Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschwind, adj. und adv.

geschwind, adj. und adv.,
unverkürzt geschwinde, mhd. geswinde, verstärktes mhd. swinde, swint, älter nhd. schwinde, schwind (s. d.), das durch geschwind verdrängt worden ist. das wort entstammt dem kriegerleben, von seiner grundbedeutung 'ungestüm, heftig und kräftig' aus hat es eine reihe verwandter begriffe durchlaufen bis zu dem der schnellen bewegung, ähnlich wie schnell und bald, und dabei durch verkürzung umformungen erfahren, indem einerseits der nasal, andrerseits der dental schwand: goth. svinþs, ἰσχυρός, δυνατός, ἰσχύων stark, kräftig, gesund, altsächs. swîđ und swîđi, kräftig, heftig, tapfer, ags. swîđ, kräftig, stark, geschickt, recht (dexter), altnord. svîđr und svinnr, klug, verständig, ahd. in eigennamen Amalswind, Adalswind, wie schon goth. Reccasuinth, Suinthila, Amalasuintha, nd. Suîtgêr; ferner nd. swied, stark, viel, sehr brem. wb. 4, 1121. ten Doornkaat-Koolman 3, 384ᵇ, schweiz. geschwid, gschwied, klug, vorsichtig Stalder 2, 364 aus dem Berner oberland, in Nordfranken schwinn, schweng, sehr, bair. gschwinn, gschwing, gschwink, schnell, bald, gleich Schm.² 2, 637:
Hiericho die muͦst fallen
vor gottes volck geschwin (: in).
H. Sachs bei Wackern. kirchenl. (1841) 171.
1)
ungestüm, gewaltig, stark, heftig: mhd.
er sluoc dem meizogen   einen swinden swertes slac
mit beiden sînen henden, ..
daʒ im daʒ houbet schiere   vor tische nider lac.
Nibel. 1899, 1 u. ö., s. mhd. wb. 2, 2, 796ᵇ;
ein swinder senewen slac.
Konrad v. Würzburg troj. kr. 42927;
ein geswinder puneiʒ.
30873;
ein swinde vinster donreslac.
Hartmann a. Heinr. 153;
nhd. in eim groszen geschwinden regen.
B. Waldis 4, 29, 5 Kurz;
in der grösten und geschwindesten kelt. Dief.-Wülcker 615 (Frankf. a. M., von 1572); dasz sein bestes rittergut durch einen geschwinden brandt ganz und gar wäre ruiniert worden. polit. stockf. 9ᵇ;
hofegunst brennt wie das stroh: gibt geschwinde starcke flammen.
Logau 3, zugabe 2, 12;
da ein geschwinde theurung zu des gottlosen königs Achas zeiten im gelobten lande war. Mathesius Sar. 3ᵃ;
gar geschwind vom bösen feind geplaget.
Ringwaldt ev. L 4ᵇ;
die Ditmarschen, welche dieser plagen (der krankheit varen oder laufende varen) geschwinde underworffen, nennens die kadden. Weyer arzneib. (1583) 27ᵃ;
o liebster, was bedeut der matten lungen fecheln,
das so geschwinde keicht?
P. Fleming 144;
von gemütsbewegungen: Isaac erschrack mit einem geschwinden erschrecken. spiegel mensch. behaltnusse (1492) 65ᵃ; die widersacher selbs bekennen, die rewe könne so bitter und geschwinde sein, das die satisfaction nicht not sei. J. Jonas bei Luther 6, 433ᵇ;
wer aus hoch verboster art
vertrawte sachen offenbart
und aus geschwinder bitterkeit.
Ringwaldt l. w. 138.
2)
plötzlich, jäh, unvermutet: mhd.
swer aber ir (der ehre) pfliget von kinde,
dem ist si niht geswinde (den überrascht sie nicht)
swenn in ein grôʒiu êre nimt zeinem ingesinde.
