Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesetzt, f., n.

gesetzt, f. n.,
s. gesetz sp. 4071.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4084, Z. 25.

gesetzt, part. adj.

gesetzt, part. adj.
zu setzen (s. d.).
1)
festgesetzt, bestimmt: gesetzter lohn, gesetzte und gewisse feiertäg. Henisch 1561; parthei, die auff einen gesatzten tag erscheinet. notariatbuch (Frankf. 1565) 122ᵃ; warumb habt jr weder heute noch gestern ewr gesatzt tagwerck gethan? 2 Mos. 5, 14; zur gesetzten stunde. Adelung; substantivisch das gesetzte, das gesetzte masz: er würde um wie viel kein glas champagner über sein gesetztes trinken. Lessing bei Danzel 1, 513.
2)
ruhig, ernst und fest, maszvoll, im gegensatz zu aufgeregt, leidenschaftlich, jugendlich stürmisch.
a)
von der stimmung des gemüts und dem charakter: ich sprach mit einem gesetztern muth, als man von einem jüngling er warten kann. Wieland 2, 97; bei ihrer heftigen gemüthsart war es ihr unmöglich, ir schicksal mit gesetztem muthe zu tragen. Göthe 20, 17;
ein so gesetzter muth,
ein herz, wie dieses ist, verräth ein edles blut.
J. E. Schlegel 1, 27;
wir müssen uns zu der gesetzten erwartung unvermeidlicher übel gefaszt machen. Gellert 7, 61; Egle (in einem gesetzten tone). Göthe 7, 30. 24, 269; ich liebte ihn zärtlich, gleichsam auf das neue und viel gesetzter als vorher. 19, 301;
denn als ich war als junge gesetzt,
hat ich mich auch viel lieber als jetzt.
4, 316;
ob er nun gleich ein gesetzter und gefaszter knabe ist, so möchte ich ihn doch nicht ganz allein und sich selbst überlassen in diesem städtischen strudel denken. an Zelter 80; da ich nunmehro etwas gesetzter (verständiger) geworden war. Plesse 3, 57; ich glaube zwar wohl, dasz sie in solchen versuchungen werden gesetzter sein. avantur. 2, 19;
dieser wars, so den helden gesetzte (kaltblütige) grausamkeit lehrte
und in ihm das gefühl der menschenliebe betäubte.
Klopstock Mess. 4, 607, ruhige gr. ausg. 1751;
schon hört er gesetzt der sterbenden winseln.
(1751) 4, 614, spätere ausg. unerweicht;
wie kannst du jetzt so heftig sein, da du sonst so gesetzt bist? werke 8, 123; sie sind in der kunst sich zu verstellen so gesetzt (fest und sicher), dasz sie auch in dreiszig jahren noch eben die ehrliche miene beibehalten, welche sie gleich anfangs machten. Rabener sat. 4, 70; ich schritt langsam, gesetzt (bedächtig) einher. Chamisso 4, 314; ihr gemüth ist viel zu gesetzt (gefaszt), als dasz es dieser eitle verlust sehr beunruhigen sollte. Lessing 2, 383;
ein gesetzter geist,
der ist des weisen theil.
Hagedorn poet. werke 1, 18;
eben so zeiget der ausdruck in den figuren der Griechen eine grosze und gesetzte seele. Winkelmann 1, 31; wie Plato sagt: umsonst klopfft der gesetzte (leidenschaftslose) mann an der thüre der dichtkunst. Bode Montaigne 3, 41; ein gesetzter und verständiger mann ... ist der blos ein gesetzter mann, der gern in dem bequemen lehnstuhle, in den ihn sein amt gesetzt hat, ruhig sitzen bliebe? Lessing 10, 189; dies sind alles übertriebene ausdrücke, die sich ein gesetzter mann gar nicht erlauben sollte. Göthe bei Schöll 187; eine führerin, eine alte, gesetzte (in vorgerückten jahren). Rückert mak. 1, 55.
b)
danach übertragen, von den jahren der reife u. s. w.: die schönheit der gottheiten im männlichen alter bestehet in einem inbegriffe der stärke gesetzter jahre und der fröhlichkeit der jugend. Winkelmann 4, 94; ein reiter, der bei gesetzten jahren noch viel munterkeit verrieth. Göthe 18, 215;
der mann, dem in reiferen jahren
sich der gesetzte verstand aus solchem frohsinn entwickelt.
40, 238;
ich wünsche, dasz diese arbeit zu mehrer kentnis der bei aller wahren schönheit richtigen und gesetzten art zu denken etwas beitragen möge. Heilmann vorr. zur übersetz. d. Thucyd.; sein (Spaldings) gesetzter stil nimmt hie und da die miene des tiefsinns an. Herder z. lit. 1, 99; sein gesetzterer geschmack billigte sie (die gedichte) nicht. Hippel 10, 177; ruhig fest: die menschen führen ihr gesetztes leben fort mitten im aufruhr der natur. Auerbach landhaus am Rhein 1, 29; die gewalt der überzeugung .. ist so gesetzt und unerschütterlich. Kant 6, 75; sogar vom ruhigen gleichmäszigen glanz der edelsteine: die sich über ihre schönheit und gesetzten glantz verwunderten. unwürd. doctor 155.
3)
untersetzt, kurz und dick: eine starke gesetzte weibesperson. Adelung 4, 64; köln. gesatz Hönig 73ᵇ, wie gesamp für gesambt ebenda.
4)
gesetzt, vorausgesetzt, angenommen, mit folgendem nebensatz, eigentlich gesetzt den fall: gesetzt, posito, ut concedamus Henisch 1561; gesetzt, doch nimmer gestanden, Jesus rede hier mit Petro allein. Otho 1333; gesetzt, doch der wahrheit unabbrüchig, das widerspiel seie am tag. Sattler teutsche phraseologey (1607) 216; gesetzt, es wäre dem also. Krämer 548ᵇ; gesetzt, dasz sie mir wieder geliefert werde, so bin ich u. s. w. A. Gryphius (1698) 1, 860; gesetzt auch, dasz meine lebensart nicht recht nach der mode wäre. Gellert bei Adelung; gesetzt aber, deine krankheit käme wieder. Wieland Lucian 6, 301.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4084, Z. 26.

setzen, verb.

setzen, verb.
sitzen machen.
I.
formales. das wort ist eine gemeingermanische causativbildung zu sitzen und lautet got. satjan; altnord. setja, schwed. sätta, dän. sætte; ags. settan, engl. set: altfries. setta, neufries. setten; alts. settian, mnd. nnd. setten; altniederfränk. settan, setten, mndl. setten, nndl. zetten; ahd. sezzan, setzen, mhd. setzen. wie in andern germanischen dialecten ist ahd. das präteritum häufig ohne mittelvocal und in folge dessen ohne umlaut bezeugt Graff 6, 293. ahd. sazta setzt sich mhd. als sazte fort, das zur unbedingt herrschenden form wird. das daneben bezeugte saste (belege im mhd. wb. 2, 2, 347ᵃ) ist daraus erwachsen, und auch das gelegentlich erscheinende satte, sate (belege ebenda) steht in engster beziehung dazu, mag es nun daraus zusammengezogen sein, vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 894, oder unverschobenes t zeigen, vgl. Wackernagel zeitschr. für d. phil. 1, 299, in welchem falle nd. oder ndl. einflusz vorliegen könnte. nhd. bleibt satzt(e) noch lange in der schriftsprache üblich: sie satzt jn auff jren schos. 2 kön. 4, 20; sie satzten jn teglich fur des tempels thür. apostelgesch. 3, 2; er satzt sich auch hinein in das summerhausz. Wickram rollwagenb. 86, 15 Kurz; satzte sich also uber die ganszeier. Frey gartengesellsch. 5ᵃ; hierauff begunten sie des herum spatzirens müde zu werden, und satzten sich an eine kleine tafel nieder. Weise erzn. 28 neudruck. Stieler 2039 und Steinbach 2, 349 verzeichnen es noch neben setzte und selbst Herder gebraucht es, vielleicht in anlehnung an alterthümliche theologische sprache:
sie satzten zur weinberghüterin mich.
Herder 8, 490 Suphan;
wer satzte aller erde grenzen?
10, 126;
dicht gerade vor den bräutgam
satzte Gazul sich in bügel.
25, 163 (handschrift);
wann ewges richtmaas nicht
entscheidet und der unsterblichen
rathschlusz satzte dies meerumarmte land
zur burg den fremden.
26, 202.
Adelung bezeichnet die form als mundartlich und so begegnet sie bis heute. Frommanns zeitschr. 4, 406, 1 (siebenbürgisch-sächsisch). andrerseits ist ahd. ein präteritum mit mittelvocal und umlaut belegt: setzida, sezzita Graff 6, 293, das mhd. zurücktritt, nhd. als setzet(e), setzt(e) schon früh nicht selten in schriftquellen begegnet: aber den brandopffers altar setzet er fur die thür der wonung der hütten des stiffts, und opfferte drauff brandopffer und speisopffer. 2 Mos. 40, 29; da kam der priester einer die von Samaria weggefürt waren, und setzt sich zu Bethel. 2 kön. 17, 28; also setzten sich die priester und leviten .. in jre stedte. Esra 2, 70. im 17. jahrh. scheint setzte schon zu überwiegen und vom beginn des 19. jahrh. an gilt es in der schriftsprache allein. ähnlich liegen die verhältnisse im part. prät. ahd. begegnet ein part. ohne bindevocal und ohne umlaut, das in den flectierten formen vorherrscht und hier wol älter ist: kesazt, ki-, ke-, gi-, ge-, gasazter Graff 6, 296. auch mhd. gilt gesatzt, überwiegt jedoch nicht derartig wie sazte. mhd. wb. 2, 2, 347ᵃ. häufiger als satte, sate begegnet daneben gesat. belege ebenda und gramm. 1², 415, wo es als durch synkope entstanden erklärt wird. nhd. hat gesatzt von anfang an nicht die ausdehnung wie satzte. in Luthers bibel erscheint es nicht, doch ist es aus älteren schriftquellen zu belegen: das die 12 mannen, von den zwölf glidern zusammen gesatzt (handschrift gesatz), eins sindt gleich mit einander. Spittendorff 54, 20 Opel; dem nachrichtern, eyne an die staupe gesaczt. Leipziger stadtrechn. 1514/15 129; etliche halten viel davon, wenn man sie (die gänse) also ansetzet, dasz sie in einem monat gesatzt werden und auch auskriechen. Coler hausbuch (1640) 366. Stieler 2039 und Steinbach 2, 349 führen es an und noch Herder gebraucht es:
(ich) wuszte nicht, und dachte nicht
dasz mich mein muth
zu meines freien volkes schutz
gesatzt zu kriegesmacht.
8, 618 Suphan.
mundarten, denen es auch Adelung zuweist, kennen es bis heute. Frommanns zeitschrift 4, 406, 1 (siebenb.-sächs.). cimbr. wb. 230 (mit verdunklung des a zu o). ahd. ist neben der vorstufe dieser form bezeugt: kasacit, gisezzit, meist in unflectierter gestalt, aber doch auch flectiert: gisezitu Graff 6, 296. 297, mhd. ist gesetzet durchaus gebräuchlich. mhd. wb. 2, 2, 347, und nhd. überwiegt gesetzet (so bei Stieler 2039), jünger gesetzt (so bei Steinbach 2349), um sich dann seit dem beginn des 19. jahrh. allein zu behaupten.
II.
bedeutung und gebrauch.
A.
transitiv.
1)
mit persönlichem object.
a)
einem einen sitzplatz verschaffen oder anweisen:
von êrst die spîse kleine
teilter mit sîn selbes hant,
er sazt die werden die er dâ vant.
Wolfram Parz. 201, 12;
heiʒt die fürsten setzen
und dienen âne schande.
Willehalm 173, 6;
seht wie ir mine werde man
wol setzet.
21;
setze die gäste, faites asseoir les conviés. Hulsius (1616) 296ᵇ; die gäste setzen, far sedere, fare che si assentino i convitati. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᶜ; wir können nur sechs gäste zum essen einladen, mehr personen können wir nicht setzen. von gastwirten: die wirthe sollen auszer der erlaubten zeit keine zechleut, trinker oder spieler setzen noch behalten. quelle von 1553 bei Schm.² 2, 342. er setzt gäste, von brauern, destillateuren, weinhändlern, zuckerbäckern u. dgl., die sitzgelegenheit für gäste haben. Albrecht 212ᵃ. der schneider, schuhmacher setzt so und so viel gesellen, verschafft ihnen platz in seiner werkstatt, beschäftigt sie. Schm.² 2, 342.
α)
mit localen zusätzen:
wola thiu (mutter) nan tuzta   inti in ira barm sazta.
Otfrid 1, 11, 91;
Kurnevâlen sazten si dô
in ein vil kleine schiffelîn.
Gottfried v. Straszburg Trist. 2338;
warum hat man mich auff den schos gesetzt? Hiob 3, 12. sprichwörtlich: ungebethne gäste setzt man hinter den ofen, hospitibus non invitatis locus adsignatur ultimus. Steinbach 2, 350, auch: hinter die thür. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᶜ. einen auf ein pferd setzen Adelung u. ähnl.:
oͮf soͮm sezzete er wîp unde chint.
genes. u. exod. 61, 4 Diemer
drîer manne wâpin an
sî im zumâle tâten
und ûf ein ros in saten
gebundin an vîr pfele.
Nic. v. Jeroschin 25151;
setzet meinen son Salomo auf mein maul. 1 kön. 1, 33; die jünger giengen hin, und theten wie jnen Jhesus befolhen hatte, und brachten die eselin und das füllen, und legten jre kleider drauff, und satzten jn drauff. Matth. 21, 7; die thiere richtet zu, das sie Paulum drauff setzen. apostelgesch. 23, 24; er rit ainsmals hinauss gen Münsterlingen ins Turgew, sass uf ain kleins, niders rössle und name mit sich allain sein cemmerling, war ain klein mendle, hiess ... Gumpest, den satzt er uf ain gar hoches ross. Zimmer. chron.² 2, 480, 11. bildlich, einen auf den esel setzen, erzürnen, auch wol: zum narren, lächerlich machen. s. esel 5, g oben th. 3, 1146. in den sattel setzen, bildlich: setzen wir Deutschland, so zu sagen, in den sattel! reiten wird es schon können. Bismarck im norddeutschen reichstage am 11. märz 1867. vergl. Büchmann geflüg. worte (1880) 441. mit dativ statt des accusativs in der localen bestimmung oder entsprechendem adverb:
dâ wâren tûsent zu vûl,
daʒ si sie nicht von der stat
brengen dâ si was gesat,
wand si was veste alsam ein berc.
pass. 29, 54 Köpke;
Phemios, sonst ja genug des herzeinnehmenden weiszt du,
thaten der männer und götter, so viel' im gesange berühmt sind,
eine davon sing ihnen, gesetzt in der mitte, und schweigend
trink' ein jeder den wein.
Voss Od. 1, 340.
β)
als sinnbildliche handlung: einen neben einen, an seine seite, zu seiner rechten setzen: er (gott) irhôhet daʒ horn sînes liutes, sô er in ze zeseuuun sezzet. Notker ps. 148, 14; setze jn (deinen feind) nicht neben dich, das er nicht nach deinem stuel trachte. Syr. 12, 12; nach der wirckung seiner mechtigen stercke, welche er (gott) gewircket hat in Christo, da er jn von den todten aufferwecket hat, und gesetzt zu seiner rechten, im himel. Ephes. 1, 20;
will einer an unserm speichel sich lezzen,
den thun wir zu unsrer rechten setzen.
Göthe Urfaust 290.
einen auf den fürstenstuhl, thron setzen, den erkorenen fürsten, einen zum fürsten machen Adelung: gelobt sey der herr dein gott, der zu dir (Salomo) lust hat, das er dich auff den stuel Israel gesetzt hat. 1 kön. 10, 9; sehet, welcher der beste und der geschicktest sey unter den sönen ewrs herrn (des königs Ahab), und setzt jn auff seines vaters stuel. 2 kön. 10, 3; gott hat die hoffertigen fürsten vom stuel herunter geworffen, und demütige drauff gesetzt. Syr. 10, 17; es scheint also dem gang der dinge gemäszer, dasz der erste könig ein usurpator war, den nicht ein freiwilliger einstimmiger ruf der nation .. sondern gewalt und glück und eine schlagfertige miliz auf den thron setzen. Schiller 9, 143; jeder deutsche fürst, den die wahl seiner mitstände auf den stuhl der Ottonen setzte, brach eben dadurch mit dem apostolischen stuhl. 238. einen bischof auf den altar setzen, inthronisieren: an sant Peters tag im glentz (gelenz, frühling) ward graf Eberhart von Kirchperg erwelter bischof zuͤ Augspurg auf unser frawen kor auf den altar gesetzt. d. städtechr. 22, 50, 8 (Augsburg, von 1406); do haben in der babst und der kaiser abgesetzt und zuͤ bischof gemacht ainen von Nassaw und in auf den altar gesetzt. 167, 6 (von 1461); da stuͦnd der bischof zuͦ sant Lenhart in der judengassen und setzt sein infel auf, und die fürsten giengen mit im in thuͤmb, do satzt man in auf den altar. 229, 16 (von 1470).
b)
allgemeiner, an einen ort, einen platz, in eine lage, ein verhältnis bringen.
α)
mhd. einen hinter daʒ roʒ, ûf daʒ gras, an das lant, ûf den sant setzen (gesetzen), den gegner vom pferd herunter stechen, dasz er zu boden fällt:
Lishoys Gwelljus
hât mich sêre geletzet
und hinderʒ ors gesetzet
mit einer tjoste rîche.
Wolfram Parz. 507, 4;
vil schône satzte mich sîn hant
hinderʒ roʒ an daʒ lant.
Hartmann v. Aue Iwein 744;
dâ mite wart auch er
gesetzet ûf daʒ gras
als lanc sô daʒ sper was.
4699;
(ich) sol in gesetzen
gar geringe von mîner hant
hinder daʒ ors ûf den sant.
Heinrich v. d. Türlin krone 18315.
vielleicht von diesem gebrauch aus übertragen oder im anschlusz an das festfahren eines schiffs auf einer untiefe: über die 400 abentheurer, die der friede zwischen Frankreich und Spanien auf den sand gesetzt hat, nisteten sich an meine leute, und bestürmten sie, ein gutes wort für sie bei euch einzulegen, dasz ihr sie gegen die ungläubigen schiken mögt. Schiller Fiesko 3, 4.
β)
einen vor die thür setzen, ihn zur thür hinaus werfen, ihm die thür weisen: was! nach so vielen diensten, nach so vielen aufopferungen, mir so zu begegnen, mich vor die thüre zu setzen! Göthe 15, 55. in gleichem sinne an die luft setzen: da nun wenig aussicht vorhanden war, dasz der bedrohte freiwillig dieser einladung (den wagen zu verlassen) oder eigentlich ausladung folgen werde, so stand offenbar geringeres nicht bevor, als jener thätliche akt, den man mit dem ausdruck 'an die luft setzen' zu bezeichnen pflegt. Vischer auch einer 1, 6.
γ)
im engen anschlusz an a, doch so, dasz der begriff der beschränkung auf einen ort vorwiegt: einen in den stock setzen: lege jm (dem knecht) erbeit auff, die einem knecht gebüren, gehorcht er denn nicht, so setze jn in den stock. Syr. 33, 30. ähnlich: ich hân sie gesast in die îsen (eiserne fesseln). quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 895; set en man den anderen in dat yseren. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵇ. ins gefängnis setzen. Frisch 2, 267ᶜ. Adelung, gefangen setzen Steinbach 2, 350: seine frau und kinder wurden gefangen gesetzt. Schiller 4, 131. fest setzen, mnd. vaste setten Schiller-Lübben 4, 197ᵃ. auch blosz setzen: sven aver die man gesat wert, so mut de klegere aller erst up ine sveren, dat he der dat sculdich si dar he umme vervestet si. Sachsenspiegel 1, 3, 88, 3 Homeyer; unde so liessen die burger gemeiniglich an den rath tragen und auch bitten, das sie Jacob Kloss und Martinen setzen wolden lassen. Spittendorff 441, 20 Opel; es hat der hochgeborne furst, herzog George zu Pomern, durch loser leute geschäft, einen evangelischen prediger, mit namen d. Amandus, setzen lassen. Luther briefe 3, 108; er soll herein citiert und gesetzt werden. quelle von 1644 bei Lexer kärnt. wb. 232; einen ubeltäter setzen, delinquentem in catenas conjicere. Stieler 2039; er sey, sagte er, sehr unglücklich, dasz man ihn um tausend thaler setzen wolle. Lessing 4, 421; der secretair Franz hat, ich weis nicht was? getrieben. sein herr will ihn setzen lassen. Hermes manch Hermäon 1, 141;
der graf nahm sie gefangen,
setzt sie bis auf den tod.
wunderhorn 1, 90 Boxberger;
laszt frei den mann, der gestern ward gesetzt.
Shakesp. Heinrich V. 2, 2.
studentisch setzen lassen, ins karzer. quelle von 1825 bei Kluge studentensprache 126ᵃ. Adelung bezeichnet diesen gebrauch des einfachen setzen als 'im gemeinen leben' üblich. heute ist er jedenfalls nicht mehr schriftgemäsz, lebt aber noch mundartlich fort. Lexer kärnt. wb. 232. Hügel 149ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 177ᵇ. als gegensatz dazu: auf freien fusz setzen. Adelung. frei setzen, seltener:
der zaubertaumel setzt den ganzen harem frei.
Wieland 22, 217 (Oberon 5, 48).
in freiheit setzen, allgemeiner: in freyheit setzen, ausz eigenschafft freyen und erlösen, in libertatem vindicare. Maaler 370ᵈ. vgl. ι, ηη.
δ)
in bezug auf schifffahrt, einen übers wasser, ans ufer, land, an land setzen: die [so im schiffe seynd] an (ans) land setzen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ; die truppen da und dort ans land setzen. Steinbach 2, 350; freier: gab sie (die natur) uns doch erfindungsgeist mit, setzte uns nackt und armselig ans ufer dieses groszen ozeans welt. Schiller räuber schauspiel 1, 1.
ε)
allgemein an einen ort zu dauerndem aufenthalt bringen, einen solchen anweisen. von gott in bezug auf den menschen: dhuo setzida inan in siin paradisi. Isidor 28, 21 Hench; und gott der herr nam den menschen und satzt jn in den garten Eden, das er jn bawet und bewaret. 1 Mos. 2, 15; ich wil meinen geist in euch geben, das jr wider leben sollet, und wil euch in ewer land setzen. Hesekiel 37, 14. mit anderem persönlichen subject: die ander völcker, welche der grosse und berhümbte Asnaphar herüber bracht, und sie gesetzt hat in die städte Samaria, und die ander disseid des wassers und in Canaan. Esra 4, 10; darnach zog er hinein in die stad, und lies alle grewel wegthun und ausrotten, und setzet leute hinein die gottes gesetz hielten. 1 Macc. 13, 48; (Lysias) zog wider die jüden, der meinung, das er heiden in die stad setzen, und den tempel zu seinem jerlichen nutz brauchen wolt, wie ander heiden kirchen. 2 Macc. 11, 2; einen widerumb in sein hausz setzen, aliquem in aedibus suis collocare. Maaler 370ᵈ; einen auff ein guͦt setzen, eim erlauben ein guͦt zuͦ besitzen und eynzunemmen, in possessionem mittere. ebenda; leute in sein land setzen, mettere genti, piantar colonie nel suo paese; popolarlo. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᶜ; einen verwalter auf sein landgut setzen. kinder in die welt setzen, von der mutter, aber auch von den eltern überhaupt gesagt. Campe, ebenso auf die welt: wäre doch das wüstenkind in seinem zelte geblieben, statt nach unserm Engelland zu schwimmen und uns hier den kanzler auf die welt zu setzen. C. F. Meyer d. heilige⁶ 35. bei unpersönlichem subject:
weg mit vielen gold' und schätzen,
welch uns in die hölle setzen,
und doch selber bleiben drausz.
Rist Parnasz 478.
mit angabe des ausgangspunktes, mnd. en kind van sik setten, ihm seinen eignen haushalt gründen, es aussteuern: weret aver, dat he siner kinder welk berede edder van sik sette, dat scolde borgerrecht don. quelle bei Schiller - Lübben 4, 199ᵃ; so schal de jenne .. des doden nagelaten umbestatten dochter van sik setten unde beraden. quelle von 1442 ebenda. ähnlich: als ich nun bei meinem herrn in windischen landen was, mainten mein freund, ich käm nit mer von meinem herrn, er wurd mich versorgen; und dasz sie mein schwester dester pasz möchten setzen, gaben sie ir dester mer. d. städtechron. 5, 124, 10 (Augsburg, 15. jahrh.).
ζ)
mit zurücktreten der sinnlichen localen bedeutung von der aufnahme in eine gemeinschaft, in älterer sprache, zur schule setzen: sine elderen satten on to der schole. d. städtechron. 7, 237, 18 (Magdeburg, 14. jahrh.); den son satte si zo der scholen. quelle in Frommanns zeitschr. 2, 452ᵃ (Köln, 15. jahrh.);
dô er zur schûle wart gesat.
pass. 7, 26 Köpke.
auch zu schule setzen, vgl. schule 1, a, γ oben theil 9, 1931. einen unter die götter setzen. Steinbach 2, 351; einen mit unter die zahl setzen. ebenda; einen unter die heiligen setzen. Adelung.
η)
im besonderen anschlusz an a, β, in ein amt einsetzen.
αα)
einen fürsten, bischof setzen u. ähnl. allgemein, einen setzen, erkiesen, creare Dentzler 2, 263ᵃ: sazta, fecit (eum ducem) Graff 6, 291; herzog Fridrich hett pfleger gesetzt bi sinem lebendigen lib, die wolt herzog Stephan nit pfleger lassen sin und wolt nun selber pfleger sein und herzog Hans mit im. d. städtechr. 4, 96, 5 (Augsburg, von 1393); sie machen könige, aber on mich (gott), sie setzen fürsten, und ich mus nicht wissen. Hos. 8, 4; das der bapst aus Christus befelh, ein monarcha und herr sein sol, aller weltlichen güter, königreich und herrschafften, der könig zu setzen und zu entsetzen gewalt habe. confess. August. bei Luther 6, 374ᵇ; einen künig setzen und bestäten, regem populis constituere. Maaler 370ᵈ; oberkeiten und rädt setzen, magistratus creare. ebenda; richter ordnen oder setzen die über das bluͦt richtind, iudicium capitis in aliquem constituere. ebenda; sie namen alle flecken ein und satzten uberal bischoff. Reiszner Jerusalem 2, 170ᵃ; als wen ein pfarrer todes fierwierdt, so soll die herrschaft den pfarrhof alsbalt verwarn und bis so lang ain andrer gesetzt wierdt inhalten und denselben sambt dessen zuegehörung alsdan dem gesetzten pfarrer übergeben. steir. u. kärnt. taid. 349, 7 (16. jahrh.); wär aber, das ain gast oder ain frömder man ain andern redner ins gericht herbrächt, der selb gast sol dannoch den gesatzten rednern zu Glurns iren lon geben iij kr. tirol. weisth. 3, 3, 10 (16. jahrh.); am ersten sol ain dorfmeister ainen alpmeister mit wissen und willen ainer ehrsamen gemein sötzen. 4, 35, 35; als ist .. in beisein mein, Georgen Kalchegger, als von der löbl. lantgerichtsobrigkeit etc. gesetzten richter zu Krieglach, nachfolgenter vergleich wiederumen abgerait, beschlossen und beschrieben worden. steir. u. kärnt. taid. 75, 14 (von 1672); zehnmänner oder zwölfmänner aus ihm (dem adel) vertreten die stelle des magistrats, welcher in andern ländern aus der bürgerschaft genommen und von ihr gesetzt wird. Stolberg 7, 15. auf nicht menschliche verhältnisse übertragen: si (die bienen) habent irn künig liep, den si gesetzet habent. Megenberg 288, 11. einen fürsten, richter u. dgl. über einen setzen: constitue domine legislatorem super eos. sezze uber siê den êoskefel der in gerîse. Notker ps. 9, 21; man setzte fronvögte uber sie, die sie mit schweren diensten drucken solten. 2 Mos. 1, 11; ich wil einen könig uber mich setzen, wie alle völcker um mich her haben. 5 Mos. 17, 14; du (Samuel) bist alt worden, und deine söne wandeln nicht in deinen wegen, so setze nu einen könig uber uns, der uns richte, wie alle heiden haben. 1 Sam. 8, 5. ähnlich, mit dativ der person neben dem accusativ: warumb setzt dir gott eltern, pfarrherr, oberkeit, wenn du jr nichts bedarffest? Luther 5, 253ᵃ; mit reflexivem pronominalen dativ: richter und amptleute soltu dir setzen in allen deinen thoren. 5 Mos. 16, 18.
