Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

geschreckt, part. adj.

geschreckt, part. adj.
nicht recht bei trost, nicht richtig im kopf Schm.² 2, 597.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3963, Z. 42.

schreck, schrecken, m.m., n.

schreck, schrecken, m.,m. n.,
pavor, terror.
I.
formales. ahd. ist bezeugt scrig, ascensus Graff 6, 575, scriche, cursu Steinmeyer-Sievers 2, 669, 31, das zu dem ahd. vorwiegenden scricchen (s. dies unter dem ersten schrecken, verb.) gehört und mit diesem in der sinnlichen bedeutung übereinstimmt. es setzt sich mit erweiterung der bedeutung mhd. fort als schric, gen. schrickes, sprung, risz, das auffahren, erschrecken, der schreck Lexer mhd. handwb. 796. die ältere nhd. schriftsprache kennt es besonders im sinne von 'sprung, risz', schrick, m. cricco, cricchio, crepaccio, crepatura, di vetro etc. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 670ᵃ: das glas, die scheibe hat einen schrick Kramer a. a. o. von Frisch 2, 226ᶜ wird es als der gewöhnlichen sprache angehörig (vulg.), von Adelung als landschaftlich bezeichnet und hat sich in dieser anwendung mundartlich bis heute erhalten Klein 2, 142 (östr.). Schm.² 2, 597. Castelli 251. Mareta 57ᵇ. Hügel 144ᵇ. Hintner 225. Lexer kärnt. wb. 226. Vilmar 369. auch die technische sprache verwendet es so, für dünne öffnungen im glase, in steinernen platten und glocken. Jacobsson 4, 49ᵇ. bair. heiszt es auch plötzlicher knall, donnerschlag Schm. a. a. o. sehr selten bewahrt es in hd. mundarten die mhd. bedeutung 'schrecken' Schöpf 647, daneben in secundär entwickelter schwacher form schricken ebenda, so vielleicht schon mhd. (wo auch ein gleichbedeutendes starkes fem. schricke begegnet) Lexer mhd. handwb. 2, 796, wol unter anlehnung an den substantivierten inf. schricken, n. Lexer mhd. handwb. 2, 797. im folgenden beleg ist nicht ersichtlich ob dieser oder ein schwaches masc. gemeint ist: sag euch disz nit zum schricken, sondern zum hayl und nutz. Schm.² 2, 597. das nd. schrik, schrecken ten Doornkaat Koolman 3, 148 (daneben schrecken m. n. Schambach 185ᵇ) scheint beeinfluszt zu sein durch das gleichbedeutende ndl. schrik, mndl. schrick, tremor, terror, horror, formido, pavor Kilian. nicht hierher, sondern zu dem unter schreien (formales) erwähnten schrickeln gehört schrick, schrecke als bezeichnung eines vogels, s. dort.ahd. begegnet weiter ein starkes fem. screchî in uuort niderscrecchi, verba precipitationis Notker ps. 51, 6 und gâscrechi (gâh-?), temeritas Graff 6, 575, dessen stammvocal augenscheinlich umlauts - e ist.der unmittelbare vorläufer unseres schreck, schrecken, m. ist das seltener als schric bezeugte, im anschlusz an das intransitive schrëcken gebildete schwache masc. schrëcke, schrecken Lexer mhd. handwb. 2, 789 (doch ist der character des e nicht durch den reim mit sicherheit zu erweisen). diese form setzt sich nhd. fort als schrecke, terror Dasypodius, schräcken (der) klupff, forcht, die einen im gemüt gantz verwirrt und unrichtig macht, pavor, terror, terriculamentum, terriculum Maaler 361ᵇ, schrecken, der, pavor, tremor, horror, stupor, exanimatio, consternatio animi Stieler 1920, terror, metus concutiens Frisch 2, 223ᶜ. Adelung, und so heute allgemein. neben diesem gewinnt der substantivierte inf. im nhd. grosze ausdehnung, dessen oblique casus in neuerer zeit mit denen des schwachen masc. formell zusammenfallen. in Luthers bibel ist das neutrale schrecken das regelmäszige und noch bis ins 19. jh. kann es belegt werden, schrecken (das, infin.) terror, pavor, consternatio, trepidatio Steinbach 2, 515: auswendig wird sie das schwert berauben, und inwendig das schrecken. 5 Mos. 32, 25; das schrecken zertheilet sich in mitleid. Lessing 12, 49; das schrecken .. war nicht gering. Thümmel reise 5 (1794), 308; das eine liesz sich durch eine falsche furcht, durch ein unzeitiges schrecken hinreiszen. Göthe 15, 82;
ich sahe jn aber gar nicht mehe,
als wir das schrecken erst empfiengen,
der wasser schlang im grund entgiengen.
Rollenhagen froschm. (1595) Rr 5ᵃ;
bildet euch mein schrecken ein!
Lessing 1, 64;
gibt die hoffnung schnelle füsze,
leiht dafür das schrecken flügel.
Grillparzer (1887) 3, 32;
o wehe! welches schrecken!
Uhland (1864) 23.
mit diesem vermischt sich nun in der anwendung auch der substantivierte inf. des transit. schrecken, besonders in gen.-verbindungen, vgl. unten II, 2, h. das neutrale schrecken im sinne von pavor, terror ist heute ungebräuchlich. dagegen steht das wahrscheinlich erst in nhd. zeit unter anlehnung an das alte schric entstandene starke schreck dem schwachen masc. schrecken heute gleichberechtigt zur seite (für das vorkommen in mhd. zeit beweist die unter II, 2, b angeführte stelle gesammtabent. 1, 310, 1044 nichts, da elision vorliegen kann, vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 789). es begegnet seit dem 16. jh.: schreck, m. forcht, un effroy, espouventement, estonnement, frayeur Hulsius (1616) 289ᵃ, schrekk, m. terror, horror Schottel 1409, schreck, m. horror, terror Steinbach 2, 514, terror, pavor Wachter 1464. Campe: Juda ist allen heiden ein schreck worden. Reiszner Jerus. 2, 60ᵃ, bleibt aber lange im gebrauche hinter schrecken m. n. zurück. noch Adelung bezeichnet schreck als unrichtige verkürzung. dasz die endung -en nicht entbehrt werden könne, trete in den obliquen casus hervor. wenigstens habe noch niemand schreckes, schrecke decliniert. heute läszt sich das nicht mehr behaupten. wendungen wie sich von den folgen des schrecks erholen, vor schreck erblassen sind durchaus nicht ungewöhnlich. ungebräuchlich ist allerdings die vollere dativform schrecke. schreck erscheint auch in der gleichen sinnlichen bedeutung wie schrick, s. unten II, 1. — über die ablautenden nebenformen schrack, schrockschruck (das erste ist a-bildung, das zweite i-bildung) s. diese. anlehnung an schrock zeigt die ältere schreibung schröck, schröcken, wie sie Göthe und Schiller in jüngeren jahren anwenden, s. schrecken, verb. terrere: mit demselben machte ich mich lustig und erzehlte ihm, dasz mir der mohr den schröcken, den er und seine köchin neulich empfunden, wieder eingetränkt hätte. Simpl. 1, 277, 20 Kurz; es ist der schrök. der junge Göthe 3, 588; den schröken fühl ich jahr und tag in den gliedern. 589; mein erster schrök, und eure nahe gefahr lieszen mich kaum zwei minuten dort. Schiller 3, 117. — über schrecke in heuschrecke s. dieses oben theil 4, 2, 1293, in besonderer technischer anwendung s. unten II, 4, a.
II.
bedeutung und gebrauch.
