Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschuppt

geschuppt,
mit schuppen bedeckt: geschüppet, squamosus Maaler 173ᶜ, geschuppet Henisch 1546; der schwanz ist geringelt und geschuppt. Brehm thierl. 2, 55;
des oceans sohn,
geschuppter Triton.
Fr. Müller 2, 382;
übertragen: geschuppet, verblümet kleid oder gewand, vestis scutellata, reticulata, orbibus s. scutulis distincta Henisch a. a. o.; in der wappenkunst, mit halben zirkelstreifen besetzt, squamatus Frisch 2, 234ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3974, Z. 54.

schupfen, schuppen, verb.

schupfen, schuppen, verb.
schnell und heftig stoszen, durch stosz in schaukelnde bewegung versetzen, in solcher bewegung sein. altes intensiv zu schieben, vgl. dieses (theil 8, 2666), erwachsen aus einer andern präsensbildung, die in sanskr. kṣubhnâti (neben kṣobhate), schwanken, zittern, zu tage tritt. da diese indes intransitive bedeutung hat, bei schupfen dagegen die transitive bedeutung überwiegt und auch umgelautete formen begegnen (s. u.), so hat wol angleichung an den typus der ersten schwachen conjugation stattgefunden, die ja gewöhnlich causativen sinn hat (vergl. z. b. schlupfen, schlüpfen sp. 842), s. Fick³ 3, 338. Grimm gramm. 2, 18. Germ. 16, 25. weniger wahrscheinlichkeit hat es, neben dem intransitiven schupfen ein wirkliches causativ schüpfen anzunehmen, wie dies Lexer mhd. handwb. 2, 826 zu thun scheint. auszerhalb des engeren deutschen sprachgebietes ist die bildung nicht nachzuweisen. ahd. scuphan, praecipitare, verscupfen Graff 6, 458; mhd. schupfen, schüpfen, selten schuffen, md. schuppen Lexer handwb. 2, 826 f.; mnd. schuppen (selten) Schiller-Lübben 4, 152; nl. schoppen vel schuppen, excutere, foras ejicere; et vibrare, motitare Kilian und: schuppen protrudere, propellere, repente expellere, repellere, eiicere. ebenda, jetzt holl. schoppen schaukeln, fusztritte geben. die formen der älteren sprache in glossen: precipitare schuppen, hd. schuppffen, schopfen, schoppen, stuppen (lies scuppen?) Dief. 452ᵃ, precipitari schupphen, vervallen. ebenda; schepphen, schupphen .. schuppen. nov. gl. 300ᵇ; reicere ... schupffen. gl. 490ᶜ; schuppen, vorsman. nov. gl. 315ᵇ; secludere .. schupffen, schuppen. gl. 523ᵃ; Weigand 2, 650 giebt an schupphen 1429, clevisch schuppen 1475. — in der nhd. schriftsprache herrscht in der ältern zeit durchaus die form mit pf; sie steht in folgenden wörterbüchern u. s. w.: schupfen oder abtringen, rejicere, secludere. voc. v. 1482 bei Frisch 2, 233ᶜ; schupffen, wenden, fürrucken, promovere Maaler 364ᶜ; schüpffen Clajus 99, 19 Wendling (ohne erklärung); schupffen Schönsleder (1618) Bb 7ᶜ bei Weigand a. a. o.; schupfen bei Stieler nachsch. 26ᵃ (s. u.); schupfen, mittere, librando jacere Dentzler 2, 257ᵃ. wenn daneben bereits Alberus anführt 'ejicio, ich schüpp hinaus', so ist hier vielleicht vermischung mit schüppen 'schaufeln' anzunehmen. dasz diese wörter sich sehr nahe stehen und leicht mit einander wechseln, zeigen besonders die bei Drechsler W. Scherffer s. 238 angeführten stellen, die auch die sonderbare perfectform schuff' (nicht eher zu schaffen?) und schüppe bieten: welches ich nicht thun wollte, schüppe solchen ring von mir, dasz er in den koth fiel. Schweinichen 2, 261. sonst als schippen. in der neuern zeit überwiegt schuppen, doch ist das wort überhaupt seltener geworden. Frisch 2, 233ᶜ kennt es nur aus der älteren sprache, Wachter 1475 nur als