ββ)
einen (sc. als) fürsten u. dergl. setzen, dazu machen: do setzet er sy fürsten des volcks. 4. bibelübersetzung 2 Mos. 18, 25 bei Kehrein gramm. des 15.—17. jh. 3, § 172; er satzt sie fürsten des höres. 1 chron. 13, 18 ebenda; aber in warheit zuͦ reden, so ist dise offenbarung frömder sünden der verfarlichsten stuck eins so man finden mag, besunder denen mönschen die nitt richter gesetzt sind über andre mönschen, und sie zuͦ straffen nitt verordnet sind. Keisersberg hellisch löw d 4ᵃ (34. stück). einen zum, älter auch zu, mehrere zu fürsten u. dgl. setzen: uuer mih sazta zi duomen odo teilâri ubar iuuuih? Tatian 105, 1; die sezze er ze biscofen uber alla erda. Notker ps. 44, 17; zu burgermaister gesast. quelle von 1345 bei Dief.-Wülcker 853; de sulve Gero satte sins sones Sifrides vruwen, de wedewen Heddewigen, to einer ebbedischen to Gerenrode. d. städtechr. 7, 55, 11 (Magdeburg, 14. jh.); als euch (könig Wenzel) deʒ hailigen römischen reiches kurfürsten der merer teyl von demselben reiche mit recht entsetzt haben .. und darnach hertzog Ruprecht zu romischem künig gekorn und gesetzt haben. 1, 199, 14 (Nürnberg, von 1401); ich habe jn zum herrn uber dich gesetzt. 1 Mos. 27, 37; gott hat mich zum herrn in gantz Egypten gesetzt. 45, 9; wer hat dich zum obersten oder richter uber uns gesetzt? 2 Mos. 2, 14; so soltu den zum könige uber dich setzen, den der herr dein gott erwelen wird. 5 Mos. 17, 15; das volck satzt jn zum heubt und obersten uber sich. richter 11, 11; da aber Samuel alt ward, satzt er seine söne zu richter uber Israel. 1 Sam. 8, 1; da thet jn (David) Saul von sich, und setzt jn zum fürsten uber tausent man. 18, 13; wer setzt mich zum richter im lande. 2 Sam. 15, 4; er satzt jn zum herrn uber sein haus. ps. 105, 21; der herr hat dich zum priester gesetzt an stat des priesters Jehovadja. Jerem. 29, 26; einen zuͦ einem hauptmann setzen. Maaler 370ᵈ; wer hat ihn zum hauptmann über uns gesetzt ....? Schiller räuber schauspiel 4, 5;
der dich da zuͦ gesezet habe,
ze froͮwen uber elleu dinch.
Diemer deutsche ged. des 11. u. 12. jh. 299, 19;
biʒ daʒ wir in der selben stat
ze künege werden gesat.
Rudolf v. Ems Barl. u. Jos. 130, 28;
daʒ er in (gott den Gregorius) hæte genant,
selbe erwelt unde erkant,
und ze rihtære gesat
hie an erde an sîn selbes stat.
Hartmann v. Aue Greg. 3329.
mit reflexivem pronominalen dativ:
der Piccolomini, der junge, thut sie jetzt führen,
den haben sie sich aus eigner macht
zum oberst gesetzt in der Lützner schlacht.
Schiller Wallensteins lager 11.
sprichwörtlich, mit personification: den bock zum gärtner setzen. Steinbach 2, 350. Frisch 2, 267ᶜ. Gottsched sprachkunst 555. Adelung. nd. den wulf ton gärtner setten. Schambach 191ᵃ.
γγ)
einen über einen, über etwas setzen, zum herrscher, verwalter darüber machen: dû bist getriuwe gewesen über ein wênic guotes, unde dar umbe wil ich dich nû setzen über alleʒ mîn guot. Berthold v. Regensburg 1, 11, 5 (Matth. 25, 21); also, das er (Joseph) gnade fand fur seinem herrn, und sein diener ward, der setzt jn uber sein haus. 1 Mos. 39, 4; da er jn uber sein haus und alle seine güter gesetzt hatte. 5; nu sehe Pharao nach einem verstendigen und weisen man, den er uber Egyptenland setze. 41, 33; so du weissest, das leute unter jnen sind, die tüchtig sind, so setze sie uber mein vieh. 47, 6; der herr der gott uber alles lebendigs fleischs, wolt einen man setzen uber die gemeine, der fur jnen her aus und ein gehe, und sie aus und einfüre, das die gemeine des herrn nicht sey, wie die schafe on hirten. 4 Mos. 27, 16; und David zoch aus wo hin jn Saul sand, und hielt sich klüglich, und Saul setzt jn uber die kriegsleute. 1 Sam. 18, 5; aber der priester Joiada gebot den obersten uber hundert, die uber das heer gesetzt waren. 2 kön. 11, 15. einen über die küche, den keller setzen. Kramer deutsch-ital. diction. 2 (1702), 773ᵇ. ähnlich:
die houbtstat,
die mit gewalde ist gesat
ob die reinen cristenheit,
wand uns solde sîn bereit
von dannen zucht und êre.
pass. 49, 30 Köpke.
δδ)
einen setzen zu einer leistung, dasz er etwas leiste: jr habt mich nicht erwelet, sondern ich habe euch erwelet, und gesetzt, das jr hingehet und frucht bringet. Joh. 15, 16; (wir) haben Timotheum gesand, unsern bruder und diener gottes, und unsern gehülffen im evangelio Christi, euch zu stercken und zu ermanen in ewrem glauben, das nicht jemand weich würde in diesen trübsaln. denn jr wisset, das wir da zu gesetzt sind. 1 Thess. 3, 3; Christus Jesus, der sich selbs gegeben hat fur alle, zur erlösung, das solches zu seiner zeit geprediget würde. dazu ich gesetzt bin ein prediger und apostel. 1 Tim. 2, 7; die religion läuft gefahr, verächtlich zu werden, wenn man die fehler desjenigen verächtlich macht, welcher gesetzt ist, die religion zu predigen. Rabener 1 (1777), 102;
der ein (erzbischof) ist hie von dirre stat:
zuo sîner volge sint gesat
von Eberwîge und Santâvît
zwêne bischove.
Rudolf v. Ems guter Gerh. 5336.
εε)
einen in, älter an ein amt, zu einem amt, über ein amt setzen: (Pharao) setzt den öbersten schencken wider zu seinem schenckampt. 1 Mos. 40, 21; ich bin wider an mein ampt gesetzt. 41, 13; ich dancke unserm herrn Christo Jhesu, der mich starck gemacht und trew geachtet hat, und gesetzt in das ampt. 1 Tim. 1, 12; einen in ein eerenampt setzen. Maaler 370ᵈ; etliche an ämpter setzen. ebenda; einen wieder ins (ans) amt oder ehrenstelle setzen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ; einen über ein amt setzen. Steinbach 2, 351. Frisch 2, 267ᵇ;
an dîn ambit er dich sezzet.
genesis u. exod. 81, 8 Diemer;
der künic Agamemnon
den Kriechen riet alsus dâ von,
daʒ er geviele in deste baʒ
und er dô würde ân allen haʒ
gesetzet wider an sîn ampt.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 40383;
in freierer fügung:
die ungestüme presserin, die noth, die setzte dich
in dieses amt und schrieb dir die bestallung.
Schiller Wallensteins tod 1, 7.
als gegentheil einen von einem amt setzen: ich (gott) wil dich von deinem stande störtzen, und von deinem ampt wil ich dich setzen. Jes. 22, 19; wenn ich nu von dem ampt gesetzt werde. Luc. 16, 4. in gleichem sinne: es gehe fast kein jahr hin, da nicht ein prediger in Dennemarck vom dienst gesetzet werde ehebruchs halbens. Schuppius 645.
θ)
einige wendungen, in denen uns setzen heute freier gebraucht erscheint, wurzeln in der rechtssprache und haben zunächst eine sinnlichere bedeutung.
αα)
einen bürgen, zum, als bürgen setzen, wendungen, die in engster beziehung stehen zu den ausdrücken ein pfand, etwas zu(m) pfande, als pfand setzen. vgl. unten 3, b, α, αα. der bürge ist eigentlich ein pfand: so we scult vorderet up enen man, dhe nicht ghelden ne mach noch borghen setten umme de scult. quelle von 1303 bei Schiller-Lübben 4, 197ᵃ; wen man nicht kennet, derselb must ein bürgen setzen. d. städtechron. 2, 326, 1 (Nürnberg, 15. jahrh.); ich will euch bürgen setzen. Garg. 25ᵇ; bürgen setzen, sponsorem dare, cavere praedibus, satis dare. Stieler 2039. zum bürgen setzen, praedem dare. Frisch 2, 267ᵇ;
der iude sprach 'so setze mir
entweder burgen oder pfant,
daʒ ich ein gewisse hant
mînes gûtes muge hân'.
pass. 19, 25 Köpke.
freier auf unpersönliches bezogen:
des setze ich iu ze bürgen   mîn triuwe hie ze hant.
Nibel. 1477, 2.
in gleichem sinne ohne zusatz: de dat ordel vant, de vrage, eft N dat ordel scelden moge de des heren man nicht en is. so vindme he ne moge, he sette denne enen des heren man. richtsteig lehnrechts 27, 3 Homeyer. ähnlich geiseln setzen:
er satzte ir gîsel unde pfant
daʒ er al sîn schulde
buoʒte unz ûf ir hulde.
Hartmann v. Aue Iwein 3782.
ββ)
zu, neuer zur rede setzen, wobei ursprünglich ganz sinnlich das stellen vor den richter gemeint ist, s. rede 3, c oben sp. 451. nachträgliche belege: man scholt ainʒ (wol im sinne von 'einen') vor ze red setzen, unz man die wârhait bevindet. Megenberg 246, 24; wie yr seyne gnade zu reden setczen und sagen sollet, seyne gnade solle uch grossze verkurtzunge thun, uch auch wollen brechen uwer altherkomen und privilegie. Spittendorff 110, 19 Opel; das wir von uch zu reden gesatzt weren, das billich nicht seyn solde, so yr unszer geholte, gesworne burger und auch lehenmann seyt. 120, 2; do lies uns unser gnediger herr sagen, wie das etzliche unter uns seine gnade vaste zu rede setzten, des er doch umb uns nicht verdinet hette, sondern was er in den dingen gethan hette, das were in den gemeinen besten geschehen. 151, 10 von unten; der gut alte Clemens ward zu red gesetzt. buch der liebe 30ᵃ; ob ainer dem andern schaden thuet ôn gevär, ... und wir (lies wird) darumb zu red gesatzt. Salzb. taid. 306, 13 (17. jahrh.); wann du ein ehrliches gutes haar an deinem gantzen leibe hast: wann deine lebendige zeugen besser als ehrlose leute sind: so werdet ihr euch nicht scheuen dieses verzeuchnüsz oder dieses protocoll meiner obrigkeit zuzustellen, damit sie mich zu rede setzen, und meine verantwortung davon hören können. Schuppius 638; madam Melina .. suchte noch vor tische eine gelegenheit, ihn sehr ernstlich über die empfindung für dieses mädchen zur rede zu setzen. Göthe 18, 202; ich habe lust, diesen geist zur rede zu setzen. Schiller dom Karlos 5, 12;
wenn philister schwätzten, ...
wegen glücklicher momente.
deren man sich rühmen könnte,
uns zur rede setzten.
Göthe 1, 140.
in gleichem sinne auch zur rechenschaft setzen: ein spott der Deutschen und mit schande bedeckt, sprengte ihr anführer über Straszburg nach hause, mehr als zu glücklich, den zorn seines überwinders, der ihn vorher aus dem felde schlug, und dann erst wegen seiner feindseligkeiten zur rechenschaft setzte, durch einen demüthigen entschuldigungsbrief zu besänftigen. Schiller 8, 209. ebenso in älterer sprache einen zu rechte setzen, compellare aliquem in iure Haltaus 1685, mnd.: so scholen se dene de den schaden gedan hefft, to rechte setten. quelle ebenda. heute einen zurecht setzen, ihn strafend mahnen.
ι)
allgemein vom versetzen in ein verhältnis, eine lage, einen zustand.
αα)
mit prädicativem acc. eines substantivs: der herr sprach zu Mose, sihe, ich hab dich einen gott gesetzt uber Pharao. 2 Mos. 7, 1. mit zu und dativ: be diû êren ih in unde sezzo in ze êrest gepornen. Notker ps. 88, 28; durch den son, welchen er (gott) gesetzt hat, zum erben uber alles. Ebr. 1, 2.
ββ)
einen zu ehren, zum fluch, segen, zeichen setzen u. dergl.: der herr setze dich zum fluch und zum schwur unter deinem volck. 4 Mos. 5, 21; er (gott) hat mich zum sprichwort unter den leuten gesetzt. Hiob 17, 6; du herr bist der schild fur mich, und der mich zu ehren setzet. ps. 3, 4; du (gott) setzest jn zum segen ewiglich. 21, 7; ich hab dich dem hause Israel zum wunderzeichen gesetzt. Hes. 12, 6; ich habe dich den heiden zum liecht gesetzt. apostelgesch. 13, 47; gott hat uns nicht gesetzt zum zorn. 1 Thess. 5, 9; ob nu wol das concilium nicht wider mich ist, oder je nicht klar ist, ob es wider mich sey, hat doch dr. Eck ... mich zu aller schmach gesetzt, einen ketzer und ketzer-patron ausgerufen und schreiben lassen. Luther briefe 1, 316; meinen feinden, welche mich ohne schuld zu spott setzen. Schuppius 683;
du gehst zu einer that,
die dich auf erden wird zum hasz und abscheu setzen.
E. Schlegel 1, 202.
γγ)
einen in eine stelle setzen: einen an eines andern stelle setzen. Steinbach 2, 350. ähnlich setzen an eynes abgangenen statt. Dasypodius. einen bei seite setzen, ebenso hintan-, zurücksetzen (s. diese).
δδ)
einen in eine lage setzen: setzen sie mich nicht in die unangenehme lage, sie bestrafen zu müssen. in den stand setzen, etwas zu thun: ich wünsche nichts, als dasz eine bessere übereinstimmung unsrer denkungsart mich in den stand setze, dir beweise von meiner freundschaft zu geben. Wieland 1, 114; das verbrechen selbst setzte ihn in den stand, alle folgen desselben zu verlachen. Schiller 8, 127. als gegentheil auszer stand setzen. Adelung: er setzet mich durch seine gar zu grosze sparsamkeit auszer stand jemanden gefälligkeit zu erzeigen. Gellert bei demselben; eben so wenig geneigt Bayern preis zu geben, als durch seinen vertrag mit Schweden auszer stand gesetzt, es zu schützen, verwendete er sich mit ganzem eifer für die neutralität. Schiller 8, 225. in die notwendigkeit setzen, etwas zu thun: wir waren in die nothwendigkeit gesetzt, unsre zuflucht zu einem wucherer zu nehmen. 4, 283. ähnlich: sie ist in die schreckliche alternative gesetzt, entweder ihren bruder und freund aufzuopfern, oder ihren wohlthäter zu betrügen. 6, 262.
εε)
einen auf die probe setzen, übertragung eines technischen ausdrucks der probierkunst (vgl. unten). Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 772ᶜ. Steinbach 2, 350. Adelung: fürstellung des grossen creutzträgers Hiobs, und der manchfaltigen schmertzhafften und jammervollen begegnissen, mit denen er auff die gedultprob gesetzet worden. Schuppius 129; setzt mich erst auf die probe, ihr werdet einen mann an mir kennen lernen, der sein exerzitium aus dem stegreif macht. Schiller Fiesko 1, 9.
ζζ)
einen in vortheil setzen: wie sehr der allgemeine hasz gegen den herzog sie in vortheil gesetzt hatte. Schiller 7, 327. in schaden setzen. Frisch 2, 267ᶜ. ins verderben, veraltet: hingegen sahe ich auch viel untreu gesinde, die ihre fromme herren entweder durch diebstal oder fahrlässigkeit ins verderben satzten. Simplic. 1, 88, 6 Kurz. in schulden setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ. in unkosten setzen. ebenda. Frisch 2, 267ᶜ. einen auf halben sold, lohn, schmale kost setzen. einen in wolstand setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ. in den besitz von etwas: ein schneller wechsel von umständen setzt mich eben so unvermuthet in den besitz des gröszten ansehens in Athen. Wieland 1, 62. in not, armut, elend: gott habe ihn in armuth und elend gesetzt. Lokmann 16.
ηη)
einen in freiheit setzen (s. oben γ). in abhängigkeit: der bruch mit seinem hofe hat meinen herrn in eine erniedrigende abhängigkeit von einem einzigen menschen, von dem marchese Civitella, gesetzt. Schiller 4, 347.
θθ)
einen in achtung setzen. in gunst bey einem. Frisch 2, 267ᶜ: Montmorencys äuszere tugend, die ihn bey dem vater und groszvater in gunst gesetzt hatte. Schiller 9, 301. in miszcredit. in verdacht: das betragen Agathons bey diesem anlass wird ihn vielleicht in den verdacht setzen, dass er sich bewusst gewesen sey, es stehe nicht so gar richtig in seinem herzen. Wieland 1, 269. im sinne der vorigen wendungen auch in den ausdrücken einen ins richtige, falsche, in günstiges, ungünstiges licht setzen u. ähnl., die ursprünglich wol technische ausdrücke der maler sind, vgl. 3, a, γ, νν: die politiker haben über negoziationen einen grundsatz gefunden, von dem ich nun nutzen ziehen will, er heiszt: den dritten interessenten in das gehässigste licht zu setzen. Klinger 1, 446.
ιι)
einen in sicherheit setzen: dasz ein edikt abgefaszt wurde, welches die reformirten mit ausnahme ihrer prediger und aller, die sich in gewaltthätige anschläge eingelassen, von der verfolgung in sicherheit setzte. Schiller 9, 311; mit personification:
ich (der hirsch) sterbe, weil ich den verletzt,
der mich in sicherheit gesetzt (den weinstock).
Hagedorn 2, 30.
einen in gefahr setzen, als gegentheil aus (ge)fahr: darumb seyn sie auch schuldig den kindern zur ehe zu helfen, und aus der fahr der unkeuschheit zu setzen. Luther br. 2, 516;
auch schrieb er so nach vielen handelsplätzen,
um sich und andre aus gefahr zu setzen.
Uhland (1864) 448.
aus frieden in unfrieden setzen, in älterer sprache: und sy (geächtete) uʒ allem friden in allen unfriden genomen und gesetzt. d. städtechron. 4, 198, 5 (Augsburg, von 1401). in, zu frieden setzen, innerlicher: damit wir thun, so viel an uns ist, sie zu stillen, und zu frieden zu setzen. Luther 2, 212ᵇ. Logau 2, 142, 7 (die stelle s. unter νν).
κκ)
einen in thätigkeit setzen: er studierte sorgfältig den karakter seiner minister, bevor er sie in thätigkeit setzte. Schiller 4, 103. auszer thätigkeit setzen. Adelung. in nahrung setzen:
Kant und seine ausleger.
wie doch ein einziger reicher so viele bettler in nahrung
setzt! wenn die könige baun, haben die kärrner zu thun.
Schiller 11, 104.
als gegensatz auszer brot setzen: der religionskrieg hatte soldaten darin (in Deutschland) angehäuft, die der friede auszer brod setzte. 8, 24.
λλ)
in kenntnisz setzen: wie uns das knochengerüst, so gut wie das lebendige umhäutete thier, hievon in kenntnis zu setzen vermag. Göthe 55, 315.
μμ)
zuweilen in bezug auf körperliche zustände, besonders auf starke bewegung, so die feinde in die flucht setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ. einen in athem setzen: dieser behauptete, das sey nicht raison, und fuhr mit seiner beweglichkeit fort, den andern in athem zu setzen. Göthe 24, 232.
νν)
häufiger in bezug auf seelische zustände, besonders auf starke affecte, einen in angst, in jammer, in betrübnis, in leid, in schrecken setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ, in erstaunen, furcht, schrecken. Adelung u. ähnl. bis heute, veraltet in freude setzen, von Adelung als ungebräuchlich bezeichnet: daʒ daʒ velt bedact was von der menge des volkis rechte als von den heuschreckin, daʒ di uff dem sloʒe in groʒe note unde vorchte gesazt wordin. leben des heil. Ludw. 37, 31; ach gott, du hast mich inn semlich leyd gsetzt, dardurch ich niemer mer fröud haben wyrd. Haimonskinder 12, 20 Bachmann; du hast uns inn grosz truren gsetzt. 67, 15; dann hett ich wellen rätt folgen, so wer ich nüt in den sorgen, inn die ich besorg, das du mich und die krystenheyt gsetzt habest. Morgant d. riese 325, 33 Bachmann; dein verwiltes aussenbleiben sázzet uns alhír in grós verlangen deiner ehesten wíderanhérkunft. Butschky kanzl. 74; i. l. haben einen schlimmen husten gehabt, der mich sehr in sorgen gesetzt hatte. Elis. Charlotte 3, 59 Holland; er überliesz sich der begeisterung, in welche dieses majestätische schauspiel empfindliche seelen zu setzen pflegt. Wieland 1, 32; wir zweifeln nicht, verschiedene leser dieser geschichte werden vermuthen, Agathon müsse über diese nachdrucksvolle apostrofe des weisen Hippias nicht wenig betroffen, oder doch in einige unruhe gesetzt worden seyn. 115; sie war kaum angelangt, als sie ihn zu sich rufen liesz, und ihn durch folgende anrede in eine angenehme bestürzung setzte. 272; die ländlichen feste und lustbarkeiten, in deren erfindung er unerschöpflich war, gaben ihr anlasz, ihn durch entdeckung dieser neuen reitzungen in erstaunen zu setzen. 290; bey gott! als wäre die grosze welt nur entstanden, den schöpfer für dieses meisterstük in laune zu sezen! Schiller kabale u. liebe 5, 7; es erquickte mich im voraus, meine feinde durch meinen plötzlichen anblik in schreken zu sezen. schriften 4, 68; bis nach sonnenuntergang harrte der prinz aus, von jedem geräusche, das seiner kapelle nahe kam, von jedem knarren der kirchthüre in erwartung gesezt. 329; bey übungen der andacht ist das stillschweigen einer ganzen versammelten gemeine ein sehr wirksames mittel, der phantasie einen schwung zu geben und das gemüth in eine feyerliche stimmung zu setzen. 10, 144;
dô was betwungin alsô gar
und in angist sô gesat
von in (den Preuszen) herzoge Cunrât.
Nic. von Jeroschin 1682;
Apollonius ist ergetzet
in grôʒe fröude gesetzet.
Heinrich von Neustadt Apollonius 18500;
herr und freund, jhr must es zeugen, wie sich gott mit euch ergetzt,
euch nach vieler angst und trauren, nun in fried und freude setzt.
Logau 2, 142, 7;
ich lief ihr hurtig zu und ward so stumm als blind,
weil ihre schönheit mich in die entzückung satzte.
Günther 508;
durch schellenläuten eine stadt
in gaffende bewundrung setzen.
Göckingk 3, 230;
frau wirthin, was setzt euch so in eifer?
Schiller Wallenst. lager 9;
es sieht ihm (Wallenstein) gleich,
zu überraschen wie ein gott, er musz
entzücken stets und in erstaunen setzen.
Piccolomini 3, 5;
die nachricht von dem allen
hat den tyrannen so in wuth gesetzt,
dasz er zum kriege schleunig anstalt macht.
Macbeth 4, 1.
ebenso in der sinnlicher erscheinenden wendung einen ins feuer setzen, zornig machen. Frisch 2, 267ᶜ; in feuer, in leidenschaftliche erregung:
das müssen reize sondergleichen seyn,
die einen greis in solches feuer setzen.
Schiller M. Stuart 2, 3.
ähnlich in flammen setzen: gestern, als wir nach hause kamen, fanden wir endlich auch die erwarteten wechsel von unserm hofe, aber von einem briefe begleitet, der meinen herrn sehr in flammen setzte. Schiller 4, 335. einen in feuer und flamme(n) setzen. Campe. in wallung setzen:
herr, was setzt
dich so in wallung?
Schiller Phädra 2, 6.
in andrer ausdrucksform, auch in bezug auf starke seelische eindrücke, einen aus der, auszer fassung setzen: alle diese umstände hätten nicht fehlen sollen, einen menschen aus der fassung zu setzen, der ihm (Hippias) so viele vorzüge eingestehen musste. Wieland 1, 115. auszer sich setzen: diese unbegreiflich unschuldige erzählung setzte mich erst ganz auszer mir, als sie (Klara) schwieg. Thümmel reise 4, 217; von diesem anblick noch ausser sich gesetzt, eilte der prediger auf der stelle zu dem gouverneur, um auch noch die zweyte wohltat für den armen unglücklichen auszuwirken, ohne welche die erste für keine zu rechnen war. Schiller 6, 115. aus, auszer sich selbst setzen, heute ungebräuchlich: madame! ... sie vergeben mir, dasz ich vor verwunderung, über das besondere glück, dieselben allhier vergnügt anzutreffen, gantz aus mir selbst gesetzt bin, und mich nicht so gleich fassen kann. Felsenb. 3, 138; der gedanke, von seiner Psyche wieder getrennt zu werden, setzte ihn ausser sich selbst. Wieland 1, 58; auf thiere übertragen:
dort zwitschert, schläget, rufft und pfeifft
der vögel schnelle schar, wenn sie bald flîegt, bald läufft, ..
und durch des frühlings pracht fast aus sich selbst gesetzet,
dem grossen schöpffer danckt, und jauchzend jubilirt.
Brockes 1 (1739), 19.
ξξ)
in der wendung einen in verlegenheit setzen kann das substantiv subjectiv oder objectiv gefaszt werden: eins und das andere machte ihr sorgen und setzte sie in verlegenheit. Göthe 16, 182; ich läugne nicht, dasz sie mich in dem augenblicke, in dem sie mich in verlegenheit setzt, aus einer verlegenheit reiszt, in der ich mich bisher gegen die meinigen befand. 19, 6; das urtheil der welt über diese fragmente — es falle aus, wie es wolle — wird mich nie in verlegenheit setzen. Schiller 5¹, 2. als gegensatz aus aller verlegenheit setzen: um einen brief zu schreiben, der auf einmal die familie aus aller verlegenheit ... setzen sollte. Göthe 19, 8.
οο)
in bezug auf schätzung, wertverhältnis einem andern gegenüber, einen über einen setzen, einem gleich setzen.
κ)
einen mit einem setzen, aussöhnen. quelle von 1338 bei Lexer mhd. handwb. 2, 895.
λ)
von wendungen aus wie einen ins testament setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ erklärt es sich, dasz das wort auch in bezug auf personen wie 'anführen, nennen' gebraucht wird: (die grenze geht) auf Haiszmüllers brobstischen gut, dan uberwegen auf gesetzten Haiszmüllers wiesen. steir. u. kärnt. taid. 521, 36 (1586).
μ)
von der unter 1, a, α angeführten verbindung gäste setzen aus einen setzen, bewirten, freihalten. Dentzler 2, 263ᵃ. Kluge studentenspr. 126ᵃ. Albrecht 212ᵃ, auch nd. Stürenburg 244ᵇ.
2)
in bezug auf thiere nur in beschränkter anwendung.
a)
eine henne auf, über die eyer setzen, sie brüten lassen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᶜ, auch blosz eine henne setzen, ova gallinae supponere. Stieler 2039. Kramer a. a. o., eine henne, gans setzen Spiesz 233, e gluggeri seze Hunziker 249, dat hohn setten Dähnert 422ᵇ:
die eyr hab ich zusam gesparth,
das sie all warn von guter arth,
hab sie probiert, im wassr gewogen,
die gluck gesatz(t), die küchl erzogen.
