Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesegnen

gesegnen,
verstärktes segnen (s. d.), ahd. ga-, giseganôn, mhd. gesegenen, geseigenen (myst. 1, 194, 37) und zusammengezogen gesegen (auch später bei Murner und H. Sachs), md. geseinen, gesenen (Dief. 605ᵇ), rhein. gesehnen, westerwäldisch gesahn (Kehrein 161), oberd. gesengen (Dief. 605ᵇ, Aventinus, Abr. a S. Clara, s. unten).
1)
das signum crucis machen und dadurch den schutz gottes herbeirufen.
a)
intransitiv: wenn man den teufel vor mir nennet, so gesegne ich mit dem zeichen, so fleucht er. heiligenleben (1472) 100ᵃ; gesegnen sive sich gesegnen, cruce se signare Stieler 1670.
b)
reflexiv, sich bekreuzen, sich kreuzigen:
dô er sich geseinte
in gotes namen.
pass. 279, 32 Köpke;
als ich gott anrüeft und mich gesegnet, da verschwand das gespenst alles vor meinen augen. städtechron. 5, 108, 14; und gesegnet mich und pat gott, dasz er mir hulf. 107, 10; der edelman, wiewol er ain unerschrockner man war, so entsasz er im doch (vor der gespenstischen stimme), gesegnet sich. Zimm. chron. 4, 190, 10; do erschin im ein swarzer mor, der sprach zum pischof: ich bin dein böser geist, du pist mein aigen .. der pischof gesegnet sich hin und her. Aventin. 5, 290, 18 Lexer; do fiengen wier bed an schryen ... und uns gsägnen, bisz der (grosze) vogel hinweg floch. Th. Platter 12 Boos;
(ihr tochter spricht:)
ein thumherr zum bulen mir gfellt ...
(die mutter gesegent sich und spricht:)
ach mein tochter, sag mir, warumb
ein pfaffn?
H. Sachs 4, 3, 14ᵃ;
sich aufgesegnen, morgens beim aufstehen das zeichen des kreuzes über sich machen und sich mit weihwasser besprengen Schm.² 2, 239; am fronleichnamstag muesz der direktor (der procession) umb halbe zwai aufs lengst aufsteen und sich wol aufgesegnen, auch andechtig beten. Westenrieder beitr. 5, 141 (zum jahre 1580);
als ich heut aufgestanden bin,
hab ich mich nit gesegnet recht.
H. Sachs 5, 3, 359ᵃ;
(der narr schreit im nach:)
und thetst dich heut nicht recht gesegen:
es wird dir schir auffs armbrust regen.
4, 1, 27ᵃ, gesegnen : regnen 15, 116, 21 Keller;
ain ander segen.
ich gesegent mich heut mit guten stunden,
mit den hailigen funff wunden.
ich gesegn mich mit den hailigen drei negel,
die dir lieber hergot durch hend und fusz wurden geslagen.
ich gesegen mich heut mit dem sper gut,
daʒ dir lieber got durch dein rechte seiten wut ...
anz. des germ. mus. 1, 136 (anf. d. 15. jh.);
sich vor etwas (unheilvollem, schädlichem) gesegnen:
herre gott, gib mir den muot,
daʒ ich mich dâ vor gesegene.
minnes. 3, 14ᵃ v. d. Hagen;
(der edelmann) sprach: herr gott, steh uns heut bei ..
auff dasz wir sicher kommen mügen
durch das wasser mit unserm leben! ...
der knecht sprach : junckher, saget frei,
wo das gros ungstümb wasser sei,
vor dem ir euch gesegnet schlecht?
H. Sachs 5, 3, 393ᵇ;
bildlich, wie sich vor einem oder etwas bekreuzen, wünschen davor bewahrt zu bleiben: sich vor einem gesegnen, detestari a se et deprecari Denzler 131ᵇ.
c)
einen oder etwas mit dem zeichen des kreuzes und einem segensspruche weihen, dann weihen überhaupt:
dar nâch gesegent er (Jesus) daʒ brôt.
fundgr. 1, 168, 21;
mit des lambes pluote   die ture er gesegenôte.