Frauenlob 43, 10 var.;
so wir also bî enander sitzende sint, so kummet ein geswindes heiters lieht und umbeschein uns. Nicol. v. Basel 334 Schmidt; nhd. ihr erster feind, der sie angriff, ein geschwinder und tiefer schlaf, von welchem ihre augen gleich als die sonne von einer finsteren wolcke überfallen. pers. rosenth. 4 (1, 5); zu disem frantzösischen, geschwinden und mutwilligen krieg (einem plötzlichen überfall). der durchleuchtigsten hochgebornen etc. a 3ᵃ; marggraff Cunrad (d. gr. hat Leipzig) wider einen geschwinden unversehenen anfall mit schutt und wällen versehen. Schoch krieg- u. friedensschäferei 67; ein geschwinder untergang, subitum exitium Steinbach 2, 555ᵃ; weil der vater durch einen geschwinden todt hinweg genommen wurde, ehe er anordnung machen kunte. pers. rosenth. 7, 3; eines geschwinden todes sterben. Rädlein 367ᵇ; von plötzlich und heftig auftretenden seuchen: geschwinde kranckheiten, morbi acuti, celeriter interficientes Henisch 1550; seitemalen ihme die gifftige und geschwinde kranckheiten eben so vil (soldaten) als schwerdt, pulver und wasser hingenommen. Mayr epitome (1604) 175ᵇ; der groszfürst fält in eine geschwinde kranckheit und stirbet. Olearius pers. reis. 116ᵃ; dasz es mit solchem sterbend so geschwind und gefehrlich nit geschaffen. Dief.-Wülcker 615 (von 1561).
3)
stürmisch, unruhig, gefährlich: mhd.
uns kom ein swindiu sumerzît,
dar inne der fürste Friderîch ...
vil jæmerlîchen wart erslagen.
Ulrich v. Lichtenstein 525, 30;
nhd. wie er sich zu Lupnitz gehalten in den geschwinden ferlichen zeiten der auffrhur. Alberus wider Jörg Witzeln mammel. G 6ᵃ; da kommen gemeiniglich böse und geschwinde zeiten, thewrung, pestilentz, auffrhur. Mathesius trostpred. (1579) B 4ᵇ;
geschwinde zeit, brand, thewrung,
krieg, betrieglichkeit, gros wasser.
Ringwaldt l. w. 4, 52;
in diszen geschwinden sorgelichen zeiten. Dief.-Wülcker 615 (Frankf. a. M., von 1561); bei itzigen geschwinden und sorgsamen leuffden. ebd. (Heidelberg, von 1572); in widderwertigen geschwinden leuffen der welt .. got anruͦffen. Lorichius wie junge fursten 153 neudr.; gefehrliche und geschwinde leufte. balt. studien 15, 82; (als) auff ein zeit sehr geschwinde zeitung, von des bapsts bann und reichs acht, ins kloster kommen sei, drauff hab doctor (Luther) im garten mit freuden gesungen. Mathesius Luther 143ᵃ; es sind geschwinde zeiten, sagte man noch zu anfang unseres jahrhunderts, als Napoleon einen sieg über den andern erfocht. Hugo encyklop. (1835) 363.
4)
ungestüm, heftig erregt, leidenschaftlich, scharf: geschwind, wol besinnt zuͦ kriegen, alacer animus ad bellum suscipiendum Maaler 174ᵃ; nuͦn haben wir iezt nit geschwinder kriegsfürsten dann dein (St. Peters) nochfolger, bäpst, cardinäl und bischof. Schade satiren u. pasqu. 2, 46, 13; gschwind, häfftig, in rebus gerendis acer Maaler 196ᵃ; warumb der teuffel den rechten christen feindt ist und jnen so hart und geschwinde zusetzet. Luther tischr. 198ᵇ; dasz vielleicht etliche furgeben bei e. k. f. g., die zwo schriften sein scharf und geschwinde ... ich habs auch nicht darumb geschrieben, dasz stumpf und gelinde sein sollt, und ist mir das alleine leid, dasz nicht schärfer und heftiger ist. briefe 4, 239 de Wette; nu hab ich auff dismal auch noch auffs gelindest geschrieben, wo aber etwas geschwindes (asperius im original) in diesem buch ist, wil ich solchs nicht wider keiserliche majestet geredt haben. J. Jonas bei Luther 6, 379ᵃ; auch werden daraus leichtlich rotten, wenn das volck auffs geschwindest (nimis acerbe im orig.) alles wil meistern und ausecken an der bischove oder prediger wandel und leben. 404ᵃ; als nu Paulus am aller geschwindesten und gifftigsten tobet und wütet. Luther 8, 279ᵇ; da trat Witzel auff und prediget auffs aller geschwindest und feindlichst widder das bepstische messopffer. Alberus wider Jörg Witzeln mammel. G 3ᵇ;
da niemand thun mag, was er wil, da geht es zu geschwinde;
da jeder thun mag, was er wil, da geht es zu gelinde.