schwäbisch (schupfen, trudere, protrudere, dial. Suevica. frequentativum a schieben ejusd. signif.). die litteraturbelege haben überwiegend schupfen, daneben schüpfen (Tschudi, H. Sachs, Galmy, S. Franck, Becher, Opitz), wie es seheint, unterschiedslos, zuweilen beides bei demselben autor. schuppen hat der avanturier (1756) und Göthe. heute ist schupfen besonders in den oberd. mundarten erhalten: schweiz. schupfe(n), schüpfe(n) Stalder 2, 354. Hunziker 233. Seiler 265ᵃ; schwäb. schupfen Schmid 481. Birlinger 403ᵇ; bair. s. Schm. 2, 440; österr. Höfer 3, 118. Castelli 252. Schöpf 651 f. Lexer 227; schüpfen Zingerle 50ᵇ; schles. schuppen, schüppen Weinhold 88ᵃ; ebenso koburgisch schuppen Schm. 2, 438, thüring. schuppen (schobe) Hertel sprachsch. 222. Jecht 100ᵇ. Liesenberg 210; in Leipzig schubben, schuppen Albrecht 207ᵃ; nd. nur noch vereinzelt als schuppen Dähnert 418ᵇ. Schütze 4, 82; schuppen, schüppen Stürenburg 236ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 161ᵇ. üblicher ist hier die weiterbildung schuppsen, s. daselbst.
bedeutung.
1)
die zunächst zu erwartende intransitive verwendung ist sowol mhd. wie nhd. verhältnismäszig selten.
a)
meist von einer tanzenden, hüpfenden bewegung:
mit dem fuoʒe er schupfet unde rîbet.
Neidhart s. ⅩⅩⅠⅠ, 13 Haupt;
als die uff und nider hüpfent ...
mit dem wunderlichen tantz ...
also schupfentz ab und uff.
Laszberg lieders. 3, 295, 35;
(sie) dantzten, schupfften, hupfften, lupfften, sprungen, sungen. Garg. 82ᵇ; (er) liff, und sprang ... nicht des bockspringens, seit und rucksprungs, noch des böhmischen sprungs, noch auff eim fusz schupffen. 178ᵇ; laszt uns ... newe däntz und trachten erdencken ... oder, wie Sardanapal, gold spinnen und tapffer schupffen. 226ᵇ.
b)
mhd. auch vom pferde, galloppieren:
er schupfte starke und drabte,
daʒ er vil lützel ûf gehabte.
krone 11096;
ähnlich:
schuffunde oder drabende.
jüng. Tit. 229.
doch liegt hier wol ein anderes wort vor, zu dem schûft und schûften, schiuften gehören.
c)
von einer hin und her wogenden bewegung flüssiger oder luftförmiger massen: dann es begibt sich, dasz die massa (des blitzes), ehe dasz sie sich gar bereitt, selbst schupfft hin und wider, gleich als ein eingeschlossen büchsenpulver, das angezündt wirdt, hin unnd her gumpt. Paracelsus opp. (1616) 2, 90 C.
d)
aufschupfen, emergere e profundo: als der in das wasser gestürzte, aus der tiefe wider aufgeschupft, unterstunde er sich weg zuschwimmen. Stumpf Schweizer chron. 661 bei Frisch 2, 233ᶜ.
2)
meistens transitiv, zunächst im eigentlichen sinne.
a)
einem einen stosz geben, ihn durch einen stosz von der stelle bewegen: einen aus dem sattel schupfen im streit. Frisch 2, 233ᶜ; jemanden aus dem wege, in das wasser schuppen. Adelung; der falsch marschalck dem hencker mit seinem stab ein wortzeychen geben thet, zuͦ handt er den buͦben schüpffet (von der leiter hinabstiesz). Galmy 96ᵃ; als sie darneben (neben die platte) kamend, erwüschet Wilhelm Tell seinen schieszzeüg .. und sprang damit ausz dem schiff auff die platten, schupffet das schiff von dannen. Stumpf 347ᵇ;
er schufft dâ manegen über bort.
Wolfr. v. Eschenbach Willeh. 415, 7;
der gebûre in daʒ viure gienc
und schupft mit sines slegels stil
der meide über einander vil
ze houfen in daʒ viure.
krone 14315;
sus schupte er in in die vlut.
pass. 281, 29 Köpke;
si begunden lupfen   die getouften über al
und ûʒ den setelen schupfen,   daʒ manic cristen viel ze tal.
