Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschweift, adj.

geschweift, adj.
part. zu schweifen (s. d.).
1)
weitschweifig, umständlich: und entschlagen uns der geschweifften treumen. Paracelsus op. (1616) 1, 18 A.
2)
gepeitscht, niedergeschlagen, bildlich: wie nun die schand und laster bösz zu verbergen sind, also sind auch ander affect, als forcht, betrübnusz. dann da geht der mensch erschlagen und geschweift einher. S. Frank spr. 1, 21ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3986, Z. 79.

schweifen, verb.

schweifen, verb.
dem nhd. verb. schweifen, das durchaus schwach flectiert, stehen im mhd. gegenüber sweifen, starkes reduplicierendes verbum, schwingen, um etwas herumschwingen, sich in geschwungener linie fortbewegen und ähnl., swîfen starkes verbum, schwingend bewegen und sweifen schwaches verbum, schweifen, schwingen. mhd. wb. 2, 2, 785ᵃ. 787ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 1351. 1352. 1371. vergl. für das althochd. Graff 6, 901. alts. forsuep, vertrieb Hel. 1108, das wol auf ein reduplicierendes verbum suêpan, verrere weist, vgl. ags. forswâpan und gr. 1, 888. fries. swepa fegen, nur der inf. präs. ist belegt (Richthofen 1058ᵇ). ags. swâpan, sweóp, part. swâpen fegen, schwingend bewegen, etwas umschwingen und dadurch einhüllen, im schwunge bewegt werden und dahintreiben u. ä. altnord. sveipa, sveip, sveipinn, daneben schwach sveipa, sveipađa und sveipta; die bedeutung entspricht im wesentlichen der von ags. swâpan; dazu sópa, sópada fegen (vgl. zeitschr. f. d. alt. 5, 221). ob das starke prät. sveip zu einem verlorenen svípa gehört, ist zweifelhaft, got. midjasweipains, überschwemmung, weist zunächst auf ein schwaches verb. der 3. classe, dieses aber nicht mit sicherheit auf ein starkes ablautendes verbum sweipan. beachtenwert sind die vielen bildungen mit swip- wie altn. swipa, streichend bewegen, swipan, schnelle bewegung, swipr, in gleichem sinne, swipta, schnell bewegen, schwingen, ags. swipian, verb., swipu, f., ahd. swipfen u. a. (hd. schweifen im sinne von schwanken, taumeln, vgl. oben schweiben: traf den Frawenberger gleich oberhalb des gesichts, das er schwaifen warde. d. städtechr. 5, 97, 15). aus dem nd. gebiete sind zu vergleichen swêpen, swä̂pen, schwaches verbum, sich schwingend bewegen, hin und her schwingen, schwanken ten Doornkaat Koolman 3, 377ᵇ; swêpe, swä̂pe, swêp, swä̂p, f., peitsche, eigentlich das schwankende derselben; swêpen, swä̂pen, mit der peitsche oder einer schlanken gerte schlagen. ebenda; swöpe, peitsche, swöpen, mit der peitsche schlagen. brem. wb. 4, 1127. 1128; sweep, peitsche Schütze 4, 233. s. noch Dähnert 478ᵃ. Woeste 266ᵃ. Schambach 221ᵇ. 217ᵇ; ags. swip, sweopu, peitsche; ndl. zweep und zweepen, verb., vgl. swippe mhd. wb. 2, 2, 787ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1380. eigenthümlich ist swepen (mit kurzem ĕ der wurzelsilbe), mit einer gewissen art besen die spreu von dem ausgedroschenen getreide abfegen und vor sich hinstäuben. brem. wb. 4, 1116; sweper, der besen zur reinigung des getreides in der seheune (hier wol mit langem ē). Dähnert 478ᵇ; hamb. swîpen, fegen. brem. wb. 4, 1117. Schütze 4, 238 zeigt vielleicht einflusz des engl. sweep. das verb. schweifen der nhd. schriftsprache hat im verhältnisse zum mhd. gebrauche nur ein geringes bedeutungsgebiet, mundarten und technische sprache bewahren einige alterthümliche anwendungen. in Luthers bibelübersetzung ist schweifen nicht belegt. die starke flexion des verbums ist völlig untergegangen (die neubildung er schwiff wird bisweilen in komischer rede gebraucht), umschriebenes perf. wird meist mit sein gebildet: er ist durch wald und feld geschweift.