Logau 3, 8, 14.
5)
hitzig, jähzornig, praeceps, iracundus Duez (1664) 192ᵃ, kurz angebunden, hastig, auffahrisch, kollerhaft Rädlein 367ᵇ, unbedachtsam, übereilet Henisch 1549, noch in Oberdeutschland Heynatz antibarb. 2, 43: wie grosze irrthumben diejenige begehen, welche in ihren sachen zu gäch und geschwind sind. Albertinus mühseligkeit des hofs 47; begeht die thorheit aus geschwinden und übereileten affecten. Chr. Weise erzn. 458; ich bin alsdenn für seinem eifer und geschwinden zorn (jähzorn) nicht sicher. pers. rosenth. 1, 15; der geschwinde zorn (vorher gehliger zorn) ist wie die flamme im flachse oder stroh, welche eilends auffladert und eilends vergehet. Butschky Pathmos 137.
6)
hart, streng, scharf, durus, inhumanus Henisch 1549: mhd.
den undirtânin swinde (hart gegen sie)
und kegen den vîndin linde.
Nic. v. Jeroschin 16545;
nhd. ewr vater der thumbherr zwar
ein sanfftmütiger herre war:
er war nit so streng und geschwind,
wie jetzt die stoltzen doctor sindt.
Spangenberg glückswechsel v. 357 Martin;
derhalben handeln diejenigen gantz unfreundlich, geschwind und wider alle christliche einigkeit und liebe. conf. Aug. bei Luther 6, 368ᵃ; das man den christlichen ehestand nicht allein verboten, sondern an etlichen orten auffs geschwindest, wie umb gros ubelthat, zu straffen unterstanden hat. 369ᵇ; obwol der spruch hart scheinet ... aber im griechischen text lautet er nicht so geschwindt. Melanchthon hauptart. christl. lehre 652 im corp. doctr. christ. 1560; mhd.
daʒ reht ist immer swinde (streng)
und dâ bî diu genâde linde.
vaterunser 2204;
nhd. drumb denck daran, wie dieser wei
zumal ein geschwinder schaidmann sei.
Er. Alberus fab. 18ᵇ;
da heben sie (frösche) zu klagen an,
der storck sei ein geschwinder mann.
21ᵇ;
der ablasz war ein gschwinder mann,
wer jn veracht, der war im bann.
35;
scharf gefaszt: mit kurtzen und geschwinden fragen eingewicklet und gefangen werden, disputationibus angustis et concisis illigari Maaler 174ᵃ.
7)
rasch entschlossen, schlagfertig, behend in gedanken, gewandt, klug: mhd.
er was alse ein swinde (thatkräftiger) man,
daʒ eine er mit dem andern gwan.
