Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschwollen

geschwollen,
s. unter geschwellen 3 sp. 3992.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4008, Z. 50.

schwellen, verb.

schwellen, verb.
sich von innen ausdehnen.
I.
formelles.
1)
ein gemeingermanisches verbum, im idg. als solches nicht nachzuweisen, doch begegnen ableitungen, wie lat. salus schwall, salum, gr. σάλος, σαλεύω, κονίσσαλος, ir. sál meer (urkelt. svâlos), s. Fick vgl. wb.⁴ 1, 580. 2, 321. 3³, 363 (silva, ὕλη werden kaum hierhergehören; über solea s. schwelle). innerhalb des germanischen sind aus dieser wurzel gebildet schwall, schwiele, schwulst, geschwulst und gleichbedeutendes altn. sullr, s. auch das zweite schwelle.
2)
das verbum findet sich in allen germ. sprachen: got. unbezeugt, aber durch die ableitung ufswalleins φυσίωσις gesichert; altn. svella (svall - sullum - sollinn), schwed. svälla, dän. nur im part. svullen und der weiterbildung svulne, svulme erhalten; ags. swellan (sweall - swullon - swollen), mittelengl. swellen, neuengl. swell, s. Skeat 617ᵃ; altfries. swella (nur 3. sing. swilith belegt) Richthofen 1058ᵇ; alts. swellan (3. plur. suellad obturgescunt. Straszb. gl. 42) Heyne kl. altnd. denkm.² 182ᵇ, mnd. swellen, swillen tumescere Schiller-Lübben 4, 497ᵇ; mnl. swellen, neunl. zwellen (zwol-geswollen) s. Franck 1230; ahd. suellan tumere, intumescere, turgere, extuberare, grossescere. Graff 6, 873 f.; mhd. swellen (part. perf. geswollen und geswullen) Lexer handwb. 2, 1357.
3)
die form bietet im hd. keine bedeutenden abweichungen: intumere hd. swellen, geswellen, nd. zweellen Dief. gloss. 306ᵇ; tumere quellen, swellen, hd. sweln, quelen, uff-, zu-, geswellen, schwellen, ge-, zuschwellen, op zweellen. 601ᵇ; tumescere anfahen geschwellen, begynnen tzo swellen. ebenda; turgere .. swellen. 602ᵇ. — nhd. findet sich ab und zu die schreibung schwöllen:
ab solchem seinem zorn das erdreich, welches er
hat unbewöglich föst, als ein grundwerck, gelöget,
mit zagheit, angst und grausz geschwöllend, schwanger, schwer,
zu klagen sich bewöget.
Weckherlin 60 (ps. 18, 9).
entsprechend schwüllt für schwillt:
er geschwüllt vor zorn und rasen.
Lichtwer fabeln 1, 8.
s. auch das zweite schwellen. — ferner eine nebenform schwillen, die wol auf analogiebildung nach du schwillst, er schwillt beruht:
mein Gleim, du hast die fülle
der seele mir entführt,
die sonst aus ihrer stille,
wie hoch die fluth auch schwille,
nicht leicht ein wort verliert
um dinge, die dem vollen
gejagten strom entquollen.
Tiedge epist. 1, 245;
(Bacchus) läszt die blüten rötlich schwillen
und die beeren saftig quillen.
Tieck Sternbalds wander. 1, 3. cap.;
und gegen den thron, den krystallenen, brandeten, hochauf
schwillend, von ferne gewälzt, die dicht anwogenden wolken.
Baggesen 1, 181;
und sie lagerten alle sich jetzt auf schwillende moose.
191.
4)
die flexion ist überall die starke (vgl. indes 5). die regelmäszigen formen sind im nhd.: ich schwelle — du schwillst — er schwillt — wir schwellen, prät. ich schwoll — wir schwollen, conj. ich schwölle, part. geschwollen. sie stehen von vornherein fest mit einer ausnahme: für schwoll hat das ältere nhd. durchweg schwall: ich schwelle, tumesco, du schwillest. imper. ich schwall, du schwollest, per. ich bin geschwollen. Clajus deutsche gramm. 105, 22 f. ndr.; ebenso Schottel 595. Stieler 1968 und Steinbach 2, 548 geben: ich schwall und schwoll. Frisch 2, 247ᵇ: imperf. ist nicht im gebrauch. man sagt, es lief ihm die hand auf, manus intumescebat. dies bestreitet Kinderling 424, indem er schwoll aus Wieland belegt. seit Adelung steht schwoll fest. in der litteratur herrscht schwall durch das ganze 16. u. 17. jahrh. (belege aus Luther, Steinhöwel, H. Sachs, Fischart u. a. s. unten), ist aber auch im 18. jahrh. noch ziemlich häufig:
da schwall dein wildes fleisch und blut
von geilheit und von ubermuth.
Günther 92;
die wunde schwall.
Lichtwer 32 (1, 20).
dem simplex schlieszen sich die composita an, so in der ältern sprache häufig geschwall, s. th. 4, 1, 3992; weitere belege: es geschwall ir der gantze bauch. Rivander 2, 117ᵇ;
darfon ich arme hawt geschwal.
H. Sachs fab. u. schwänke nr. 67, 141 neudr.;
aufgeschwall: so begab sich, dasz ausz jrrung des schencken ... das gift jm selbs eingeschenckt ward, also dasz er darvon aufgeschwal, und auf den tod kranck lag. Fischart bienenk. 220ᵇ;
das mirs maul aufgeschwal, wie ein fawst.
H. Sachs fastn. sp. 1, 153, 198 neudruck;
erst im der pawch gros auf geschwal.
fabeln u. schwänke 185, 58.
verschwall: das dem abt gleich der hals und der schlundte dermaszen verschwal. Zimm. chron.² 2, 534, 4 Barack; es verschwal im noch dieselbig nacht das angesicht, das er sich erblindens verwegen. 4, 86, 31, ebenso 124, 9. — noch im 18. jahrh. schwall auf, entschwall; vgl. unten die pluralformen.nach dem sing. schwall wird vereinzelt ein unregelmäsziger plural schwallen gebildet: das wasser ward so vergift, dasz leut und vych, so darausz getrunken, von stund an geschwallen und sturben. Carron. schlangenb. 41ᵇ;
geschwalens jhm im bauch so sehr.
H. Sachs fab. u. schwänke 176, 27 neudruck.
entschwallen noch bei Stolberg, s. th. 3, 616 (in den gesamm. werken 12, 383 dafür entschwollen). ebenso: meine papiere schwallen zu einem ansehnlichen fascikel auf. Musäus physiogn. reisen 3, 12. — schwoll ist zuerst belegt bei Wieland (s. II, 2, c. d).
5)
vielfach dringen schwache formen ein durch vermischung mit dem zweiten, transitiven schwellen, doch hat das sprachgefühl im allgemeinen den unterschied festgehalten, sodasz jene ausnahmen als sprachfehler erscheinen:
a)
präs. ind. 3. sing. schwellt für schwillt: ach dann schwellt mir die brust, und hæufige thrænen quillen vom auge! Geszner 3, 18; wenn der frühling des lebens blüht, die kräfte sich entfalten, das herz von wünschen schwellt. Gotthelf Uli der pächter s. 9 Vetter;
oft schwellt die pfütze selbst zum strom
in einem nächtlichen gewitter.
Thümmel reise 1, 35;
wann am blüthenbaum die knospe schwellet,
wann der hayden düstres braun sich hellet.
Kosegarten rhapsod. 2, 36;
und ich werd' ihm wüthend sagen,
wie es mir der sinn gebietet,
wie es mir im busen schwellet.
Göthe 3, 16;
herrlich lohnt sich unser streben,
bringt .. des demants pracht zu tage,
die in finstrer tiefe schwellt.
Körner 1, 86 Fischer;
und einst verrinn' ich im sande,
wenn die himmelsthräne nicht länger schwellt.
94;
weitere belege s. unten II, 2, h (Körner) k. ebenso in zusammensetzungen; schwellt auf (bez. aufschwället Lessing 8, 451; s. th. 1, 733):
meine hand
schwellt auf, und zuckt, und greift ans schwert.
Göttinger musenalmanach 1772, 205 (Claudius 1, 208).
b)
kaum als schwache bildung wird empfunden der imperativ mit -e, da dieser sich bei vielen starken verben festgesetzt hat:
schwelle, brust!
Göthe 9, 150 (Tasso 2, 2);
schwelle, herz, mein herz, und sprenge
dieses busens kerkerwände!
Ludwig 1, 19.
(schwill wird nicht mehr gebraucht, höchstens noch in zusammensetzungen).
c)
ganz selten sind schwache präteritalformen: die reichen und lockigen haare schwellten in lieblicher verwirrung auf nacken, brust und schultern. Tieck 16, 253; aus den entlegeneren provinzen fiengen schon kleine haufen an, zu marschieren, welche immer mehr anschwellten, je näher sie ihrem standorte kamen. Schiller 9, 310.
6)
mundartlich allgemein verbreitet: schweiz. schwelle, gewöhnl. gschwelle (i g'schwille, de g'schwilst, er g'schwilt, mr g'schwelle, i g'schwull, i bi g'schwulle) Hunziker 235; schwäb. schwellen Schmid 488; bair. (ge)schwellen, geschwillen, prät. schwul und schwellet, part. geschwollen Schm. 2, 630; ebenso Hügel 147ᵃ. Schöpf 660, lusern. geswellen Zingerle 54ᵃ, cimbr sbellen, part. gasbollet cimbr. wb. 226ᵃ; thür. schwäll Hertel 43; nd. swellen, part. (ge)swullen Strodtmann 342. Dähnert 477ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 376 (die flexion im einzelnen gibt Schambach 221ᵃ an: praes. swelle, swelst, swelt [sonst swilst, swilt], swellet; praet. swul, conj. swülle; part. eswullen; imper. swelle, swellet), daneben swillen brem. wb. 4, 1122. Danneil 218ᵇ.
