Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschwister

geschwister,

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nebst geschwester (s. d.) alte pluralische bildung zu schwester, zufrühest von schwestern, dann mit einschlusz der brüder; später auch als neutrales collectivum aufgefaszt und selbst von einer einzelnen person gebraucht, s. ge III, 1, c sp. 1625.
1)
leibliche schwestern, vgl. geschwester 1:
die geswister zwô.
minnes. 3, 29ᵃ v. d. Hagen;
er saget sinen swestern beiden, ..
wie sin vater tot were.
der engstlischen mere
erschracken do die geswistern guͦt.
Hans v. Bühel Dioclet. 2227;
geschwister von beiden banden, sorores iisdem parentibus ortae Duez (1664) 192ᵇ. Rädlein 368ᵃ; ich habe zwei brüder und drei geschwister. Frischbier preusz. wb. 1, 230ᵃ; bildlich:
milte unde manheit bi ir sâʒen,
die zwô geswister.
minnes. 3, 437ᵃ v. d. Hagen;
bis sich wahrheit und schönheit als zwo versöhnte geschwister umarmen. Schiller III, 510 (vom j. 1785).
2)
schwestern mit einschlusz der brüder, kinder von einerlei eltern.
a)
im plur.: lantgrave Lodewig wart vormunde sîner geswister. Ködiz heil. Ludwig 16, 12; wärent 3 geschwister und ging das ein sterben und fiel das erbe an die 2, so gab ein geschwister sinen theil der eigenschaft den (stifts-)herren von St. Alban, und das ander geschwister gab sinen theil den (kloster-)frowen zu Basel. weisth. 1, 654 (Oberelsasz, von 1384, nach einem auszug von 1486); Piburg stiften fünf geschwister. Aventin. 5, 321, 29 Lexer var.; keins von ihren geschwistern war um sie. Göthe 16, 163;
in erster jugend, da sich kaum die seele
an vater, mutter und geschwister band.
9, 6;
echte, rechte geschwister im gegensatze zu stief-, halb- oder unechten geschwistern, für letztere auch zweierlei geschwister, fratres et sorores alterutro parente prognati Stieler 1975.
b)
als collectiver singular: mein schwager neben meinem geschwister, mit denen bin ich lustig gewesen. Schweinichen 2, 202; welches .. ist meines geschwisters untergang gewesen. 1, 234;
wie kümmts, dasz doch geschwister so selten einig lebet?
Logau 3, zugabe 1, 73;
die reise zu meinem geschwister. Felsenburg 2, 66. 1, 77; folglich fällt mein ganzes vermögen auf mein liebes geschwister. Gellert 5, 7; das kind wird knabe. leckerei und spielwerk weicht der aufkeimenden begierde, eben so frei, eben so geehrt, eben so glücklich zu werden, als es sein älteres geschwister sieht. Lessing 10, 321;
(Saladin) der sein geschwister insgesammt so liebt.
2, 201;
dasz er sich ... mit seinem übrigen geschwister zu hause nicht verträgt. 13, 657; tritt Sittah zu dem geschwister (dem tempelherrn und Recha). 2, 360; (Gretchen und Michel) ihr seid mein liebes geschwister. J. J. Engel der dankbare sohn 44;
der hohen mutter, dem geschwister (Helenas, d. i. Kastor, Pollux und Klytämnestra).
Göthe 41, 224 (Faust 9520 Weim.).
c)
von einzelnen personen, der bruder oder die schwester: ein geschwister .. das ander geschwister. weisth. 1, 654, s. oben 2, a; denn sie (meine schwester Katharina) sich nicht allein als eine stief sondern recht geschwister gegen mir allezeit verhalten. Schweinichen 3, 180; wo jedes allemal erschrickt, wenn es ein geschwister zum hause kommen sieht. J. Gotthelf schuldenb. 40;
erwache Friedericke ...
der vögel sanft geflüster
ruft liebevoll,
dasz mein geliebt geschwister
erwachen soll.
d. j. Göthe 1, 261.