1)
die alte sinnliche bedeutung des zugehörigen verbs tritt hervor in der technischen und landschaftlichen verwendung von schreck im sinne von 'sprung, risz', wo es allerdings seltener ist als schrick (s. das formale). schreck, macula vel rima adamantis aut vitri Steinbach 2, 514, bruch im eisenblech Jacobsson 4, 45ᵇ, sprung im glase Albrecht 206ᵇ.
2)
gewöhnlich wird schreck, m. und schrecken, m. n. wie das verb bezogen auf plötzliche gemütserschütterung, wie sie eine unerwartete gefahr hervorruft, seltener auch allgemeiner auf überraschung, plötzliche freude.
a)
solche anwendung zeigen die folgenden belege: von der slege und von schrecken wegen die siu gelitten hett gebar siu ein tôd kint. quelle des 14. jahrh. in Wackernagels altd. leseb.² 943, 5; zur selben zeit, werden boten von mir (gott) ausziehen in schiffen, Morenland zu schrecken, das jtzt so sicher ist, und wird ein schrecken unter jnen sein, gleich wie es Egypten gieng, da jre zeit kam. Hes. 30, 9; als er des schreckens halber wider zu im selber kommen, hat er befunden, das im das podagra vergangen. Zimmerische chron. 4, 283, 19; der schreck ist die plötzlich erregte furcht, welche das gemüth auszer fassung bringt. Kant 10, 281; stöhnen erleichtert den schmertz, so wie der aufschrei das schrecken. Hippel 4 (1828), 21; sollte mir ein neues schrecken bevorstehen? Gotter 3, 114; was kann der schreck nicht? Schiller räuber schauspiel 2, 1; und wenn lust und freude sehr geschickt sind, die liebe zuerst zu erzeugen und im stillen zu nähren; so wird sie, die von natur herzhaft ist, durch den schrecken am leichtesten angetrieben, sich zu entscheiden und zu erklären. Göthe 19, 282.
b)
es heiszt schrecken kommt einen an, in ältrer sprache: schrecken, angst und schmertzen wird sie ankomen. Jes. 13, 8; denn es war jn ein schrecken ankomen. Luc. 5, 9; ähnlich mhd.:
dô ir vater daʒ vernam,
ein schrek im an sîn herze kam.
gesammtabent. 1, 310, 1044 Hagen.
biblisch auch schrecken kommt über einen: darumb kompt uber euch einwoner des landes, schrecken, grube und strick. Jes. 24, 17. schrecken nimmt einen ein. Gellert 1, 236 (die stelle s. unter g), überfällt, älter fällt über, befällt einen. Adelung: es wird jn schrecken uberfallen, wie wasser. Hiob 27, 20; doch fiel ein gros schrecken uber sie, das sie flohen und sich verkrochen. Dan. 10, 7; es hat ihn ein schrecken überfallen, terror eum invasit Steinbach 2, 515; das schrecken überfällt die gemüther, pavor intrat animos. ebenda;
nun überfällt in trüber gegenwart
der zukunft schrecken heimlich meine brust.
Göthe 9, 179,
ergreift einen, auch ergreift das ohr, dichterisch:
welch ein schrecken
ergriff sein deutsches ohr bei dieser dissonanz!
Thümmel reise 2 (1791), 64.
schrecken fährt einem in, durch die glieder: der schrecken ist mir in die glieder gefahren Adelung, lähmt die glieder:
das schrecken lähmt die glieder.
Zachariä verwandl. 2, 145;
es lähmt der schrecken
mir alle glieder.
Göthe 11, 106,
ähnlich:
noch zittert ihr der schreck durch jede nerve.
Lessing 2, 194.
schrecken sträubt das haar empor: siehe das schrecken sträubt mir das haar empor dasz mir seine spitzen den brautkranz herabstoszen. Leisewitz Jul. von Tarent 99. schrecken überwältigt einen: der schrecken überwältigte sie. Schiller kabale 2, 7, verstummt, macht stumm: Gambriv. macht dich das schrecken stumm? Brenno. verstummt etwa das schrecken allein? der zorn nicht auch? Klopstock 9, 346, tödtet: das schrecken hat den unglücklichen knaben getödtet. Gerstenberg Ugolino 5. aufzug. sprichwörtlich: schrecken macht verzagt. Petri (1605) 2, Ss 5ᵇ; schreck wirft (auch) starke leut' in dreck. Wander 4, 333.
c)
man empfindet schreken. Simpl. 1, 277, 20 Kurz. Klopstock 5, 16 (Mess. 11, 186, die stellen s. unter dem formalen und II, 2, g), hat schrecken: ich habe einen rechten schreck ge habt. Campe, in älterer sprache auch: schrecken empfangen Rollenhagen froschm. Rr 5ᵃ (die stelle s. unter dem formalen), einnehmen, terreri, terrori affici Dentzler 2, 255ᵃ: nun kondt die Oriana nicht allein der arbeit und mühe, so sie gehabet, sondern auch des eingenommenen schreckens halben nicht von dem ort, da sie Arcalaus fallen lassen, auffstehen. Amadis 1, 359 Keller; entsprechend persönlich passivisch gewendet mit schrecken eingenommen werden, praeocupari timore animi Stieler 1920, von schrecken:
von schrecken, furcht und schmerzen eingenommen,
sieht kaum der wanderer, dasz er der noth entronnen.
Lessing 1, 125;
schrecken nehmen:
er nam gar bald ein groszen schrecken.
Alberus fabeln 10, 17;
man fühlt den schrecken in den gliedern. der junge Göthe 3, 589 (die stelle s. unter dem formalen).
d)
ein schräcken gäben oder erschräcken, terrori esse Maaler 361ᵇ. ein neüwen schräcken bringen, afferre terrorem. ebenda. schrecken erregen, erwecken, erzeugen: ein gegenstand aber, der den bedingungen unsers daseyns widerstreitet, der in der unmittelbaren empfindung schmerz erregen würde, erregt in der vorstellung schrecken. Schiller 10, 129. Göthe 18, 112. 38, 49 (die stellen s. unter g und f). dichterisch etwas gebiert schrecken:
sein (Eugens) schwerdt, das schlag und sieg vermählt,
und, wenn es irrt, aus groszmuth fehlt,
gebiehrt dem feind ein neues schrecken.
Günther 123.
eim ein schräcken angwünnen, einen erschräcken, injicere terrorem, terrorem offerre Maaler 361ᵇ, jemanden einen schrecken machen, verursachen Adelung: der erste mann der mir schreken macht. Schiller kabale 2, 2, einen schrecken oder forcht einjagen, effrayer, estonner, espouventer Hulsius 289ᵇ, schrecken einjagen, trepidationem injicere Stieler 1920, einem ein schrecken einjagen, terrorem alicui injicere Steinbach 2, 515, einen schrecken Adelung ('im gemeinen leben'): das kleine schrecken, das er (der gemeiszelte Amor) jedem einjagt, der unvermuthet auf ihn trifft. Thümmel reise 2 (1791), 186, in älterer sprache auch einstoszen: jnen vil schrecken einstoszen. Eppendorf Plut. 13; dasz man ihnen ein schrecken einstosz und jage. Fronsperger kriegsb. 3, 201ᵇ, abjagen: das blitzmädel, was sie mir für einen schreck abgejagt hat. Lessing 1, 416. den schreck abwenden:
das fräulein wäre vor angst in die eingeweide der erde
gekrochen, hätte der schlaf den schreck nicht abgewandt.