Wolfd. D ⅠⅠⅠ, 25 (heldenb. 4, s. 19);
Rigô von Wiene starch
ward auch hin nâch geschupffet.
Oswald v. Wolkenstein 14, 3, 16;
bildlich:
schupfe,
gupfe
leit hin dan.
minnes. 1, 146ᵃ Hagen.
als schippen (vgl. sp. 207):
wie er, was eitel war, verächtlich ausgelachet,
den tand des irdischen geschippt mit füszen weg.
Lohenstein hyacinthen 32.
auch ohne object, stoszen: mit einer hilzenen und eisenbeschlagenen mistgabel vorgewartet und endlich auf mich geschupft, doch nit troffen. quelle von 1664 bei Birlinger 403ᵇ.
b)
in die höhe schupfen, werfen u. ähnl.: haben im wasser das knäblein an den füssen ergriffen und über sich geschupfft und bey den haaren herausgezogen. quelle bei Schm. 2, 441; (vögel) in die höhe schüpfen bei der falknerei (vgl. Becher geh. jägercab. 66), auch schupfen allein in diesem sinne:
sie lôste ab daʒ veʒʒel pant
und schupfte den valken von der hant.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 20389;
jeglichem vogel schrieb er da
ein briefflein klein, ...
er schupfft sie hin, wol von des thurmes zinne.
Ambras. liederb. 226, 159.
bildlich: er hat dessen (des esels) umbstende so trefflichen abgemahlet, und dergestalt dargethan, dass man wahrhafftig kan sagen, er habe jhn gleichsam mit macht genommen, und biss an die sternen hinauff geschupfft (am rande: nota. entbor gehoben). des esels adel (1619) bei Dornav 564ᵃ. — auch reflexiv:
Achilles hub sich starck empor,
das jhm der todt nit käme vor,
auch uber sich im wasser hupffet,
sich mit den füssen hoch auffschupffet.
Spreng Il. 295ᵃ (21. ges.).
freier, hüpfen, tanzen (vgl. 1):
Liban uͦnt Sirjon sich schupfen,
wi ain juͦngs ainhorn tuͦt hupfen.
Melissus psalm. L 6ᵇ (ps. 29, 3).
so noch heute im schwäbischen, in die höhe heben Schmid 481. in Österreich schupfet die amme ihr kind, wenn sie es auf den armen auf und nieder wiegt Höfer 3, 118.
c)
einen verbrecher in einem korbe in die höhe ziehen und dann ins wasser schleudern, als strafe, besonders für betrügerische bäcker, aber auch für matrosen, meineidige, zänkische weiber u. a., vgl. schupfe 1 und die daselbst angezogenen stellen, ferner Grimm rechtsalterth. 726. mhd. wb. 2, 2, 170ᵇ. Lexer handwb. 2, 827. Scherz-Oberlin 1452. Schm. 2, 441. Birlinger 403ᵇ f. Höfer 3, 118: ist eʒ ein mietknecht, der daʒ gebot brichet, den sol man schupfen. quelle bei Lexer a. a. o.; swer oech unrechte misset den win, den soll man schupfen. Straszb. statuten bei Scherz-Oberlin a. a. o.; swelher beck daʒ vaychen bacht, daʒ ist swelherlay brot, daʒ anders ist dan davor geschriben stat, .. das sol der burggraf hinz im rihten mit schupfen und diuselb schupf sol stan an der hauptstat. ebenda (Augsb. recht); derselb messer ist dem vogt schuldig einen schilling pfenning, als dick er es tut, und auch das man in als dick schupfe in der schupfen. Augsb. stadtb. bei Schmeller a. a. o.; Albrecht Wachtershofer .. ist erkennet zu schupfen von args brots wegen. Augsb. ratsdecret von 1443 bei Birlinger 403ᵇ.
d)
schaukeln: schupfen, etiam id. est quod schumpeln (vgl. daselbst 2) Stieler nachsch. 26ᵇ, vgl. Schm. 2, 441. sich zur lust auf einem seile schupfen. Höfer 3, 118. so auch holländ. schoppen.
e)
abwerfen, in dem sprichwort: ein pferd das zu viel futter hat schupft seinen herrn. Lehmann 142. Simrock sprichw. 7839.