II.
bedeutung: geschwellen, tumere, intumere, extumere, tumescere, intumescere Dasyp.; schwellen, sich auffbläen, aufflauffen, s'enfler Hulsius 293ᵃ; schwellen, verb. neutr. irreg. . enfiarsi, gonfiarsi, it. tumidire .. lat. inflari v. geschwellen. aufschwellen. blähen. Kramer dict. 2, 712ᵃ; belzen ... idem est quod auflaufen, schwellen, extumere, tumidum esse Stieler 467; geschwollen, tumens, tumidus. geschwollen seyn, tumere, turgidum esse Frisch 2, 247ᵇ.
1)
vom menschlichen körper,
a)
infolge von krankheit, so besonders mhd.: ouch was zu Waltirshusin ein frouwe, di hatte di gicht swerlich gebrochin wol sibin jar unde was dar zu geswollen obir al den lip. Ködiz 77, 33;
aldâ was ouch ein junger kneht
siech unde geswollen zehen jâr.
Lamprecht v. Regensburg Francisc. leb. 4640;
die sûche igwinaria,
die in volgete alsus nâ,
dâvon daʒ lût enbinnen swal
an deme dunnen uberall.
pass. 196, 69 Köpke;
im swullen alle die gelit.
214, 2.
so er ist noch gantz geschwollen von ausgestandener kranckheit; etwas geschwollenes am leibe, qualche tumore ò gonfiatura al corpo; von eingenommenen gift aufschwellen, dick, hoch aufschwellen, gonfiarsi, gonfiare, alto dal veleno preso. Kramer dict. 2, 112ᵃ f.; vom gift aufschwellen, exhausto poculo mortis turgere Stieler 1968; es geschwillt kein glid, es sey dann vergifft. Henisch 1549, 35. von einem schlangenbisz: wen diu slang heket, der geswillt unmæʒleichen grôʒ, als ob er waʒʒersühtig sei, und stirbt alsô. Megenberg 276, 10; wan ze der selben zeit begraif derlai slangen aineu sant Pauls hant und paiʒ in. dô wânten sein gesellen, er schölt geswellen und sterben. 285, 23; sie aber warteten, wenn er schwellen würde oder tod nider fallen. ap. gesch. 28, 6; vgl.:
in Africa war eine schlange,
die alle thier ohn ursach bisz,
und was sie bisz, das trieb's nicht lange,
die wunde schwall, es starb gewisz.
Lichtwer fabeln 1, 20.
ähnlich auch von thieren: diu tierl unkäuschent mit enander gestracht, und ist, daʒ daʒ weibel niht ain männel hât sô eʒ diu hitz der unkäusch entzünt, sô geswillt eʒ und stirbt. Megenberg 139, 8. — von einzelnen gliedern: der bauch schwillt (vgl. e): so gehe nu das verfluchte wasser in deinen leib, das dein bauch schwelle und deine hüffte schwinde. 4 Mose 5, 22; eine geschwollene brust, mammella gonfiata Kramer dict. 2, 712ᵃ. — es schwillet ihm der kopf, der hals etc. la testa, il collo gli si gonfia Kramer dict. 2, 712ᵃ; ein geschwollener hals, geschwollene mandeln etc. collo gonfiato, gonfio, gengive gonfie, intumorite 712ᵇ; der hals schwillet ihm, collum intumescit Stieler 1968;
wande ir der hals geswollen ist.
pass. 161, 34 Hahn;
die hände sind ihm geschwollen, manus ejus sunt in tumore Stieler 1968; die hände schwellen, manus tument Steinbach 2, 548; erst stach er sich nur an einem dorn in den daumen; der wurde geschwollen. er band frischwarmen kühmist drauf; da schwoll die ganze hand. der arme mann im Tockenb. s. 17 Recl. ebenso von füszen und beinen: geschwollene beine, gambe gonfiate Kramer dict. 2, 712ᵇ; eneme kinde, dat geboren was van Tullifelt, deme swal dat vordere bein lange wile; to jungest brac de swele. d. chron. 2, 198, 25; ungeachtet meines geschwollnen fuszes, bin ich ihr einmal in Münster drey gassen zärtlich nachgehinkt. Rabener sat.⁸ 4, 191;
diu beine und die vüeʒe
die wâren vil unsüeʒe
ze tal gelîche envollen
sam sie wærn geswollen.
Heinrich v. d. Türlin crone 9414.
einen geschwollenen backen haben, haver la mascella gonfia [dal male di denti] Kramer dict. 2, 712ᵇ; zunge: geschwillet die zunge und dz der mensch nicht in einer sucht ist und nicht hitze hat so gib im dise ertzney. Ortolf v. Bayerland (1477) 23ᵃ;
von dem (trinken) die zunge leit gequollen,
in dem munde und ist geswollen,
daʒ sie sich niht geregen mak.
renner 10517;
milder, die schläfe schwillt von kopfweh:
über den männern schwebet das kopfweh, vom weine gezeuget,
und sticht ihre schwellenden schläfe mit grimmigen schmerzen.
Zachariä tagesz. 26.
b)
der tote schwillt:
ausz dem sein todt wurd offenbar.
viel volckes kam geloffen dar,
funden sein leib grosz wie ein zeck
geschwollen und vol schwartzer fleck.
H. Sachs 1, 163ᶜ;
(du) verderbtest auch mit dir zugleich
deine drei gesellen;
o, sieh nun ihre glieder bleich
am monde schwellen.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 263;
sie faszt der todten geschwollene hand.
312.
c)
schwellen von schlägen: der kopf ist ihm von ohrfeigen geschwollen, colaphis tuber est totum caput Stieler 1968; ein geschwollener kopf von schlägen. Kramer dict. 2, 712ᵇ; die juden sluegen Chr. an sein wang, das im sein mund geswall. quelle bei Schm. 2, 630; unnd von dem starcken streich dem riesen seine hüfft gar sehr geschwallen. buch der liebe 278ᵇ;
sîn (Jesu) antlütze schœn was worden bleich,
bluotic und geswollen gar.
bruder Philipp Marienleben 7780;
sîn lîp wart aller keʒelvar
und als geswullen von dien slegen,
daʒ er sich kûme mahte regen.
Walther von Rheinau 163, 17;
owê, sô ist dîn houbet
mit slegen betoubet
unt sô sêr zerknullen,
daʒ eʒ dir ist geswullen.
183, 9;
und (er) rempt mir des angesichts mit der faust,
das mirs maul geschwall als ainr krotten.
fastn. sp. 331, 27.
ähnlich die wunde schwillt: waʒ wunden man mit golt macht, die geswellent niht. Megenberg 474, 14; ich gesegen dich hewt dise vermailte wunden mit den rechten karachtern † das du dein sweren und dein swällen und dein rysen ... lassest. wundsegen des 15. jahrh. s. anz. f. kunde d. d. vorzeit 25, 67;
eine striem' erhub sich, mit blut aufschwellend, am rücken,
unter dem goldenen stab.
Voss Il. 2, 287.
d)
von anstrengung u. ähnl.; die füsze vom gehen: mir g'schwell'n d'füasz. Hügel 147ᵃ; boa ... das schwellen der schenkel vom gehen. Corvin. fons latin. 93ᵃ. Stieler 1968; deine füsse sind nicht geschwollen diese vierzig jar. 5 Mose 8, 4; vierzig jar versorgetestu sie in der wüsten, das jnen nichts mangelt. jre kleider veralteten nicht, und jre füsse zuschwollen nicht. Nehem. 9, 21. — arme, hände von der arbeit oder vom kampfe (vgl. c):
von tjost dâ arme wâren rôt,
geswollen, swarz und dar zuo blâ.
Ulr. v. Lichtenstein 492, 25;
er glaubt's und fuhr in stollen;
da fand er einen held,
desz faust, vom stahl geschwollen,
zum schlegel sich wohl stellt.
wunderhorn 1, 289 Boxberger.
das rosz vom sattel: wenn ein rosz geschwillet, so nim geblehet brod, geusz essig drauf und binds drauf. Coler hausb. (1640) 264. — ähnlich auch das gesicht, wenn das blut zu kopfe steigt: ja du solltest drei oder vier bauern ins zimmer herunter stoszen, blos um dich zum aufheben nachzubücken, damit etwa dein schwellendes gesicht auf ihr herz eindruck machte, und damit du das blut in deinen und ihren kopf zugleich empor triebest. J. Paul uns. loge 1, 15. die augen vom weinen: geschwollene augen haben, havere gli occhi gonfi [dal sonno, lagrime, ubbriacchezza, ò dalla natura] Kramer dict. 2, 712ᵇ; 'von den augen wenn sie von den zudringenden thränen ausgedehnt werden.' mit schwellenden augen abschied nehmen. Adelung; mein andlitz ist geschwollen von weinen, und meine augenliede sind vertunckelt. Hiob 16, 16; dann ging allezeit das geschwollne herz und der geschwollne augapfel entzwei, und die von der nacht verdeckten thränen strömten von seinem erker auf die harten steine hernieder. J. Paul Hesper. 2, 166; vgl. das zweite schwellen 1, g.
e)
in der schwangerschaft: das mägdlein beginnet zuschwellen, puella ventrem fert, uterus ejus intumescit Stieler 1968; dafür meist der leib schwillt ihr, uterus illi extumet Steinbach 2, 548; es schwillet ihr der bauch, es schwellen die brüste, il ventre se le gonfia ... le tette, mammelle se le gonfiano, cioè ell' è gravida Kramer dict. 2, 712ᵃ; de buuk beginnet er te schwellen. Strodtmann 342;
den knechten bist lang nach geloffen ..
bisz dir doch yetzt der bauch thut gschweln.
