Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschwader

geschwader,
früher auch schwader, n., bei Frisch 2, 239ᶜ beides fem., aus dem romanischen übernommen, ital. squadra, f. viereckig aufgestellter haufe reiter, squadrare, viereckig machen, span. esquadra, cohors, classis pars, turba, franz. escadre, älter esquadre, flottenabtheilung, escadron, eig. viereck von reitern, daher die schwadron; mnl. gheswadder, gheswade, cohors, turma, turba Kilian 177ᵇ; nd. geswade: primipilus, de hövetman des ersten geswades Chyträus 182. in der mehrzahl bisweilen mit umlaut: zwei gschwäder, beide geschwäder S. Frank chron. (1551) 236, der sogar in den sing. eingedrungen ist: darumb sol ain ietlichs geschwäder (der leichten reiterei) die geüpteschten fürer haben. H. Busteter ernstl. bericht 29, 36 Peters.
1)
heerhaufe.
a)
im allgemeinen, auch vom fuszvolk: geschwader, manipulus, cohors, copia militum Henisch 1547; grosz geschwader, legio Stieler 1950; geschwader fuszvolk, zwei geschwader zu fusz. Aler 917ᵇ;
da sah man den lufft schwartz und dick
voll pulver, bech und kuglen brennen
und dein geschwader siegreich rennen
durch des feinds heer mit stehtem glick.
Weckherlin 367 (od. 1, 5);
Gurgelstroz mit seim geschwader hab das feld geraumet. Garg. 255ᵇ; dasz alle die daselbst ligenden geschwader der feind schrecklich ersoffen. 232ᵇ;
er strich durch die geschwader (φάλαγγες) hin und her.
Bürger 164ᵃ (Ilias 5, 626);
also wälzten die jungen und streitbehenden gesellen
mit den Aianten sich, gedrängt in schwarze geschwader,
starrend von schilden und lanzen, heran zur grimmigen feldschlacht.
216ᵃ (4, 281);
schwenkend die spizigen lanzen durchwandelt er alle geschwader.
Voss Ilias 5, 495;
durchstürmt Diomedes die dichten geschwader der Troer.
Stolberg 11, 148.
b)
reiterabtheilung, von schwankender zahl: turma, ein schar reisigen, zween und dreiszig reisigen, ein geschwader Dasypodius Gg 6ᵇ; schwader reuter, in specie est caterva triginta duorum equitum Stieler 1950; grosz geschwader, ala equitum ebd.; geschwader, reiterhaufe von ohngefähr 110 mann, schwadron Jacobsson 2, 69ᵇ; auff der rechten seiten war ein geschwader (regiment) reuter. Aler 917ᵇ; ein wolgerüstet geschwader reuter von 600 pferden. Fronsperger kriegsb. (1596) 3, 146ᵇ, zum j. 1542; in unserm gewaltigen haufen (haupttreffen) waren zwei geschwader: unter der k. m. waren 400 spieszer und 300 schützen (zu pferd), des römischen königs geschwader waren 600 spieszer und 300 schützen starck, und solches war unser gantzer reisiger zeug. Hortleder 632; ein schwader reuter, damit nicht ein schwader das ander verhindert 633; ein geschwader von mehr als tausend kürissen. Simpl. Jan Perus (1672) 89;
reisig hand ir fierhundert geschwader.
N. Manuel faszn. 388 Grüneisen;
nach solchem hat man das thor geoffent, do seindt eingezogen die reuther irgent bei einem geschwader (etwa in der stärke eines geschwaders). neue mittheil. d. thür.-sächs. ver. 11, 499 (von 1547); etliche fendlin lanssknecht, auch etliche bände und geschwader reuther. staatsp. Karls V 530;
ir trabantn, nemt ein geschwader reuter ..
und facht das untrew weib.
H. Sachs 5, 2, 236ᵈ;
etlich geschwader leichte pferd. Fronsperger (1566) 1, 59ᵇ; das wort geschwader (escadron) ist heutiges tages fast nicht mehr zu hören, gleichwohl haben wir kein bessers an dessen stelle erfunden, man wollte denn schwadronen sagen. Gottsched dichtkunst 228; die reuterei, nicht über zwölfhundert pferde stark, bestand aus drei italienischen, zwei albanischen und sieben spanischen leichten und schwergeharnischten geschwadern. Schiller VII, 308; reiter, die in geschwadern auszogen. Tieck Phantasus 1, 337; im turnier: gleichfals hat der künig Ferdinandus auch ein besunder geschwader gehabt .. das ein geschwader (ist) rot und gelb, das ander praun und weisz, man und rosz in gemein angethan und bedeckt gewesen, alles von damasken und atlasz angeschnitten. Goldast reichshandlung 127 (von 1530).
