Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geseige, n.

geseige, n.,
verkürzt geseig, verbalsubstantiv zu mhd. seigen, die wagschale senken, wägen, prüfen, eichen, visieren, ich seig, collimo, ich richt den pfeil oder geschosz auf den zweck Dasypodius E 6ᶜ; nebenformen geseihe mhd. wörterb. 2², 268ᵃ, gesei weisth. 3, 758. 5, 686, 8 fg.
1)
die eichung: und duͦt ein fuͦder wins 28 omen dem nuwen geseige noch. Straszb. verordn. 545 Brucker (von 1453); doch so ein geschir, sester, kan oder pfundgewicht oder derglichten recht befunden würd, sol es bie dem alten geseig blieben. weisth. 5, 499, 31 (Unterelsasz, von 1528).
2)
das recht der eichung und die dafür fälligen gebühren (vgl. unten nr. 4): es hat auch u. gn. h. in dieser herschaft alle geseig und somung. weisth. 5, 498, 31 (Unterelsasz, von 1528).
3)
das eichzeichen: alle die, die in der freiheit zu Hornbach sitzen, sollen ir geseig holen bei einem schultissen von eins apts wegen, und nichts anders nemen oder geben, dan mit s. Pirmans geseig u. s. w. weisth. 5, 686, 24 (Mittelrhein, von 1356); dasz die gerichtsherrn macht haben ihr geseig zu geben klein und grosz. 2, 30 (Saar, von 1421); item wiset der scheffen, das ein apt zu Wadegassen alle masz und geseige nasz und drucken, elen und alle andere gewicht in dem gericht (gerichtsbezirk) zu geben hab. 5, 679, 12 (Mittelrhein).
4)
coll. das geseige, die urmasze zum eichen der gemäsze: ob sich begeb, dasz geseig an sester, kennen, el, amengewicht und derglichten abgingen, sollen die gemein von Dalhunden zü Ittersheim ob Hundsfelden am Rien gelegen holen in irem costen, wie von alten harkomen, und sollichs geseig gen Sesenheim in die pfarkirch legen. und wer do seigen wil, sollent schultheisz und bütel bi iren pflichten einem ieden, der das notturftig ist, ire geschir darnoch recht seigen und von einem sester nemen 4 θ, von einem virling 1 θ, von einer moskannen 4 θ, von einem schoppen 1 θ, von einer ellen 1 θ, von dem jecherlon (mietspreis) omen und moszen zu geprauchen 6 θ, von dem gewicht von einem pfund 6 θ u. s. w. weisth. 5, 498, 31 (Unterelsasz, von 1528).
5)
das geeichte masz, collectiv sowol als das einzelne stück: darnach fragt der schultis, ob nit alle geseig und simmern, sester, oleimasz und alle geschir uf diesem offnem freien jargeding sein sollen .. item darnach fragt der schultisz, ob einicher sein geseig nit da hett, was der verbrochen wer? weiset der scheffen, wer es das einicher wer, des geseig unrecht funden wurde, oder das er das frevenlich nit dar brecht, der wer verfallen die frevel. weisth. 5, 686, 23 (Mittelrhein, von 1356); rugbare dinge, es si an gewichte, phonden, maszen, geseige, elen. 2, 10 (Saar, von 1422); ein jeder, der da fasz, pfondt, ellenmaisze und alle gesei, klein und grosz, zu gebrauchen bedurft. 3, 757 (Hochwald, von 1450, 1580 fg.); sintemal man alle gesei seihen solle ... wie dick (oft) man das macht habe zu thun? item weist der scheffen, dasz man hat macht zum dritten jahr das gesei zu seien uff einen benandten tagh ... uff den tagh solle menniglich sein gesei bringen und solle man das seihen ohne schaden. 758; were es sach, dasz einicher ein gesei hette, es were grosz oder klein, gerecht (richtig) oder ungerecht, und würde das versprochen (zurückgewiesen, verworfen) und darnach forther geurbert (hervorgebracht) und ausgetragen, was der damit verbrochen hette? ebenda; und sollent alle jor der schultheisz und büttel zu offenen tagen den zwanzigsten tag (14. januar) die kannengeseig, sester und gewicht bei den wirthen, becken und andern gewerbslüten besehen, ob die geseit gerecht sient oder nit. 5, 498, 31 (Unterelsasz, von 1528).
6)
das visieren beim schieszen:
der halt zuͦ nider, der zuͦ hoch,
der loszt sich bringen usz dem geseig.
Brant narrensch. 75, 48.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4023, Z. 54.

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Zitationshilfe
„geseige“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geseige>, abgerufen am 27.11.2021.

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