H. Sachs 1, 514ᵃ;
nichts desto minder schwillt zusehens ihr kontur.
Wieland 18, 140 (Pervonte 1);
da unter der linde,
da schwoll mein leib.
Ludwig 1, 117.
f)
schwellen dick werden, fett ansetzen: sag du mehr, ob das kein luder-leben ist? und dabey bleibt man frisch und stark, und das korpus ist noch beysamen, und schwillt dir stündlich wie ein prälats-bauch. Schiller räub. 2, 3 schausp.;
aber auf dem markte zu sitzen, die arme geschlungen
über dem schwellenden bauch.
Göthe 1, 340;
im wortspiel mit der übertragenen bedeutung (s. 2, l):
'warum nur die hübschen leute
mir nicht gefallen sollen?'
manchen hält man für fett,
er ist nur geschwollen.
3, 253.
g)
bei thieren schwellende euter, auch zusammengesetzt milchschwellende euter Voss Od. 4, 89, s. theil 6, 21.
h)
anderes: das weinperl (uvula) ist ain klaineʒ flaischel hinten in dem mund ... eʒ geswillt auch ze stunden alsô, daʒ eʒ daʒ tier erstecket. Megenberg 17, 5; das herz junger mädchen läszt wie neue wannen und butten anfangs alles durchtropfen, bis es die gefäsze durch schwellen behalten. J. Paul Kampanerthal 43.
i)
häufig bezeichnet schwellen einen dauernden zustand, voll, rund und weich sein, als zeichen blühender gesundheit; schwellende glieder:
schön bist du, fröhlicher tanz!
wenn du die schwellenden glieder
hebest und senkest sie wieder.
Grillparzer² 6, 249 (Melus. 2);
arm:
lasz los den weiszen, den schwellenden arm!
Leuthold ged.⁴ 42;
schwellende brust: wie lieblich verschämt sah ich schon deine wangen erröthen, deinen busen, wie fürstlich schön unter dem silberflor schwellen. Schiller Fiesko 5, 13;
manche Troerin auch und Dardanerin, schwellendes busens.
Voss bei Campe;
vgl.: wer hat zur fülle höchster lust
gewölbt der holden weisze brust? —
er auch, durch den ihr ebenbild,
des schwanes brust, von flaumen schwillt.
Bürger 37ᵇ.
besonders schwellender mund, lippen:
die lippen schwollen von den rosen.
Günther 221 (labia rosis erant turgida Steinbach 2, 548);
o wie reifend schwellen
die lippen dir, zwey küssende morellen!
Shakesp. sommernachtstraum 3, 2;
so auch:
von künft'gen küssen schien ihr kleiner mund zu schwellen.
Wieland 21, 168 (Klelia 1, 84).
selten auch vom sprossen des barts:
wäre Vincenz mir wert, kaum hätt' ich zu schämen der wahl mich,
ehe der flaum ihm schwoll, küsztest den schönen du selbst.
Platen 122ᵇ.
andrerseits kann eine geschwollene (dicke, wulstige) lippe und ähnl. auch häszlich sein: ein dick garstig geschwollen gesicht, un viso tutto brutto e gonfio. gall. bour soufflé. geschwollene lippen. Kramer dict. 2, 712ᵇ; eine kleine unscheinbare figur .. eine plattgedrükte nase und eine geschwollene oberlippe .. gaben seinem anblik eine widrigkeit, welche alle weiber von ihm zurükscheuchte. Schiller 4, 65.
k)
ein geist schwillt, dehnt sich aus, zerflieszt: aber das zwerglein schwoll immer gröszer und höher, ward zu einem ungeheuren riesen und zerflosz in luft. Grimm sagen 45;
ihr schlangenleib beginnt zu schwellen.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 317.
2)
häufig stellt sich dabei eine beziehung auf seelisches ein.
a)
die adern schwellen bei aufregung:
den wilden rossen schwillt vor kampflust jede ader.
Freiligrath ged. (1841) 145;
stirnader vor zorn: nur wer gewuszt hätte, was vorgefallen war, würde aus seinen geschwollenen stirnadern, aus den augen, die zuweilen hervorgequollen .. auf das, was in ihm vorging, haben schlieszen können. Immermann Münchh. 4, 40;
wem je im grimm, wem je im groll
die blaue stirnenader schwoll.
Strachwitz ged.⁸ 66.
ähnliches:
und jede muskel that durch sanftes schwellen kund,
es müsse sie der schönste traum vergnügen.
Wieland 17, 179 (Idris 3, 88);
aus den schranken schwellen alle sennen,
seine ufer überwallt das blut,
körper will in körper über stürzen,
lodern seelen in vereinter glut.
Schiller 1, 210.
b)
der busen, die brust schwillt, eigentlich, beim wachsen:
es schwillt die brust, es bräunt der pflaum,
er ist ein jüngling worden.
Göthe 5, 42.
vor freude:
die tasche schwillt von geld, von freuden meine brust.
Göthe 7, 64 (mitschuld. 2, 1);
vor stolz:
stolzer, kühner schwillt die brust.
Schiller 1, 260;
glühst du Laura? schwillt die stolze brust?
297;
von hohem streben:
mîn herze iedoch nâch hœhe strebet:
ine weiʒ wâr umbeʒ alsus lebet,
daʒ mir swillet sus mîn winster brust.
Parz. 9, 25;
ähnlich:
der ehrsucht schwillt die brust von wünschen nach der höh.
Günther bei Steinbach 2, 548.
vor bewunderung: Antonie sasz ohne bewegung: ihr busen schien so viel grösze fassen zu wollen: er schwoll hoch empor. ein tiefer seufzer muszte ihn endlich entledigen. deutsche erzähler des 19. jh. s. 25, 35 neudr. von liebe u. ähnl.: er hörte clarinetten, waldhörner und fagotte, es schwoll sein busen. Göthe 18, 109 (W. Meisters lehrj. 1, 17);
sie kommt mir nicht entgegen
wie sonst, an ihre wollustschwellende brust
den könig des Olympus zu empfangen?
Schiller 1, 331 (Semele 2).
vor kummer:
beiden schwoll der tapfre busen
von herzkränkender empfindung.
Immermann 12, 68 Hempel (Tulif. 2, 5);
vor aufregung, wut:
hier röthet sich sein kamm, es schwellen brust und lungen,
er schreyt.
Wieland 9, 56 (Musar. 2).
c)
noch häufiger das herz schwillt: so fuhr eine kalte hand in Viktors geschwollnes herz und wendete sich darin um. J. Paul Hesp. 1, 273; die volle seele wurde von laub und nacht und thränen zugehüllt — das sprachlose herz sog schwellend die töne in sich. 2, 99; ein langer seufzer schien ihren ganzen busen zu überladen und aufzuheben .. und der überbauende schneehügel schien vom schwellenden herzen, das unter ihm glühte, und vom schwellenden seufzer zu zittern. 3, 37; da das schwellende herz doch endlich den damm der verstellung überwältigt. 57; ach und mein herz! wie geht es auf! wie schwillt's vor ihnen! Göthe 10, 146 (Stella 2); (von liebe und ähnlichem:)
daʒ herze ir in der minne swal.
pass. 384, 59 Hahn;
nur dies herz, es ist von dauer,
schwillt in jugendlichstem flor.
Göthe 5, 167;
in mächt'gen schlägen schwoll empor mein herz,
nicht halten wollt' es mehr in seinen banden.
Grillparzer⁴ 6, 53 (des meeres u. der liebe wellen 3);
(ferner:)
dem herzen, das in trunkenheit
der lieder schwillt und ragt.
Göthe 5, 212;
von stolz (vgl. unten i. l): sonderlich in Egypten, legten sie einmal unter Traiano den römischen heubtman danider, ja da schwal jnen das hertz, hirn und bauch. Luther 8, 82ᵇ;
ihr gemüthe schwillet nicht
wenn das glücke sie bescheinet.
Opitz bei Adelung;
sein herz war ihm viel stolzer geschwollen.
Klopstock Mess. 7, 508;
ha! ich fühle mich! — Kronos blut in den unsterblichen adern!
königlich schwillt mein göttliches herz!
Schiller 1, 315 (Semele 1).
ähnlich:
(die göttinnen) empfinden jhre brust durch dises apfels schrift,
als der begird zünd strick, und jhres eyfers gift,
so häfftiglich entbrant, und jhr hertz so geschwollen,
dasz sie nu keines wegs einander weichen wollen.
Weckherlin ged. 721.
von begierde:
also riefen mir hold die singenden. aber das herz mir
schwoll von begier zu hören.
Voss Od. 12, 193;
mhd. sogar swellen nâch:
sîn herze gap von stôʒen schal,
wand eʒ nâch rîterschefte swal.
Parz. 35, 28;
von schmerz oder kummer:
die (liebeswunden) mir daʒ herze erstreckent,
daʒ eʒ nâch jâmer swillet.
Wolfram Willeh. 62, 19;
daʒ herze ir vor leide swal.
Heinrich v. d. Türlin crone 10968;
sîn herze in grôʒer riuwe swal.