Wieland 4, 226 (n. Amadis 10, 4, 10).
e)
in schrecken gerathen Adelung, biblisch fallen: da er bey dem gotteskasten stehet mit kriegsknechten, that der allmechtige gott ein gros zeichen, das er und so umb jn waren, sich fur der macht gottes entsatzten, und in ein grosse furcht und schrecken fielen. 2 Macc. 3, 24, kommen: wer seinen mund bewaret, der bewaret sein leben, wer aber mit seinem maul her aus feret, der kompt in schrecken. spr. Sal. 13, 3, zu schrecken kommen:
wärst du zu schrecken gekommen,
mir wär' es herzlich leid.
Uhland (1864) 227.
sich vom schrecken erholen. jemanden in schrecken setzen. Adelung, vor schrecken bewahren: gott bewahre mich vor schrecken, ausruf des schreckens, der verwunderung Albrecht 206ᵇ. voll schrecken sein; man sieht auf der abbildung, wie er voll schrecken ist und ihnen winket. Hebel 2, 168, in schrecken:
doch sind sie in schrecken
und angst um mich!
Göthe 11, 108.
voll schrecken etwas thun:
voll schrecken fuhr der jüngling auf.
Herder 28, 224 Suphan,
im schrecken: so gehn sie miteinander im schrecken und wahnsinn in's haus zurück. Hebel 2, 167, vor schrecken: vor schrecken zusammenfahren Adelung, die sprache verlieren: ich habe vor schreck die sprache verloren, sagte die frau zum richter. Petri bei Wander 4, 333, sterben, tod sein:
ich freu mich, das der Wundrerer ist tat,
meins lebens het ich mich verwegen.
hett ir unser so wol nit pflegen
mit edler speis und gutem wein,
vor schrecken must wir all tot sein.
fastn. sp. 552, 14 Keller,
auch vom schrecken: niemand stirbt vom schrecken, wenn er ein mann ist, animus virilis metu haut frangitur Stieler 1920. vor schrecken als adverbiale bestimmung eines adj.:
die schon vor schrecken kalten glieder
streckt er starr von sich weg, so sehr er immer kann.
Lessing 1, 126.
mit schrecken: wie werden sie plötzlich zu nichte, sie gehen unter, und nemen ein ende mit schrecken. ps. 73, 19, im anschlusz an diese stelle: lieber ein ende mit schrecken als ein schrecken ohne ende. ausspruch Schills 1809. mit dem bloszen schrecken davon kommen: dasz die österreichische grenze in dem folgenden jahre wieder völlig von feinden gereinigt war, und das zitternde Wien mit dem bloszen schrecken davon kam. Schiller 8, 403. ohne schrecken: dem tode ohne schrecken entgegen gehen. Adelung.
f)
schrecken mit sinnverwandten begriffen zusammengestellt: der hase erschricket gerne unde hât alle zît vorhte unde schrecken an sînem herzen. Berth. v. Regensburg 1, 556, 39; wir werden gedruckt und geplagt, mit schrecken und angst. klagel. Jer. 3, 47; zittern und schrecken kam sie an. Jud. 4, 2; darumb kam eine seer grosse furcht und schrecken in das volck. 1 Macc. 7, 18; und der tempel, der zuvor vol furcht und schrecken gewest war, ward vol freuden und wonne. 2 Macc. 3, 30; als er aber den ersten hauffen des Maccabei ansichtig ward, kam die feinde ein furcht und schrecken an. 12, 22; und es war ein tag, grosser finsternis, trübsal und angst, und war ein gros jamer und schrecken auff erden. stücke in Esther 7, 5; wie sie sich vor schrek und bestürzung in bettlacken wikelten. Schiller räuber schauspiel 2, 3;
wie ein löw, dessen zorn der bitter hunger wözet,
erfüllend sich, die lüft, die wäld, leut und vihzucht,
mit grim, gebrüll, forcht, schrecken, flucht,
stracks seinem raub nachsötzet.
Weckherlin 89;
das schrecken und das graun
sasz auf den wasserwogen.
Hölty 10, 76 Halm.
von der furcht unterschieden: und dieses (das tragische schrecken) — hätte man gar nicht schrecken nennen sollen. das wort, welches Aristoteles braucht (φόβος), heiszt furcht: mitleid und furcht, sagt er, soll die tragödie erregen; nicht, mitleid und schrecken. es ist wahr, das schrecken ist eine gattung der furcht; es ist eine plötzliche, überraschende furcht. aber eben dieses plötzliche, dieses überraschende, welches die idee desselben einschlieszt, zeiget deutlich, dasz die, von welchen sich hier die einführung des wortes schrecken, anstatt des wortes furcht, herschreibet, nicht eingesehen haben, was für eine furcht Aristoteles meine. Lessing 7, 333; der mensch hat bei eignen und fremden leiden nur drey empfindungen, furcht, schrecken und mitleiden, das bange voraussehen eines sich annähernden übels, das unerwartete gewahrwerden gegenwärtigen leidens und die theilnahme am dauernden oder vergangenen. Göthe 38, 49; die bildende kunst, die immer für den moment arbeitet, wird, sobald sie einen pathetischen gegenstand wählt, denjenigen ergreifen der schrecken erweckt, dahingegen poesie sich an solche hält, die furcht und mitleiden erregen. ebenda.
g)
man nennt den schrecken jäh, plötzlich, unerwartet, gäher schräcken, consternatio Maaler 361ᵇ; plötzlicher schrecken, pavor subitus Stieler 1920: das du dich nicht fürchten darffest fur plötzlichem schrecken. spr. Sal. 3, 25, schnell, schleunig:
ein schnelles,
unbezwingbares schrecken ergriff ihn, als er den vollen,
himmelglänzenden kreis der ungefallnen erblickte.
Klopstock 4, 171 (Mess. 9, 511);
schleuniges schrecken ergriff sie.
5, 163 (13, 54),
grosz Dan. 10, 7 (die stelle s. unter b), ungeheuer: wie ein gespenst um mitternacht, das ungeheure schrecken erzeugt, in folgenden augenblicken der fassung für ein kind des schreckens gehalten wird. Göthe 18, 112, klein Thümmel reise 2, 186 (die stelle s. unter d), panisch, plötzlich und gewaltig, oft ohne erklärliche ursache eintretend, besonders bei einer menge menschen, einem heere und dergl., nach dem griech. πανικὸν δεῖμα, vom gotte Pan herrührender schrecken, vgl. oben theil 7, 1422: dem ersten panischen schrecken zu steuren, das einen kleinmüthigen leser befallen könnte. Lessing 10, 12; darüber ergrimmte freund Rübezahl dergestalt, dasz er alsbald ein panisches schrecken auf die herde (schafe) fallen liesz. Musäus volksm. 1, 34 Hempel; ein panisches schrecken bemächtigte sich aller zuhörer. Moritz Ant. Reiser 67, 13 neudruck; ein panischer schreck schmeiszt alle zu boden. Schiller räub. schauspiel 2, 3; er fiel .. in ein so panisches schrecken, dasz die frau gemahlinn ihm ein riechfläschchen holen muszte. Hippel ritter AZ 1, 25;
wer es sah, ging auch im panschen schrecken schneller.
Zachariä renomm. 1, 171.
der erste schreck: der weg zum mitleid wird dem zuhörer zu lang, wenn ihn nicht gleich der erste schreck aufmerksam macht. Lessing 12, 50; Kalkagno. was wîrd diese nothlüge fruchten? Fiesko. zeit freund, und dann ist der erste schrek izt vorüber. Schiller Fiesko 4, 7;
hier unter diesen felsen lasset uns
halt machen und ein festes lager schlagen,
ob wir vielleicht die flücht'gen völker wieder sammeln,
die in dem ersten schrecken sich zerstreut.
jungfrau von Orl. 2, 1.
besondere arten des schreckens im weiteren sinne werden gekennzeichnet durch beiwörter wie mitleidig: dieses schrecken, welches uns bey der plötzlichen erblickung eines leidens befällt, das einem andern bevorstehet, ist ein mitleidiges schrecken, und also schon unter dem mitleide begriffen. Lessing 7, 334, heilig:
ein heiligs schrecken fuhr durch seine starren glieder,
da er dem (kaffee-)gott sich naht, umringt von stiller nacht,
und fürchterlich geschmückt mit unterirrdscher pracht.
