, mordbrenner, meuchelmörder, wie denn anno 1540 solcher viel geschmeicht worden. 3, 30ᵃ; wenn man die zeuberhuren schmeucht und verbrennet. Gabr. Rollenhagen ind. reisen 89; (ihr) habt verdient, dasz man euch senge und brenne, röste und räuchere, schmaiche und erstecke, siede und brate. eselkönig 404; denjenigen böse-wicht, welcher anno 1648 die schöne stadt Lignitz vorsetzlich in brand setzte, übergab er gleichfalls der justiz, nach derer urtheil .. er auffs längste gantz unerhörter massen vor der stadt Lignitz geschmäuchet wurde. Lucae Schlesiens denkwürdigk. (1689) 1317; derhalben er mit dem feuer geschmäucht und hingerichtet worden. wolgeplagt. priester (1691) 107; sonsten aber hat die grausame verfolgung der christen in Japan von anno 1613 an bisz itzo gewehret, und sind viel tausend christen geschmäucht und langsam verbrandt worden. Wiedemann gefangenschaft februar 82; der missethäter wurde geschmäuchet, maleficus fumo puniebatur Steinbach 2, 459;
wen man auff erd, die menschen kind
spiest, rädert, brent, schmeucht oder schindt,
so werden sie im letzten stos,
ja eins derselben marter los.
Ringwald tr. Eckart K 3ᵃ;
und wann ich, wie du dann verdientest wol rechtschaffen,
dich möchte sehen noch einst mit dem tode straffen,
gevierthelt und verbrennt, gehencket, und geschmöcht,
verräther, schlimmer schelm, undanckbar, ungerecht.
D. v. d. Werder Ariost 10, 41, 7;
jetzt schmäucht man keine hexen mehr.
Lichtwer (1828) 127 (fabeln buch 4, nr. 7).
c)
anders mnd. enen smoken, zu heilzwecken beräuchern: nym den peddek, de in dem horne (des hirsches) is unde smoke den mynschen, de dar blod, .. zo entsteyt dat blot tohant. quelle bei Schiller-Lübben 4, 265ᵇ.
d)
bienen schmäuchen, sie durch schmauch aus dem stocke vertreiben Adelung, leviter fumigare apes easdemque fumo fugare Frisch 2, 205ᶜ, bienen schmauchen, apes fumigare Stieler 1867, schmöchen: da musz man si (die bienen) auch mit dem rauchen hinauf schmöchen oder treiben. Colerus hausbuch (1640) 415. ähnlich einen fuchs aus seinem loche schmäuchen, durch rauch daraus vertreiben Adelung.
e)
in technischer sprache bezeichnet schmauchen das austrocknen von thonwaaren vor dem brande unter anwendung eines gelinden feuers (schmauchfeuers). Karmarsch-Heeren⁴ 7, 720.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 954, Z. 19.

schmauchen, verb.

schmauchen, verb.
heimlich, heimtückisch verfahren, wahrscheinlich nahe verwandt mit maucheln, meucheln, s. dieses oben theil 6, 2161 und schmuggeln, s. dieses unten: malitiose simulare, abdite insidias struere, inopinato opprimere Stieler 1253 (wo anknüpfung an schmauchen 'rauchen' versucht wird): was da schmauchende und heimische leute sind. Mathesius Syrach 1, 122ᵇ. vom wesen des fuchses: der fuchs sol vom schmauchen, der storch von seiner trew, lieb und wolthat, so er seinen alten eltern beweiset, der rabe von seiner reuberischen und wüsten art, das weib von jrer barmhertzigkeit und sehnlicher lieb, jren namen bekommen haben. Mathesius Sar. (1571) 42ᵃ; schleichen herein, tückisch wie ein schmauchender fuchs, sehen keinen recht an. Syrach 1, 122ᵃ. wie hier im vergleich, so auch sonst auf heimtückisches, scheues aussehen und weiter auf mürrisches bezogen: torvum videre, frontem contrahere, vultuosum esse. Stieler 1868; er geht da und schmaucht, limis omnes intuetur oculis 1253. Kramer deutsch - ital. diction. 2 (1702), 597ᶜ. das wort ist in neuerer sprache auf die mundarten beschränkt. Campe führt es als landschaftlich im sinne von 'maulen' und 'heimlich halten, unterdrücken' an. an den begriff des 'unterdrückens' erinnert thüringisch schmauchen, zu boden schlagen (heimtückisch?) Kleemann 19ᵇ, und allgemeiner 'prügeln' Jecht 97ᵃ. Stalder 2, 201 verzeichnet schmauchen, verschmauchen und daneben (wol intensiva) schmäucken, verschmäucken, verbergen, verheimlichen, heimlich nehmen oder geben, besonders von eszwaaren. in letzterer bedeutung als 'heimlich zustecken' begegnet im früheren nhd. schmöchen, das vielleicht als eine nebenform angesehen werden darf, vgl. schmochen, schmöchen neben schmauchen, schmäuchen, fumare: die schwester bericht jn aller dingen, und im schwetzen schmöcht sie jm immerdar die fleschen, auff das sy jn möcht frölich machen. Wickram rollwagenb. 131, 15 Kurz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 955, Z. 13.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
geschlag gesellschaftsblick
Zitationshilfe
„geschmucht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschmucht>, abgerufen am 29.11.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)