Rud. v. Ems Barl. u. Jos. 187, 17;
dem bischove in dem leide swal
sîn edel herze, daʒ er trûc.
pass. 15, 8 Köpke;
dieser zweyer vatter ertodt den unsern, darvon ist mir mein hertz geschwollen ... ich werd auch niemmer frölich, bisz ich jrer eynen getodt hab. Aimon D 5ᵇ; sie errieth, was das herz einer untröstlichen mutter bedürfe, nämlich zwei liebende arme, als einen verband um die zerschmetterte brust, und tausend balsamtropfen fremder thränen auf das unter den splittern schwellende herz. J. Paul Hesp. 4, 100. — von zorn, grimm:
dem vursten sîn gemûte swal,
daʒ er was sus von im versmât.
pass. 129, 66 Köpke;
(der zornig spricht:)
wenn man mir etwas thut odr sagt,
das mir nit gfelt grosz oder klein,
so gschwilt mir auff das hertze mein
und ist mir gleich, samb sey ich wütig.
H. Sachs fastn. sp. 2, 56, 224 neudruck;
o, freund, voll edlen zornes schwillt
das herz in mir, den kampf ihm anzutragen.
Gotter 1, 373;
nichts sagte sie — schwoll gleich von scham und grimm
ihr stolzes herz.
Wieland 10, 235;
und wenn dein groszes herz von unmuth schwoll.
Göthe 57, 294.
dafür mit durchgeführtem bilde von galle schwellen (zunächst unbildlich verstanden):
aber es schwillt mein herz von galle mir, wenn ich des mannes
denke, der mir so schnöde vor Argos' volke gethan hat.
Voss Il. 9, 646;
aber Eupeithes' sohn Antinoos sprach zur versammlung,
zürnend vor schmerz; ihm schwoll sein finsteres herz, von der galle
schwarz umströmt.
Odyssee 4, 661.
d)
gleichbedeutend mit letzterer wendung, aber anatomisch correcter, ist die milz schwillt:
voll ungeduld so lang' umsonst zu warten,
trabt er, indesz die milz ihm mächtig schwillt,
... im dunkeln auf und ab.
Wieland 21, 226 (Klelia 3, 240).
aber auch vom lachen:
ich wollte nicht spotten,
aber ich musz, so schwillt mir die milz von lautem gelächter.
Herder 26, 285 Suphan (Pers. 1. sat. 15).
die leber:
den köchen von schmerz die leber schwoll,
von blut das auge, das haupt von groll.
Rückert Firdosi 1, 34;
auch die galle schwillt:
man weisz wie leicht die galle
den dichtern schwillt.
Wieland 5, 246 (der verkl. Amor 3, 271);
verdient ein schattenbild,
ein bloszer traum, dasz mir die galle schwillt?
17, 167 (Idris 3, 66);
wiewohl bey seinem knurren
ihr heimlich oft die gall' ein wenig schwoll.
22, 274 (Oberon 6, 49).
e)
seltnere verbindungen; das haupt schwillt vor aufregung, leidenschaft: oder nun die verliebte mordraserei im heiszen, schwellenden haupt des mohren, die berühmte 'scene Othello's mit licht und schwert'. Herder 25, 36 Suphan;
dem stümper schwillt der schädel,
er schreibt recepte nach.
Günther 396;
unklar in folgender stelle:
ich wil gehn meinen gast auffwecken, ..
mich dünckt, er hab ein gschwolen kopff
und sey zumal ein fauler dropff.
H. Sachs fastn. sp. 2, 144 neudruck.
der hals schwillt bei heftiger erregung:
als träf' ihn selber das todesgeschosz,
so zuckt der prälat, seine augen blitzen,
'marschalk!' stöhnt er, die stirne wird nasz,
am schwellenden halse zittern die spitzen.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 336.
der mund von liebe (zum kusse? vgl. 1, i):
ir begunde daʒ herze quellen,
ir süeʒer munt ûf swellen.
Trist. 11980;
vgl.: er wart von senelicher scham
geverwet als ein rôse rôt.
minn unde blûcheit im gebôt,
daʒ im der muot in leide qual.
der munt der wuohs im unde swal,
ê daʒ er möhte sprechen.
troj. krieg 20984.
f)
vom hahn oder truthahn hergenommen ist die wendung einem schwillt der kamm, er wird übermütig:
die furcht ist weg, der respect, die scheu,
da schwillt dem bauer der kamm auf's neu.
Schiller 12, 46 (Wallensteins lager 11);
ich weisz, ihr übermüthgen, wovon der kamm euch schwoll.
Uhland ged. 367 (graf Eberhard 4);
was fällt dir ein? bezähme deinen übermut! ...
dir schwillt der kamm gewaltig, bitter höhnst du mich.
Platen 300ᵃ.
g)
häufig sind auch abstractere wendungen; so sagt man gleichbedeutend mit das herz schwillt einem mhd. gern der muot swillet:
thuruh ubarmuoti in wâr   sô suillit uns thaʒ muat sâr.
Otfrid 3, 3, 26;
mir ist geswollen hie der muot,
al dâ daʒ herze lît.
Reinmar v. Zweter 151 Roethe;
dafür unpersönlich:
und swem von trüebem muote swillet.
Lamprecht v. Regensburg tohter von Syon 2437.
nhd. die seele schwillt:
darob entbrennt in Roberts brust,
des jägers, giftger groll,
ihm längst von böser schadenlust
die schwarze seele schwoll.
Schiller 11, 248.
anders gewendet:
und jede seele schwillt und mündet
hinüber in den opferstrom.
Lenau 1, 98 Koch (liebesfeier).
h)
schwellendes gefühl u. ähnl.: als ich mit schwellendem gefühl, was mir in der stadt bevorstehe, .. die grosze strasze herabfuhr. Arnim 2, 205;
und meine schwellende empfindung darf
in wollustvollen strömen sich ergieszen.
Schiller 5, 1, 34 (dom Karlos 2, 5);
entsunken dem schwellenden wunsche
nach triumphen, wie jene, die blutvergieszer belohnten.
Klopstock Mess. 15, 780;
so im einzelnen (der) zorn schwillt in jemand (in gleichem sinne wie jemandes herz schwillt von zorn) u. anderes: wenn man den bauern bittet, so schwillt ihm der muth. Adelung; in ihrer jungen brust schwoll das gelüsten auf. Gotthelf Uli der knecht s. 195 Vetter; Felix schwoll der zorn. käserei in d. vehfr. 333;
des konniges herte begunde harde quellen,
sin woldige torn bernen unde swellen.
Eberhard reimchron. von Gandersh. 1398;
aus seinen augen strahlt ein muth, der alles wagt,
und von begierde schwillt sein leben zu verschwenden.
Wieland 17, 35 (Idris 1, 43);
er sagt's, und seufzt, und stiller kummer schwillt
in seinem aug'.
22, 252 (Oberon 6, 10);
doch mir will ein dünkel schwellen,
der mir kühnheit gibt.
Göthe 56, 116;
der innre sturm, der ihm im busen schwoll.
Chamisso 2, 56 Koch (d. mordthal);
so über alle schranken schwillt die wuth
des Bolingbroke.
Shakesp. Richard II, 3, 3.
vgl. auch:
und wie ich nun in liebeswellen schäume,
und wie der gott mir in dem busen schwellt.
Körner 1, 148 Fischer.
anderes:
die kraft, die in des fechters muskel schwillt,
musz in des gottes schönheit lieblich schweigen.
Schiller 6, 272.
i)
ferner jemand schwillt, meist in demselben sinne wie die unter b. c. g angeführten verbindungen:
er schien am zweyten tag vor hohem muth zu schwellen.
Wieland 22, 271 (Oberon 6, 43);
der teufel — Amor mit der krücke,
der hinter sanct Georgens schild
von böser lust wie eine kröte schwillt.
21, 202 (Klelia 2, 144);
schwillst du von ruhmsucht?
Horazens briefe 1, 24 (ep. 1, 1, 36).
ähnlich auch: ich schwoll neben dir, denn ich war stolz auf deine freundschaft. Schiller 1, 55. vom dichter in bezug auf den 'schwülstigen' stil:
ein andrer strebt nach grösze auf, und schwillt.
Wieland Horazens briefe 2, 201 (professus grandia turget. ep. 2, 3, 27).
zuweilen indesz in ganz anderer verwendung. so wider einen schwellen, sich auflehnen:
den sterblichen sünder seit gestern,
welcher wider den ewigen schwillt!
Klopstock Mess. 6, 447.
eigenthümlich ist folgende wendung:
ein groszer vorsahl war's, mit sklaven aller farben
kombabischen geschlechts erfüllt,
die ewig hier am quell der freude darben,
und, da ein mann, von emirsglanz umhüllt,
in ihre hohlen augen schwillt,
mit blicken, die in knechtsgefühl erstarben,
die arme auf die brust ins kreuz gefaltet, stehn.
Wieland 22, 209 (Oberon 5, 33).
k)
eine schlange schwillt vor wut:
die gleichet dem, der, zwischen laub und gras,
nach blumen greift, und eine schlang entdecket,
die zischend schwellt, und, ungereizt, voll hasz
den gelben hals der hand entgegen strecket.
Hagedorn 2, 79;
der fürchterliche kampf beginnt.
er flieht, er schlägt! der drache schwellt! (: held).
Isaschar Falkensohn Behr bei Matthisson lyr. anthol. 9, 23.
l)
häufig ist das part. geschwollen, meist in der bedeutung 'aufgeblasen, hochmütig': er ist geschwollen, egli è gonfio, tumido, met. superbo, orgoglioso, borioso, arrogante, v. stoltz, aufgeblasen, geschwülstig. Kramer dict. 2, 712ᵃ; mein begangne hoffart, die ich ... inn meinem ganzen leben getriben habe, mit herrlichen klaidern ... sonderlichen aber mit aufgeblasnem und geschwolnem hertzen. spec. vit. human. s. 28 ndr.;
fleuch, hochgeschwollner erobrer!
Klopstock Mess. 11, 976;
ich finde wenigstens in einem solchen leben
unendlichmahl mehr wahrheit und vernunft,
als von der freudescheuen zunft
geschwollner stoiker ein mitglied abzugeben.