Zachariä renomm. 3, 74;
ihr fühltet, ich sah es,
wie ich heiligen schrecken empfand, als gottes befehl kam.
Klopstock 5, 16 (Mess. 11, 186);
freudig:
welch freudig schrecken nimmt mich ein!
Gellert 1 (1775), 236,
dafür auch schrecken der freude:
da verliesz das schrecken der freude
Bersebon.
Klopstock 6, 98 (Mess. 17, 763).
h)
wie im letzten beleg, so steht bei schrecken auch sonst oft ein abhängiger genitiv. nicht immer ist das verhältnis hier so klar wie im folgenden satze: der schrecken des mannes war grosz, d. h. den der mann empfand, oder auch in der nächsten stelle:
durch Sachsens kreise zog
die kriegesfurie, bis an die scheeren
des Belts den schrecken seines (des kaisers) namens tragend.
Schiller Piccol. 2, 7,
wo schrecken durch das männliche geschlecht deutlich als 'furcht' gekennzeichnet wird, die bedeutung also ist 'die furcht vor seinem namen' oder 'die dadurch hervorgerufene furcht'. ist schrecken aber neutr. oder das geschlecht nicht ersichtlich, so kann es besonders in solchen fügungen aus früherer sprache zweifelhaft sein, ob nicht der substantivierte infinitiv des transitiven schrecken, furcht einflöszen, gemeint ist, der genitiv also durchaus subjectiv gefaszt werden musz. in manchen fällen ergibt der zusammenhang, dasz dies vorliegt: das schrecken des königs ist wie das brüllen eins jungen lewen, wer jn erzürnet, der sündigt wider sein leben. spr. Sal. 20, 2; durch der feinde schrecken und drohen bewegt werden. Steinbach 2, 515;
krieger schildern, nach dem streite,
so das schrecken der gefahr.
Gotter 1, 210;
vielleicht, dasz diese groszen wunderdinge,
das ungewohnte schrecken dieser nacht
und seiner augurn überredung ihn
entfernt vom capitol für heute hält.
Shakesp. Cäs. 2, 1 (the unaccustom'd terror of this night),
in andern ist der begriff des intransitivs ersichtlich: derselbig glaube uberwindet allein das schrecken des todes und der sünde. Jonas bei Luther 6, 398ᵃ;
o mein gebein durchfährt des todes eis'ges schrecken!
Werner 24. febr. 2,
nicht wenige aber sind unsicher: das doppelte schrecken der zwoten geistererscheinung und dieses unerwarteten überfalls hatte seine besinnungskraft überwältigt. Schiller 4, 218; Gustav Adolph konnte hoffen, alle diese miszvergnügten fürsten durch seine siegreiche gegenwart zu vereinigen, die übrigen durch das schrecken seiner waffen von dem kaiser zu trennen. 8, 795. verbindungen mit einem possessivpronomen können in älterer sprache gleichfalls zweifelhaft sein. mein schrecken kann bedeuten 'der schrecken den ich empfinde', aber auch 'der schrecken, der von mir ausgeht, die furcht vor mir': ewer furcht und schrekken sey uber alle thier auff erden, uber alle vogel unter dem himel, und uber alles was auff dem erdboden kreucht, und alle fisch im meer seien in ewer hende gegeben. 1 Mos. 9, 2; ewr schrecken ist uber uns gefallen. Jos. 2, 9 (in den drei ältesten ausgaben, später: ein schrecken ist uber uns gefallen fur euch), und schlieszlich 'mein furchteinflöszen': lasz (gott) deine hand ferne von mir sein, und dein schrecken erschrecke mich nicht. Hiob 13, 21; dein (gottes) grim gehet uber mich, dein schrecken drücket mich. ps. 88, 17. den zweiten fall kennt die heutige sprache nicht mehr, und auch der dritte ist ungewöhnlich.
i)
wie besonders in den genitiv-verbindungen, so verwischt sich auch sonst gelegentlich der bedeutungsunterschied zwischen dem substantivierten infinitiv des transitivs und schrecken, furcht: durch schrecken gezwungen schweren, terrore coactum jurare Steinbach 2, 515;
viele fesselt die pracht; nur wenige zähmet des schrecken;
alle herzen gewinnet die güte.
Herder 27, 65 Suphan;
denn was er sinnt, ist schrecken, und was er blickt, ist wuth.
Uhland (1864) 390.
k)
der grund des schreckens wird auszer durch einen genitiv auch bezeichnet durch vor, älter fur mit dativ Jos. 2, 9 (die stelle s. unter h). man sagt in schrecken sein um einen, für ihn, aus besorgnis für ihn. Göthe 11, 108 (die stelle s. unter e). der inhalt des schreckens, das was man fürchtet, wird auch angegeben durch einen satz mit dasz: der schrecken, dasz man ihn tödten könne, quälte ihn.
l)
schrecken in pluralischer anwendung: ungeheure schrecken. Göthe 18, 112 (die stelle s. unter g);
uns haben in der entflohenen nacht
mächtige schrecken ergriffen.
Stolberg 14, 177;
sprich mir von allen schrecken des gewissens,
von meinem vater sprich mir nicht.
Schiller dom Karlos 1, 2;
doch schnell als hätten gottes schrecken ihn
ergriffen, wendet er (der feind) sich um
zur flucht.
jungfrau von Orleans 1, 9.
landschaftlich es ist mit tausend schrecken, erschrecklich, erstaunlich Albrecht 206ᶜ. Wander 4, 333 (schlesisch), freier: das ungezîfer besamet (besamt, vermehrt) sich mett tausend schrecken, erstaunlich. A. Jecht 100ᵃ.
m)
schrecken in diesem sinne personificiert: kind des schreckens. Göthe 18, 112 (die stelle s. unter g);
wie wenn Ares zum kampf eingeht, der menschenvertilger,
und ihm der schrecken, sein sohn, an kraft und an muth unbezwingbar,
nachfolgt.
Voss Il. 13, 209
3)
gegenstand des schreckens, was schrecken bringt, erregt, schreckt, zu schrecken geeignet ist (auch hier flieszen die begriffe des intransitiven und des transitiven verbs in einander, vergl. 2, h): zum schrecken wil ich (gott) dich (Tyrus) machen. Hesek. 26, 21; den erklärungsgrund bildet, dasz für mich das schrecken aller schrecken die langeweile ist. Grillparzer 15 (1887), 121:
gefährlich ist's den leu zu wecken,
und grimmig ist des tigers zahn,
jedoch der schrecklichste der schrecken
das ist der mensch in seinem wahn.
Schiller 11, 318.
einem zum schrecken werden, für ihn: Moab ist zum spot und zum schrecken worden, allen so umb sie her wonen. Jer. 48, 39. die person, auf die der gegenstand des schreckens wirkt, wird durch einen genitiv oder ein possessivpronomen bezeichnet: sondern heiliget den herrn Zebaoth, den lasset ewer furcht und schrecken sein. Jes. 8, 13; derselbe normännische fürst, Robert Guiscard, der sich in Italien und Sicilien so gefürchtet machte, war das schrecken der Griechen, die er in Dalmatien und Macedonien angriff und selbst in der nähe ihrer kaiserstadt ängstigte. Schiller 9, 256;
das schrecken mächtiger regenten,
der vater, starb, nicht sehr betagt.
