Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesinnen, verb.

gesinnen, verb.
eichen, visieren, verstärktes sinnen, aus franz. signer, lat. signare Alemannia 5, 19, 28 (14. jahrh.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4117, Z. 51.

gesinnen, verb.

gesinnen, verb.,
mhd. gesinnen, ahd. gisinnan, verstärktes sinnan, proficisci, tendere, das durch angleichung aus sindan entstanden und nebst dem gleichbedeutenden sindôn von sind, sinth, weg, reise, abgeleitet ist, von dem auch gesinde (s. d.) herstammt. das wort ist von körperlicher bewegung und richtung (einen weg einschlagen, nach einem ziel gehen) allmälich auf die geistige (trachten, denken) übertragen, vgl. gedanke II, 12, c sp. 1968 und gedankengang. im nhd. hat sich zur ursprünglich starken flexion auch die schwache gesellt, prät. gesann und gesinnete, part. gesonnen und gesinnet.
1)
gehen, reisen, kommen: ahd.
thaʒ hera in worolt io gisan   von dem bruʒîgen man (gebrechlichen menschen),
theist allaʒ fleisg.
Otfrid 2, 12, 33;
mhd. als er dô wider haim gesan.
Diemer ged. d. 11. u. 12. jh. 193, 28;
duo Cêsar widere ci Rôme gesan (zurückkehrte).
Annolied 397.
2)
streben, trachten, mit gen. des ziels oder nach, mit infinitiv oder abhängigem satze: ahd.
thô sie thes bigunnun,   ze himile gisunnun.
Otfrid ad monachos St. Galli 69;
(dasz) er thes gisunni,   zen ôstoron waʒ giwunni.
4, 12, 49;
mhd. vrou Hilde hete nie
lâʒen ûʒ gedanken,   wie si dâ nâch gesünne,
wie si ir lieben tohter   ûʒ Ormanîelande gewünne.
Gudrun 1071, 3;
meiner sunde ist sô vil
daʒ ich engetar noch enwil
nimmer gesinnen
daʒ ich antlâʒ gewinne.
anegenge 20, 53;
das wir lieber sterben, dann sollich mördtlich übel ze thuͦn in unser hertz, danck und gemüet komen lassen oder gesinnen wöllten. Augsb. chr. 2, 324 anm. (von 1467); er gesann Oliviers (trachtete nach ihm mit einem streich). Fierrabras B 4;
das leben ..
sich that zum scheideu stellen,
gesann der duncklen strasz.
Spee trutzn. 43;
reflexiv: so kann ich auch meinen gesellen nachsagen, dasz sie sich nach ihrer küchin oder tafel niemals gesinneten. Andreae chym. hochz. 1, 6, p. 116.
3)
begehren, verlangen, ansuchen.
a)
mit gen. des objects:
daʒ der furste Herman
ir jungen dochter dâ gesan
sîme sune zû der ê.
h. Elisabeth 446;
unser herre der konig hat laszen gesinnen rats von den stetten. Janssen reichscorr. 2, 70 (von 1444); als der konig siner cronunge gesanne. 2, 118 (von 1452); wanne si des gesonnen, so mogent si uns mit geistlichen gerichte drengen. Limb. chr. 143, 4 Wyss (von 1390); der lehenmann (soll) eins knechts von des gotshaus wegen gesinnen, mit ime zu gaen. weisth. 2, 383.
b)
mit acc. der sache: die kirchemeister, so sie das gesinnen. weisth. 2, 463; er erkant, das Reinhart nichts unbillichs fordert oder gesan. Aimon V 1; er gesinnt an mich grosze dorheit. Fierrabras D 2; was dieselbe an mich gesinnen. Simpl. 1, 286.
c)
mit infinitiv: wer zu Senheim sitzt oder dar khombt und gesint burger zu werden. weisth. 2, 433 (von 1482); mit abhängigem satze: ob aber der kaiser wol an den marggrafen von Brandenburg und den herzogen von Mecklenburg gesinnete, dasz sie ihrem nachbarn hülffe leisten solten. Micrälius alt. Pomm. 2, 266.
d)
die person, von der man etwas verlangt, entweder mit präp. oder im dativ beigefügt.
α)
mit an und acc., vgl. ansinnen:
als ich an dich gesinne.
Hartmann büchl. 1, 1840;
wanne dy stat des an sy gesinnet. Limb. chron. 145, 13 Wyss (von 1393); der, an den das anlehen (anleihe) gesonnen wurde. Nürnb. pol.-ordn. 29 Baader; (wenn bürger) ir burgerrecht auffgeben und nachfolgendt desselben burgerrechten wider an ainen erbern rate gesinnen. 27; arbeit an jemand gesinnen. Dief.-Wülcker 616 (15. jahrh.); wöllent jr mir volgen, so sollent jr an den könig gesinnen. Aimon h 1; und dann an sie gesinnet und gebeten. verhandlungen d. schlesischen fürsten und stände von 1619 s. 208; alles was an euch gesonnen werden kann. Adelung. — an mit dativ: wanne wir des an in oder an dem conventie gesinnen mit unserm gelde. Limb. chron. 125, 53 Wyss (von 1373); obe si des an mir gesinnen. 147, 9 (von 1395); des guids an dem herrn gesinnen. weisth. 3, 64 (Westfalen, um 1500).
β)
mit zu:
daʒ man schiere wirt gewert
swes man zu dir gesinnet.
erlösung 1109.
γ)