Wieland 9, 27 (Musar. 1).
in anderm sinne:
in unvollkommenheit vollkommen werden wollen,
das machet unsern sinn auff neues so geschwollen.
Fleming 549.
so vielfach in mundarten: tirol. g'schwoll'n aufgebläht, stolz. Schöpf 660, thür. er spielt den geschwollenen, den groszen herrn. Hertel 43 und sprachsch. 225; dagegen in Wien reden s' ned so g'schwoll'n, so albern. Hügel 147ᵃ.
3)
von dingen, besonders vom gewässer.
a)
eigentlich:
das wasser rauscht', das wasser schwoll.
Göthe 1, 185.
von der see, flut u. ähnl.: das meer brauset und schwillet, il mare freme, schiuma e si gonfia, intumida. Kramer dict. 2, 712ᵃ; wahrscheinlich hatte, als Tacitus schrieb, der marschbewohner an der Nordsee schon die ersten einfachen dämme gegen die schwellende see gezogen. Freytag bilder 1, 67;
(gott) sah fluthen über fluthen schwellen,
und rettete mit starker macht
mich mitten durch die schwarzen wellen.
Uz 186 Sauer;
wohin? wohin? die breite schwoll;
des wassers ist hüben und drüben voll.
Göthe 1, 38;
und wie erfreulich das land herschwimmenden männern erscheinet,
welchen Poseidon's macht das rüstige schiff in der meerfluth
schmetterte durch die gewalt des orkans und geschwollener brandung.
Voss Od. 23, 235;
in des meeres nacht,
wo die fluten des ozeans schwellen.
Körner 1, 92 Fischer.
ein strom, bach schwillt (vom regen): aber wenn sie (flieszende gewässer) jrgends keinen auszlauff, oder ablauff haben, schwellen (lauffen) sie auff, und ergiessen sich in stehenden seen. Comenius sprachenth. 67; es war im märzmonat, wo dieser strom (d. Lech) von häufigen regengüssen und von dem schnee der tyrolischen gebirge zu einer ungewöhnlichen höhe schwillt. Schiller 8, 230;
so wüthet nicht der hochgeschwollne bach,
der schäumend seinen damm durchbrach.
6, 371 (zerstörung Trojas 87);
ins Bayerland, wie ein geschwollner strom,
ergosz sich dieser Gustav.
12, 245 (Wallenst. tod 3, 13);
denn er (Diomed) durchtobte das feld, dem geschwollenen strome vergleichbar,
der voll herbstlicher fluth sich ergeuszt und die brücken zerscheitert.
Voss Il. 5, 87;
ich .. will in den strom mich stürzen,
der unter mir zur woge schwillt.
Seume ged. (1826) 140;
nur selten schwillt zu einem kleinen bache
der wasserstreif, der sickernd über kiesel rinnt.
Anzengruber³ 5, 280.
von den wellen:
und selbst des mühlbachs wellen
lassen das wilde schwellen
und schlummern murmelnd ein.
Geibel 1, 143;
da wo vor Ranstädts thor der krummen Pleisze wellen
mit stillem sanftem lauf an grüne küsten schwellen.
Zachariä renomm. 6, 78;
die zephyr wiegten sich auf sanft geschwollnen wellen.
Weisze kl. lyr. ged. 1, 24;
und von den schwarzen stürmen schwellen
die aufgebrachten wellen.
Uz 169 Sauer;
siehst auf und ab lichtgrüne schwanke wellen,
mit purpursaum, zu schönster wohnung schwellen.
Göthe 41, 62 (Faust II, 1).
seltneres:
wenn langsam schwellend der tropfen sank.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 191.
von thränen:
und euch bethauen, ach!
aus diesen augen
der ewig belebenden liebe
vollschwellende thränen.
Göthe 1, 92 (herbstgef.).
vgl. noch:
daʒ machet mich junc,
daʒ ich mîne trünke lenge
unt den slünden des verhenge
daʒ si swellent unde grôʒent.
weinschwelg 203.
vom anwachsen einer lavine: jetzt rieselte, rollte es daher und schwoll und schwoll. Felder sonderl. 2, 256.
b)
ebenso schwellen (quellen) gegenstände im wasser: etwas im wasser schwellen lassen. Kramer dict. 2, 712ᵃ. technisch bei den gerbern die häute (in der schwellfarbe) schwellen lassen, s. Brosenius 1, 59, vgl. auch schwellbeize und das zweite schwellen 5, a.überhaupt, von feuchtigkeit aufquellen; so auch: die thüre ist vor kälte geschwollen, extumuit frigore janua. Steinbach 2, 548. — anders:
sihe! wie erstlich im wasser die blasen,
schwällen. doch eylig und bald vergehn.
Venusgärtl. s. 13, 7 neudruck.
c)
an a schlieszen sich bildliche gebrauchsweisen: ach damals, wie oft habe ich mich mit fittigen eines kranichs, der über mich hinflog, zu dem ufer des ungemessenen meeres gesehnt, aus dem schäumenden becher des unendlichen jene schwellende lebenswonne zu trinken. Göthe 16, 75;
ihm (Schiller) schwollen der geschichte fluth auf fluthen.
13, 171;
an den wurzeln heiliger eiche
schwillt ein lebensquell hervor.
47, 154.
4)
vom wuchse der pflanzen: an dem ufer des stillen wassers fehlt weder das rohr noch irgend eine schwellende pflanze. Göthe 33, 149;
nun vereinzelt schwellen sogleich unzählige keime,
hold in den mutterschosz schwellender früchte gehüllt.
1, 328;
weil er von schakals geschlechte
legt' ich bei geschwollne trauben.
3, 186;
die wollust deckt ihr bett auf sanft-geschwollnes moosz.
Haller ged.¹⁰ 27;
jene kamen und sahn die geschwollenen beeren, die ringsum ..
schimmerten.
Voss Luise 1, 160;
Antron's laute gestad' und Pteleos' schwellende rasen.
Il. 2, 697;
musz der blume schmuck vergehen,
wenn des herbstes gabe schwellen soll?
Schiller 11, 54;
und die rebe war entsprossen,
und des nektars tugend
schwoll und quoll in purpurtrauben.
Rückert ged. (1841) 384;
sanft schwelle der apfel, und winke vom zweige.
poet. werke (1882) 1, 634 (liebesfr. 6, 77);
wo auf und ab die goldne traube hängt
und schwellend reift in gottes sonnenglanze.
Grillparzer⁴ 5, 90 (könig Ottokar 3);
als wir in dunkler waldeseinsamkeit
das reh belauschten und der knospen schwellen.
Geibel 1, 74.
im bilde:
ach sie (die jungfrau) suchet umsonst, was sie sanft anschmiegend
umfasse,
und die schwellende frucht beuget zur erde die last.
Schiller 12, 196;
doch prächtig schwillt der baum des lebens,
und strebt den hohen wolken an!
Platen 61ᵃ.
mit verschiebung der beziehung auch von der erde: maigefühle, die ihr in der brust meines Viktors schluget, da er über die knospende schwellende erde sah. J. Paul Hesp. 3, 139. vom frühlinge: steige höher, mond, damit er den quellenden, geschwollenen, dunkel - grünen frühling leichter sehe, der mit kleinen blassen spitzen aus der erde dringt. ebenda;
und munter mit des frühlings schwellen
hebt sich die knospe in die luft.
Körner 1, 90 Fischer.
unsinnlicher (im bilde): aber so lange der ehrgeiz der ersten männer der nation nach dem schwellenden kranze des dichters rang, galt noch die natürliche regel, dasz künstlerisches schaffen ... männerarbeit ist. Treitschke deutsche geschichte 3, 683.
5)
weitere concrete gebrauchsweisen.
a)
nebel, wolken schwellen: und als die geschwollnen wolkenklumpen im weiten blau zu flocken eingingen. J. Paul Hesp. 1, 240;
der haidemann schwillt!
A. v. Droste-Hülshoff 1, 111;
so auch:
nur sah' ich sie den reinsten schleier halten,
er flosz um sie und schwoll in tausend falten.
Göthe 1, 6 (zueignung).
b)
das segel schwillt, wenn es vom winde aufgebauscht wird:
als, fern am horizonte,
sie die geschwollnen segel sah.
Hölty 30 Halm;
segel schwellen.
Göthe 6, 45 (Rinaldo);
ein günst'ger wind bewegt die wimpel seewärts,
bald werd' ich alle segel schwellen sehn.
9, 371 (nat. tochter 5, 6);
das segel steigt! das segel schwillt!
47, 120;
ihr busen stieg, wie sanft im schwülen wehen
der sommerluft ein weiszes segel schwillt.
Schulze bezaub. rose 1, 32;
der hafen wimmelt, wie von riesenschwänen,
von schiffen, deren weisze segel schwellen.
Leuthold ged. 175.
von flaggen:
schon wehen schwellende flaggen am gestad' hinab.
Platen 165ᵇ.
c)
beutel schwillt, wenn er mit gelde gefüllt wird, u. ähnl.:
ein mäszig beutelchen, das von zechinen schwillt,
und wenn es leer ist stets von selbst sich wieder füllt.
Wieland 18, 209 (Pervonte 3);
die tasche schwillt von geld.
Göthe 7, 64;
schöner beutel, goldgeschwollen,
du gefällst mir.
Chamisso 1, 286 Koch;
so auch mit kühner erweiterung der gebrauchssphäre:
wol die schwalbe kehrt, wol die schwalbe kehrt,
und der leere kasten schwoll.
Rückert ged. (1841) 292.
freier:
und das glück ...
gieszt in freudiger erfüllung
mir sein schwellend füllhorn hin.