3)
bildlich und übertragen, von gleichartigem.
a)
im plur.: es war das letzte komische werk des dichters, das seine frühern geschwister unendlich übertrift. Lessing 7, 233; es ist nur ein bettelstolz der sogenannten obern kräfte der seele, dasz sie sich ihrer schwestern, die sie verächtlich die niedern nennen, als unächter geschwister ... schämen. Herder z. lit. 13, 10; angenehme phantasien begleiteten ihn in das reich des schlafes sanft hinüber und überlieszen ihn dort ihren geschwistern, den träumen. Göthe 18, 82; in manchem granitgeschiebe fand ich geschwister und verwandte meiner kabinetsstücke. 27, 12;
des lebens heitre rose ..
mit geschwistern (anderen blumen) reich umgeben.
22, 169;
denkst du deinen mundgeschwistern (lippen)
noch ein pärchen herzuziehn?
5, 190;
wir stammen, unser sechs geschwister,
von einem wundersamen paar.
Schiller XI, 356, die farben als kinder des lichts und der nacht.
b)
als collectiver singular:
deiner vollen brust geschwister (deine beiden brüste) künte vor zu sammen spielen.
Logau 3, zugabe 2, 224;
von meinen sinngetichten.
taug jemanden diese zucht, kan sich noch geschwister finden.
2, 10, 100;
verdank es, erdensohn, dem weisen,
der ihr (der erde) die sonne zu umkreisen
und dem geschwister (den planeten und andern himmelskörpern) wies die bahn.
Göthe 22, 261;
rege dich, du schilfgeflüster!
hauche leise, rohrgeschwister (röhricht).
41 124 (Faust 7250 Weim.);
geistesverwandte, gleichgesinnte:
ins innre der natur
dringt kein erschaffner geist (ein ausspruch Hallers).
mich und geschwister
mögt ihr an solches wort
nur nicht erinnern.
Göthe 3, 112;
der pseudo-wandrer, wie auch dumm,
versammelt sein geschwister.
4, 369;
jünglinge des himmels, süsze kinder
der verklärten nacht, du hold geschwister
meiner andacht.
Herder z. lit. 16, 130 (Adrastea 6, 281).
c)
von einem einzelnen gleichen stück:
ich gab ihm den zweiten gulden ..
er schob ihn mit dankgeflister
in den mund zu seinem geschwister (dem ersten geschenkten goldstück).
Rückert mak. 1, 23.
4)
in der ältern sprache waren mehrere andere bildungen gebräuchlich, die durch die form geschwister allmälich aus der schriftsprache verdrängt worden sind, aber sich noch in den mundarten erhalten haben, vgl. die reiche sammlung bei Schm.² 2, 651.
a)
geschwisterde, geschwistert, mhd. geswistridi (Weinhold al. gr. § 249, von 1274), geswisterit (ebd.), geswisterde, geswistrede, immer als plur. und zwar ursprünglich neutr., zu dem vermutlichen ahd. sing. giswisteridi oder giswisterîdi (s. das folgende b), gebildet wie die neutra ahd. gimahhidi, par, conjux, mhd. gemechede, gemecheit, ahd. jungidi, mhd. jungide, jungîde, jungît, jungeid, das junge, mhd. geveterde, gevettrid, gevetrîde, gevattreit, vettern, gevatter, götide, götteit, pate, patin:
mîner geswisterde zwei noch sint.
Parz. 477, 1 handschr. D;
diu sint ir geistlîchiu geswisterde. Berthold v. Regensb. 1, 315, 19 Pf.; eine vrouwe dy nicht kindir noch geswistrede hot. kulm. recht 4, 12fg. 83; mit seinen geschwisterden. Keisersberg post. N; ob sie so redlich sei als ihre geschwisterde. Marburger hexenprocessacten von 1596 fg. bei Vilmar idiot. 379; dasz die liebsten eltern und geschwistert so tödtlich einander feind. Petrarcha 49ᵃ; eltern, geschwistert und gute freunde. Mathesius trostpred. O 4ᵃ; ohne wissen seiner geschwistert. weisth. 3, 766 (Saar, von 1580); die zwei ehrliche geschwistert. Amadis 24, 1393; brüder, welche einhalb oder von beiderseits eheleuten geschwistert seind. Gobler der rechten spiegel (1550) 202ᵃ; die andern geschwistreth. Hund bair. stammenbuch (1585) 1, 38; seine geschwistereth. 313; diese beide geschwistret. 2, 330;
weil wir rechte geschwistret sein.