Rollenhagen froschm. Q 5ᵇ;
dafür erzeigt er (der mann) sich wie ein getreuer diener,
er spohlt den wocken ab, holt gersten, speist die hühner,
setzt ganse, melckt die küh.
Rachel 14.
wol im anschlusz daran sprichwörtlich setze narren nicht auf eyer. Gottsched sprachk. 555.
b)
zugthiere an, in den wagen setzen, anspannen, in älterer sprache: mer sol man zu den 4 (rüst)wegen 4 man bestellen, den zu trawen sei, daʒ sie des zeugs warten, und dann an ein wagen setzen 4 pfert. d. städtechron. 2, 255, 28 (Nürnberg, 15. jahrh.); (im bilde) zum andern, läszt er (Eck) sich meinen wagen verdrieszen, und meinet auch wohl einen zu machen, aber nicht rosz, sondern vielleicht esel drein setzen. Carlstadt bei Luther briefe 1, 309;
stalknech, gang hin und hüet unseri kuo
und beschlüs den stal wider zuo
und setz den schümel in den karren.
fastn. sp. 822, 24 Keller.
mit auslassung des objects (pferde): in der weil und der mit dem ersten wagen aussen ist hat man den andern wagen geladen, doran soll er (der den ersten wagen gefahren hat) wider setzen und den auch auf den markt furen, und dann alspald in den ersten wagen setzen, der ler und abgeladen ist. Tucher baumeisterb. 126, 22. als gegensatz thiere aus dem wagen setzen, ausspannen: do geschach anders nichts, dann dasz die feind hin kommen und nammen bei 30 küe und dem mair im Stierhoff 12 ross, die satzten sie ausz den wägen. d. städtechron. 5, 279, 4 (Augsburg, 15. jahrh.).
c)
kleine fischlein in einen weyher setzen, per popolarlo. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵃ, karpfen in einen teich setzen, vögel in einen käfig setzen u. ähnl.:
do daʒ liut alleʒ slâfen quam,
sîn hanen er her ûʒ nam
den er in die bâren het gesat,
unt truogen an die selben stat
dâ ener hane wart genomen.
Stricker Amis 975.
redensarten: einem einen floh ins ohr setzen. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 772ᶜ, suspicionem movere alicui. Frisch 2, 276ᶜ, vgl. floh oben theil 3, 1813. einem läus in den pelz setzen, vgl. laus oben theil 6, 352. einem einen käfer auf ein auge setzen: also dʒ sye (die juden) der sachen nit konten eins werden durch einander, und Nicodemus (der im rat für Christus eingetreten war) jnen ein kefer hett uff ein oug gesetzt, do seynd sye von einander gescheyden ungethon, und seind heym kert, ein yegklicher in sein husz, und habent nüt dorvon brocht weder iren unglouben. Keisersberg post. 111ᵃ. einem den, einen roten hahn aufs dach, haus setzen, sein haus anzünden, eine in einer mythologischen vorstellung wurzelnde wendung. vgl. hahn 1, e oben theil 4, 2, 161.
d)
thiere in bewegung setzen, zum gehen, laufen bringen u. ähnl.: da gab Anna dem schimmel einen kecken schlag mit der gerte und setzte ihn in galopp. Keller 1, 392.
e)
über eine besondere anwendung, wo thiere subject und object sind, s. unten 4.
3)
mit anderem unpersönlichen object.
a)
in allgemeiner sinnlicher anwendung von dingen, die einen festen platz erhalten, und zwar meist so, dasz sie nachher 'sitzen' oder 'stehen'. ohne nähere bestimmung: die selbigen verachten dein gebot, und ehren deine götter nicht, und beten nicht an das gülden bilde, das du hast setzen lassen. Dan. 3, 12; bis das stüele gesetzt wurden. 7, 9. meist mit örtlichen zusätzen: sazton dara iro fanen. Notker ps. 73, 4; wie weit sie den stull von den heusern setzen süllen. Tuchers baumeisterbuch 126, 36; gott setzt sie (die gestirne) an die feste des himels. 1 Mos. 1, 17; meinen bogen hab ich (gott) gesetzt in die wolcken. 9, 13; (Moses) setzet den tisch in die hütte des stiffts. 2 Mos. 40, 22; die leviten aber huben die lade des herrn erab, und das kestlin das neben dran war, darinnen die gülden kleinot waren, und setzten sie auff den grossen stein. 1 Sam. 6, 15; den spiesz an die wand setzen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 772ᵃ; ein jedes an seinen ort setzen. ebenda; etwas an eine bestimmte stelle setzen; etwas bei seite setzen;
sînen schilt den guoten   den satzt er für den fuoʒ.
Nibel. 2111, 3;
der gûte man hûb dô in (den 'kopf', becher)
wider ûf mit grôʒem leide
und satzte in anderweide
ûf den alter.
pass. 23, 81 Köpke;
lasz' sehn, wie viel man solcher maulwurfshaufen
musz über'nander setzen, bis ein berg
draus wird, wie der geringste nur in Uri!
Schiller Tell 1, 3.
auffällig mit dativ in solchen örtlichen zusätzen: ûze an dero sunnun sazta er sîne gezelt. Notker ps. 18, 6; du solt fur dem blinden kein anstos setzen. 3 Mos. 19, 14; an einem kleinen feuer sind töpfe gesetzt. Göthe 11, 93. in mannigfachen besonderen verbindungen und beziehungen.
α)
in objectiver oder adverbialer beziehung auf glieder des körpers.
αα)
die füsze setzen, beim gehen oder ruhend. redensart: er weisz nicht wie er die füsze setzen soll, magnifice sese infert atque athletice. Steinbach 2, 350. prägnant die füesz setzen, affectiert gehen Schm.² 2, 342. mit örtlichem zusatz die füsze auf einen schemel setzen. anders, veraltet: deine füsse sind nicht in fessel gesetzt. 2 Sam. 3, 34. einen fusz vor den andern setzen. den rechten fusz voran setzen. Adelung, übertragen: he settet den rechten foot vör, er fängt die sache recht und mit ernst an. Schütze 4, 98. ähnlich in übertragenem sinne den besten fusz vor setzen. seinen, den fusz auf die erde setzen u. ähnl.: er (der engel) setzt seinen rechten fus auff das meer, und den lincken auff die erden. offenb. 10, 2; den fusz fest auf die erde setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ. einem den fusz auf den nacken setzen, einem besiegten, unterworfenen, bildlich einen völlig unterwerfen. seinen, den fusz ans land (vom schiff), in ein land, ein haus setzen:
auch dem beherztesten
dünkt alles grauenvoll, wenn er den fusz
in feindes land gesezt!
Schiller Phöniz. 2, 1.
den fusz vor die thüre, über die schwelle setzen. mit bezeichnung des ausgangsorts den fusz aus der stube, aus dem hause setzen, von der stelle setzen. negierend: nicht einen fusz aus dem hause setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵃ; mit meinem willen soll er keinen fusz mehr in das vermaledeyte haus setzen. Lessing 1, 510; nie will ich wieder einen fusz über seine schwelle setzen. Adelung; ich kann keinen fusz von der stelle setzen. Schiller 4, 320. in beziehung auf abstractes, den fusz setzen, es als standpunkt, als ausgangspunkt nehmen. belege dafür und für die oben erwähnten wendungen unter fusz oben th. 4, 1, 1, 977. auffällig mit dativ in dem örtlichen zusatz:
so scheute man auf vielen plätzen (auf dem eise)
den furchtsam-bangen fusz zu setzen.
Brockes 6 (1739), 166,
wo allerdings die adverbiale bestimmung zu scheuen gezogen werden kann. vergl. auch die oben a. a. o. beigebrachte stelle Hiob 23, 11. (einen) flüchtigen fusz setzen, fliehen: dasz ich die warheit nicht verhälen noch flüchtigen fusz setzen wolte. Philander 2, 66;
so dörfft wir uns nit mehr besorgen
das er von uns heut oder morgen
setzet einen flüchtigen fusz.
H. Sachs 3 (1561), 1, 262ᵇ;
(ich) hab umb meine begangne that
die man umb mich verschuldet hat
gesetzet nie flüchtigen fusz.
4 (1578), 2, 13ᵇ.
einen festen fusz an einen ort setzen, sich dort niederlassen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ.
ββ)
nur in älterer sprache die hand, hände setzen: mîn dohter nu arstarb, ouh quim inti sezzi thîna hant ubar sie (vorlage: impone manum super eam), sô lebêt siu. Tat. 60, 2; thô brâhtun imo luzilê, thaʒ her sîno hentî in sie sazti (vorlage: eis imponeret) inti bettôti. 101, 1.
γγ)
den ellenbogen aufs knie setzen. ähnlich:
ich saʒ ûf eime steine,
und dahte bein mit beine:
dar ûf satzt ich den ellenbogen.
Walther 8, 6,
δδ)
die lippen, lippe setzen an ein glas u. dergl.: es sey kein mensch würdig, an diese gläser jemals wieder eine lippe zu setzen. Göthe 18, 199.
εε)
in bezug auf das anfügen eines abgeschlagenen gliedes, mit prädicativem zusatz:
so er ruorta imo daʒ ôra,
er saztaʒ widar heilaʒ.
Otfrid 4, 17, 24.
ζζ)
veraltet, etwas in die hand, den mund setzen: saztun .. rôra in sîna zesauun (vorlage: posuerunt ... harundinem in dexteram eius). Tatian 200, 2;
einen zol (klotz) sazzete er im in den munt.
genes. u. exodus 109, 29 Diemer.
etwas aus der hand setzen, was man gehalten, getragen hat. Adelung.
ηη)
etwas an den mund setzen, einen becher. Steinbach 2, 350, ein glas, horn, eine trompete. Campe u. ähnl.:
er sezt das gläslein an den mund,
und trinkt es ausz bisz auf den grund.
Schade handwerkslieder 168.
ebenso an die lippen setzen: der mönch war unterdessen zum schenktisch getreten, wo er ein volles weinglas ergriff, und an die lippen setzte. Schiller 4, 247.
θθ)
einem eine waffe auf die brust, an die gurgel, kehle, an den hals setzen u. ähnl., besonders als drohung: eim das schwärdt an halsz oder an die gurgel haben oder setzen. Maaler 370ᵇ; einem den dolch an die gurgel, das pistol an die brust setzen. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 772ᵇ; einem den degen auf die brust, das messer an die kehle setzen. Adelung; hier geschah es, dasz einer aus der schaar der unsterblichen, die um den Alexius waren, ein kühner verwogener soldat, mit verhängtem zügel aus dem gliede hervor und geradenwegs auf den Briennius los rannte, dem er den schaft seines speers mit starker faust auf die brust setzte. Schiller 9, 202;
wie wenn sie dir ...
das messer in dem schlaf hätt' an den hals gesetzt.
Rachel bei Steinbach 2, 350.
reflexiv: er setzt sich den degen an die kehle. Steinbach ebenda; als sinnbild der wehrlosigkeit einem höheren gegenüber: wenn du sitzest und issest mit einem herrn, so mercke, wen du fur dir hast. und setze ein messer an deine kele, wiltu das leben behalten. spr. Sal. 23, 2. dann bedeuten solche ausdrücke: einen in die höchste not, in die höchste verlegenheit bringen u. ähnl.: er setzt mir ja das messer an die keble. Kotzebue dramat. spiele 2, 341. mit dieser drohung, dieser frage setzen sie mir allerdings die pistole auf die brust. mit unpersönlichem subject:
dein vorwurff setzet mir ein messer an die kehle.
Günther 624.
ιι)
etwas auf den kopf, aufs haupt setzen, eine kopfbedeckung, einen kopfschmuck, wo in älterer sprache statt auf auch über, an, in erscheint: inti flehtenti corôna fona thornon saztun ubar sîn houbit (lat. vorlage: super caput eius). Tatian 200, 2; (Moses) setzt jm (Aaron) den hut auff sein heubt. 3 Mos. 8, 9; Saul zoch David seine kleider an, und setzt jm ein ehern helm auff sein heubt. 1 Sam. 17, 38; sie (die krone) ward David auff sein heubt gesetzt. 1 chron. 21, 3; er setzte die königliche kron auff jr heubt. Esther 2, 17; (ihr) müsset ewrn schmuck auff ewr heubt setzen. Hesek. 24, 23; sie satzten einen reinen hut auff sein heubt. Sacharja 3, 5; (die kriegsknechte) flochten eine dörnen krone, und satzten sie auff sein heubt. Matth. 27, 29; ein kronen auff das haupt setzen. Maaler 370ᵇ;
joh saztun sie imo in houbit   then selbon thurninan ring.
Otfrid 4, 22, 21;
solt' ich ze Rôme tragen die krône,
ich saste s' ûf ir (der geliebten) houbt.
minnes. 1, 38ᵃ Hagen;
freier:
die krone, die uns gott auf's haupt gesetzt,
durch's schwert ward sie gewonnen und erobert.
Schiller jungfrau von Orl. 4, 10,
wol im anschlusz an die folgende bibelstelle, wo eine wirkliche oder bildliche krone gemeint sein kann: du (gott) setzest eine güldene krone auff sein (des königs) heubt. ps. 21, 4. unzweifelhaft bildlich faszt das Notker, der unter dem könig Christus und unter der krone den kreis der jünger versteht: saztost coronam an sîn hoûbet. ûʒer tiûremo steine geuuorhta. ps. 20, 4 (andere zählung). scherzhaft von raufen, schlagen:
solt ich im nit ein rupfhauben auf setzen?
fastn. sp. 757, 32;
eim ein schlappen setzen, colaphum infligere. Maaler 355ᵈ. Dentzler 1, 153ᵇ, doch wol mit anspielung auf schlappe, mütze. allgemeiner eim eis seze, einem einen streich versetzen. Hunziker 240, studentisch einen hieb setzen, quarten, terzen setzen. Kluge studentenspr. 126ᵃ (von 1813), wobei auch die vorstellung zu grunde liegt, dasz der streich, hieb ein gegenstand ist, der einem anhaftet. vgl. versetzen in solcher anwendung und wendungen wie der hieb sitzt.
β)
als haus- und wirtschaftswort.
αα)
stühle setzen (s. oben). einem einen stuel setzen. Stieler 2039, jemanden einen stuhl setzen, damit er sich darauf setze. Adelung: es ward des königs mutter ein stuel gesetzt, das sie sich satzt zu seiner rechten. 1 kön. 2, 19; da nu der tag kam, setzet man jglichem einen stuel. 2 Macc. 14, 21. redensart: einem den stul vor die thür setzen, licentiarlo, cacciarlo di casa. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 773ᵇ. Gottsched sprachkunst 545. ähnlich: er mag leicht sauer sehen oder klagen es sei zu kalt in der stuben, so setzt man ihm die bank für die thür. Mathesius Syr. 2, 29ᵃ. die tafel setzen: da na leis he de tafel setzen. köln. quelle des 15. jahrh. in Frommanns zeitschr. 2, 452ᵃ, wol vom herbeitragen des mit speisen bedeckten tisches, als gegensatz zum aufheben der tafel. ähnlich: Sophie setzt den tisch (an dem getrunken werden soll). Müllner 29. febr. 4. scene. mit unbestimmtem artikel und dativ der person, wie: einem eine mahlzeit vorsetzen: (er) füret sie in sein haus, und setzet jnen einen tisch. apostelgesch. 16, 34. den tisch voll speisen setzen und ähnl.: so wir alle oben an dem tisch werden sitzen, .. und der tisch voll wein und kost ist gesetzt. buch der liebe 296ᵈ.
ββ)
speisz auff den tisch setzen, epulas ponere. Maaler 370ᶜ. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵃ, essen und trinken auf den tisch setzen, apponere coenam Frisch 2, 267ᵇ u. ähnl.: er sezt den saft von zwei Indien auf die tafel. Schiller kab. u. liebe 2, 1. unserem einem speise und trank vorsetzen entspricht die folgende ahd. verbindung:
ther kneht, ther thaʒ allaʒ (speise) druag,   er es wiht ni giwuag,
er imo iʒ nî ginuzta,   furi andere ouh ni sazta.
Otfrid 3, 7, 38.
auch setzen mit sächlichem object ohne zusatz erscheint so: iogiuuelîh man zi êrist guotan uuîn sezzit (vorlage: omnis homo primum bonum vinum ponit). Tatian 45, 7. studentisch und landschaftlich auch in neuerer sprache etwas setzen, zum besten geben, von speise und trank, ponieren. Albrecht 184ᵇ.
γγ)
sonst auch in mannigfachen wendungen: den hafen ans, (veraltet:) beys feuer setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ. töpfe aufs feuer setzen. blumen in eine vase, ins wasser setzen. kürbis in essig setzen. brennholz in haufen setzen, auch einfach brennholz setzen, nach festgesetztem masze beim verkauf aufsetzen. Jacobsson 7, 313ᵃ. garben in mandeln setzen. Adelung. garben abladen und setzen, im getreidestock. Schm.² 2, 342.
γ)
in andern bestimmten technischen gebrauchsarten.
αα)
pflanzen, mit örtlichen zusätzen und ohne solche: inde uuesan sal alsô holz that gesazt uuart bi fluʒʒe uuaʒʒero (vorlage: plantatum est). Heyne altnd. denkmäler ps. 1, 3; sie sint ebenscône niûsaztên rebôn. Notker ps. 143, 12; (im bilde) darumb wirstu lustige pflantzen setzen. Jes. 17, 10; setzet entweder einen guten bawm, so wird die frucht gut, oder setzet einen faulen bawm, so wird die frucht faul. Matth. 12, 33; wan man kraut sezt. steir. u. kärnt. taid. 313, 7 (16. jahrh.); setzen, als zwy, serere. Maaler 371ᵃ; bäum setzen, arbores serere Henisch 218, 39, einen baum Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 773ᵇ, bäume Frisch 2, 267ᵇ. Adelung. Hunziker 240. Hupel 217. ten Doornkaat Koolman 3, 177ᵇ; bäume setzen nach der schnur. Kramer a. a. o. 773ᶜ, übers kreuz Steinbach 2, 351, nach der ordnung Frisch 2, 267ᵇ; krautpflantzen, zwibeln, bohnen, erbsen setzen Kramer a. a. o. 773ᵇ, (gemüse-) pflanzen Spiesz 233, kohl Hupel 217, bohnen Hunziker 240. ten Doornkaat Koolman 3, 177ᵇ. Schütze 4, 100; kartoffeln setzen, nd. tüffeln Danneil 191ᵇ, kantüffeln Schütze a. a. o.;
sie setzen gutte bäum.
Weckherlin 253.
zu der bedeutung: bepflanzen, pflanzend bebauen überleitend: sîne huffelon sint samo uuurzbette, dîe der gesetzet sint von den kunstigen pîmentaren. Williram 90, 1 Seemüller. dann in solchem sinne: da einer ein lehngut (es sind weinberge gemeint) bauwfeldig wurde lassen, den ist der lehnman schuldig furzu bringen bie seinem gethanem eide, und da (er) ess notig zu setzen hette, sall er ess zwey jar lassen driesch liegen und das dritte jar sall er ess setzen. weisth. 3, 807 (Moselgebiet). vielleicht ist hier dasselbe gemeint wie in einem bei Lexer mhd. handwb. 2, 894 angeführten beleg von 1370: den wîngart setzen, an stelle ausgegangener reben neue pflanzen. mit auslassung des objects: setzet er (der winzer) das erste jar nicht, sall man ihn warnen. weisth. 3, 807. sprichwörtlich in Solothurn:
g'setzt isch nit g'säjet
und g'schnitten isch nit g'mäjet.
Wander 4, 545.
ββ)
beim nähen, befestigend anfügen: spitzen, galonen an ein kleid setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵃ; einen lappen auf ein loch setzen. 772ᵇ; knöpfe an den rock, tressen an den hut setzen. Adelung.
γγ)
bei tischlern und zimmerleuten ebenso: machet bretter .. und an jglichem zween zapffen, damit eins an das ander gesetzt würde. 2 Mos. 36, 22.
δδ)
bei böttchern einen zuber setzen, zusammenfügen, frühnhd.: fur ein kalckzuber zu pinden 5 pf., und von newen zu setzen einen kalckzuber und zu pinden 8 pf. Tucher baumeisterbuch 107, 6.
εε)
bei töpfern einen kamin, ofen, herd setzen.
ζζ)
bei goldschmieden einen stein in einen ring setzen und ähnl.: eʒ sprechent auch die stainlær, daʒ sein (des adamas) kraft vil dester grœʒer sei, wenn man im seinen seʒʒel eisnein mach, sô man in in ain vingerlein wil setzen. Megenberg 433, 14; den stain truog Alexander, als man list. man schol in setzen in eisen. 470, 35.
ηη)
bei wundärzten einem ein fontanell, ein clistier setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵃ. schröpfköpfe setzen, auch einfach köpfe setzen, cucurbitas applicare, im schrepfen. Frisch 2, 267ᵇ, nd. köppe setten Dähnert 422ᵇ.
θθ)
bei buchdruckern die gegossenen buchstaben aus den fächern ihres kastens herausnehmen und in silben, wörter, zeilen und seiten zusammen setzen. Frisch 2, 267ᶜ. Adelung: druckschriften setzen, componere lettere da stampa. Kramer deutschit. dict. 2 (1702), 772ᶜ; das setzen der schrift, typothesia. Steinbach 2, 351. das setzen der noten. Jacobsson 4, 148ᵃ.
ιι)
bei tuchmachern tücher setzen, sie, nachdem sie aus der warmen presse gekommen sind, zwischen zwei brettern in die stichpresse bringen. Jacobsson 4, 150ᵇ.
κκ)
bei schiffern vom niederlassen des ankers, nd.: dan settet juwe anker. seebuch 11, 18 Koppmann. ebenso mit auslassung des objects: dar settet, dar is gude reyde. 14, 5; aussen vor den sand-hafen anderthalb meil im fahrwasser ist eine banck auf 12. 13. oder 14. fadem, und grob sand, da man für dem vom lande stossenden winde setzen kan, wenn es die noht so erfordert. Manson seebuch (1735) 7. mit einem zusatz, der die tiefe angibt, bei der man anker werfen soll: dan sole gy gan nortwest, bet dat gy kamen vor de haven, unde settet dan uppe veer vademe. seebuch 9, 50 Koppmann; darinnen kan man setzen für allem wetter auf 5. fademen. Manson seebuch (1735) 27. ein schiff auf eine sandbank, wider einen felsen, auf die küste setzen, es dort auflaufen, stranden lassen (auch es versetzen). Eggers kriegslex. 2 (1744), 903.
λλ)
im berg- und hüttenwerk, feuer setzen, holzstösze um das gestein schichten und anzünden, um es mürbe zu machen. Adelung. Jacobsson 1, 715ᵃ: wo sie im festen gestein arbeiten, setzen sie feuer und machen dadurch das gestein brüchig. Göthe 51, 118. ebenso brände setzen Veith 185. dafür auch mit feuer setzen. 184:
es schafft kein beuschel, schlägel und keil
in fest gestein ein gute weil,
mit feuer must er setzen.
quelle ebenda.
ebenso bloszes setzen: wo die genge fest unnd knawrig sein, das kein stahel drauff hafften wil, musz man setzen, und ein fewer fürs ort machen. Mathesius Sarepta 59ᵇ; zwitter gewinnet man auch mit schlegel unnd eisen, wo ein zechstein ist, da es aber fest und gneisig wird, musz man setzen, und das gestein mit fewer heben. 100ᵃ. mit örtlichem zusatz: so nun aber ein dunst von eim gang, oder ein rauch durch den gang oder kluft in die nächste gruben gehen mag, welche nicht veste gäng oder gestein seindt, auff das sie die arbeiter nicht ersteckendt, so läszt der bergmeister keinem zu, das er in den schächten oder stollen setze. Agricola bergw. deutsch von Bechius 85. den bohrer setzen, beim abbohren eines bohrlochs, ihn aufsetzen und drehen, so dasz er stets einen neuen angriffspunkt findet. Veith 448. stempel, thürstöcke setzen, starke hölzer zur unterstützung des gesteins oder der zimmerung beim grubenbau anbringen. ebenda. in bezug auf das ausglühen der erze im schmelzofen: die gichten setzen, die bestimmten portionen von erzen und kohlen in die schmelzöfen schütten. Scheuchenstuel 224. auch wol ohne object: erz und kohlen in den schmelzofen schütten. Jacobsson 4, 147ᵇ. freier: was die dörnlein, die sich im gang oder seigerherd an legen, deszgleichen die öfenbrüch, herdpley, kupfferglet belanget, und das gekretze, welches man zuvor waschen lesset, setzet man wider durch den ofen. Mathesius Sar. 71ᵇ. erze setzen heiszt auch sie schlemmen oder waschen. Adelung, was wol in der gewöhnlichen sinnlichen bedeutung wurzelt. setzen, gepochtes erz, schlich im siebe waschen. Jacobsson 4, 147ᵇ. auch durch das sieb setzen. 7, 343ᵃ.
μμ)
bei malern, figuren, farben setzen, ordnend anbringen. ein bild ins licht setzen, in lumine collocare Steinbach 2, 351, ins rechte licht setzen, so setzen, dasz es die rechte beleuchtung erhält, ebenso in günstiges, ungünstiges, schlechtes licht. aber auch die auf dem bilde dargestellten figuren in licht, ins rechte licht setzen und ähnl., durch die kunst des malers, in gleicher anwendung in schatten, in farbe setzen: alle die auf Mignon sich beziehenden gegenden und localitäten waren sämmtlich umrissen, theils in licht, schatten und farbe gesetzt, theils in heiszen tagesstunden treulich ausgeführt. Göthe 22, 130. übertragen: ich erbitte es (das manuscript) bald wieder zurück, weil hier und da noch einige pinselstriche nöthig sind um gewisse stellen in ihr licht zu setzen. Göthe an Schiller 27. novbr. 1794. auch ohne so deutliche beziehung zur malerei häufig in übertragener anwendung: darauf wird der verschnittene den schritt Hessens in ein schönes licht zu setzen suchen. Klinger 5, 80; unser guter Ben Hafi wird die weisen lehren, welche wir alle hier aus Mahals reisen vor der sündfluth gezogen haben, durch die erzählung seiner eignen wanderungen .. noch weit mehr ins licht setzen. 7, 15; wodurch die glaubensfähigkeit jener ahnherrn in's hellste licht gesetzt wird. Göthe 24, 219; hier ereignete sich ein streit zwischen einem preuszischen und einem östreichischen unteroffizier, welcher den charakter beider nationen klar in's licht setzte. 30, 185. vgl. auch 1, b, ι, θθ.
νν)
in der baukunst für festes anbringen, fügen, errichten: die thür soltu mitten in seine (des kastens, der arche) seiten setzen. 1 Mos. 6, 16; das mans (das haus gottes) setzete auff seine stet. Esra 2, 68; es (das gebäude) war dreier gemach hoch, und hatten doch keine pfeiler, wie die vorhöfe pfeiler hatten, sondern sie waren schlecht auff ein ander gesetzt. Hesek. 42, 6; welche jre schwelle an meine schwellen, und jre pfosten an meine pfosten gesetzt haben. 43, 8; und Simon lies ein hohes grab von gehawen steinen machen seinem vater und seinen brüdern, und darauff setzen sieben seulen. 1 Macc. 13, 28; werdet jr mir den Judam nicht gebunden uberantworten, so wil ich dis gotteshaus schleiffen, und den altar umbreissen, und dem Bacho eine schöne kirche an die stat setzen. 2 Macc. 14, 33; den grund oder pfulmen an ein vest ort legen oder setzen. Maaler 370ᵇ; es (das schlosz) was gesetzt uff ein hochen velssen. Haimonskinder 32, 29 Bachmann; man würde einen marmor auf seine gebeine sezen wenn er nicht mir gestorben wäre. Schiller räuber schauspiel 3, 2;
iedoch ist ditz diu bœste stat,
dar ûf ie hûs wart gesat.
