Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschwarme, geschwärme, n.

geschwarme, geschwärme, n.
1)
coll. zu schwarm (s. d.), schwärmende menge, lärmende schar, von den bienen auf die menschen übertragen: es seuffzet disz geschwarme (bienen), dasz es von allem nicht zugleiche saugen kan. Birken ostl. lorbeerh. 327;
mag dein bienengeschwärm die korsischen taxe vorbeifliehn.
Voss Virg. idyll. 9, 30, vogelgeschwärm Aratos 197;
wo im gesträuch verirret
ein trauriges geschwärm einsamer vögel schwirret.
Haller 209;
geschwärme der leute, turba, multitudo hominum Stieler 1952; mhd.
hi ist des tiveles geswarme.
Rolandslied 120, 14;
der tiuvel hât ûʒ gesant
sîn geswerme und sîn her.
Stricker Karl 6801;
das erst geschwarm der narren ist der gehaubten narren. Keisersberg narrensch. 232 Scheible;
wie mich der bapst und sein geschwarm
so heszlich schendt, das gott erbarm.
Glaser phasma Frischl. 5, 2;
nach diesem (zug) kam erst das recht geschwärm in einer procession. Kirchhof wendunm. 373ᵃ;
so sieht in unzerstörter ruh
ein weiser auch den menschen zu
und lacht der mühsamen geberden,
wann ihr geschwärm den platz verengt.
Haller 156;
jetzt erst erkannt ich bei dem lärm
verwundert manch bekannten
von Deutschland her in dem geschwärm.
Eichendorff ged. 22.
2)
geschwärme, geschwärm, subst. verb. zu schwärmen.
a)
das schwärmen der bienen.
b)
lärmendes getöse, strepitus, geschwärme der vollzapfen, ebriosorum bacchatio Stieler 1952; die alten weiber .. wann sie in die kirch kommen, zancken sie sich alsbald umb die stül .. und ist ein solch geschwerm, als wann man in die judenschul u. s. w. Schuppius 211; ich bin hier (am hofe) des geschwärmes satt. C. F. Weisze kom. op. 1, 103; um die empfindung häuslicher innigkeit wieder in mir zu beleben, die das gottlose geschwärme der tage her ganz zerflittert hatte. Göthe an Lavater 9; ein allgemeines gelächter und geschwärm endigte das spiel. werke 16, 36.
c)
von irrlehren: hiedurch verwerffen wir auch der wiederteuffer geschwerm, welche sagen u. s. w. Melanchthon repet. Augsb. conf. 319, im corp. doctr. christ. 1560.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3982, Z. 49.

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Zitationshilfe
„geschwarme“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschwarme>, abgerufen am 30.11.2021.

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