Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschwül, adj.

geschwül, adj.,
verstärktes schwül (s. d.).
1)
bedrückend heisz oder feuchtwarm, aestuans Henisch 1549: geschwül wetter Ludwig 757;
mein liebster herr gott woll jetzund
eur lieb erhalten frisch und gesund,
dasz sie in der geschwülen zeit
nicht fallen mög in ein krankheit.
Sommer plagium (1616) D 1ᵃ;
da sonne, hitz und luft bei so geschwülen tagen
die kräfte durch den schweisz aus nerv und gliedern jagen.
Günther 796;
wenn die geschwühle lufft die ruhe von uns treibt.
Stoppe gedichte, 1. sammlung 112;
wann die sonn uns nahe stehet,
wird sie warm, erhitzt, geschwühl.
Brockes 2, 277;
bildlich:
die liebe macht geschwül, die sehnsucht dürres wetter.
Wiedemann märz 16.
2)
ängstlich beklommen, angst und bange: dem herzoge war auch geschwüle (wegen des verlustes seines kleinods). Schweinichen 1, 129; in der nebenform geschwul, wie schwul neben schwül: dasz die elementa uns die syderische pforte verdecken und ganz geschwul machen. J. Böhme von den drei principien göttl. wesens 7, 5, 60; der leib ist nur eine geschwule aufgebuhrt im dritten principio, in welchem die seele gefangen ligt. 7, 27, 66.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4011, Z. 62.

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Zitationshilfe
„geschwül“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschw%C3%BCl>, abgerufen am 30.11.2021.

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