1)
sich umherschwingen, vagari:
hin an den selben morgen swief
ich beide krum und zwirg,
unz ich vür ein hôh gebirg
kam mit übermüden liden.
liedersaal 1, 375, 16;
die bedeutung kann eine neutrale sein, oder das irregehen bezeichnen, in verengter bedeutung: sich herumtreiben, durch das land streifen, in übler absicht herumstreichen: hin und wider schweiffen, vagari, oberrare, et circumerrare, palare, palari Dasypodius; schweiffen, hin und wider faren, vagari, circumvagari; das hin und här schweiffen, oder streyffen der kriegszleuten auszert jrem läger, vagationes militum Maaler 366ᵈ; schweyffen, vagari, oberrare; schweyffende, errans 367ᵈ; schweiffen, longo circuitu ire, it. discurrere Schottel 1412; durchs land durchschweifen, hin und her- sive um- et herumschweifen, auf den raub umherschweifen. Stieler 1963; er schweifft in wäldern. Steinbach 2, 539, vgl. Frisch 2, 245ᵇ; ich fühle jetzt, dasz es der jungfrau nicht geziemt mit dir allein durch feld und wald zu schweifen. Arnim schaub. 1, 203; dessen sonderliche lust war, in nebel und abenddämmerung herum zu schweifen. Bettina briefe 2, 118;
durch feld und wald zu schweifen,
mein liedchen weg zu pfeifen,
so gehts von ort zu ort.
Göthe 1, 25;
einsam schweif' ich im gefolg der nacht.
Platen 3ᵃ;
denk' ich, so schärft des denkens pfeil die wunde,
und schweif' ich müszig, klag' ich es den winden.
101ᵇ;
ich aber schweife sorgenschwer
entlang den schönen strand des Ayr.
Leuthold ged.⁴ 363;
wem zur last geworden die welt, er schweife
hier entlang die blühenden seegestade.
206.
das part. präs. in besonderer wendung: auf ihren weitschweifenden spaziergängen. Göthe 48, 137. herumirren: um meinetwillen ist sie von der welt verflucht, schweift ohne freystätte. Klinger 2, 169;
gaben wir ihm (dem menschen) zum besitze
nicht der erde götterschoosz,
und auf seinem königsitze
schweift er elend, heimatlos.
Schiller 11, 293;
dem elend zu, das jeden schweifenden,
von seinem haus' vertrieb'nen überall
mit kalter fremder schreckenshand erwartet.
Göthe 9, 14;
es ist so elend in der fremde schweifen,
und sie werden mich doch ergreifen.
12, 244;
wo mag sie schweifen, die verlassene.
Platen 230ᵇ.
landstreicherisch sich herum treiben, in übler absicht streifen: darumb beschlosz er zum ersten das schweifende volk an einen sondern ort, wie die bienen in iren stock oder fasz, da ein jedes seine arbeit thet. Waissel chron. (1559) 12ᵇ; auf den straszen schweift unsicheres volk. Freytag ahnen 5, 123; ein schweifendes leben führen. vom planeten Mercurius: Mercurius würd schweiffen, wie ein neapolitanisch pferd dantzt. Fischart groszm. 7 neudruck, vgl. schweifig.
2)
in entsprechendem sinne von thieren: schweifende antilopenheerden; der wolf schweift durch die wälder; freier von vögeln, wie kreisen: vieleicht wird er doctor Schmid auch noch zum cardinal machen, den die taube schweifft schon umb jn her. Luther 3, 514ᵇ; zwischen den morgenstreifen hoch am himmel schweiften schon einzelne zu früh erwachte lerchen. Eichendorff (1864) 3, 18;
und wandr' ich durch den laub'gen wald,
wo fink' und amsel schweifen.
Geibel 1, 27.