Hartmann von Aue Iwein 7820;
im bilde: vielleicht füllen sie (neue ideen) eine lücke, die das werdende ganze seiner (des philosophen) begriffe noch verunstaltet hätte, oder setzen den lezten noch fehlenden stein an sein ideengebäude, der es vollendet. Schiller 9, 83. auffällig mit dativ in dem örtlichen zusatz: er (Simson) fasset die zwo mittel seulen, auf welchen das haus gesetzt war. richter 16, 29; im bilde: es ist nit ein silbernin tafel, sondern ein geistliche, welche sich gebührt nit in der kirchen, sondern in dem gemüth zu setzen. Luther briefe 1, 411. auch so ohne solche zusätze: da das haus (der tempel Salomos) gesetzt ward, waren die stein zuvor gantz zugericht das man kein hamer noch beil, noch jrgend ein eisen gezeug im bawen hörete. 1 kön. 6, 7; nun wyll ich uͮch sagen, wie das schlosz gesetzt was. Haimonskinder 32, 19 Bachmann; eine säule, einen grabstein setzen Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵇ; den grundstein setzen. Jacobsson 4, 147ᵇ; he settd'n nêi hûs. ten Doornkaat Koolman 3, 177ᵇ. mit dativ der person (vgl. oben 2 Macc. 14, 33): einem ein grabmal setzen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 773ᵇ; einem eine ehrensäule setzen. Frisch 2, 267ᵇ; einem ein denkmal setzen. Campe. im bilde:
einen leichenstein will ich
ihm setzen, wie noch keinem könige
geworden.
Schiller don Carlos 5, 11.
von solchem gebrauch aus in freieren bildlichen wendungen: wer kan mercken, wie offte er feilet? also das ich gar kein grund kan setzen, auff meine heiligkeit oder reinigkeit. Luther 6, 39ᵇ; es ist fürwar ein grosse weiszheit und discretion den jenigen vonnöthen, welchen befohlen wird, dasz sie sollen die fundamenta der gelirnigen jugend setzen. Schuppius 728; diese zwei lehnsätze setze ich zum grunde. Kant 8, 97; so setzet er einen satz zum grunde, auf welchem sein gebäude einzig und allein errichtet ist. 129.
ξξ)
beim schreiben, buchstaben, zeichen, worte setzen: so der lehrmeister ... etwas vorsaget, das wird auffgeschriben; und derselbige verbessert auch die fähler ... so die unachtsamkeit hinsetzet, zeigende welches unrecht gesetzet ist. Comenius sprachenth. (1657) 732. einen punkt auf das i setzen, eine auch bildlich gebrauchte wendung. etwas auf das papier setzen: so wol philosophische als theologische tractätlein .., darin er unterweilens, Attico quodem lepore et Laconica brevitate, mehr zuverstehen gibt, als er auff das papier gesetzt hat. Schuppius 612. ähnlich: jezt, nachdem sie die wächter entfernt hat, beginnt eine unterredung mit den Griechen, die wir ... ganz hieher setzen wollen. Schiller 6, 243. auch sonst wie schreibend anführen:
noch wâren dâ der werden vil,
die ich mit namen nicht setzen wil.
Ludwigs kreuzfahrt 1743;
mit in der Beier grâven vil,
ouch herren, die ich nicht setzen wil.
5055.
schreibend berichten, aussagen: ob dieser Raze Critonis vater oder sohn gewesen, setzen die geschicht - schreiber nicht. Micrälius alt. Pommern 2, 205;
man mac daʒ setzen wol von in:
gotes marterêre sie sîn.
Ludwigs kreuzfahrt 4656.
schreibend verfassen:
zu zeiten satzt ich was in kummer, was in eile.
Logau 2, 172, 70;
seine Justina, die da alle sonntage einen ordentlichen brief setzen lernte. J. Paul unsichtb. loge 3, 139. so sich dann berührend mit den unter b, δ und ε erwähnten anwendungen.
b)
in freierer anwendung.
α)
zu einer besonderen gruppe fügen sich die folgenden gebrauchsarten.
αα)
beim verpfänden, ein pfand setzen, zunächst wol ganz sinnlich gedacht, dann freier: sy hat mir das pfant gesaczt vor mynen czinsz. Magdeburger fragen 1, 2, 6 Behrend; ouch so hette ym yener von dez richters gebote eyn pfant gesaczt vor syne bekante schult. 6, 6; wer es auch, das zweyung würde umb die pfande zwischen dem oder den, der die pfande sind, oder irn erben und dem oder den juden oder iren erben, den die pfande geseczet sind. d. städtechr. 1, 126, 35 (urkunde könig Wenzels, Nürnberg 1390); wert en pant gheset vor win, vor ber. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵃ;
man sach si (um von den juden geld zu bekommen) setzen al zehant
vil maneger hand kostlîcheʒ pfant.
Lichtenstein 96, 5;
ich wette, so du willst, und setz' ein gutes pfand.
Rachel bei Steinbach 2, 350.
statt des gewöhnlich dabei erscheinenden dativs der person steht in älterer sprache auch an mit acc.: man sol dehain phant an die iuden setzen aun mit jenes willen, des eʒ da ist. quelle bei Haltaus 1683. freier:
ouch grîfet sîn (des priesters) gewîhtiu hant
an daʒ hœheste pfant
daʒ ie für schult gesetzet ward.
Wolfram Parz. 502, 19;
wæren se (Parzival und Feirefiz) ein ander baʒ bekant:
sie satzten niht sô hôhiu pfant.
ir strît galt niht mêre,
wan freude, sælde und êre.
742, 20;
si (zwei kämpfer, Iders und Erec) hâten gesat
umbe den sige vil hôheʒ pfant:
eʒ galt ze gebenne dâ zehant
minre noch mêre
wan beide lîp uud êre.
Hartmann Erec 839.
etwas zu pfande, zum pfande, in älterer sprache auch zu einem pfande setzen: undir deʒ worde deʒ entronnen mannes wip zcu rote, das sy der andern frauwen seczte ire cleyder zcu pfande vor deme richter. Magdeburger fragen 1, 2, 6 Behrend; do her in gehegit ding quam unde deme andern manne alle syn erbe und gut zcu eyme pfande saczte. 2, 2, 10; güter, so ihm des geliehen gelts halber zu pfandt ... gesetzt sein. statutenbuch (1572) 103ᵇ;
sieh, dieses haupt setz ich zum pfand, du weiszt
die nahmen nicht.
Schiller Turandot 4, 6.
in bezug auf unsinnliches:
des setze ich mîne wârheit dir ze pfande.
minnes. 2, 234ᵃ Hagen;
mîn triwe sî ze pfande
den ellenden gesetzet,
daʒ si unergetzet
müeʒen wesen leider
der milten herren beider.
Ottokar 881 Seemüller;
sazt ein man sîn triu ze pfant.
Teichner 305;
wer seinen geist zu pfand
vor ruhm und freyheit setzt.
A. Gryphius 1 (1698), 10.
ähnlich:
ich setze dirs (gen. es)
mîne triuwe für ein pfant.
Fleck Flore 5803.
auch ohne solchen zusatz mit unmittelbarer objectiver beziehung auf das, was zu pfand gesetzt wird, in älterer sprache: swelich man dem andern ein phert oder gewant oder dehein varende gut lihet oder sezet mit sinem willen, so hat iener reht dar an, in des gewalt eʒ also kumet. Schwabensp. 185, 1 Gengler; darumme he uns gesatzit hat ... die minnern graschaft an der smalin Gera. quelle von 1315 bei Diefenb.-Wülcker 853; sintdemmole das der man in gehegit ding komen ist gesund mit bedochtem mute unde mir bekant hat myner scholt (die ich zu fordern habe) vor andern allen, den her schuldig were, unde mir do vor syn erbe unde alle syn gut gesaczt hat. Magdeb. fragen 2, 2, 10 Behrend; set ein man sin erve deme anderen vor schult, he schal it eme setten vor deme rade. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵃ;
guot hêrre, her kaplân,
war habt ir iwern huot getân?
habt irn gesetzet umbe wîn?
Reinhart 1601,
sô setz in (den rock) einem vleischower,
und lob im daʒ gewer,
man welle in lôsen morgen frû.
Koloczaer codex 92, 55;
für die selben hab,
dâ er in mit ergazte,
Wehseneck er im sazte
und alleʒ, daʒ darzuo gehôrt.
Ottokar 44118 Seemüller.
freier:
triuwe und ere
wir dir dar umbe setzen,
daʒ wir dich wol ergetzen,
swaʒ dir leides ie geschach.
Mai u. Beaflor 183, 1.
ββ)
beim wetten, in engem zusammenhang mit der vorigen anwendung: ein kleid, oder etwas anders zuͦ pfant eines gewets setzen, certare pignore. Maaler 370ᶜ, vgl. auch die oben sp. 660, unter b, αα angeführte stelle Rachels;
herr Müller gieng im schertze
ein wetten mit mir ein,
sein trost und liebes hertze
brächt' ihm ein töchterlein;
mein urtheil war darwider,
und rieht' auff einen sohn:
ich satzt' ihm meine lieder,
er mir den Xenophon.
Opitz 2, 48.
dann: etwas dran setzen, zur wettung. Dasypodius:
herr, wenn mit der sonn' ihr früh sattelt und reitet,
und stets sie in einerlei tempo begleitet,
so setz' ich mein kreuz und mein käppchen daran,
in zweimal zwölf stundcn ist alles gethan.
Bürger 67ᵃ.
an etwas, was der andre setzt: hätte er (sultan Lolo) seine derwischen und seine katzen ihrem schicksal überlassen, so ist hundert an eins zu setzen, jene hätten arbeiten müssen, und diese ratten gefangen, und so hätten beide dem staat dienste gethan. Wieland 6, 4; denn wenn auch die ganze welt mit gemählden von glücklichen inseln und glücklichen menschen angefüllt würde, so sind zehen an eines zu setzen, dasz die leidenschaften ... ihr spiel nichts desto weniger fortspielen werden. 147;
ich setze meine kappe
an eure krone, herr, wofern der schäker nicht
noch diese nehmliche nacht uns ins gehäge bricht.
Wieland 4, 50 (neuer Amadis 2, 38);
und dennoch setz' ich zwanzig mark
an einen stüber,
auf eben diesem maul (maulthier)
wär't ihr zurück geblieben.
18, 325 (sommerm. 2).
heute lieber etwas gegen etwas setzen.
γγ)
ähnlich beim spiel, geld setzen im spielen, postare. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵇ. geld auf eine karte setzen, wobei das geld zunächst wirklich auf die karte gelegt wird, mehr geld damit zu gewinnen. Campe, auch ohne object auf eine karte setzen. geld in die lotterie setzen. Steinbach 2, 351. Adelung, auf lotterienummern; er setzt auf drei nummern in die lotterie seine letzten groschen. Hügel 149ᵃ, auch ohne object in die lotterie setzen. Adelung. auf einen wurf, im bilde: er hat sich mit herz und seel an diese tochter gehängt. sei er vorsichtig Miller. nur ein verzweifelter spieler sezt alles auf einen einzigen wurf. Schiller kab. u. liebe 5, 5. etwas auf ein spiel setzen Steinbach 2, 351, auf das spiel Adelung: ein spieler und spitzbub aber verlest gottes befehl und ordnung, .. und was er ehrlich erworben und von gottes händen erlangt hat, das setzt er auff das spiel. Schuppius 199; übertragen: auch hätte Philipp denen die er rebellen nannte, alles bewilligt, bis auf die gewissensfreiheit: diese, sagte er selbst, würden sie nie von ihm erhalten, wenn er auch seine krone aufs spiel sezen müszte. Schiller 4, 100. in älterer sprache etwas an ein, das spiel setzen:
morne bringent, swieʒ gevar,
hundert unze goldes dar;
die setzent all an ein spil
rehte wider alsô vil.
Fleck Flore 4761,
wan er gerne sæhe
daʒ ir den kopf als wæhe
an daʒ spil satztent.
4825.
in gleichem sinne setzen ohne solche zusätze, mit object:
soll ich mich aber letzen
durch leichtes kartenspiel? soll ich ducaten setzen
so von dem blute roth, und bleich von thränen sind?
Opitz 2, 30;
im bilde: schon zu unglüklich hab ich gespielt, dasz ich nicht nuch mein leztes noch sezen sollte. Schiller Fiesko 4, 12;
o rohes herz der männer! wenn ihr stolz
beleidigt wird, dann achten sie nichts mehr,
sie setzen in der blinden wuth des spiels
das haupt des kindes und das herz der mutter!
Tell 4, 2.
auch ohne object: es wurde stark, hoch gesetzt. Campe.
δδ)
im anschlusz an den gebrauch bei wette und spiel, etwas an etwas setzen, daran setzen für etwas, dafür wagen, daran geben: das hat ain rat und gantze gemein freffentlich nit wellen thon, daran wellen sie setzen all ir leib und gut. d. städtechron. 23, 85, 18 (Augsburg, von 1500); so man in aber also strengklich straff, so well er daran setzen all sein hab und guͦt, dasz maister Michlen auch also gestrafft werde. 217, 2 (von 1529); er sei der von sant Urlichs diener, wann sie es von im wellen haben, so well er predigen, daran well er setzen sein leib und leben. 387, 10 (von 1534); das leben an etwas setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ; alle seine kräfften, stärck an etwas setzen. ebenda; gut und blut daran setzen. Steinbach 2, 350; leib und leben daran setzen. Adelung; sein ganzes vermögen daran setzen. ebenda; das wäre ein leben! Georg! wenn man seine haut für die allgemeine glückseligkeit dran setzte. Göthe 8, 112; euer Franz wird sein leben dran sezen das eurige zu verlängern. Schiller räuber schauspiel 1, 1; sie (die soldaten) sezen ihr leben an zehen kreuzer, fechten wir nicht für hals und freiheit? 2, 3; er will sein leben an eitle bewunderung sezen. 5, 2; an die religion setzte man gut und blut, alle seine zeitlichen hoffnungen. schriften 8, 11;
durh daʒ wir setzen solden
lîb und gût an ein heil.
Lamprecht Alexander 4239 Kinzel;
nichtswürdig ist die nation, die nicht
ihr alles freudig setzt an ihre ehre.
Schiller jungfrau von Orleans 1, 5.
ähnliche wendungen: seine meynunge was gewest, die herren von Meyssen liessen das neue jhar (eine messe zu beginn des jahres) mit nichten, sie setzten ir landt daruber. Spittendorff 465, 8 von unten Opel; Christus war ein guter hirt, der satzt sein seel fur sein schäflein. Pauli schimpf u. ernst (1546) 83; wie wollten die ihr leben dabey setzen, wenn es die stund oder verfolgung erfoddert? Luther briefe 2, 244; wo sie aber nicht ablassen, müssen wir gleich wol unser gebet nicht nachlassen, und dahin setzen und wagen, das sie unsers gebets geniessen. werke 4, 435ᵃ; wers glauben kündte, der were ein fett, sicher, seliges schafe dieses trewen hirten, der auch sein leben hat für seine schafe gesetzt. 8, 312ᵃ; wie Christus fur uns gestorben, also sind wir schuldig unser leben für unsere brüder zu setzen. briefe 5, 508;
wer darf
den jüngling schelten, der sein leben
für solchen kampfpreis freudig setzt!
Schiller Turandot 2, 4.
εε)
verwandte fügungen mit auf, in die sich aber zum theil die vorstellung des 'bauens auf etwas' (vgl. a, γ, νν) hineinmischt: (sie) setzens alles auff jre witz und macht, wie man für augen sihet, da stehet es denn auff dem rechten sande. Luther 5, 25ᵃ; viel auff eines freundes liebe setzen. Steinbach 2, 350;
denn wir all zwen von jugent auff
habens allweg gesetzt darauff,
dasz wir solche gschefft fingen an,
die unserm leib nicht sehr weh than.
Ayrer 243, 22 Keller;
ich setzt' mein sach auf kampf und krieg.
Göthe 1, 146;
so vielen
gebietest du! sie folgen deinen sternen,
und setzen, wie auf eine grosze nummer,
ihr alles auf dein einzig haupt.
Schiller Wallensteins tod 2, 3.
ζζ)
dasselbe gilt für wendungen wie hoffnung, vertrauen auf, in einen, etwas, älter auch an einen, zu einem setzen u. dgl.: mi eft te clevône gode guot ist, te setene an hêrrin tôhopa mîna. Heyne kl. altniederd. denkm. 39, ps. 72, 28; daʒ diû iro chint an got sezzen iro gidingi (vorlage: spem). Notker ps. 77, 7; obe du dîn gedinge anne mih sezzest. Williram 43, 15 Seemüller; nu spricht der maister des puochs ze latein, daʒ ich ze däutsch pring, .. man schüll sein hoffenung allein hinz got setzen. Megenberg 469, 16; die seczen ir gedinge an alde wibe, an zceiberin und an bose lumpnerin. quelle bei Dief.-Wülcker 853; wol dem, der seine hoffnung setzt auf den herrn. ps. 40, 5; das ist meine freude, das ich mich zu gott halte, und meine zuversicht setze auff den herrn. 73, 28; das sie setzten auff gott jre hoffnung. 78, 7; die leute, auff die du deinen trost setzest, werden dich betriegen. Obadja 7; die silber und gold samlen, darauff die menschen jr vertrawen setzen. Baruch 3, 17; wie schwerlich ists, das die, so jr vertrawen auff reichthum setzen, ins reich gottes komen. Marc. 10, 24; also haben sich auch vorzeiten die heiligen weiber geschmückt, die jre hoffnung auff gott satzten. 1 Petr. 3, 5; ich wil mein vertrawen auff jn (gott) setzen. Ebr. 2, 13; weil ich alleine dein gott bin, soltu zu mir alleine dein gantz zuversicht, vertrawen und glauben setzen, und auff niemand anders. Luther werke 4, 510ᵃ; all sein heil und trost auffs gelt setzen. Maaler 370ᶜ; all sein trost auf die flucht setzen. ebenda; auff einen sein hoffnung setzen und haben. ebenda; so sind doch andere, die weisz und vernünfftig seynd, und jhre hertzen unnd hoffnung in gott setzen. buch d. liebe 291ᵇ; (ich) habe niemand in Dreszden, zu dem ich eine grössere confidenz setze, als zu e. hoch. ed. excell. Schuppius 787; wann ... du von hertzen wünschest, was du alle nacht von gott bittest, auch zu mir als einem ehrlichen mann dein vertrawen setzen willst. Simpl. 1, 184, 30 Kurz; seine hoffnung, sein vertrauen auff jemand setzen. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 772ᶜ; seine hoffnung auf einen ungewissen ausgang künftiger zeiten setzen. Steinbach 2, 350; seine hoffnung auf etwas setzen. Frisch 2, 267ᶜ; ich hatte mein bestes vertrauen in diesen anschlag gesetzt. Schiller kab. u. liebe 3, 1; die alle hoffnung des lebens auf ihn gesetzt, ihm den flor ihrer jugend aufgeopfert hatte. Göthe 10, 142;
zu euch setz wir unser vertrauen.
Ayrer 244, 19 Keller.
als gegensatz dazu misztrauen, zweifel in einen, in etwas setzen: zumahl da er in die möglichkeit auch der unglaublichsten dinge keinen zweifel setzte. Wieland 11, 14; die voraussetzung eines sympathetischen gefühls, in dessen reinigkeit ihr bewusstsein sie kein misstrauen setzen liess. 28, 193; ich glaube gar, du setzest ein misztrauen in mich. Schiller räuber schauspiel 1, 2.
ηη)
in ähnlicher art mit andern bezeichnungen von gefühlen verbunden: sy hat ir liebe uf Rengnolden gesetzt. Morgant der riese 155, 26 Bachmann; darumm das ich min holdschafft uff üwere schwester gesetzt hab. 267, 29; das sage ich euch darumb, dasz ... so viel leute seynd, die sich nicht daran kehren, unnd mehr wollustes zu dem argen setzen, denn zu dem guten. buch der liebe 291ᵃ;
sie wil mich des ergetzen
mit jrer lieb und trew an mir,
die sie zu mir wil setzen.
Luther bei Wackernagel kirchenl. 3, 24ᵃ;
auff füllerey setz ich mein gir.
Schwartzenberg 134ᶜ.
auffällig mit dativ in dem adverbialen zusatz:
der ist kein trewer freund in allem glück zu schätzen,
der nur die lieb' unnd trew im sauffen pflegt zu setzen.
Rist poet. lustg. J 4.
θθ)
seinen sinn und gedanken auf etwas setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ; ähnlich: he satte sin sinne der na. kölnische quelle des 15. jahrhunderts in Frommanns zeitschrift 2, 452ᵃ; wann er hat kein hoffnung mer die zesächen, an die er all sin sinn und denck gesetzt hat. Morgant der riese 180, 28 Bachmann; mit inf. und zu, nd. to: so settede he synen syn to bedwingende. quelle bei Schiller - Lübben 4, 196ᵇ. sein herz auf etwas setzen: die jhr hertz auff rach setzen. buch der liebe 291ᵃ; zu einem: o liebe, du hast mich wol verrătten, daʒ ich min hertz zuo deren gesetzt hab, mit deren ich nŭt wănnen darf; wann wir sint nŭt einsz glaubens. Morgant d. riese 174, 27 Bachmann. seinen, den kopf auf etwas setzen, was man um jeden preis erreichen oder vertreten will, auch nd. Dähnert 422ᵇ. schweiz. auch ohne adverbialen zusatz de chopf seze, eigensinnig handeln Hunziker 240.
ιι)
seinen ruhm, seine ehre in etwas setzen. Adelung; ähnlich: Renault sezte seinen ehrgeiz darinn, alle anstalten so zu treffen, dasz die ausführung leicht und der erfolg unvermeidlich wäre. Schilier 4, 136. in gleichem sinn etwas darin setzen. Adelung.
κκ)
das höchste guͦt in frässen und trincken setzen. Maaler 370ᶜ; in gleicher verbindung auffällig mit dativ verbunden: so wie die zwo berühmten schulen der alten weltweisen, in einem der natur gemäszen leben, die stoiker in dem wohlstande, das höchste gut setzeten. Winckelmann 4, 151.
λλ)
in älterer sprache eine sache auf, an einen, zu einem setzen, ihm zur entscheidung übertragen, anheimstellen: daʒ wir allen den werren, der zuschen uns und unsern luten was zu Oppinheim an unsern herren den romeschen kunig Rudolven satzten. quelle von 1282 bei Haltaus 1684; sie haben ouch alle ire sache zu uns gesezt fon desselben gutes und hoves wegen an dem andern teil und des haben wir si entscheiden, als hiernoch geschriben stet. quelle bei Scherz-Oberlin 1492; sodanne saken hebben se up uns gesath. d. städtechron. 16, 508, 4 (Braunschweig, von 1455); die fünf, auf die der krieg gesatzt was, .. die erkanten auf iren aid, man solt dem hertzog kain gelt geben und solt sich der von Freiperg weren. 5, 3, 22 (Augsburg, 15. jahrh.); dieselben sach alle die sind gesetzt worden auf unsern herrn den cardinal und bischoff zu Augspurg, was der darumb spricht, darbei soll es beleiben und stett sein. 290, 5 (von 1462); sie, die dar legen, die weren des alle ein und wolden das uff den rath zu Halle setzen. Spittendorff 451, 19 von unten Opel; also ward diser krieg gesetzt an den bischoff von Bamberg und bischoff von Wirtzburg. d. städtechr. 23, 431 (Augsburg, 16. jh.);
daʒ ist alsô gescheiden
und gevestet mit eiden,
daʒ wir der rede lazten
unde beide an sie sazten
disen strît.
Heinrich v. d. Türlin krone 10944;
ebenso in bezug auf das verhältnis des menschen zu gott:
min genesen ich setzen sol,
min leben an den waren got.
Ludwigs kreuzfahrt 7771;
wer seine ding setzet allezeit zu gott,
seiner arme seel wird viel gut radt.
bergreihen 35, 4 neudruck.
auch mit pronominalem object: dise crone muͦs er (der kaiser) enpfohen zuͦ Rome von eime bobeste oder von dem an den es der bobest setzet. d. städtechr. 8, 407, 4 (Straszburg, Königshofen); und dat gefell underwylen, dat sie nicht overeindrogen in iren reden, so dat siet satten in twelve, die dat jair den radt hadden gekoren. quelle bei Schiller - Lübben 4, 198ᵇ; wie der baur in ängsten stehet, sagt die schlang, da du mir nicht glauben wilt, so wollen wirs auff die nächsten zwey setzen, die uns begegnen, was sie in dieser sachen sprechen, das soll uns beyden wol und wehe thun. Schuppius 836;
her kemmerer, dit settik an ju,
gy syt syn mâch, dit richtet nu.
Theophilus 1, 305 Hoffmann;
ir herren, hört auf und setzt es an die leut.
fastn. sp. 854, 15 Keller.
mit objectsatz: actor setzet auff uns, ob er dasz nit billich auff ein kundschafft ziehind soltind und biten uns, darumb zusprechen. quelle bei Haltaus 1684. mit verdeutlichendem zusatz: das die gebrechen, die wir zu unser gemeine unser stadt Halle hetten, uff unser lieben herren vater unde vetter zu rechtlichen austrage gesatzt und voranlast weren. Spittendorff 457, 2 Opel. ähnlich: und (wir) setzend das hin zuͦ uch (die schiedsleute) zum rechten. quelle von 1446 bei Tschudi 2, 479ᵇ. auch ohne beziehung auf eine person einfach eine sache, etwas zu recht setzen, richterlicher entscheidung anheimstellen: dieweil er der sach kantlich und nit lugenbar ist, so begehre er umb sollichen frevel das recht, und eines redlichen spruchs und setzt das zu recht. quelle von 1516 bei Haltaus 1685; es soll auch ainer die schäden sambt der hauptsach zu recht setzen und darnach sein schadenzetl glaubwiertig einlegen, die soll man rechtlich taxiern. Salzburger taidinge 231, 32 (von 1564); hiemit was also von beiden partyen zu recht gesetzt, ob die von Zürich schuldig werind gsin, ald noch schuldig sigind der manung und dem rechten, nach des punds wisung nachzegan oder nit. Tschudi 2, 479ᵇ. mit eigenartiger doppelfügung: das alles saczt er zum rechten und zu den werckleuten, die denn wol verstunden und westen, was solcher dinge recht were. Tucher baumeisterbuch 309, 27. in gleichem sinne: do de breve gheleszen weren, do zette Albert unde Beke in dat recht, wer (ob) se ok hebben scolen etc. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵇ; dat se dat an beident siden wolden up dat recht setten. d. städtechron. 7, 361, 6 (Magdeburg, von 1422). etwas in einsi willen setzen, arbitrio alicuius aliquid committere. Maaler 370ᶜ; unde sette dat in den willen des pawes. quelle bei Schiller - Lübben 4, 198ᵃ. in einsi gewalt setzen, einem übergäben. Maaler a. a. o. sinnlicher in gleicher bedeutung: er hat sein leben in seine hand gesetzt. 1 Sam. 19, 5. anders spruch, klag setzen zu einem, ihn gerichtlich belangen, arcessere, accusare. Aventin bei Schm.² 2, 345.
β)
im sinne von bestimmen, verordnen.
αα)
die entwicklung dieser gebrauchsart von der gewöhnlichen sinnlichen bedeutung aus (3, a) veranschaulichen wendungen wie grenzen, schranken setzen, die zunächst ganz sinnlich gemeint sind (vgl. a, γ, νν), dann aber freier verwendet werden: ich (gott) wil deine grentze setzen, das schilffmeer, und das philister meer. 2 Mos. 23, 31; da setzt er (gott) die grentzen der völcker. 5 Mos. 32, 8. die sache oder person, worauf sie sich beziehen, erscheint dabei im dativ: dieselben umstände, die ihn in den cynischen orden geworfen hatten, setzten seiner ausbildung .. enge grenzen. Wieland 28, 227; wir menschen haben den versprechungen heilsame schranken gesetzt. Gotter 3, 64; die liebreichen befehle des sterbenden .. setzten ihrem kindlichen schmerze wohlthätige schranken. Thümmel reise 8 (1803), 77; schon sind die grenzen überschritten, die dem verfasser dieser skitze gesetzt waren. Schiller 8, 414; doch konnt ich meiner neugier keine schranken setzen. Arnim schaub. 1, 293; ich werde ihm schon schranken zu setzen wissen; mit reflexivem dativ: so erhält auch die phantasie ihre vorige freiheit zurück, und setzt sich keine andere als freiwillige schranken. Schiller 6, 425. etwas zur grenze setzen: der herr hat den Jordan zur grentze gesetzt zwischen uns und euch kindern Ruben und Gad. Josua 22, 25.
