Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gesetzlein, n.

gesetzlein, n.,
dim. zu gesetz, vgl. gesetzchen.
1)
von rechtssatzungen, verächtlich: die papisten deuten den selben gehorsam nicht auf gottis gepot, sondern auf ihre gesetzle und fündle. Luther post. (1528) 187ᵃ.
2)
bestimmtes masz: lang (reiche) den richtwein .. und bring ihm drei gesetzlin. Garg. 94ᵇ.
3)
bair.-tirol. gsatzl, gsetzl, absatz, abtheilung von 10 ringelchen im rosenkranz Schm.² 2, 342. Schöpf 582.
4)
kleiner abschnitt.
a)
absatz in geschriebenem oder gedrucktem, alinea, bair.-tirol. gsatzl, gsetzl Schm. und Schöpf a. a. o.; das gesetzlein, capitulum Stieler 2043, paragraphus Aler 923ᵃ.
b)
sätzchen in der rede: (dasz die prediger) kein stöllichen oder gesetzlein reden, darinn nicht auffs wenigste ein gut biblisch wort mit eingefüret sei. Mathesius Luther 146ᵃ.
c)
kleine strophe eines gedichtes oder gesanges, verslein, liedchen: das gesetzlein, versiculus Stieler 2043. Krämer 548ᵇ; ich gedencke nun auch an das gesetzel der tagweisz, das ich folgender gestalt hören singen. Simpl. 1, 221, 23 Kurz; die marianische nachtigall, die underschidlich-schöne lob- und liebsgesätzlein der .. himmelskönigin Mariä singende, von Mauriz von Mentzingen, Zug 1713; Horat schreibet, dasz er (Ennius) nie hab sein federwehr geschliffen, und ein dapfere schlacht in reimen angriffen, er hab dann vor ein gesetzlein gepfiffen. Garg. 23ᵃ;
ihr spilleuth noch ein gsätzlein macht.
Georg Gotthart zerstör. Trojas (Solothurn 1598), 2. tag, 7. act;
noch bair. gsatzl, gsetzl, liedstrophe Schm.² 2, 342, schweiz. gsäzli, vers, lied Seiler 149ᵇ, es gsäzli ufspile, eine melodie, ein musikstück spielen Hunziker 114.
d)
figürlich, ein sätzchen, ein stückchen, ein biszchen: laszt uns singen, sauffen ein gesetzlin, trincken ein mutet. Garg. 84ᵇ;
jetz wolt ich ouch umb ein drunck
ein gsezlein liegen (lügen).
Tob. Stimmer comedia 81 Oeri;
bair.-östr. ein gsatzl lesen, beten, schlafen, trinken Schm. a. a. o., a gsetzl weinen Hügel 73ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4080, Z. 41.

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Zitationshilfe
„gesetzlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesetzlein>, abgerufen am 29.11.2021.

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