Diemer ged. d. 11. u. 12. jh. 327, 22;
dar zuo helfent ze stunden die starken kreft der hailigen wort, dâ mit man got anruofet und die kräuter beswert und gesegent und auch daʒ edel gestain, sam man daʒ weichwaʒʒer gesegent. Megenberg 380, 6; muest man die stat Rom wider weihen und gesegnen. Aventin. 4, 964, 10 Lexer; muesten ir pfaffen den kaiser wider offenlich weihen, gesegnen und wider krönen. 5, 185, 25; dadurch vor bösem oder feindlichem schützen: pabst Hadrianus sagt ... künig Karl und sein volk gesegen ich vor solchem fluech. Aventin. 5, 112, 28 Lexer; (beim drohenden angriff der Deutschen) muest ain ietlicher (warsager, gesegner) seinem brauch nach und glauben die stat Rom, das römisch reich vor den unsinnigen Teutschen gesegnen, die feind verpannen. 4, 874, 30; vom segnenden priester:
her der pharrer, nempt die paide pei der hand
und gsegnet sy auch in den elichn standt.
Raber fastn. sp. 2, 71, 625;
ein brautpaar eingesegnen Schm.² 2, 239; einem sterbenden d' sêl ausgsengen, einen todten (im hausflur vor dem forttragen zum begraben) ausgsengen ebenda; eine wöchnerin, die nach vollendeten sechswochen zum ersten mal wieder zur kirche kommt, herfürgsegnen, puerperam sacro carmine lustrare Schönsleder Cc 6ᵈ; im particip: gesegnet, geweihet, consecratus Aler 920ᵇ; vom gotsdienst, wie in künig Tuitscho gesetzt hat ... dergleichen lernet er ein aufmerken haben auf etlicher gesegneter (var. gesengter) vögl gesang und flug und sich darnach zue richten, ob ain sach anzuheben wär oder nit, glüklich oder unglüklich würd hinauszgen. Aventin. 4, 77, 22 Lexer; substantivisch: gesegnets heiszen in Schwaben die an gewissen festen kirchlich gesegneten brote, wein, fleisch u. s. w. Birlinger augsb. wb. 193ᵃ, wb. z. volksthüml. 34.
d)
mit einem segensspruche besprechen oder heilen, rheinisch gesehnen, westerwäld. gesahn Kehrein 161, nordböhm. gesenn Knothe 501.
2)
schutz und heil, glück und gedeihen geben, von gott.
a)
mit dativ: der herr gesegen dir und behüt dich. bibel 1483 69ᵃ, 4 Mos. 6, 24.
b)
mit accusativ:
(Isaac zu Jacob) got dich gesegene   in aller dîner gehebide
hinnen vure mêre   wis aller dîner chunnescefte hêrre.
fundgr. 2, 39, 3;
got gesegen iuch alle.
Walther v. d. Vogelweide 115, 4;
gott, allein uns gott! o gesegn allein uns,
fluche den andern!
Voss 3, 67;
widerumb, weil er (Christus) sol der gesegnete samen sein, der alle andere gesegenen solt, kund er nicht vom man gezeuget werden. Luther 2, 240ᵃ; got der almechtig himlisch güetig vater .. het in herab in dise welt gesant zu sterben umb der menschen hail willen, dieselbigen zue gesegnen (var. gesengen) und .. nit verfluechen. Aventin. 4, 107, 15 Lexer;
gesegne mein beginnen
mit deiner gnadenhand.
Rist himl. lied. 3, 141;
gesegne du mein haus, gesegne meine thaten.
Parnass 636;
als anrufung des göttlichen schutzes:
herre got, gesegene mich vor sorgen.
Walther v. d. Vogelweide 115, 6;
so müeʒe mîn Gelücke pflegen
und gesegene mich vor iwern slegen.
Heinr. v. d. Türlin krone 3973;
nun gesegn mich das creuz prait,
do got sein hailige marter an lait.
anzeiger d. germ. mus. 1, 136 (anf. d. 15. jh.).
als ausruf der verwunderung, wie gott steh mir bei, gott schütze mich:
herre got, gesegene,
wie swîgent dise degene
sô wunderlîchen schiere!
Lanzelet 905;
diu muoter segente sich (vor staunen und überraschung):
got, sprach si, der gesegene mich!
Tristan 10628.
als segenswunsch beim abschied: valere, gesengen, vale, got gesengt dich. Aventin. 1, 430, 23 Lexer; gesegne dich gott, vale atque salve Aler 920ᵇ;
gesegen euch got, wir mussen davon.
fastn. sp. 546, 18;
fride sei euch, das ist so viel gesagt: gehabt euch wol ... wie wir sagen: gott grüsze euch odder gott gesegne euch. Luther ausleg. der evang. von ostern (1527) V 6ᵇ;
in München mag ich nicht lenger sein,
drumb gsegn euch gott, lieber herre mein!