ββ)
das gleiche gilt für die verbindung ein ziel setzen. Stieler 2039. Maaler 370ᶜ: er (der mensch) hat sein bestimpte zeit, .. du (gott) hast ein ziel gesetzt, das wird er nicht ubergehen. Hiob 14, 5; mit dativ: ah, das du (gott) mich in der helle verdecktest, und verbergest bis dein zorn sich lege, und setzest mir ein ziel, das du an mich denckest. 14, 13; ich werde seiner unverschämtheit ein ziel setzen; reflexiv:
der seltne mann will seltenes vertrauen,
gebt ihm den raum, das ziel wird er sich setzen.
Schiller Piccolomini 1, 4.
sich etwas zum endzweck oder ziel setzen. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 774ᵇ: die bürgerliche wohlfarth, die sich ein Markus Aurelius zum ziele setzt, wird unter einem Ludwig und August gelegentlich befördert. Schiller 7, 48. masz und ziel setzen. Steinbach 2, 350. auch blosz ein masz, in älterer sprache eine masze setzen, mit dativ: da er (gott) dem winde sein gewicht machete, und setzete dem wasser seine gewisse masse. Hiob 28, 25.
γγ)
eine zeyt setzen Maaler 370ᵈ, einen tag Steinbach 2, 350, eine stunde und ähnl.: uppe den gesetteden dach. quelle bei Schiller-Lübben 4, 197ᵃ; darumb, das er (gott) einen tag gesetzt hat, auf welchen er richten wil den kreis des erdboden. apostelgesch. 17, 31; einen tag zu was setzen, diem dicere operi Stieler 2039; ein gesetzter feyertag, festtag, festa commandata. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 774ᶜ; zu gesetzten stunden, a certe hore. ebenda; Schach - Gebal pflegte die bittschriften, die ihm ein dazu bestellter minister täglich zu einer gesetzten stunde vorlegen muszte, selten selbst anzusehen. Wieland 8, 326; diesen abend zur gesetzten stunde finden sie sich in dem vorzimmer des domherrn. Göthe 14, 157; als die gesetzte stunde da war, verstummte er plötzlich, und wurde starr. Schiller 4, 233; auch in bezug auf zeitdauer:
von diu sint si (böse menschen) gote leit,
unt kürzet in ir zît
daʒ der mensche ê tôt lît
ê er halbeʒ daʒ gelebe
daʒ im got gesatzter jâre gebe.
warnung 1744.
mit dativ der person: alzo wold ir jüncher Henrich den amptman zu Konigstein bieden, das er unsz eyn tage dar umb seczen wold. quelle von 1482 bei Dief.-Wülcker 853; kaiser Karl setzt in ainen tag gên Aibling zwischen Rosenhaim und Münichen, war damals das hofgericht und rentmeisterambt in obern Baiern. Aventin 2, 129, 17 Lexer; ich setzete jm ein bestimpte zeit. Nehem. 2, 6; ich will dir eine frist von drei tagen zur erfüllung deines versprechens setzen. reflexiv: sezzent iû uôbhaften dag (constituite diem festum). Notker ps. 117, 27. mit unpersönlichem dativ: der fehlschlag des komplotts von Amboise hatte den intriguen des prinzen von Conde keine zeit (keine frist, kein ende) setzen können. Schiller 9, 315; in besonderer fügung:
ja bitter ist doch vom geliebten.
jammervoll ist die scheidung, der keine stunde gesetzt ward
ach zu dem wiedersehn.
Klopstock 6, 219 (Mess. 19, 964).
δδ)
einem dinge seinen werth setzen, bestimmen. werth auf etwas, in etwas setzen, freier: schlieszlich baten sie, se. majestät möchte ihnen die ungeschmückte einfalt zu gute halten, weil leute ihrer art mehr werth darein setzen, gut zu handeln, als schön zu reden. Schiller 7, 126; so machte er (Herder) mich zuerst mit Hamann's schriften bekannt, auf die er einen sehr groszen werth setzte. Göthe 25, 307; je mehr werth man darauf setzt, dasz jeder die liebe des andern zu erhalten suche. Hugo naturrecht (1819) 332. den kauf setzen, den kaufpreis bestimmen, veraltet: auch sal durch den saltzgreven, die drie geswornen bornmeister und nuhen scheppen im tale der kauff des saltzes ... nach redelicher weisze gesatczt werden. Spittendorff 132, 10 von unten Opel. den preis setzen, statuire il prezzo, la tassa. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 773ᶜ; den preisz setzen, was jede waare kosten soll, sonderlich den lebens - mitteln. Frisch 1, 267ᵇ. Adelung. einen preis, eine prämie auf etwas setzen: ein preisz ist auf seinen kopf gesetzt. Schiller räuber schauspiel 1, 1. ebenso geld auf eines kopf setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 1 (1702), 772ᵇ. Frisch 2, 267ᶜ. Adelung. lohn setzen: so sol es (das fuder) dan der fuerman füern umb den gesatzten lon. tir. weisth. 4, 557, 22 (16. jh.). mit dat.: vordert er (der amtmann) aber ain auszwendigen (gerichtsmann), ist im sein lohn nit gesetzt. Salzburger taid. 79, 6 (17. jh.); der tugend ist ihr lohn schon gesetzet, virtuti praemia jam decreta sunt. Stieler 2039. einem etwas gewiszes zum lohn setzen. ebenda; zu lohne Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᶜ. als gegentheil etwar auf ein straaff setzen, pœna sancire aliquid Maaler 370ᵈ: es (das volk) ruhte auch nicht eher, als bisz ein edikt zu stande kam, welches auf jeden, heimlichen oder öffentlichen, versuch zum frieden die todesstrafe setzte. Schiller 9, 47. busze setzen, einem: sô satte im der meister buosse. Wackernagel altd. leseb.² 933, 38; aber weil du bist ein gott der gerechten, hastu die busse nicht gesetzt den gerechten, Abraham, Isaac und Jacob, welche nicht wider dich gesündiget haben. gebet Manasse 8; auff etwas: wil hers boben das nicht lassen, so lyde her dy busze, dy doruff gesaczt ist noch irre kore (nach ihrer wahl). Magdeb. fragen 1, 1, 6 Behrend. ähnlich: auf banditen - siege ist kein triumf gesezt — aber fluch, gefahr, tod, schande. Schiller räuber schauspiel 3, 2.
εε)
eine steuer setzen u. ähnl.: in der jarzal unsers herren in dem 1373 jar an dem nechsten samptztag vor unser frawen tag zuͦ liechtmess do komen rich und arm uff das dinkhus an dem raut und satzten ain ungelt. d. städtechron. 4, 31, 10 (Augsburg, von 1373); warumb hastu nicht acht auff die leviten, das sie einbringen, von Juda und Jerusalem die stewr, die Mose der knecht des herrn, gesetzt hat ..? 2 chron. 24, 6; auf einen: Menahem satzt ein geld in Israel auff die reichesten funffzig sekel silbers auff einen jglichen man. 2 kön. 15, 20.
ζζ)
recht setzen: unsern perchrichtern, vrönern und wechslern, gruebmaistern und andern erzleuten in der Chastün di recht geben und gesäczt haben. Salzburger taid. 199, 34 (von 1342); Constantinus de keiser unde Silvester de pawes setteden dat recht, dat men umme eigene schal nergen antwerden wenn in dem gerichte, dar ed lit, umm lehn vor dem lehnheren. d. städtechron. 7, 227, 17 (Magdeburg, von 1358); durch mich (gott) regiern die könige, und die ratherrn setzen das recht. sprüche Sal. 8, 15. mit dativ der person: einem ein recht setzen, constituere alicui jus. Frisch 2, 267ᶜ. ähnlich: eʒ habent auch gesetzet mein herren der rihter und die burger gemainclich ze ainem ewigen rehten. Nürnberger polizeiordnungen 15. verwandte fügungen: alle gebot von guten wercken, sind in der heiligen schrifft gnugsam gesetzt, das on not ist, einiges weiter zu setzen. Luther 5, 9ᵇ. gute gesetze und ordnungen setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᶜ;
die setzen wurden dô gelesen,
die man den kunic bat setzen.
Ottokar 12911 Seemüller;
ein solch urtail wil ich setzen.
fastn. sp. 712, 16 Keller;
nu setz auch reht di urtail dein.
785, 32.
ηη)
allgemein in solchem sinne: ich (gott) wil feindschafft setzen zwischen dir (der schlange) und dem weibe. 1 Mos. 3, 15; (ich, gott) wil eine erlösung setzen zwisschen meinem und deinem volck. 2 Mos. 8, 23; er stellet die priester in jrer ordenung zu jrem ampt, wie es David sein vater gesetzt hatte. 2 chron. 8, 14; nu aber acht ich nicht, das solches gesetzet und geordnet sey von groben heuchlern. Luther schriften 4, 1ᵇ; szo wisset yhr, wie des bapsts urteil pflegen zu wancken, heut setzt er etwas, morgen zustort er es widder. 7, 292, 14 Weim. ausgabe; was nun die menschen gesetzt haben, das will nicht passen, es mag recht oder unrecht seyn; was aber die götter setzen, das ist immer am platz, recht oder unrecht Göthe 23, 242;
was seine (gottes) weisheit setzet
und ordnet, das ergetzet
und ist sehr wohl gethan.
P. Gerhardt 196, 13 Gödeke;
wann er was setzt und sagt
klein, grosz, recht oder nicht, so musz man es vollbringen.
Opitz 1, 183;
gottes wort nicht dürffen lesen; dieser abbruch ist nicht klein.
alles thun was menschen setzen; wil ein starcker zusatz seyn.
Logau 2, 231, 132;
für gottes echo ist zu schätzen
was frome fürsten sagen, setzen.
3, 52, 74;
sinnlicher gewendet, mit auslassung des objects:
wann er (gott) setzt, so wirfst du üm.
P. Gerhardt 233, 33 Gödeke.
mit dativ der person: tvei svert lit got in ertrike to bescermene de kristenheit. deme pavese is gesat dat geistlike, deme keisere dat wertlike. Sachsensp. 1, 1, 1 Homeyer; so was daʒ geboten, daʒ er (der vom aussatz geheilte) sich aber ougti den êwarton, und er brehte daʒ opfer daʒ imo was gesezet. Wackernagel altd. lesebuch² 302, 36. mit zu und infinitiv: deheiner frouwen ist niht gesetzet niendert ze varne durch got, wan dâ sie ze naht wider hein mac komen. Berthold v. Regensburg 1, 356, 13; es ist gesatzt allen menschen einest zu sterben. Keisersberg trostsp. BB 11ᵇ; wie den menschen ist gesetzt, ein mal zu sterben. Ebr. 9, 27;
wie sehr er dem tode
desz, dem zu büszen gesetzt war, auch nachgesonnen.
Klopstock 4, 230 (Mess. 4, 682);
du brauchst viel trost des todes! denn Tabitha, zweymal
ist dir zu sterben gesetzt.
5, 341 (Mess. 15, 393);
schmach hat er selber geduldet,
hat gelitten, wie keinem von uns zu leiden gesetzt ist!
6, 198 (Mess. 19, 635).
mit abhängigem satz: darumbe sazten die heiligin pâbiste, daʒ an diseme tage gewîht wurdin manigiu dinc. specul. eccles. 56; keiner frouwen ist daʒ niht gesetzet, daʒ sie verrer var in gotesverten wan als vil daʒ sie über naht niht ûʒe sî. Berthold v. Regensburg 1, 563, 16; do satte keiser Hinrik dat de negende man ut den dorpen scholde in de stede teen. d. städtechron. 7, 43, 5 (Magdeburg, 14. jh.); da seczten unser hern vom rote, daʒ man daʒ korn nit hoher geben dorft dann ein sumer umb 10 [[undefined:poundsign]]. 2, 350, 13 (Nürnberg, 15. jh.); es ist wohl wahr, dasz der papst hat gesetzt, das dritte theil solchs opfers soll dem ordinario: ob er aber das macht hab zu setzen, las ich ihn verantworten. Luther br. 1, 382; man satzte niemand, was er trincken solt, denn der könig hatte allen vorstehern in seinem hause befolhen, das ein jglicher solt thun, wie es jm wolgefiel. Esther 1, 8;
sag, geliebter, du weiszt es vielleicht: wenn ist es dem mittler,
dasz er sterbe, gesetzt?
Klopstock 4, 180 (Mess. 9, 639).
in solcher fügung besonders häufig mit sinnverwandten ausdrücken verbunden, nachdrücklich, feierlich: und darumben setzen wir und wellen und schaffen auch, das unser landrichter .. anders nit richten soll dann umb todsleg, deuf und notzogen. Salzb. taid. 4, 5 (urk. bischof Pilgrams von Salzburg von 1387); (wir) haben dardurch und von sundern gnaden als römischer kaiser und landsfurst in Steir dieselbigen brief bestättiget und confirmiret, bestättigen auch und confirmiren wissenlich in craft des briefs, mainen, sezen und wellen, das di nu hinfurpas in allen iren stucken, puncten und articln bei creften beleiben. steir. u. kärnt. taid. 64, 4 (urkunde kaiser Friedrichs III. von 1455); wir setzen und gebieten, das in den städten und vorstädten, in deutschen dörfern, höfen, krügen, in kindelbieren kein Preuss zu einem regiment gesetzt sol werden. Waisselius chron. (1599) 105; (wir) confirmiern, bestöttigen, verwilligen und geben auch solliches zue alsz regierunder herr und lantsfürst hiemit wisentlich in crafft dits briefs und mainen, sezen und wöllen, dasz obgemelte burger und ihre nachkumben zu Gleystorff ihren wochenmarkt hinfür wie noch biszhero desz ertags in der wochen .. anrichten und halten. steir. u. kärnt. taid. 219, 5 (urk. herzogs Ferdinand von Östreich von 1611); wir setzen und wollen, dasz etc. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 773ᶜ;
der (kaiser Friedrich) sazte an der stet
und gebôt daʒ,
daʒ daʒ reht fürbaʒ
stæte solt belîben.
Ottokar 12176 Seemüller.
θθ)
mit prädicativem zusatz, etwas frei setzen, als frei bestimmen, erlauben: was aber gott frey setzt, und nicht verbeut, das sollen alle engel und alle creaturen nicht binden noch verbieten, bey verlust der seligkeit. Luther br. 2, 351. mit auslassung des objects: ursach ist die, dasz (es) gott frey gesetzt hat, und nicht verbotten. ebenda.
ιι)
für sich setzen, constituere Maaler 370ᵈ; dasz sie ja bey leib und leben fur sich setzen und beschlieszen, dasz sie der stuck keines bewilligen odder annehmen wollen, so ihn herzog George auflegt. Luther briefe 3, 269. eigenthümlich mit dativ der person: der kaiser sezt künig Herodes ein tag für sich gein Rom. Aventin 1, 763, 14 Lexer.
κκ)
auch ohne zusatz im sinne von wollen, sich vornehmen: dô der engel saste her wolde gote glîch sîn, dô wart her ein tûvel. mystiker 238, 20.
λλ)
bestimmen, vermachen: diz köstlich tuch hat dir din vatter gesetzt, do im sein seel von seinem leib schiede. quelle bei Scherz-Oberlin 1492; ich setzen miner dochter myn ruglachen. quelle von 1380 bei Dief.-Wülcker 853.
γ)
im anschlusz an β, δδ schätzen, den preis eines gegenstandes bestimmen: so mogen und sullen die ratmanne wyn, mete, bier unde ander spisekouff noch der czit mit der wiczigisten rate wol seczen. Magdeburger fragen 1, 1, 7 Behrend; sie wolten, das der rath mitsampt den meistern das saltz zu setzen solten mit zu thun haben mit den pornmeistern. Spittendorff 2, 11 Opél; (sie) geben vor, die ihren wollen, das der rath .. das saltz setzen sollen. 49, anmerkung; man soll auch zu Seekhürchen und zu Henndorf wein, prodt und fleisch seczen. Salzburger taid. 22, 18 (von 1625); einem wirt das bier, den wein setzen, bestimmen, wie hoch er sie verkaufen darf. Schm.² 2, 342. mit adverbialen zusätzen: so wor twe en erve tho semene hebbet unde nicht over en dreghet .. so wilc erer van den anderen wil, dhe mach dhat erve setten umme penninge. quelle bei Schiller-Lübben 4, 197ᵇ; als sich der krieg erhub, da seczet man daʒ korn und habern 1 sümer umb 10 [[undefined:poundsign]]. d. städtechron. 2, 300, 12 (Nürnberg, 15. jahrh.); das stucke saltz wardt gesatzt uff 11 schwerdtgroschen. Spittendorff 26, 15 Opel. auch freier in bezug auf schätzung, wertbestimmung, so allein in neuerer schriftsprache: ein kunstwerk dem andern gleich setzen; aber kaum noch in einer verbindung gleich der folgenden:
ist doch für allen schätzen
die wahre gottesfurcht absonderlich zu setzen.
Rist Parnasz 12.
δ)
sein meinung setzen oder stellen, sententiam suam ponere. Maaler 370ᶜ; eine lehre, eine meinung setzen, statuire, stabilire. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 773ᶜ. etwas setzen, als wahr, richtig, vorhanden annehmen:
(ich) frasz fast vor begier, was Wolff und Leibnitz setzen,
bey welchen ich den kern der frommen weiszheit fand.
Günther 701;
(sie) wollen der schrifft meister sein, und verstehen nicht was sie sagen, oder was sie setzen. 1 Timoth. 1, 7; wir können also drey verschiedene style der hetrurischen kunst, wie bey den Ägyptern, setzen. Winckelmann 3, 213; lassen sie uns das schlimmste setzen! Lessing 1, 578. einen fall setzen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 773ᶜ. Frisch 2, 267ᶜ: setze den fall, dasz du der seyst. Steinbach 2, 350; setze den fall, ich wäre furchtsam. ebenda; aber diess weiss Eblis nicht — denn woher sollt' er es wissen können? — dass der fall, den er setzt, gar nicht möglich ist. Wieland 7, 36. absolut den fall gesetzt:
den fall gesetzt! wie willst du dich betragen?
Wieland 10, 266.
ebenso gesetzten falls: wie würdest du dich gesetzten falls betragen? gesetzterweis(e): wenn mir nun ein gast kommt, gesetzterweis, und will eine halbe oder einen schoppen und ich habe keinen, sondern nur eine maas und zehn gläser. wie dann? Hebel 2, 221. als gegensatz dazu bietet Stieler das heute ungebräuchliche ungesetzten falls, in casum negatum. 2039. setzen in gleichem sinne mit abhängigem satz: setz und lasz also seyn, das er überwunden seye. Maaler 370ᵇ; ich setze ein regiment habe fünffzehen fähnlein. Kirchhof mil. discipl. 152; last uns setzen, jhr wäret ein reicher mann. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 773ᶜ; nun setzen sie — und für diese berechnung kann ich allenfalls stehen, — dasz ein neuntheil davon (der sinngedichte Logaus) vortreflich, ein neuntheil gut, und noch ein neuntheil erträglich ist. Lessing 6, 78; setzen wir immer, dass es so gewesen sey. Wieland 7, 262; wir wollen einmahl setzen, donna Felicia hätte die nachsicht ihres bruders nicht für sich selbst nöthig gehabt. 12, 59; setzen sie, dasz die kreatur des gauklers, die den geist machte, scharfsinn und besonnenheit besasz. Schiller 4, 253; setzen sie, er habe einige erkundigungen einzuziehen gehabt. 255; ich will setzen, ich oder der leser hätten sie geheirathet. J. Paul uns. loge 1, 73;
zwar desz glückes milder regen
hat dir deine hand erfüllt.
doch ich setze, solcher segen
fehlte dir, o tugendbild,
dein gesicht und frommes blut
were schon dein heyrath-gut.
Tscherning (1642) 235;
auch setz ich dasz ein weib geübt in solchen sachen (in der poesie)
(wie etwan müglich ist) was trefflichs könte machen,
woher die liebe zeit.
Rachel 97;
nun setzet, dasz auf diesem fusz,
wiewohl im wahne bloss, ein waldheimsbürger lebe.
Wieland 9, 254.
absolut: zu setzen, wenn wir gleich alle diese heimliche gerichte gottes wüszten, was nutzes und frommens brächte es uns mehr uber gottes gebot und verheiszung? Luther tischr. 2, 162. häufiger und bis heute allgemein üblich gesetzt: gesetzt, wir scharren nicht alles zusammen, so sterben wir doch nicht hungers. Weise kl. leute 226; gesetzt, es sey also. Stieler 2039; gesetzt, sie sey schön und reich. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 775ᵃ; gesetzt aber, dasz er wirklich eine sphärische fläche gehabt hätte, dieser smaragd des Nero; gesetzt, dasz er dem Nero wirklich die dienste eines sphärischen augenglases gethan hätte ...; das alles, sage ich, gesetzt: so kann ich von einer andern seite, gerade das gegentheil von der vermuthung des Vettori beweisen. Lessing 8, 146;
gesetzt, du hättest beszre sitten,
so ist der vorzug doch nicht dein.
Gellert bei Adelung;
und wenn ich's
gethan? ich hab es nicht gethan — jedoch
gesetzt, ich that's.
Schiller M. Stuart 1, 7.
gesetzt, aber nicht eingereumet. Stieler 2039. in gleichem sinne mit hübschem, heute leider vergessenen wortspiel gesetzt, aber nicht gestanden. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 775ᵃ; 'nun gesetzt, aber nicht gestanden', sagte der secretarius, 'dasz die kinder ihrer eltern ehren-titul nicht allweg erben sollen, so must du doch gestehen und mir unfehlbarlich zugeben, dasz die jenige alles lobs werth seyn, die sich selbst durch wolverhalten edel machen'. Simpl. 1, 146, 31 Kurz. als philosophischer begriff, bejahend denken: die form der verknüpfung in den hypothetischen urtheilen ist zwiefach: die setzende (modus ponens) oder die aufhebende (modus tollens). Kant 1, 437; wenn ihr auch alles setzen, (unbestimmt was ihr setzt,) realität nennt, so habt ihr das ding schon mit allen seinen prädicaten im begriffe des subjects gesetzt und als wirklich angenommen und im prädicate wiederholt ihr es nur. 2, 460; diese prädicate sind beziehungsweise auf dieses subject gesetzt, allein das ding selber sammt allen prädicaten ist schlechthin gesetzt. 6, 24;
ich bin ich, und setze mich selbst, und setz ich mich selber
als nicht gesetzt, nun gut! setz ich ein nicht ich dazu.
Schiller 11, 147.
spottende zusammenfassung der fundamentalsätze der philosophie Fichtes, also auch reflexiv, vgl.: das ich ist das sich selbst setzende. Fichte philos. journal 7, 4.
ε)
in bezug auf die fügung von worten, die zusammenstellung von gedanken und thatsachen in worten: ein red wol setzen oder stellen, in ein rächte gstalt und ordnung bringen. Maaler 370ᵇ; seine ursachen nach ordnung setzen und erzellen. 370ᶜ; Alcibiades überlässt es einem Antifon, sich mit ausfeilung einer künstlich gesetzten rede zu bemühen. Wieland 1, 171; ohngeachtet ich ihnen durch meinen ungeheuer langen brief gelegenheit zu einer recht wohl gesetzten antwort gab. herzog Karl August in Mercks briefs. 2, 209; wie schön er seine worte zu setzen wuszte. Schiller 9, 189;
so machet nu, o süsse schar (der Musen),
jetz ewre zusag mit mir wahr,
und helfet meine wort recht setzen,
dasz sie die götter selbs ergötzen.
Weckherlin 373;
ihr
setzt eure worte sehr — sehr gut — sehr spitz.
Lessing 2, 248;
räthsel haben ihr
beliebt! drei zierlich wohlgesetzte fragen!
Schiller Turandot 2, 1.
prägnant seine worte setzen können, zu setzen wissen, wol zu setzen wissen:
ich merke schon, ihr seid ein mann,
der seine worte setzen kann.
Ludwig 3 (1891), 650.
anders die rede setzen, affectiert sprechen. Schm.² 2, 342. wie verfassen: meyster Franco, de vele behender ghedichte gesettet heft. quelle bei Schiller-Lübben 4, 196ᵇ; mein vater hat es (ein lied, das der sprecher hergesagt hat) gesetzt. Brentano 4, 19 (in alterthümlicher sprache):
Marten, myn man unde yuwe oem,
de nu up ghetogen is na Roem,
de leerde my eyns eyn ghebeth,
dat de abbet van Slukup heft gheseth.
Reinke de Vos 6168 Prien,
eine stelle, die Göthe so überträgt:
es lehrte mein mann, der jetzo nach Rom ist,
euer oheim, mich einst ein gebet: es hatte dasselbe
abt von Schluckauf gesetzt.
40, 207.
eine matery in verse setzen, componere una materia in versi, in poesia. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᶜ; ähnlich, in bezug auf übertragung: hätte man die Nibelungen gleich in tüchtige prosa gesetzt und sie zu einem volksbuche gestempelt, so wäre viel gewonnen worden. Göthe 6, 237. mit bezeichnung der sprache, in der etwas verfaszt wird, wo aber wol nur dativ bei in stehen kann:
und dann die bücher auch so nachmahls noch dabey
in griechisch worden sind gesetzt durch andre drey.
Opitz 4, 358.
ζ)
von musikalischer composition: etwas in die noten, musik setzen, metter, componer qualche testo in musica, metterlo à ragione del contrapunto. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᶜ, ein lied in die noten setzen, notis musicis concipere hymnum. Frisch 2, 267ᶜ, in noten setzen, es componieren. Adelung, in musik setzen: ein meister sezte die arien die darinn (in den 'räubern') vorkommen in musik. Schiller 2, 205. etwas in die tabulatur setzen, mettere un' aria in tavolatura. Kramer a. a. o. ähnlich: ich seze die geschichte deines grams auf die laute. Schiller kabale u. liebe 5, 1. etwas für mehrere stimmen, für eine bestimmte stimmlage, für bestimmte instrumente, für orchester setzen. auch ohne nähere bestimmung in solchem sinne:
wo am offnen clavier ein lied, vom vater gedichtet,
und vom bruder gesetzt, wîrd von der tochter gespielt.
Rückert ges. ged. 2, 283.
η)
freierer an 1, a, α anknüpfender gebrauch in bestimmten örtlich gefaszten adverbialen wendungen.
αα)
auf seite, an die seite setzen, mettere da banda, da parte. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 772ᶜ, bei seite: daselbst ward ein grosz fest angestellet, und muste jederman frölich sein, und alle kriegesgedanken an die seyte setzen. Micrälius altes Pommern 1, 22; alle arbeit auf seite setzen. Kramer a. a. o.; setze den schertz bey seite, jocus absit. Steinbach 2, 351; wenn ich mit vorurtheilen für mein amt eingenommen wäre, herr major, so würde ich böse werden. so aber wollen wir alles das bei seite setzen. Lenz 1, 266;
doch ich setz' es an die seiten,
was mich nun betrübet macht.
Neumark lustwäldchen 101.
vgl. auch seite oben sp. 388. gleichbedeutend, in kräftigerem bilde: darauff hat sich ain rat underredt und alle erkandtnus in guͦttem zuͦ erkennen und bedincken hinder die dhir gesetzt. d. städtechron. 23, 243, 7 (Augsburg, 1529). in gleichem sinne auch aus den augen setzen. Adelung: bey dem religionsfrieden setzte man diesen grundsatz nicht aus den augen. Schiller 8, 17;
man gibt mir ferner schuld, daz ich der götter ehr
als aus den augen setz'.
A. Gryphius (1698) 1, 376.
veraltet mit dativ der person: ich sehe wol, das es wil not sein, das man jmer anhalte, euch zuvermanen, des, das ich euch erstlich geprediget habe, das jr euch nicht lasset dasselbe aus den augen setzen, noch aus dem hertzen nemen, durch ander predigt, und lere. Luther 6, 211ᵃ;
wie seelig, seelig ist ein sterblicher zu schätzen,
dem gott den sünden-rest fern aus den augen setzen,
ja gäntzlich schencken kan.