Hagedorn 2 (1771), 131;
ihr, das schrecken aller eurer
brüder, schwestern, unterthanen,
was seyd jetzt ihr?
Herder 28, 466 Suphan;
(im bilde):
du aber, Kästner, sey das schrecken
der frechen kaper, weit und breit.
Göckingk 1 (1780), 254;
denkt nach, wie sie (Johanna) den tigerwolf bezwang,
das grimmig wilde thier, das unsre heerden
verwüstete, den schrecken aller hirten.
Schiller jungfrau prolog 3;
träumerisch, die lippen brennend, bleich die wangen,
durch schwarzer locken wunderbare pracht
kostbare spangen, ringelnd sich wie schlangen,
und aus der dunklen augen zaubernacht
ein wetterleuchten, das kein herz mag schonen,
der männer lust, das schrecken der matronen.
Eichendorff 3 (1864), 560;
o wesenbändiger, du schreck lebendiger,
dich ehret ohne graun ein recht verständiger.
Rückert 12 (1881), 272;
freier:
der Agarener hauffen,
(das schrecken dieser zeit:) begunten anzulauffen
was römisch sich erklärt.
A. Gryphius (1698) 1, 24;
in gleichem sinne erscheint hier von mit dativ:
und in ihren trauerkleidern
eilet schnell sie auf die mauer,
als — das schrecken von Castiljen,
sie den Cid da vor sich sieht.
Herder 28, 453 Suphan.
ein abhängiger genitiv oder ein possessivpronomen kann auch den bezeichnen, dem der gegenstand des schreckens, das schreckmittel eigen ist, doch berühren sich solche verbindungen nahe mit den unter 2, h erwähnten:
tod wo sind nun deine schrecken?
Gellert 2 (1775), 219.
ähnlich heiszt es: der tod hat für den niedrigen keine schrecken mehr, seitdem er das gekrönte haupt (Gustav Adolph) nicht verschonte. Schiller 8, 290. in solcher anwendung wird schrecken mit dem adj. leer verbunden, wo gemeint ist 'inhaltloses, nichtiges schreckbild, schreckmittel': mit dem leeren schrecken wirst du meinen muth nicht entmannen. Schiller räuber schauspiel 5, 1, deutlicher bei abhängigem dativ des ziels: die bösen (seelen verstorbener), zur strafe ihrer verbrechen, irrten unstät und flüchtig auf der erde umher, den frommen ein leeres, den ruchlosen ein verderbliches schrecken. Lessing 8, 251. auch in verbindung mit blind neigt schrecken solcher bedeutung zu: es war ein blinder schreken ihr herrn. Schiller Fiesko 4, 7, andrerseits heiszt es aber auch im sinne von 2: hier gieng es ihnen aber, wie es überhaupt kriegsheeren zu gehen pflegt, sonderlich wenn sie sehr zalreich sind, dasz sich allerley blinder schrecken darunter äuszert. Heilmann Thucyd. 1017.
4)
besondere gebrauchsarten.
a)
unter schreck, masc. führt Adelung einen weidmännischen gebrauch im sinne von 'wildscheuche' an, der sich an die unter 3 erwähnte bedeutung anschlieszt, wol auf grund der folgenden stelle: lappen, schrecktücher, auch schrecke und flinder benennt, diese sind theils von tuch, theils von federn gemacht und werden in lichten, ein jagen damit zu umstellen, gebraucht. Heppe wohlred. jäger 201ᵃ. möglicherweise ist aber ein zu schrecken, terrere wie scheuche zu scheuchen gebildetes fem. schrecke gemeint wie es Stieler anführt: eine schrecke, in specie est formido, vel simularum foeneum. 1920.
b)
schrecken nennen die bairischen salzsieder die gröberen, erdigen theile, die sich in der wärmpfanne aus der sole zu boden setzen Schm.² 2, 596. nach einer quelle bei Frisch 2, 224ᵇ werden sie alle viertel-jahr abgehauen (daher vielleicht der name? s. das transitive schrecken 1), wieder zerlassen und gekocht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 1659, Z. 29.

schrecken, verb.

schrecken, verb.
pavescere, meist stark flectierend, schrāk, älter schrack, schrāken, geschrocken, gebräuchlich nur in verbindung mit adverbien wie empor, zurück, zusammen und im compositum erschrecken, mhd. schrëcken, schrac, schrâken, geschrocken, üblicher erschrëcken mhd. wb. 2, 2, 210. Lexer mhd. handwb. 2, 789, ahd. bezeugt in erschrockeno, obstupefacti Steinmeyer-Sievers 2, 523, 20 (nach Graff 6, 574 aus dem 10. oder 11. jh.), wahrscheinlich auch vorliegend in (ir) screcchit, lascivitis (in stratis) Graff 6, 573 (11.—12. jh.) und: sirene unte tiuvale screchin in ire hûson. fundgruben 1, 25, 13 Hoffmann (12. jh.). früher und häufiger ist ahd. ein schwaches scricchen, prät. scricta, salire, dissilire, emicare, exilire, vagitare, lascivire (auch in zusammensetzung mit ga-, ana-, ar-, ûf-, in-, ubar-, ûʒ-, dana-, nidar-, far-, widar-, zuo-) belegt Graff 6, 575, das in der alten sinnlichen bedeutung 'springen' auch mhd. begegnet:
swer in daʒ reht verstürzen wil,
der sol üeben seitenspil,
und niuwiu lieder singen,
und schricken zuo der hôchgezît
also vor der arken künic Dâvît.