H. Sachs 3, 2, 260ᵈ. 5, 2, 336ᵇ;
drei nachgefreündete jüngling, ausz seinen geschwisterten erboren. Stumpf (1548) 2, 13ᵇ; und soll kein heimbliche practiken unter den geschwisterten gemacht werden. weisth. 4, 529, 24 (Schwarzwald, von 1562); unter eltern und geschwisterten. Simpl. 2, 499; noch oberdeutsch geschwistert Mahir hdb. f. bair. staatsbürger (1844) 287; hessisch geschwisterde, plur., selten neutr. sing. Vilmar 379; schweiz. kinder, die gegen ihre geschwisterte hartherzig handeln. Pestalozzi 12, 495. 484; sie sagten noch zu des krummen schneiders Liseli: du hast viele geschwisterte hier (sie meinten scherzhaft die ziegen). Lienhard und Gertrud 3, 86. — alemann. nebenform geschwüsterde, geschwüstert, s. Weinhold al. gr. § 32. 86:
so was eins sust din guoter frünt,
din geswüsterde.
Dangkrotzheim namenb. 327, geschwisterde var.;
die dreü geschwüsterd. Keisersberg eschengrüdel a 3ᵃ; Maria Magdalena, Martha und Lazarus waren geschwüstert. 66ᵇ; ich hab meiner geschwüsterten zwei schwösteren kennt. Th. Platter 17 Fechter; meine geschwüsterte vast alle. 18; schweiz. geschwüsterte Tobler 242ᵇ. — bair.-östr. geschwistrat: liebs geswistrat, thu deinen fleisz. Schm.² 2, 651 (von 1462); aus den befreundten geschwistraten. östr. weisth. 6, 499, 36 (von 1608).
b)
geschwistreid, mhd. geswisterîde, n. sing. wie plur., ahd. vermutlich giswisterîdi, s. oben a: gegen dînem geswistrîde. bihtebuoch 25 Oberlin; daʒ wir alle geswistrîde sîn. Berthold v. Regensb. 1, 545, 7 Pf.; ein geswistrîde. 312, 21; si sint dîniu geistlîchen geswistrîde. 315, 15; sie (die keusch bleiben) sein mer sicher heiliger genade und haben mer huͤte von den lieben engeln, der geswystreyd sy sein. buch der zehn gebote 36; geswistreit städtechr. 1, 71, 33 fg.; der unsers bruders kindt, Hainreich und Otten, und aller ir geschwistreit zu trewen gewunnen. Heumann opusc. 261 (von 1311); geschwistreit, die erst sipp. cod. germ. mon. 757, f. 18 bei Schm.² 2, 651.
c)
geschwistergit, -geit, -got, -get u. s. w., mhd. geswistergîde, -gît, -git, meist plur., aber auch noch collectives neutr. und auf die einzelne person angewendet, gebildet wie gelichtergît (inbegriff von personen gleiches wesens Augsb. chron. 1, 251, 22 zum j. 1362, wer zu derselben familie und was zu einem gemeinschaftlichen familiengute gehört. urkunden von 1358 und 1391 bei Schmid schwäb. wb. 465, nachzutragen oben sp. 3018), eeleutergyt, ehepaar Schmid 153 aus Leipheimer acten des 15. jh.; noch in ursprünglicher bedeutung von schwestern:
ir sint fünf bruoder und dar nâch geswistergît.
Kolm. meisterl. 17, 7;
in unser brüder und geswistergitt bessern nutz. Helfensteiner kaufbr. von 1375 bei Schmid 229; dann mit einschlusz der brüder: stirbet der geswistergîde eineʒ oder zwai, sô erbent diu andern geswistergîde niht. Augsb. stadtr. 141, 1 Meyer;
mîner geswistergîde zwei.