3)
vielfach in übertragenem gebrauche.
a)
mhd. antreiben, (hunde) hetzen:
zuo den hunden er dô sprach
'zazâ' und gund sie schupfen.
Reinhart 789;
unmære hunde sol man schüpfen zuo dem bern.
minnes. frühl. 20, 9;
als gein einem æhtære
schupfterʒ volc hin ûʒ an in.
Parz. 284, 9.
so auch im bilde vom teufel, der die menschen zur sünde antreibt: sie schüpfent gar in manige wîse, wie sie zuobringen daʒ ir schuldec werdet. Berth. v. Regensburg 1, 31, 19, vgl. Schm. 2, 441.
b)
einen von etwas fortstoszen, vertreiben; schuppen iemanden wt sijnen stoel, deturbare aliquem e sede Kilian; jemanden von einem amte schuppen, schupfen, entfernen, ihn entsetzen Adelung; einen durch list und kabalen aus seiner stellung entfernen Castelli 252; einen von seinem lehen schupfen (s. schupflehen), einen beamten, dienstboten schupfen, entlassen, abdanken Schm. 2, 441 u. a. m. (vgl. auch abschüpfen theil 1, 110): it duchte etliken, dat se de vrouwen .. wolden schuppen uth deme lande. quelle bei Schiller-Lübben 4, 152ᵇ; ich kan nicht mehr thun, ich bin nu von dem plan geschupfft, sie haben nu zeit, zu wandeln, was man von jnen nicht leiden kan. Luther 1, 501ᵇ; ich bin aus des vaters haus geschüpfft, habe kein erbteil. 4, 210ᵃ; daraus dann diese untreue list erfolgett, das jhr viel ehrlicher ansehelicher leuth rethe .. hinweg zu schupffen unternehmet. Weimarer urkunde von 1559 bei Dief.-Wülcker 847; da ein weltkind das ander wider verleumgrubet, und angeust oder schupffen hilfft. Mathesius fastenpred. 34ᵃ; schüpfet keinen von seiner zechen. Syr. 2, 40ᵇ; wann sie mit reden gar zu frey sind, so stehet gefahr drauff, dasz sie nicht die gnade jhrer herrn verliehren, dasz das gegentheil oberhand gewinne, und sie mit verachtung vom hoffe geschüpffet werden. Opitz Arg. 2, 274; das lehn heiszt schupf-lehn deszwegen, weil man ihn, wenn er seine pflichten nicht erfüllt, aus dem lehn herausschieben oder schuppen kann. Göthe 43, 155;
der könig erschrack ob der stimm ...
und bedachte in seinem sinn
den bischoff zu schupffen von hinn.
H. Sachs 4, 1, 112ᵃ.
einen bei einer wahl übergehen, zurückweisen: (herzog Albrecht) vermeint, es wäre vor nie gebrucht, dasz man eins keisers oder künigs sun in der wal geschüpfft hette. Tschudi 1, 207. einen liebhaber abweisen, mit ihm brechen, ihm aufsagen:
vâhe si mich iemer an deheiner lüge,
sâ sô schüpfe mich zehant.
minnes. frühl. 173, 16;
dieweil ich bin geschupft,
mein herz vor jamer schnupft.
Zimm. chron.² 4, 229, 31 Barack.
eine frau schupfen, verstoszen: dasz die mechtigen die ersten frauwen schupfen und ander weiber nement. Schade sat. u. pasqu. 3, 53, 33. auch sonst, einen verstoszen:
deinn knecht im zorn nit schupfe noch verstos.
Melissus psalm. L 1ᵃ (ps. 27, 9).
c)
etwas auf einen schieben, abwälzen: der provincial und prior von Basel übten sich auch hart, das sy dise bawfellige sach abtriben, und allen ungümpff (lies unglimpf?) auff den bruͦder schupfften. Franck chron. 223ᵃ; bei Kirchhof wendunm. dafür schepfften (druckfehler?), s. daselbst II, A, 3, c, sp. 1539.
d)
einen zum besten haben, übertölpeln, necken, narren Campe (Schwaben, Dithmarschen). Schmid 481 (Ulm). Schmeller 2, 441 (Schwaben, Nürnberg); i lass mi net schupfe, aufziehen Wander 4, 390. in stärkerem sinne, verlocken, anführen:
merkt von den schonen weiben ...
sy greiffent weislich an,
schupffen machen (l. manchen) kunen degen,
und wen er ist erlegen,
sein daschn musz vor dran.
fastn. sp. nachl. 286, 9.
nach Campe im Dithmarsischen auch geradezu für betrügen, doch sagt man dafür gewöhnlicher beschuppen Adelung. Schütze 4, 82, was eher zu schuppen, desquamare zu stellen ist, s. theil 1, 1598 und schuppen II, 4, d.
e)
etwas heimlich wegnehmen, stehlen: eine bouteille wein für mein schäfgen schuppen. avant. 1, 149.