minnesinger 3, 28ᵃ Hagen
und sich in solcher anwendung noch nhd. fortsetzt, schricken, geschrickt, subsilire, dissilire, dissultare Stieler 1921, besonders vom zerspringen harter körper, de muro seu pariete rimam agente. ebenda, von glas, thongefäszen und ähnl.: das glasz wird im feuer schricken, questo bicchier di vetro creparà nel fuoco Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 670ᵃ; das eis schrickete, il ghiaccio faceva cricch. ebenda. in diesem besonderen sinne, der schon aus dem 14. jahrh. erweisbar ist fundgr. 1, 389ᵃ, ist es mundartlich vielfach erhalten Klein 2, 142. Höfer 3, 114. Schmeller² 2, 596. Castelli 251. Mareta 57ᵇ. Lexer kärnt. wörterb. 226. gelegentlich wird es in folge der übereinstimmung der 3. pers. sing. (das glas schrickt) mit dem starken schrecken formell vermischt: das glas ist geschrocken Adelung (als landschaftlich bezeichnet). auch das mnd. bietet ein sinnverwandtes schwaches schricken, springen, tanzen, in die hände klatschen Schiller-Lübben 4, 136ᵃ, ebenso das mndl. Oudemans 6, 228. das (seltene) mnd. schrikken, schrecken flectiert wie ndl. schrikken im intransitiven gebrauche stark ten Doornkaat Koolman 3, 148ᵇ. Stieler führt noch an schricken, et schrickelen, gradi, transgredi, atque dicitur ein schrickeljahr, pro schaltjahr, annus bissextilis (bei dem ein tag einspringt oder übersprungen wird) 1932. schrikkelen im sinne von 'vorbeigehen, überschlagen, überschreiten' begegnet sonst nur im mndl. Oudemans 6, 227 und neuvlämischen Franck etym. woordenb. 868, schrickeljâr im mnd. Schiller-Lübben 4, 136ᵃ und nnd. ten Doornkaat Koolman 3, 148ᵃ, ebenso mndl. schrickeljaer Kilian, nndl. schrikkeljaar, mndl. schrickeldagh, schrickelmaend Kilian, nndl. nnd. schrikkeldag, schrikkelmaand ten Doornkaat Koolman 3, 148ᵃ. nnd. gebraucht man schrikkeln, schrökkeln, schrokkeln vom zusammenschieszen der eiskrystalle, wie 'leicht frieren' ebenda. im kärntischen heiszt schrick'n auch das prasseln des heiszen schmalzes, wenn es auf eine speise gegossen wird Lexer kärnt. wb. 226. zuweilen zeigt schricken, erschricken landschaftlich die gewöhnliche bedeutung von erschrecken Schm. 2, 597. Lexer kärnt. wb. 226. selten und nicht ganz sicher bezeugt ist der übergang des mhd. schricken in transitive bedeutung Lexer mhd. handwörterb. 2, 796. in der seemannssprache ist schricken, abschricken, ein tau, es ein wenig nachlassen, laufen lassen. Bobrik 612ᵇ. 6ᵇ. — das schwache schricken, eine ja-bildung (*scrëc - jan) ist vielleicht älter als das später bezeugte starke schrecken, das erst durch falsche analogie gebildet sein könnte. vgl. erschrecken oben th. 3, 970 und Wilmanns gramm. 2, § 27. man sollte vielmehr, da bei einer entsprechenden starken bildung der bei schricken vorhandene grund für die entstehung von ck fehlt (folgendes j), ein starkes *scrëhhan (*scrëc-an) erwarten, wie es dem altnord. skrikan, f. das wanken, gleiten Fritzner² 3, 381ᵃ entsprechen würde.noch eine andere schwache bildung ist ahd. bezeugt: screcchôn, salire, insultare, persultare, emicare Graff 6, 576, das sich mhd. als intransitives schrecken, prät. schreckete, schreccte, daneben (er-)schrachte, -schracte mhd. wb. 2, 2, 212 fortsetzt. nach dem reim der folgenden stelle zu schlieszen:
lâ sitüli blecken
ein wênic dur den willen mîn: dâ gegen muoʒ ich schrecken.
minnes. 2, 93ᵃ Hagen
ist der stammvocal hier umlauts-e und das wort demgemäsz wahrscheinlich als denominativbildung zu *screcci, adj. (bezeugt in framscrecci Graff 6, 575) zu betrachten. die glosse scricondi, garrula (avis, hirundo) ebenda, Heyne kl. altnd. denkm. 93, 102 gehört wol nicht in diesen zusammenhang, vgl. dazu schreien. nhd. hat sich ein schwaches intransitives schrecken erhalten in verbindung mit adverbien. man sagt ich schrak, und auch ich schreckte zurück, zusammen, empor, aber nur ich erschrak. die alte bedeutung, wie sie die älteren perioden des hd. für die intransitiven bildungen noch aufweisen, ist 'springen'. sie verengt sich dann zu der des zurück-, empor-, zusammenfahrens in plötzlicher furcht, als folge plötzlicher innerer bewegung.
1)
den ursprünglichen sinn zeigt die folgende verbindung: wie man einen abschreckenden schusz machen sol, wann der schusz von der büchsen fert, daʒ er über hundert spring thut. quelle von 1529 bei Schm.² 2, 596. in der verbindung mit verdeutlichenden adverbien tritt die sinnliche auffassung heute noch deutlich hervor:
das wild, das um ihn weilet,
dem stillen gaste zahm,
es schrickt empor, enteilet,
weil es ein horn vernahm.
Uhland (1864) 311;
und was hält mich nun noch ab,
dir den langgedehnten stahl
gradaus in die brust zu stoszen ..?
und doch nein; schrick nicht zurück!
Grillparzer (1887) 6, 217.
unsinnlicher wird erschrecken empfunden, das mehr die innere bewegung betont, s. dieses oben th. 3, 970.
2)
die wenigen belege für den gebrauch des simplex ohne die erwähnten adverbialen zusätze erweisen auch noch für die neuere zeit beide auffassungen: da prach oben vier gaden hoh ein ziegl, darauf das sail lag, unter dem dach und schoket hoh auf und nider, das er (der seiltänzer) must nider auf das sail gritling sitzen, untz es verschoket, sprach: schrecket nicht [[undefined:etc]]. und stund wider auf. d. städtechr. 10, 166, 19;
'welt irʒ niht gelouben   daʒ ir mich hœret sagen,
sô vernemet selbe   Krîmhilde klagen
und alleʒ ir gesinde   den Sîfrides tôt.'
vil sêre schrac dô Sigmunt:   des gie im wærlîchen nôt.
Nib. 961, 4;
ich schrack das ich nit reden kundt.
Thurneisser archid. (1575) 18ᵃ;
aufblickend schrak der tapfre Diomed.
Bürger 165ᵃ (Il. 6, 735);
du schrickst? ich hörs am tritt. 's ist Claudes Caton;
sie darf uns nicht beisammen sehn, sonst zieht
sie uns mit ihren scherzen auf.
Ludwig (1890) 3, 152.
schrecken für etwas, in älterer sprache, davor: denn wenn wir unser vernunfft, und weisheit folgen, so können wir nichts, denn dafür schrecken und fliehen. Luther 5, 535ᵇ; wenn die vögel für der sonnen glantz schrecken solten. Gabr. Rollenhagen ind. reisen 208;
ja die wiesel, maulwörff und ratzen,
schrecken für meine (der katze) zeen und tatzen.
Rollenhagen froschm. J 7ᵃ;
du edles angesichte,
dafür sonst schrickt und scheut
das grosze weltgewichte,
wie bist du so bespeit!
P. Gerhardt 49, 10 Gödeke.
über die formelle vermischung mit dem schwachen schricken s. das formale.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 1667, Z. 4.

schrecken, verb.

schrecken, verb.
terrere, schwach flectierend, mhd. schrecken, schracte, schrahte Lexer mhd. handwb. 2, 789; ahd. screcchen, screccan, instigare, praecipitare Graff 6, 576, dem vorigen entsprechendes causativ. früher auch, wol unter anlehnung an schrock, m. (s. dies) mit ö geschrieben, so noch von Göthe und Schiller in jüngeren jahren und mundartlich in bestimmtem sinne erhalten, s. unten 3, b: und das schrökt dich, hasenherz? Schiller räuber schauspiel 1, 2; bedenk ich noch dazu den zug auf dem Gothaischen schlosse, die kälte, und dasz man weder herr von seinem rock noch fusbekleidung bleibt, so schröckt mich das ganz in mein dachsloch zurück. Göthe br. 5, 35 Weim. ausg.;
gott sah mich freundlich an, und hiesz mich liebes kind:
nu schrökket mich sein zorn, und stöst mich weg die sünd.
Silesius wandersm. 147 (6, 3, 10) neudr.
1)
die eigentliche bedeutung des worts ist der des vorigen entsprechend 'springen machen, in heftige bewegung versetzen'.
a)
sie tritt deutlich hervor im gebrauche von thieren, so vom antreiben, anspornen des pferdes: scractun, instigant (equos) Graff 6, 576, exhortantur (equos) Steinmeyer-Sievers 2, 669, 5 (Vergil Aen. 11, 610);
er schreckt sein pferd, und rennt begierig schon daher,
und leget allererst im lauff' ein seinen speer.