Grillparzer⁴ 3, 19 (ahnfrau 1).
d)
aufsteigen, sich erheben: er (Hephaistos) tritt mit hammer und zange vor seinen anbosz, und nachdem er die platten aus dem gröbsten geschmiedet, schwellen die bilder ... vor unsern augen, eines nach dem andern, unter seinen feinern schlägen aus dem erzte hervor. Lessing 6, 481 (Laok. 18). ähnlich freier und allgemeiner:
o diese zeit hat fürchterliche zeichen,
das niedre schwillt, das hohe senkt sich nieder.
Göthe 9, 266 (nat. tochter 1, 5).
e)
als dauernder zustand, schwellende oder geschwollene hügel, die sanft, in bogenlinie ansteigen:
und hinten gefilde
voll seen, und büschichter thäler, umringt mit geschwollenen bergen.
E. v. Kleist 2, 16.
f)
schwellend, vom moos, s. I, 3 (Baggesen), vom bett, polster u. ähnl., weich, nachgebend und elastisch:
auf die postille gebückt, zur seite des wärmenden ofens,
sasz der redliche Tamm in dem lehnstuhl, welcher mit schnizwerk,
und braunnarbigem jucht voll schwellender haare, geziert war.
Voss 2, 267;
und wann, müde des spiels, er (Astyanax) auszuruhen sich sehnte,
schlummert' er süsz im schönen gestell, in den armen der amme,
auf sanftschwellendem lager.
Ilias 22, 504.
g)
was ist der sinn des sprichworts es schwilt nicht alles was die gense blasen. Petri Cc 7ᵇ?
6)
abstracter von einer menschenmenge, anwachsen, an zahl zunehmen:
die vögel unterm himmel,
mein sohn, sie sind ein bild
von diesem volksgewimmel,
das unaufhörlich schwillt.
Rückert ged. (1841) 161.
ähnlich:
das getreibe
des lebens schwoll und wogt' in den alleen.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 174.
selten von gegenständen, zahlreicher werden: die bücher schwellen. Herder bei Adelung. andre übertragene und unsinnliche verwendungen: der aufruhr schwelle mir an die gurgel! Schiller Fiesko 2, 14;
ach sire! es drängt die höchste noth, und stündlich wachsend
schwillt das verderben an die stadt heran.
jungfrau von Orleans 1, 3;
und sogleich entspringt ein leben,
schwillt ein heilig heimlich wirken.
Göthe 5, 25;
sei erst, du armer schelm, mit mir im bunde,
so schwillt dein glück.
Chamisso 2, 46 Koch;
und schwölle berghoch die verneinung an
wie eine neue sündflut:   mag sie schwellen!
nicht eurem machtspruch ist sie unterthan.
Geibel 2, 90.
7)
insbesondere wird schwellen von tönen gesagt, an stärke zunehmen, auch blosz für hervordringen: schlagen nicht die laute, im hauche verflogen, an fernen blumen zurück und umflieszen, vom echo geschwollen, den schwanenbusen, der selig-zergehend auf flügeln schwimmt. J. Paul Hesperus 3, 76; es blitzte (von einem gewehr) ... und fürchterlich schwoll der knall die berge hinauf. Felder sonderl. 2, 246;
tausend, abertausend stimmen
hör' ich durch die lüfte schwimmen,
wie sie wogen, wie sie schwellen!
Göthe 4, 200;
düstre harmonieen hör' ich klingen,
mutig schwellen sie ans volle herz.
Körner 1, 49 Fischer;
und mählich schwellen orgelklänge
wie heroldsrufe an mein ohr.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 210;
dann leise das fenster öffnend, leise,
horcht sie der mählich schwellenden weise.
299;
als ich zum erstenmal dich sah,
verstummten meine worte!
es löste all' mein denken sich
in schwellende accorde
Scheffel trompeter 212.
in andrem sinne:
dazu kam noch ein nebel, dick zum greifen,
der (wie ein blinder weisz) die formen zu ersäufen
und zu verschwemmen pflegt. dasselbe gilt
vom tone, der im nebel schwillt
und dumpfer wird.
Wieland 21, 233 (Klelia 3, 353).
8)
ein ganz anderes wort liegt vermutlich vor in spätahd. mhd. swellen verschmachten, verhungern, s. Müllenhoff-Scherer denkm.³ 2, 95 (anm. zu nr. 17, 14: dâr swullen zwei wîb, kenerit er daʒ ire lîb). mhd. wb. 2, 2, 791ᵇ. es gehört wol zu schwelen, ebenso wie eine andere gemeingerm. weiterbildung mit t: got. swiltan, gaswiltan sterben (dazu swultawairþja und krimgot. schwalth tod), altn. svelta (svalt-sultu-soltinn) hungern, verhungern, dazu das causativ svelta (pf. svelta); ags. sweltan (swiltan, swyltan - swealt - swulton - swolten) sterben, mittelenglisch swelten; as. sweltan, ahd. suelzan, zuuelzan, cremare, exurere, s. Graff 6, 873; mhd. swelzen brennen, verbrennen (intr.) Lexer handwb. 2, 1358. vgl. Fick vergl. wb.³ 3, 363 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13,14 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2493, Z. 13.

schwellen, verb.

schwellen, verb.
machen, dasz etwas sich ausdehnt oder anwächst, causativ des vorigen, ebenfalls gemeingerm., got. swalljan (zu erschlieszen aus ufswalleins), altn. svella, indessen besonders im hochd. üblich, ahd. suellen, suellan in bisuellan obturare (belegt pisualta obturavit, pisuualtaʒ circumclausa) und uuidarsuellan (uuidarsualtan vagum) Graff 6, 874, mhd. swellen (prät. swellete und swalte, part. geswellet) Lexer handwörterb. 2, 1357; nhd. schwellen, hindersich treyben, propellere, tumefacere, inflare Maaler 367ᵃ, far gonfiare Kramer dict. 2, 712ᵃ; geschwellet (act. ich habe), präs. ich schwelle, tumefacio Steinbach 2, 548; neben schwellen findet sich vereinzelt auch hier die schreibung mit ö: wann eyn rosz vom sattel getruckt und geschwöllt ist worden. Sebiz feldb. 157;
wenn sie sehn,
dasz sich die Oder hoch
schwöllt auff.
Fleming 404 (oden 4, 5).
ferner bei Rompler v. Löwenhalt, z. b. s. 5. 148 (s. unten). — die flexion ist durchgehends schwach, nhd. ich schwelle — schwellte — habe geschwellt, s. Frisch 2, 247ᵇ. das ahd. zeigt im prät. den sogenannten rückumlaut, im mhd. tritt daneben die umgelautete neubildung swellete (s. ob.), die im nhd. allein begegnet. vereinzelt zeigen sich starke formen, die auf vermischung mit dem intransitiven verbum beruhen; doch sind sie so selten, dasz man sie wol als sprachfehler betrachten darf. so im präs. er schwillt: zorn schwillt zwar die muskeln auf, aber aufgeschwollne muskeln und ein zorniges gemüthe sollen nicht als wirkung und ursache angesehen werden dürfen? Lavater phys. fragm. 1, 45; da musz ich .. mich verstellen! lachen, wenn ich mit den zähnen knirsche, die galle mir das herz aufschwillt! Klinger theater 3, 145 (derw. 2, 1);
aber wer ermiszt die hohen wonnen,
deren ahndung seinen busen schwillt!
Kosegarten rhapsod. 2, 135.
im prät. schwoll, schwollen:
mit zerrisznem trauerschleier
sprach Ximene jetzt zum könig:
thränen schwollen ihre augen.
Herder 28, 408 Suphan (Cid 6).
im part. geschwollen:
ihr seifenblasen, die mein hauch geschwollen,
und flücht'gen schimmers meine huld gehoben.
Chamisso 2, 13 Koch (an d. apost. 4).
mundartlich im oberdeutschen als (ge)schwellen oder schwelle, besonders in der bedeutung 6, s. Stalder 363. Hunziker 235. Seiler 267ᵃ. Schmid 488. Schm. 2, 630 und unten. die bedeutung gliedert sich entsprechend der des stammworts.
1)
vom menschlichen oder thierischen körper.
a)
von krankheit u. ähnl.: diu slang tœtt mit durst, wan si zeplæt dâ mit und swellt und alsô tœtt ir vergift den menschen. Megenberg 267, 26;
sîn antlütze er (Tristan) hæte
misseverwet unde geswellet,
lîb unde wât verstellet.
Trist. 15567.
mit schlägen:
du solt in dar nider vellen
und solt im das maul swellen.
ges. abent. 1, 491.
der sattel schwellt das rosz (vgl. erstes schwellen 1, d): cornu ist ein gebrechen der pferdt, in welchem die haut auff dem rucken dermassen verhartet, als ob es ein horn were. sollicher gebrechen wirt verursacht, so ein pferdt von hartem tragen geschwelt wirdt, und man es widder uberlestiget, ehr sich solche beulen oder geschwulst nidder gesetzet haben. Alb. Magnus thierb. übers. v. Ryff (Frankf. 1545) D 2ᵃ; wenn der sattel oder kummet das pferd geschwellet hat. Coler hausb. (1640) 277.
b)
andrerseits als ausdruck blühender gesundheit: die wangen darunter (unter der stirn) schwellte jugendkraft. Ludwig 1, 378;
und einen leib, den reitz und jugend schwellen,
zu einem leichnam zu gesellen ...
ist eine möglichkeit, wovon ihr übel wird.
Wieland 21, 199 (Klelia 2, 94);
reizende fülle schwellt der jungfrau blühende glieder.
Schiller 11, 195;
von jugend und von kraft geschwellt war seine brust.