Fleming 17.
als gegensatz wol einem etwas vor augen setzen, zur beachtung empfehlen, lieber stellen, halten.
ββ)
einem, sich etwas (eine vorstellung, ein vorhaben) in den kopf setzen. Adelung: ich weisz nicht, wer ihr den wunderlichen gedanken von der freyheit in den kopf gesetzt hat. Gellert bei Adelung; sie schlieszen, so zu sagen, die augen bei demjenigen zu, was dem satze, den sie sich in den kopf gesetzt haben, zu widerstreiten scheinet. Kant 8, 76;
was
die in den kopf sich setzt, das musz geschehn!
Schiller Turandol 4, 7;
was sie dem bengel alles in den kopf
doch setzen!
Tieck 1, 267.
ähnlich: du solt in din hercz seczen, das du alle zitt das guott wollest thuon und das arg myden. heil. Willehalm 198, 4 Bachmann-Singer (litt. verein 185); ich .. han das in myn hercz geseczt, das ich die zitt, die ich noch vor mir han, mit got wyl vertriben und mich der welt will abthuon. 235, 17; ich setze dirs auf dein gewissen, religione te obstringo. Dentzler 2, 135ᵃ; ich will dir eine erinnerung in die seele setzen, die dir stets Guido zurufen soll. Leisewitz Julius von Tarent 3, 4. diese fügungen erscheinen uns fremdartig; üblich ist dagegen heute für in den kopf setzen auch in den sinn setzen. in älterer sprache in gleicher anwendung in sich setzen: do Adâm und Êvâ in sich satzten daʒ obiʒ zu eʒʒene, dô vîlen si in sunde. mystiker 1, 238, 22; so han ich aber gancz in mich geseczt, das ich kein harnest niemer me wolt an legen, uncz dich gott entpundy. heil. Willehalm 187, 13 Bachmann - Singer (litt. verein 185). in entgegengesetztem sinne:
ach gott, ich lig hie vergebens
und hab all hoffnung meines lebens
mir gäntzlich ausz dem sinn gesetzt.
Ayrer 897, 32 Keller.
ähnlich: dann sprache er, welcher seine gedancken ausserhalb seiner selbsten setzet (nicht an sich denkt, sondern an andere und anderes), der kan sein weg nicht wol finden. Schuppius 758.
θ)
vom versetzen in einen zustand, ein verhältnis.
αα)
ein land unter wasser setzen, überschwemmen. Adelung, wo eigentlich keine ortsveränderung des durch das object bezeichneten statt hat: die schnelligkeit, mit der er sie überfiel, liesz den belagerten keine zeit, ihre schleusen zu eröffnen und das land umher unter wasser zu setzen. Schiller 9, 36; das feld, welches man unter wasser setzen wollte, war ein groszer strich waideland. 39. ähnlich: diese worte setzten meine augen ins wasser, wie hiebevor des feindes erfindung die stadt Villingen. Simplic. 1, 42, 16 Kurz; nun hab ich veranstaltet, dasz wir auf jedem thor wenigstens sechs kreaturen unter der wache haben, die genug sind, die andern zu beschwäzen und ihre fünf sinne unter wein zu setzen. Schiller Fiesko 3, 4. scherzhaft auf personen übertragen (vgl. 1): die Valentinessin macht den eindruck eines über seine ufer getretnen stromes. es ist ein glück für die Morzenschmiedin, dasz jene nicht auf dem ledersofa neben ihr platz genommen hat, sie wäre rettunglos unter fleisch gesetzt worden. Ludwig 2 (1891), 41.
ββ)
eine stadt, ein dorf etc. in feuer setzen, incendiarla Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ, in flammen Campe, in brand, so meist heute in eigentlichem sinne: das .. unser Rozrazewskisches regiment .. den befésteten óhrt Tryllize, mit śturm dem feinde abgenommen, in brand gesäzt, und wás bewéhrt darinnen ángetroffen worden, nídergemacht. Butschky kanzl. 182; der palast wurde geplündert und in flammen gesetzt. Wieland 7, 116;
theils häuser warff er ein, ein theil satzt er in brandt.
Dietrich v. d. Werder Ariost 29, 9, 7;
Troja setzte sie (Helena) in brand.
Schiller 6, 374.
veraltet mit artikel:
da kam mir Hector für; doch nicht so von geberden
wie der Argiver blut sein scharffes schwerdt genetzt,
und er die Griechen schiff hat in den brand gesetzt.
Opitz 1, 224, 532;
alles inselt von dem vieh das jhr (Schweden) raubtet durch das land,
asche vom gesammten ort, den jhr setztet in den brand,
gebe seiffe nicht genug: auch die Oder reichte nicht
abzuwaschen jnnren fleck, drüber das gewissen richt.
Logau 2, 86, 38.
über den übertragenen gebrauch von personen s. 1, b, ι, νν.
γγ)
bergmännisch grubenbaue in mauerung, zimmerung, in holz setzen, durch ausmauern, auszimmern schützen, sichern. Veith 337. 592.
δδ)
ein ding in vorigen stand setzen Steinbach 2, 351, eine sache Adelung, in besseren stand: auf den antrieb des bürgermeisters .. hatte man noch vor ankunft der Spanier die vestungswerke an beyden ufern der Schelde in bessern stand gesetzt. Schiller 9, 40. auch einfach in stand setzen, in guten stand, zustand bringen: die schanzen wurden in stand gesetzt.
εε)
eine sache auf einen guten, gesetzmäszigen u. ä. fusz setzen, in einen guten, gesetzmäszigen u. ä. zustand bringen, eine fügung, in der fusz nur im sinne von 'zustand' oder 'masz' aufgefaszt werden kann. vgl. oben fusz 16, β theil 4, 1, 1, 1007.
ζζ)
auf die probe setzen: gold, silber etc., einer prüfung auf ihren gehalt unterziehen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 772ᶜ. übertragen: verzeih, dasz ich es wagte, deine liebe auf diese harte probe zu setzen. Schiller räuber 1, 3 schauspiel;
der fürst kann meine treu
auf jede probe setzen.
Piccolom. 4, 4.
mit unpersönlichem subject: der wein, sagt Petrarcha, macht di freundschaft, und das weinen säzt si auf di probe. Butschky kanzl. 80. über den übertragenen gebrauch von personen s. 1, b, ι, εε.
ηη)
veraltet zu ehren setzen: die ein böses gewissen haben, und sich unterstehen jr untugent und bubenstück mir auffzudringen, und durch mein unehre und schande, die sie mir zumessen, jre unart und teufels tück beschönen und zu ehren setzen. Luther 1, 56ᵇ. in entgegengesetztem sinne zu schanden setzen: was daran verschuldet, ist nit mein, sondern Eccii schuld, wilcher einer sach sich unterwunden, der er nit manns gnug gewesen, durch sein ehr suchen, die romische laster in alle welt zu schanden gesetzet hat. briefe 1, 512. ähnlich: ey, wie fein werden wir denn die Manicheer wider auffrichten, und die gantz schrifft den ketzern in ein spot setzen. werke 2, 155ᵃ;
ich satzt in ein nicht achten
mein ehre, leben, schimpff, und mancherley gefahr.
Dietrich v. d. Werder 5, 8, 6.
θθ)
ein sach in zweyspalt setzen. Maaler 370ᶜ, in ein zweyfel setzen, etwar an zweyfeln. ebenda, und so bis heute: fur mich setze ichs in keinen zweifel, es sei e. f. g. ganz leid, wo man gottes wort und seine diener unwerth hält. Luther briefe 4, 317; (ich) setze es auch in keinen zweiffel, sondern bins gantz gewisz, dasz ich von wegen seiner (Christi) gerechtigkeit vom ewigen todt erlediget, und zum ewigen leben erhalten werde. Gretter erklärung der epistel Pauli an die Römer (1566) 648; heute in der negation lieber: etwas nicht in zweifel setzen. als gegensatz auszer zweifel setzen: ich werde jetzo einen beweis geben, der die meinung der Cartesianer auszer zweifel setzen wird. Kant 8, 48; zweihundert, welche die Engländer lebendig in die hände bekamen, schickten sie ihrer königinn nach London, ihren antheil an dem siege dadurch auszer zweifel zu setzen. Schiller 9, 6. auf zweifel setzen, anders: sie saget (Eva zu der schlange), ob wir dieser frucht essen, möchten wir vielleicht darumb sterben, unnd setzt also jhre antwort auff zweiffel (drückte sich zweifelhaft aus). buch der liebe 291ᵈ.
ιι)
in gefahr setzen: sein läben in gfar setzen zuͦ schutz unnd schirm seines vatterlands. Maaler 371ᵃ; dieser mann brachte mir brod und wasser, und entdekte mir, wie ich zum tod des hungers verurtheilt gewesen, und wie er sein leben in gefahr seze, wenn es herauskäm, dasz er mich speise. Schiller räuber schausp. 4, 5; wird Iphigenie es nicht mit ihrem leben bezahlen müssen? sie ist groszmüthig genug, das letzte in gefahr zu setzen, wenn Orest nur gerettet wird. schriften 6, 252.
κκ)
veraltet zufrieden, in (den) vrieden setzen: unde satte dat orloghe in den vrede. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵇ; wurumme de ghemeyne rad beschededen eynen benomliken dach, up den se alle tosamende komen wolden in der koken unde dar, alse se meneden, mit gudem berade desse sake endighen unde to frede setten. d. städtechr. 16, 515, 17 (Braunschweig, von 1446); das er .. setze sein hertz zu frid an gots wort. Luther 20, 232, 16 Weim. ausgabe; die .. lieber bey jhren allerliebsten jungfrauwen gewesen weren, aber wol gedencken kundten, dasz es nit wol geschehen möchte, darumb jhre hertzen zum theil in frieden setzeten, nach dem nachtjmbisz mit einander zu bett giengen. buch d. liebe 242ᵇ. in gleichem sinne erscheint auch setzen ohne solche zusätze. mnd. ene sake, klage setten unde, ofte sonen: ofte dhat dhe claghe set unde sonet is mit dhes voghedes unde mit dhes rades willen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 197ᵃ; alle sake, de setted unde sonet syn, ere dat dit rechtebok ghesettet unde gemaket is, de scholen settet unde sonet bliven. quelle ebenda; ofte dat de claghe geset ofte gesonet si. quelle a. a. o. 197ᵇ. setzen und stillen: er (David) wandelte nicht in grossen dingen, die ihm zu hoch; sondern sätzte und stillete seine sele, damit sie nicht würde entwehnet. Butschky Pathmos 778.
λλ)
in zusammenhang setzen: da in der stadt Gent die erzeugnisze von ganz Flandern zusammenflossen, so setzte dieser kanal das spanische lager mit der ganzen provinz in zusammenhang. Schiller 9, 45. in beziehung setzen. in einklang setzen. in gegensatz, contrast setzen: dazu wird nun freylich etwas mehr erfodert, als blosz die dürftige geschicklichkeit, die natur mit der kunst in contrast zu setzen, die oft das ganze talent der idyllendichter ist. Schiller 10, 255.
μμ)
in gebrauch, in übung setzen:
von den ränken,
den lügenkünsten hast du keine ahnung,
die man in übung setzte, meuterey
im lager auszusäen.
Schiller Piccol. 5, 1.
als gegensatz auszer gebrauch setzen, ähnlich, veraltet: wie der euphemismus die wörter, die er mit sanftern vertauscht, darum nicht aus der sprache verbannet, nicht schlechterdings aus allem gebrauche setzt. Lessing 8, 250. in vergessenheit setzen: zudéhm, so ist dí person, üm deren willen es geschíhet, alzuwürdig, solches auch ewig in keine vergessenheit zu säzzen. Butschky kanzl. 864.
νν)
in bewegung setzen, sinnlich: es ist nicht anders, als wenn er tausend augen hätte, tausend hände in bewegung setzen könnte. Schiller 4, 274. unsinnlich: nichts wird seine ambizion in bewegung sezen, als was gros ist und abenteuerlich. kab. u. liebe 3, 1. in schwung setzen, sinnlich: nur so viele theile der lichtmaterie, als sie unmittelbar berührte, sezte die brennende kerze in schwung. schriften 4, 297. unsinnlich etwa in wendungen wie: das setzte seine phantasie in schwung. in umlauf setzen, ein rad, eine petition.
ξξ)
ein vorhaben ins werck setzen, ausführen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ. Frisch 2, 267ᶜ. Adelung: jzt verband sich ein flüchtiger edler Böhme mit ihm .., dessen unglückliche liebesgeschichte die schlafende erinnerung der seinigen wieder aufweckte, und ihn zu dem entschlusz bewog, vaterland und geliebte wieder zu sehen, welchen er auch schleunig ins werk sezte. Schiller 2, 356. veraltet: etwas groszes zu wercke setzen, rem magnam conficere. Steinbach 2, 351.
οο)
etwas ins geld setzen, zu gelde machen, verkaufen. Adelung: der alte meister hatte gleich nach dem tode seines vaters eine kostbare sammlung von gemählden, zeichnungen, kupferstichen und antiquitäten in's geld gesetzt. Göthe 18, 56.
ππ)
sonst auch wie 'verwandeln':
das sich bückt
für einer dame der, auff den, wann er nur blickt,
sonst tausend cavalliers genaues mercken geben
und setzen wann er wil, in tod jhr frisches leben.
Logau 2, 14;
nachdem der nächte schatten
die schönheit der natur fast in ihr erstes nichts,
so lang die nacht gewährt, gesetzet hatten.
Brockes 1 (1739), 145.
4)
selten bei unpersönlichem subject.
a)
von thieren in besonderem sinne. eier setzen, legen, in älterer sprache: diu henn arbait vast in dem airsetzen und singet doch nâch der gepurt. Megenberg 194, 1. von säugethieren: gebären, besonders weidmännisch, von rehen, hasen. öcon. lex. (1744) 2722. Eggers kriegslex. 2 (1757), 903. Jacobsson 4, 148ᵃ, von sauen Döbel jägerpr. 1, 25ᵃ und von anderm wild. Kehrein weidmannsspr. 272: der hirz setzt underweil ein paar mit einander. Eppendorff Plin. 65; das thier (die hirschkuh) setzet das kalb, und nicht: es kalbet. Döbel jägerpr. 1, 18ᵇ; es (das thier, die hirschkuh) setzt ein, selten zwei und noch seltener drei kälber. Thüngen weidmanns pract. 9; passivisch: die jungen hasen werden gesetzt im ende des martii oder aprilis. Tänzer jagdgeheimnis 123. mit auslassung des objects: wann dieses wild setzen wil. Eppendorff Plin. 65; diejenige häsin, die so zeitig setzet, die thut es um Jacobi im julio wieder. Tänzer jagdgeheimnis 123; dasz ein (dam-)thier gesetzt hat kann man daran bemerken, wenn es dreister als sonsten ist. Heppe jagdlust (1783) 1, 167; die häsin hatte im laufen gesetzt. Münchhausens reisen 42; das schaaf, die kuh hat gesetzet. Hupel 217; seine eselin hatte gesetzt. Seume 3 (1826), 26; euer zahn .. ist so hohl, dasz eine häsin d'rin setzen könnte. Hebel 2, 225;
yglein, er setzt jährlich so fromm;
sie müssen selbst sich ernähren.
wunderhorn 2, 305 Boxberger.
übertragen: warum muszte sie (die natur) mir diese bürde von häszlichkeit aufladen? gerade mir? nicht anders als ob sie bey meiner geburt einen rest gesezt hätte. Schiller räuber schausp. 1, 1. redensart: sie setzt's na (hin), wie d' katz die jungen, von einer sehr leichten entbindung (Nürtingen). Wander 4, 546, 40.
b)
bäume, sträucher setzen knospen. ähnlich, mit auslassung des objects: de rogge het noch nich esettet, frucht angesetzt. Schambach 191ᵃ.
c)
etwas setzt einen in verwunderung, schrecken u. ähnl. vgl. 1, b, ι, νν. sonst auch in einzelnen wendungen mit sächlichem subject. vgl. 3, b, θ.
d)
über das setzt, es setzt mit acc. vgl. D.
B.
reflexiv.
1)
von personen.
a)
der engeren, gewöhnlichen bedeutung von sitzen gemäsz: setze dich, und iss von meinem wildbret. 1 Mos. 27, 19; des andern morgens satzt sich Mose, das volck zu richten, und das volck stund umb Mose her. 2 Mos. 18, 13; darnach satzt sich das volck zu essen und zu trincken, und stunden auff zu spielen. 32, 6; sie satzten sich und assen beide mit ein ander und truncken. richter 19, 6; setze dich und liese, das wirs hören. Jer. 36, 15; solchs sahe ich, bis das stüele gesetzt wurden, und der alte setzet sich. Dan. 7, 9; da er (Christus) aber das volck sahe, gieng er auff einen berg, und satzte sich, und seine jünger tratten zu jm. Matth. 5, 1; der herr setz sich. Garg. 44ᵇ; setze dich, ich musz dir noch etwas sagen. Schuppius 225; setzet euch! Kramer deutsch-ital. diction. 2 (1702), 774ᵃ; setzen sie sich. Adelung. mit localen zusätzen: kom und setze dich etwa hie oder da her. Ruth 4, 1; er ... setzet sich unter eine wacholdern. 1 kön. 19, 4; setze dich in den staub, setze dich auff die erde. Jes. 47, 1; da nun Thermutis auff ein höhe desz bergs kommen war, satzte er sich auff einen stein zu ruhen. buch d. l. 188ᶜ; (der könig von Ninive) satzte sich in die aschen. Schuppius 183; ich satzte mich in einen winkel. pers. rosenth. 5, 10; sich in den koth, in den schatten, in das wasser, in die thüre, an das fenster, an, hinter den ofen, an das feuer setzen. Adelung;
(sie) setzten sich auf immergrün.
Hölty 27, 101 Halm;
in heute ungebräuchlicher dativischer fügung:
er (der hirt) aber setzet sich bey einem wasserfalle.
Haller 28, 189 Hirzel.
in häufigeren verbindungen:
α)
sich auf einen stuhl, eine bank setzen. Adelung und ähnl.: der könig .. satzt sich auff seinen stuel. 1 kön. 2, 19; sez dich neben mich auf diesen sofa. Schiller räuber schauspiel 5, 1;
freundlich kamen heran die heiden, und grüszten das ehpaar,
setzten sich auf die bänke, die hölzernen, unter dem thorweg.
Göthe 40, 236.
als sinnbildliche handlung: er (der könig) satzt sich auff der könige stuel. 2 kön. 11, 19; da Pilatus das wort höret, füret er Jhesum heraus, und satzte sich auf den richtstuel. Joh. 19, 13; des andern tages satzt er (Festus) sich auff den richtstuel, und hies Paulum holen. ap. gesch. 25, 6. auffällig mit dativ:
auf dieser bank von stein will ich mich setzen,
dem wanderer zur kurzen ruh bereitet.
Schiller Tell 4, 3.
β)
sich an, hinter, (von mehreren:) um einen tisch setzen. mit auslassung des artikels an tisch, zum essen: wir wollen uns immerhin jetzt an tisch setzen. H. L. Wagner der wohlthät. unbekannte 23. sich zetisch setzen Maaler 371ᵃ, zu tisch Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 774ᵇ, zu tische Frisch 2, 267ᶜ. Adelung, zum essen: da der newemond kam, satzte sich der könig zu tische zu essen. 1 Sam. 20, 24; und als sie sie baten, das sie sich wolten zu tisch setzen. Tob. 7, 10; als sie amen gesprochen, satzten sie sich zu tische, aber das mahl und freude hielten sie in gottes furcht. 9, 12; es bat jn aber der Phariseer einer, das er mit jm esse. und er gieng hin ein, in des Phariseers haus, und setzet sich zu tisch. Luc. 7, 36. mit personification:
der poet ist der wirth und der letzte actus die zeche,
wenn sich das laster erbricht, setzt sich die tugend zu tisch.
Schiller 11, 151.
γ)
sich aufs pferd setzen Frisch 2, 267ᵇ, zu pferd Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 774ᵇ, zu pferde Adelung: ich traf auf den major von Weyrach, der sich, aus ungeduld und langer weile, so eben zu pferde setzte und an die vorposten reiten wollte. Göthe 30, 53; ich .. setzte mich mit den kriegsgenossen alsobald zu pferde. 62; ich setzte mich zu pferde und ritt weiter vor. 283. bildlich: eine anekdote darf nie zu fusze gehen, sie musz sich zu pferde setzen und im galopp davon reiten. Börne 4, 350. sich aufs hohe pferd, ross setzen, stolz, übermütig sein. ähnlich: da mir ihn der epilogus auch noch als einen boshaften, wollüstigen, rachgierigen und furchtsamen mann geschildert hat, der sich aber auf sein groszes pferd setzen kann, wenn ihm ein anderer den zaum hält. Thümmel reise 5 (1794), 163. in bezug auf andere zum reiten dienende thiere: also macht sich Rebeca auff mit jren dirnen, und setzt sich auff die kamel, und zogen dem manne nach. 1 Mos. 24, 61; er setzt sich sogleich zu maulthier und ist bei sehr bösem wetter und weg bald im kloster. Göthe 28, 251. bildlich er setzt sich vom pferd auf den esel. Stieler 1440, verschlimmert seinen zustand. Adelung.
δ)
sich in den sattel setzen, auch in sattel. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 774ᵃ.
ε)
sich in die nesseln setzen, bildlich wie: in eine unangenehme lage kommen.
ζ)
sich neben einen setzen: setzet euch neben mich. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵃ; er setzt sich .. neben die fürstin. Schiller don Carlos 2, 8 (bühnenanweisung), in der älteren fassung dafür auffällig neben der fürstin. dom Karlos 2, 9. von zweien in älterer sprache sich neben sich (einander) setzen. buch d. liebe 242ᵇ (die stelle s. unten). sich zu einem, nahe zu einem setzen: ich .. satzte mich näher zu jr. 194ᵈ; ich .. satzte mich zu ihm an tisch. Simpl. 2, 28, 27 Kurz; setzet euch zu mir. Kramer a. a. a.; setze dich zu mir. Brentano 4, 96;
als du ...
den himmel in mein stübchen brachtest,
dich zu mir setztest, und vorlieb
mit einer armen mahlzeit nahmst.
Gotter 1, 16;
setz' dich, liebe Emeline,
nah, recht nah zu mir.
Castelli Schweizerfamilie (vgl. Büchmann gefl. worte¹² 176).
veraltet sich bei einen setzen: setzet euch bey mich. Kramer a. a. o. sich zusammen setzen: da zundten sie ein fewer an mitten im pallast, und satzten sich zusamen. Luc. 22, 55; in dem sich Reinhart und Rosamunda ein kleines neben sich (einander) auff einen banck zusammen setzten. buch der liebe 242ᵇ. sich an eines seite setzen: ich satzte mich mit fleisz an sein seite. 203ᵃ. auffällig dafür zu eines seite: sie setzte sich zu meiner seite. Brentano 4, 96 (in alterthümlicher sprache). ähnlich: setze dich zu meiner rechten. ps. 110, 1. sich von einem setzen, mettersi à sedere lontano ò discosto da uno; scostare la sua sedia da uno. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵃ. über den freieren gebrauch solcher wendungen s. b, β, εε.
η)
sich auf die knie setzen, veraltet: da satzten sich einmal zween auff die knie, und truncken miteinander auff brüderschafft. Schuppius 225; der könig Gustavus ist manchmal, wann er in eine feldschlacht hat gehen wollen, vom pferde gesprungen, hat sich auff seine knie gesetzet, seine hände gen himmel gehoben, hat sein gebet gethan, und hernach seine waffen ergriffen, und mit freuden angesetzet. 368. in die knie, mnd.: do sette sick Karlus in sine kne. quelle bei Schiller - Lübben 4, 198ᵇ. ähnlich sich in die hocke setzen, nd. in de hucke, in hockende stellung.
θ)
sich rittlings auf etwas setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ, schrittlings:
ich musz mich auf die brustwehr schrittlings setzen,
sonst kann ich nicht gut sehn.
Tieck 1, 267.
b)
in allgemeinerem und freierem sinne.
α)
sich an einen ort zu dauerndem aufenthalt begeben, an einem orte dauernden aufenthalt nehmen, besonders
αα)
von kriegern, heeresabtheilungen, vor allem zum kampf, den ort kämpfend zu halten: die Korcyräer sezten sich so wol mit einer landarmee, als mit der flotte bei Leucimne gegen sie (die Korinther) über. Heilmann Thucyd. 36. in dativischen verbindungen: sich setzen, im krieg, unten an einem berg, castra ponere sub radicibus montis. Frisch 2, 267ᵇ; endlich bedienten sich die Athenienser ihrer reuterey ... mit solchem vortheil, dasz sie die Korinthier zum weichen brachten; welche sich dann gegen den hügel zurück zogen, auf welchem sie sich setzten. Heilmann Thucyd. 514; eine armee setzt sich an einem berge, das corps setzt sich vor der stadt, nimmt daselbst eine sichere stellung ein. Adelung. heute ist dieser gebrauch des einfachen setzen veraltet. dafür festsetzen. vgl. auch unten sich zur wehr setzen u. dergl. unter β, αα.
ββ)
sich zur seszhaftigkeit, wohnung an einen ort begeben: also setzten sich die priester und die leviten, und etliche des volcks, und die senger und die thorhüter und die nethinim in jre stedte, und alles Israel in seine stedte. Esra 2, 70; sich an eyn ander ort setzen, mutare domicilium. Dasypodius; diejenigen, so sich erst von andern orten hieheer in das gericht, es sei mit herberg oder aigenthumb seczen wellen. Salzburger taid. 161, 36 (16. jahrh.); da der duc de Alba in den Niederlanden tyrannisirt hat, da hat sich ein barchenweber gesetzt nach Mainungen in die grafschafft Henneberg. Schuppius 57; sich aufs land, auf sein gut, in die stadt setzen. Adelung;
dâ hatte keiser Frîderîch
ûf einen hof gesetzet sich
in Pulle zu Cremône.
Elisabeth 3466 Rieger.
mit bezeichnung des ausgangspunktes: wann sich ainer mit gnedigister bewilligung aber ausz dem land setzt. Salzburger taid. 106, 39 (17. jahrh.). wohnung nehmen, sich seszhaft machen: Lot satte sich nyder zu Bala. d. städtechron. 8, 251, 11 (Straszburg, Königshofen); Elia .. gieng weg, und setzt sich am bach Crith. 1 kön. 17, 5; da kam der priester einer die von Samaria weggefürt waren, und setzt sich zu BethEl, und leret sie, wie sie den herrn fürchten solten. 2 kön. 17, 28; aber sie (die juden) sind newlich widerkomen, aus dem elend darin sie waren, .. und haben sich wider gesetzt in disem gebirge, und wonen widerumb zu Jerusalem, da jr heiligthum ist. Judith 5, 21; es waren eben etliche tausend Britten .. nach Gallien entwichen, und hatten sich unter den Armorivis gesetzet, allwo das land nach ihnen Britannia genennet worden. Mascou 1, 486; auch hatten sich einige Phocenser, die von Troja zurück gekommen waren, in ihrer nachbarschaft gesetzt. Heilmann Thucyd. 757; Cajus hat sich in Berlin gesetzt, wohnhaft niedergelassen. Adelung; in dem land, wo ich mich zu sezen gedenke, gelten die stempel (der münzen) nicht. Schiller kab. u. liebe 5, 5;
lange stritt,
sich hier (in einer kirche) zu setzen,
Maria (die heil. jungfrau) mit
der heiden götzen.
Thümmel reise 2 (1791), 89.
mit prädicativem zusatz: die sich maister setzen wellen, als meister niederlassen wollen. quelle des 15. jahrh. bei Lexer mhd. handwb. 2, 895; in neuerer sprache sich als meister, rentner u. dgl. setzen: sich dann setzend als apotheker der stadt. J. Paul komet 1, 2. sich auf seine eigne hand setzen, eine eigne wohnung nehmen, einen eignen hausstand gründen: er hat neun leibeignen seines alten oheims .. die freyheit geschenkt, und es in ihre wahl gestellt, ob sie seine hausgenossen bleiben, oder mit einem ihren geleisteten diensten angemessenen jahrgehalt sich auf ihre eigene hand setzen wollten. Wieland 35, 236. vgl. weiter sich zur ruhe setzen unter δ. auch ohne solche zusätze in solchem sinne, eine eigne nahrung anfangen, nd. Dähnert 422ᵇ, heiraten Gottsched sprachk. 545: der amtmann ist ein narr, dasz er sie nimmt, die nichts hat; sie soll gott danken, dasz sie sich so bequem setzen kann. Iffland aussteuer 3, 6.