4)
mundartliches.
a)
oberd. die achsel schupfen, zucken Schm. 2, 441. Birlinger 403ᵇ. Höfer 3, 118. Schöpf 652: die eheleut müssen gute achseln haben, denn sie müssen dieselben oft über ein sach schupfen. quelle bei Schm. a. a. o.; d' achseln hat er g'schupft, weggekehrt hat er sich und gangen iser. Anzengruber³ 3, 319.
b)
der nebel schupft sich, steigt in die höhe Schm. 2, 441.
c)
schwäb.-alem. geschupft, närrisch, verrückt, albern Seiler 265ᵃ. Schmid 481. Schm. 2, 442. Wander 4, 390. dafür auch verschupft: du bist ein wenig verschupfft, non tibi sanum est sinciput. voc. von 1618 bei Schm. 2, 442. die bedeutungsentwicklung ist hier wol dieselbe wie bei verrückt, vgl. auch oben 3, d.
d)
im schlesischen sich schuppen, sich niedersetzen; schupp dich! sagt man besonders zu kindern Weinhold 88ᵃ.
e)
niederd. zurückhalten, wehren; he schuppt mit händen un föten. Dähnert 418ᵇ.
f)
in der studentensprache einen von der seite anrennen, rempeln Kluge stud.-spr. 124ᵃ.
5)
noch weiter ab liegen folgende gebrauchsweisen, die wol nur zum kleinsten theile zu diesem verb. gehören.
a)
ein getränk langsam einschlürfen (?): so ligt auch nit die gantz total haͤl gesundheit unserer menschheit an dem, dasz man wie die canes lapp, schlapp unnd läpper, und tropffen für tropffen schupff, sonder viel mehr an dem, dasz man fein fruͤ trinck. Garg. 160ᵇ. es liegt nahe, an druckfehler für schöpf zu denken, doch lesen alle ausgaben schupff, s. den neudruck s. 253.
b)
frische würste schüpfen, brühen Schm. 2, 441; ähnlich schon bei H. Sachs:
nach dem der koch die handschuch sein,
die er gar wol besudelt hett,
inn heissen wasser schüpffen thet.
2, 4, 127ᵈ.
c)
nudeln schupfen, den teig durch wälzen mit der hand zu länglichen nudeln (schupfnudeln, vgl. daselbst) formen Schöpf 652. Schm. 2, 442.
d)
schweiz. 's tach schüpfe 'ein sehr schief liegendes dach so heben, dasz es sich mehr der horizontalen lage nähert' Hunziker 233, walmen Stalder 2, 354; daher auch das heu schüpft sich, wenn es unter der schiefen richtung des daches aufgeschichtet ist. ebenda, vgl. schupfdach. Hunziker scheint diese verwendung von der bedeutung 2, b herzuleiten, doch möchte darin eher ein denominativ stecken (mit einem schopf, schupf versehen?). dagegen scheint das subst. schüpfi, f. walm Stalder a. a. o., der winkel, den die obere und untere hälfte eines schupfdaches miteinander bilden Hunziker a. a. o., erst aus dem verbum gebildet zu sein.
e)
ebendort auch schüpfen, schüpfelen schindeln, ein dach oder ein gebrochenes bein mit schindeln belegen, dazu das schüpfi, schüpfeli, schindel, schindelchen Stalder 2, 354.
f)
im schwäbischen auch den faden an die spindel drehen Birlinger 403ᵇ.
g)
ferner wasenböden aufreiszen und urbar machen. ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 2006, Z. 79.

schuppen, m.

schuppen, m.