Rückert (1882) 12, 195 (Rostem 68).
c)
im einzelnen; blut schwellt die adern:
ich glaub, ich hab ein heisses fieber;
das blut lauffet mir zu dem hertzen
und schwelt mirs auff mit grossem schmertzen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 56, 212 neudr.;
und jeder tropfen blut,
der diese adern schwellt, sey euch dafür geweihet!
Wieland 17, 88 (Idris 2, 33).
d)
den bauch schwellen, schwängern:
der (dritte gesell) hat ein junge dirn geefft
und hat ir iren pauch geswelt,
das sie schir in ein stro velt,
dorinnen sie sechs wochen musz harren.
fastn. sp. 851, 20;
in anderm sinne:
ihr thätig leben stärkt der leiber reiffe kräfte,
der träge müsziggang schwellt niemals ihren bauch.
Haller ged. 28.
e)
die lunge schwellen, mit luft füllen u. ähnl.:
wie lauschte jedes, seinen athemzug,
der lusterfüllt den busen höher schwellte,
ob allzulauter störung still verklagend.
Grillparzer⁴ 3, 154 (Sappho 1, 3);
da plötzlich nimmt ers fester, die lungen hoch geschwellt,
dasz fast das horn zerberstet, und wald und himmel gellt.
Ludwig 1, 127.
ähnlich sich schwellen, aufblähen, vom frosch:
als wie der albre frosch sich streckt, hebt, bleht und schwellt
und sich und sein coax für ochs und brüllen hält.
Logau 3, 215.
f)
den mund schwellen: sie lächelte, und ihr mund schwellte sich zum kusse. Auerbach dorfgesch. 3, 31; von den lippen: es wäre schwer zu sagen, was in diesem gesicht mehr anzieht, die klugheit der augen oder die sanfte güte der weich geschwellten lippen. Heyse kinder d. welt 2, 234.
g)
die augen vom weinen geschwellt:
eʒ bleip ouch niht underwegen,
eʒ würde ir langeʒ valweʒ hâr
ûʒ der swarten sô gar
geroufet und vervellet
und ir antlütze geswellet
von ungevüegem weinen.
Heinr. v. d. Türlin crone 19062;
jüngling, was füllet den blick schwellend mit thränen dir an?
Schiller 11, 196;
und deine augen seh ich weinen
herab auf meine bangen lieder.
seh' ich der augen zauberkreise
gesenkt, geschwellt, in trauter nähe u. s. w.
Lenau 1, 285 Koch (zueign.).
h)
der puter schwellt den kamm (vgl. d. erste schwellen II, 2, f):
wo des putervolks gekoller
rothe kämme schwellt.
Voss 2, 252.
i)
unklar ist der sinn von schwellen in folgender stelle:
die drite fraw auch haim-hin lieff,
fand, das ir man vol war und schlieff ...
'dw folle saw, wie hastw dich',
sprachs, 'in klaidern geschwellet nider?'
H. Sachs 22, 461, 14 Keller-Götze.
2)
auf seelisches bezogen.
a)
die adern, sehnen schwellen, vgl. 1, c: in diesem hoffen und entzücken, das seine adern schwellte, seine sehnen stärkte. Gutzkow ritter vom g. 2, 254;
ein faun, dem junger most und feurige begierde
die sehnen schwellt.
Wieland 17, 180 (Idris 3, 89);
ob ich auch nie zu jenen mich gesellte,
die lachend deine einfalt angeschaut;
des hauptes, das in ehren war ergraut,
verhöhnung immer mir die adern schwellte.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 204;
von muth und kühnem hoffen
ist jeder puls geschwellt.
Leuthold ged. 74 (⁴90).
b)
die brust, der busen ist geschwellt von gefühl u. ähnl.: das kommt mir albern und abgeschmackt vor und schrecklich wiederum, dasz so mir vorkommen kann, was damals so reich, so grosz die brust mir schwellte. Chamisso 2, 297 Koch (P. Schlemihl 4);
was des jünglings brust mit sehnsucht schwellte.
Kosegarten rhapsod. 2, 5;
mächtig ahndets mich und süsz und bange,
dasz der fremdling, der die brust mir schwellt (der geist) ..
bald vielleicht die morsche hülle sprenget.
41;
von allem groszen und wunderbaren,
von allem, was unsern busen schwellt.
Platen 162ᵇ;
einziger gedanke du,
der diesen busen bis zum springen schwellt,
reif in des schweigens schatten.
Ludwig 3, 327 (Macc. 1);
als ob dich eine schöpfung neu umfinge,
wird dir die brust erschüttert und geschwellt.
Heyse 3, 8.
besonders von freude:
mir war von freud' und stolz die brust geschwellt.
Chamisso 2, 29 Koch (Salas y Gomez 2);
aber auch von schmerz u. ähnl.; sinnlicher, von seufzern:
wenn dort ein trübes stöhnen
den busen hat geschwellt.
Rückert (1882) 1, 76 (gräber zu Ottensen 3);
und seufzer, so wie damals, schwellend, heben
die müde brust von mancher sorge schwer.
Grillparzer⁵ 1, 226.
c)
ebenso das herz: die neigung zu einer versagten braut, das bestreben meisterstücke fremder literatur der unsrigen zu erwerben und anzueignen, die bemühung naturgegenstände nicht nur mit worten, sondern auch mit griffel und pinsel ... nachzuahmen: jedes einzeln wäre schon hinreichend gewesen, das herz zu schwellen und die brust zu beklemmen Göthe 26, 158; im durchgeführten bilde (zu 1, c): seitdem die luft der reiselust — mir hatte geschwellt das herz in der brust. Rückert 11, 262 (6. mak.);
dies schwellt mit ahnungen des guten ritters herz.
Wieland bei Campe.
liebe schwellt das herz:
die reinste liebe schwelle
mein ganzes herz zu dir (gott) empor!
Uz s. 204 Sauer;
ein wollustreiches sehnen
schwellt sanft das herz.
Wieland 9, 140;
mein herz ist vom rausche der liebe geschwellt.
Rückert (1882) 5, 236 (Dschelaleddin Rumi 2, 24).
freude:
wie sanft die nachtluft fächelt!
wie froh mein herz sich schwellt!
Neuffer in Schillers musenalm. 1796, 87.
schmerz:
daʒ begunde si rüeren
unde ir herze swellen,
daʒ si ir trûtgesellen
alsus bî ir sitzen lie,
daʒ si den torste getrœsten nie.
Mai und Beaflor 220, 23;
wande der starke smerze
swellete mir daʒ herze
in ûfwallender nôt.
pass. 75, 67 Hahn.
d)
die seele schwellen: von der liebe, welche die flügel der seele entwickelt, sie mit jeder tugend und vollkommenheit schwellt. Wieland 2, 46 (Agath. 7, 6); der ganze sturm, der seine seele schwellte, brach also über den verräther aus. 209 (9, 3); so grosz und wichtig die gedanken waren, welche seine seele schwellten. 272 (9, 8); um eine that ... zu einer so glorreichen unternehmung zu machen, als jemahls die grosze seele eines Römers geschwellt hatte. 306 (10, 2); mit welch herrlichen empfindungen, entschlüssen, leidenschaften schwellt sie (die schaubühne) unsere seele! Schiller 3, 516; ein maszloses selbstgefühl schwellte den führern der neuen republik die seele. Treitschke d. gesch. 1, 129;
himmelan schwellten die schwellenden töne
der hörer trunkene seelen.
Kosegarten rhapsod. 3, 6;
anders gewendet:
auch die musik bezähmt die wilde leidenschaft,
verfeinert das gefühl, und schwellt die seelenflügel.
Wieland 9, 72 (Musar. 2).
e)
seltener einen schwellen:
der sänger merkt wie wuth ihn schwellt.
Ramler 2, 51.
eigenthümlich ist die wendung sich gegen jemand schwellen, auflehnen, insurgere contra aliquem. Scherz-Oberlin 1463, vgl. das erste schwellen II, 2, i: und also möcht ir rych nitt beston, als wenig als so ein burger in der statt wider den anderen ist, und ein parthey im rot wider die ander, oder so sich ein zunfft schwellet wider die ander. Keisersberg post. 2, 53ᵇ.
f)
auch ein gefühl, schmerz, muth u. ähnl. schwellen: und die begierde nie gesättigt, aber durch neue freuden immer genährt, befeuert, geschwellt wird. Engel philos. für die welt;
dô vant er pî dem herzen
geswellet grôʒen smerzen.
Heinrich v. Neustadt Apollon. 2709;
ihr damen, so genant, die krausen komplimenten
die euch das leichte volck der tollen liebs-studenten
in eure sinnen geust, die schwellen euren muth.
Logau 2, 68;
so sonst (l. saust) der buhler-wind, und schwellt euch die gedancken.
69;
der feierstunde heilig wehn
schwellt meinen jungen muth.
Körner 1, 53 Fischer;
doch brüder sind wir allzusamm';
und das schwellt unsern mut.
61.
3)
sehr häufig vom gewässer, stauen.
a)
ein bach, ein fliessend wasser schwellen, gonfiare un ruscello ò altra acqua corrente, arginandone il decorso. Kramer dict. 2, 712ᵃ, schwellen das wasser, refrenare aquas. Dentzler 2, 259ᵇ; colligere aquam Steinbach 2, 548; aquam affluentem colligere, fluxum aquae inhibere, stagnare facere. Frisch 2, 247ᵇ; so jetzt in oberd. mundarten, s. Hunziker 235. Schm. 2, 630. belege aus der litteratur: schwelt also die flüesz, das si über alle eben und felder oben auszliefen. Aventin chron. 1, 136, 18; und wie das wasser erschaffen, dasz es gegen thal lauffen solle, da es aber geschwellet wird, und wider sein art in die höhe oder gegen berg steigen musse, sich nicht anders stellet, als wann es mit einer grossen last beschweret were. Gretter erkl. der ep. Pauli an d. Römer (1566) 494; item, so du werest in einem wasserhausz, oder in einem hausz da wasser umbgehet, unnd dich besorgest, man schwell dir das wasser, oder füll dir den graben ausz mit holtz. Fronsperger kriegsb. 2, 195ᵇ; von den winden, so in hundtstagen von mitternacht wehen, darvon werde der flusz (Nil) gestellt und geschwellt. buch der liebe 190ᵇ;
Bosphorus meer-schlund, schwelle die wellen
über die ufer, über die gräntzen, über die stadt!