Uhland volksl. 434;
man bracht sant Joannis wyn,
hab urlob liebe welte,
gott gesägen dich loub und grasz.
Körner volksl. 121;
got gesegen dich löb, got gesegne dich gras,
got gesegne alles das da was!
ich muͦsz mich von hinnen schaiden ...
got gesegen dich, sunn, got gesegne dich, mon!
got gesegn dich, schönes lieb, wa ich dich hon!
ich muͦsz mich von dir schaiden.
Uhland volksl. 304;
gott gesegen dich, liebe muͦtter! (sagt Metz beim abschied). Albr. v. Eyb dramen 155, 28 Herrmann; nun gesegene euch gott, mein allerliebste herzogin (sagt der scheidende ritter). Galmy 204; gesegene dich hiemit, allerliebstes gemahl, der getrewe allmechtige gott, gesegne die frucht, die du tregest (sagt landgraf Ludwig beim abschied zur h. Elisabeth). Bünting braunschw. chron. (1584) 1, 91ᵃ; (beim schlusz der gerichtssitzung,
der vierd paur pschloistz:)
nun gsegn euch got, als vil eur seint!
Raber fastn. sp. 2, 93, 96.
c)
mit accusativ der sache und dativ der person: dorumme geseinet dir got dyner hende erbeit. kulm. recht 5, 24, 2; wie oft gesegnet gott der wittwen geringe mittel. Scriver seelenschatz 2, 311;
weil er treu ihm gedient und gott die arbeit gesegnet,
wie er auch mir die arbeit gesegnete.
Voss Odyss. 14, 65;
(o gott) gesegn ihr heut im jubelfeier-kleide
den wunsch, den jede brust ihr weiht.
Bürger 79ᵃ (ode der 50 jähr. jubelfeier der Georgia Augusta).
d)
namentlich in den wunschformeln gott gesegne es euch, deus benedicat, prosit Duez (1664) 193ᵃ; gesegens ihm gott! Göchhausen bei Merck 2, 200; auf die segenswünsche des wandrers über den schlafenden knaben entgegnet die mutter bekräftigend gesegne's gott! Göthe 2, 180; gesegne es dir (euch) gott, gott lasse es dir wol bekommen, oberd. gseng gott, mit diesem spruch erwidert der geber den dank (das gelts gott) des empfängers, reicht der wirt dem gast oder dieser einem bekannten den krug dar Schm.; gesegne dich gott (im trincken), bene te, proficiat haustus Aler 920ᵇ; gseng dirs gott, bibe salutem, gseng dirs gott ins hertz hinein, bibe salutem medullitus Schönsleder Cc 6ᶜ;
got gesegen uns den wein.
fastn. sp. 450, 20;
gott gesegne dich, du lieber rebensaft.
1344 (weinsegen);
gesegne dich gott, alls trancks ein kron.
ebenda;
substantivisch: wohl angefüllter weinkeller, in welchem manche durstige seel sich mit einem geistlichen geseng-gott erquicken kan. titel eines buches von Abr. a S. Clara (1710); nicht gott, sondern der gseng gott hat sie (trinkerin) also erleuchtet. Conlin; und ware solcher (Davids durst) nicht nach kostbaren reben-safft und stattlichen wein, sondern es gelüstet ihm zu trincken und einen frischen geseng gott zu haben ausz der cistern zu Bethlehem. Abr. a S. Clara reim dich 311. — als segensspruch bei der mahlzeit: gott gesegne es. Frisch 2, 255ᶜ; got gesegen euch das essen. de Lapi vocabularius (Bologna 1479) g 3ᵃ;
nun kinder esset, eszt mit freuden,
und gott gesegn' es euch!
