Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschnarre, geschnärre, n.

geschnarre, geschnärre, n.
1)
verbalsubstantiv zu schnarren (s. d.): geschnarre, stridor, susurrus Steinbach 2, 473; von musikwerkzeugen:
busûne grôʒ gesnerre, tambûr und rotubumbes.
j. Titurel 4017, 1;
das geschnarr (einer leyr). Simpl. 2, 96;
ich höre was von instrumenten tönen!
verflucht geschnarr!
Göthe 12, 212 (Faust 4051 Weim.);
in die saiten greift er bebend ..
ach! wie katzenjammer quält mich
sein geschnarr und quinquiliren.
H. Heine buch der lieder 244;
vom schnarrenden vogelgesang: der gesang (des ziemers, der schnarre), welcher nur ein kurz abschnappendes geschnarre vorstellet. Frommann mundarten 7, 93 (von 1768); ihr nächtliche durch einander verwickelt geschnerr (sagt der pfau verächtlich vom gesang der nachtigall). Kirchhof wendunm. 3, 249 Österley; das knarren der thür:
wie die thüre mit geschnarr
in ihren angeln zuckt und kämpft.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 302.
2)
geschwätz, verbalsubst. zu mhd. sneren, gesneren, schwatzen, plappern:
ir manger rümet sich groʒʒer dinge ..
waʒ sol sogetan valsch gesner?
Renner 21159;
ei, was sol das unnütz geschnerr!
H. Sachs 4, 3, 21ᶜ.
3)
schles. das geschnarre, geschnerre, verwickelte fäden oder stricke Weinhold 87ᵃ, ahd. snarahha, tendicula, laqueus, im ablaut snuor, goth. snôrjô, schnur, strick, altn. snara, laqueus, ahd. snare, fidis, bei Stieler 1887 schnarre, schnär, corda, nervus major, ferner ahd. insnarahan, innecti, kisnirhan, connectere, pisnorhhan, pisnirchan inlaqueare, complecti. die zu grunde liegende bedeutung ist vielleicht 'darm', da die getrockneten gedärme nicht nur als saiten, sondern in der urzeit auch als stricke verwendet wurden, s. garn III, 3, b sp. 1369. durch übertragung von den unteren auf die oberen eingeweide würde sich dann die folgende bedeutung (4) erklären. möglicherweise gehört hierher auch das von Vilmar zu geschnurr gezogene geschnörr, geschnörch, geschnerch, geringe unbedeutende sachen sp. 3953.
4)
die eszbaren eingeweide des federviehs, besonders der gans, nebst hals, flügeln und füszen, schles. geschnarre, geschnerre Weinhold 87ᵃ, in Ostpreuszen geschnarre Hennig 84, geschnörr, geschnerr, geschnirr Frischbier 1, 230ᵃ, henneb. geschnärr Spiesz 77, in Hessen und Ruhla geschnörr Vilmar 364. Regel 192.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3949, Z. 36.

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Zitationshilfe
„geschnärre“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschn%C3%A4rre>, abgerufen am 08.12.2021.

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