Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geschwulst, f.

geschwulst, f.,
ahd. giswulst, livor, mhd. geswulst, nebenform geswolst Petr. de Crescentiis (1493) f 6ᵇ, geswolst, geschwolst, tumor Dief. 601ᵇ. neben dem fem. später auch masc. geschlechts, wie der und die schwulst (s. d.): der geschwulst, harter geschwulst Stieler 1968; wenn aber das rotlauff ist von mehrerm geschwulst. Weyer arzneib. (1583) 97ᵃ. 107ᵇ; dasz sich zugleich ein harter geschwulst an der linken seite des halses gebildet hatte, den man jetzt erst zu bemerken zeit fand. Göthe 25, 184 (aber s. 198 als fem. mit der geschwulst am halse); der geschwulst geschwindet sichtbarlich. Heynatz antib. 2, 43; ferner als neutr. collectivbildung zu schwulst das geschwülst: als sich einiges geschwülst an seinem leibe ereugete. Scriver seelensch. 1, 142; ein hartes geschwülst, scirrhus Aler 920ᵃ; und diese form wieder ins fem. übertragen: die sich setzende geschwülst. Aler 920ᵇ; plural geschwülste, daneben geschwülst und geschwulst: zerblasung der gschwülst des leibs. Röszlin schwang. frawen rosengarten 30ᵃ; alle geschwulst enden sich entweder durch auszschleiszen oder schwären oder zerhärtung und faulfleisch. Henisch 1552.
1)
anschwellung, geschwollene körperstelle: geswulst des plutz, tumor sanguinis. voc. 1482 m 1ᵃ; geswulst oder pleung des mundes, stillopus. k 8ᵃ; geswulst der brust, pleuresis, geswulst in den henden und fuszen, bocio. voc. inc. teut. i 5ᵇ; die geschwullst, das aufbläyen oder geschwällen, inflatio Maaler 174ᵇ, gschwulsten, bubones, ulcus 196ᵇ; geschwulst der mandeln im halse. Henisch 1552; wässerichte, windichte geschwulst. Duez 192ᵇ. Rädlein 368ᵇ; eine harte geschwulst ohne schmerzen, eine schwiele. Ludwig 757; geschwulst, die beule, das geschwür. ebenda; da ich mit der geschwulst am halse sehr geplagt war. Göthe 25, 198. 32, 123; danach in vielen zusammensetzungen: blut-, eiter-, krebs-, wasser-, balg-, drüsen-, knochen-, gelenk-, leber-, milz-, nierengeschwulst u. s. w.;
das ist geschwulst, die aus dem innern bricht.
Lichtwer fabeln 4, 17;
übertragen auf gemütserregungen, die beklemmung: die linderung und auszriechung der angst und geschwulsten desz hertzens. Schuppius 755.
2)
das anschwellende gewölk:
entzwischen fillen sich das meer, die luft, der himmel
mit grausamer geschwulst, mit hagel und unruh,
mit dunder und getümmel.
Weckherlin 248 (ps. 107, 28).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4012, Z. 21.

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Zitationshilfe
„geschwulst“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geschwulst>, abgerufen am 07.12.2021.

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