Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gesichtig, adj. und adv.

gesichtig, adj. und adv.
wie sichtig, mhd. sihtic.
1)
sichtbar, deutlich, ahd. gesihtig, mhd. gesihtec, gesihtic, auch gesihteclich, adv. gesihteclîchen, mnd. ghesichtigh, nhd. die gesichtigen creaturen, himmelreich und ertreich. Keisersberg predigten üb. d. alphabet 15; recht lernen jn (gott) lesen an dem buͦch der gesichtigen ding. siben hauptsünd ee 6ᵃ; gott well geben .., dasz si allen iren fînden, gesichtig und ungesichtig, überwintnisz geben. Stretlinger chr. 197, 15 Bächtold; gewisse warzeichen, die mit den augen gesichtig würden. Paracelsus (1590) 6, 50, ausg. v. 1616 1, 806 A, gesichtigt 1570; appenz. licht, hell, e gsichtige stoba, sobald es am morga gsichtig ist, richtige und gsichtige rechnig (klare rechnung), dazu das zeitwort gesichtigen, hell oder heller werden Tobler 244ᵃ.
2)
innerlich schauend: mhd. ein gesihtic gemüete, hier inne hât diu sêle got. myst. 2, 252, 12. 251, 27 Pf.
3)
blos anscheinend, ins gesicht fallend Schm.² 2, 247: was da gesichtig, aber nit gewichtig. Abr. a S. Clara.
4)
ein gewisses angesicht, aussehen habend, in zusammensetzungen: den krummgesichtigen (Hunnen). Scheffel Ekkeh. (1893) 213; recht fein gebeuteltes mehl ist wohl weiszgesichtig, aber nur auf kosten der güte. müllerbericht im Leipziger tageblatt 8. januar 1892.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4100, Z. 14.

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Zitationshilfe
„gesichtig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesichtig>, abgerufen am 04.12.2021.

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