Claudius 3, 12;
nachdem man darauf das zeichen des kreuzes gemacht, setzte man sich mit einem 'gsegn es gott' zu tische. Auerbach dorfgesch. 1, 7; gsegn echs got, sagt der eintretende, wenn er die hausbewohner am essen findet, gekürzt gse-got, andre formel gsegneti molzit (s.gesegnete mahlzeit theil 6, 1460) Hunziker aarg. wb. 115, schwäbisch gsengott, gsegott Schmid 489, hessisch senggott Vilmar 380; tritt der siebenbürgische bauer in ein haus, wo eben gegessen wird, oder geht er im felde an einem essenden vorüber, so grüszt und wünscht er: gott gesên ich et oder umständlicher gott gesên ich det fræstäkeln, bâwentämmes (bîabentimbiʒ, vesperbrot) u. s. w.als segenswunsch des baders oder badeknechts:
gott gesegen euchs bad, mein lieber herr.
Römolt E 2ᵇ.
e)
als verwünschung: die allmosen, die du biszhero gefressen hast, gesegne dir gott. Schuppius 84; geseng dir der teuffel das musz. Abr. a S. Clara wohl angef. weinkeller 373; das jms der teüfel in hals gesegnen muͦsz. Karsthans aa 4ᵇ; ich fluchte offt: sauff, dasz dirs der teuffel gesegne. (Callenbach) almanach 174; das sol jm der teufel gesegnen. Luther 5, 221ᵃ;
das inens der thüfel muͤsze gesegnen.
N. Manuel faszn. 398 Grüneisen;
es kommen offt spatzen, die fressen die beer. gesegne es ihnen der teufel. Abele künstl. unordn. 1, 260; die andere kätzermäusz müssen vor dem brotkorb hungers sterben (dasz es jhnen der ketzermeister katzen gesegnen). Fischart bienenkorb 7ᵇ;
dasz jm all unglück mus gesegen.
Römolt F 6ᵇ;
gesegne es ihm, weisz nicht wer, quod in ejus perniciem vertatur Serz 53ᵇ.
f)
bisweilen mit weglassung des subjects, wie gebe für gott gebe oben sp. 1720: (als grusz an gäste) proficiat jhr lieben herrn, gesegen euch trincken und essen. Fischart Garg. 49ᵇ; in Vorarlberg wird dem gaste wein oder speise mit einem gsägnisz (gesegne es euch gott) vorgesetzt, -isz geht auf mhd. iu eʒ, iu'ʒ zurück Lyons zeitschr. für den deutschen unterricht 7, 451;
Mephist. die plumpen schlagen rad auf rad
und stürzen ärschlings in die hölle,
gesegn euch das verdiente heisze bad.
Göthe 41, 328 (Faust 11739 Weim.).
3)
einem gottes segen, glück und gedeihen anwünschen.
a)
mit accusativ der person: einen gesegnen, alicui salutem dicere Aler 920ᵇ;
mein gmahel dran unschuldig ist ...
den thut mir doch fleiszig gesegen.
H. Sachs 5, 2, 235ᶜ;
auch sollen sich fürbas der prawt muter oder yemands anders von iren wegen zu den hochzeiten nit mer in den hewsern, darinnen die hochzeit ist, gesegen (beglückwünschen, gratulieren) lassen dann an ainem ende desselben hawss. Nürnb. pol.-ordn. 84 Baader; mit bösem segen bedenken, verwünschen: also gesegnet in sein herr vater, das er ie, dieweil er nit bei im sein, sonder nur in krieg welte, erschossen wurd .. furwar, so ist es nit guet, so ain vater die kinder also unguetig uszsegnet oder inen args winschet. Zimm. chr. 4, 118, 15.
b)
mit acc. der sache und dativ der person: einem etwas gesegnen, alicui aliquid benedicere Weber deutsch-lat. wb. 351ᵃ. insbesondere
α)
einem mit segenswunsch (gott gesegne es, s. 2, d) zutrinken: und also mit dem essen ein wenig pausiren muste, liesze ers über das trincken gehen, da er dann nicht weniger thun konte, als mir eines zuzubringen, wann er anders haben wolte, dasz jhm jemand den trunck gesegnen wolte. Simpl. 2, 11; auch ohne object:
(Achilles bewirtet seine gäste mit wein, Ulixes)
pracht Achilli ein krausz mit wein,
des Achilles gewärtig gsein,
gsegnet jhm mit gutwilligkeit.
Greg. Wickgram kunst zu trinken (1537) 1, 659.
