Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschwisterkind, n.

geschwisterkind, n.
1)
geswisterkind, consobrinus voc. inc. teut. i 5ᵇ. Dief. 144ᵇ, plur. geschwisterkinder, die kinder der geschwister, sobrini Stieler 948, geschwister ist gen. plur.: die mutter des messia, die ist mit Joseph geschwisterkind und sind beides nifftel eines groszvaters Matthes, ... zweier brüder kinder. Luther 8, 126ᵃ; so were Maria mit Johanne dem teuffer geschwister kind. 127ᵇ; dasz ich so gewissenlosz gewesen sei, ein so grobe sünd, die vor geschwisterkind mit der sodomiterei zu halten, zu begehen. Simpl. 4, 128, 1 Kurz;
so sprich von Scylla, leiblich dir geschwisterkind.
Göthe 4, 244;
bildlich: doch kame ich über eine frantzösische batage (suppe), die geschwister kinder mit den spanischen olla batriden sind. Simpl. 3, 353, 26 Kurz.
2)
ander geschwisterkind, deren groszeltern geschwister waren Adelung: hertzog Moritz lesset die nepotes, neffen, geschwister kinder, der churfürst aber die pronepotes, die ander geschwister kinder, sich mit einander zu verehelichen. Luther tischr. 315ᵇ; in gleicher bedeutung mutter geschwisterkind: der hausherr war mit Trippel verwandt durch mutter geschwisterkind. Göthe 43, 155.
3)
man nennt auch wol die neffen und nichten geschwisterkinder. Hugo lehrb. d. heut. röm. rechts (1826) 177.
4)
in der bedeutung nr. 1 gab es in der älteren sprache bildungen, die den unter geschwister 4 aufgeführten entsprechen und, wie es dort der fall war, von geschwisterkind allmälich verdrängt worden sind.
a)
geschwistertkind u. s. w.: mhd. der geswistrîde kint. Berthold v. Regensb. 1, 312, 22 Pf., geswisterîde kint Schwabensp. 6, 10 Wackernagel; Johannes und der herr worend geschwisterde kind mit einander. Keisersberg postill 4, 3; gschwisterte kind, die von zweien schwösteren här erboren sind, consobrini Frisius 311ᵃ; geschwisterte kind, amitini Dief. 31ᵃ aus Pinicianus 1521; geschwistert kinder Henisch 1551; geswistretkinde voc. 1482 m 2ᵇ;
sind pede geschwistret kint mit uns peiden.
fastn. sp. 55, 2;
mit alem. ü: do befundent sü, das sü geswüsterdekint worent. Königshofen in städtechr. 8, 291, 4; so were dirre Philippus von Volasien desselben hindersten küniges vater bruͦdersun, das ist geswüsterdekint. 476, 27. 479, 9; geschwüsterte kind, zweier brüder kind, patrueles Maaler 174ᵇ; kam einer, der war mir geschwüstert kind. Th. Platter 35 Fechter; noch schweiz. gschwüstertichind Hunziker 115.
b)
geschwistreitkind: di sein geswistreit kint mit mir. städtechr. 1, 71, 21 (ende des 14. jahrh.).
c)
geschwistergitkind u. s. w.: geswistergidkint, consobrinus. voc. opt. 2, 24; geschwistergit kind, amitini Dief. 31ᵃ (aus Altenstaig 1516); so bedunket mich, sy seien schwestern oder geschwistergit kinder. Fortunatus (1530) K 2ᵇ; Amalswind nam zu der ê iren vetter, war geschwistergitkind mit ir. Aventin. 5, 49, 25 Lexer; geswistergeit kind. städtechr. 3, 283, 20; künig Pyrrhus aus Epiro, der mit dem groszen Alexander geschwistergeitkind war. Aventin. 4, 379, 28 L.; (Antiochus Gryphus und Antiochus Zicicenus) warn brüeder von der mueter, von den vätern geschwistergeitkinder. 516, 36; graf Albrecht, so geschwistergaitkind mit graf Gotfrid was (si warn zwaier brüeder sün). 5, 319, 27, geschwistergeitskindskinder 506, 23; ein ochs und ein rint, die sein geswisterheit kint. cod. germ. mon. 713, f. 15. 160 bei Schm.² 2, 651; geschwistergot kind. Aventin. 1, 183, 38 L.; in solcher masz Jacob, wie er das magdlein Rache gesehen, hat er sie gekusset, ehe und er jr anzaiget, das er jr geschwistrigot kinde were. Vergilius von Alpinus 124ᵃ; geschwüstergut kind Dief. nov. gl. 109ᵇ aus Kellers Augsb. vocab. rerum von 1468; wiewol sie ime ganz nahe gefrundt gewest als geschwisterget kinder. Zimm. chr. 4, 77, 2; die geschwistergetekind, zweier oder mer schwester kinder. Maaler 196ᵇ; Barnabas geschwistergeten kind mit Marco. S. Frank chron. 267ᵇ.
d)
geschwisterigtkind: geschwisterigte kind vom bruͦder und von der schwester, amitini Frisius (1575) 84ᵇ; geschwistrigte kinder. Abele künstl. unordn. 3, 17. franz. Simpl. 1, 10; er seie seiner mutter nach geschwistrigt kindtskindt mit ihm. Ayrer proc. 2, 10; sein muͦtter Hero was mit dem Arestoteles geschwistergt kind. Boner Plutarch (1555) 2, 21ᵃ.
e)
geschwisterigkind: bruͤder, schwester, geschwisterig kind. Tengler laienspiegel 28ᵇ; kantest du nit dyner muͦter geschwisterig kind. Terenz (1499) 126ᵇ; geschwistrige kind. S. Münster cosm. 461; geschwüsterige kind vom bruͦder und von der schwöster, amitini Maaler 174ᵇ; noch schweiz. gschwüsterige (gschwüsterne) chend Tobler 242ᵇ.
f)
geschwüstertigkind weisth. 5, 204, s. unter geschwister 4, f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4006, Z. 73.

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Zitationshilfe
„geschwisterkind“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschwisterkind>, abgerufen am 06.12.2021.

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