Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gesellschafter, m.

gesellschafter, m.
1)
mitglied einer gesellschaft, socius, collega Henisch 1557. Stieler 2005.
a)
einer handelsgesellschaft, associe, compagnon: uns haben Raphael von Barbarino anstat seiner mitverwanten florentinischen gesellschafter und kauffleute zu erkhennen geben. Dief.-Wülcker 616 (von 1560); das hauptgut, so ein jeder gesellschaffter in den handel legt, caput Henisch 1557; offener gesellschafter, theilhaber einer offenen handelsgesellschaft; der alleinige persönlich haftende gesellschafter (einer actiengesellschaft); als auf- und vorkäufer der waaren, s. gesellschaft 3, f: dasz die kauffleut .. land und leut verderben, wie man denn bei uns über die gesellschafter hefftig klagt. Aventin. chr. 76ᵇ; dieselbigen gesellschaffter (der monopole) und fürkeuffer. Agricola spr. 226; auch regiert der geiz in gesellschaftern, also dasz sie etlich war zuͦ hauf aufkaufen andern ausz den henden ..., machen damit ein aufschlag, wenn sie wöllen, beschweren also land und leut. H. Sachs dial. 46, 23 Köhler.
b)
eines amtscollegiums: amtsgesellschafter, collega, symmysta Stieler 2005.
c)
einer bürgerlichen corporation: alle, so in der gesellschafft (der meistersinger) eingeschrieben sein, werden gesellschaffter genennet. Wagenseil 533; zunftgenosse: handwerker, welche gleiche handwerke treiben .., nennt man doch gesellschafter. Raumer taschenb. I, 9, 400 (aus einem pasquill von 1546).
d)
mitglied einer gelehrten gesellschaft, zunächst der fruchtbringenden gesellschaft (3, e): nachdem ein alter geselschafter seinen namen gantz vergessen, ist .. derselbe ihme von allen anwesenden geselschaftern durch ein lautes, zum öftern wiederholtes stubengeschrei 'der artzneiende' wol eingedrucket worden. Krause erzschrein 65 (von 1648) u. ö.; durch einhellige wahl fast der allerfürnehmsten herren gesellschafter zum oberhaubte der hochlöblichen fruchtbringenden gesellschaft erwehlet. Rist Parn. A 7ᵇ; die Leipziger herrn gesellschafter, mitglieder der deutschen gesellschaft in Leipzig. Reichard hist. d. deutsch. sprachkunst 444.
e)
einer vereinigung zu geselligem verkehr: derohalben solt du in keine gesellschafft treten, darinnen nicht die meisten gesellschaffter also beschaffen, das du weder schande noch ärgernus von ihnen zu besorgen habest. Butschky Pathm. 414 (erwählung der freunde und gesellschafft).
2)
der gesellschaft leistet, zur unterhaltung, assectator, assecla Stieler 2005: ich schlich mich um den zahlreichen zirkel von gesellschaftern her, die sie (das schöne mädchen auf dem fest) beständig umgaben. Bronner leben 1, 377; ich selbst bin so glücklich, zu dem engern ausschusz ihrer gesellschafter zu gehören. Wieland 34, 265. insbesondere
a)
als eigenschaft, guter gesellschafter, comis Serz 53ᵇ: Adrast beleidiget die wahrheit, um das lob eines angenehmen und beredten gesellschafters zu erbeuten. Gellert 7, 283; wenn sie also von einem berühmten ausländer hören, so entsteht unmittelbar in ihrem gehirn der begriff, dasz es der beste gesellschafter von der welt sein müsse. Sturz 1, 115; Wedel hat des tags hundert tolle einfälle, und wenn ihn nicht manchmal der schwindel ankäme und auf augenblicke böser laune machte, wäre kein gesellschafter über ihn. Göthe an frau v. Stein 1, 253; fand ich an Horn den unveränderlich treuen freund und heiteren gesellschafter. werke 26, 93; der weltmann, der feine gesellschafter. J. Paul uns. loge 1, 102; als unverwüstlicher gesellschafter beliebt. Freytag kronprinz 41; auch ein schlechter gesellschafter sein; bildlich: Lessing .. selbst in der philosophie seiner schriften ein muntrer gesellschafter, sein buch ein unterhaltender dialog für unsern geist. Herder krit. w. 1, 15; von thieren: mein windspiel .. war ein muntrer gesellschafter. Göthe 15, 268.
b)
in fester anstellung mit gehalt: wenn nicht vorher der graf Schulenburg .. ihm (Weisze) die stelle als sein gesellschafter zunächst in Burgscheidungen selbst, für den winter in Dresden und dann für seine nahe bevorstehenden reisen angeboten hätte. Weisze selbstbiogr. 79.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4061, Z. 4.

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Zitationshilfe
„gesellschafter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesellschafter>, abgerufen am 06.12.2021.

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