Parz. 477, 1 handschr. G;
es ist och wider cristanlich leben,
also möcht man zwai geswistergit ze samen geben.
teufels netz 2624;
durch miner geschwistergide willen. Dief.-Wülcker 615 (Starkenburg, von 1309); Eucharia, die was der dreier geschwistergit muter. heiligenleben (1472) 104ᵃ; stirbt iemands on geschäfft (testament) und laszt niemands näher dann seins vaters, deszgleich seiner muͦter leiblich geschwistergit von vater und muͦter, so erben die selben samentlich alle hab mit einander. Tengler laiensp. 30ᵃ; es sollen auch die eltern für oder wider jre leibliche kinder zu zeugen nit zuegelassen, noch zeugknusz zu geben getrungen werden, desgleichen auch die eeleut und geschwistergit. Nürnb. reform. 1564 f. 35ᵇ; dâ gieng siu zuo iren geswistrigiden. Wackernagel leseb.² 1, 943, 32 (14. jh.); hab ich mich understanden, mit jme, ouch unser muter und anderen geschwistergitten kain tailung zu thun. urk. Max. nr. 167; geschwistergitten, fratres, sorores Aler 920ᵃ; mit alemann. ü: geswüstirgit Martina 25ᵇ, 35; wa geschwüstergitt mit einandern teilent. weisth. 1, 75, 9 (Schweiz); noch schwäb. geschwistrigit Schmid 153; collectiv: als vil geswistergit von brüdern in ainem husz ist. weisth. 1, 140, 12 (Schweiz, von 1473); von einer einzelnen person: Jesu Christe, unser aller liebstz geschwistergit, kum ir ze hilf. Marg. Ebner 174, 46 Strauch; es ein vater wol sim kind geben und och ein geschwüstergit dem andern vogtberi güter mit eines twingheren hand. weisth. 1, 172 (Aargau, von 1423). — andere formen: geswistergeid mon. Wittelsb. nr. 175, 3 (von 1290), geswistergeit Münch. stadtr. 122 Auer, das ain geswistergeit von dem ander löst. weisth. 6, 138, 37 (erste hälfte des 15. jh.); da sullen in seineu geswistergeit nicht an irren. bair. landr. bei Heumann opusc. 84; seine geschwistergeit Orthulph und Wildraut. Aventin. 5, 301, 18 Lexer; (das stift) Piburg stiften fünf geswistergait (var. geschwistergot). 321, 29; zwai geschwistergait. 322, 23. 428, 30; hinz allen seinen geswistergeiten. mon. boica 10, 109 (von 1354); für sich und sein geswistricheit. 25, 526 (von 1495); daher geschwisterheit: mit mir myn geswisterheit und zugewandten. Dief.-Wülcker 615 (Weimar. hauptstaatsarchiv, von 1482); die zuvor an unseren ehegemahlen und geschwisterheiten begangene mördliche ubelthat. Rihel Livius (1596) 43; geswistergot, couterini voc. 1419 und 1468 Dief. nov. gl. 109ᵇ; bildlich: betlen, garten und terminieren, die drei geschwistergoten. S. Frank spr. 2, 76ᵇ; mit den drei geschwistergütten. cod. germ. mon. 839, f. 158 bei Schm.² 2, 651; ob geswistergeut lehen mit einander haben. cod. germ. mon. 236, f. 71 ebd.; swaʒ daʒ kint guotes hât, daʒ sol alleʒ andern sînen geswistergeten werden. hât eʒ aber niht geswisterget .. Dinkelsbühler statuten 17 in Haupts ztschr. 7, 98; leipliche geschwisterget. Nürnb. pol.-ordn. 95 Baader; sampt jren weibern und geschwüstergetten. Stumpf (1548) 2, 48ᵇ, geschüstergten (1606) 388ᵇ; unser geswistriget, unter meinen geswistrigedten. mon. boica 25, 485 (v. 1491); geschwistriget tirol. weisth. 3, 351, 1. bildlich: nie kein kranckheit ist dem aussatz so nahe kommen, gar nahe als weren sie geschwistriget. Paracelsus chir. schriften (1618) 127 A.
d)
geschwisterigt, geschwistrigt, geschwistricht: ist er nun unser aller vater, so seind wir alle under ainander geschwisterigt. Keisersberg siben hauptsünd cc 6ᵇ; brüder, welche vom vater allein geschwisterigt. Gobler der rechten spiegel (1550) 202ᵃ; nun sind diese meine geschwisterigt, meines lieben vaters kinder, alle gestorben. Sandrart academie (1675) 2, 227, aus A. Dürers eigener lebensaufzeichnung; welche unsere eltern uns von jugent auff neben und mit Hainrichen den jüngern herren von Blawen unserem bruder, auch andern unsern geschwisterigten, als jr leiblichs ehekindt erzogen. gedruckt ausschreiben Heinrichs d. ältern burggr. zu Meiszen u. herrn v. Plauen vom 17. juni 1532;
so wollen frölich bald nach dir
mehr schönere geschwistrigt kommen.
