Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschenk, n.

geschenk, n.
unverkürzt geschenke (noch bei Gellert, Haller, Wieland, Rückert, s. u.), subst. verb. zu schenken, auch geschänk geschrieben, wie schänken für schenken, s. d. (geschänck Josephus, Frankf. 1569, jüd. krieg 21ᵃ), nebenformen geschank sp. 3834 (kindelbeth-geschanck Mayr epitome 1604 5ᵇ), wie das gleichbedeutende mhd. m. und f. schanc, und geschenkt Aventin. 1, 323, 4 L.; der plur. neben geschenke selten geschenker: ich bedanke mich e. w. geschenker. Luther br. 4, 278 de Wette; im ältern nhd. ist geschenk auch fem., in anlehnung an das mhd. fem. schenke, donum: mit guͦter geschenck. Keisersberg granatapfel 71; die jungfrauw, die ehrliche geschenck (das halsband) mit groszem danck annam. buch d. liebe 234, 1; mnd. mit ener anderen geschenke von golde. Schiller-Lübben 2, 76ᵇ.
1)
sache, die geschenkt wird, freiwillige gabe.
a)
eigentlich: die burgere batin on (den landgrafen), daʒ her zu on in di stat riten wolde unde ir geschenke unde ere nemen wolde. Ködiz h. Ludwig 49, 14; des fürsten geschenck. Luther 5, 474ᵇ; königliche geschencke. Esther 2, 18; geschenck den helden im kampf, premio della giostra Rädlein 363ᵇ; frembder botschaften gheschenck, lautia Junius nomencl. (1583) 228ᵇ; geschenk auf den todesfall, donatio mortis causa, under den lebendigen, inter vivos, geschenk aufs wochenbett, lustricum mnemosynon Stieler 1760; ein geschenke von funfzig ducaten. Gellert (1784) 4, 118; ehrliche geschencke bringen liebnusz und machen guten willen. Mathesius hochzeitpr. 29ᵃ; domherr (den schmuck ansehend). wäre ich ein könig, du solltest sie als ein geschenk überraschen und bald durch kostbarere geschenke wieder verdunkelt werden. Göthe 14, 173 (groszcophta 3, 3); du weist es, wie innig ich dir diesz beste geschenke deiner gnade verdanke. Wieland 33, 15; geschenck geben musz mit einer geschickligkeit geschehen. Lehmann flor. 1, 313, 5;
was kan und soll ich euch zu diesem neuen leben
vor ein geschencke (zur hochzeit) thun?
P. Fleming 157;
um dir ein geschenk zu machen. Freytag werke 13, 132;
alle sie pflückten darein rothschwellende beeren auf nuszlaub,
naschten dabei, und boten geschenk.
Voss Luise 1, 217;
sie bereiten das geschencke zu. 1 Mos. 43, 25; brachten sie jm zu hause das geschencke in ihren henden. 26; als dem groszmächtigen Dario von allen seinen unterthanen geschencke zugetragen ward. Schuppius 402; du solt nicht geschencke nemen, denn geschencke machen die sehenden blind. 2 Mos. 23, 8;
war doch so ehrlos sich nicht zu schämen
geschenke von ihm anzunehmen.
Göthe 12, 187 (Faust 3559 Weim.);
dasz sie noch ein geschenke
von ihm erbitten soll.
Rückert 190.
als mittel der bestechung: mit geschenck stechen, corrumpere muneribus Henisch 1532; als er (Claus) vor einem galgen vorüber ritte, daran kein dieb hienge, sagte er: hie ist der richter arm, nimpt geschencke vor die diebe. Zinkgref apophth. 1, 270; es ist kein thür so hart verschlossen, die nicht durch geschenck köndte geöffnet werden. Henisch 1533; geschenck und gaben verrichten alle ding. Eyring 651. verbunden mit gabe, verehrung: lieber, sag mir, die solchen jegern verehrung und geschenck thun, warum thun sie solches? Cyr. Spangenberg jagteufel (1566) 18ᵃ; das evangelium beut uns an gottes gab und geschenck. Luther 5, 474ᵇ; mit soviel geschenck und gaben beladen. Schuppius 699;
empfange noch ein herzlich lebewohl
und eine frische gabe ...
'ich nehme dein geschenk mit freuden an'.
Göthe 9, 381 (nat. tochter) 5, 9).
gegenübergestellt dem almosen, lohn, erbe, dem was nach recht und gesetz gegeben oder gefordert wird: und Abraham gab alle sein gut Isaac, aber den kindern, die er von den kebsweibern hatte, gab er geschencke. 1 Mos. 25, 6;
das, was der arme giebt dem reichen, heiszt geschenk,
almosen aber, was der reiche giebt dem armen.
Wernikens poet. versuche 11 Bodmer;
er (der beglückte) halte gnädiges geschenk für lohn.
Göthe 9, 155 (Tasso 2, 3);