Ebernand v. Erfurt Heinr. u. Kuneg. 185;
nhd. einen feinen und gschwinden verstand haben in allen dingen, also, dasz sich einer nit besinnen muͦsz, sunder schnäll antwort gibt, in numerato habere ingenium Maaler 196ᵃ; er ist geschwind von den sachen zuͦ reden und zuͦ urteilen, callidus rerum judex 174ᵃ; in nöten geschwind und gescheid, in periculis cautus. ebd.; geschwind, der sich bald fürsehen und aus den umbständen schlieszen kann was erfolgen möcht Henisch 1549; geschwinder kopf, un buon giudicio, spirito vivace Rädlein 367ᵇ; dieser war geschwinde von geiste. Zesen Assenat (1679) 549; der bischoff wölle sein als eins geschwinden manns in hohen sachen radts pflägen. S. Frank chron. (1551) 262ᵇ; du bist ein geschwinder jurist und practicant. Ayrer proc. 1, 5; ist ein fast gelehrter, geschwinder und wolberedter mann (wie denn alle juristen gemeingklich solche art an sich haben) gewesen. Kirchhof wendunm. 127ᵃ; wie wir auch noch teglich erfaren, wie geschwind, listig, klug, behend der welt kinder sind, gegen uns frome, albere, gute, einfeltige schepse und schafe. Luther 6, 155ᵇ; kauffleut, geschwinde leut, bistu umb diese weltkinder gewesen, so hastu weltgescheidigkeit genug gelernet. Schuppius 837. Henisch 1550; seinem kopfe niemals an allerlei geschwinden klugen und möglichen einfällen zu fehlen pflegte. irrgarten 316; die herren (des gerichts) musten des geschwinden anschlags lachen. Zinkgref apophth. (1644) 3, 374; schweiz. geschwind, gewandt von geist, homme d' esprit, geschickt Stalder 2, 364; klug, aufgeklärt: weil es heutiges tages in der welt geschwinder und heller wird (müssen wir die alten gebräuche und gerechtigkeiten festhalten). weisth. 3, 307 (18. jh.).
8)
begabt, erfinderisch: geschwind, gescheid etwas zuͦ erfinden, acutus ad excogitandum Maaler 174ᵃ; geschwind, spitzfindig, eines scharpfsinnigen verstands, ingeniosus, subtili ingenio praeditus Duez (1664) 192ᵃ; gott erwecket offtmals leut, die durch seine sondere kunstgaben den sachen subtil, scharpff, geschwind und wercklich nachforschen und nachkommen können. Mathesius hochzeitpred. 85ᵃ; die gschwindisten köpff, hohe verständ, ingenia summa Maaler 196ᵇ; als d. Faust eins gantz gelernigen und geschwinden kopffs zum studiern qualificiert und geneigt war. Faustbuch von 1587 s. 3; zumal die Cainiter, die weltkinder und geschwinde köpffe. Mathesius Sarepta 8ᵇ; geschwinde köpfe machen leichte arbeit und ersparen viel mühe und unkosten. Löhneisz 3;
Stilpo, du geschwinder kopff, balde weistu einen rath,
wie man sollen machen das, was gefehlet etwa hat.
Logau 3, 4, 27;
desgleichen kein geschwinder man
erdenken noch erfinden kan.
Ringwaldt tr. Eckart D 6ᵃ;
Adams kinder, geschwinde finder, grosze sünder. Henisch 1550; auch stirbet in diesem jahre (1611) Paulus Zacharias, welcher ein so geschwinder und anmuthiger poet war, die jahrzeiten in die verszlein, so sie chronodisticha heiszen, zu schlieszen. Micrälius alt. Pommern 4, 50.
9)
verschlagen, listig, schlau, vafer Maaler 196ᵃ: mhd.
(Ulysses) der gesprêche und der swinde.
Albr. v. Halberstadt 33, 227;
geswinder, versutus voc. 1482 m 3ᵃ; wie geschwindt und listig das weiblich geschlecht ist. Keisersberg narrensch. 398 Scheible; das aug, das mir der gschwind listige Niemand (Odysseus) im schlaff auszgestochen hat. Schaidenreiszer 39ᵃ; darausz hat er ein grosze summa gelts gemacht und practiciert damit so geschwind und verplendt der Römer augen also fein u. s. w. Fischart bienenk. 214ᵇ; geschwinder und subtiler list, astus acer Maaler 196ᵃ, geschwinde list, docti doli 174ᵃ; ich verwunderte mich nicht allein über dem listigen geschwinden raht und fürnemen bruders Martini und seines anhangs. Cajetan bei Luther 1, 125ᵇ; sie sind verschlagen und haben geschwinde rencke. ps. 64, 7; doch begegneten si darnach dem römischen hauptman mit einem andern geschwinden rank. Aventin. 4, 514, 35 Lexer.
10)
arglistig, betrügerisch, dolosus Maaler 174ᵃ: mhd.
ich lac gevangen ...
mit meʒʒern und mit swerten an
lief mich vil ofte der swinde man.
