Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschneckt, part. adj.

geschneckt, part. adj.
1)
gewunden wie ein schneckenhaus: dieser schneck (cochlea celata) wirt mit einem deckel bedeckt, der auch geschnecket ist. Forer Gesners fischbuch 139ᵇ.
2)
behauen, beschnitten, zu schnecken, schneckern, hauen, schnitzeln Schm.: gehe zu Tonheussers teich, ob dem ein acker-lenge, bei der schutzstedte, da ist ein geschneckter baum, darbei findestu eine gruben mit holtz uberlegt, die reume auff, darbei findestu goldfletz. Thurneisser magna alchymia (1583) 1, 125.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3950, Z. 67.

schnacken, schnaken, verb.

schnacken, schnaken, verb.
1)
schnaacken, repere, serpere, auff dem boden kriechen. Maaler 358ᵈ; daneben: schnackende, repens; ein schnackends kind, das auff allen vieren gadt oder kreucht, infans quadrupes. ebenda; so noch bei Stalder: schnaken, schnaaggen, schnohgen, auf händen und füszen kriechen, schleichen; schnaagig, kriechend, schnaagger, kriecher, die schnaagge, schnaagbohne, schnaaggerli, schnohggerli, kriechbohne. 2, 338. das verbum geht zurück auf ahd. starkes verb. snahhan, kriechen (Graff 6, 879), zu dem nd. snake, schlange gehört, s. oben schnack 4, a. in schweizerischen quellen:
ist er nicht in der ersten krafft
wie ein vierfüszig thier behafft?
auff allen vieren schnacken musz
eh dasz er recht tritt auff den fusz.
Rebmann 413.
bei Pestalozzi in eigenthümlicher modificierung im sinne von 'sich überbiegen' und schwach flectierend: schnackte dann ihm über die achsel und auf beiden seiten hinunter, so weit er konnte. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. (1831) 3, 81.
2)
ohne zusammenhang mit dem unter 1 behandelten verbum ist schnacken plaudern, schwatzen. dieses nur vereinzelt in der schriftsprache vorkommende wort ist aus dem nd. eingedrungen (vgl. schnack 1). die mildere bedeutung von sprechen, plaudern hält sich hier als gleichberechtigt neben der von schwatzen, unnützes vorbringen, während bei snack die verschlimmerte vorwiegt. zum gebrauche von snacken im nd. vergleiche Schiller-Lübben 4, 267ᵃ. Richey 270. brem. wb. 4, 875. Schütze 4, 135. Dähnert 436ᵇ. Danneil 198ᵇ. Schambach 199ᵃ. Mi 82ᵃ. Stürenburg 228ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 237ᵇ. Frommanns zeitschrift 2, 541, 150. 4, 288, 144. 6, 143, 88. 286, 650, 480; redensarten und sprichwörtliche wendungen bei Wander 4, 284. die bedeutung von garrire, fabulari hat auch nld. snacken bei Kilian; aus dem nd. entlehnt sind dän. snakke, schwed. snacka. auch in mitteld. mundarten ist das wort gebräuchlich: schnacken, schwatzen, loses gerede machen Liesenberg 198, vgl. Albrecht 204ᵃ, schnāken, schnattern, schwatzen Weinhold 86ᵇ. die lexicographen verzeichnen es nur theilweise: schnaken, garrire, nimium sermonis esse, verbis humidis et lapsantibus diffluere, vocum turbas fundere. wir haben viel mit einander geschnaket, multa verba fecimus Stieler 1889; als schnaken, schnacken bei Kramer deutsch-ital. dict. 2, 617ᵇ, als schnaken bei Frisch 2, 211ᵃ; eigenthümlich bei Steinbach: ich schnacke (rede plattdeutsch). 2, 472. die von Campe und Kramer angenommene bedeutung (scherzhaft reden, lustige einfälle vorbringen) ist mehr aus schnake, schnurre, anecdote erschlossen, als im gebrauche, wie es scheint, begründet. schon im 16. jh. begegnet das wort in hochdeutscher schriftsprache; wol als nd. empfunden:
schwatzen, sprachen, spraͤken, schnattern,