β)
einem die mahlzeit gesegnen, bene precari alicui pransuro Weber deutsch-lat. wb. 351ᵃ, vgl. oben 2, d; ironisch: gibst du ihr schöne kleider, so wil si nur ausgehen und sich sehen lassen: hältest du si aber im gewand slecht, so gesegnet si dir das essen und trinken, weis nicht wi. Butschky hochd. kanzl. 571; bildlich, höhnisch:
wir wollens auffm weg verstören,
dem Tylli all sein volck verheern,
das confect jhnen wol gesegnen.
Weller lied. des 30 jähr. kr. 195, s. gesegnung 2.
γ)
einem das bad gesegnen, eigentlich vom badeknecht, der ein gutes bekommen des bades wünscht (s. oben 2, d), dann in schlimmer bedeutung, es übel bekommen lassen, s. theil 1, 1070:
sy gsegnet mir das pad (vermehrt das erlittene unrecht)
mit fluͦchen und mit schelten.
Osw. v. Wolkenstein 86, 5, 15;
do gab ich jm warms mit einem schlag
und gsägnet jm mit einer achsz das bad,
das er da tod lag in der standen (wanne).
Urner spiel von With. Tell 412, schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 34 Bächtold;
danach bei Jac. Ruff Etter Heini:
er nam sin achs, gab im ein schlag
und gsegnet im das wasserbad,
das er grad tod bleib in der standen.
3442;
er sprach, ich will jm (Landenberger) das bad gesegnen, und gieng hinein, schluͦg jn im bad wie ein saw mit der axt an kopff zuͦ tod. S. Frank Germ. chron. 208ᵃ; der bidermann sprach: gelobt sig gott, min fromme huszfrow, dasz er dich behüt, dasz du din eer errettet hast, ich will im das bad gesegnen, dasz ers keiner frowen mer tut. Tschudi 1, 233ᵇ; indem erfuhr ich, dasz der bischof von Bamberg .. ins wildbad geritten war und wolt baden für den reiszenden stein; so hett ich es gut im sinn, ich wolt ihm das bad gesegnet und ihn ausgerieben haben. Götz v. Berlichingen 103.
δ)
ähnlich folgende ironische wendungen:
wer er mein son in solchen sachen,
wolt jm das benedicite machen ...
wölt jm also den schulsack gesegen.
Murner schelmenzunft v. 429;
den (arsz) gesegene sie dir von meinetwegen. Garg. 84ᵃ; Ponc. die rede ist vor mich zu hoch. Soph. nimm ein klötzgen auf den kopf, dasz du sie erlangen kanst. Ponc. schonte ich nicht jungfer Lenörigen, ich wolte dir das klötzgen auf dem kopfe gesegnen. Chr. Weise überfl. ged. (1701) 507; was düncket euch, ihr herren, wollen wir dem neubackenen fürsten die herrschaft gesegnen. erzn. 224;
die bleiche Saphira gesegnet ihrem manne
das feuer geiler brunst mit einer wasserkanne.
Günther 1003;
man hat jhms gsengt, mala re magna multatus est Schönsleder Cc 6ᶜ, es ist ihm übel gesegnet worden Aler 920ᵇ; man gesegnets jm nit wie dem Salust mit peitschen oder dem schweitzerischen amptmann mit der achszt im bad, und dem domherren mit dem strigel. Gargantua 61ᵇ; drohend:
wart, ich will es dir gesegnen!
Göthe 57, 246;
es einem eingsengen, es einen fühlen lassen Schm.² 2, 239.
4)
mit segenswünschen (gott gesegne dich, oben 2, b) abschied nehmen, einen zum abschied segnen, sich von einem verabschieden, von wegziehenden gesagt, wie von sterbenden oder dem tod und untergang geweihten.
a)
mit dativ: gesegne dem herrn, und stirb. Hiob 2, 9 in den vorlutherischen bibelübersetzungen, vgl. Lessing 8, 274.
b)
mit accusativ: mhd. und gesegente sîne brûdere und ginc in den wilden walt. mystiker 1, 56, 25 Pf.;
der purger gelopt ims zu thon,
geseget in und schid dar von.
H. Folz bei Haupt 8, 519;
seiner zücht er nit vergas,
er gesegent (beim abschied) frawen und man.
Keller erzähl. aus altd. handschr. 420, 19;
sy taten als die wisen tuͦnt,
do man uff von tische gestuͦnt,
sy truncken eins und gesegneten sich
und giengent heim froͤlich.