1)
schutzdach, offener raum mit überdach, vgl. schopf (sp. 1531 f.), schoppen (1564 f.) und schupfen. während das ältere nhd. schopf, das 18. jahrh. schoppen bevorzugt, ist jetzt schuppen die herrschende form geworden. auszerhalb des deutschen entspricht ags. scypen, kuhstall, daraus engl. (dial.) shippen stall, daneben sceoppa, engl. shop laden, s. Kluge⁵ 338ᵇ. Skeat 549ᵇ. früher als schuppen ist das fem. schuppe bezeugt: schoppe, et schuppe, die, it. der schopf, et schupf, porticus, nubilar Stieler 1781: Sylvester, der unter einer schuppe neben der wohnung das nöthige feld- und gartengeräthe fand, installierte sich noch an demselben tage in seinem neuen amte. Wieland 30, 362. der älteste beleg läszt leider das geschlecht unentschieden: im Voigtland hat man auff den wiesen ein schlecht höltzern gebäu, viereckicht, und oben mit einem dach, das heist man schuppen, da leget man das heu, welches man zu hause nicht alles beherbergen kann, drein (am rande: heu wird im Voigtland in die schuppen gelegt). Coler hausb. 167ᵇ; es soll aber ein jeder ackermann auch in seinem hofe solche schuppen oder gebäude haben. ebenda. sicher ist das masc. zuerst bei Steinbach gebucht: schoppen (der .. quidam scribunt schopfen, schupfen, schuppen), tugurium, porticus, nubilarium. 2, 493; vgl. auch: schuppen, échope, ist ein schlechtes behältnisz, öfters nur aus ständern und einem dache bestehend, um darunter einen holzvorrath, oder auch wol andere sachen trocken verwahren zu können. Eggers kriegslex. 2, 848. ungefähr ebenso alt sind die ältesten belege aus der litteratur, doch bevorzugen noch Adelung und Campe die form schoppen: bey dem eingange des gartens befanden sich zwey schuppen, in dem einen stund die kutsche. avantur. 1, 29; mein grosvater sendete mich nun eines tages in den schuppen. ebenda; weil die besten statuen in einem schuppen von brettern, wie die heringe gepackt, standen. Lessing 11, 264; sie (die capelle) ward als ein schuppen, ja fast wie ein stall behandelt. Göthe 21, 20; der (wagen) aber stand schon, seit jahr und tag, als ein verachteter emeritus, in dem innersten winkel des übelbedacheten schuppens. Schmidt kom. dicht. 440; auch nahm man zur erbauung der schuppen für menschen und thiere die bäume aus den herrlichen lust- und fruchtgärten. Raumer gesch. der Hohenst.² 1, 132; vom morgen bis zum abend arbeitete er im schuppen. Auerbach dorfgesch. 4, 152; aber du lieszest den juden mit deinem stein allein und gingst nach dem schuppen, um eier zu suchen, wie? Hebbel (1891) 2, 51 (diamant 3, 4); das gärtchen liegt zwischen dem wohnhause und dem schieferschuppen .. vom wohnhaus zum schuppen gehend hat man es zur linken seite. Ludwig 1, 141; wenn hier ganz in der nähe ein vordach oder ein offener schuppen ist .. so befehlen sie groszmütig, dasz man mich dort ruhen läszt. Keller 3, 141; in dürftigem schuppen steht eine kutsche. Freytag bilder 1, 7; ein leiterwagen, der aus dem schuppen gezogen worden, verlegte ihm den weg. Anzengruber³ 3, 42. — mundartlich in Thüringen, s. Hertel sprachsch. 222. Liesenberg 210.
2)
ein anderes schuppen findet sich in oberdeutschen mundarten als nebenform zu schopf, vgl. schüppel 2: schweiz. schuppa haarschopf Tobler 400ᵇ, schuppen menge, haufe Stalder 2, 354; bair. schoppen wulst, horst, dichter busch von moorgras oder schilf Schm. 2, 438; tirol. tschuppen büschel, schopf, haufe, truppe Schöpf 470.
3)
schuppen (oder schuppe, f.?) als bezeichnung einer pelzart: zu verkaufen: ein wenig gebrauchter gut erhaltener reisepelz (schuppen) bleichstrasze 11. Frankf. intelligenzblatt vom 16. nov. 1871, 3. beil. lehnwort aus russ. šúba, pelz, vgl. auch schuppenbalg und schuppenpelz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 2019, Z. 5.

schuppen, verb.

schuppen, verb.