γγ)
in eigenartiger verbindung mit dem begriff der bewegung mhd. sich ûf eine, eines slâ, spor setzen, die spur aufsuchen und dauernd verfolgen:
setzt iuch rehte ûf sîne slâ:
und gerâtet ir im rehte nâ,
sô habt ir in vil schier erriten.
Hartmann v. Aue Iwein 5961;
nu sazte er sich ûf die slâ
und began sich êrste verstân,
daʒ er sich hete in dem tan
verriten von sîn gesellen.
Heinr. v. d. Türlin krone 13960;
dar zuo wart im snelle gâch
und sazte sich ûf die spor,
dâ diu ors giengen vor.
14095;
der rede vröute er sich sâ
und satzt sich ûf die rehte slâ.
18854.
β)
freierer gebrauch, wobei es sich um feindliche oder freundliche beziehung handelt.
αα)
in engem zusammenhang mit b, α sich zur wehr setzen, sese defendere Steinbach 2, 359, zur wehre Frisch 2, 267ᵇ, sich widersetzen Adelung, heute nur zur wehr, zunächst wol bezogen auf das kämpfende ausharren an einem platz, dann freier: unde setten syk manliken to der were. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵇ; oder glaubt ihr vielleicht, ich werde mich zur wehr setzen, wenn ihr mich binden wollt. Schiller räuber schauspiel 2, 3; Kinsky und Terzky werden sogleich erstochen, ehe sie sich zur wehre setzen können. schriften 8, 348; mhd. ze wer:
ouh sazten sich ze wer
die rîter vomme lande
und ir sarjande.
Hartmann v. Aue Iwein 3706;
negativ:
dô satzte ich mich ze deheiner wer.
Wackernagel altd. leseb.² 272, 28.
Frisch meint a. a. o., die wendung scheine 'von den wilden schweinen hergenommen zu sein, welche sich auf die hinterfüsze niedersetzen, wenn sie sich gegen den wolf, oder gegen die hunde wehren müssen'. zur bestätigung dieser ansicht kann die unter 2, e angeführte stelle aus Konrad v. Würzburg troj. krieg dienen, wo aber sich setzen kaum im sinne des sich niederlassens auf die hinterbeine gemeint sein kann. vgl. auch die von personen in gleichem sinne gebrauchte fügung sich auf die hinterbeine setzen unter 2, a. im gebrauch von personen fügt sich die obige wendung jedenfalls unmittelbar an b, α. sich wider jemand zur wehr setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ. ähnlich:
daʒ si (die Trojaner) mit widerkêre
den werden Kriechen rîchen
mit fluht begunden entwîchen
und sasten sich mit wer dannoch
in der fluht gegen den Kriechen noch.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 43053;
vgl. dazu die unter δδ angeführte stelle Salzburger taid. 2, 4;
frou Ênîte,
ir habt iuch ze strîte
ze vaste wider mich gesat.
Hartmann v. Aue Erec 4123;
daʒ dû mit keinem wîbe
dich mêre ze strîte setztest.
Heinrich v. d. Türlin krone 17773.
vgl. auch sich in den krieg, zufrieden setzen unter δ, ηη.
ββ)
in gleichem sinne sich wider einen setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ, dann auch wider etwas, heute dafür sich einem, einer sache widersetzen: dar umbe riet er (der teufel) dem menschen, daʒ er sich ouch wider got satzte. Berthold v. Regensburg 1, 198, 8; da zogte keiser Friderich gen welschen landen und bleib etwie lange do. d. städtechr. 8, 37, 13 (Straszburg, Closener); der kunig von Behemen hette einen sün geloszen, des öheim worent die marggroven von Brandenburg, die sich ouch wider kunig Rudolf sattent durch des Behemes sünes willen. 44, 8 (derselbe); dar umme satten sik de Romere wedder on (Cäsar) und wolden on af setten. 7, 7, 20 (Magdeburger schöppenchron., 14. jahrh.); ermanten auch ander juden, das si sich sezten und aufstünden wider das römisch reich und kaiser Augustum. Aventin 1, 735, 23 Lexer; die von Mailand setzten sich wider kaiser Friderichen. 2, 338, 16; nu denckt jr euch zu setzen wider das reich des herrn. 2 chron. 13, 8; die unschuldigen werden sich setzen wider die heuchler. Hiob 17, 8; ah herr, wie ist meiner feinde so viel, und setzen sich so viel wider mich. ps. 3, 2; du (gott) kanst unter mich werffen die sich wider mich setzen. 18, 40; in deinem (gottes) namen wollen wir untertretten die sich wider uns setzen. 44, 6; stoltze setzen sich wider mich. 54, 5; die sich wider mich (gott) gesetzt haben. Jer. 51, 1; und zur selbigen zeit werden sich viel wider den könige gegen mittag setzen. Dan. 11, 14; die tochter setzt sich wider die mutter. Micha 7, 6; so lasst uns auff den gerechten lauren, denn er macht uns viel unlust, und setzet sich wider unser thun. weish. Sal. 2, 12; das etliche sich wider des königs gebot setzten. 1 Macc. 2, 31; wer sich nu wider die obrigkeit setzet, der widerstrebet gottes ordnung. Röm. 13, 2; weil jr euch wider jn (den teufel) gesatzt habt, wird er sich auch weiter gegen euch streuben. Luther 6, 1ᵃ; wenn es schon recht were, sich wider den keiser also setzen. 4ᵃ; das weis und verstehet ein kind von sieben jaren wol, das solchs eine rechte christliche lere ist, wo man die leute leret, leiden, weichen, leib und gut wogen und lassen, und sich wider jr oberkeit und tyrannen nicht setzen, umb gottes wort willen. 7ᵃ; darum ists eine grosze vermessenheit vom papst, dasz er sich als mensch ohne schrift hat dürfen wider die schrift also setzen. tischred. 1, 75; und brachte zum gehorsam alle könige und völker, die sich wider ihn satzten. 2, 12; man hat erfaren, dasz bis auf den heutigen tag sich kein gelerter und frumer man wider den Luther gesetzt und gespert hat, sondern alein grobe unverstendige verkertmütige und freche menschen. Schade sat. u. pasqu. 2, 191, 36; dasz mein gnädiger herr herzog Ruprecht selbs ein mitleiden mit mir hat, wie wol ich mich wider ihn gesetzt. Berlichingen 77; ob einicher sich, um was sachen das wär, wider die gmein setzen und widerwärtig sein wurde. tirol. weisth. 3, 28, 15 (von 1538); sich wider den gemeinen nutz setzen, commovere se contra rempublicam. Maaler 370ᵈ; wie seyt jhr so thorecht, dasz jr euch wider uns als unüberwindtliche kriegszleut setzet. buch der liebe 202ᵇ; dʒ ich mich aber wider dich nit setzen wil. 235ᵈ; (könig Witzlaf) erschläget den pommerischen fürsten, der sich wider jhn setzete, in einem treffen. Micrälius alt. Pommern 2, 199; wie gieng es den jenigen, welche sich wider ihre obrigkeyt käyser Adolphum Nassavocum setzten, und ihn bekriegten? Schuppius 386;
si heten sich gesetzet
wider die gotes hulde.
anegenge 12, 30 Hahn (ged. d. 12. u. 13. jh.);
dû bist ein unkristen wîp,
daʒ dû dich sezzest wider mich;
des wil ouch ich mich wider dich
mit alle sezzen ze hant.
gesammtabent. 2, 198, 35 Hagen;
er (Dietrich) wil wider daʒ rîch sich setzen.
Alpharts tod 52, 3;
genuoge sasten sich dâ wider
und wolten ê mit wer ir leben
aldâ verliesen unde geben,
ê sunder wer verderben.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 43106;
wie wol sich offt da widder (gottes wort)
mancher hat setzen thun.
bergreihen 3, 26 neudr.;
vom thier in der fabel:
si (die fledermaus) sast sich wider ir gediet.
Boner 44, 21;
sonst auch gelegentlich mit unpersönlichem subject, vgl. 2, e und 3, f. zu der folgenden fügung überleitend:
mang mensch sîn vîgent bî im treit;
wenn er gewinnet überhant,
er sezt sich wider in zehant,
und tuot im angest unde nôt.
56, 52.
sich wider sich selbst setzen: setzet sich nu der satan wider sich selbs, und ist er mit jm selbs uneins, so kan er nicht bestehen, sondern es ist aus mit jm. Marc. 3, 26.
γγ)
ebenso sich gegen einen setzen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ, wo in älterer sprache auch der dativ bei gegen erscheint: man sol och sweren dem vorgenanten ammanmeister und den vier meistern und dem rate und irem gerihte ... beholfen zuͦ sinde gegen allen den die sich gegen in und irem gerichte setzent oder setzen woltent. d. städtechron. 9, 936, 42 (Straszburg, von 1349); so dat sick de gildemestere uphelden unde satten sick tighen oren rad. 16, 301, 14 (Braunschweig, um 1500); das ist die gröszte thorheit der welt, sich gegen den göttlichen schlusse setzen wollen. pers. baumg. 5, 7; da war einmahl einer, der sich gegen dem könig setzte, weszhalben ihn der fürst in die hände seines feindes überliefferte. 9, 14;
swie gar her Philippe tump
wære, doch het er sin,
daʒ er sich niht gegen in
sazt, die im dâ schaden wolten.
Ottokar 5329 Seemüller;
gein sînem schopfer satzter sich.
erlösung 229;
Achilles. alles dringt auf's opfer.
Clytemnestra. alles?
und niemand ist, der sich dagegen sezte?
Schiller Iphig. in Aulis 1654.
δδ)
so auch sich eines, häufiger einer sache (gen.) setzen, also mit derselben construction wie sich (er)wehren: der sol daʒ niht widersprechen und sol sich sein niht setzen. quelle im mhd. wb. 2, 2, 348ᵃ; des (n.) setzten sich aber fünf zünft. d. städtechron. 5, 52, 25 (Augsburg, 15. jahrh.); des (n.) er sich doch fast setzet und nit gern tuen wolt. 204, 18; deʒ (n.) sol sich nieman seczen in dehain wise. 389, 16; des (n.) satzten sie sich. 22, 27, 1 (Augsburg, 15. jahrh.); welliche aber sich des (n.) setzen wurden, und sich das warlich erfunde, das alsdann die selben, so sich ungehorsam erzaigen, in der kiniglichen maiestat straff steen. tirol. weisth. 3, 172, 41 (von 1490); wan ain richter ain fachen will und söllicher sich des grichts setzt. steir. u. kärnt. taid. 80, 12 (16. jahrh.); das sich niemants gerichts sez. 147, 35 (16. jahrh.); wer sich gerichts gewaltiglich sezt ist verfahlen zechen gulden. 179, 48 (17. jh.); so sich ainer sainer obrigkeit fraventlicher sezt oder werth, er sei wehr er wolle, der ist föllig lxxij D. 356, 40 (17. jh.); darnach fragt man, wellicher urbarman sich des ambtmans oder seines potens mit were oder scheltworten setzen oder weren wolte, was der darumb schuldig sei. Salzburger taid. 2, 4 (17. jahrh.);
der Wolf und hertzog Ernst zu Schwaben
sich keiser Conrads auch gsetzt haben.
Schmelzl Saul 9ᵇ;
setzens (sie) aber sich mein dermassn,
will ich ir keinen leben lassn.
24ᵇ.
sich einem setzen: die fünf (zünfte) satzten sich der stat und dem raut frevelich und sprachen, si wölten kein ungelt ie nit haben. d. städtechron. 4, 109, 24 (Augsburg, von 1397). mit gen. und inf. mit zu: unns hat unnser getrewer Leopold Neidegker, unnser phleger zu Gars, anbracht, wie sich menig geistlich und welltlich person, so in unsern ungelt daselbs hin ze Gars gehörennd, solhs ungelts zu geben setzen. urkunden Max. nr. 55. ohne erkennbaren gen. mit inf. und zu: das sy dir darynn gehorsam seyen und sich kuntschaft zu geben nicht widern noch seczen. 47. auch ohne allen zusatz so: die von Augspurg, Nörlingen, Esslingen sworen im (Wenzel als römischem könig); die von Ulem, Reytlingen satzten sich. d. städtechron. 4, 225, 3 (Augsburg, 15. jahrh.); also das ich mich lang setzte. quelle bei Schöpf 671. mundartlich so auch in neuerer zeit. ebenda. Stürenburg 244ᵇ.
εε)
sich zu einem setzen, sich auf seine seite stellen, ihm verbünden, mnd.: wan he sick to den Sassen settede. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵇ; se setten syck to biscop Woldemer. quelle ebenda. sich von einem setzen, von ihm abfallen. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 895.
ζζ)
sich eines dinges zu einem setzen, sich deshalb an ihn wenden, es ihm anheimstellen:
setz(t) ir euch des tzu mir (es handelt sich um eine theilung von schiffen),
so lat mir tzveier tage die frist.
Ludwigs kreuzfahrt 3423.
ηη)
sich mit einem setzen, gütlich vergleichen. Gottsched sprachk. 545. Adelung. Campe. Frommanns zeitschr. 4, 14ᵇ (Bern), heute kaum noch schriftgemäsz: untz das er sich setzzüt mit dem probst. weisth. 1, 310 (Schwarzwald, von 1344); sie sulden sich mit uns setzen. quelle von 1413 bei Dief.-Wülcker 853; Boleslaus ging den Teutschen hertzhafft entgegen, die er erstlich angreiffen wollte, nachgehends aber mit ihnen sich setzte, und ihre militz von sich zu lassen beredete. Hahn hist. 2, 142; die Römer scheinen sich mit dem neuen könige gesetzet zu haben. Mascou 1, 101; dasz die könige derselben sich mit Honorio, ein jeder absonderlich gesetzet. 374; wofern jene sich nicht mit den Egestanern setzen ... wollen. Heilmann Thucyd. 822; wenn der vater seine einwilligung abschlug, aber die wittwe sie gab: so setzte er sich mit den vormündern der Lykischen kinder, und zog zu der wittwe in's haus. Engel 12, 289; er setzte sich mit den zweideutigen senatoren und generalen, er reichte den verräthern die hand. Gervinus gesch. des 19. jahrh. 1, 132. wol auch ohne solchen zusatz in diesem sinne. Dähnert 422ᵇ. Spiesz 234. andrerseits auch mit ausführlicherer bestimmung: das wir ... in ein gutlichen unnd bleibliche eyengunge mit gutem vorbedacht uns mit in gesatzt unnd vorpflicht haben. quelle von 1524 bei Haltaus 1685. ähnlich sagen wir sich ins einvernehmen mit einem setzen, auf gütlichen fusz mit einem setzen. sich in übereinstimmung setzen mit einem, dann auch mit etwas, in entgegengesetztem sinne sich in gegensatz zu einem setzen.
θθ)
sich zu etwas setzen, dazu entschlieszen, es wollen, mnd.: du schalt dy darto setten, dat du anders nicht schalt dencken dan up god. quelle bei Schiller-Lübben 4, 199ᵃ.
ιι)
sich auf etwas setzen, es sich fest vornehmen, darauf bestehen: und satte sich künig Ruͦdolf daruf, daʒ er zuͦ Wiene wolte bliben. d. städtechron. 8, 43, 4 (Straszburg, Closener); griffe er auch durch zufall und geburt in ihr (der welt) wirken ein, so wird er das grosze vor dem vielen kleinen nicht sehen und sich gleich anfangs bloss darauf setzen. Klinger 11, 159; in neuester zeit nur noch landschaftlich. Schm.² 2, 343. in gleichem sinne auch wol ohne zusatz, an δδ rührend. Stalder 2, 372.
κκ)
sich für etwas setzen, verbürgen, dafür eintreten: da setz ich mich, und wo das nicht genug, soll m. Philipps auch sich dafur setzen. Luther br. 3, 124. ähnlich kämpfend eintreten für etwas, mnd. (vor): dit is nu tyd, dar me ynne vorvaren magh, wor de koene man ys .. dede berede ys sik to settende vor dat land unde syk geven in perikel. quelle bei Schiller-Lübben 4, 199ᵃ.
γ)
in engem zusammenhang mit den zuletzt genannten fügungen rein geistig, als philosophischer begriff, vgl. A, 3, b, θ: das ich ist, wie es sich setzt und setzt sich, wie es ist. demnach sind sich setzen und sein eins und dasselbe. Fichte grundl. des ges. w. l. 61. vgl. auch sich in eine lage, stelle setzen unter δ, ββ.
δ)
allgemein vom versetzen in ein verhältnis, eine lage, einen zustand.
αα)
sich (selbsten) zum richter setzen. Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 774ᵇ. ähnlich: also auch Christus hat sich nicht selbs in die ehre gesetzt, das er hoherpriester würde. Ebr. 5, 5. mit adjectivischem prädicativen zusatz sich einem, den augen eines blosz setzen:
wir setzten unbesorgt den augen des centauren
uns, arm in arm, am gegenufer blosz.
Wieland 17, 82 (Idris 2, 22).
ββ)
sich an eine stelle, in eine lage setzen, meist in bezug auf bloszes hineindenken: setzen sie sich an meine stelle, stellen sie sich vor, sie wären an meiner stelle. Adelung; sezen sie sich um gotteswillen in meine lage, baron. Schiller kab. und liebe 1, 6.
γγ)
sich in freiheit setzen: um ihn recht sicher zu machen, bittet sie ihn selbst darum, die gefangenen binden zu lassen, damit ihnen die lust nicht ankäme, sich in freyheit zu setzen. Schiller 6, 254.
δδ)
sich in vortheil setzen, in schaden, in unkosten Adelung: hoffentlich aber würden sie der stadt nach dem schaden, den diese bereits von ihren würdigen glaubensbrüdern, den bilderstürmern, erlitten, nicht zumuthen, sich ihrer kirchen wegen noch in unkosten zu setzen. Schiller 7, 240.
εε)
sich in vorschusz setzen. Adelung. sich in vorrath setzen:
damit ich wisse, was von jeder arzeney,
von jeder species mir abgeht,
dasz ich bei zeiten mich in vorrath setze.
Göthe 11, 140.
sich in (den) besitz von etwas setzen: um mich als deiner schwester gemahl in den besitz deines erbes und deiner herrschaft zu setzen. Schiller 6, 249; freier: weil diese jagden (auf wilde thiere) nach gewissen planmäszigen dispositionen vorgenommen werden muszten, die der anführer entwarf und dirigirte, so setzte er sich dadurch stillschweigend in den besitz, den übrigen ihre rollen zuzutheilen, und seinen willen zu dem ihrigen zu machen. 9, 141. sich in genusz (von etwas) setzen:
du willst dich in genusz, o freundin, setzen,
ich soll entbehren; heiszt das billig seyn?
Göthe 9, 173.
ζζ)
sich in achtung setzen. in gunst: sich bey dem fürsten in gunst setzen. Steinbach 2, 351;
schwehrlich wird ein mann verderben,
der sich in der Musen gunst
durch der instrumente klingen
und dasz gott geliebte singen
selber recht zu setzen weisz.
Rist Parnasz 697.
als gegensatz: so bedenken sie doch, wie sehr sie sich in disgrace sezen, lady! Schiller kab. u. liebe 4, 9. sich in ein gutes, günstiges, schlechtes licht setzen. vgl. A, 1, b, θ, θθ.
ηη)
sich in gefahr setzen. Steinbach 2, 350. Frisch 2, 267ᵇ. Adelung: da kam sein kriegs-freund und obrister Parmenio zu ihm, und verwiese es ihm, dasz er, mitten unter seinen feinden, sich in solche gefahr gesetzt hab. Schuppius 228. in älterer sprache sich in den krieg setzen: als wir uns in den krieg von der stet wegen gern wollen setzen. d. städtechron. 1, 155, 3 (Nürnberg, von 1388). als gegensatz sich zufrieden setzen: setzt ihr euch zufrieden, gott zu ehren, und lasset euch euern schaden von gott zugefüget seyn, und verbeiszets umb seinetwillen: so werdet ihr sehen, er wird wiederumb euch segenen. Luther br. 4, 569. mit einem, vgl.β, ηη: also so er pest mocht mit seinen süssen worten und grossem verheissen sich mit in wider zuͦ fride seczet. decam. 532, 19 Keller.
θθ)
sich in vertheidigungsstand, in rüstung setzen: in einem zustande, wo das recht der stärke gebiethet, und auf der macht allein alle sicherheit beruht, wird immer der schwächste theil der geschäftigste sein, sich in vertheidigungsstand zu setzen. Schiller 8, 47; sie antworteten mit heftigen wiederklagen, rechtfertigten ihr betragen durch das natürliche recht und fuhren fort, sich in rüstung zu setzen. 168. sich in bereitschaft setzen: er (der vicekönig von Neapel mit seiner flotte) sezte sich in bereitschaft, alle augenblicke auf dem venetianischen meerbusen zu erscheinen, und erhielt dadurch die flotte der republik in beständiger furcht. 4, 123.
ιι)
sich in postur setzen wider jemand, dasselbe wie zur wehr setzen. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 774 (vgl.β, αα), in neuerer zeit sich in positur setzen allgemeiner:
sie stutzt, setzt sich in positur,
und eilt mit stolzen schritten
nach ihrer klingel.
Gotter 1, 33.
κκ)
sich in bewegung setzen: früh morgens, am sechzehenten may, setzte sich die feindliche (heeres-)macht in bewegung. Schiller 9, 70. sich in marsch setzen. Adelung;
alles rief
den herzog nun in's hart bedrängte Baiern.
er setzt auch wirklich sich in marsch — gemächlich
durchzieht er Böheim auf dem längsten wege.
Schiller Piccolomini 2, 7.
sich zur ruhe setzen, gewöhnlich im anschlusz an α, ββ vom aufgeben des lebensberufs: man .. hielt ihn für einen officier, der in fremden kriegsdiensten reich geworden war, und sich nun zur ruhe setzen wollte. Göthe 10, 134. ähnlich: meine lieben theologen haben sich aus der mühe und erbeit gesetzt, lassen die biblien wol rugen, und lesen sententias. Luther 1, 311ᵇ.
λλ)
eintritt in eigene thätigkeit ist wie bei sich in bewegung setzen auch in folgenden stellen gemeint: sezzent iûh in buôʒʒa. Notker ps. 63, 10;
swer sich setzt in tugentleben,
der vint got ân widerstreben.
Teichner 63.
μμ)
rein geistig sich ins klare setzen über etwas: alles was sie sich selbst darüber sagen konnte, stellte sie doch nicht so zufrieden, dass sie nicht für nöthig befunden hätte, einen gelegnen augenblick zu belauschen, um sich über alle ihre zweifel ins klare zu setzen. Wieland 1, 371.
2)
von thieren.
a)
dem engeren gebrauch von menschen entsprechend von vierfüszigen thieren, die sich auf die hinterbeine setzen: der hund setzt sich. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵃ; die katze. als aufforderung zum hund: setz dich! im gegensatz zu leg dich! ein widerspenstiger hund, den man fortziehen will, setzt sich auf die hinterbeine, ebenso nach Frisch 2, 267ᵇ ein angegriffener eber. daher in übertragenem sinne von menschen sich auf die hinterbeine setzen, widerspenstig sein. vgl. hinterbein oben theil 4, 2, 1498.
b)
vögel setzen sich über, auf eier, die sie ausbrüten wollen, lassen sich darauf geduckt nieder: gleich wie ein vogel der sich uber eier setzt, und brütet sie nicht aus. Jer. 17, 11.
c)
aber sich setzen wird auch von vögeln gesagt, wenn sie sich vom fluge zu ihrer gewöhnlichen ruhestellung niederlassen, die ja auch als sitzen bezeichnet wird: die vögel setzend sich, wenn die vögel vom lufft hinabfarend, setzend sy sich auff ein baum, oder sunst etwar auff. Maaler 370ᵇ; die nachteulen, schwalben und ander vogel, setzen sich auff jre köpffe. Baruch 6, 21; es setzte sich ein rabe auf dessen helm. Steinbach 2, 351. ebenso von andern geflügelten thieren: eine fliege setzt sich auf den tisch, an die wand, einem auf die nase. sprichwörtlich: die mücken setzen sich nur auf magere rosse, arme werden nur geplagt. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵃ. die oben angeführte stelle Baruch 6, 21 lautet weiter: des gleichen auch die katzen. es kann in solchen fällen auch der engere begriff (s. a) sich erweitern zum bloszen: sich niederlassen.
d)
in unmittelbarem anschlusz an 1, b, α, ββ heiszt es nd. de schâpe settet sik, wenn sie an einem ort zu ruhigem weiden verweilen. Schambach 191ᵃ.
e)
dem unter 1, b, β, αα erwähnten gebrauch von personen entsprechend:
si tâten sam zwên ebere tuont,
die sich ze kamphe setzent
und bêde ir zene wetzent,
sô si ze strîte wellent gân.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 31131.
daʒ vögel (der zaunkönig) ist sô muotig und sô manhaft, daʒ eʒ sich wider den adlarn getar setzen. Megenberg 184, 27; wenn die kränch vliegent, sô setzent si sich wider den wint. 191, 14.
3)
mit anderem unpersönlichen subject.
a)
von körpern, die in bewegung sind, besonders die schwimmen, wenn sie irgendwo festgerathen: ein schiff setzt sich auf den grund, wenn es auf den grund läuft, strandet. Adelung; ein in einem glase schwimmendes korkstückchen setzt sich an den rand. sich in ein geschirr an boden setzen. Maaler 371ᵃ. namentlich von bodensätzen, die sich aus flüssigkeiten absondern: das öl wird von dem ölgärtner aus den oliven (ölbeern) ausgepresset, darnach offters abgeseiget, abgegossen: .. unten setzen sich die ölhefen. Comenius sprachenth. (1657) 383; die hefen setzen sich, das dicke setzt sich auf den grund. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ; was sich vom urin setzt, ist weisz. Steinbach 2, 350; die hefen setzen sich auf den boden. Adelung.
b)
im anschlusz daran dann von flüssigen körpern, die einen bodensatz ausscheiden, sich so klären: das bier setzt sich. Stieler 2039; das bier hat sich noch nicht gesetzt. Adelung.
c)
auch sonst wie sich senken, sinken, nid sich sincken, an boden sincken oder zeboden gon. Maaler 371ᵃ:
eh sich der himmel zeigt und sich die nebel setzen,
schallt schon des jägers horn und weckt das felsen-kind.
Haller 30, 233 Hirzel.
das haus setzt sich, parietes subsidentes proclinantur. Stieler 2039, das hausz, der bau setzt sich, si posa, risiede, cova. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ, im bilde: setzen musz sich das haus freylich erst, an diesem und jenem orte. Lessing 10, 56. bergmännisch von gebirgsschichten, deren zusammenhang in folge bergbaus aufgehoben ist, bis zu einem festen punkte sinken, niedersinken. Veith 448. ein neugemachter deich setzt sich. Jacobsson 4, 150ᵇ. die geschwulst setzt sich, gadt nider und entschwilt, desidit tumor. Maaler 371ᵃ. Dentzler (1698) 2, 263ᵇ. Kramer deutschit. dict. 2 (1702), 774ᵇ. Steinbach 2, 350. Frisch 2, 267ᵇ. Adelung. der teig setzt sich, wird niedriger, fällt zusammen. Adelung.
d)
das wasser setzt sich, staut sich (also im anschlusz an a), aber auch: wird niedriger. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ, in letzterem sinne bei Adelung. das meer setzt sich, die fluthen setzen sich, wenn die wellen niedriger werden, die oberfläche glatt wird, in bildlichen wendungen: eine solche ruhe verstehen wir, die herrühret ausz der versöhnung mit gott, wenn nemlich die sturmwinde der gerechtigkeit sich gestillet, die fluthen der rach sich gesetzet, und die wellen desz zorns sich geleget haben, dargegen das gewissen desz menschens, nur von der sanfften lufft desz heiligen geistes angewehet wird. Meyfart himml. Jerusalem (1630) 2, 300;
aber sind wir wol gewisz, dasz sich gäntzlich setzt und stillt
alles unfalls zornig meer ob sich fried im frühling finde?