3)
auf unbelebtes bezogen; vom schiffe: darumb nannten die alten Cimbrer und Triballer das schiff ein schweiffend wetterhausz. Fischart Garg. 212ᵇ. von rädern eines wagens (kreisende bewegung):
nehmt euch wohl in acht,
dasz ihr meine rothen räderchen nicht schmutzig macht.
ihr räderchen, schweift,
ihr mäuschen, pfeift,
als hinaus
nach des herrn Korbes seinem haus.
Grimm märehen²² 167 (herr Korbes);
freie anwendung in gehobener sprache: o damals schnitt mir das abendroth ins herz und das schweifende gold, in das die wolken sich senkten. Bettina tageb. 57; langsam schweifen die luftgebilde an dem flor, der den wanderer umhüllt. Freytag handschr. 1, 5;
in der loken loses schweifen
waren junge rosen eingestreut.
Schiller 1, 227
(hier bezeichnet schweifen das wallen des freigetragenen haares, altn. sveipr das gekräuselte haar);
wie durch todter wüsten schauernachtgeflüster,
wo verlornes heulen schweift,
thränenwellen der Kozytus schleift.
217;
bis höher, immer höher die flamme leckt und schweift.
Uhland ged. (1864) 362;
von blumen süsz durchwürzt und edlem kraut,
schweift es (das land) in breitgestreckten thälern hin.
Grillparzer 5, 90;
erfüllet das schweifende meer.
wunderh. 1, 430 Boxberger.
4)
übertragen auf das suchende auge, den suchenden blick: er liesz seine augen über die versammlung schweifen, seine blicke schweiften unruhig umher u. ähnl.; kein menschliches auge, es schweife und schwebe wo und über was es will, kann mehr reitze auf einmal umfassen. Thümmel reise 7 (1800), 200; dasz sie mit ihrem schweifenden blicke auf keinem punct, auf keiner erinnerung weilen mochte. Tieck ges. nov. 4, 289;
hinüber zu dem feinde schweift der blick.
Schiller jungfrau von Orleans 4, 1.
dann in mannigfaltiger anwendung auf vorstellungen, phantasie, denken, willensäuszerungen u. s. w. bezogen, je nach dem zusammenhange in neutralem oder verschlimmertem sinne (s. oben unter 1, vgl. ausschweifen): hast du viel poetisches gefühl? begeistrung? feuer und phantasie? schweifende, glühende träume? Klinger theater 2, 177 (1786); in meiner jugend war ich ein poet, hatte glühende, schweifende phantasie. 310;
himmelan flog er in schweifenden wünschen,
hoch wie die adler in wolkigter höh.
Schiller 1, 107.
gewöhnlich tritt die verschlimmerte bedeutung, der gegensatz z. b. zum zielbewuszten streben oder der angemessenen beschränkung mehr oder minder deutlich hervor: gehen mit eitel schweiffenden und unnützen gedancken umb, ja mit eitel todten trewmen. Luther 6, 37ᵃ; ihr verdacht schweift auf einer ganz andern (und zwar falschen) fährte. Lessing 2, 125; dasz er aus dem formlosen schweifen sich zusammenziehen, und die bildungsgabe, die ihm angeboren war, mit kunstgemäszer fassung benutzen möchte. Göthe 26, 252; weil ein kranker körper und ein schweifender geist ihm die collective kraft entzogen. 60, 225; da schweifte mein besinnen hin und her wie ein weberschiffchen. Bettina tageb. 135; ein weiser mann .., der alle die schweifenden kräfte in einen mittelpunkt sammelt. Tieck 8, 41;
er zieht die schweifenden gedanken
in angenehm verengte schranken.
Haller ged. 87 (1768);
ewig aus der wahrheit schranken
schweift des mannes wilde kraft.
Schiller 11, 32;
willst du immer weiter schweifen?
sieh, das gute liegt so nah.
Göthe 1, 74;
associirt euch mit einem poeten.
laszt den herrn in gedanken schweifen.
12, 90;
vergebens dasz ihr ringsum wissenschaftlich schweift.
99;
säume nicht dich zu erdreisten
wenn die menge zaudernd schweift.
41, 5;
seitdem du mir erschienen, entsagt' ich diesem schweifen
nach allen himmelswinkeln, nach allen erdenecken.