wo ich bei allen häusern meine prämien für ein geschenke sehen liesz. F. X. Bronner leben 1, 174; geschencke sind gaben an geld und sachen, welche man in der wirtschaft über den lohn nach freier willkür dienern der communen, kindern und gesinde geben sollte und könnte, die aber bei verschiedenen gelegenheiten und zeiten nach einem strengen herkommen gegeben werden müssen und gefordert werden. Zinck öcon. lex. 927; das ist der jarmarckt, kleinot oder das geschencke, das er (gott) zu den tröstlichen worten thut. Luther 4, 258ᵃ. in zahlreichen zusammensetzungen, je nach zweck und gelegenheit, z. b. fest-, ehren-, gast-, hochzeits-, weihnachts-, neujahrs-, geburtstags-, patengeschenk (letzteres auszer der eigentlichen bedeutung auch scherzhaft verhüllend für membrum virile Weinhold schles. wb. 82ᵃ).
b)
bildlich: kinder sind eine gabe des herrn, und leibes frucht ist ein geschenck. ps. 127, 3; ein frohes weib ist ein geschenke des herrn, wie, im gegenstande (gegentheil), ein böses weib eine bestrafung gottes. Butschky Pathm. 273; (das evangelium) ein lauter geschenck von himel gegeben. Luther 5, 459ᵇ;
es ist die schönheit zwar ein himlisches geschenke.
Rist Parnass 346;
sehen wir einen freund als ein kostbares geschenke aus der hand der vorsehung an. Gellert (1839) 7, 158; unsere vernunft ist ein unschätzbares geschenke. 3;
bei allen
geschenken der verschwendrischen natur.
Schiller V, 2, 229 (don Carlos 2, 8);
und jetzt, da ihn (bruder) die heilige natur
dir gab, dir in der wiege schon ihn schenkte,
trittst du, ein frevler an dem eignen blut,
mit stolzer willkühr ihr geschenk mit füszen.
XIV, 29 (braut von Mess. 1, 4);
Aegypten, dieses geschenk des Nilstroms. Kant 9, 9; das Nildelta, eine unerschöpfliche kornkammer, schon von den alten Aegyptern als ein geschenk des flusses betrachtet. Oken 1, 603;
lasz ihr leben, dein (des himmlischen vaters) geschenke,
fruchtbar sein an dank und treu.
Haller 219;
sein (des geliebten) geschenk allein
ist dieses neue leben, das ich lebe.
Schiller XII, 152 (Picc. 3, 8);
von der barmherzigkeit des blinden greises
erhielt er flehend das geschenk des lebens.
XIV, 406 (Tell 5, 1);
zu glücklich noch, das leben als geschenk
von eines feindes groszmuth zu empfangen.
XIII, 464 (Turandot 4, 10);
so musz ich von ihrer groszmuth, herzog,
den könig mir als ein geschenk erbitten.
V, 2, 195 (don Carlos 2, 1).
c)
bei den handwerkern: geschenk, eine beisteuer an geld und herberge, so den wandernden gesellen mancher innungen von den mitgliedern ihrer zunft in jeder stadt gereicht wird Jacobsson 2, 65ᵃ, daher heiszen handwerke, die das geschenk halten (geben), geschenkte handwerke, im gegensatz zu den ungeschenkten. Krünitz 17, 472. Hayme 241; so fändestu gleichwol meister, die dir das geschenck hielten, wann sie dir gleich keine arbeit geben. Simpl. 3, 153, 6 Kurz; willkommen oder das geschenke, bei den papiermachern ein gewisser becher oder kanne, die dem gesellen, der vierzehn tage in arbeit gestanden hat und den meister um arbeit anspricht, zugebracht wird, zum zeichen, dasz er in arbeit bleibt. Jacobsson 8, 204; auf die ceremonien des gesellenmachens folgte der gesellenschmaus, wobei dem neuen gesellen, ehe noch das gebratene auf den tisch kam, das geschenke gehalten, d. h. der willkommen kredenzt ward. weim. jahrb. 4, 296.
2)
im mhd. bedeutete daʒ geschenke auch das eingeschenkte Maszmann ged. d. 12. jahrh., vom glauben 1005, geschinke 930.
3)
zu schenken, säugen: die mutter schenkt ihr kind, gibt ihm das geschenk, säugt es. Schm.² 2, 432.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3853, Z. 21.

geschneck, m.

geschneck, m.
wie der schneck, ostreum, conchylium, meergeschneck Frischlin nomencl. c. 46.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3950, Z. 65.

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Zitationshilfe
„geschneck“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschneck>, abgerufen am 05.12.2021.

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