sagen, seggen, schnacken, tattern.
Rollenhagen froschm. A 5ᵃ;
vergl. noch:
nicht schnack leichtfertig von dem tod.
Kirchhof wendunm. 3, 128 Österley
(am schlusz einer erzählung, in der ein Westfale in dieser weise, und zwar niederd. spricht); einen augenblick geduld! — was schnacken sie? Lessing 11, 526; wir können noch tage lang miteinander schnacken. Göthe 23, 62; ei, Maredore, war das mal wieder geschnackt. Ludwig 2, 482;
die alte schnackt 'mal wieder,
als ob in Wittenberg, der groszen stadt,
sie unser dörflein Möra kennten.
Werner Martin Luther 2, 1.
klug schnacken, jemandem etwas auf-, an-, abschnachen u. ä. wird in der hochdeutschen umgangssprache niederd. gegenden viel gebraucht.
3)
die unter 2 behandelte bedeutung von nd. snacken scheint nicht die ursprüngliche zu sein, vielmehr scheint das verbum ursprünglich eine schnappende, schnellende bewegung des mundes zu bezeichnen; diese grundbedeutung würde sich nach verschiedenen richtungen hin entwickelt haben. Kilian glossiert: snacken, respirare, captare animam, anhelitum recipere. et singultire. et captare, captitare, hianti ore captare, anhelare, adspirare, inhiare, appetere. et latrare, gannire, garrire, fabulari. hier also erscheint das wort völlig sinnesverwandt unserem schnappen, das ja ebenfalls den sinn von schwatzen annimmt. nld. snakken heiszt schluchzen, sich sehnen, schmachten. hierher gehört engl. to snatch an sich reiszen, wegreiszen (mittelengl. snacchen), auch nord. snaka (schwaches verbum), umherschnüffeln nach etwas, um etwas an sich zu bringen, darf in diesen zusammenhang ge zogen werden, obgleich der auslaut der wurzelsilbe abweicht. die bedeutung des schluckens zeigen nd. snicken, snükken, snukken, snickern, snükkern, snukkern; vgl. ferner snickup, snuckup und das oberd. schnackeln (s. oben) mit seinen ableitungen. aufschnacken, rülpsen (kärntisch) Schm. 2, 566, hess. schnacken, schnaksen Pfister 262. von der grundbedeutung von schnacken aus ist der übergang zur vorstellung einer schnellenden bewegung leicht; vgl. hier das oben bei dem iterativ schnackeln angeführte. Woeste bezeugt snacken im sinne von klatschen, schlagen, mit der peitsche (sie heiszt auch snacke, s. oben schnack 4, d) klatschen; in de hänne snacken; de dö͏̂r tausnacken. 244ᵇ (Frommanns zeitschrift 3, 368, 54); snicksnack ist ein variierendes klatschen mit der peitsche. 246ᵃ, schnicken, schnell bewegen Schm. 2, 567. bemerkenswert ist auch folgender gebrauch: im fränk. - hennebergischen heiszt schnacken mit dem kopf eine plötzliche bewegung nach hinten machen, hinten überfallen (z. b. von kleinen kindern die vom arm des tragenden sich hinten über werfen und so leicht schaden nehmen) Spiesz 221, s. oben schnack 4, e; in gleichem sinne führt Reinwald schnicken, schnücken, schnöcken (1, 146), Vilmar schnappen an (360); dann auch: schnacken, den kopf mit gewaltsamem, schnellem ruck und zug bald auf diese und bald auf jene seite werfen Frommanns zeitschr. 3, 231, 3 (fränk.-hennebergisch). aus Pfalz und Elsasz bezeugt Klein provinz.-wb. 2, 131 schnäcken, naschen, Vilmar 362 hat verschnecken, verschleudern; ob hierher gehörig? vergleiche oben schnackeln und schnacker 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1156, Z. 40.

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Zitationshilfe
„geschneckt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschneckt>, abgerufen am 30.11.2021.

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