Dietr. v. d. Werder Ariost 17, 79, 3.
anders, mit bezug auf das verleihen der fähigkeit zu springen, die gott dem pferde giebt: kanstu dem rosz krefft geben, oder seinen hals zieren mit seinem geschrey? kanstu es schrecken wie die hewschrecken? Hiob 36, 20. wie 'scheuchen, aufjagen': die vögel schrecken. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 648ᵇ;
doch fehlt mirs (dem affen) hinden an dem schwantz,
damit möcht ich mein scham bedecken
und des sommers die fliegen schrecken.
Waldis Esop 2, 49, 8 Kurz;
insonderheyt, am besten schmeckt,
was man selber eriagt, und schreckt.
Rollenhagen froschm. (1595) Fᵃ.
mit adverbialen bestimmungen der richtung, so noch in neuerer sprache: ein tüchtiger lumpenmann, sperlinge von kirschbäumen wegzuschröken! Schiller räuber schauspiel 1, 1;
die tôten er dâ wachte,
die vogel er ûf scracte.
Konrad v. Fuszesbrunn kindheit Jesu 101, 65 Hahn;
also wolt jr (flöhe) bei weibern stecken
inn belzen, hembdern und in röcken,
darausz sie euch doch manlich schrecken,
gleichwie die hasen aus den hecken.
Fischart 2, 69, 2573 Kurz.
b)
in ähnlicher anwendung aber auch von personen:
ich (der wächter) wecke, schrecke zwên' getriute liute, sô ich beste mac.
minnes. 3, 426ᵇ Hagen;
wöllt sie doch wecken (eine langschläferin)
und weidlich mit der rhuten schrecken.
Waldis Esop 4, 22, 16 Kurz;
den feind schrecken, turbare hostem Dasypodius. der begriff, der inneren bewegung, erschütterung, wie sie mit plötzlicher, äuszerer einwirkung und folgender körperlicher bewegung häufig in zusammenhang steht, wird in der beziehung des worts auf den menschen allmählich mit empfunden, so besonders in den fügungen mit adverbialen oder prädicativen zusätzen, die bis heute auch hier im sinne wirklicher bewegung üblich sind. mit rein localem zusatz:
wer sich das kraut vom tisch leszt schrecken,
der wird auch nicht den braten schmecken.
Waldis Esop 1, 34, 44 Kurz;
freier: der dumpfe tumult dieses vorgangs hatte die bürger aus dem ersten schlafe geschreckt. Schiller 7, 232;
donnerklang und sturm- und stromgebrause
schreckt mich wach.
Bürger 99ᵇ.
in bildlichen wendungen: precipita domine. screcche siê nider truhten. ervelle siê. wanda siê ze hôhe sint. Notker ps. 54, 10; dilexisti omnia verba precipitationis, alliû wort niderscrecchi minnotost dû, ih meîno, diû in den dôt screcchend. 51, 6; siuscipe servum tuum in bonum, inphah mih in guôt, wanda sie wellen mih screcchen in ubel. 118, 112;
sprich böser vorbedeutung wort nicht aus!
und schrecke mich der sorge nicht entgegen.
Göthe 9, 290;
du hast aus meinem frieden mich heraus
geschreckt.
Schiller Tell 4, 3.
mhd. ist sich schrecken geradezu im sinne von 'springen, tanzen' bezeugt:
sô sich diu guote
schrecket vor, so ist mir wol ze muote,
und ir gürtelsenken
machet, daʒ ich underwîlent liebe muoʒ gedenken.
minnes. 2, 93ᵃ Hagen.
c)
selten mit anderem object und adverbialem zusatz im sinne wirklicher bewegung: als er die bekantnus user dem knaben weder mit gueten oder trawworten kunt user schrecken. Zimm. chron.² 4, 138, 19. vgl. jedoch 2, b, γ.
2)
aus der vorigen bedeutung entwickelt sich dann, vermittelt durch die anwendung auf menschen, die heute üblichere 'in heftige gemütsbewegung, besonders in plötzliche angst, furcht versetzen'.
a)
mit persönlichem subject.
α)
allgemein: ich (gott) wil fried geben in ewrem lande, das jr schlaffet und euch niemand schrecke. 3 Mos. 26, 6; und indem Samuel das brandopffer opfferte, kamen die Philister erzu, zu streiten wider Israel, aber der herr lies donnern einen groszen donner uber die Philister desselbigen tages, und schrecket sie, das sie fur Israel geschlagen wurden. 1 Sam. 7, 10; im trawm des gesichts der nacht, wenn der schlaff auff die leute fellet, wenn sie schlaffen auf dem bette. da öffenet er (gott) das ohre der leute, und schreckt sie und züchtiget sie. Hiob 33, 16; das Jacob sol widerkomen, in friede leben und gnüge haben, und niemand sol jn schrecken. Jerem. 30, 10; die kinder schrecken, spaventar' i fanciulli, fargli bau, bau! baco, baco! Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 648ᶜ. sprichwörtlich: wer den teufel schrecken will, musz laut schreyen, bisogna che gridi ben' alto chi vuole spaventar' il diavolo, i perversi non si emendano con benigne esortiationi. ebenda. geschreckt werden, sive sich schrecken lassen, terreri, mente concidere, exanimari, in errorem perduci Stieler 1919: ein mann läszt sich nicht leicht schrecken, vir non facile incurvatur. ebenda.
β)
besonders in solchem gebrauche gern mit instrumentalen zusätzen: wenn er (gott) furnimpt die wolcken aus zu breiten, wie sein hoch gezelt, sihe, so breitet er aus seinen blitz uber die selbe, und bedeckt alle ende des meers. denn da mit schrecket er die leute. Hiob 36, 31; er wird einest mit jnen reden in seinem zorn (der herr mit den heiden), und mit seinem grim wird er sie schrecken. ps. 2, 5; (das sage ich aber) das jr nicht euch düncken lasset, als hette ich euch wolt schrecken mit brieven. 2 Cor. 10, 9; mit dem maule screcken, cum vaniloquentia minas facere Stieler 1919; einen mit drohworten schrecken, spaventar' uno con minaccie Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 648ᶜ; durch sein geschrey schrecken, suo clamore terrare Steinbach 2, 515; alles mit mord und brand schrecken, omnia caede et incendio terrere. ebenda;
die wercliute got schrahte
mit manegem tiere grimme.
Servatius 1996;
vermeinst du, dasz ich hier mit bloszen worten schrecke?
Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 515.
γ)
oft ist in solchen fügungen nicht die wirkliche anwendung der genannten mittel, sondern nur die erregung der furcht davor, das drohen damit gemeint: einem (wol nur druckfehler für einen. so richtig bei Kramer 2, 648ᵇ) mit der obrigkeit schrecken, auctoritate magistratus minari. Stieler 1919; mit dem tode schrecken, mortem denunciare. ebenda; einen mit der folter schrecken, spaventare cioè minacciare uno colla tortura. Kramer 2, 648ᵇ; die kinder mit dem mummel schrecken. Adelung; da ihm aber auch die unmöglichkeit einer befriedigung gezeigt wurde, so wollte er (der chursächsische deputierte) uns durch einen regress schröcken, der an das haus Weimar genommen werden könnte, weil der herzog ehemals das haus Sachsen Zeitz beredet das versagte holz an die gewerkschafft abzugeben, und die bezahlung versichert. Göthe br. 5, 157 Weim. ausg.
δ)
reflexiv: sich schrecken vor etwas, sich zum armen mann (zu tode?) schrecken. Schm.² 2, 596. in der schriftsprache hier völlig durch erschrecken verdrängt.
b)
mit anderem subject.
α)
von thieren: die verstöreten thiere werden dich schrecken. Hab. 3, 17.