Platen 83ᵃ;
betrachte doch, auf welchem irrweg schweift
unsinnig dein beginnen.
Chamisso Fortunat. 4 Koszmann;
ach dasz allein der mensch zu irrem schweifen
gebraucht des fuszes und des geistes flügel.
Rückert 87;
sein schweifender geist auf unheil sinnt.
Firdosi 1, 316;
woher nur nimmt die seele, die doch wohl
geordnet ist und nicht im irren schweift,
zum reinen widerspruch den stoff im schlaf.
Hebbel 1, 166 (1891).
in objectivem sinne: wurde man aber der häuptsachen einig, so wollten wir in diesen schweifenden sachen weichen, leiden, thun, was wir sollen und sie wollen. Luther briefe 4, 95; in der kirchenlehre soll man alle verdunckelte und schweiffende rede vermeiden. Melanchthon corpus doctr. christ. (1560) 277; alle schweifende begriffe in richtige und genaue verwandeln. Lessing 4, 152;
er allein (der mensch) darf
den guten lohnen,
den bösen strafen,
heilen und retten,
alles irrende, schweifende
nützlich verbinden.
Göthe 2, 88.
geschweifte träume, wie sonst schweifende träume bei Paracelsus oben theil 4, 1, 2, sp. 3986.
5)
in transitiver anwendung, besonders das part. perf. ist so gebräuchlich.
a)
mit einem schweif versehen: schöngeschweifte pferde, pferde mit schönen schwänzen; langgeschweifter komet, buntgeschweifter pfau u. ähnl.
b)
mit einer schweifartigen verzierung versehen: einen helm schweifen, ihn mit einem roszhaarbusche schmücken Campe; pferdeschmuck: ihre rosz waren mit gelben federn und groszen federbüschen geschweift, dasz man die jungen von vornen zu nicht wol sehen konnt. Schweinichen denkw. 27 Österley; die rosz mit weiszen kranichfedern geschweift. merkb. 111 Wutke.
c)
von geschwungener linienführung: schöngeschweifte augenbrauen; phantastisch geschweifte linien u. ähnl.; der kaplan hatte viele beete nicht zu langvierecken abgestampft, sondern sie zu lateinischen buchstaben in doppelfraktur, als anfangbuchstaben seiner familie, geschweift und umgebogen. J. Paul Hesp. 1, 49; schweifen heist bey den tischern die zieraten ausschneiden. Frisch 2, 245ᵇ; man bedient sich zu solcher arbeit der schweifsäge oder des schweifeisens; eine geschweifte kommode; in entsprechender anwendung auf die thätigkeit des schnitzers, bildhauers (vgl. Jacobsson 4, 96ᵇ), architecten: eine cisterne, und in den hinein geschweiften ecken derselben waren vier brunnen, oder öffnungen. Winckelmann 2, 42. schweifen, das erweitern einer blechgefäszmündung durch hämmern Karmarsch-Heeren technol. wb.³ 8, 110, ausfeilen von schlüssellöchern (3, 394) u. ähnl.
d)
entsprechend der anwendung von schweif im sinne von saum, gezierter saum (s. schweif 2): schweifen, lemniscos, lacinias, et fimbrias assuere Stieler 1963.
e)
im mhd. ist die bedeutung von schwingend werfen, breiten, um etwas schwingen und dadurch einhüllen, ferner etwas woran befestigen reichlich bezeugt, sie geht im nhd. verloren; vgl. mhd. wb. und Lexer mhd. handwb. a. a. o.: der Ingratus umbswaift sich mit dem sayl. gesta Roman. 151 Keller;
ein niwewaschen hemde
sîn swester Gotelint dô swief
über daʒ bette dâ er slief.
Helmbrecht 1045;
er schweift sein mantel in das gras,
er bat sie dasz sie zuͦ im sasz.
Uhland volksl.² 182 (nr. 101).
anbinden:
so sprechen wir dir hie zu recht,
das man dich mutter nacket schlecht,
eim pferd an seinen schwantz thut schweifen
und dich an die richtstatt auszschweiffen.