Hans v. Bühel Dioclet. 3773;
do her sie geseinete, do bat sie on, das her sente Johannes minne mit ir trincken wolde. Rothe dür. chron. cap. 683;
Tewrdanck gesegnet sie freüntlich,
sprach: fraw künigin, es bedunckt mich,
es sei nun eben grosze zeit,
das ich dahin zuͦ dem turnier reit.
Teuerd. 105, 95;
Tobias gesegnet vater und mutter und zog mit seinem gesellen dahin. Tobias 5, 24; als wir einander gesegneten, tratten wir ins schiff. ap. gesch. 21, 6; wie Arnolt sampt seinem suͦn von dem abt urlaub nemen, jn gesegnen, und widerumb haim zuͦ hausz reiten. Wickram pilger Z 4, bl. 90; die zwölff (weggehenden) gesellen gesegneten uns mit träherenden augen. Schaidenreiszer 42ᵇ; er gesegnet die kaufleut und ging den negsten weg gen Dordon. Aimon Z 3; die keiserin gieng ausz dem schiff und gesegnete die schiffleut. buch der liebe 6, 4; nachdem kehrt könig Dagobertus (aus England) wider in Franckreich und gesegnete die (englischen) fürsten und herrn alle freundtlich. 31, 2; muszten sich doch zuletzt scheiden und eins das ander gesegnen. 206, 1;
ich wil gehn den Neidhart gesegen,
darnach mich machn auff die heimfart.
H. Sachs 4, 3, 54ᵈ;
darumb schwieg er und gesegnete Floramenen mit einem höflichen abschied und gieng davon. polit. stockf. 276; er gesegnete die gesellschaft, societati valedixit Duez 192ᵇ; ach, wie viele heisze thränen flossen, als ritter und knecht abdrückten, und ihr liebchen gesegneten! Musäus volksm. (1826) 5, 6;
wir solt- und musten scheiden.
und was das härtste war, so hatte keiner nicht
von uns so viel der zeit, dasz er das augen-liecht
der liebsten köndte vor, wie sichs gebührt, gesegnen.
P. Fleming 53.
gesegnen, eine gute nacht sagen Duez 192ᵇ: als er solchs mit ihn redet, gesegnet er sie und gab ihn guͦte nacht. Luther 12, 555, 16 Weim.; nider gsegnen, cubitum euntibus bene precari, cubituros divinae fidei commendare Schönsleder Cc 6ᵈ. vom letzten abschied vor dem tode: der krank fürst legt sein hende zusammen, gesengt sein getreuen diener, des glaubens in nimmer zu sehen. Wilw. von Schaumburg 192; in dem Riesz namen die leut urlab von ainander, und gesegneten ainer den andern, ain soliche forcht was in das volck kumen (vor dem prophezeiten suntflusz). Baumann quellen 1, 249; (die Türken vor dem sturm auf Constantinopel) sie gesegneten auch einander und thaten anderst nicht alsz solten sie alle zu grund gehen. S. Münster cosm. b. 6, cap. 118; folgt mir in das schlosz, dasz ich meine kindlein gesegne, denn von heute an werdet ihr mich nimmer sehen. Musäus volksm. (1826) 3, 16; dasz Hadrianus ein poet gewesen, beweisen die vers, mit denen er seine flüchtige und nun abscheidende bleiche seele zwar heidnisch, aber doch artlich gesegnet. Opitz (1646) 1, vorr. 4ᵃ; einen auf ewig gesegnen, aeternum vale alicui dicere Stieler 1670.
c)
absolut, abschied nehmen: sahen etlich erber und ander burger, denen dis uffrurig handlung missfellig und nit lieb was, ubel darob und sonderlich ob dem geschutz, gesegneten und urtailten dasselbig, das es nimmer mer wider gein Rotenburg komen sollt. Baumann quellen 2, 365;
nun du wirst dich noch besinnen,
dasz ich bei dir gantz und gar
fusz zu halten willens war,
und auch kaum gesegnen können.
Opitz 2, 184.
d)
reflexiv, sich mit (von) einem gesegnen, von einem abschied nehmen: i. f. gnaden gesegneten sich mit dem pfalzgrafen. Schweinichen 1, 195; (ich) gesegnet mich derowegen mit i. f. g. mit betrübten, ja weinenden augen und gemütern. 2, 155;
von dem tag an, als der stier sich gesegnet mit der sonnen (wo die sonne aus dem zeichen des stieres tritt).