I.
stoszen, nebenform zu schupfen, s. das., vgl. auch die weiterbildung schupsen. zuweilen ist das wort von schüppen nicht genau zu scheiden, s. dieses. eigenthümlich ist, dasz im alemannischen in derselben bedeutung auch schuben begegnet: ich komm' mir oft vor wie ein waisenkind, das unter fremden leuten herumgeschubt wird. Auerbach dorfgesch. 3, 89. vgl. schuben 1.
II.
ableitung zu schuppe.
1)
selten in der bedeutung 'mit schuppen versehen'.
a)
zu schuppe 1, nur im particip geschuppt, gleichbedeutend mit schuppig Adelung, vgl. theil 4, 1, 3974; so schon mhd.:
under dem gürtel was ir vel
geschüppet, wan eʒ was ein visch.
Reinfr. von Braunschweig 22549;
auch in zusammensetzungen wie blaugeschuppt:
er (Herakles) schlug den blaugeschuppten wächter,
der grass den baum umwand.
Voss 4, 194;
im zauberhaine, wo du kaum den drachen
entrannst, die, erzgeschuppt, am eingang wachen!
Zedlitz bei Stern d. dichtung 152ᵇ.
b)
zu schuppe 3, vom aussatz, transitiv:
denn nur die eignen glieder schuppt' ihm aussatz.
Ludwig 4, 149.
reflexiv, von der haut, schuppen bilden, ansetzen; dichterisch auch vom aussatze selbst, sich in schuppen darstellen:
und aussatz schuppte sich mir augenblicklich,
wie einem Lazarus, mit ekler rinde
ganz um den glatten leib.
Shakesp. Hamlet 1, 5.
c)
zu schuppe 5, geschuppter panzer, mit schuppen versehen, aus schuppen zusammengefügt, wobei unter schuppen kleine metallplättchen zu verstehen sind, zuweilen jedoch auch wirkliche fisch- oder schlangenschuppen:
Getulier, im geschuppten panzerhemd
aus schlangenhaut auf zebrastuten reitend.
Geibel 7, 45 (Sophonisbe 3, 1).
auch von dem menschen, der eine solche rüstung trägt:
geschloss'nen aarhelms, ganz in stahl geschuppt,
trat Gunther festen schrittes ihr entgegen.
6, 9 (Brunhild 1, 2).
d)
geschuppt, in der wappen-kunst. wann eine figur mit halben zirkel - streifen besetzt ist, squamatus. Frisch 2, 234ᵇ; ebenso Adelung.
2)
so auch intransitiv, schuppen ansetzen, damit bedeckt sein, von der haut? so scheint folgende stelle zu verstehen zu sein:
schupende pruͦst, arm, hend und bein,
daran viel gschwerlein gros und klein.
Thurneisser archidoxa 4ᵃ.
3)
gewöhnlich in der entgegengesetzten bedeutung 'der schuppen berauben', vgl. entschuppen (th. 3, 612), so schon mhd. schuopen, schûpen Lexer handwb. 2, 824: de-, disquamare schupen vel ent-schupen, -schelen, ontschellen vel schueben. Dief. gl. 176ᶜ; entczuppen nov. gloss. 132ᵃ (vocab. von 1420); squamare hd. schuppen, schupen, entschüppen, nd. schueben, schubben, schieppen von den fischen thun. gloss. 549ᶜ; der zu erwartende umlaut ist im mhd. und ältern nhd. oft vorhanden (vgl. auch 1), jetzt aber durchweg aufgegeben; über den wechsel von p und pp vgl. das unter schuppe gesagte: schüppen die fische. Alberus dict. 91ᵇ; entschüpen desquamare Dasyp.; schupen, schuppen, schuben, verb. scagliare, discagliare, levare le scaglie. einen fisch schupen, abschuppen. der fisch ist schon geschupt, einen karpen ungeschupt (mit den schupen) sieden (heisz ò blau absieden). Kramer dict. 2, 682ᵇ; schupen, et schuppen, desquamare Stieler 1781; ich schupe, squamo, desquamo. ebenso ich schupe ab, ich beschupe; die köchinn schupte die fische ab. Steinbach 2, 524 f.; schuppen einen fisch, squamare piscem Frisch 2, 234ᵇ; der schiept den visch, ille resolvit squamas. quelle bei Schm. 2, 438; die fische werden geschuppet, ausgenommen und gerissen. Comenius sprachenthür 436; der hochgeborne pan Julius Grawinsky fährt seinen torf selbst, und panna Anastasia, ... schuppt fische. A. Weber s. neuer deutscher novellensch. 19, 179. ebenso in neuern mundarten, z. b. bair. schueppen, schüeppen Schmeller 2, 438, preuszisch schuppen Frischbier 2, 322ᵇ; auch von einem kinderspiel, wobei der nackte arm des gegners mit scharfer handkante als fisch geschabt wird.
