Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesellig, adj.

gesellig, adj.,
mhd. gesellec, nl. gezellig.
1)
als gute gesellen vereint, zugesellt, verbunden: geselliger, genosz oder stalbruder, contubernalis voc. 1482 m 3ᵇ;
sî wâren aller sache
gesellic unde gemeine ..
sî wonten z'allen zîten
einander bî der sîten ..
sî wâren ungescheiden
ze tische unde ouch anderswâ.
Hartmann Greg. 117, ähnlich bei Konr. v. Würzburg Engelhard 797;
sîn wîb, dî im was worden
an der ê gesellic.
Jeroschin 8550;
zum dritten ist ein weib geschaffen dem man zu einem geselligen hülffen in allen dingen. Luther 1, 170ᵃ; alda (zu Lyon) hab ich bei einem hugonottischen (kauf-)herrn zwai jar lang mit schreiben, rechnen und geselligem uffwarten (als gesellschafter) zugebracht. Ulr. Krafft reisen 1; sprichwörtlich: gesellig ist selig, servat virum vir, et manus manum lavat Aler 921ᵃ; von einem guten gesellen oder freund ausgehend:
auch der elendeste der menschen hat doch irgend
ein fühlendes geschöpf, das seinen kummer theilt;
doch wen hab ich? für mich — für mich ist jeder
gesellige trost vertilgt.
Gotter 2, 491;
im gegensatz ungesellig, ohne freund:
lasz zusammen uns im land umherspähn!
traurig ist es, durch die welt verlassen,
ungesellig allein sich durchzuwinden.
Platen Abbassiden 1, v. 124;
allgemeiner, innig verbunden:
ergriffet ihr die nachbarlichen schatten ..
und lerntet in harmonschem band
gesellig sie zusammen gatten.
Schiller VI, 268 (künstler 120);
dunkle, gesellige (zusammenhangende) wolken verhüllten noch ihre (der erde) gebirge.
Klopstock Mess. 1, 528.
2)
nach guter gesellen art, wie es guten kameraden zukommt und gebührt, freundlich: (der landgraf war) rittern und rittirmæʒigin lûtin gesellig unde hogelich. Ködiz Ludw. 19, 18;
frô gesellic was sîn muͦt
rittern unde kunden.
h. Elisabeth 3260;
es sind gar freundliche und gesellige reden und worte, gleich wie gute freunde miteinander uber tisch reden möchten. Luther 2, 465ᵃ Eisleb.;
wie er mit süszer geselliger huld sich ihnen eröffnet.
Klopstock Mess. 3, 115;
wieviel wir sonst schon .. um gesellig zu sein, von unsern eigenheiten aufopfern muszten, und dasz jeder .. um gesellig zu sein, wenigstens äuszerlich sich wird beherrschen müssen. Göthe 15, 100.
3)
lebenslustig, mit tadelndem beisinne, s. geselle 17, f und g: (die Benedictiner) besattent es (das pfarramt) mit eime geselligen priester irs ordens, der hielt dicke und viele gar œde geselleschafft von pfaffen und von leigen, die gar vil unfuore begingent uff disser gnodenrichen heiligen gotminnenden hovestat glich also in einer tafernen. Schmidt die gottesfreunde im 14. jh. 38; wo aber die fraw ist on heiratgut und ist darzu gesellig und kerhaftig (lebhaft) und spilet geren auf der harpffen. Albr. v. Eyb ob einem manne u. s. w. 16ᵃ.
4)
zu umgang und verkehr geneigt und befähigt, sich gern und leicht an andere anschlieszend und sich mit ihnen vertragend, viel in gesellschaft verkehrend: gesellig, der gern bei der gesellschaft ist, socialis Henisch 1554; ein mensch ist ein gesellig, barmherzig, senftmütig thier. Keisersberg narrensch. 82ᵃ; der mensch ist ein geselliges, gesprächiges wesen. Göthe 21, 113; wir (Deutsche) sind von natur frölicher und geselliger, denn andere nationen, kommen öffter vertrauter meinung zusammen. Mathesius diluvium 401ᵇ; (Schöpflin) gesellig und gesprächig von natur. Göthe 26, 46; doch war er (Schiller), geselliger als ich, durch frauen- und familienverhältnisse mehr in die societät verflochten. 31, 125; wie es denn dem geselligen menschen ganz gleichgültig ist, ob er nutzt oder schadet, wenn er nur unterhalten wird. 26, 15;
beschwer die götter nicht mit klagen!
der vortheil, den sie dir versagen
und jenem schenken, wird gemein,
wir dürfen nur gesellig sein.
Gellert fab. (1767) 1, 25;
bildlich:
bäche schmiegen
sich (dem flusse) gesellig an.
Göthe 2, 56;
von thieren, die sich dem menschen anschlieszen: der einflusz, den die geselligen thiere auf den menschen ausüben. Göthe 15, 272; in gesellschaft zusammenlebend: die thurmschwalbe findet sich in Deutschland ziemlich häufig und gesellig auf alten schlössern, thürmen, rissigen felsen. Oken 7, 106; die bienen und ameisen leben gesellig.
5)
auf freundlichen umgang sich beziehend, in ihm üblich und gebräuchlich, ihm angemessen: gesellige spiele (gesellschaftsspiele) Göthe 26, 12, gesellige unterhaltung 37, gelage 57; wohin auf einmal jede gesellige bildung verschwunden war. 15, 100; jene gesellige schonung. 101; die geselligen pflichten der besuche versäumen. 25, 61; das flache, bürgerliche, gesellige und gesellschaftliche leben. 33, 40; der offizierstand, der als bevorrechtete klasse dem volke gegenübersteht, gesellig (in bezug auf umgang und verkehr) abgeschlossen. Freytag werke 21, 374; gesellige lieder mit dem wahlspruch
was wir in gesellschaft singen,
wird von herz zu herzen dringen.
Göthe 1, 117;
von dingen und örtlichkeiten, wo geselliger verkehr herrscht, oder die zur geselligkeit einladen: gesellige räume. Göthe 31, 95; ortschaften, durch verständige beamte und tüchtige pächter gesellig. ebenda;
weise sprachen das recht an diesen geselligen thoren.
Schiller XI, 86 (spaziergang 90);
er selber setzte sich an ein einsames tischchen, um kein geselliges zu stören. J. Paul flegelj. 1, 149;
herbstlich leuchtet die flamme vom ländlich geselligen herde.
Göthe 1, 272;
um des lichts gesell'ge flamme
sammeln sich die hausbewohner.
Schiller XI, 315 (glocke 297).
6)
in einer gesellschaftsordnung zusammenlebend, seit dem vorigen jahrhundert, beeinfluszt durch das französ. social: warum sind seine güter der erde und ihren bewohnern so verschieden ausgetheilt, als um sie gesellig zu machen? Hamann 1, 13; je geselliger die menschen leben, desto mehr genieszen sie von dem boden, an dem sie gemeinschaftlich arbeiten. 67; das gegentheil ungesellig:
die der städte bau gegründet,
die herein von den gefilden
rief den ungesell'gen wilden.
Schiller XI, 315 (glocke 312);
auf dies gesellschaftliche zusammenleben bezüglich: verstandesreiche und gesellige stücke (schauspiele). Göthe 44, 272; mit epischer ausführlichkeit werden wir (in Arnolds pfingstmontag) mit allen häuslichen, geselligen, örtlichen zuständen bekannt. 45, 181; sein (Anast. Grüns) gesang hallt in alle geselligen (socialen) fragen, die die zeit anregt. Chamisso 6, 286.
7)
in gesellschaft, gemeinsam: man kam überein, dasz man .. wenn man zusammen bliebe, eine gesellige bearbeitung wolle obwalten lassen. Göthe 19, 23.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4045, Z. 44.