Hofmannswaldau getr. schäfer 43;
do der kaiser sterben solt, do ruͦft er seinen sun und sprach zuͦ im: ich han einen guldein apfel gar tewr, den schaf ich dir ze letz und ich gesegen mich damit von dir. gesta Romanorum 98 Keller.
5)
verlassen, weggehen.
a)
absolut, abire: versteckten etlich vill gewapeter leut .. in der meing, sie wolten den herzogen mit den seinen recht empfahen oder empfangen haben, das ir nit vill wider gesegnet hetten. Wilw. von Schaumburg 104; mit der ferse gesegnen, ausreiszen:
daʒ ich muost lân dem wirt ein phant od mit der verse gesegen.
Kolmarer meisterl. 170, 41.
b)
transitiv: und ob d. Pommer wollt hiemit Wittemberg von meinenwegen gesegenen. Luther br. 5, 753; seglete er .. aus dem weiten hafen, gesegnete mit lösung der stück die vornehme und schöne stadt. Drummer winternächte (1666) 80; nun war ich des sinnes, dasz ich die lands art ein weil geseegnen und weiter mein heil versuchen wolt. Berlichingen 169; die welt gesegnen und sich ins klosterleben begeben. Butschky kanzl. 101; das andere heer der sternen gehet so offt hinweg als es kömpt, und gesegnet (verläszt) uns, die wir sämptlich gesegnen (sterben, s. unten 6, c) sollen. Opitz 2, 295;
solt ich diese führen,
die mir den mund nicht gönnt, und dort die zeit verlieren
die nicht mehr wieder kommt: die stunde rennt zu sehr;
die nacht so jetzt vergeht gewinn ich nimmermehr.
so schlosz ich; und entschlosz sie plötzlich zu gesegnen.
A. Gryphius (1698) 1, 242;
darob gesegnete ich die hochheilige theologie. Seume ged. 132.
6)
sterben.
a)
die welt gesegnen, mundo valedicere, mori Duez 192ᵇ: dasz meine liebe frau mutter in abwesen meiner diese welt gesegnen solte. Schweinichen 1, 60; bis dasz er endlich mit nachlassung eines guten namen die welt gesegnet. pers. baumg. 1, 6; welcher sich bemühet viel geld und gut zusammen zu scharren, und musz, ehe ers geneust, sich hinlegen und die welt gesegnen. pers. rosenth. 8, 1; o ihr meine beide augen, gebt dem haupte gute nacht, ihr hände, ihr arme gesegnet die welt. 1, 11;
zu dem, wer zeitlich hier die welt gesegnen musz.
Lohenstein Hyac. 36;
wenn sie (mutter) dereinst die welt gesegnen wird. Musäus volksm. (1826) 4, 138.
b)
andere wendungen: was maszen mein herzliebster ehherr dise sterbligkeit gesegnet. Butschky kanzl. 908; diese zeitlichkeit gesegnen, de vita emigrare Stieler 1670; das zeitliche gesegnen, diem suum obire Aler 920ᵇ;
also musz ich wohl bekennen
dasz ich dieses leimenhaus (d. h. den leib)
endlich auch gesegnen musz.
B. Schmolke lied 'ach herr! lehre mich bedenken.'
c)
schlechthin: uns, die wir sämptlich gesegnen sollen. Opitz 2, 295, s. oben 5, b;
und wenn er hier gesegnen soll
und ihn das alter rufft zur ruh,
schleust er gar sanfft die augen zu.
A. Gryphius (1698) 1, 386;
disz thränenthal, die erd,
disz angsthausz war nicht mehr des groszen geistes werth ..
wer so gesegnen kan, verdient kein kläglich weinen.
169;
wer so gesegnen kan, wird nimmermehr verderben.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 265;
ihr werthester gemahl must allzufrüh gesegnen.
326.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4015, Z. 32.

gesegnen, n.

gesegnen, n.,
subst. infinitiv des vorigen: als der herzog und die jung kunigin mit der deckin beschlagen warden (beim festlichen beilager) und die ceremonia mit dem gesegnen (beglückwünschen) und andern solenniteten lang wereten. Zimm. chron. 3, 343, 16; ist aber nicht genuͦg des gesegens (abschiednehmens)? laszt uns geen. Albr. v. Eyb dramen 155, 24 Herrmann.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4021, Z. 21.

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Zitationshilfe
„gesegnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesegnen>, abgerufen am 07.12.2021.

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