mit bei: es haben bei mir etlich meiner guten freunde, veter und herrn gesonnen, etwas geistlichs und christenlichs e. f. g. zuzuschreiben. Luther 1, 62ᵇ; darum begehren wir, du wollest bei ihnen gesinnen, dasz sie die werbung an doctor Martinus tragen wollten. schreiben des kurfürsten Friedrich in Melanchthons op. 1, 619 Bretschn.; es soll ein auszwändiger (händler), der sich gern ernehren wolt, macht haben an einem atz auf der heerstraszen zu bawen, und bei dem schultheisz der maszen (um die ortsüblichen nasz- und trockenmasze) gesinnen. weisth. 4, 762.
δ)
mit in: haben zugleich in die abgeschickten gesinnen lassen, gute beförderung zu thun. verhandlungen der schles. fürsten u. stände von 1619 s. 203.
ε)
im dativ, einem etwas gesinnen Würzb. verordn. von 1685 bei Schm.² 2, 292: der dechan von Hildenszheim gesann dem bischoff von H. geleids. Janssen reichscorr. 1, 424 (von 1438).
e)
als ausdruck der kanzleisprache, vornehmer als bitten, höflicher als befehlen: wir gesinnen hiermit an euch, mandamus Stieler 2034, vgl. den subst. inf. gesinnen 1; insbesondere von fürsten und höherstehenden in gnädiger, herablassender meinung gegenüber untergeordneten gebraucht: so ist unser begehrung an uch gutliches fleiszes gesinnende, ihr wollet .. Haltaus 689, erzbischof Berthold v. Mainz an die Erfurter 1492; gnediglich gesinnend und begerend. erlasz kurf. Augusts v. Sachsen vom jahre 1575 bei Bartisch augend. C 2ᵃ.
f)
im lehenrecht, die lehen gesinnen, vom vasallen, die belehnung, die investitur nachsuchen: dar umb das ich meine lehen mit fleisze gesunnen habe. Haltaus 689, Joh. v. Schlantewitz an den kurf. Friedrich v. Sachsen 1463; vor uns (herzog Heinrich v. Schlesien) komen ist unser getrawer liber Jorge vom Berge noch tode unsers vaters .. unde hot seine lehen forder gesonnen of dy Newnstad of seine drei teil mit aller zugehorunge, alze her das von alders mit seinen brudern von unserm vater zu lehen gehot hot. schles. lehnsurkk. 209 Grünhagen-Markgraf 209 (von 1470); ursprünglich mit gen. der sache: (der lehnsmann) ne darf nimmer des gudes mer gesinnen. lehnrecht art. 22 § 3; des guids und erves binnen dreien monden an dem herrn gesinnen. weisth. 3, 64 (Westfalen, um 1500).
g)
im gerichtsleben, vom kläger: oder war ein klager des angriffes gesinnet. Haltaus 688 (Köln, von 1375); peinliches rechtens gegen dieselbe gesinnen. ebenda (von 1498); die gesonnene gewähr, die von dem kläger geforderte gewähr, bei der klage zu bleiben und den beklagten dieser sache wegen gegen andre zu vertreten. Adelung, guaranda exacta Hayme 253; gerichtlich belangen: und die gebrechen in oeren hoffsgerichte nicht gesinnen konten. weisth. 3, 54 (Westfalen, 16. jahrh.).
4)
oberd. einen zu etwas gesinnen, ihn dazu bewegen, disponieren Adelung.
5)
reflexiv mit gen., wofür sorgen, sich einer sache annehmen: ist aber der erbe ûʒwendic landes, sô sol sich der huober gesinnen des guotes. weisth. 4, 264 (Elsasz, 13. jahrh.).
6)
gesinnung haben, meinen: mnd. de Schwede und Palen sin der sake ok uneins geworden und hefft sick ein jeder van beiden gesinnen laten, he were der negeste in Lifflandt und best dartho berechtiget. Schiller-Lübben 2, 81ᵇ; denken, gesinnt sein: es ist nicht möglich, mit kleinen und nichtswürdigen dingen sich zu beschäftigen, und zugleich grosz und edel zu gesinnen. Kosegarten rhaps. 3, 250.
7)
im part. gesonnen sein, das ebensogut zu sinnen (s. d.) gehört.
a)
gesonnen sein an jem., das ansinnen an ihn richten: ich bin an euch gesonnen, dasz einem unter euch beiden beliebe, die erste nacht bei ihr zu schlafen. Mandelslo 144ᵃ.
b)
auf etwas bedacht sein:
wier waren schon gesonnen,
was wier für lustigkeit, für freuden und für wonnen
auff diesen schönen tag uns wolten nähmen für.
P. Fleming 77.
c)
sinnes und willens sein, im sinn haben, entschlossen sein, für das ältere gesinnt sp. 4121, nr. 5: das bin ich gesonnen zu thun. Frisch 2, 279ᵇ; dasz wir diese den alten unbekandte meinung noch nicht zu glauben gesonnen. A. Gryphius 1663 A 3ᵃ (vorr. zu Leo Armenius);
der könig ist gesonnen,
vor abend in Madrid noch einzutreffen.
Schiller V, 2, 148 (don Carlos 1, 1);
und jetzt, sagt man, sind sie gesonnen,
in ihrem vaterland sich selbst zu leben?
167 (1, 4);
ich bin nicht gesonnen,
in meiner diener schuld zu stehen.
302 (3, 10);
vereinzelt sogar für gesinnt in politischer hinsicht: die dänisch gesonnene bevölkerung. Leipz. zeitung 3. sept. 1849.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4117, Z. 53.