geselliglich, adj.

geselliglich, adj.,
mhd. geselleclich, adv. geselleclîche, var. geselliclîchen Parz. 701, 16, geselliclîch 640, 19.
1)
als gefolge, zur gesellschaft:
Uoten die vil rîchen   sach man mit ir komen.
diu hete schœner frouwen   geselliclîch genomen
hundert oder mêre.
Nibel. 278, 2;
als gesellen beim höfischen empfang, s. das verbum gesellen 3:
Hâwart und Îrinc ...
die sach man geselleclîchen   bî den künegen gân.
1745, 2;
als gefährten auf abenteuer:
wir (zwei brüder) fuoren geselleclîche.
Parz. 8, 17;
als gegner im turnier, s. geselle 13, h:
so mag er ein aus uns benennen, ...
der sol auf ein benantes zil
den helden in solchem bestan
geselligklichen auf der pan.
Teuerdank 99, 100.
2)
nach art guter gesellen, wie es guten gesellen ziemt, freundschaftlich:
valsch geselleclîcher muot
ist zem hellefiure guot.
Parz. 2, 17;
geselleclîcher umbefang
mit blanken armen.
minnes. 1, 151ᵇ Bodmer;
ich wil mit dir teilen
geselleclîche, swaʒ ich hân.
Tristan 6963;
geselliglichen, sociabiliter Dief. 539ᶜ; geselligklich, nach rächter gesellschafft, in gesellen weisz. Maaler 174ᶜ; geselliglich, socialiter Stieler 2006; in geselliglicher liebe. Keisersberg spinn. f 4ᵇ; er umbfieng jhn gantz geselliglich (beim empfang). Garg. 268ᵇ; geselliglich und freundlich unter einander leben. Luther tischr. 170ᵃ; die büchsenschützen zu Geiszlingen sollen sich geselligklich halten. ratsprotokoll von 1551 bei Schmid schwäb. wb. 492.
3)
in gesellschaft: geselliglich, sociatim voc. 1482 m 2ᵇ; ain ieglich visch, der des raubs lebt, der swimt gesellicleich. Megenberg 243, 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4047, Z. 75.

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Zitationshilfe
„geselliglich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geselliglich>, abgerufen am 26.11.2021.

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