c)
geschwader, kameradschaft, die mannschaft, welche gemeinschaftliches kochgeschirr führt, zusammen menage macht, franz. escouade Rüstow milit. handwb. 345.
2)
flotte, flottenabtheilung: ein ansehnliches geschwader türkischer galeeren. Schiller IV, 130;
ein geschwader von vierzig dunkelen schiffen.
Voss Ilias 2, 534;
Poseidon erschütterte unten den erdkreis ..
alle gipfel (wankten), und Ilions burg und der Griechen geschwader.
Klopstock gramm. gespr. 169 (Ilias 20, 60);
bei einer in schlachtordnung gestellten flotte sind insgemein drei geschwader (vorder-, haupt- und hintertreffen). Jacobsson 2, 69ᵇ. Bobrik 296ᵃ.
3)
allgemeiner und bildlich, haufe, zug: geschwader, gsellschaft oder hauff, so ein herr noch jm hat gon. Maaler 195ᵈ; gschwader und hauff schandtlicher leüten. ebd.; ein geschwader reisende, una caravana di andanti Krämer 546ᵃ; klostergeschwader, s. th. 5, 1237;
wenn das geschwader (der jäger) nun auf flügelschnellen rossen
dahinschwebt, mit dem garn das wildgeheg umzäunt.
Schiller VI, 390 (Dido 22);
Schweizer (geht) ab mit einem geschwader (räuber). II, 173 (räub. 4, 5); ein gantz geschwader alter weiber. Conlin 5, 492;
ein wild herjubelnd geschwader
schwärmender weiber itzt stürzt auf ihn her.
Sonnenberg bei Campe;
andere poeten machen ein ganz geschwader (krankheiten zu göttern) wie Joves. Garg. 258ᵃ; er theilet gern disz thema (sola fides) in zwei geschwäder (abtheilungen). J. Nas grosze glocke zu Erfurt 30;
wenn die leiden kommen,
so kommen sie wie einzle späher nicht,
nein, in geschwadern.
Schlegel Shakesp. 3, 299 (Hamlet 4, 5);
ein geschwader (getödteter) merchen und lerchen. Garg. 237ᵃ;
(kraniche) die fernhin nach des südens wärme
in graulichtem geschwader ziehn.
Schiller XI, 280 (kraniche v. 18);
die geschwader, die in lüften hin und her
und doch zuletzt dem menschen in die netze ziehn.
Göthe 11, 371;
ein dickes geschwader von dohlen
flattert um felsen herum.
Zachariä tageszeiten 6;
da begab sich, dasz die jungen geschwader von etwa siebenzig achtzig gänsehäuptern eines abends in den baumgarten getrieben wurden. Arndt leben 48;
in kleiner fische geschwadern.
Ew. v. Kleist frühl. 20;
wie der bienen dunkelnde geschwader
den korb umschwärmen in des sommers tagen.
Schiller XIII, 180 (jungfr. v. Orl. prol. 3 auftr.);
summenden geschwadern
wilder bienen dient dein holz zum bau.
Lingg ged. 1, 174;
das geschwäder, die eintagsfliege, ephemera Nemnich 1, 1491 mit beziehung auf die ungeheure menge.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3978, Z. 69.

geschwader, geschwäder, n.

geschwader, geschwäder, n.
geschwätz, subst. verb. zu schwadern, schwädern, überflieszen, plätschern, dann plaudern, schwätzen Schm.: (die einen urtheilen so, die andern anders) wie kan man dann nun sagen, das disz geschwäder aus dem heiligen geist sei? S. Frank chron. 316ᵇ;
er fragt und spicht: was ist der hader,
davon jr macht so grosz geschwader?
B. Waldis Esopus 4, 99 bl. 353ᵃ (v. 290);
da gehet das geschwader und das plaudern an. mägdelob 39; wann eine heerde gänse oder nur etliche beisammen sein, giebet es allzeit mehr geschwader. 40; noch schles. geschwâder Weinhold 88ᵇ, ostpreusz. geschwadder Frischbier 1, 230ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3980, Z. 37.

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Zitationshilfe
„geschwäder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschw%C3%A4der>, abgerufen am 01.12.2021.

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