Lohenstein Ibrahim Bassa 57, 190.
mit angabe des erfolges:
auch ein quell, der den bach zum nambaren schwellet, ...
stärkt das gebadete haupt.
Voss Horaz 2, 277 (ep. 1, 16, 12);
geborsten ist die wolke, der bach zum strom geschwellt.
Uhland ged. 326.
dafür mit umgekehrter beziehung:
usz eim sechle machst ein sach
und usz eim rünszlin schwelst ein bach.
Murner narrenbeschw. s. 78 neudr. (21, 58).
vgl. auch:
(da) rührt' er pauken und führt' ins feld
sein heer wie ein meer von blut geschwellt.
Rückert Firdosi 2, 175.
b)
sehr gern auch relativisch: und man machet an der statmaur grosse löcher mit gitter, ob es darzue kem, das sich kain wassert schwelln mecht. d. städtechron. 15, 56, 5;
wann das wasser von oben an
wirdt sich schwellen uber ein hauffen
und das untertheil wirt verlauffen,
das mittn durch den Jordan fürbas
dem volcke wirdt ein weite strasz.
H. Sachs 3, 1, 25ᵇ;
wie wunderlich hältt gott das wüthend mer imm zaum!
er prämst es der gestallt, dasz es in seinem raum,
wie grausam es sich schwölt, doch mus gefangen bleiben.
Rompler v. Löwenhalt reimged. 148;
wie die Neutra und die Rabe sich mit türckschen leichen schwellt.
Lohenstein Ibrahim sult. 3, 87.
freier:
und von der Donau flut, die, stolz mit ihrem Wien,
sich schwellt, der flüsse königin.
Haller ged. 206.
vom blut:
daʒ ûʒ ieglichem hûs ein bach
von heiʒem bluote ran, ...
daʒ sich daʒ bluot an si (die leichen) swelte
an dem selben tor.
Ottokar reimchron. 51368;
so auch:
wande daʒ geliberte pluot
swellt sich umbe ir herze.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 2461;
und in der athemlosen brust
geschwellt, begann das dicke blut zu stocken.
Wieland Oberon 5, 52.
c)
daher auch übertragen, einen vorgang schwellen, hemmen, hindern: schwellen, figürlich, retardare, differre, moras trahere, inferre moram alicui. Frisch 2, 247ᵇ; sie schwelltend die sache bis zum frieden. Stumpf 415ᵃ, s. ebenda; denen das wort und warhait geschwölt und verboten wird. quelle bei Schmid 488; nichts soll euch hie schwöllen am evangelio. ebenda;
eʒ râtet unde swellet.
Heinr. v. d. Türlin crone 6060.
reflexiv: die geschäfte schwellen sich, negotia tument Dentzler 2, 259ᵇ.
d)
von gegenständen, die von der feuchtigkeit aufquellen (vgl. das erste schwellen II, 3, b): 'ein leckes gefäsz mit wasser füllen, damit sich das eingetrocknete holz wieder ausdehne'. Schmid 488, schweizerisch es fass ferschwelle Hunziker 235, s. auch unten 5, a.
4)
andere gebrauchsweisen.
a)
vom pflanzenwuchs (vgl. erstes schwellen II, 4):
und wenn der eiche grünes holz
die neuen blätter schwellt.
Körner 1, 70 Fischer.
so auch freier:
und segen schwellt die erde,
der fruchtbaum und der acker sprieszt.
Voss 4, 68.
b)
die erde schwellen in anderm sinne: dergleichen herentgegen geschwal und schwelt sich über sich das erdrich ... etlich mainen, es sei ain pesundre plag von got gewesen; die andern schreiben's der natur, rauhen winden und groben dicken dempfen zue, so verschlossen im ertrich über sich herausz drungen und also das ertrich swelten und erhebten. Aventin chron. 1, 136, 16—22.
c)
der wind schwellt die segel (vgl. erstes schwellen II, 5, b): die günstigsten winde schwellten die segel, welche ihn aus dem verderblichen Smyrna entfernten. Wieland 2, 251 (Agath. 9, 6); mir schwoll das herz von verschiednen leidenschaften, so wie der wind die seegel schwellte. Heinse Ardingh. 1, 248;
der wind, der unsre segel schwellt, er bringe
erst unsre volle freude zum Olymp.
Göthe 9, 61 (Iphig. 3, 3);
ach! er (Zeus) verleiht die winde nach gefallen,
dem schwellt er mit gelindem wehn die segel.
Schiller 6, 217 (Iphig. in Aulis 5, 4);
und ruhig sah ich her das fahrzeug gleiten
mit windgeschwellten segeln auf den wogen.
Chamisso 2, 31 (Salas y Gomez 3).
von einer fahne, sie wehen, flattern lassen:
die heilige fahne schwellten sie.
Rückert Firdosi 2, 437.
uneigentlicher, die luft schwellt einen hohlraum, erfüllt ihn:
und die luft, die schnee verstöbert, schwellte süsz
jeden gang des flötenrohres ehedem.
Platen 72ᵃ.
d)
von weichen gegenständen, die dem druck nachgeben und sich nachher wieder erheben (vgl. erstes schwellen II, 5, f):
auf weichen polstern, mit federn vom feinsten stahl
geschwellt.
Wieland 4, 75 (Amadis 3, 28);
noch ruhten sie um einen alten baum,
wo dichtes moos sich schwellt zum weichen sitze.
22, 158 (Oberon 4, 23).
so auch:
hier prangt ein seidnes bett von weichem flaum geschwellet.
Alxinger bei Campe.
e)
von tönen (vgl. erstes schwellen II, 7):
da hör' ich schreckhaft mitternächt'ges läuten,
das dumpf und schwer die trauertöne schwellt.
Göthe 13, 169 (epil.).
f)
freier und allgemeiner: dadurch erreicht Shakespeare .. das behagliche sichausleben der gespräche und personen, weil seine handlung ... bis auf den kern simplifiziert und konzentriert ist. dieser engste kern wird wiederum durch die äuszerste kunst des dialoges geschwellt. Ludwig 5, 87; sodasz nur ein geschwelltes einfaches, ein ausgeführtes wesentliches zu stande kam. 154. von abstracten, wie der zeit:
zeit, die du alls begünst; zeit, die du alles endest; ...
verschwindend schwölst du dich, und nimst durch abgang zu.
Rompler v. Löwenhalt reimged. 5.
5)
technisches.
a)
in der sohllederfabrikation häute schwellen, quellen lassen, in die schwellbeize (vgl. das.) legen, um sie für die gerbstoffaufnahme empfänglicher zu machen. Karmarsch-Heeren³ 5, 330.
b)
kalch schwellen, extinguere calcem Dentzler 2, 259ᵇ.
6)
im oberdeutschen ist schwellen sehr gewöhnlich in der bedeutung 'etwas im wasser sieden, bis es weich wird, in siedendem wasser kochen,' bes. erdäpfel (kartoffeln), s. Stalder 2, 363. Hunziker 235. Seiler 267ᵃ. Schm. 2, 630: o sprach Bruno, du wirst sie (die frau) swellen und essen mit dein czen. Steinhöwel decam. s. 565 Keller (9, 5); (man soll einer mastgans) trei mal im tage gersten, und inn wasser geschwöllten weytzen ... zuessen geben. Sebiz feldbau 111; er hat viel tag nichts dann einen geschwelten weitzen zu essen gehabt. Rivander 2, 222ᵇ. so auch (?): sawer und murrecht sehen, gleich als wann er ein pfann voller geschwelter teuffel gefressen hett. Höniger narrensch. 30ᵇ.
7)
in Nürnberg bedeutet schwellen (schwach) auch fest schlafen und schnarchen. Schm. 2, 630.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2504, Z. 39.

schwellen, verb.

schwellen, verb.
mit schwellen versehen, denominativ zu (dem ersten) schwelle, s. das.; so mhd. seit dem 14. jahrh. nachgewiesen: daʒ hûs kleiben und swellen. Frankfurter urk. v. 1374 bei Lexer handwb. 2, 1357; einen steg schwellen. vom j. 1501, s. Dief.-Wülcker 849;
der züg ist nit wol geswellet,
das macht, das die mur nider fellet.
des teufels netz 10699 Barack.
nhd. schwellen, ein schwell unter einen baw ziehen, faire un sueil. Hulsius 293ᵃ; schwellen, limen facere. Schottel 1412; schwellen, et usitatius ausschwellen, geschwellet, et aufgeschwellet, limen facere vel substruere, instaurare hypothyrum. die türen mit gar schwachem holz geschwellet. Stieler 1695; schwellen, bey den zimmerleuten, verschwellen, id. dieses haus ist wohl geschwellet, trabes liminares ex optimis arboribus factae sunt. eine wand am haus neu schwellen, neue schwelle unterziehen. Frisch 2, 247ᵇ, s. auch Campe.anders schweiz. schwellen, schwellenen, 'einen damm von grundbalken an einem gewässer aufführen'. Stalder 2, 363. vgl. das zweite schwelle 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2509, Z. 15.

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Zitationshilfe
„geschwollen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschwollen>, abgerufen am 06.12.2021.

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