gesinnen, n.

gesinnen, n.,
subst. infin. des vorigen.
1)
das begehren, verlangen, ansuchen:
daher dan mein gesinnen,
wan eine under euch den apfel soll gewinnen,
dasz mir die andre zwo .. meine wahl und urtheil zu verzeihen
geruhwen.
Weckherlin 730;
vielgebraucht in der kanzleisprache, vgl. das verbum gesinnen 3, e und ansinnen theil 1, 463: so sol solicher kauf auf begern und gesinnen des andern gehalten werden. Nürnb. pol.-ordn. 135 Baader; will ich euch uff ewer gesinnen zu wissen ton. Baumann quellen 2, 481; sollen statthalter ... macht haben, auf ihr gesinnen zu erlauben. reichsabschied von 1521 § 32 (2, 176); und ist demnach unser gnedig gesinnen und ernstlich begehren an euch. Karl V an den rat zu Braunschweig 1555 bei Haltaus 689; darum wäre unser fleiszig gesinnen an ihn, er wollte solches bei kais. maj. unterthänigst entschuldigen. kurf. Johann Friedrich in Melanchthons op. 4, 307 Bretschn.; hierumb denn mein gnedig gesinnen und beger, mir hierin .. hülff zu erzeigen. Amadis 1, 18 Keller; so ist an euch unser gönstigs gesinnen. Sattler rhetorick (1607) 358; ist unser gesinnen und ersuchen: sie uns hierunter im besten verentschuldigt zu halten. verhandl. d. schles. fürsten u. stände von 1618 s. 77; Henrich könig zu Navarra schicket seine legaten zu vilen fürsten und potentaten, mit hochfleiszigem gesinnen und bitt, in sein vorhabende conspiration zu bewilligen. Mayr epitome (1604) 158ᵃ; ihn von dem an mich gethanen gesinnen informirte. Leibnitz 2, 198; behörden gleichen ranges pflegen an einander nicht die bitte oder das begehren, sondern das gesinnen, oder das ansinnen, die ansinnung zu stellen, dasz etwas gethan oder gelassen werde Schm.² 2, 292.
2)
meinung, willen: wurde sein gnaden durch unser zugeschickt soldener uf seiner maj. gesinnen gen Wendelstein gewisen. Nürnb. chr. 5, 519, 2 (von 1471); also ist hertzog Ott, wiewol wider der teütschen fürsten gesinnen, doch dem bapst zuͦ gefallen künig worden. Hutten 5, 372, 12 Böcking; ist doch mein geneigter will gegen euer liebden in aller ehren so grosz und mein dienstlich gesinnen so bereit. Amadis 1, 162 Keller; thun euch damit dem allmächtigen samt allen euren geliebten fröhliches gesinnens befehlen. brief des abts Hartmann v. Fulda vom jahre 1528 bei Haltaus 689.
3)
gesinnung:
hier ward dein hoch gesinnen
nach wundsche wol gehört.
P. Fleming 184, 89 Lappenberg;
habt, edle, dank für euer gut gesinnen.
499, 18, 4;
(dasz, wenn ihr) für sie sogar entfernung, ekel, hasz empfindet,
ihr ein so kränkendes gesinnen ihr verschweigt.
Nicolay verm. ged. 6, 193.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4119, Z. 54.

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Zitationshilfe
„gesinnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesinnen>, abgerufen am 04.12.2021.

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