Weckherlin 336;
dasz auff ein tag seind gschlagen todt
drei gschwistrigt, einr mutter kinder.
J. Ayrer tr. v. betag. Alba 30ᵃ;
von zwei adelichen geschwistrigten, bruder und schwester. Abr. a S. Clara etw. f. alle 2, 701; bildlich: die zwei erste büchlein meiner oden und gesängen hab ich wider übersehen und alhie mit jhren andern älteren und jüngeren geschwistrigten gesellet. Weckherlin vorr. zu d. weltl. ged.; collectiv: war ich etwas geitziger als mein geschwistrigt. Jucund. 33;
allein das wolt ich wissen gern,
wie wir seind bede geschwistricht worn.
J. Ayrer fastn. sp. Antreuxo 2ᵃ;
geswistrecht. städtechr. 1, 72, 15; noch tirol. gschwistrigt Schöpf 662.
e)
geschwisterig, geschwistrig, geschwistrich, plur. und collectiver sing.: das sein zwei geschwistrig, die offt gerne bei einander sind. Luther ein geistlich edles büchlein (1516) C 3ᵃ;
endlich wir drei gschwistrig gemein,
sampt unsern beiden eltern fein,
wünschen ...
W. Spangenberg anbind oder jung briefe B 8ᵇ;
die geschwisterig und geschwisterig kinder. Frankf. ref. 3, 8 § 3. 10 § 19 fg.; brüder, so mit jm vom vater und muͦtter, und also von beiden banden und eheleuten geschwisterig. Gobler der rechten spiegel (1550) 202ᵃ; aber wiewol sie geschwisterig seind. Paracelsus op. (1616) 2, 501 B; die durchleuchtigste geschwistrige. Abr. a S. Clara reim dich (1708) 353; so jemand ein geschwistrigen hat über hundert meil. 334; im nahmen unserer abwesenden geschwistrige. Dief.-Wülcker 615 (Weimar. hauptstaatsarchiv, von 1769); das geschwistrig, fratres et sorores Stieler 1975, das geschwisterig Ölinger gramm. 51; wir übrigen drei geschwistrich theileten uns in die güter. Jucundiss. 17; mit alemann. ü: geschwüsterig, seind allesamen lieb gott dem herren. Keisersberg eschengrüdel 67ᵃ;
wir hand gesündet wider dich,
min eltern, gschwüstrig, darzuo ich.
Ruff Adam und Heva 2038;
ehelich geschwüsterigk. weisth. 1, 275 (Thurgau, von 1432); meinen geschwüstrigen. Pauli schimpf 190; schweiz. gschwüsterig Tobler 242ᵇ, tirol. gschwistrich Schöpf 662.
f)
mit doppeltem suffix
geschwistrigert
(es sind) auch daran (an der pest) so viel täglich gestorben, dasz man offt in einer baar die kinder mit den eltern, das weib mit dem man, geschwistrigert mit geschwistrigert auszgetragen. flieg. bl. 'geistlicher ruf zu dem heil. marterer Sebastiano' München 1599. —
geschwisterdig
cod. lat. mon. 5686 bei Schmeller² 2, 651; alem. geschwüstertig: wo geschwüstertig sind von vater und von muoter, und nun dieselben geschwüstertig abgiengent, so sollen geschwüstertigkint, die von vater und muoter geschwüstertigkind sind, erben vor denen, die nur ainhalb geschwüstertig kind sind. weisth. 5, 204 (Schweiz, Rheinthal, von 1475).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4002, Z. 66.

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„geschwister“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschwister>, abgerufen am 02.12.2021.

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