Ulr. v. Lichtenstein frauend. 547, 8;
nhd. der teuffel ist ein geschwinder, listiger geist, der auch die besten werck (frommer christen) schendtlich lästern und verkehren kan. Luther tischr. 198ᵃ; die geschwindesten und arglistigen bösen geister wider die gemeine gottes streiten. Ringwaldt laut. warh. A 4ᵃ; Nantes, mit verreterei und pöser geschwinder listigkait in jhr gehorsam bracht. Goldast reichshandlung 34 (von 1492); der satan nimmt einen spruch, der eine dräuung des gerechten und heiligen gottes in sich hält, und erkläret denselben nach seiner höllischen geschwinden beredtsamkeit so erschrecklich und nachdrücklich, dasz .. Scriver seelenschatz 2, 398; dazu kan der teufel so spitzige rencke und geschwinde griffe, gifftige practiken erdencken und eingeben wider das evangelium. Luther 5, 521ᵃ; es trib obgenanter päbstlicher legat so vil seltsamer ränk und gswind griff. Aventin. 5, 371, 25 L.; kan man aber ine (den armen, der vor gericht klagt) darneben in ander weg mit geschwinder vinanz oder practik abfertigen. Schade sat. u. pasqu. 2, 53, 37; keiner bring sein nechsten umb sein zech und kux mit geschwinden griffen und bösen practicken. Mathesius Sar. 20ᵇ; mit ungebräuchlichen, geschwinden und unbilligen pacten und gedingen. Lennep lands. 2, 9 (von 1571); ungerechte und geschwinde händel der kaufleute und krämer. Scriver seelensch. 2, 348; der juden wucherlich geschwind handtierungen. bair. landesordn. von 1553 f. 167;
da fellt jm inn ein geschwinde that (dasz er seinen herrn hintergangen).
Er. Alberus fab. 38ᵇ.
11)
rasch, schnell in der bewegung und zeit.
a)
adj.:
das träge hauszgesind,
welchs ohn das nicht ist zu geschwind.
Fischart flöhh. 880 Scheible;
ein geschwinder läufer, bote, schreiber. Ludwig 756. Steinbach 2, 555;
der reiter und sein geschwindes ross,
sie sind gefürchtete gäste.
Schiller XII, 58 (Wallenst. lager 11. auftr.);
wir giengen mit einander geschwindes fuszes. pers. rosenth. 7, 18; sie aber konnte durch überaus geschwinde blicke ihm das anschauen so plötzlich abstehlen, dasz kein mensch merckte wie sie Solanden ansahe. polit. stockf. 118 (anders mhd. swinde blicke, wilde, grimmige. Nib. 394, 11 u. a.);
ihr wart sonst immer so geschwinder zunge.
Schiller XII, 491 (M. Stuart 3, 2);
mit der geschwinden post (eilpost) reisen. Ludwig 756; geschwinde rückkunft Rabener 3, 363, ein geschwinder entschlusz. 820;
(beifall) den der geschwinde, pünktliche gehorsam
von dem gerechten richter fodern darf.
Schiller XII, 394 (Wallenst. tod 5, 11);
verrauscht des augenblicks geschwinde schöpfung.
6 (Wallenst. prol.);
vorkehrungen treffen, diesem fall
durch ein geschwindes mittel zu begegnen.
V, 2, 359 (don Carlos 4, 12);
von einem einzigen hing es ab, der allgemeinen noth ein geschwindes ende zu machen. VIII, 258; die Javaner machen in geschwinder eil eine batterie fertig. Olearius beschreib. oriental. insuln 150, pers. reisebeschreib. 3, 2;
(der türk. kaiser hatte dem Tartarenkhan geschrieben, dasz er)
ihm hundert und dreiszig tausendt man
solte zukommen lassen ..
disz geschah in gar geschwinder zeit,
sie waren alle geworben.
Adrian mittheil. 367 (von 1601).
b)
mit präpositionen, auf, mit, zu:
uf fluͦchen, schweren bin ich geschwindt.
Gengenbach die X alter 199;
man wird von tag zu tag .. geschwinder und anschlegiger auff den schendlichen verfluchten geitz und wucher. Luther hauspost. (1545) wintertheil 99ᵃ;
faul hauszgesind,
welches nur ist rund und geschwind
mit essen, trinken und mit schlaffen.