H. Sachs 2 (1560), 3, 19ᶜ.
im sinne von winden: die darme auszer schwâf'n, die därme herauswinden Lexer kärnt. wb. 228.
f)
die wendung über das ziel schweifen bezeichnet in der folgenden stelle eine betrügerische manipulation beim weben:
ich schbayffet offt uber das zil:
zwen oder drey gen zw vil,
dy schnayd ich dan herab
und legt das zw meiner hab.
tirol. passionssp. s. 519 Wackernell.
der sinn der stelle kann nur sein: ich nahm für den webstuhl weit mehr garn, als nötig war, und eignete mir das überschieszende zu; schweifen bezeichnet das aufziehen des garns zum weben, das aufspannen, anzetteln Schmeller 2, 625. Lexer kärnt. wb. 228: ja ich will ir auch ain solchen loden, ain solchs garn schwaifen, das si auch nimmermêr auszweben sol. Aventinus b. chron. 2, 54, 33; ordior orsum schwaiffen, anlegen, anfahen. werke 1, 428, 26; die ketten schweifen, bei den bortenwirkern, wenn die anschweifkette geschoren und gehörig ausgespannt wird Jacobsson 4, 96ᵇ; schweifen, die regelmäszige aufwicklung der zu einer zeugkette nötigen anzahl von fäden in der erforderlichen und gleichen länge auf den scher- oder schweifrahmen Karmarsch-Heeren techn. wb.³ 10, 458; vgl. schweif 6, i, anschweif und anschweifen oben theil 1, sp. 452 und unten schweifrahmen.
g)
fegen, kehren (vgl. oben zu anfange): eine stube schweifen, sie auskehren Stalder 2, 361; wann sie morgens die stube fegt oder schweiffet, spritzet sie die gar nit, davon sich dann ein groszer staub erhub. Wickram rollwagenb. 161, 19 Kurz.
h)
spülen, im wasser oder mit wasser reinigen: teller, geschirre schweifen Weinhold 89ᵃ, vgl. Bernd 282; die wäsche schweifen (vgl. oben schweife 1); etwas abschweifen, ein glas ausschweifen u. ähnl.; das auswaschen der zeuge bei und nach der bleiche oder dem bäuchen Karmarsch-Heeren techn. wb.³ 8, 110; vergl. die gleiche bedeutungsentwicklung bei schwenken (s. dieses); schweiffete die natur seine schmertzen mehrentheils hinweg, als ob man in einem flusse desz vergessens alles gedächtnusz der widerwertigkeit abwüsche. Opitz Arg. 2, 134; vgl. abschweifen theil 1, sp. 112;
wenn man ihn (den mund) offte täuffet
und dessen innerstes mit wasser spült und schweiffet.
Scherffer mons. Klotz (1708) 7.
i)
das part. geschweift begegnet in älterer sprache häufig im sinne von niedergeschlagen (etwa nach g, mit schlägen gestrichen, gefegt, vgl. theil 4, 1, 2, sp. 3987, oder wie schweiferlich aufzufassen, s. dieses): mit geswaiftem muot. quelle bei Lexer mhd. handwörterb. 2, 1352, andere belege bei Schmeller 2, 625; darum ist er ganz geschwaift, mit groszem kommer haimgangen. Zimm. chron.² 1, 451, 1. g'schweif, nachgiebig, zahm gemacht Schmid 487.
k)
g'schweift voll, bis zum rande, gestrichen voll Schöpf 656.
6)
herabhängen und auf der erde schleppen (vgl. schweif 2): der kappen zipfel sweifet lang nider zu der erd. quelle bei Schm. 2, 625.
7)
schwofen bezeichnet in der studentensprache das tanzen (vergl. oben schweif 6, b) Kluge studentenspr. 125ᵇ; es ist im mitteldeutschen gebiete zu hause, vergl. Albrecht 210ᵇ. Hertel thür. sprachschatz 226; tanzen, aber nicht von allen tanzarten Kehrein nachtr. 50; schwōfen, schwimeln, sich vergnüglich umhertreiben, tanzen Pfister 273; sich zum vergnügen umhertreiben, bummeln, auf liebschaften ausgehen Spiesz 232. vgl. schwänzen sp. 2267.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2416, Z. 18.

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„geschweift“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschweift>, abgerufen am 06.12.2021.

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