Logau 2, 47.
e)
im anschlusz daran im freieren sinne von sich beruhigen: das alles (äuszerungen lebhafter freude) wird sich in kurzer zeit setzen. Wieland 35, 235 (Arist. 3, 24);
wird, o arzt (Christus). dein blut mich netzen,
wird sich all mein jammer setzen.
Gerhardt 41, 24 Gödeke;
wen sich das herz nur an dir (Christus) stets setzen und stillen kan.
Christ. Gregor 'ach mein herr Jesu';
sinnlicher gestaltet, indem stehen in gegensatz dazu gebracht wird:
siehst du, wie sich alles setzet,
was dir vor zuwider stund?
Gerhardt 110, 57 Gödeke.
in ausgeführtem bilde an 1, b, α, ββ angeglichen:
nimm mein herz, o mein höchstes gut (Christus),
und leg es hin, wo dein herz ruht, ,..
hier setzt sichs, hie gefällts ihm wol;
hier freut sichs, dasz bleiben sol.
49, 73.
wie: ruhige festigkeit gewinnen: und wenn sich dort die sachen aufs glücklichste setzten; so sah sein geist in der zukunft dinge, die ihn folterten. Heinse Ard. 1, 165. nd. det wedder mot sek erst setten, erst beständig werden. Schambach 191ᵃ. Danneil 191ᵇ, dîne gesundheit het sek noch nich wêer esettet, deine gesundheit hat sich noch nicht wieder befestigt. Schambach 191ᵃ.
f)
dem unter 1, b, β, ββ erwähnten gebrauch von personen entsprechend, in wendungen die persönlichem gebrauch sehr nahe stehen: was setzt sich dein mut wider gott, das du solche rede aus deinem munde lessest? Hiob 15, 13; die erde wird sich wider jn (den gottlosen) setzen. 20, 27; es ist leicht wahrzunehmen, wie sehr sich der verstand dawider setzet, wenn dieses gesetz ihm in dem rechten lichte der deutlichkeit vorgelegt wird. Kant 8, 41.
g)
über einen reflexiven gebrauch mit unbestimmtem unpersönlichen subject s. D, 3. doch kann sich dort dativ sein.
C.
intransitiv.
1)
von sprungartiger, stürmender bewegung. der gebrauch entwickelt sich vielleicht im anschlusz an den entsprechenden des subst. satz (s. dies 3 oben theil 8, 1839), vielleicht auch selbständig, indem ein object wie füsze verschwiegen wird oder passivischer gebrauch zu intransitivem fortschreitet.
a)
von thieren: das pferd setzt, springt. Adelung;
denn soll es (das pferd) je mir werth seyn
musz es mit noth nur hinter andern
gehalten werden, keinen vormann leiden,
musz setzen, klettern.
Göthe 10, 40.
häufiger mit localen zusätzen und so auch früher bezeugt:
ob Fröude, Wunne, Trôst ze Harren (als hunde gedacht) setzen.
Hadamar v. Laber jagd 50, 5;
Ende (als hund gedacht) zu mir satzte,
ich enweiʒ niht wannen.
345, 1;
da setzt ein schüchtern gems, beflügelt durch den schrecken,
durch den entfernten raum gespaltner felsen fort.
Haller 30, 235 Hirzel;
wann auf dem Harz, nun lang genug gequält,
ein aufgebrachtes schwein zuletzt den tod erwählt,
die dicken borsten sträubt, die starken waffen wetzet
und wüthend übern schwarm entbauchter hunde setzet.
71, 224;
so wie ein sichrer hirsch aus seinem stande setzet,
wenn ihn im dicken forst ein wilder pfeil verletzet.
Zachariä renomm. 4, 145;
wir hören, wie das jagdhorn schallt,
die ross' und hunde brausen
und wie der hirsch durchs wasser setzt.
Uhland (1864) 67;
'nun sagt geschwind, meine mägde gut,
was über die brücke setzt?'
'das ist der wölfe heulende brut,
die hungrig die zähne wetzt'.
Strachwitz ged. (1891) 232;
kommen mir für, wie die hecken die meine bauren gar schlau um ihre felder herumführen, dasz ja kein hase drüber sezt. Schiller räub. schausp. 1, 1; (im bilde:) wofern man nur den leithammel über einen stecken sezzen lassen. J. Paul Tit. 2, 41. weidmännisch der hirsch setzt auf das thier, der bock auf die ricke, bespringt sie: wenn der hirsch auf das thier setzet, und sich mit selbigem vermischet, heisset es: er beschlägt das thier. Döbel jägerpr. 1, 18ᵇ; da sie kaum viertzig schritte von mir stunden, so setzte der bock geschwind auf die ricke, beschlug selbige ordentlich. 26ᵃ. auffällig mit dativ: dasz ich anno 1718. im Würtemberger lande gesehen, dasz im augustmonat ein bock auf der riecke gesetzt. ebenda.
b)
von personen, springen: Fixlein muszte mir nichts, dir nichts, aus dem bette setzen gleichsam mitten ins warme flutende leben hinein. J. Paul Fixlein 136; bildlich: wer über den schwindlichten graben vom lezten seraph zum unendlichen sezt, wird auch diesen sprung ausmessen. Schiller Fiesko 3, 2. reitend springen: über einen graben, schlagbaum setzen mit dem pferde. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵃ; mit dem pferde über den graben setzen. Adelung. auch ohne den instrumentalen zusatz so:
mir tödtete
ein schusz das pferd, ich sank, und über mir
hinweg, gleichgültig, setzten rosz und reiter.
Schiller Wallenst. tod 2, 3.
allgemeiner wie stürmend eilen in nachsetzen s. dies 2, a oben theil 7, 124.
2)
freier entwickelt sich die folgende verbindung, die in der vorigen anwendung wurzelt.
a)
zunächst von kriegerischen angriffen, wo der begriff des stürmens meist deutlich hervortritt: an den feind setzen Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ. Adelung, auch in, unter die feinde setzen Kramer a. a. o.: als die acht graff Oswalds gewar wurden, da satzten sie an in. d. städtechron. 5, 282, 21 (Augsburg, 15. jahrh.); de cumpter (comthur) settede in de Russen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵃ; die hauptleüt, so bey dem Cyro waren, gebotten den Griechen, dasz sie die lautschreienden feind liessen anlauffen, und mit stilschweigen empfiengen. wann dann die feind schwiegen, solten sie allererst mit geschray in sie setzen. Frölich Stobäus 388; wie ich bey den vortreibern war, so ersiehe ich leuth von unsz hinweg fliehen, und ich den nechsten satzt an sie inn wald, und erreit zween. Berlichingen 82; die christen aber setzten freidig in die heyden, und wurden auff beyden seiten viel erschlagen. Hennenberger preusz. landtafel 413; dass sie entweder nicht dapffer an den feindt setzen oder in die flucht gerahten. Fronsberger kriegsb. 3, 152ᵃ; drumb auch der mächtige held Caesar niemahlen an sie (die Germanen) setzen dörffen, und ist nur wenig tage auff disseit des Reins, uber welchen er gesetzet, geblieben. Micrälius alt. Pommern 1, 9; als er das gesagt, setzet er freudig an den feind. pers. rosenthal 1, 4; seine leute setzten .. mit solcher wuth in die Hunnen. Mascou 1, 434;
also hat er (Gustav Adolf) sein volck anführend mehr ergötzet,
und mitten in die feind (stehts sigreich) selbs gesetzet.
Weckherlin 637, 89;
(der feind) setzt unvermerckt an ihn, und fällt ihn an dem orthe,
da man es nicht gedacht.
Fleming 110.
bei unpersönlichem subject: sach hee to hant komende vele schepe, de like an see setten. quelle bei Schiller-Lübben 4, 198ᵃ. mit näherer bestimmung: sin mutikeit was so groʒ daʒ vel lant unde konigriche mit krige an on saztin. Ködiz leben des heil. Ludwig 53, 30; wir vermeynten, sie würden noch eins und mit mehr völckern an uns setzen. Mandelslo morgenl. reise 73ᵇ; mit den trouppen an die feinde setzen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 772ᵇ. mit gewalt an einen setzen. Kramer a. a. o., von thieren: wann eins schreyt, so lauffen die andern (schweine) alle mit grossen gruntzen und zorn, und wollen ihm helffen, setzen auch mit gewalt an den, der es beleidiget, da sie nit mit gewalt von ihm abgetrieben werden. Coler hausb. (1680) 452ᵇ. mit unpersönlichem logischen object, gewöhnlich unter personification:
und dennoch stehst du noch, ob Mars, der wüterich,
noch zweymal mehr so arg gesetzet hätt' an dich,
du unbezwungner Sund.
Fleming 56;
o dasz dich (eine fichte) nicht verletze
des Jupiters geschütz! o dasz nicht an dich setze
noch Mulcibers sein grimm, noch Aeolus sein trotz,
noch sonst ein freches beil!
Logau 1, 193;
so bleibt ein grüner strauch von blitzen unverletzt,
wenn der erhitzte grimm in hohe cedern setzt.
A. Gryphius (1698) 1, 4, 12.
b)
dann auch überhaupt von feindlichem verhalten und allgemeiner wie: zusetzen, quälen, bedrängen: setzen an einen, instare alicui, poscere aliquem. Dentzler 2, 263ᵃ. Adelung, in einen: darauff haben die räth so fast an hertzog Wilhalm gesetzt, dasz er in inen hat ergeben und ledig hat gelaussen. d. städtechr. 23, 178 (Augsburg, anfang des 16. jh.); Erasmo wil ich nicht ursach geben, jchts wider mich fürzunemen, und ob er einst oder zwier an mich setzte, wil ichs jm zu gut halten. Luther 2, 269ᵇ; wenn wir Christum bekennen, und recht leben, so wird uns die welt feind werden und an uns setzen. 6, 247ᵇ; ab ich aber zuͦ jr kame, und solliches (unziemliches) an sye muͦtet, die fraw mich mit züchtiger straff von jr meynt zuͦ weisen, und aber ich noch weiter an sye satzte, fienge sye mir an, als billich was, mit scheltworten zuͦ begegnen. Galmy (1540) 127ᵇ; wenn wir noch einmal an jhn setzen solten, und fragen: was er begehre, wenn er nur eine stunde in dem fewrigen ofen bleiben müste? Meyfart himml. Jerus. (1630) 2, 358; eben an dem tag, da diese junge maul-affen, die junge phariseer, zu Christo kamen, und vermeynten, sie wolten grosse fisch fangen, satzen die Sadduceer an ihn, und vermeynten, sie wolten an ihm zu rittern werden. Schuppius 790; es hat mir weiter niemand die suppe eingebrockt, als der ranzenadvokat drüben, der setzt auch an sie (stellt meiner braut auch nach). J. Paul biogr. belust. 137. mit dativ: daher die chanen und grosse herren, die ihm seiner kunst halber gerne das leben gegönnet, und mit anerbietung grosser königlicher gnade, herrligkeit und reichthum, so ferne er nur, wo nicht von hertzen, doch dem könig zu gefallen, sich würde beschneiden lassen, inständig an ihm satzten, nichts auszrichteten. pers. reise 4, 42. mit abhängigem satz: dieweilen aber ermelter der von Breutenbauch instendig in mich setzet, das ich meinem versprechen nachkomme. quelle von 1649 bei Dief.-Wülcker 853. mit näherer adverbialer bestimmung: ich wolt auch mit worten an euch setzen. Hiob 16, 4; mit grossen trüncken an einen setzen, poscere maioribus poculis. Maaler 371ᵃ; an einen setzen mit einer forderung, und mit gant und pfant wider ihn verfaren. quelle von 1669 bei Schm.² 2, 343; wer ist so herrlich behüttet worden für den sünden, als er (Joseph), da das, vom satan verblendete, und in sünden entzündete ehebrecherische weib Potiphars, mit ihrem bösen begehren an ihn säzte? Butschky Pathm. 364; es kan sich zutragen dasz jemand mit scheltworten oder wol gar mit thätlichen injurien an dich setzt. Weise kl. leute 291; an einen setzen mit fragen, mit plagen, mit der folter, mit versuchen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 772ᵃ; an einen setzen mit fragen, drohungen. Adelung;
die wir für ketzer schätzen,
wollen wir vom leben jagen,
nicht mit lehren an sie setzen,
noch, wie uns gott, sie vertragen.
Logau 2, 111, 63.
sinnlicher gewendet: denn wahrlich, herr pastor, der zudringlichen griffe, mit welchen sie an mich setzen, werden allmälig zu viel. Lessing 10, 130. bei unpersönlichem logischen object:
o krankes Luterthum ...
wie setzet doch an dich in deinen höchsten nöhten
dasz selbst gewachszne volck der Müntzerschen profeten.
Rist Parnasz 682.
setzen an etwas heiszt dann auch contendere ad aliquid, ambiri aliquid. Dentzler 2, 293ᵃ. bei unpersönlichem subject, freier:
das glücke setzt an mich, als wärs mir noch so sehr gewogen.
Weise überfl. gedanken 2, 102.
3)
feindliches verhalten bezeichnen auch die folgenden verbindungen.
a)
gegen einem setzen:
damit er werde sigehaft
an den, die sterclich
setzent gegen dem rîch
in Tuskan und in Lamparten.
Ottokar 13592 Seemüller;
Unfal wil iezund haben recht,
das tut mich wol bedünken,
setzt gegen mir vil armen knecht.
Gödeke-Tittmann liederb. aus dem 16. jh, 54, 1.
vgl. B, 1, b, β, ββ und γγ.
b)
auf einen setzen, im sinne kriegerischen angreifens:
der mit der schleuder kömpt, der kömpt mit einem bogen,
der mit der wehr', und der mit spiessen auffgezogen,
von nahem und von fern, von hinden und von forn,
und seiten wird auff jhn, gesetzt in grossem zorn.
Dietr. v. d. Werder 11, 48, 4.
freier auff einen setzen, eim aufsetzig seyn, insidias instruere. Maaler 371ᵃ, unum petere, in unum conspirare. voc. von 1618 bei Schmeller² 2, 343, petere, premere aliquem, conspirare in unum. Dentzler 2, 263ᵃ. auf unpersönliches bezogen: wir gsend (sehen), wie alle völcker uff unsern glouben setzen. Hans v. Rüte fastnachtsp. (1536) 4. heute veraltet wie aufsetzen in diesem sinne (vgl. dies 8 oben theil 1, 738), dafür aufsätzig sein, s. dies oben theil 1, 719.
4)
anders
a)
zu einem setzen, facere cum aliquo, una sentire. Dentzler 2, 263ᵃ, beistehen Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵇ: zu Conzen Marschalk Wilwolt von Schaumburg als seiner mueter brueder billich setzt. Wilwolt v. Schaumburg 70 Keller; gewöhnlich mit näherer bestimmung: wer etwar, der ainem rat nit gehorsam wolt sein, so wolten sie mit leib und guͦt zuͦ ainem rat setzen und die ungehorsamen helfen straffen. d. städtechr. 22, 210, 10 (Augsburg, 15. jahrh.); so wil er (gott) auch ... dir zehen tausent pfund schencken, wo du deinem schüldiger zehen groschen schenckest, und bey dir bleiben, und zu dir setzen, mit allem, was er hat, und vermag. Luther 6, 51ᵇ; die unterthanen müssen mit gunst und hülff zu ihren lieben obern setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵇ;
es gebürt und steht eim herrn an,
dasz er sey danckbar jederzeit
sein diener, die in lieb und leidt
zu jhm treulich gesetzt haben.
Ayrer 676, 32 Keller.
ähnlich zusammen setzen, sich verbinden zu gemeinsamer arbeit: nachdem also alleweg ir (der steinbrecher) zwen oder drei zusamen setzen und mit einander abraumen, arbeitten und steinprechen. Tucher baumeisterbuch 82, 7; wann man kleyn reichtumb treulich zusamen helt, und zwen freund zusamen setzen, so sindt sie unverdorben. Franck sprichw. 1 (1541), 15ᵇ.
b)
im gegensatz dazu von einem setzen, abbandonar' il suo partito. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 773ᵇ: und meint ein rat, wenn der genant Hanns (von Streitberg) auszgesont wurde, das dadurch den Waldenfelsern merckliche volg, nachryt, herberg, kuntschaft und beistand geprochen würde, und das auch ander erber lüt den Waldenfelsern dester ee absten, von in setzen würden. d. städtechr. 2, 76, 3 (Nürnberg, 15. jh.); offt wol umb eins geringen worts willen werden sie so uneynig, dasz sie gar von einander setzen, und trennen yhre freündschafft. Agricola sprichw. 376; sein allerbeste freund und gesellen setzen von jm, und haben sorg, wo sie sich seiner annemen, es möchte jnen ein gefehrligkeit darausz erfolgen. Gretter erkl. der ep. Pauli an die Römer (1566) 540;
will Amarillis denn in diesem von mir setzen?
Hoffmannswaldau getr. schäfer 58.
mit etwas von einem setzen: wann wir wöllen, dasz gott mit seiner gnade nicht von uns setze, sollen wir jn als einen waren gott ehren. Gretter erklär. der ep. Pauli an d. Römer (1566) 91; ey warumb hat jn (Abel) dann gott nicht vor seinem bruder beschirmet ..? hat er dann mit seiner gnade von jm gesetzet? 533; das er (gott) offt musz mit gnaden von uns setzen. Lobwasser dedication der psalmen 5.
5)
in engem zusammenhang mit 1 vom durchschwimmen eines gewässers: bald haben sie den Schwaben und Schweitzern zu leyd auf jrem bauch uber den Rein gesetzt. Gargantua 223ᵇ. ähnlich: mit dem pferde über den flusz, durch das wasser setzen, schwimmen. Adelung. vom durchfahren mit einem schiff: mit der schaluppe über den meerbusen setzen. ebenda. vom überschreiten auf einer brücke, im bilde: mir sagt eine traurige ahndung .. dasz du die brücke seyn werdest, Egmont, über welche die Spanier in das land setzen. Schiller 7, 287. in diesen gebrauchsarten, meist vom durchfahren, dann auch ohne modalen zusatz: die vereinigte schwedisch - sächsische armee setzte über die Mulda. Schiller 8, 188; die einen hatten abschied genommen über das meer zu setzen. Göthe 23, 225; wir hatten über die Maas gesetzt. 30, 124;
über den Euripus hab' ich gesetzt.
Schiller Iphig. in Aulis 181.
ebenso ans land, an land, in älterer sprache auch zu lande setzen: da er (der führer einer flotte) wegen menge der felsen und verborgenen klippen nicht zu lande setzen kunte. Opitz Argenis 2, 338; Poliarchus hatte an das landt gesetzt. 375; und setzete am lincken ufer des flusses an land. Mascou 1, 92; flotte ... welche zwischen Narbonne und Leucte ... an land setze. 2, 300. heute ist in solchem gebrauch haben ungewöhnlich.
6)
bergmännisch sich erstrecken. Adelung. Jacobsson 4, 147ᵇ. Veith 447: viele gänge setzen nur bis ans ganze gesteine, viele biss durch den gemss, viele durch die dam erde. quelle v. 1748 ebenda; der gang setzt in das gegengebirge. Adelung; ein schwarzes schieferartiges gestein setzt in das gebirge. ebenda; das erz setzt in die teufe. Jacobsson a. a. o.; so setzt auch asbest durch den anstehenden thonschiefer. Göthe 51, 49.
D.
unpersönlich mit pronominalem subject und abhängigem accusativ, nur ausnahmsweise mit nominativ. vergl. Heilmann Thucyd. 452 unter b, α.
1)
das setzt, macht, gibt, im anschlusz an allgemeine transitive anwendung, besonders solche gebrauchsarten, wo setzen an die bedeutung 'machen' rührt. vgl. A, 3, a, γ. b, β. b, θ, ππ. 4, a und b: das setzt speck. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 774ᶜ; das setzt kein gut geblüt. ebenda; das setzt bei euch weibern kein gutes blut. Lenz 1, 155; dat settet wat, das wird zank geben, daraus wird zank erwachsen. Schütze 4, 98.
2)
es setzt, es gibt.
a)
zunächst wol im sinne von eintragen, einbringen, dann von gegeben, gemacht werden (vgl. 1).
α)
deutlich von gewinn, mit dativ der person, aber so, dasz das subject sich logisch verflüchtigt:
steht der gelahrte facultist
dagegen noch viel kahler.
dem setzt es kaum, wenn's köstlich ist,
zwei gulden oder thaler.
Bürger 40ᵃ.
es setzt etwas, von geschenken. Hertel thür. sprachsch. 228.
β)
in engem zusammenhang damit und zugleich im anschlusz an A, 3, a, β, ββ: was setzet es heut gut's bey euch? was gibt es zu essen? Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 774ᶜ; es hat heut was guts gesetzt. ebenda; auf mittag setzt's küechel. Schm.² 2, 343.
γ)
in enger verbindung mit α und β und zugleich im anschlusz an A, 3, a, α, ιι von schlägen. den zusammenhang mit β zeigen wendungen wie: es wird brügelsuppe setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᶜ; es setzt was warmes, aber nischt gekochtes, prügel. Albrecht 212ᵃ. auch allgemein so: es wird stösse setzen. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 774ᵇ; es setzt maulschellen. Steinbach 2, 350; es wird gewisz schläge setzen. Adelung; ich dachte zuletzt es würde schläge setzen. Göthe 15, 51; es setzt schleg. Schm.² 2, 343; et setzt prüjel, hiebe, keile. Brendicke Berliner wortschatz (1897) 182ᵃ;
setzt es denn einmal
tüchtige schläge, so nimmt man sie mit, so gut als ein andrer.
Göthe 40, 160;
da setzt's hiebe.
Schiller Wallenst. lager 9;
geh mir aus dem wege
oder es setzt schläge.
Kotzebue dram. sp. 297.
es setzt etwas. Hertel 4, 98; dar settet et wat. Dähnert 422ᵇ.
δ)
ähnlich es wird heut späne setzen, es wird ein treffen geben, bei dem verluste vorkommen werden. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 774ᶜ; bey diesem verfluchten kriege setzets viel armer und verderbter leute. ebenda; weist du nicht, Schufterle, wie viel es tode gesezt hat? Schiller räuber schauspiel 2, 3.
b)
in die allgemeinere bedeutung des erwachsens, entstehens übergehend.
α)
von streit und unannehmlichkeiten: es setzt händel, oriuntur lites. Steinbach 2, 350; worüber es bald zu rotten und trennungen kam, und heftige streitigkeiten sezte. Heilmann Thucyd. 199; wobey es ein haufen wortwechsel und irrungen setzte. 452; es würde hier noch ein sauer stück arbeit für sie setzen. 505; wer sonst Ricimius gewesen, und was es für streitigkeiten über seinen namen setzt, davon kann man den cardinal Quirini .. nachlesen. Lessing 9, 48; in ansehung des wehrgutes setzte es zwar .. grosse verwirrungen. Möser osnabr. gesch. 1, 80; was würde dieses für ein wehklagen unter den schönen von Stade setzen. Lichtenberg 7, 305; es hat einen fürchterlichen zank gesetzt. Adelung; wenn wir dereinst unsere schleusen ziehen, so wird es die grimmigsten händel setzen. Göthe an Schiller 22 juni 1799;
es setzte müh genung, den gram heraus zu würgen.
Günther bei Adelung;
nun setzt es erst gefahr.
Hagedorn 2, 91.
mit näherer bestimmung: nun setzt es sogleich mit der authenticität dieses buchs .. viel schwierigkeit. Kant 6, 348. mit unbestimmtem object: Spiegelberg .. ich rieche pulver — Razmann. sapperment! ich riechs auch schon lang. — gib acht, es wird in der näh was gesetzt haben. Schiller räuber schauspiel 2, 3. ähnlich: allwo es ein leben setzte, dergleichen ich lang nach geseufftzet. Simpl. 3, 234, 2 Kurz.
β)
allgemeiner in bezug auf menschliches thun: inmittelst aber .. satzte es im wirthshause einen lächerlichen possen. Weise erzn. 29 neudruck.
γ)
von witterungserscheinungen: gleich auff negst verstrichenen herbst, da es, wie bekandt, einen ausbündigen nachsommer setzte. Simpl. 3, 166, 30 Kurz, meist von unangenehmen: es wird heur grossen schnee setzen. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 774ᵇ; es wird noch frost und kälte gnung setzen. ebenda; heint setzt's regen, schnê, wind. Schm.² 2, 343.
c)
im sinne von vorhanden sein:
hier setzt es mäuse.
Günther 163;
hier satzt es nichts als bärenhäuter.
ebenda.
ähnlich, aber mit deutlicher beziehung zu a, α: (wir straszenräuber) spanten hernach 6. schöner pferde aus und öffneten in der eil von ballen und fassen, was wir konten, worinnen es viel seiden - wahr und englisch tuch setzte. Simplic. 3, 223, 10 Kurz.
3)
vereinzelt es setzt sich, im sinne von 2, b: allwo es sich etwas lächerlichs setzte. Simpl. 4, 315, 23 Kurz.
E.
adjectivischer gebrauch des part. prät.
1)
im anschlusz an II, A, 3, b, β im sinne von 'bestimmt' nicht nur in wendungen wie gesetzter preis (vgl.θθ), sondern auch mit völligem schwinden des verbalen begriffs: geht man von dieser vollständigen auflösung ab, so musz man annehmen, sie ginge nur bis zu gewissen kleinen klumpen der aufzulösenden materie, die in dem auflösungsmittel in gesetzten weiten von einander schwimmen. Kant 8, 524. substantiviert das gesetzte, bestimmte: er bekommt sein gesetztes, wobei der verbalbegriff meist durchschimmert.
2)
im anschlusz an A, 1, b, ε und B, 1, b, α, ββ wie 'ansässig', veraltet: dehain burger noch burgerin, sy sien gesetszet oder ungesetszet. d. städtechron. 5, 388, 26 (Augsburg, von 1389).
3)
wol im anschlusz an B, 3, c von kräftigem, gedrungenem körperbau, veraltet: ein gesetztes mensch, foemina lacertosa, staturae statae. Stieler 2039; eine starke gesetzte weibesperson. Adelung. vgl. untersetzt.
4)
im anschlusz an B, 3, e von innerer ruhe, festigkeit: ein gesetzter alter mann. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 775ᵃ; ein gesetzter mann. Adelung; die älteste tochter, Landolts mutter, führte den haushalt, und die ihr auferlegte pflicht bewirkte, dasz sie die beste und gesetzteste person der familie war. Keller 6, 161. gesetztes gemüth. Frisch 2, 267ᵇ. Adelung. gesetzter verstand, geist:
freilich ist er zu preisen, der mann, dem in reiferen jahren
sich der gesetzte verstand aus solchem frohsinn entwickelt.
Göthe 40, 238;
herr, richte, wenn du alles weiszt,
spricht jener mit gesetztem geist.
Schiller 11, 274.
ähnlich: nach dem masze, als sein (des menschen) körper sich ausbildet, bekommen die fähigkeiten seiner denkenden natur auch die gehörigen grade der vollkommenheit, und erlangen allererst ein gesetztes und männliches vermögen, wenn đie fasern seiner werkzeuge die festigkeit und dauerhaftigkeit überkommen haben, welche die vollendung ihrer ausbildung ist. Kant 8, 367. auch von der bethätigung solcher inneren ruhe: wir müssen uns zu der gesetzten erwartung unvermeidlicher übel gefaszt machen. Gellert bei Adelung; eine gesetzte antwort geben. Adelung; in gesetztem tone reden. adverbial gesetzt denken, reden: aber diese springende lebhaftigkeit eines affen wird in einem schönern lichte erscheinen, wenn man die gesetzter denkenden versichert, dasz er (der apotheker) hinter ihr blos eine andere ähnlichkeit, nämlich hab- und greifsucht eines affen, geschickt verbergen wollte. J. Paul komet 1, 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 643, Z. 45.

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Zitationshilfe
„gesetzt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesetzt>, abgerufen am 01.12.2021.

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