H. Sachs 4, 3, 68ᶜ;
die augen .. zu bösem stets klar und geschwind.
Weckherlin 318;
sie war from, keusch, getreu, zum guten gahr geschwind.
Rist Parn. 223;
geschwind zum schwätzen, untüchtig zum gebären. Schuppius 767;
sie (die männer) sind zur lust
und unlust gleich geschwind.
Bürger 47ᵃ (1, 208).
c)
substantivisch: rhein. der geschwinde, durchfall, diarrhöe, auch der geschwinde mach auf Kehrein 161, ostpreusz. der geschwindmachhurtig Frischbier 1, 230ᵃ.
d)
adverb: mhd.
diz mære hin von Troye kam
geriuschet z'in geswinde.
Konr. v. Würzburg troj. kr. 13120;
swaʒ im Hector gerâten hete,
daʒ tet er vil geswinde.
30317;
das vernament die diener geswinde.
Hans v. Bühel Diocletian 7906;
und also fur der keiser mit sym gesinde
wider umb heim geswinde.
8039;
nhd. dann hinder sich fert der geschwind
wer schiffen will mit widerwind.
S. Brant narrensch. 109, 13;
zuͦ zyten blibt verswigen sünd
und würt zuͦ zyt offen geswind.
Cato 271, in Zarnckes ausg. d. narrensch. 134ᵃ;
die edle sonn unauszsprechlich schnell und geschwindt läufft. Josephus (Frankf. 1569) 187ᵇ;
ob ich gleich diese zwei mortkinder
mit herbem gift geschwindt und resch
von disem erdtboden auszlesch.
H. Sachs 3, 1, 262ᵈ;
diesen (den hahn) ersiehet ein habicht, stöst geschwinde auff ihn zu. Lokmans fab. 36;
jetzt troll dich und geschwind dich pack.
Wolfh. Spangenberg glückswechsel 976 Martin;
geschwind (d. h. ausschweifend) leben; in den andern schulen lernen die buben die logic und rhetoric zu geschwind (frühzeitig), diese künsten gebühren mehr denen so bei jahren sein, als buben. Schuppius 729;
soll doch nicht als ein pilz der mensch dem boden entwachsen
und verfaulen geschwind an dem platze, der ihn erzeugt hat.
Göthe 40, 258;
elliptisch: geschwinde! geschwinde! sei der vorläufer des glücklichsten unter allen sterblichen. 14, 174; geschwind den sack her! 273;
es schlug mein herz; geschwind zu pferde!
es war gethan fast eh gedacht.
1, 75.
geschwind, bald, flugs, stracks, statim, mox Duez (1664) 192ᵇ: er ward zu einem groszen eichbaum, bald darauff zu einer sau, geschwind zu einer bratwurst. Simpl. 2, 167, 19 Kurz; geschwind, in der eil, festinanter, properanter Duez a. a. o.: ich wuszte nicht, was ich geschwind sagen sollte.
e)
vergleichend: geschwind wie der wind. Henisch 1550; geschwind als der windt ist gottes geist, wort und werck. S. Frank spr. 2, 110ᵇ; da nahme der schulmeister, geschwind als der wind, den weinkrug von dem tisch hinweg. Abele künstl. unordn. 1, 108; geschwind wie der blitz; geschwinde wie ein pfeil, der abgeschossen wird. puppensp. v. doctor Faust im weim. jahrb. 5, 279 (s. pfeilgeschwind), wie der menschen gedanken 281; ironisch geschwind wie die schneck auf dem zaune 278, wie ein bleierner vogel Rädlein 367ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3994, Z. 22.

geschwindlich, adv.

geschwindlich, adv.
rasch, schnell:
und hencke in denn geswindelich.
Hans v. Bühel Dioclet. 6868, snelle 6849;
und randt als geschwindlich. Aimon g 2; übereilt: dasz in solchem angriff etwann durch die oberkeit geschwindtlich und unbedechtlich gehandelt. Carolina art. 218.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4001, Z. 45.

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Zitationshilfe
„geschwindlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschwindlich>, abgerufen am 07.12.2021.

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