4)
besonderheiten und übertragungen.
a)
die haut schuppt sich, löst sich in schuppen, dünnen blättchen, ab Adelung.
b)
schuppen reiben, kratzen, s. III.
c)
geschupptes brot, dessen rinde sich vom werfen losgelöst hat. Campe.
d)
in der gaunersprache (und auch sonst) schuppen, beschuppen, einen ausplündern, betrügen, namentlich beim spiel Avé - Lallemant 4, 605 f. in bildlicher anwendung von 3; vgl. auch schupfen 3, d.
5)
weiter ab stehen folgende mundartliche verwendungen.
a)
schweiz. schueppen schneiden, z. b. das korn Stalder 2, 527 (von 3 ausgehend?).
b)
ungarisch schuppen, auch bei der schupp nemen, bei den haaren ziehen, um geld strafen Schröer 205ᵃ, zu schupp für schopf.
III.
schuppen für nd. schubben, s. dieses, sp. 1813. zuweilen liegt eine anlehnung an die bedeutung II, 3 vor. so in mitteldeutschen mundarten: rheinisch schuppen, schuppchen, mit den schultern zucken, wie beim jucken; 'mit den kleidern am leibe reiben, um sich gleichsam von schuppen zu reinigen'. Kehrein 1, 370; thür. sich schuppen, jucken, kratzen (neben schuppen schieben) Jecht 100ᵇ, ebenso in Leipzig Albrecht 207ᵃ, vgl. auch Weigand 2, 651. zuweilen auch in der schriftsprache auf norddeutschem boden:
selbst mein Alart lag winselnd, und schuppte sich.
Voss 144 Sauer (d. heumad 31).
vgl. auch: schupen, et schuppen, desquamare, it. scabere, scalpere, et fricare se Stieler 1781.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 2019, Z. 68.

schüppen, verb.

schüppen, verb.
schaufeln, mit der schüppe fortschaffen; denominativ zu schüppe, f. zuweilen vermischt mit schuppen für schupfen, s. daselbst. wie schüppe vorwiegend niederd. im mnd. nicht deutlich von schuppen = schupfen zu unterscheiden, doch gehört folgende stelle wol hierher: den unflaett nicht .. wedderumme in den ronnsteynn schuppenn. Jeverer urkunde aus dem 16. jahrh. bei Schiller-Lübben 4, 152. jetzt in nd. mundarten weit verbreitet: schuppen mit schaufeln werfen; abhalten, wehren, beschützen, dazu uut, voort, weg schuppen brem. wb. 4, 716, schüppen Mi 78ᵃ. Danneil 189ᵇ. Stürenburg 236ᵇ. snei schüppen, schnee schaufeln; den weg blank schüppen, auch von sek schüppen, abwälzen, ablehnen Schambach 187ᵇ. ebenso nl. schuppen, pala sive ligone eruere aut proruere Kilian. nhd. seit dem 17. jahrh. nachzuweisen: schuppen, palâ levare, houer Schottel 1410; schüppen, palare, spalare, paleggiare. v. schaufeln. Kramer dict. 2, 682ᶜ; häufig in der form schippen (s. sp. 207): schüppen, et schippen, geschüppet, et geschippet, palâ levare, rutrô tollere, et asportare. compos. abschüppen, weg- et hinwegschüppen, fortschüppen, zueschüppen. Stieler 1780; mit der schüppe stoszen, werfen Campe. in hochd. mundarten nicht nachzuweisen. gelegentliches schüppen, das besonders im schlesischen neben schuppen = schupfen steht, braucht nicht notwendig so aufgefaszt zu werden. doch gehören manche belege aus schlesischen autoren vielleicht hierher; vgl. Weigand 88ᵃ. Drechsler W. Scherffer 238.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 2021, Z. 11.

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Zitationshilfe
„geschuppt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschuppt>, abgerufen am 27.11.2021.

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