β)
häufiger bei rein sachlichen begriffen: fur furcht deines hertzen, die dich schrecken wird. 5 Mos. 28, 67; angst und not schrecken jn. Hiob 15, 24; umb und umb wird jn schrecken plötzliche furcht. 18, 11; der gottlosen rauben wird sie schrecken. spr. Sal. 21, 7; die gefahr schrecket mich. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 648ᶜ; von denen, welche schwanger waren, als die erschütterung sie plötzlich schreckte, hat keine eine miszwoche gehabt. Stolberg 8, 337; es schrecket sein böses gewissen auch einen atheisten. ebenda. Schiller räub. schauspiel 1, 2 (die stelle s. unter dem formalen);
ir schal sol dich niht schrecken:
du solt dîne tugende wecken,
daʒ si dich wâfen gegen in (Hôhvart, Unkiusche, Erge, Trâkeit).
Thom. v. Zirklaere welsch. gast 7467;
was aber schrecket uns? wenn fleisch und blut erwacht.
Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 515;
dich schreckt kein sturm, wenn es zu retten gilt.
Schiller Tell 3, 3.
γ)
selten steht statt der person ein begriff des handelns oder empfindens als object, der dann gewissermaszen personificiert erscheint, mit anlehnung an die bedeutung 1: Fabius, der nicht ein schlechter meister ist die knaben zu informiren, befilcht, dasz das studiren der jungen nicht an härtigkeit zu schrecken, sondern mit schmeichlerischer freude und züchtigen loben zu erhalten und anzutreiben, und will dasz ein unterweiser den affect eines vaters an sich nehme. Schuppius 743;
umsonst
versuchst du, meine hoffnungen zu schrecken.
Schiller don Carlos 2, 15.
sinnlicher gewendet: es ist eine unaussprechliche glückseeligkeit wenn gesinnungen und empfindungen zwischen zwey wesens wechseln ohn irgend anzustosen, zurückgehalten oder geschröckt zu werden. Göthe br. 6, 6 Weim. ausg.
δ)
mit innerem object:
aber es rüstet sich schon mit allen schrecken der rache,
die gott schreckte, seitdem an dem thron der donner gerollt hat,
sieh, er weckt das gericht, und kommt, der letzte der tage!
Klopstock 4, 31 (Mess. 6, 437).
c)
mit adverbialer bestimmung statt des objects: schelten schreckt mehr an dem verstendigen, denn hundert schlege an dem narren. spr. Sal. 17, 10.
d)
absolut:
hier, wo die ulme traurt, der eibe schatten schrecket,
wo mürbe hügel staubs ein dürrer rasen decket,
schläft, in ein enges grab versenkt auf immerdar,
von diesem armen dorf der väter rohe schaar.
Gotter 1, 133.
besonders im part. präs.: schreckende gespenster;
schreckende wolken
wälzeten sich aus dem allerheiligsten.
Klopstock 5, 18 (Mess. 11, 211).
in adverbialer fügung: wie ich mich der erde näher fühlte, verschwand meine schwärmerey, aber mein bewustseyn kehrte desto schreckender zurück. Thümmel reise 2 (1791), 77. hierher scheint auch der folgende weidmännische gebrauch zu gehören: der (reh-) bock hat das eigenthümliche, dasz er, wenn er plötzlich etwas verdächtiges bemerkt, schreckt und dabei ein weitschallendes helles bellen, schmälen genannt ertönen läszt, ein warnungsruf für alles andere wild. Thüngen waidm. pract. 94. Heppe wohlr. jäger 264ᵃ, auch von anderem wilde gesagt. Behlen 5, 551. Kehrein weidmannsspr. 265. gemeint ist wol eigentlich das warnen des übrigen wildes. vgl. melden in solcher anwendung. für die auffassung in diesem sinne spricht die schwache abwandlung: 3. sing. schreckt, part. geschreckt, die auch Adelung als die gewöhnliche bezeichnet. auch vom anrufen flüchtigen wildes durch den jäger, damit es stutze und sich so bequemer dem schusse biete. Behlen 5, 551.
e)
freierer gebrauch des part. prät.: zwei andre (jungfrauen) rühren die zitter, um die geschreckten sinne der königinn zu beschäftigen. Stolberg 8, 457;
dasz sie mit hellerem auge den abgrund sähe, mit feinerm
und geschreckterem ohr des richtenden donner vernähme.
Klopstock 4, 57 (Mess. 7, 218).
bair. geschreckt, nicht recht bei trost, angeschossen, nicht richtig im kopf. Schm.² 2, 597.
3)
landschaftlich und besonders in technischer sprache begegnet das wort in der von 1 aus erweiterten sinnlichen bedeutung plötzlicher erschütterung oder einwirkung überhaupt, die aber auch beeinflussung durch die vorige anwendung zeigt.
a)
die nerven schrecken am fusz, am arm u. ähnl., ihn ein wenig verstauchen, verrenken. Schmeller² 2, 596. ähnlich: so trachtet er (der teufel) nach solchem schaden, welchen er wider heilen kan, sticht den leuthen nadel .. in den leib .. oder verrücket und schreckt jhnen die adern und glieder. theatr. diabol. (1569) 223ᵇ. schweiz. in gleichem sinne erschrecken, verschrecken, z. b. den fusz. Stalder 2, 351.
b)
die zähne schrecken, kaltes wasscr daran bringen. Schm.² 2, 597, und überhaupt: etwas plötzlich abkühlen, schröken, verschröcken. Schmid 480, schrecken, die glasmasse zum weiszen glase, nachdem sie zwei tage geschmolzen hat, mit eisernen löffeln in kalt wasser gieszen, um sie vom überflüssigen salze zu reinigen. Jacobsson 4, 45ᵇ, etwas, was überkochen will, durch wasser kälten Hertel thür. sprachsch. 221; schröcke Kleemann 20ᵇ; schweiz. erschrecken, verschrecken Stalder 2, 351, die milch schrecken Schmidt 209, kaltes wasser zu kochenden erbsen gieszen, damit die erbsen löslicher werden, zu kochenden klöszen, damit sie locker werden Schm.² 2, 596, auch: heisze luft abkühlen 597, geschröckt, von der kälte etwas getroffen, z. b. von einer blüte, einem weinstock gesagt Schmid 480, freier: etwas kaltes ein wenig erwärmen, so kaltes wasser, ein kaltes zimmer, schröcken, verschröcken ebenda, schweiz. erschrecken, verschrecken Stalder 2, 351. das kärnt. schrecken, heiszes schmalz in eine speise gieszen, dasz es prasselt Lexer kärnt. wb. 226, das der alten bedeutung 'springen machen' sehr nahe steht, kann zur erklärung dieser begriffsentwicklung dienen.
c)
bergmännisch der schusz schreckt das gestein, lockert es nur, sprengt es nicht los. Veith 429.
d)
schrecke, f., und schreckeläuten heiszt im katholischen Schwaben das zusammenläuten aller glocken am vorabend und um mitternacht (morgens) der hl. weihnacht Birlinger wb. z. volksth. a. Schw. 83, auch das läuten in der erntezeit von 3 bis 4 uhr (morgens?) Augsb. wb. 402ᵃ. es scheint mit schrecken, aufschrecken zusammen zu hängen, denn es weckt doch wol die gemeinde zur weihnachtsmesse oder zur arbeit: das trib er (der rattenfänger) die ganzen nacht (die christnacht) biss mitternacht, das man schrecken läute umb zwelfe. Zimm. chr. 3, 197, 11.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 1668, Z. 63.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
geschlag gesellschaftsblick
Zitationshilfe
„geschreckt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschreckt>, abgerufen am 28.11.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)