Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschwürm, n.

geschwürm, n.,
unverkürzt geschwürme, nebenform zu älterem geschwärme (s. d.), mhd. geswerme; ohne umlaut geschwurm: das gantze geschwurm und gewurm bepstlichs regements. Luther 8, 684, 5 Weim. (von 1522); hie ist noch ein geschwurm, das auch nicht uff der rechten pan ist. 12, 499, 14; wie er (Luther) den babst fur den warn und rechten entchrist ercleret und abmalet und die ander gaistlichait sein geschwurm nannte. Baumann quellen 2, 4; (bei einem tanz sind) 24 pfeiffer und allerlei geschwurm zugegen gewesen. Büdinger hexenprocessacten von 1633; mit verdünntem stammvocal geschwirm, turba Calepin. (1570) 1585; münche, pfaffen und dasselb geschwirm. Luther hauspost. (1560) 3, 28ᵃ; indesz kam das groszmächtig geschwirm der heiden viel tausendt starck daher gefahren. Fronsperger kriegsb. 3, 159ᵇ.
1)
bunt durch einander schwärmende menge, gewirre, gewimmel.
a)
von insecten und anderen thieren: der meusz zischen und anderes geschwürmbs, das bei nacht rauschet, kürret und unrüwig ist. Petrarcha 108ᵇ; das geschwürm und unzifer. Luther 8, 235ᵃ;
Magnus vertreibt das bösz gewürm,
tödtet das unnütz käfer gschwürm.
B. Waldis päbstl. reich Cc 1ᵇ;
(Jupiter) ruft zusammen all das geschwürm
an thieren, an vögeln und gewürm.
Wolgemut Esopus (1623) 2, 60;
dieses geschwürm oder ratzenheer. Er. Francisci luftkreis (1680) 765;
da wolt ich suchen regen-würm,
die krochen da in selben geschwürm.
Frisius handwerker cerem. (1710) 504.
b)
von menschen: und mus allzeit so gehen, das wo gott gnade gibt, das einer etwas anfehet und recht treibet, so folget bald ein gantz geschwürm, da jederman auch wil klug sein und alles besser machen. Luther 6, 219ᵇ;
solch bösz geschwürme (der gottlosen leute) ...
nennt er (David) gifftig attern und schlangen.
H. Sachs 5, 47ᵈ;
ein geschwürm von gesten aus allen orten. Luther post. (1528) 83ᵃ; dann sy (die Türken) bald in ein sollich unseglich anzal und geschwürm erwuͦchsen. S. Frank weltb. 99ᵇ;
was ist es, seit der zeit das schädliche geschwürme,
die krieger, unser land mit sich auch angesteckt?
P. Fleming 131 (50, 18 Lappenb.);
zur selben zeit waren weder cardinäl, noch primas, weder patriarch, noch ertzbischoff, sondern bischoffe, das ist eltesten oder priester, seelsorger oder pfarrherrn, und diaconi, aber nun ist ein solch geschwürm darausz worden. Luther tischr. 269ᵇ; bepste, cardinal, bischove und das gantze geschwürm der römischen Sodoma. werke 1, 60ᵇ; und muͤst man das ander geschwürme der unnützen müszigen pfaffen und münche alle absterben lassen. Schade sat. u. pasqu. 3, 188, 33;
das beschorne platten geschwürm
weren der welt schedliche würm.
B. Waldis päbstl. reich 2, 11;
uns hat das schendtlich bapsts geschwürm
mit allem gifft wie bösz gewürm
so uberschütt.
Esopus 3, 100, bl. 202ᵃ;
all pfaffen, münch und nonnen
und wʒ des bapsts geschwürmes ist.
ein new lied von dem gefang. hertzog Henrich v. Braunschweig (um 1546);
es will weder bapst, noch sein geschwürm bestehn.
ein lustig gesprech der teuffel (1542) a 1ᵇ;
desz bapst und seines geschwürms aber ist .. gantz das widerspiel. Kirchhof wendunm. 395ᵇ.
c)
von menschenwerk: das gantze geschwürm und gewürm menschlicher gesetzen und geboten. Luther vorrede auf die epistel S. Pauli an die Römer, bei Bindseil 7, 447; ich hab nun lang gewehret, dasz meine schrifften, oder wie man sie billicher nennen möchte, das unordentlich geschwürm meiner bücher, nicht auszgienge. Melanchthons leben Luthers, übers. von Ritter (1561) 34.
2)
das schwärmen, der schwirrende lärm: brämengeschwürm und wäspengetösz. Fischart bienenk., titel; als die fliegen mit vielem verdrieszlichen geschwurm sich um der anwesenden haupt schwungen. Scriver Gotthold 147.
3)
das schwärmerische, irrende thun und wesen, die schwärmerei, irrlehre: das gantze geschwürm der papisten und rottengeister stehet nur im thun und wircken, der widertäuffer wesen aber stehet in leiden. Luther tischr. 271ᵃ; wie das gantze geschwürm unter dem bapsthum, von orden, regeln und menschenleren gewesen ist, da kompt der teufel an gottes stat. werke 4, 205ᵇ; davon lese man nur jre bücher und legenden, sonderlich was die mönche geschrieben haben, welch ein geschwürm es ist, vol vol eitel wunderzeichen, das doch alles lügen und büberei ist gewesen. 5, 452ᵇ; walfart, kappen und platten, und was des geschwürms mehr ist. 8, 273ᵇ; das unzelich gelt, das sie mit butterbrieven, walfarten, heiligendienst, und des geschwürms on zal gewunnen haben. 5, 283ᵇ; dafür (ist) auffkomen so mancherlei geschwürm von rotten und secten, da ein jglicher sein eigen thand auffwirfft als eine rechte lere und gottesdienst. 367ᵃ; alle jre geschwürm, des sie so viel haben, sol zustieben und zufliehen, wie der staub für dem winde. 3, 348ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4013, Z. 53.

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Zitationshilfe
„geschwürm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschw%C3%BCrm>, abgerufen am 29.11.2021.

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