Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geselligkeit, f.

geselligkeit, f.,
mhd. gesellecheit, gesellekeit, gesellikeit, mnd. gesellicheit, nl. gezelligheid.
1)
das zusammensein als genossen oder freunde, das freundschaftliche verhältnis von gesellen zu einander: mhd. einem gesellikeit tuon, gesellschaft leisten Ottokars reimchr. 77398 Seemüller; gesellekeit leisten Tristan 1431, g. loben, geloben Parz. 774, 24. 308, 29;
er (Gawan) bat den wirt gesellekeit:
'lât mit mir eʒʒen dise magt.'
550, 14;
mageʒ mit iweren hulden sîn,
ich priche iu nu gesellekeit (ich musz mich von euch verabschieden).
402, 11;
her Eberhard von Brandenstain, der in seiner jugent auch ein liebhaber der freulichen (muliebris) geselligkait gewesen. Wilw. v. Schaumb. 65; sich für gesellen (höfische genossen) ziemendes wesen oder betragen:
dem ist gesellikeit unkunt,
der sîn genôʒen (bei tisch) überiʒʒet.
Konr. v. Haslau jüngl. 572;
als gesellen verbundene, zusammen sich bewegende wesen, im plur.: schon zeigen sich (im morgengrauen) einzelne figuren und geselligkeiten, als schattenbilder am klaren himmel, um die capelle und auf dem bergrücken. Göthe 43, 258.
2)
das gesellige zusammensein, der freundliche umgang und verkehr, sowie die neigung und fertigkeit dazu: in eine wohnung, zwar geräumig, aber aller geselligkeit entbehrend. Göthe 48, 104; da bringt er wieder die alten mährchen auf, was wir an einem abend in leichtem übermuth der geselligkeit und des weins getrieben und gesprochen. 8, 214; verwandte und freunde, die beinahe täglich in dem reichen hause zu gastlicher geselligkeit aus und eingehen. Matthisson (1825) 2, 277; in einer welt, wo man es für eine kleinigkeit, oder wohl gar für eine weisheit hält, die gröszten pflichten der geselligkeit und menschenliebe alle augenblicke zu verletzen. Gellert lustsp. (1748) 304;
du hast das nicht, was andre haben,
und andern mangeln deine gaben;
aus dieser unvollkommenheit
entspringet die geselligkeit.
fab. (1767) 1, 24;
die tauglichkeit und der hang dazu (zur gesellschaft) d. i. die geselligkeit. Kant 7, 155; es giebt auch eine ungesellige geselligkeit der menschen, d. h. einen hang, in gesellschaft zu treten, der doch mit einem durchgängigen widerstande, welcher diese gesellschaft beständig zu trennen droht, verbunden ist. ders. in der abhandl. 'idee zu einer allg. gesch. in weltbürgerl. absicht' in Berl. monatsschr. 4, st. 5; alle gaben der französischen dichtkunst lassen sich als befriedigte forderungen der höhern gleichsam poetischen geselligkeit des weltmanns vorrechnen. J. Paul vorsch. d. ästh. 3, 12; die höhere geselligkeit vergisset sich oder das ich, sie sagt wie Pascal man statt ich. 13; auch im plural, gesellige unterhaltungen, vergnügungen: weszwegen unsere geselligkeiten immer mannichfaltig, frei, artig, wenn auch gleich manchmal ans kühne heran, sich bewegen mochten. Göthe 48, 102; die jugend, die sich mit ihren neigungen, spielen, geselligkeiten und flüchtigem wesen bald da-, bald dorthin wirft. 49, 10.
3)
das zusammenleben in einer gesellschaftsordnung: der rege trieb zur gesetzlichen geselligkeit, wodurch ein volk ein dauerndes gemeines wesen ausmacht. Kant 7, 225.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4047, Z. 13.

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Zitationshilfe
„geselligkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geselligkeit>, abgerufen am 30.11.2021.

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